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    T. Schenk, Die Geschichte Brandenburg-Preußens und der Hohenzollern im Spiegel der Akten des kaiserlichen Reichshofrats

    KultGeP - Colloquien 1 (2014)

    Tobias Schenk

    Die Geschichte Brandenburg-Preußens und der Hohenzollern im Spiegel der Akten des kaiserlichen Reichshofrats.

    Ein Rundgang durch drei Jahrhunderte

    Abstract

    Über Jahrhunderte hinweg bildete das Alte Reich einen wichtigen Bezugspunkt für die Geschichte Brandenburg-Preußens und der Hohenzollern. Dieses Faktum wurde durch die kleindeutsche Geschichtsschreibung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts jedoch systematisch negiert, und noch heute stellen die Beziehungen zum Alten Reich einen weithin weißen Fleck der Preußenforschung dar. Die seit 2007 im Rahmen eines deutsch-österreichischen Kooperationsprojekts unter Federführung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen betriebene Erschließung der Wiener Reichshofratsakten bietet nunmehr die Chance, dies zu ändern. Denn als Höchstgericht, politisches Beratungsgremium und oberster Lehnshof nahm der Reichshofrat im Verfassungsgefüge des Reiches bis 1806 eine zentrale Position ein. Sein schriftliches Erbe bietet der Preußenforschung deshalb zahlreiche wichtige Ansatzpunkte für eine wesentliche Perspektiverweiterung, wie im Folgenden anhand ausgewählter Beispiele aufgezeigt werden soll.

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    Ob "Preußen 2001", 1 "Friedrich300" 2 oder nunmehr "600 Jahre Hohenzollern in der Mark Brandenburg" – historische Jubiläen spielen in der neuzeitlichen Fest- und Erinnerungskultur eine wichtige Rolle, 3 und dominieren in immer stärkerem Maße auch die öffentliche Wahrnehmung des preußischen Erbes. Aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft birgt diese Entwicklung Chancen und Risiken zugleich. Im Idealfall vermag die Forschung jene Ressourcen, die anlässlich von Jubiläen verfügbar werden, dazu zu nutzen, weitere Teile der Bevölkerung für historische Fragen und den jeweils erreichten Forschungsstand zu sensibilisieren. Diesen gesellschaftlichen Bildungsauftrag kann die Wissenschaft freilich nur dann wahrnehmen, wenn sie mehr zu präsentieren hat als alten Wein in neuen Schläuchen. Das immer hektischere Auftischen vorgekauter Häppchen mag den Bedürfnissen von Verlagen und Marketingagenturen Rechnung tragen, dem wissenschaftlichen Anspruch auf Erkenntnisgewinn genügt es nicht. 4

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    Im Falle der Preußenforschung ist eine sorgfältige Standortbestimmung besonders notwendig. Denn dieser Zweig der Geschichtswissenschaft erlebte seine große Zeit bekanntlich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, um nach 1945 in eine Phase der Stagnation einzutreten. 5 Es ist deshalb nicht nur danach zu fragen, auf welchen Gebieten überhaupt substantiell neue Ergebnisse vorliegen. Genauso wichtig ist die Identifizierung der ebenso zahlreichen wie gravierenden Forschungslücken, die unseren Blick auf wichtige Bereiche der preußischen Geschichte noch immer trüben. Auf der Habenseite sind zahlreiche innovative Studien zu verbuchen, die in den vergangenen Jahren zu einzelnen brandenburgisch-preußischen Adelslandschaften, 6 zum Sozialprofil der preußischen Beamtenschaft und der Kaufmannschaft 7 oder auf dem Feld der Militärgeschichte 8 erarbeitet wurden. Auch auf landesgeschichtlicher Ebene hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. 9

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    An dieser Stelle muss der Hinweis genügen, dass diese in ihrer Zielsetzung ganz unterschiedlichen Studien sowohl inhaltlich als auch methodisch über jeweils einen gemeinsamen Nenner verfügen. In inhaltlicher Hinsicht fällt die Abkehr von etatistischen Prämissen auf, denen sich die ältere Preußenforschung mehrheitlich verpflichtet wusste. Brandenburg-Preußen erscheint nicht länger als straff organisierter Einheitsstaat, in dem eine uniforme Untertanenmasse von allgegenwärtigen Königen und einem omnipotenten Behördenapparat regiert wurde. Von Jahr zu Jahr wird uns die Komplexität des frühneuzeitlichen Hohenzollernstaates bewusster, der seit dem 17. Jahrhundert von Kleve im Westen bis Tilsit im Osten reichte. Die Kurfürsten und Könige vereinigten unter ihrem Szepter Landschaften, deren politisches und kulturelles Koordinatensystem keineswegs ausschließlich auf Berlin und Potsdam ausgerichtet war. Kulturelle und politische Bezüge, Loyalitäten und Netzwerke, die nicht selten älter waren als die Hohenzollernherrschaft, lebten – im Osten wie im Westen – noch lange fort. 10

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    In methodischer Hinsicht basieren die wissenschaftlichen Innovationen der vergangenen Jahre auf einer intensiven Auseinandersetzung mit den archivalischen Quellen. Zum preußischen Erbe, das bis heute in der Kulturlandschaft von Berlin und Brandenburg sichtbar ist, zählen eben nicht nur Schlösser, Museen und Parkanlagen. Es zählen hierzu auch Archive von europäischem Rang wie das Geheime Staatsarchiv zu Berlin, das für alle Forschungen rund um Brandenburg-Preußen und das Haus der Hohenzollern den ersten Anlaufpunkt darstellt. 11 In seiner 2011 an der Humboldt-Universität gehaltenen Antrittsvorlesung hat Wolfgang Neugebauer deshalb vollkommen zu Recht eine enge Verknüpfung von Archivforschung und universitärer Lehre angemahnt. 12

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    Bei aller Wertschätzung für die in Berlin und Potsdam verwahrten Bestände bedarf die Einbettung der preußischen Geschichte in regionale und europäische Zusammenhänge jedoch des Blicks von außen. Die Liste der Aussichtspunkte, deren Besuch den Horizont der Preußenforschung zu erweitern vermag, ist lang. Angeführt wird sie jedoch zweifellos von Wien. Jenseits von Berlin und Potsdam werden in keiner anderen Stadt Europas ähnlich hochkarätige Archivbestände zur Geschichte Preußens und der Hohenzollern verwahrt. Wer auf der Suche nach neuen wissenschaftlichen Perspektiven ist, muss dort nicht lange suchen. Was aber macht die Bestände des Österreichischen Staatsarchivs 13 aus Sicht der Preußenforschung so einzigartig? Worin besteht der qualitative Unterschied zwischen den dort verwahrten Quellen und jenen Dokumenten, welche in den übrigen europäischen Nationalarchiven verwahrt werden?

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    Wer in Paris oder London zu preußischer Geschichte recherchiert, betrachtet Brandenburg-Preußen von außen . Daran ist nichts auszusetzen, und dasselbe kann man in Wien selbstverständlich auch tun. Ansatzpunkte hierfür finden sich in der landesfürstlichen Überlieferung der Habsburger zuhauf. Allerdings verwahrt das Österreichische Staatsarchiv auch das Schriftgut des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, dessen Kaiserkrone die Habsburger über Jahrhunderte hinweg trugen. 14 Dieses Alte Reich war nichts weniger als ein moderner Staat und verfügte – zumindest nach unseren heutigen Maßstäben – nur über unvollkommene Verwaltungsorgane und Exekutionsmöglichkeiten. Gleichwohl handelte es sich um ein politisches System, dem das Kurfürstentum Brandenburg bis 1806 hierarchisch unter geordnet war. Kaiser und Reich verfügten in den brandenburgischen Reichsterritorien über Aufsichts- und Interventionsrechte, die sich im Zuge des preußischen Staatsbildungsprozesses nicht einfach in Luft auflösten und die folglich ernst genommen werden müssen, wenn ihre tatsächliche Reichweite zuverlässig bestimmt werden soll.

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    Hätte es dieses, das frühneuzeitliche Territorium ebenso überwölbende wie durchdringende System nicht gegeben, bestünde heute gewiss kein Anlass, über Brandenburg-Preußen und die Hohenzollern nachzudenken. Denn ohne das Reich keine Burggrafen von Nürnberg, kein Kurfürstentum Brandenburg und auch kein Schloss Charlottenburg. Der auftrumpfende Barock der hiesigen Schlösserlandschaft sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um die architektonischen Zeugnisse eines ursprünglich fränkischen Adelsgeschlechts handelt, welches im frühen 15. Jahrhundert nicht kraft eigenen Rechts, sondern im Auftrag des Kaisers als Reichsfürsten von der Mark Besitz ergriff. Rund 500 Jahre hindurch prägten die Hohenzollern die Geschicke Brandenburg-Preußens. Von diesem halben Jahrtausend entfallen auf das Wilhelminische Kaiserreich 57 und auf den Deutschen bzw. Norddeutschen Bund 55, auf das Alte Reich rund 400 Jahre.

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    Im Grunde sind das alles Binsenweisheiten, doch geraten mitunter gerade die banalsten Dinge in Vergessenheit, wenn übermächtige wissenschaftliche Traditionen den Blick verstellen. Einen nahezu undurchdringlichen Sichtschutz vor diesem Teil der preußischen Geschichte bildet bis heute das beeindruckende Oeuvre der protestantisch-kleindeutsch ausgerichteten Forschung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Nicht nur die Lautsprecher Johann Gustav Droysen und Heinrich von Treitschke verwandten zur historischen Legitimation der Reichsgründung von 1871 erhebliche Energie darauf, das Alte Reich und mit ihr das habsburgische Kaiserhaus zu diskreditieren.

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    In seiner am Vorabend des Ersten Weltkrieges publizierten Geschichte der brandenburgisch-preußischen Politik definierte Reinhold Koser Politik als "Verhalten eines Staates inmitten anderer Staaten" und die Geschichte der brandenburgisch-preußischen Politik als "die Entwicklungsgeschichte der deutschen Großmacht". 15 Auf den ersten Blick klingt diese Definition recht nüchtern und unpolitisch. Erst bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass das Heilige Römische Reich für ein solches Geschichtsbild eine weitaus größere Gefahr darstellte als die heroisch auszuschmückende Erinnerung an diese oder jene Schlachtenniederlage Friedrichs des Großen. Denn die Aufsichts- und Interventionsrechte, die das Reich trotz aller staatlichen Defizite gegenüber den Territorien besaß, hätten bei nüchterner Betrachtung nur den einen Schluss zugelassen, dass Brandenburg-Preußen über Jahrhunderte hinweg nicht nur keine Großmacht, sondern – viel schlimmer noch – nicht einmal eine souveräne Macht gewesen war. Die Verdammung des Alten Reiches ist deshalb kein bloßes Akzidenz der kleindeutschen Weltsicht, sie bildet deren Substanz. 16 Generationen von Historikern schilderten das Reich als verfassungsloses, geradezu anarchisches Gebilde, in dem der Wille der Landesfürsten "in schrankenloser Willkür" 17 waltete.

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    Mit der "Legende von der landesherrlichen Souveränität" 18 schufen die kleindeutschen Geschichtsbaumeister – wie sie einer ihrer Kontrahenten treffend apostrophierte 19 – einen Mythos von bemerkenswerter Langlebigkeit. Denn die weitgehende Rehabilitierung des Alten Reiches zählt zwar zu den wichtigsten Leistungen der deutschen Frühneuzeithistoriographie seit den 1970er Jahren. 20 Gleichwohl hat sich die Preußenforschung an den diesbezüglichen Debatten die längste Zeit hindurch kaum beteiligt 21 – gerade so, als ginge es sie gar nichts an, dass das Reich offenbar doch nicht so verfassungslos war wie lange gedacht – als ginge es sie nichts an, dass den Habsburgern nach 1648 ein bemerkenswerter Wiederaufbau der Kaisermacht gelang, der sich vor allem auf die Instrumente jenes Reichsverbandes stützte, dem doch auch der Großteil des brandenburgisch-preußischen Territorienkomplexes angehörte. 22

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    Erst in jüngerer Zeit wächst das Bewusstsein für den großen Stellenwert, der dem Reich und seinen Institutionen in der frühneuzeitlichen Geschichte Brandenburg-Preußens zukommt. 23 Soll sich an den gravierenden Forschungslücken jedoch tatsächlich etwas ändern, ist es mit einer geringfügigen Modifikation kleindeutscher Geschichtsbilder nicht getan. 24 Notwendig ist vor allem eine erhebliche Ausweitung der bisherigen empirischen Grundlagen durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Beständen des Österreichischen Staatsarchivs, insbesondere dem Schriftgut der Reichskanzlei, des Mainzer Erzkanzlers und des Reichshofrats.

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    Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf den Reichshofrat, den man mit Fug und Recht als die wichtigste kaiserliche Reichsbehörde in der Frühen Neuzeit bezeichnen kann. Dessen schriftliches Erbe umfasst Zehntausende von Akten und Amtsbüchern, die seit 2007 in einem Langzeitprojekt durch die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Staatsarchiv und der Universität Wien systematisch verzeichnet werden. Im Zuge dieser Grundlagenarbeit rücken einzigartige Quellen der deutschen Geschichte erstmals in den Fokus der Wissenschaft. Der Preußenforschung bietet sich in diesem Kontext die Chance, es besser zu machen als in der Vergangenheit, als sie die Impulse der Reichsgeschichtsforschung weitgehend verschlief. Heute sollte sie Anschluss gewinnen und sich aktiv einbringen in die Diskussion zentraler Probleme der frühneuzeitlichen deutschen Geschichte, die eben nicht allein um Berlin und Potsdam kreiste. Die Erforschung des Alten Reiches, die sich viel zu lange vornehmlich auf die vermeintlich kaisernahen Regionen des deutschen Südwestens konzentriert hat, würde hiervon ungemein profitieren. 25 Den größten Gewinn an analytischer Tiefenschärfe verheißen die Reichshofratsakten jedoch der Preußenforschung selbst.


    Abb. 01
    Im Magazin des Haus-, Hof- und Staatsarchivs erstrecken sich die Bestände des Heiligen Römischen Reiches über drei Etagen. Zehntausende von Akten und Amtsbüchern bilden nicht nur die wichtigste archivalische Quelle zur deutschen Geschichte der Frühen Neuzeit, sondern eröffnen auch der Preußenforschung zahlreiche neue Perspektiven.
    Foto: Tobias Schenk

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    Denn als Höchstgericht, oberster Lehnshof und politisches Beratungsgremium des Kaisers verkörperte der Reichshofrat vom frühen 16. Jahrhundert bis 1806 wie keine andere Institution das hierarchische Element der Reichsverfassung. 26 An keinem anderen Ort bündelten sich jene bereits angesprochenen Aufsichts- und Interventionsbefugnisse, die der Kaiser gegenüber den Territorien innehatte, in so starkem Maße wie in dieser Behörde. Schwerwiegende Konflikte mit einem Reichsstand wie Brandenburg-Preußen, der sich im 17. und 18. Jahrhundert anschickte, sich von diesen Aufsichtsrechten zu emanzipieren, um in die Riege der europäischen Großmächte aufzusteigen, waren deshalb vorprogrammiert.

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    Der besondere Reiz der Wiener Überlieferung liegt darin, dass ihr Potential weit über eine altbackene bilaterale Beziehungsgeschichte zwischen Kaiser und Kurfürst hinausreicht. Wer sich mit den Reichshofratsakten auseinandersetzt, betrachtet Brandenburg-Preußen und das Haus der Hohenzollern nicht allein von außen , sondern erhält zugleich überaus innovative Perspektiven auf Preußen von innen . Denn aus den Wiener Akten spricht nicht das Preußen der Acta Borussica. Es kommen nicht nur die Helden der kleindeutschen Geschichtsschreibung, also die Könige oder deren Beamte, zu Wort. Markant sind vor allem die Stimmen derjenigen, die am Kaiserhof gegen die Kurfürsten und Könige Beschwerden erhoben, und bei denen es sich eben nicht nur um benachbarte Reichsstände, sondern um Angehörige von Nebenlinien oder um Teile des Untertanenverbandes der Hohenzollern selbst handelt. Zum besseren Verständnis dieser Vorgänge soll zunächst ein Blick auf die Zuständigkeiten des Reichshofrats geworfen werden. 27

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    Als Höchstgericht war der Reichshofrat neben dem Reichskammergericht, das er seit dem 17. Jahrhundert immer mehr überflügelte, 28 in erster Instanz für Klagen gegen reichsunmittelbare Personen wie die Kurfürsten von Brandenburg tätig und bearbeitete darüber hinaus Verfahren wegen Landfriedensbruchs. Verwiesen sei an dieser Stelle lediglich auf den Achtprozess gegen Friedrich den Großen, dessen umfangreiche Aktenüberlieferung noch immer unbearbeitet ist und folglich auf die To-Do-Liste für das nächste Friedrichjubiläum gehört. 29 In zweiter Instanz bearbeitete der Reichshofrat Appellationen gegen Urteile der territorialen Obergerichte. 30 Die Kurmark war hiervon kaum betroffen, da die Kurfürsten im Jahre 1586 ein sogenanntes unbeschränktes Appellationsprivileg erlangt hatten, das die Anfechtung von Urteilen an den Reichsgerichten weitestgehend untersagte. 31 Dieses Privileg galt allerdings nicht für jene Territorien, welche die Hohenzollern erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts erwarben.


    Abb. 02
    Preußische Geschichte ist mitnichten „ausgeforscht“. Selbst hochkarätige Quellen zu Friedrich dem Großen harren noch immer der Bearbeitung. Dies gilt beispielsweise für die umfangreiche Überlieferung zum Achtprozess, der während des Siebenjährigen Krieges gegen den Preußenkönig geführt wurde. Die in der Serie „Denegata recentiora“ überlieferten Akten füllen eine Sackkarre.
    Foto: Tobias Schenk

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    In Magdeburg, Minden, Halberstadt und Kleve bildeten die Reichsgerichte und vor allem der Reichshofrat bis ins dritte Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts einen wichtigen Faktor für das Rechtsleben der einzelnen Territorien. 32 Denn zum großen Verdruss der Hohenzollern trugen die Domkapitel von Magdeburg, Minden und Halberstadt, Teile des landsässigen Adels, die verbliebenen katholischen Klöster 33 und die unter brandenburgisch-sächsischer Zwangsverwaltung stehenden Grafen von Mansfeld zahllose Appellationen an den Kaiserhof heran. 34 Allein in den vergangenen Monaten wurden im Rahmen des erwähnten Erschließungsprojekts zahlreiche Reichshofratsakten zu Appellationen gegen die Magdeburger Regierung verzeichnet. 35 Prinz Eugen hatte offenbar nicht ganz Unrecht, als er sich Mitte der 1720er Jahre beschwerte, der Reichshofrat habe mit Brandenburg-Preußen beinahe genau soviel Scherereien wie mit dem gesamten übrigen Reich zusammengenommen. 36