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Groß ist, was wir nicht sind. : "Geistesgröße": Vorsichtige Umkreisung von Denkmälern

Noltze, Holger

"Größe" wird, zumal als Namenszusatz "der Große", "die Große" (Friedrich, Katharina), vor allem auf militärisch-politische Machtgrößen bezogen. Die Gabe und Kraft, eine Zeit zu prägen, eine Richtung zu weisen, sollte dazu kommen. Davon ausgehend wird das Konzept der "Größe" in Literatur, Kunst, Musik untersucht. Der Begriff "Geistesgröße" erweist sich allerdings als wenig wirksam. "Größe" in der Kunst entsteht, wenn Außerordentlichkeit im Leben und die Bereitschaft der Mit-, vor allem der Nachwelt zusammentreffen, solche markante Besonderheit als "Größe" zuzuschreiben. "Größe" kann dann als Orientierungsgröße funktionieren. Der Moderne kommen dann die Maßstäbe abhanden; weil die Kriterien fehlen, wird Größe zum historischen, phantasmatischen Fluchtpunkt. Der Zeitgenosse findet Außerordentlichkeit eher in der Kategorie des Neuen; so wird "Umstrittenheit" (als Kennzeichen des Neuen) zur Ersatz-Größe. Dem entspricht, dass Größe, wo sie noch behauptet wird, suspekt erscheint. Der Dichter Robert Walser will gerade "klein sein und bleiben"; und im Medium des Popsongs wird von der Band "Wir sind Helden" zur Zerstörung von Denkmälern aufgerufen, um eben dadurch das "Eigentliche" zu erhalten. So lässt sich "Größe" letztlich nur noch, mit Jacob Burckhardt, ex negativo bestimmen: Groß ist, was wir nicht sind.