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M. Kaiser: Die Tochter ihrer Mutter

KultGeP - Colloquien 2 (2016)

Michael Kaiser

Die Tochter ihrer Mutter.

Anna von Preußen und das politische Erbe der Maria Leonora

Abstract

Anna von Preußen hatte als Kurfürstin von Brandenburg eine umfängliche politische Agenda, der sie sich mit großem Engagement widmete. Woher wusste sie, wie sie sich in diesen politischen Geschäften zu verhalten hatte? Da die Erziehung einer Prinzessin normalerweise kaum eine Vorbereitung auf politische Herausforderungen vorsah, ist es naheliegend, in den Zielen, Vorstellungen und Verhaltensformen, wie sie sie von der Mutter her kennenlernte, die prägenden Muster zu suchen. Entsprechend untersucht der Beitrag, wie sich Anna am Vorbild ihrer Mutter Maria Leonora orientierte. Konkret geht es um das Jülicher Erbe, die Kontroversen um die Konfessionsfrage sowie allgemein um die Rolle als Regentin.

Einleitung: Die fürstliche Mutter als Erzieherin

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Im Jahr 1594 war es soweit: Anna, die erstgeborene Tochter des Herzogs von Preußen, sollte mit Johann Sigismund, Markgrafen von Brandenburg, verheiratet werden. Bereits im Vorfeld dieses Ereignisses hatte Joachim Friedrich, der Vater des Bräutigams, die Hoffnung geäußert, dass die Braut alle guten Eigenschaften ihrer Mutter geerbt habe.1 Welche Eigenschaften der Herzogin von Preußen er konkret ansprach, wird nicht deutlich. Erkennbar ist jedoch, dass Maria Leonora einen ausgezeichneten Ruf besaß und es daher nur wünschenswert sein konnte, wenn ihre Tochter ganz nach ihr ausschlagen würde.

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Die Äußerung Joachim Friedrichs kann man leicht als vordergründig höfliche Äußerung abtun, eine nette Geste eben, die der erwünschten Verbindung der preußischen Hohenzollern mit der brandenburgischen Linie des Hauses entsprach. Dahinter steckte aber die Vermutung, dass die Mutter ihre Tochter maßgeblich geprägt habe – eine Annahme, die so plausibel wie banal ist: Sind die Eltern nicht immer ein wichtiges Vorbild für die Kinder, und orientieren sich diese nicht bewusst oder unbewusst an Verhaltensweisen von Vater und Mutter? Hier, an dieser Stelle geht es aber nicht um allzu Menschliches, sondern um die Frage, inwieweit das elterliche Vorbild auch politische Vorstellungen und Handlungsmuster geformt hat, besonders in der Welt des (Hoch-)Adels und der regierenden Fürstenhäuser.2 Oder, um es konkret auf die beiden hier zu untersuchenden historischen Persönlichkeiten zuzuspitzen: Inwieweit hat Maria Leonora ihre Tochter Anna auch in ihrem politischen Bewusstsein geprägt?

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Generell ist durchaus festzuhalten, dass in der Erziehung der fürstlichen Kinder die Mutter eine sehr starke Rolle spielte. Die Kindererziehung war ihre Domäne.3 Dies galt für das Großziehen von Söhnen wie Töchtern gleichermaßen, doch gerade die Söhne wurden in späteren Jahren einem Erzieher übergeben, der die jungen Prinzen dann verstärkt mit den Normen eines adligen und fürstlichen Lebens vertraut machte. An dieser Stelle vor allem gab es Konflikte, da die Mutter ihren Einfluss schwinden und den des Mannes oder andere Kräfte am Hof über Gebühr erstarken sah. Anna selbst hat diese Konflikte in der Erziehung ihres Sohnes Georg Wilhelm ausgefochten, den Johann Sigismund im jugendlichen Alter weniger mit schulischer Bildung befrachtet sehen wollte.4 An diese Punkten wird deutlich, dass der Erziehungsbereich auch kein zu vernachlässigender Seitenaspekt im fürstlichen Haushalt war: Der Streit über Erziehungsinhalte und Erziehungsmethoden war ein Kampf darüber, wer den präsumtiven Thronfolger prägen und Einfluss auf ihn nehmen konnte. Erziehung war also eine hochpolitische Angelegenheit.

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Bei Töchtern gab es um die Erziehung keinen Streit; hier war die Mutter, bis auf wenige Ausnahmen, die ausschließlich prägende Kraft. Das war in einer männlichen dominierten politischen Kultur auch völlig in Ordnung. Doch wie sah es aus, wenn die Fürstin ihrerseits politische Verantwortung übernehmen musste? Auch hier wird man festhalten können, dass die angewandten Verhaltensmuster in vielem von der Mutter übernommen wurden. Das Beispiel Annas, der in Preußen geborenen Herzogstochter, die nach Brandenburg verheiratet und dort Kurfürstin wurde, ist hier besonders bemerkenswert. Denn zum einen sah sie die besondere Notwendigkeit, in das politische Geschäft einzugreifen und eine tätige Rolle zu spielen. Zum anderen war ihre Mutter Maria Leonora selbst eine Fürstin, die die politischen Entwicklungen hellwach verfolgte und auch ihrerseits daran Anteil nahm.


Abb. 1: Unbekannt, Marie Eleonore von Jülich-Kleve-Berg (1550-1608), Herzogin von Preußen, um 1600, GK I 1093, 131 x 77 cm, Foto Wolfgang Pfauder 2008, © SPSG.

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Wie Maria Leonora ihre Tochter Anna in der Rolle als politisch aktive Fürstin prägte und in Annas Handeln der Einfluss der Mutter sichtbar wurde, soll im Folgenden kurz ausgeführt werden. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten: Wie Anna in ihrer Jugend an die politischen Themen, die ihr Leben prägen sollten, herangeführt wurde; vor allem die Erbansprüche auf die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg spielen eine besondere Rolle, dann aber auch die scharfe Abgrenzung vom Calvinismus und das strikte Festhalten am Luthertum; schließlich wird es um die Rolle der Fürstin als Regentin gehen.

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Die folgenden Ausführungen können die Thematik nur skizzenhaft nachzeichnen. Denn die Forschungssituation für die brandenburgische Geschichte in dieser Phase ist generell nicht gut. Dies gilt umso mehr für die Fürstinnen dieser Zeit. Für Anna liegen generell nur wenige Arbeiten vor, viele davon älteren Datums. Die Biographie ihrer Mutter Maria Leonora ist allerdings noch schlechter erschlossen. Grundlegende Forschungen zu beiden Fürstinnen stehen noch aus.5

Jugend und Erziehung: Der Weg Annas in die Politik

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Die Situation am preußischen Hof in Königsberg zum Ende des 16. Jahrhunderts stellte sich kompliziert dar. Herzog Albrecht Friedrich zeigte sich schon in jungen Jahren so krank, dass seine Regierungsunfähigkeit kaum in Frage gestellt wurde. Seiner Verheiratung standen die "Störungen von Körper und Geist"6 nicht im Weg, die Verbindung mit dem Jülicher Herzoghaus wurde mit Macht vorangetrieben. Schon während der Hochzeit mit Maria Leonora am 14. Oktober 1573 fiel der Herzog durch sein absonderliches Verhalten auf. Doch erst vier Jahre später wurde eine dauerhafte Lösung gefunden, um Albrecht Friedrichs unkalkulierbares Verhalten aufzufangen: Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach übernahm als Administrator die Regierungsgeschichte im Herzogtum Preußen. Er tat dies als Vormund Herzog Albrecht Friedrichs und wurde in dieser Funktion auch vom polnischen König bestärkt, der ihn mit dem Herzogtum Preußen belehnte.

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Mit dieser Konstruktion war Maria Leonora politisch zunächst ausmanövriert. Denn man hätte genauso gut auch ihr die Vormundschaft für ihren kranken Mann übertragen können; es war durchaus nicht unüblich, dass in solchen Situationen die Fürstin als Regentin aktiv wurde.7 In dieser Situation setzte sich aber eine Ratio durch, die eher einem männlichen Vertreter des Hauses die Regierungsverantwortung übertragen sehen wollte: Markgraf Georg Friedrich entstammte wie auch der preußische Herzog der fränkischen Linie des Hauses Hohenzollern. Für die als instabil angesehene Herrschaft dieser Dynastie im noch jungen Herzogtum Preußen erschien dies als die sichere Option, und Georg Friedrich erwies sich als kluger Taktiker, der die selbstbewussten preußischen Stände durch eine geschickte Politik gegenüber der polnischen Krone in Schach zu halten wusste.

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Ungeachtet dieser erfolgreichen Stabilisierung war Georg Friedrich lediglich 1578 und 1580 bis 1586 im Herzogtum Preußen zugegen gewesen; ansonsten hielt er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1603 in seinen fränkischen Territorien auf. Neben dem in seiner Melancholie vor sich hindämmernden Herzog Albrecht Friedrich blieb also Maria Leonora als Herzogin in Preußen auf sich gestellt. Mochte Georg Friedrich faktisch auch vom entfernten Franken aus die Geschicke des Herzogtums leiten, so war er kaum imstande, die alltägliche Situation am preußischen Herzogshof sichtbar zu prägen. Letztlich hatte Maria Leonora also durchaus einen Freiraum, den sie auch politisch nutzen konnte. Ihre Kinder, die sie mit Albrecht Friedrich bekam, wuchsen in einer Situation auf, in der sie vor allem ihre Mutter als politisch aktive Persönlichkeit erlebten. Dies galt besonders für Anna, deren Rang als Erstgeborene unter den Kindern nicht zuletzt deswegen stieg, da zwei später geborene Söhne des Herzogpaares bereits im Kleinkindalter starben.8 Bei ihr hat sich offenbar der Eindruck der selbständig agierenden Herzogin am nachdrücklichsten niedergeschlagen.

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Wie hat Maria Leonora ihren Töchtern nun politisches Handlungswissen vermittelt? Genaues wissen wir nicht, aber eine Episode hat hier ohne Zweifel das weitere Leben der Töchter prägend beeinflusst. Es handelt sich dabei um die Reise, die die preußische Herzogin im Jahr 1591/92 ins Reich unternommen hat. Diese Reise war keineswegs eine Lustpartie, sondern ein Unternehmen, das die Weichen für die politische Verortung des preußischen Herzogshauses stellen sollte: Es ging darum, für die Töchter Heiratsprojekte zu arrangieren – damit standen Entscheidungen über den weiteren Lebensweg der jungen preußischen Prinzessinnen an. Die betroffenen jungen Frauen waren mit dabei, zunächst als Objekte dynastischer Politik, dann aber auch als Zeugen dessen, wie man diese Politik in die Wege leitete. Es war nicht unbedingt üblich, dass die zu verheiratenden Töchter im Zuge einer solchen Reise mitkamen. Oftmals wurden Heiraten über Mittelsmänner arrangiert, womit der politische Charakter noch deutlicher herausstach: Die Betroffenen bekamen allenfalls Gemälde des prospektiven Bräutigams oder der Braut zu sehen; hier war es nun anders.

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Denn mit der Verheiratungsstrategie verband sich in dem Fall besonders deutlich das dynastische Kalkül, das um die Sicherung der niederrheinischen Territorien kreiste. Die Situation im Herrscherhaus war ohnehin prekär. Nicht nur war Maria Leonoras Vater Wilhelm V. so hinfällig, dass sein Tod in Bälde zu erwarten war. Vor allem sah es um die Nachfolge nicht gut aus: Ihr älterer Bruder Karl Friedrich war bereits im Jahr 1575 verstorben, der zweite Bruder Johann Wilhelm war daher der nächste Herzog von Jülich. Allerdings hatte er bis dato keinen Erben zeugen können. Und Anfang 1590 trat seine Geisteskrankheit deutlicher als je zuvor zutage. Inwieweit Johann Wilhelm überhaupt eine kraftvolle Regierung würde ausüben können, war also mehr als fraglich.

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Die Reise an den Niederrhein war somit für Maria Leonora alles andere als nur eine sentimentale Rückkehr in ihre Kindheit und Jugend: Hier kehrte die Tochter zurück, um ein letztes Mal ihren Vater zu sehen. Vor allem ging es ihr jedoch darum, um die politische Situation zu sondieren und ganz konkret den Boden für die Nachfolgefrage im Sinne des Hauses Brandenburg zu beeinflussen. So war die Reise auch eine Tour in die Territorien, um die es in dem zu erwartenden Erbfolgestreit gehen würde. Beide Töchter, vor allem aber Anna als Erstgeborene, bekamen also aus erster Hand ein Gefühl für die Situation des Territoriums, um das man würde kämpfen müssen.

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Aber die Reisegesellschaft ging nicht nur an den Niederrhein.9 Man besuchte ebenso Berlin, Halle, Kassel, dann Düsseldorf. Es war also auch ein Besuch verschiedener wichtiger Höfe: Die preußische Reisegesellschaft kam auf der ganzen Route in Kontakt mit vielen anderen Reichsfürsten und fürstlichen Familien, in den Städten traf man mit den Magistraten und dem dortigen Patriziat zusammen, an den Höfen übte man den Umgang mit Räten und Höflingen – eine politische Welt tat sich auf: Diese Verlobungstour kann man mit einiger Berechtigung als Grand Tour für die Töchter bezeichnen. Denn anders als die jungen Fürstensöhne, die eine solche Kavalierstour über lange Monate, teilweise sogar Jahre hinweg in unterschiedliche europäische Länder machten und dabei an den dortigen Höfen den Umgang mit anderen Standesgenossen üben konnten, gab es für die Töchter keine entsprechendes Format. Sie waren darauf angewiesen, dass Besucher an ihren Hof kamen; sie selbst unternahmen kaum einmal Reisen in dieser Größenordnung und schon gar nicht zum Zweck der Vorbereitung auf ihr Leben als Fürstin und Regentin.10

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Es war also außergewöhnlich, dass Anna eine solche Reise unternehmen konnte. In diesen Wochen und Monaten hatte sie die Möglichkeit, politische Prozesse und Verhandlungen mitzubekommen, zu verfolgen und damit aus ihnen zu lernen. Und nicht zuletzt war sie Zeugin, wie ihre Mutter Maria Leonora sich auf der politischen Bühne schlug. Wie eine Fürstin agierte und ihre Ziele verfolgte, konnte die nächste Generation der preußischen Hohenzollern direkt mitverfolgen. Gerade das delikate Feld der Heiratspolitik war für Anna nicht nur als unmittelbar Betroffene aufschlussreich; sie merkte auch, wie heikel politische Entscheidungen sein konnten, indem die Entscheidung für einen Bewerber auf Applaus in dem einen Herrscherhaus, jedoch unvermeidlicherweise für Verstimmung und Verdruss in einem anderen sorgen musste – die Pfälzer hatten in dem Fall das Nachsehen, Brandenburg dagegen jubelte.11

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Anna hat beobachtet, wie ihre Mutter die Lage am Düsseldorfer Hof wahrnahm. Und sie hat gesehen, dass Maria Leonora das Schicksal der niederrheinischen Fürstentümer als eine Sache auffasste, die auch die Herzogsfamilie in Preußen anging: Dass die Sukzessionskrise am Niederrhein eine Angelegenheit war, die auch Anna angehen musste, hat sie in diesen Monaten deutlich wie nie sehen können. Überhaupt war die junge Anna damals in der Region, aus der ihre Mutter stammte; dass es sich lohnte, um diese Lande zu kämpfen, hat sie mit aller Wahrscheinlichkeit auf dieser Reise gelernt. Wir werden noch weiter unten auf diesen Aspekt eingehen.

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In den Briefschaften aus diesen Monaten finden sich keine Spuren von Anna, die in diesen Jahren überhaupt kaum einmal schriftlich in Erscheinung tritt. Ein frühes Zeugnis ist aber ein Brief, den sie an Jakobe, die Ehefrau ihres Bruders Herzog Johann Wilhelm schrieb: Anfang 1594 lud sie die Herzogin von Jülich-Kleve-Berg zu ihrer nun anstehenden Hochzeit ein; da der Aufwand beträchtlich sein würde, wies Anna gleich darauf hin, dass Jakobe und ihr Gemahl, "wens aber die zeit vnnd weit abgelegenheit nicht zulest", auch jemanden anders in Vertretung schicken könnten.12 So unvermeidlich die Einladung war (ihr Ausbleiben wäre ein Affront gewesen), so sehr musste Anna mit der Ankündigung ihrer Hochzeit für Jakobe wie eine Konkurrentin um die Territorien erscheinen, die das verlöschende Herzogshaus in Düsseldorf nicht würde halten können.

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In gewisser Weise signalisiert dieser Brief Annas den Eintritt auf die politische Bühne, auf der sie dann in den folgenden Jahren immer präsenter ist. In Düsseldorf konnte Jakobe (aber auch andere) nun ahnen, wie sehr die preußische Verwandte bereit sein würde, die Jülichische Sache zu ihrer eigenen zu machen, mehr als Konkurrenz als zur Hilfe. Deutlich wurde aber, dass Anna nun wusste, wie wichtig diese Lande für ihre Familie waren. Maria Leonora hatte also mit dem Reiseunternehmen Erfolg gehabt. Anna sollte nie wieder nach Jülich zurückkehren, aber sie hatte ihre Lektion gelernt.

Die politische Leitidee: Das Jülicher Erbe

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Unter den Hohenzollerherrschern gilt neben Friedrich vor allem Wilhelm als der prägende Leitname. Im 18. Jahrhundert erhielten zumindest die erstgeborenen Söhne fast ausschließlich einen dieser Namen oder eine Kombination, in der er enthalten war. Dabei tauchte der Name Wilhelm erstmalig am Ende des 16. Jahrhunderts bei einem Hohenzollernprinzen auf: Es war Georg Wilhelm, der Sohn Annas und Johann Sigismunds. Leitnamen waren bekanntermaßen nicht einfach eine Frage der Mode und des Geschmacks, vielmehr transportierten sie eine besondere Botschaft. In dem Fall war der Bezug eindeutig: Der Name Wilhelm verdeutlichte den Anspruch der Dynastie auf das zu erwartende niederrheinische Erbe. Nicht nur der damals noch lebende letzte Vertreter der Jülicher Herzogsdynastie mit dem Namen Johann Wilhelm trug ihn. Vor allem Wilhelm V. konnte als der Vertreter dieses Herrscherhauses gelten, der im 16. Jahrhundert sein Haus zu großem Glanz geführt hatte. Vornehmlich auf ihn bezogen sich die Hohenzollern, wenn sie nun begannen, ihren Söhnen auch diesen Namen zu geben.

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Wenn hier Georg Wilhelm als derjenige genannt wurde, der erstmalig als Hohenzoller diesen Namen trug, ist dies nicht ganz richtig – er war nämlich nur der erste Herrscher, der auch Wilhelm hieß. Tatsächlich gab es noch einen früheren Hohenzollernprinzen: Wilhelm Friedrich. So hieß einer der Söhne von Albrecht Friedrich von Preußen und Maria Leonora. Er verstarb jedoch früh und taucht deswegen kaum jemals in den hohenzollerschen Genealogien auf. Gleichwohl zeigt es, dass bereits das preußische Herzogspaar bewusst auf das Jülicher Herzoghaus verwiesen hat. Kein Wunder, erinnerte sich doch Maria Leonora nicht nur gern an ihre niederrheinische Herkunft, sondern brachte auch die Erbansprüche zu den preußischen Hohenzollern. Ihre Tochter Anna übertrug diese dann mit ihrer Verheiratung in die Mark Brandenburg an die dortige Linie – mit dem Namen Wilhelm für den Erstgeborenen machte das junge Paar deutlich, dass die Erbansprüche auf die niederrheinischen Territorien ganz oben auf der politischen Prioritätenliste stehen würden. Man wird nicht behaupten können, dass dies allein Anna so gewollt habe; die brandenburgischen Hohenzollern mussten von der Attraktivität dieser Option nicht mühevoll überzeugt werden. Und doch zeigt die Namenswahl, wie sehr auch bei Annas Kindern dasselbe Muster auftauchte, das bereits bei ihrer Mutter angewandt worden war.13

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Nun ging es nicht nur um die Vereinigten Herzogtümer am Niederrhein. Das Erbe, für das Anna stand, umfasste genauso das Herzogtum Preußen. Ähnlich wie die niederrheinischen Territorien war auch Preußen ein Land, dessen Besitz für das Haus Brandenburg alles andere als gesichert gelten konnte. Der König von Polen war ein schwieriger Lehnsherr, der den Herzögen von Preußen das Leben schwer machte: Allein dieses Land zu sichern, wäre schon Lebensaufgabe genug gewesen. Anna hat Preußen, das immerhin ihr eigenes Heimatland war, sicher nicht vernachlässigt, und die häufigen Reisen nach Königsberg, die sie auch nach ihrer Verheiratung in die Mark Brandenburg unternahm, zeugten sicher nicht nur von der Anhänglichkeit an die Eltern, sondern auch an das Land. Es dürfte auch schwer sein, das in späteren Jahren von ihr so sehr favorisierte Projekt einer Heiratsverbindung mit den schwedischen Wasa als eine Politik aufzufassen, die zumindest fahrlässig, wenn nicht bewusst mit dem Verlust Preußens spielte – einfach weil König Sigismund III. als Vertreter der katholischen Linie des Hauses Wasa eine brandenburgisch-schwedische Verbindung als Affront auffassen musste, den er mit dem Lehnsentzug kontern würde. Nicht zu übersehen aber ist, wie sehr Anna sich offenkundig vornehmlich als Erbtochter von Jülich-Kleve-Berg verstanden hat. Die Reise von 1591/92 mit ihrer Mutter dorthin scheint hat Annas Orientierung nach Westen nachhaltig geprägt.

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Der Stellenwert des Jülicher Erbes wurde jedoch nicht allein von Annas Mutter wachgehalten. Auch in den niederrheinischen Territorien selbst gab es Befürworter, die sich für die Vereinigten Herzogtümer eine Herrschaftsnachfolge aus dem Haus Hohenzollern wünschten. Exponent dieser brandenburgischen Partei war Otto von Bylandt. Noch wichtiger für den Sprung Brandenburgs an den Niederrhein sollte sein Sohn Otto Heinrich von Bylandt sein. Dieser ist vor allem als Mitglied des Geheimen Rats bekannt geworden, eine Institution, in die er bei deren Einrichtung berufen worden war und in der er sogleich den stellvertretenden Vorsitz übernahm. Doch Bylandt war vor allem ein "Vertrauensmann" der Herzogin von Preußen.14

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Maria Leonora hatte mit beiden Bylandts engen Kontakt. Otto von Bylandt befand sich 1589 in Königsberg, befürwortete damals allerdings noch die pfälzische Heirat für Anna.15 Dies war zu diesem Zeitpunkt kein Problem, und so trat dann sein Sohn Sohn Otto Heinrich von Bylandt in die Fußstapfen des Vaters und reiste im Jahr 1591, als dieser starb, ebenfalls nach Königsberg.16 Kurz darauf, als Maria Leonora ins Reich aufbrach, um die Heiratspolitik für die Töchter zu entscheiden, erschien der junge Bylandt dann als die entscheidende Bezugsperson, dem auch die Herzogin Maria Leonora vertraute: Nur mit ihm wollte sie die Hochzeitspläne für ihre Töchter bereden.17 Sein diplomatischer Wert erwies sich, als er angesichts der aufkommenden Dissonanzen mit Heidelberg, wo man angesichts der Option für eine brandenburgische Verheiratung verärgert reagierte: Bylandt vermochte hier ausgleichend auf die Pfälzer einzuwirken und blieb insgesamt für die Hohenzollern der wichtigste Kontaktmann am Niederrhein.

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In den folgenden Jahren machte Bylandt weiter Karriere in brandenburgischen Diensten: Anfang 1605 wird er Kriegsoberst, Geheimer Kammerrat und Oberhofmarschall.18 Dabei war er als niederrheinischer Adliger nicht nur landfremd in Brandenburg, sondern als Reformierter erst recht ein Fremdkörper am brandenburgischen Hof.19 Das hat Anna nicht abhalten können, ihm gegenüber eine gewisse Nähe und Vertrautheit aufzubauen. Eine intensive, über lange Jahre hinweg gepflegte Korrespondenz zeigt jedenfalls, dass die Konfessionsfrage die Beziehung zwischen Bylandt und Anna offenbar nicht belastete. Mag sein, dass Bylandts Tod im Jahr 1608 es gar nicht erst so weit hat kommen lassen, wie es nach der Konversion Johann Sigismunds 1613 zu erwarten gewesen wäre.

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Dass Anna hier womöglich einem Reformierten zu viel Vertrauen schenkte, ist für den rückblickenden Historiker leicht festzuhalten. Doch Annas positive Einstellung gegenüber Bylandt kam nicht von ungefähr: Sie verhielt sich ihm gegenüber genauso, wie sie es bei ihrer Mutter Maria Leonora gesehen hatte, die auch starken Anteil hatte, dass Bylandt in brandenburgischen Diensten Fuß fassen konnte.20 Bei vielen anderen Höflingen und Räten ist zu beobachten, dass Anna ihnen misstrauisch, mitunter auch feindselig gegenüberstand; bei Adam Gans Edler zu Putlitz ist das zu sehen – auch er ein Reformierter, der Karriere in Brandenburg machte.21 Ihn hat Anna schon früh abgelehnt, ihn zumindest zeitweise sogar politisch ins Abseits rücken können. Die konfessionellen Spannungen waren hierbei ein wesentliches Motiv. Dass dies bei Bylandt nicht der Fall war, kann letztlich nur als konkrete Fortsetzung der mütterlichen Haltung verstanden werden. Er war eine Persönlichkeit, der schon Maria Leonora vertraut hatte. Wie nah er sowohl der preußischen Herzogin als auch der künftigen Kurfürstin war, zeigten vertraute Briefschaften zwischen Mutter und Tochter, in die auch Bylandt involviert war.22

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Vor allem aber blieb Bylandt ein wichtiger Vertreter der Territorien, die schon im Zentrum der politischen Agenda Maria Leonoras standen. Genauso hielt es dann auch ihre Tochter Anna. Sie übernahm in der Rolle als Erbin die Ansprüche ihrer Mutter, die zuvor selbst als Erbtochter für die Vereinigten Herzogtümer gegolten hatte.23

Gegen die Reformierten: Der Kampf um den lutherischen Glauben

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Am Weihnachtstag 1613 vollzog Kurfürst Johann Sigismund den Übertritt zum reformierten Bekenntnis. In der Literatur ist man sich weitgehend einig, dass dieser Schritt nicht aus kühlem politischen Kalkül erfolgte, sondern persönlicher Überzeugung entsprang.24 Diese Auffassung ist in vielen Fällen mehr oder weniger von der Intention geleitet, diesen Akt als unpolitisch und damit wahrhaftig darzustellen. Inwieweit man damit einer zeitgenössischen Auffassung nahekommt, die nur sehr schwer die heutige moderne Unterscheidung zwischen privaten und öffentlich-politischen Sphären nachvollziehen konnte, sei dahingestellt. Unbestritten ist jedoch, dass die Konversion nicht nur für erhebliche Unruhe im brandenburgischen Kernterritorium sorgte, sondern auch die Beziehungen im Hause Brandenburg selbst schwer belastete.25

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Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zwischen dem Kurfürstenpaar bereits einigermaßen zerrüttet. Über die Vorgehensweise in politischen Auseinandersetzungen waren sich Anna und Johann Sigismund immer wieder uneins gewesen. Besonders die Frage, wie man mit den konkurrierenden Ansprüchen Kursachsens auf die niederrheinischen Fürstentümer umgehen sollte, entzweite das Paar. Der Kurfürst war durchaus bereit, den Forderungen der Wettiner nachzukommen. Für Anna hingegen stellte die sich hier anbahnende Kooperation eine immense Gefährdung der Rechte der Hohenzollern an sich dar.


Abb. 2: Rose, Daniel, Zuschreibung, Herzogin Anna von Preußen, um 1605?, GK I 51244, 137,8 x 88 cm, Foto Wolfgang Pfauder 2014, © SPSG.

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Viele Konflikte spielten sich im Umfeld des Brandenburgischen Hofes ab. Dies war keine diskrete Situation, doch immerhin war sie überschaubar. Der Konflikt wurde jedoch öffentlich, als er anlässlich des Jüterboger Vertrags praktisch reichsweit sichtbar wurde.26 Johann Sigismund schloss hier mit Kursachsen eine Vereinbarung, die Dresden in die gütliche Beilegung des Erbstreits und damit in die Aufteilung der strittigen Territorien einbezog. Doch Anna entfaltete "eine fieberhafte Aktivität",27 hintertrieb diese Vereinbarung, distanzierte sich von ihr und stellte ihre Rechtmäßigkeit in Frage: Dies tat sie nicht indirekt, gleichsam hinter geschlossenen Türen, vielmehr schaltete sie sich selbst mit ihrer ganzen Autorität als Erbtochter ein. Mit diesem massiven Eingriff in die politischen Verhandlungen hatte sie auch Erfolg, insofern die Vereinbarung von Jüterbog faktisch bedeutungslos wurde – ein großer politischer Erfolg für die Kurfürstin, doch erkauft mit der Brüskierung ihres Mannes Johann Sigismund.

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Der offener Bruch zwischen Kurfürst und Kurfürstin im Haus Brandenburg wurde auf diese Weise offenbar, und dies war die Folie, auf der sich der Konfessionswechsel Johann Sigismunds vollzog: Für Anna musste es erschütternd sein zu sehen, dass ihr Mann, dessen politischen Entscheidungen sie offenbar immer weniger zu folgen bereit war, ja dessen Sachverstand sie kaum noch akzeptieren konnte, nun auch noch religiös auf – aus ihrer Sicht – Abwege geriet.28

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Für Anna war das Bekenntnis zum Luthertum nicht verhandelbar. Auch hierin muss man eine Parallele zu ihrer Mutter sehen. Maria Leonora war nicht zuletzt aufgrund ihrer Konfession überhaupt nach Preußen verheiratet worden. Vor dem Hintergrund des eskalierenden Aufstands in den Niederlanden hatten die Habsburger um 1572 erheblichen Druck auf Herzog Wilhelm ausgeübt, dass er an seinem Hof für ein klares Bekenntnis zur katholischen Konfession sorgen sollte.29 Die Tochter mit offenen Sympathien für die Sache Luthers war politisch nicht mehr tragbar gewesen. Da sie nicht zur Rechtgläubigkeit zurückzubringen war, wie man es sich im altgläubigen Hause Habsburg vorstellte, bot sich als naheliegende Lösung eine entsprechende Verheiratung an. Maria Leonora kam also wegen ihres Glaubens an den Königsberger Hof. All die Jahre dort hat sie als strikte Verfechterin lutherischer Orthodoxie gewirkt; reformierte Umtriebe hatten in ihrer Zeit nie eine Chance, verstärkten aber die generelle Abneigung bei den preußischen Ständen gegen alles Calvinistische.30 In diesem strikt lutherischen Umfeld hat die Herzogin in Preußen ihre Kinder erzogen, so sind sie geprägt worden. Das Luthertum gehörte also zu Maria Leonoras Erbe wie die Ansprüche auf Jülich-Kleve-Berg.

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Anna beharrte also auf dem Luthertum. Dass sich ihr Mann zum Calvinismus hingezogen fühlte, war allerdings keine Überraschung. Schon länger gab es diese Tendenzen, die nicht nur bei Johann Sigismund, sondern auch bei anderen Persönlichkeiten im Umfeld des brandenburgischen Hofs zu beobachten waren. Ironischerweise waren es gerade im Vorfeld des Jülicher Erbfolgekonflikts die intensivierten Verbindungen ins Reich, die calvinistischen Einflüssen im Hause Brandenburg Tür und Tor öffneten. Bereits bei der Besetzung des Geheimen Rats fanden sich einige Calvinisten, die nun zum engsten Beraterkreis des Kurfürsten von Brandenburg gehörten; 1615 gab es nur noch Reformierte in diesem Gremium.31 Für Anna war diese Entwicklung durchaus bedrohlich, ihr Einfluss schwand.

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Beunruhigend war für sie auch die Hinwendung des Markgrafen Ernst zum Calvinismus im Jahr 1610.32 Er war als brandenburgischer Statthalter am Niederrhein eingesetzt worden, wo er sich ohnehin in einer dem reformierten Bekenntnis offenen, ja zugewandten Atmosphäre wiederfand. Dies alles war nicht unbekannt, und um so heftiger war deswegen Annas Schrecken, als ihr berichtet wurde, dass auch ihr Sohn Georg Wilhelm bei seiner Reise an den Niederrhein immer wieder reformierte Kirchen besucht und dort Predigten gehört habe. Auch sein Besuch in Heidelberg, wo reformierte Wittelsbacher herrschten, erregte bei Anna Unwillen.33

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Die sich andeutende Abwendung Georg Wilhelms vom Luthertum bedeutete für Anna auch ein Scheitern all ihrer Bemühungen, den Sohn im rechten Glauben zu erziehen. Darauf hatte sie großen Wert gelegt, und insbesondere die Auswahl der Präzeptoren für Georg Wilhelm war ihr wichtig gewesen. Anfang 1604 suchte sie einen Erzieher und beauftragte damit Bylandt, der damals im Reich unterwegs war. Anna erwartete von ihm, dass er "des wegen muglich fleuß anwenden [werde] das Jhr einen tuchtigen mit bringet, vnnd der Augspurgischen Confession zugethan ist woß muglich ist"; am Hof rede man schon, dass sie einen "Kalfinischen hoffminster" haben wollen.34 Doch genau das wollte sie ja vermeiden. Dass sie sich mit diesem Anliegen ausgerechnet Bylandt anvertraute, dessen calvinistische Sympathien relativ offen waren (und der zu dem Zeitpunkt auch gerade in Heidelberg, der Residenz des reformierten Pfalzgrafen, weilte), erscheint nachgerade grotesk und ist wohl nur mit dem großen Vertrauen in den Mann zu erklären, dem schon ihre Mutter wichtige Missionen anvertraut hatte.35

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Georg Wilhelm wandte sich nicht nur dem Calvinismus zu, sondern fand auch in Elisabeth Charlotte von der Pfalz eine reformierte Prinzessin als Ehefrau. Auch dies bedeutete eine Niederlage für Anna, die sich in der ureigenen Domäne weiblicher Politik nicht hatte durchsetzen können. Es mutet fast wie eine gewisse Kompensation an, dass Anna dann bei der Verheiratung ihrer jüngeren Tochter Marie Eleonore unbedingt eine lutherische Verbindung durchsetzte.36 Immerhin setzte sie dies gegen den erklärten Willen ihres Sohnes Georg Wilhelm durch, der sich, nunmehr Kurfürst, durch diesen Schachzug seiner Mutter düpiert fühlte, und zugleich in großer Erklärungsnot gegenüber dem polnischen Lehnsherrn, den eine Heiratsverbindung zum schwedischen Machtkonkurrenten brüskieren musste.

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Anna führte ihren Kampf für das Luthertum aber nicht nur auf der Ebene der auswärtigen Beziehungen. Fast noch wichtiger, und durchaus erfolgreich, war ihr Eintreten für das lutherische Bekenntnis gegenüber den Landständen, ja der ganzen Bevölkerung. In Preußen wie in Brandenburg kam Annas Beharrungsvermögen gut an. Da das Land lutherisch blieb, sah man in ihr die Garantin für das Fortbestehen des Luthertums in Brandenburg überhaupt. So sehr sie aber hier auf Unterstützung setzen konnte, so sehr begründete dies letztlich eine tiefe Spaltung zwischen Herrscherdynastie und Untertanen. Es spricht auch einiges dafür, dass Annas dezidiert pro-lutherische Haltung die sehr heftigen und auch gewalttätigen Reaktionen auf die Einführung des Calvinismus mindestens ermöglicht, vielleicht sogar ermuntert haben.37

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In der "Preussische[n] Kirchen-Historia", die Christoph Hartknoch, einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber Preußens im 17. Jahrhundert, im Jahr 1686 veröffentlichte, fand auch die Episode Eingang, die das Glaubenszeugnis der Maria Leonora formulierte. Ihr Vater Herzog Wilhelm von Jülich hoffte und erwartete, dass sie sich wieder zum katholischen Glauben bekennen würde; einstmals habe er ihr sogar den Degen an die Brust gesetzt, um sie zur Konversion zu zwingen, doch sie habe geantwortet: "sie wolte lieber das Leben verliehren / als von der einmal erkanten Warheit abweichen". In Reaktion auf ihre Beharrlichkeit habe ihr Vater sie schließlich an Herzog Albrecht Friedrich verheiratet.38 Zu diesem Zeitpunkt war Maria Leonora also längst als die Fürstin in die brandenburgisch-preußischen Geschichte eingegangen, die durch ihre Standhaftigkeit im Glauben das Luthertum bewahrt hatte. Als standhaftes Vorbild wirkte sie auch auf ihre Tochter Anna, die sich in ihrem Leben offenbar anderen, aber nicht minder schlimmen Anfechtungen und Widrigkeiten ausgesetzt sah.39

Anstelle des Fürsten: Die Fürstin als bessere Regentin

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Die Geschichte des Herzogtums Preußen im späten 16. Jahrhundert ist nicht von Herzog Albrecht Friedrich geprägt worden – seine Geisteskrankheit verhinderte, dass er die politischen Geschicke seines Territoriums aktiv gestalten konnte. Aber auch Maria Leonora ist nicht als diejenige in die preußische Geschichte eingegangen, die an ihres Mannes statt das Herzogtum regiert hat. Die Vormundschaft und Regentschaft des fränkischen Verwandten Markgraf Georg Friedrich hinderte Maria Leonora daran, die Rolle einer Regentin einzunehmen. Er war es, der als eigentlicher Lenker der preußischen Geschichte dieser Jahre in die Geschichte eingegangen ist.

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Diese Sichtweise hat ohne Zweifel ihre Berechtigung, doch verstellt diese Konstellation nur allzu leicht den Blick darauf, dass hinter Georg Friedrich auch Maria Leonora als Herzogin durchaus ihre politische Bedeutung und ihren Einfluss hatte. Sie als politisch unambitioniert zu bezeichnen,40 übersieht geradezu fahrlässig die Anliegen, die auf der politischen Agenda der Herzogin standen. Dies festzuhalten heißt nicht, die preußische Geschichte umzuschreiben, aber den Blick auf sie zu weiten; denn es lassen sich hier Muster erkennen, die auch für Maria Leonoras Tochter wichtig geworden sind. Die Herzogin war als Regentin für Anna ein Vorbild von nicht zu unterschätzender Prägekraft.

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Die Rolle als Regentin des Herzogtums Preußen war für Maria Leonora jedenfalls keine abwegige Vorstellung. Noch bevor überhaupt mit Georg Friedrich die fränkische Lösung durchgesetzt wurde, gab es schon im Jahr 1574 und nochmals 1577 die Idee, dass die Herzogin die Regierungsgewalt übernehmen sollte.41 Hinter diesem Vorschlag standen die preußischen Oberräte und Landstände, die sich von dieser Lösung vor allem weiterhin einen großen Einfluss auf die Landespolitik versprachen. Ob Maria Leonora tatsächlich eine schwache und lenkbare Regentin gewesen wäre, bleibt müßig zu spekulieren. Immerhin nahm die Herzogin selbst das Heft des Handels in die Hand und bemühte sich noch Anfang 1578, "treue[.] Liebhaber des preußischen Vaterlandes" zu ihren Gunsten zu mobilisieren.42 Auch wenn am Ende doch Markgraf Georg Friedrich Administrator in Preußen wurde, lassen diese Vorkommnisse deutlich erkennen, wie plausibel eine Herzogin als Regentin erschien – eine nicht unwichtige Erfahrung, die die Mutter auch ihrer Tochter weitergab.

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Gleichzeitig zeigte diese Episode, dass Maria Leonora im politischen Kräftefeld durchaus in die Nähe der Landstände rückte. Hier eröffnete sich für sie die Möglichkeit, überhaupt politisch gestalten zu können. Als Jahre später die Stände auf dem Landtag von 1582 unter anderem auch die allzu sparsame Hofhaltung für Herzog Albrecht Friedrich und Maria Leonora beklagten, war dies an sich schon ein bemerkenswertes Gravamen – wann klagten schon Stände über zu geringe Haushaltungs- und Repräsentationskosten?43 Man wird hinter diesem Anliegen aber nicht allein die Stände selbst vermuten können. Vor allem dürfte die Herzogin selbst in dieser Beschwerde gesprochen haben, die monierte, dass der Administrator für die Herzogsfamilie zu geringe Finanzmittel zur Verfügung stellte. Inwieweit Maria Leonora den Konflikt zwischen den Ständen und dem Administrator für ihre eigenen Belange hat nutzen können, soll hier nicht im Einzelnen verfolgt werden. Doch dürften derartige Beispiele der heranwachsenden Anna gezeigt haben, wie eine Fürstin auf eine indirekte Weise die politischen Prozesse beeinflussen konnte.44

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Es zeigte sich auch, dass das Verhältnis zwischen der Herzogin und den Landständen alles andere als konfliktfrei war. So gab es durchaus Dissonanzen, als es auf dem Landtag von 1594 um den Brautschatz für Anna ging, zu dem die Landstände entsprechend kontribuieren sollten. Bei den kontroversen Beratungen griff dann Maria Leonora selbst in die Verhandlungen ein, nicht ohne Erfolg.45 Die Herzogin sah den strukturellen Konflikt zum Administrator, und selbst wenn sich im Laufe der Jahre ihr Verhältnis zu Georg Friedrich pragmatischer gestaltete, darf nicht übersehen werden, wie sehr sie auf ihren politischen Einflussmöglichkeiten achtete. Gerade weil der Administrator ab 1586 gar nicht mehr in Preußen selbst zugegen war, sondern sich vielmehr in seine fränkischen Stammlande zurückgezogen hatte, öffneten sich für Maria Leonora Freiräume – das Verhältnis zum fränkischen Verwandten mag sich gerade aufgrund dieser Distanz verbessert haben.46

<42>

Grundsätzlich wird Anna bei ihrer Mutter gesehen haben, wie sich eine Fürstin auch als politische Kraft etablieren konnte. Dies war nötig, weil der Herzog gesundheitlich ausgefallen war, und es war unumgänglich, weil es die dynastische Räson einfach forderte. Bezeichnenderweise gab die Geburt eines Prinzen Maria Leonora erheblichen Auftrieb, und sie machte die Landstände und den König von Polen zu Paten dieses Jungen – ein klares politisches Signal, mit wem sie zukünftig die Geschicke Preußens zu gestalten gedachte.47

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Maria Leonora baute ihre eigenen politischen Kontakte auf, ohnehin pflegte sie intensive Korrespondenzen;48 von Bylandt war bereits oben die Rede. Mit der Verheiratung Annas nach Brandenburg rückten die dortigen Hohenzollern immer stärker in den Mittelpunkt der Wahrnehmung. Auch hierhin knüpfte die Herzogin Kontakte zu Vertrauten, die sie mit Informationen versorgten wie der brandenburgische Rat Sebastian Müller.49 Ähnlich sollte auch Anna später dafür sorgen, eigene Verbindungen aufzubauen und damit ein eigenes politisches Netzwerk zu unterhalten. Vor allem am Kaiserhof war ihr das wichtig. Und die starke Hinwendung an den Kaiser kam auch nicht von ungefähr: Maria Leonora hatte stets die Bedeutung des Kaisers als Garanten für die Heiratsverbindungen betrachtet und damit auch für die daraus resultierenden Erbansprüche. Entsprechend legte sie Wert auf den kaiserlichen Konsens zur Heirat ihrer Tochter Anna mit dem brandenburgischen Prinzen.50 Diese Orientierung kam nicht von ungefähr, war sich die Herzogin in Preußen und geborene Prinzessin von Jülich-Kleve-Berg doch stets bewusst, dass sie selbst eine halbe Habsburgerin war.51 Anna knüpfte auch daran an und begründete ihre Hinwendung zum Habsburger Matthias mit den Worten, "weil ich noch auß E. Kö. M. geblut erborn, vnnd von Keyser Ferdinand E. K. M. groß herrn Vattern stam her kommen".52 Die Bindung an den Kaiserhof wurde von ihr stets aufmerksam gepflegt, und indem sie die politische Linie ihrer Mutter weiterverfolgte, machte sie sich auf diese Weise auch nicht von den Bindungen ihres Mannes abhängig.53

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Anna lernte auch früh, wie wichtig Mobilität war: Reisetätigkeit gewährleistete Präsenz und darüber unmittelbaren Einfluss, und so wie ihre Mutter mit ihr ins Reich zu verschiedenen Höfen gefahren war, so war auch Anna später vielfach auf Reisen, nicht nur zwischen Brandenburg und Preußen, sondern auch zu anderen Höfen. Ein frühes Beispiel war der gemeinsame Besuch mit Johann Sigismund in Ansbach, wo sie am Sterbebett des preußischen Administrators Georg Friedrich weilten.54 Ende 1610 besuchte sie ihre Schwester Herzogin Anna Sybilla von Sachsen in Dresden, die gerade eine Tochter zur Welt gebracht hatte.55 Zu dem Zeitpunkt war das Verhältnis zu den Wettinern noch nicht so heikel. Schwieriger wurde dann die Reise im September 1613 nach Dresden, denn sie führte nun schon an einen eher verfeindeten Hof.56 Anna sah zu diesem Zeitpunkt in Kursachsen längst den gefährlichsten Konkurrenten um das Jülicher Erbe.57 Zurückgeschreckt ist sie vor diesen Reisen dennoch nicht.

<45>

Wie Maria Leonora die Verheiratung ihrer Töchter aktiv und weitgehend selbständig in die Hand genommen hatte, so war auch Anna bemüht, in diesem Punkt die Initiative bei sich zu behalten. Die Verheiratung der Tochter Anna Sophia im Jahr 1614 mit Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg war in ihrem Sinn. In späteren Jahren, als Annas Situation in Berlin nach dem Regierungsantritt ihres Sohnes Georg Wilhelm schwierig wurde, bewahrte Anna Sophie offenbar ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter.58 Die Verheiratung von Annas Tochter Marie Eleonore an den schwedischen König atmete hingegen eine unerbittliche Konsequenz und auch eine Rücksichtslosigkeit, wie sie auch ihre Mutter bei der Wahl des Brandenburger Prinzen zuungunsten einer Pfälzer Verbindung an den Tag gelegt hatte.

<46>

Maria Leonora lernte im Laufe der Jahre, sich zu behaupten, gerade in politischer Hinsicht. Dabei hat sie nicht die Spuren in der Geschichte hinterlassen, die sie als aktive Mitgestalterin der preußischen oder brandenburgischen Geschichte hervortreten ließe. Zumindest hat die Geschichtswissenschaft sie – bislang zumindest – nicht in dieser Weise wahrgenommen. Jedoch deutet Vieles darauf hin, dass dieses Bild einer politisch zurückhaltenden, ja blassen Herzogin unvollständig, wenn nicht unzutreffend ist. Dazu gehört auch ihr Spiel mit der Rolle als Fürstin, in dem sie sich vordergründig der Lenkung ihres Mannes oder seines Vormundes unterwirft – nur um dann umso effektiver in indirekter Weise Einfluss zu nehmen. Preußen konnte in diesen Jahren kaum von dem kranken Herzog Albrecht Friedrich regiert werden; seine Frau war sicher nicht so komplett inaktiv, wie viele Darstellungen es behaupten. Im Übrigen blieb Leonora selbst in die politischen Geschehnisse involviert, als sie ihre Töchter verheiratet hatte. Als Herzogin von Preußen war sie nach wie vor eine Regentin, die es sich nicht nehmen ließ, aktiv am politischen Leben teilzunehmen. Besonders die Entwicklungen am Niederrhein nahm Maria Leonora noch sehr genau wahr; bis in ihre letzten Lebensjahre hielt sie Kontakt zu einzelnen Jülicher Räten und Landständen.59

<47>

Ganz ähnlich muss man auch Anna einschätzen. In ihren Korrespondenzen betont sie zwar immer wieder einmal, wie sehr sie als Frau über bestimmte politische Materien nicht genügend wisse; neben dem Hinweis, dass sie sich "als ein Weibs Person im schreiben nicht also geübt befinde"60, brachte sie einmal die vorweggenommene Entschuldigung angesichts ihrer "weiblichen blödickeit" vor:61 Man darf solche Aussagen aber nicht für bare Münze nehmen. Anna spielte bewusst mit dem Bild einer schwachen und unkundigen Frau, weil es ihr Freiräume eröffnete, die sie dann weidlich nutzte.

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Ihre Situation ähnelte in vielem der ihrer Mutter, da beide Frauen einen kranken oder in Annas Fall einen schwachen und vielfach inaktiven Mann hatten. Anna hat die mangelnde Spannkraft, die ihr Mann Johann Sigismund schon früh und dann von Jahr zu Jahr in steigendem Maße erkennen ließ, die Verhaltensmuster imitieren lassen, die sie bei ihrer Mutter beobacht hatte. Annas Mann war zwar nicht derart regierungsunfähig wie ihr Vater; aber Johann Sigismund machte aus ihrer Sicht haarsträubende Fehler. Und die ließen sie in die Rolle hineinwachsen, die auch schon Maria Leonora vorgelebt hatte: in die einer Regentin, die es besser konnte als ihr fürstlicher Mann.

Fazit

<49>

Die Feststellung, dass eine Tochter in ihrer Mutter ein Vorbild sieht oder dass sie zumindest von ihr in ihrem Verhalten maßgeblich geprägt wird, hat etwas Selbstverständliches, ja etwas Banales. Die Besonderheit liegt nun darin, diese Konstellation auf politische Verhältnisse zu übertragen: Zu fragen, inwieweit eine Fürstin sich die eigene Mutter sich zum Vorbild im Hinblick auf ihre politische Handlungsmuster nimmt, ist ungewohnt. Es ist ungewohnt, weil man sich noch immer zu wenig bewusst ist, eine Fürstin auch als genuin aktive Kraft im politischen Spiel der Zeit aufzufassen und zu verstehen.

<50>

Der Blick zurück auf die Mutter ist hier unumgänglich. Denn eine Fürstentochter hatte nur in wenigen Fällen auch eine Ausbildung genossen, die sie auf Regierungsaufgaben vorbereitete. Da im Fall der beiden hier im Mittelpunkt stehenden Fürstinnen die Forschungslage schlecht ist, war es naheliegend, vor allem praxeologische Parallelen aufzuzeigen: Welche Handlungsmuster, die bei der Tochter Anna hervortreten, lassen sich womöglich auch schon bei ihrer Mutter nachweisen? Nicht auszuschließen ist, dass es auch schriftliche Unterweisungen, und sei es auch nur in Form von Korrespondenzen gegeben hat, die hier eine gewisse theoretische Grundierung bieten könnten.62 Da ihre Mutter starb, kurz bevor Anna Kurfürstin wurde, kann es auch keinen direkten Austausch zwischen beiden Frauen gegeben haben, in denen sie sich über aktuelle politische Themen verständigt hätten.

<51>

Wenn in diesen Ausführungen Anna immer wieder vor der Folie ihrer Mutter betrachtet wurde und Maria Leonora als maßgeblicher Bezugspunkt erscheint, geht es keineswegs darum, die Eigenständigkeit Annas in ihrem Handeln zu relativieren und sie gleichsam als bloßes Abbild ihrer Mutter Maria Leonora zu behandeln. Dazu waren die Situationen und damit verbunden auch die Herausforderungen, in und vor denen sich beide Fürstinnen wiederfanden, doch viel zu verschieden. Das ändert jedoch nichts daran, dass Maria Leonora ohne Zweifel eine bemerkenswerte Fürstin ihrer Zeit gewesen sein muss. Dass ihre Tochter Anna sich dann mit so viel Verve in die politischen Händel ihrer Zeit gemischt hat, lässt sich auch mit wenig Phantasie als Vermächtnis ihrer Mutter erkennen. Was genau Anna von ihrer Mutter gelernt hat, konnte hier nur skizzenhaft nachgezeichnet werden, ist aber durchaus einer weiteren Untersuchung wert. Unbestritten ist aber, dass zur Geschichte Annas notwendigerweise auch die Geschichte Maria Leonoras gehört.

Autor:

Dr. Michael Kaiser
Max Weber Stiftung
Rheinallee 6
53173 Bonn
kaiser@maxweberstiftung.de



1 Rita Scheller: Die Frau am preußischen Herzogshof 1550-1625 (Studien zur Geschichte Preußens, Bd. 13), Göttingen 1966, 134. Der Ausspruch Joachim Friedrichs wird auf das Jahr 1590 datiert.

2 Forschungen zu Fürstinnen hat vor allem Katrin Keller vorgelegt, darunter auch einige Biographien wie zu Kurfürstin Anna von Sachsen (2010) und zu Erzherzogin Maria von Innerösterreich (2012); hier sei auf den grundlegenden Beitrag in dieser Ausgabe verwiesen: Katrin Keller: Die Fürstin und die Dynastie, in: FRAUENSACHE. Wie Brandenburg Preußen wurde, hrsg. von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Dresden 2015, 30-33. Hier sind auch viele weitere Themen unter expliziter Einbeziehung der politischen Aspekte behandelt.

3 Vgl. Keller: Die Fürstin (wie Anm. 1), 31.

4 Zur Erziehung siehe allgemein Saring: Kurfürstin Anna (von Preußen), in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 53 (1941), 248-295, 284ff., bes. 286.

5 Älteren Datums sind Ernst Daniel Martin Kirchner: Die Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern, im Zusammenhange mit ihren Familien- und Zeit-Verhältnissen, 2. Theil: Die letzten acht Churfürstinnen, Berlin 1867, sowie Friedrike Bornhak: Die Fürstinnen auf dem Throne der Hohenzollern in Brandenburg-Preußen, Berlin 1889. Wichtig ist nach wie vor der Beitrag von Toni Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), sowie die Scheller: Frau (wie Anm. 1). Neuere Ansätze bei Magdalena Drexl: Weiberfeinde - Weiberfreunde? Die Querelle des femmes im Kontext konfessioneller Konflikte um 1600 (Geschichte und Geschlechter, 52), Frankfurt a.M. 2006, bes. 326ff.

6 H.C. Erik Midelfort: Verrückte Hoheit. Wahn und Kummer in deutschen Herrscherhäusern, Stuttgart 1996 [Amerik.orig. 1994], 108.

7 Zu diesem Themenkomplex, exemplifiziert an hessischen Beispielen Pauline Puppel: Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500-1700 (Geschichte und Geschlechter, 43), Frankfurt a.M. / New York 2004.

8 Es handelte sich um Albrecht Friedrich (1580–1580) und Wilhelm Friedrich (1585–1586).

9 Ein Überblick über die Reise bei Richard Armstedt: Die jülichsche Reise der Herzogin Marie Eleonore von Preußen im Jahre 1591/92. I. Kulturhistorischer Teil, in: Altpreußische Monatsschrift 35 (1898), 201-246 [mehr nicht erschienen].

10 Zur Thematik einschlägig und umfassend Rainer Babel / Werner Paravicini (Hg.): Grand Tour. Adeliges Reisen und Europäische Kultur vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Akten der internationalen Kolloquien in der Villa Vigoni 1999 und im Deutschen Historischen Institut Paris 2000 (Beihefte der Francia, 60), Ostfildern 2005. Bezeichnenderweise tauchen Frauen als Reisende überhaupt nicht auf, was eben den historischen Befund widerspiegelt.

11 Ein guter Überblick bei Friedrich Wilhelm Becker: Otto Heinrich von Bylandt zu Rheydt 1554-1608. Politik am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges, Mönchengladbach 1987 (= Rheydter Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Heimatkunde 16 [1987]), 85ff.

12 Anna Herzogin in Preußen an Jakobe, Herzogin zu Jülich, Kleve und Berg, Königsberg 2.4.1594 a.St., LA NRW Jülich-Berg II 2021 fol. 1 Ausf.

13 Siehe allgemein dazu Scheller: Frau (wie Anm. 1), 130.

14 Otto Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländischer Geschichte, Berlin 1915, 154; zum Geheimen Rat auch Wolfgang Neugebauer: Zentralprovinz im Absolutismus. Brandenburg im 17. und 18. Jahrhundert (Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 4 / Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen, 5), Berlin 2001, 44 f.

15 Becker: Bylandt (wie. Anm. 11), 80.

16 Becker: Bylandt (wie Anm. 11), 86.

17 Schlieben und Müller an Kanzler Diestelmeyer, Kassel 16.6.1591, in: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. 3: 1587-1592, hg. von Friedrich von Bezold, München 1903, Nr. 571, 535.

18 Becker: Bylandt (wie Anm. 11), 135, der aber darauf hinweist, daß Bylandt bereits im Dezember 1603 als Oberst und kurfürstlich brandenburgischer Geheimer Rat tituliert wird, ebd. 130. Die

19 Wolfgang Neugebauer: Die Hohenzollern, Bd. 1: Anfänge, Landesstaat und monarchische Autokratie bis 1740, Stuttgart / Berlin / Köln 1996, 135.

20 Siehe etwa ihre Fürsprache bei Becker: Bylandt (wie Anm. 11), 130.

21 Siehe zu ihm die Angaben bei Franz Josef Burghardt: Zwischen Fundamentalismus und Toleranz. Calvinistische Einflüsse auf Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg vor seiner Konversion (Historische Forschungen, 96), Berlin 2012, 103 und öfter.

22 Siehe Markgräfin Anna an Otto Heinrich von Bylandt, Cölln an der Spree 17.3.1607, GStA PK I.HA GR Rep. 34 Nr. 5198, fol. 375-376 Ausf., das Schreiben war "zu Seinen [= Bylandts; M.K.] eigen henden" ausgestellt, während sein Schreiben aus Königsberg vom 2.3.1607 durch einen Lakeien der Mutter an Anna zugestellt worden war; auch inhaltlich bezog sich Anna mehrfach auf ihn und ihre Mutter.

23 Siehe Scheller: Frau (wie Anm. 1), 73, 76, 101.

24 Hintze: Hohenzollern (wie Anm. 14), 161. Ausführlich die Darstellung bei Drexl: Weiberfeinde (wie Anm. 5), 275-286.

25 Zuletzt zu dieser Konfliktlage Drexl: Weiberfeinde (wie Anm. 5), bes. 260-264.

26 Frank Göse: Der Fürstentag zu Jüterbog 1611. Ein politisches "Gipfeltreffen" vor 400 Jahren, in: Heimatjahrbuch für den Landkreis Teltow-Fläming 18 (2011), 28-33; Wiederabdruck in: Im Netz der Mächte. 400 Jahre Fürstentag in Jüterbog, Jüterbog 2011, 7-16 (Begleitbroschüre zur Sonderausstellung).

27 So Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 262.

28 Vgl. Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 274f.

29 Dazu knapp Scheller: Frau (wie Anm. 1), 75 f.

30 Siehe dazu Midelfort: Verrückte Hoheit (wie Anm. 6), 109, 112, 123.

31 Hintze: Hohenzollern (wie Anm. 14), 154 f.; Karin Friedrich: Brandenburg-Prussia, 1466-1806. The Rise of a Composite State (Studies in European History), Basingstoke 2012, 37; Burghardt (wie Anm. 21): Fundamentalismus, 77-81.

32 Burghardt: Fundamentalismus (wie Anm. 21), 47-54.

33 Zu Georg Wilhelm siehe Burghardt: Fundamentalismus (wie Anm. 21), 55-60.

34 Markgräfin Anna an Otto Heinrich von Bylandt, Cölln an der Spree 19.3.1604, GStA PK I.HA GR Rep. 34 Nr. 5198, fol. 389-390 Ausf.

35 Die Episode auch erwähnt bei Becker: Bylandt (wie Anm. 11), 128, der die Brisanz weniger stark betont.

36 Dazu Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 289-291.

37 Generell Eberhard Faden: Der Berliner Tumult von 1615, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 5 (1954), 27-45; sowie Toni Saring: Der Berliner Bildersturm von 1615, in: Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins 60 (1943), 20-23; neuerdings auch Drexl: Weiberfeinde (wie Anm. 5), 358 f.

38 Christoph Hartknoch: Preussische Kirchen-Historia Darinnen Von Einführung der Christlichen Religion in diese Lande, wie auch von der Conservation, Fortpflantzung, Reformation und dem heutigen Zustande derselben ausführlich gehandelt wird, Frankfurt am Main/Leipzig/Danzig 1686, S. 454 f.

39 Vgl. die Einschätzung bei Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 277.

40 Bei Scheller: Frau (wie Anm. 1), 88, heißt es, Maria Leonora sei von der Heiratspolitik abgesehen "politisch wenig hervor[getreten]". Allerdings wird einleitend darauf hingewiesen, dass sie im Vergleich zu anderen Fürstinnen durchaus um politische Dinge zu kümmern hatte, ebd. 73.

41 Jürgen Petersohn: Fürstenmacht und Ständetum in Preußen während der Regierung Herzog Georg Friedrichs 1578-1603 (Marburger Ostforschungen, 20), Würzburg 1963, 4.

42 Petersohn: Fürstenmacht (wie Anm. 41), 17.

43 Petersohn: Fürstenmacht (wie Anm. 41), 57; dazu auch Scheller: Frau (wie Anm. 1), 91.

44 Siehe dazu auch Petersohn: Fürstenmacht (wie Anm. 41), 104.

45 Petersohn: Fürstenmacht (wie Anm. 41), 162-164.

46 Zum Verhältnis Maria Leonoras zu Georg Friedrich siehe Scheller: Frau (wie Anm. 1), 88 f.

47 Petersohn: Fürstenmacht (wie Anm. 41), 48 f., der hier aber vor allem in negativer Hinsicht die Abhängigkeiten sowohl von den Landständen als auch vom polnischen Lehensherrn betont.

48 Vgl. Schelling: Frau (wie Anm. 1), 99, dass Maria Leonora Briefausstoß in der Hochphase des Jülicher Erbfolgestreits "fast auf das Zehnfache des sonstiges Jahresdurchschnitts" anschwoll.

49 Schelling: Frau (wie Anm. 1), 117.

50 Zu den Ehepakten siehe Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 249.

51 Ihr Vater Wilhelm V. hatte nach dem Geldrischen Erbfolgekrieg mit Maria von Österreich eine Tochter des Kaiser Ferdinands I. geheiratet.

52 Kurfürstin Anna an König und Erzherzog Matthias, o.O. o.D. [1611?], GStA PK I.HA Geheimer Rat Rep. 34, Nr. 4630 Produkt Nr. 1 Entwurf mit Verb.; auch bei Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 249.

53 Zur Bindung an das Kaiserhaus auch Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 257-259.

54 Schelling: Frau (wie Anm. 1), 96; auch hier war u.a. auch die Jülicher Erbfolge ein wichtiges Thema! Erwähnt auch bei Becker: Bylandt (wie Anm. 11), 124 f., der aber nicht weiter auf die Rolle Annas eingeht.

55 Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 261.

56 Siehe Kurfürstin Anna an Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, Dresden 9.9.1613, praes. Neuburg 21.9.1613, Bay HStA, Pfalz-Neuburg, Geheime Kanzlei, Jülichsche Registratur 663 [h 106/5], unfol. Kopie.

57 Vgl. Saring: Kurfürstin (wie Anm. 4), 264, dass Annas Kampf um Jülich "fast ausschließlich ein Kampf gegen die Ansprüche Sachsens [war]".

58 Vgl. etwa die Korrespondenz der Herzogin Anna Sophie mit ihrem Gemahl Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig und Lüneburg, 1614-1629, NLA HA, Cal. Br. 21 Nr. 2442.

59 Siehe etwa als ein Beispiel von vielen das Schreiben der Herzogin Maria Leonora, Königsberg 19.6.1605, in: Acta Brandenburgica. Brandenburgische Regierungsakten seit der Begründung des Geheimen Rats, Bd. 1: 1604-1605, hg. von Melle Klinkenborg, Berlin 1927, Nr. 326, 355 f.

60 Kurfürstin Anna an unbekannt (Pfalz-Neuburg?), Cölln an der Spree 10.6.1614, GStA PK I.HA GR Rep. 35 Nr. 118; unfol. (5 fol.) Reinschrift mit Unterschrift, aber ohne Adresse und offenbar nicht zum Expedieren fertiggestellt.

61 Kurfürstin Anna an Kaiser Matthias, Cölln an der Spree 5.6.1615, GStA PK I.HA Geheimer Rat Rep. 34, Nr. 4630 fol. 32-34 Konzeptkopie mit Verb.

62 Angeblich hat es aber nur wenig Korrespondenzen zwischen Maria Leonora und Anna gegeben, was einen zugegebenermaßen schwierigen Befund darstellt, siehe Scheller: Frau (wie Anm. 1), 111, siehe auch 152: Maria Leonora habe ihre Tochter zumindest in der Frühphase ihrer Ehe des Öfteren gebeten, häufiger zu schreiben.

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Michael Kaiser
Die Tochter ihrer Mutter
Anna von Preußen und das politische Erbe der Maria Leonora
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Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
Politikgeschichte, Geschlechtergeschichte
16. Jh.
Erziehung, Brandenburg, Jülich-Klevischer Erbfolgestreit, Johann Sigismund von Brandenburg, Georg Wilhelm von Brandenburg
1500-1600
Anna Brandenburg, Kurfürstin (104182601), Maria Eleonora Preußen, Herzogin (121123731), Eheschließung (4013657-7), Politik (4046514-7), Herzogtum Preußen (4137053-3)
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M. Kaiser: Die Tochter ihrer Mutter
In: Perspektivweitung – Frauen und Männer machen Geschichte. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Kulturgeschichte Preußens - Colloquien“ vom 10. und 11. Oktober 2014, hg. von Jürgen Luh und Julia Klein (KultGeP - Colloquien, 2)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/2/kaiser_tochter
Veröffentlicht am: 18.05.2016 12:20
Zugriff vom: 19.09.2017 15:25
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