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    C. Andenna, G. Blennemann, K. Herbers, G. Melville (Hg.), Die Ordnung der Kommunikation und die Kommunikation der Ordnungen. Band 2 (Gudrun Gleba)

    Francia-Recensio 2014/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Cristina Andenna, Gordon Blennemann, Klaus Herbers, Gert Melville (Hg.), Die Ordnung der Kommunikation und die Kommunikation der Ordnungen. Band 2. Zentralität: Papsttum und Orden im Europa des 12. und 13. Jahrhunderts, Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 2013, 331 S. (Aurora – Schriften der Villa Vigoni, 1.2), ISBN 978-3-515-10301-5, EUR 56,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Gudrun Gleba, Osnabrück

    Die Vorbemerkungen erläutern knapp, in welchen durch die Herausgeber gesetzten Rahmen sich die 16 Beiträge (1 englischer, 9 deutsche und 6 italienische) einordnen: Nachdem bis ins beginnende 11. Jahrhundert die Päpste lediglich auf Anforderungen reagierten, die von außen an sie herangetragen wurden, agierten sie seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts aus eigener Initiative heraus und »förderte[n] damit die Organisation und Konstituierung eines Kulturraums Europa, in dem jedoch gleichzeitig – wenn auch in unterschiedlichem Maße – regionale Traditionen gewahrt wurden. Das Papsttum erlangte über den politischen Partikularismus eines in Regionen, Reiche und Landesherrschaften zergliederten Abendlandes hinweg universale Wirkung« (S. 10). Dieses Angebot einer Selbstversicherung Europas mit den Orden und dem Papsttum als seinen mittelalterlichen »Innovations- und Integrationsinstanzen« (S. 11) wird von den einzelnen Beiträgern allerdings weniger berücksichtigt als die Aufforderung, Mitteln der Herrschaftsdurchsetzung und -anerkennung nachzugehen. Englischsprachige Zusammenfassungen der Beiträge finden sich ebenso wie ein Orts- und Personenregister am Schluss des Bandes.

    Weniger die Diskussion darum, was Zentralität ausmacht, als konkrete Formen der Umsetzung des päpstlich gesetzten Zentralitätsanspruchs bestimmen die Inhalte der Beiträge. Hier liegt auch unbestritten die Stärke dieses zweiteiligen Sammelbandes, dessen erster, 2012 herausgegebener Teilband sich mit den Kommunikationsstrukturen von Orden und Klöstern des Mittelalters beschäftigt hatte. Etwas irritierend wirkt die Gliederung in vier Unterabschnitte mit einer allein quantitativ sehr ungleichgewichtigen Zuordnung der Beiträge und einer doch eher angestrengten Bemühung metasprachlicher Abstraktion, wenn z. B., als einziger Beitrag, die konzise Zusammenfassung zu den Beschlüssen des vierten Laterankonzils und deren Vermittlung in christliche Lande im Inhaltsverzeichnis unter dem Abschnittstitel als »Generierung und Diffusion neuer Ordnungskonfigurationen« gefasst wird.

    Folgende Themen werden an unterschiedlichen Beispielen präsentiert: einerseits die Einflussnahme des Papsttums auf die neuen Orden des 12. und 13. Jahrhunderts mit Blick auf ihre internen Organisationsstrukturen ebenso wie mit Blick auf ihre Kommunikationsformen (Martin, Alberzoni, Könighaus), andererseits die Orientierung an und die Nutzung von Ordensstrukturen für päpstliche Belange (Grasso, Schmidt), des Weiteren die »Verlängerung des päpstlichen Arms« durch Kardinäle und Legaten und die Anstrengungen des Papsttums, das kanonische Recht durch Schriftlichkeit und delegierte Gerichtsbarkeit durchzusetzen (Blumenthal, Müller, Andenna, Zutshi, Cariboni, Paciocco), und die Ablösung des Papsttums von Rom als alleinigem räumlichen Bezug (Paravicini Bagliani,Wetzstein, Johrendt).

    Immer wieder ist es das Laterankonzil von 1215 unter Innozenz III., das Erwähnung findet, wenn es darum geht, für das sich verändernde kommunikative Handeln des Papsttums eine Orientierungsmarke zu setzen.

    So subsummiert dieser Band eine Fülle von vor allem auf Italien und das Reich ausgerichteten Überlegungen zum Verhältnis zwischen Papsttum und Orden sowie zur Frage päpstlicher Raum- und Rechtsvorstellungen. Und jeder einzelne Beitrag bietet eine Vielzahl von Anregungen, ganz unabhängig vom Aspekt der Zentralität oder dem oft überstrapazierten Kommunikationsbegriff. Den abschließenden »Beobachtungen und Perspektiven zur begrifflichen Einordnung« von Cristina Andenna und Gordon Blennemann ist es zu verdanken, dass sämtliche Beiträge beider Teilbände zur Ordnung der Kommunikation und der Kommunikation der Ordnungen noch einmal aufeinander bezogen werden. Vor allem aber regen sie zur Diskussion über konzeptionelle Begrifflichkeiten und begriffsstarke Konzeptionen an, wie sie z. B. mit Europa und christianitas , Zentrum und Peripherie, Zentralität und Polarität zur Verfügung stehen.

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    PSJ Metadata
    Gudrun Gleba
    C. Andenna, G. Blennemann, K. Herbers, G. Melville (Hg.), Die Ordnung der Kommunikation und die Kommunikation der Ordnungen. Band 2 (Gudrun Gleba)
    CC-BY 3.0
    Hohes Mittelalter (1050-1350)
    Europa nördlich und westlich der Italienischen Halbinsel / Alte Welt
    Kirchen- und Religionsgeschichte
    6. - 12. Jh.
    4015701-5 4031225-2 4043726-7 4044561-6
    1100-1300
    Europa (4015701-5), Kloster (4031225-2), Orden (4043726-7), Papst (4044561-6)
    PDF document andenna_gleba.doc.pdf — PDF document, 95 KB
    C. Andenna, G. Blennemann, K. Herbers, G. Melville (Hg.), Die Ordnung der Kommunikation und die Kommunikation der Ordnungen. Band 2 (Gudrun Gleba)
    In: Francia-Recensio 2014/4 | Mittelalter - Moyen Âge (500-1500) | ISSN: 2425-3510
    URL: https://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2014-4/MA/andenna-blennemann-herbers-melville_gleba
    Veröffentlicht am: 12.12.2014 11:35
    Zugriff vom: 18.10.2018 07:38
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