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K. Zielosko: Hof ohne Herrschaft

Friedrich300 – Friedrich der Große und der Hof

Hof ohne Herrschaft.

Prinz Heinrich in Rheinsberg

Karoline Zielosko


Abstract

Zeit seines Lebens hat Prinz Heinrich von Preußen sich als eine Art "zweiter Mann im Staat" verstanden – zu Lebzeiten Friedrichs II. in Warteposition, mitunter auch abgeschoben, unter Friedrich Wilhelm II. und dessen Sohn Friedrich Wilhelm III. dagegen parallel zum Monarchen. Da es innerhalb des brandenburg-preußischen Herrschaftsgefüges keinen Raum gab für eine dynastische Kollektivregierung, war Heinrich die meiste Zeit zu politischer Funktionslosigkeit verdammt und sah sich auf seine märkische Residenz Rheinsberg zurückgeworfen. Von hier aus versuchte er, seine politischen Vorstellungen auf unterschiedlichste Art und Weise zu kommunizieren und durch Selbstinszenierung und repräsentativen Aufwand auf seine Person zu verweisen.

I. 1

<1>

Im Jahre 2002 fand anlässlich des 200. Todestages des Prinzen Heinrich eine Ausstellung im märkischen Rheinsberg statt, bei der es nicht zuletzt darum ging, dem Prinzen endlich die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die ihm als jüngerem Bruder Friedrichs II. oftmals nicht zuteil geworden ist. 2 Immerhin hat Rheinsberg dem Prinzen nahezu 50 Jahre als Sitz gedient, mit Unterbrechungen zwar, aber doch deutlich länger als die vier Jahre, die Friedrich hier während seiner Kronprinzenzeit verbrachte. Dennoch wird Rheinsberg mitunter immer noch eher mit diesen vier Jahren einer heiter-unbeschwerten Rokoko-Existenz eines musizierenden und poetisierenden Friedrich assoziiert als mit der gefühlten Ewigkeit von fünf Dekaden henricianischer Hofhaltung. Daher war man im Vorfeld des Jubiläums gar versucht, die Friedrich-Statue vor dem Schloss à la Christo zu verhüllen, auf dass der Genius loci vor allzu viel "Fritzigkeit" bewahrt werde.

<2>

Da aber Friedrich in seiner Eigenschaft als König und Oberhaupt der Hohenzollerndynastie den Rahmen und die Existenzbedingungen festlegte, innerhalb derer Heinrich sich bewegen konnte, steht der königliche Bruder auch hier am Beginn der Betrachtung.

<3>

Von Friedrich II. ist bekannt, dass er es liebte, sich gemäß der Idealvorstellung des "roi philosophe" als eine Herrscherpersönlichkeit zu inszenieren, die dem Utilitätsgedanken und der Rationalität verpflichtet war und also höfischen Eitelkeiten demonstrativ entsagte. Diese Repräsentationsstrategie (falls der Grad an ausführender Bewusstheit überhaupt von "Strategie" zu sprechen erlaubt) vermochte allerdings nur dann zu funktionieren, wenn die Zeitgenossen das Fehlen der herkömmlichen Repräsentationsmedien als solches empfanden und eben in ihrer Abwesenheit das Bemerkenswerte sahen. Dass dem in der Tat so war, verdeutlicht der rückschauende Bericht eines reisenden Engländers, der 1779 über seinen Besuch in Sanssouci folgendes zu berichten hatte:

<4>

"Ich erkundigte mich bei dem Schweizer, wo das Schlafzimmer des Königs wäre. 'Dies hier ist es!' Ich suchte nach einem prächtigen Bett; da gab es einen sehr schönen Alkoven hinter dem Zimmer, doch auch darin stand keine Bettstatt. 'Wo ist denn das Bett?' – 'Dort drüben!' In einer Ecke entdeckte ich hinter einem winzigen Wandschirm ein unglaublich kleines, äußerst schmales Bett mit grünseidenen Vorhängen. Das war sein Nachtlager. Nun wollte ich von meinem Führer wissen, wo der König seine Kleidung aufbewahre, und erhielt zur Antwort: 'Auf dem Leibe!'" 3

<5>

Die pointierte Form seiner Erzählung zeigt, dass Sherlock sehr wohl um die Symbolik des Nichtvorhandenen wusste. Durch die Prägnanz seines Berichts und dessen narrative Zuspitzung ist der englische Reisende zur gleichen Zeit Adressat und Bote des Topos vom arbeits- und genügsamen Preußenkönig, der sich nicht zuletzt durch diese Eigenschaften von seinen fürstlichen Standesgenossen unterscheide. Und so kann man für den Fall Friedrichs II. von einer Repräsentation durch Nichtrepräsentation sprechen, die gleichwohl weglässt, was bekannt ist, und daher nicht zu verwechseln ist mit einer Haltung, die um Außenwirkung nicht bemüht ist.

<6>

Vielmehr geht es um wohlerwogene Freiheiten, die sich herausnehmen kann, wer als Monarch klug abzuwägen versteht zwischen notwendiger Repräsentation der eigenen monarchischen Souveränität nach innen und außen und einem individuellen Repräsentationsstil, der auch vor Merkwürdigkeiten nicht zurückschreckt. Wer aber anerkanntermaßen über Macht und eine gefestigte soziale und politische Position verfügt, kann es sich leisten, auf die Repräsentation von Macht hier und da zu verzichten – getreu dem Motto: "Wer die Form beherrscht, darf sich danebenbenehmen." Denn die Adressaten wissen ja, dass das, was nicht repräsentiert wird, dennoch vorhanden ist.

<7>

Nun lautet das klassische Urteil über eine ausgefeilte Repräsentation von nicht tatsächlich vorhandener Macht, sie sei sinnentleert, involutiv 4 und eine Farce, Beschäftigungstherapie. Ähnlich sah das auch Friedrich. So verweist auch jene Passage aus seinem Politischen Testament von 1752, in der es um die "Prinzen von Geblüt" 5 geht, auf ein vor allem pragmatisches Verhältnis zum Zeremoniösen und zu sämtlichen Repräsentationstechniken. Heißt es hierin doch, das vorrangige Ziel der Familienpolitik des Regenten müsse es sein, die Prinzen von Geblüt von eigenständigen, womöglich frondierenden politischen Ambitionen fernzuhalten. Dazu stünden zwei komplementäre Wege zur Verfügung: Die Widerspenstigen und Ambitionierten unter ihnen seien "energisch in (...) [die] Schranken zu weisen". Im Allgemeinen aber müsse man die Mitglieder der regierenden Dynastie bevorzugt behandeln – um ihre herausgehobene Position innerhalb der (adligen) Gesellschaft öffentlich zu betonen, ließe sich hier ergänzen. Daher seien sie stets "mit allen äußeren Ehren zu überhäufen". Zeremoniell und Repräsentation also als Opium für ' s Prinzenvolk? Das würde allerdings voraussetzen, dass nicht nur Friedrich II. beidem ein großes Befriedigungs- und damit auch Befriedungspotential zuerkennt, sondern auch, dass die Objekte seiner Überlegungen, d.h. die Prinzen von Geblüt und ihr sozialer Umgang, die Mitglieder der Aristokratie, in "äußeren Ehren", vom König ausgeteilt, ein annehmbares Distinktionsmerkmal erblickten. Diese Stelle aus Friedrichs Politischem Testament, vergleicht man sie mit anderen Aussagen zur Repräsentationspraxis von Großvater und Vater 6 , impliziert nichts anderes als eine funktionsbezogene Rehabilitierung "höfischer Eitelkeiten". Sie werden nämlich dann nützlich und damit herrschaftspolitisch vertretbar und gut, wenn sie potentiell frondierende Dynastieangehörige ruhigstellen. Auf diese Weise dienen sie der inneren und äußeren Sicherheit des dynastischen Staates.

II.

<8>

Die Frage ist nun, ob auch Prinz Heinrich sich – mehr oder weniger resignativ, mehr oder weniger kreativ – dieser Sicht der Dinge hingab oder ob er nicht vielmehr einer anderen, einer eigenen Logik folgte und sich darin stilistisch, sozial und machtpolitisch von seinem königlichen Bruder abzuheben versuchte. Denn er repräsentierte vor allen Dingen, was nicht vorhanden war; und die einzige denkbare Funktion dieser Repräsentation war die Beanspruchung realer Macht. Es ging also – so die These nach Pierre Bourdieu 7 – um eine Akkumulation symbolischen und sozialen Kapitals, das es in weiteres soziales und damit vor allem politisches Kapital umzumünzen galt.

<9>

Im Folgenden wird zunächst Aloys Winterlings idealtypische Vorstellung von "Hof"aufgenommen und für den Fall des Prinzen Heinrich spezifiziert.
Ganz allgemein verfügt der Begriff "Hof" über fünf verschiedene Konnotationen 8 :
In räumlich-topographischer Hinsicht meint "Hof" den Aufenthaltsort des Fürsten, seine Residenz oder sein Palais. Dabei braucht "Hof" nicht auf eine einzige Residenz oder ein bestimmtes Palais beschränkt zu sein, sondern kann im Gegenteil auch auf die vielgestaltige fürstliche Residenzenlandschaft in ihrer Gesamtheit verweisen. Demzufolge ist unter dem Hof des Prinzen Heinrich zunächst das Schwerinsche Palais an der Berliner Wilhelmstraße zu verstehen, das er nach seiner Vermählung mit Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel anmietete. Der Mietvertrag wurde allerdings schon während der Zeit des Siebenjährigen Krieges wieder aufgelöst. Zuvor schon waren Heinrich Schloss und Gut Rheinsberg von seinem königlichen Bruder Friedrich II. übereignet worden, so dass sein Hof nunmehr auch im Märkischen zu lokalisieren war. Mit der Fertigstellung des nachmals so genannten Prinz-Heinrich-Palais Unter den Linden verfügte der Prinz seit Beginn des Jahres 1766 auch wieder über einen Hofstandpunkt, welcher an einem der – wenn nicht an dem – repräsentativsten Flecken Berlins gelegen war. Schließlich war dem Prinzen mit dem Tode Friedrichs II. im Jahre 1786 auch das ehemals bevorzugte Jagdschlösschen Friedrich Wilhelms I., Wusterhausen, zugefallen. Auch hier, im Wald- und Jagdgebiet östlich der Hauptstadt, befand sich nun der Hof des Prinzen Heinrich. Mit Verweis auf Ronald G. Asch ist dem allerdings hinzuzufügen, dass, vor allem bei den selten frequentierten Lokalitäten wie Wusterhausen, von "Hof" in dem oben genannten Sinne vornehmlich dann die Rede sein kann, wenn der Fürst entweder persönlich zugegen war oder wenn eine Gewährleistung der Verpflegung und der Verbleib des Personals direkt auf seine "Existenz" verwiesen – mochte er nun gerade in der Nähe sein oder sich in größerer Entfernung befinden.
Das Verständnis von "Hof" kann auch eine soziale bzw. personale Konnotation haben, namentlich wenn vom fürstlichen "Hofstaat" die Rede ist. Hier ist allerdings zu differenzieren zwischen den Hofbediensteten, zu denen die Silbermagd ebenso wie der Küchenknecht oder der Gartenbaumeister zu rechnen sind und die dem Hofstaat nicht angehörten, und der eigentlichen "höfischen Gesellschaft", welche die standesgemäße persönliche Umgebung des Fürsten ausmachte. Am Hofe des Prinzen Heinrich konnten, mussten aber die Angehörigen dieser "exklusiven Teilgesellschaft" 9 nicht mit einem höfischen Amt, einem Ehrenamt oder einem Titel ausgestattet sein. Wichtig war in ihrem Falle das soziale und persönliche, z.T. freundschaftliche Verhältnis gegenüber dem Prinzen, das ihn dazu bewog, sie in seine Nähe zu ziehen.
Ferner verweist der Begriff "Hof" auf die außerordentlichen Umstände, die in regelmäßigen, kurzen oder langen, Abständen mit dem Aufenthalt des Fürsten und dem von ihm gepflegten Lebens- und Repräsentationsstil einhergehen. "Hof halten" impliziert demnach eine Ausdehnung der höfischen Öffentlichkeit über den Rahmen der engsten und engen höfischen Gesellschaft hinaus, ist also nicht zuletzt auf Außenwirkung angelegt. Damit ist aber auch auf die zeitliche Bedingtheit der so verstandenen Hofhaltung verwiesen. Gerade beim Prinzen Heinrich lässt sich ein steter, wenn auch nicht unbedingt regelmäßig verlaufender Wechsel zwischen einem eher kontemplativen, zurückgezogenen Leben und einem gelebten höfischen Repräsentationsstil beobachten, der auf Prestige und Aufmerksamkeit abzielte.
Wenn die Rede von der kommunikativen Konnotation des Begriffs "Hof" ist, so sind damit jene Dispositionen bzw. Habitus 10 und Interaktionen der adlig-höfischen Gesellschaft gemeint, durch die sie sich in ihrer Exklusivität gegenüber allen anderen Mitgliedern der ständischen Gesellschaft auszuzeichnen vermag. Dazu gehört vornehmlich ein aristokratisch-distinguiertes Auftreten, das seine Selbstsicherheit und seine Verhaltenssicherheit aus der Akkumulation von ererbtem und erworbenem sozialem und kulturellem, weniger indes ökonomischem Kapital herleiten kann. Der zeitgenössische Aufzeichnungen sind viele, die gerade an der Person des Prinzen Heinrich seinen höfisch-distinguierten Habitus voller Bewunderung und Anerkennung vermerken oder ihn als antiquiert und dünkelhaft ablehnen.
Schließlich impliziert der Begriff "Hof" auch noch einen politischen Aspekt: dies ist der Fall, wenn auf die politisch-administrativen Amtsträger am Hofe verwiesen wird und unter ihnen besonders jene, deren Aufgabenbereich über die Organisation der höfischen Gesellschaft als Teilgesellschaft hinausweist und von gesamtgesellschaftlicher Funktion und Relevanz ist oder doch zumindest den Interessen der regierenden Dynastie bzw. dem Landesherrn innen- wie außenpolitisch dient. Für einen prinzlichen "Hof ohne Herrschaft", wie es jener des Prinzen Heinrich ja gewesen ist, kann nur sehr eingeschränkt bzw. unter anderen, späterhin genauer zu bestimmenden Vorzeichen von einer politischen Konnotation die Rede sein. In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass die Funktionen der vom Prinzen Heinrich mit einem Hofamt bestallten Personen sich tatsächlich nur auf die Organisation des höfischen (Zusammen-)Lebens sowie die Verwaltung der Schlossanlagen, Gärten, der finanziellen Angelegenheiten des Prinzen u.ä. beschränkten. Dies schließt andererseits nicht aus, dass zur höfischen Gesellschaft in Rheinsberg oder zu den anderen henricianischen Residenzen bzw. zur näheren persönlichen Umgebung des Prinzen durchaus Personen gehörten, die in Berlin/Potsdam über ein politisches, administratives oder hohes militärisches Amt verfügten, verfügt hatten oder einmal mit einem solchen Amt betraut werden würden.

<10>

Ausgehend von den soeben dargelegten fünf Konnotationen des "Hof"-Begriffes, definiert Aloys Winterling das historische Phänomen "Hof" schließlich idealtypisch als " das erweiterte 'Haus' eines Monarchen " 11 [kursiv im Original]. Wenn es nunmehr gilt, eine Definition vom Hofe des Prinzen Heinrich in Abgrenzung zu diesem höfischen Idealtypen zu formulieren, soll Folgendes festgehalten werden: Unter einem prinzlichen "Hof ohne Herrschaft" wird hier verstanden "das in personeller Hinsicht quantitativ und qualitativ erweiterte 'Haus' eines nichtsouveränen Mitglieds der regierenden Dynastie, dessen ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital in Übereinstimmung mit oder in Abgrenzung von dem Monarchen eingesetzt und damit riskiert werden konnte, um a) im persönlichen Interesse des Prinzen zur weiteren Akkumulation der drei Kapitalsorten beizutragen oder um b) zeitlich und inhaltlich befristete gesamtgesellschaftliche Funktionen zu übernehmen, entweder im Auftrag des Monarchen oder wider dessen Ansinnen". Prinzipiell soll der Schwerpunkt dieser Betrachtung des henricianischen Hofes eher auf seine Funktionalisierung als auf sein Erscheinungsbild gelegt werden.

<11>

In seiner Eigenschaft als hohenzollerischer Prinz identifizierte Heinrich sich gänzlich mit dem brandenburg-preußischen Staat; darüber hinaus besaß er ein ausgeprägtes Bewusstsein seiner politischen, diplomatischen und militärischen Fähigkeiten. Ähnlich wie sein königlicher Bruder war er in seinem politischen Denken zutiefst von den Erfahrungen des Siebenjährigen Krieges geprägt. Denn hier durchlebte Heinrich eine zuvor nicht gekannte existenzielle Verdichtung und Konzentration, die ihn sein Potenzial als "zweiter Mann" im Staat gewahr werden ließ. Er, der Krieg führte nach den Regeln des Ancien Régime und dabei mit geringen Ressourcen an Soldaten und Material äußerst erfolgreich agierte, erntete von den Zeitgenossen Ruhm und Anerkennung. Das Ausmaß an Wertschätzung, das man ihm entgegenbrachte, lässt sich nicht nur an dem Umstand erkennen, dass man ihn mit dem Kriegshandeln Friedrichs überhaupt verglich. Vielmehr waren die Prinzipien der henricianischen Kriegsführung 12 in den Augen von so manchem Zeitgenossen, auch innerhalb des Offizierskorps, jenen des hasardierenden "roi connétable" überlegen. 13

<12>

Womöglich schwingt das alteuropäische Verständnis von der wechselseitigen Legitimierung von "Schutz" und "Herrschaft" mit, wenn aus dem Bewusstsein, Land und Leute in einer Zeit der existenziellen Bedrohung zu schützen, in Heinrich die Überzeugung erwuchs, auch zu deren Regierung beitragen zu können. Diese Überzeugung musste in seinen Augen eine Bestätigung durch innerdynastische Regelungen und das Offenbarwerden von Schwächen und Unzulänglichkeiten des Königs bzw. seiner Thronfolger im Umfeld des Siebenjährigen Krieges und auch später erfahren.

<13>

Mit dem Tode August Wilhelms, des Prinzen von Preußen, am 12. Juni 1758 stellte sich jener Fall ein, für den die Bestimmungen der Titulardisposition vom August 1756 Sorge getragen hatten: Prinz Heinrich würde in die Rolle des Vormunds für den kindlichen Nachfolger Friedrich Wilhelm aufrücken, sollte auch Friedrich II. vor der Zeit sterben. Da man sich mitten im Krieg befand, in dem Friedrich als "roi connétable" an der Spitze eines seiner Heere zu Felde zog, war jederzeit mit dem Tode des Königs zu rechnen. 14 Doch es war nicht allein die Gefahr einer physischen Beseitigung des Monarchen, die den preußischen Staat und seine Armee in jener Phase, da seine staatliche Integrität bedroht war, in einen Zustand der Lähmung und des Kompetenzwirrwarrs hätte bringen können. Auch die außerordentlichen psychischen Anspannungen, denen Friedrich ausgesetzt war, forderten ihren Tribut und schienen ihn in der Zeit einer auf die Spitze getriebenen Krise seiner Handlungsfähigkeit zu berauben. Nach dem Verlust der Schlacht von Kunersdorf am 12. August 1759 war er entschlossen, den, wie er meinte, unausweichlichen Untergang des preußischen Staates selbst nicht überleben zu wollen und trug sich mit Suizidgedanken. 15 Seine militärische Kommandogewalt, die auszuüben er sich nicht mehr in der Lage sah, legte er derweil nieder und in die Hände des Generals Finck. Gleichzeitig setzte Friedrich den Prinzen Heinrich als Oberbefehlshaber der preußischen Truppen ein und verwies Finck ausdrücklich an diesen: "Er muss meinem Bruder, den ich [als] Generalissimus bei der Armee declariret, von allem berichten. Dieses Unglück ganz wiederherzustellen, gehet nicht an; indessen, was mein Bruder befehlen wird, das muss geschehen." 16 Schon im Vorfeld der Schlacht bei Zorndorf am 22. August 1758 hatte Friedrich seine Generale in einem "Ordre (...). wie sie sich im Falle zu verhalten haben, wenn ich sollte todt geschossen werden", dem Prinzen Heinrich unterstellt. Auch hier heißt es, das Heer sei sofort auf den jungen Friedrich Wilhelm zu vereidigen und darüber hinaus der Verfügungsgewalt seines Vormunds Heinrich zu unterstellen, dessen Anordnungen man Folge zu leisten habe, "als die von dem regierenden Herrn".

<14>

Aus diesen verschiedenen Verfügungen spricht die akute Sorge um das Fortbestehen des preußischen Staates, dessen Integrität an die Unversehrtheit und Handlungsfähigkeit König Friedrichs geknüpft wurde. Er selbst griff, wenn er für den Fall seines Ablebens den Prinzen Heinrich als Vormund des jungen Thronfolgers und Inhaber der militärischen und politischen Verfügungsgewalt bestimmte, auf seine im Politischen Testament von 1752 entwickelten und damit längst feststehenden Prinzipien zurück. In einem strukturell festgelegten personellen Angebot für Krisensituationen wie jene im Siebenjährigen Krieg war Prinz Heinrich der nächste Agnat, empfahl sich also qua Geburt für die Rolle des Vormunds. Ähnliches gilt für Friedrichs Mentorenkonzept des Jahres 1776, als er den Prinzen Heinrich gleichsam als Graue Eminenz an der Seite des Thronfolgers Friedrich Wilhelm (II.) zu installieren gedachte. Dessen mäßige politische Begabung sah er für Preußen als mindestens so bedrohlich an wie seinerzeit die Feindschaft halb Europas. 17 Heinrich jedoch hätte im Falle des Falles lediglich eine bereits bestehende Planstelle auszufüllen gehabt. Sie wäre und ist nicht für ihn persönlich geschaffen worden, nur weil er über besondere Qualitäten verfügte und sich im Dienst für Preußen ausgezeichnet hatte. Beide Konzepte, das der Vormundschaft aus dem Siebenjährigen Krieg ebenso wie das Mentorenkonzept von 1776, verschwanden wort- und formlos wieder in der Schublade. Gerade das zweite Beispiel zeigt, dass König Friedrich in letzter Konsequenz eben doch nicht bereit war, das monarchische Prinzip in der ihm eigenen Interpretation als autokratisch-monarchisches Prinzip zur Disposition zu stellen – selbst wenn der Thronfolger schwerwiegende Unzulänglichkeiten aufwies. Die Ambitionen und das Potenzial eines Prinzen Heinrich waren für den König keine handlungsleitenden Kategorien.

<15>

Heinrich selbst jedoch vermochte die (familiär-)politische und die persönliche Ebene nicht losgelöst voneinander zu denken. Wo in den Augen Friedrichs die Staatsräson eine rigide dynastische Räson erforderte, sah Heinrich lediglich Zurücksetzung aufgrund inferiorer persönlicher Motive und Aversionen, die man ihm entgegenbrachte. Den Umstand, dass er als Prinz von Geblüt sich einem begrenzten Handlungsspielraum unterzuordnen hatte, damit die Macht des Königs und also die Staatsmacht nicht durch innerdynastisches Kompetenzgerangel geschwächt werde, konnte Heinrich in den objektiven Bedingungen seiner Notwendigkeit nicht erkennen.

III.

<16>

Was bedeutet dies nun für Rheinsberg und die henricianische Hofhaltung? Bis zu seiner Indienstnahme für das hohenzollerische Brandenburg-Preußen im Siebenjährigen Krieg bestand sein Leben aus der Erfüllung seiner Regimentspflichten und Zeiten der Muße und Geselligkeit vornehmlich im Kreise seiner Brüder August Wilhelm und Ferdinand und befreundeter Höflinge. Den Aufzeichnungen des Grafen Lehndorff, Kammerherr der Königin Elisabeth Christine, sind Einblicke in unterschiedliche Formen geselligen Vergnügens zu entnehmen, die sich im Wesentlichen durch Gefälligkeit, bisweilen auch Überdruss auszeichnen. 18 Noch nicht in den Stand der Ehe eingetreten, hatte der Prinz seinen Wohnsitz im Potsdamer Stadtschloss, erhielt jedoch das Recht auf eine eigene Hof- und Haushaltung durch seine Heirat mit Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel im Jahre 1752. Mehr als die Aussicht auf ein eheliches Beisammensein beglückte den Prinzen dabei der Umstand, dass er sich von nun an der steten Kontrolle durch den königlichen Bruder zumindest ein wenig entzogen sah. Das Paar bezog zunächst das Schwerinsche Palais an der Berliner Wilhelmstraße, während das nachmals so genannte Prinz-Heinrich-Palais (die heutige Humboldt-Universität), vom König an prominentem Standort Unter den Linden in Auftrag gegeben, erst 1766 eingeweiht werden konnte. 19 Weit weniger exponiert war Rheinsberg, das anfangs nur als Sommerresidenz vorgesehen war, und das der Prinz dem Trubel des Berliner Lebens bisweilen vorzog.

<17>

Tage der Introvertiertheit im märkischen Sand nahmen sich folgendermaßen aus:
"Die Vormittage hatte jeder zur freien Verfügung. Gegen 12 Uhr begab man sich zum Prinzen und mit diesem zu seiner Gemahlin, bis der Hofmarschall ankündigte, dass das Essen serviert sei. Gegen 4 Uhr konnte man, wenn das Wetter keine Spazierfahrt erlaubte, sich beim Prinzen einfinden, der dann zwei bis drei Stunden den Vorlesungen interessanter Geschichts- oder Reisewerke widmete. Waren Spaziergänge oder Theatervorstellungen geplant, so gab es keine Vorlesungen, sondern man bereitete die Aufführungen vor. Um 6 Uhr begann das Schauspiel, und danach wurde gegessen." Einleitend hatte es geheißen: "Diese Art von Leben vereinte alle Reize in sich." 20 "Musik, Spazierengehen und Lektüre bilden die Beschäftigung eines jeden. (...) Der Prinz beschäftigt sich viel mit Malen," wusste auch Lehndorff zu berichten. 21

<18>

Auf der Suche nach neuen Formen der Stilisierung wie dem temporär angenommenen Leben als Eremit von Rheinsberg, reagierte Heinrich gewissermaßen auf die Zwänge der Abgeschiedenheit und Beschäftigungslosigkeit, die er hier noch als vorübergehend ansehen konnte. Und so war in den Jahren vor dem Siebenjährigen Krieg der Hof des Prinzen Heinrich in Rheinsberg gerade in seiner Eigenschaft als funktionsfreier Raum für ihn von Bedeutung. Zwar war er Schauplatz aristokratischer Interaktion, losgelöst aus dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, und als solcher ein Ort der Selbstvergewisserung, der durch die Reduktion gesamtgesellschaftlicher Komplexität den Teilnehmern Verhaltenssicherheit gab. Aber er war nicht auch schon Mittel der Repräsentation und prononcierten Selbstinszenierung oder gar Herausforderung an den König. Entsprechend ließ Heinrich nur einige Arbeiten, Erweiterungen und Verschönerungen am Schlosspark vornehmen, beließ das Schlossgebäude jedoch weitgehend in seinem damaligen Zustand. 22

<19>

Gleichwohl sah sich der Prinz in Warteposition. Dies geht aus der Art und Weise hervor, wie er seine Rheinsberger Briefe an den Bruder Ferdinand unterzeichnete, nämlich als "Enrico, Sohn des Fabricius, der seinen Garten umgrub, als man ihn abholte, um ihn zum Consul zu wählen". 23 Aber anders als bei seinem königlichen Bruder im Jahr des preußischen Thronwechsels 1740 kam niemand nach Rheinsberg, um den Prinzen Heinrich vom Beet weg und nach Berlin/Potsdam zu holen und ihm dauerhaft eine politische Funktion zu überantworten.

<20>

Nachdem er sich im Siebenjährigen Krieg seiner selbst als talentierter Feldherr bewusst geworden war und sich als Stütze des brandenburg-preußischen Staates zu erkennen vermeinte, musste er dies umso mehr als einen Akt ungerechtfertigter Zurücksetzung empfinden. 24 Seine Rheinsberger Residenz entbehrte nunmehr ihres Sinns als komplementärer Ort der Ruhe und Muße, den es im Wechsel mit Phasen intensiven Dienstes für Dynastie und Staat aufzusuchen galt. Auf der anderen Seite gewann sie für Heinrich eine neue Qualität und stete Anziehungskraft, je mehr er sich seinem königlichen Bruder entfremdet fühlte und je mehr die Kluft zwischen beiden wuchs. Nach dem Friedensschluss von Hubertusburg und immer wieder in den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten sah er sich in Rheinsberg in einer räumlichen Distanz zum Monarchen, die er als notwendig erachtete. Berlin selbst hatte für ihn nach den Erfahrungen des Krieges und den menschlichen Verlusten seinen Reiz verloren: "Ich finde die alten Freunde nicht mehr, und die wenigen, die noch da sind, sind weder geistreich noch amüsant. In Zukunft werde ich mich einsam in meine Hütte zurückziehen." 25 Von dem erwartungsfrohen "Enrico, der seinen Garten umgrub", ist hier nichts mehr zu spüren.

<21>

Damit bekommt Heinrichs märkische Residenz eine neue Qualität: Sie ist nicht mehr nur einer unter mehreren, gleich angenehmen möglichen Aufenthaltsorten innerhalb der abwechslungsreichen höfischen Infrastruktur. Sie wird zum längerfristigen Rückzugsraum im eigentlichen Sinne des Wortes. Dies ist jedoch nur die eine Seite der märkischen Medaille: Denn immer wieder versuchte es der Prinz, das eigentlich funktionsfreie Interaktionssystem seines Hofes in einen funktionsbezogenen Kontext zu überführen.

IV.

<22>

Damit ist zunächst einmal auf jene Personen verwiesen, deren Anwesenheit am Hofe des Prinzen sein soziales Kapital bestätigen und steigern konnte. Zu diesem fürstlich-exklusiven Kreis zählte vor allem seine Verwandtschaft. Besonders wenn ein Thronfolger bzw. ein gekröntes Haupt zu Gast war, bot sich die Gelegenheit, aus der Pflege des sozialen Umgangs und dem gemeinsamen Konsum des mit allem denkbaren Aufwand inszenierten festlichen Rahmens politisches Kapital zu schlagen und sich als politischer Fachmann und versierter Ratgeber zu empfehlen. Dies trifft besonders auf die seltenen Besuche Friedrich Wilhelms (II.) zu, als dessen Mentor Heinrich sich immer wieder empfahl – ungeachtet der Tatsache, dass das kurzzeitig erwogene Mentorenkonzept Friedrichs II. im real existierenden Preußenstaat keinen Platz finden konnte. Solange es um die Bewertung seines sozialen Status ging, korrespondierten Habitus und Selbstwahrnehmung des Prinzen in der Regel mit der ihm entgegen gebrachten Fremdwahrnehmung. Was allerdings seine politischen Kompetenzen und Wirkmöglichkeiten anlangte, gingen Selbst- und Fremdwahrnehmung keinesfalls konform miteinander. Und wenn sie es taten, so nur in den Fällen, in denen für politische Bedeutung genommen wurde, was soziale Herausgehobenheit war.

<23>

In diesem Sinne war Prinz Heinrich vor allem dann interessant, wenn er in der Gunst des jeweiligen Königs stand und wenn er als Anlaufstelle für Personen dienen konnte, die sich materielle Hilfe oder Hilfe in Form von Empfehlungsschreiben erhofften. Seit dem Beginn der Revolution suchten französische Emigranten den Rheinsberger Hof auf in der Annahme, über den Prinzen an den preußischen König heranzukommen und ihn für ihre Sache einnehmen zu können. In der Pariser aristokratischen Gesellschaft war Heinrich seit seinen beiden Reisen nach Frankreich (1784 und 1788/89) bekannt und geschätzt. 26 Zwar hatte der Prinz weder unter seinem königlichen Bruder noch unter Friedrich Wilhelm II. einen offiziellen politischen Auftrag inne, dennoch geht aus der Korrespondenz mit Friedrich hervor, dass er sich als Vertreter der regierenden Hohenzollerndynastie gleichsam automatisch auf diplomatischer Mission wähnte, wenn er durch Frankreich reiste. 27 Und in der Tat konnte Heinrich zunächst einmal nicht anders wahrgenommen werden denn als Bruder des preußischen Königs: qua Geburt und Herkunft war er im Ausland eine politische Person. Eine Anerkennung ebendieser Verknüpfung – ihm selbst so offensichtlich und nie hinterfragt – ist ihm in Preußen stets verwehrt geblieben. Sicherlich gründen seine Verbundenheit mit Frankreich, der geistig-emotionale Höhenflug, den er auf seinen Reisen durchlebte, und ihre Glorifizierung in der Rückschau nicht zuletzt in dieser Erfahrung.

<24>

Als politische Person wurde er demnach gehandelt, als Gesandte des Grafen Charles Philippe von Artois, des jüngeren Bruders Ludwigs XVI., ihn in Rheinsberg aufsuchten in der Hoffnung, er werde den Preußenkönig zu einem Waffengang gegen das revolutionäre Frankreich bewegen. Auch Vertreter und Agenten der neuen Pariser Regierung kamen zum Prinzen, um über ihn mäßigend auf Friedrich Wilhelm II. einzuwirken und ihn zur Wahrung des Friedens aufzufordern. 28 Zwar verwendete Heinrich sich durchaus beim König für eine Verständigung mit Frankreich und ist der Friede von Basel "mit seinem Namen verbunden". 29 Aber diese Entwicklung geht nicht etwa auf den Prinzen und seinen vermeintlich maßgeblichen Einfluss auf die preußische Politik in dieser Zeit zurück. Sie ist vielmehr dem Umstand geschuldet, dass im Umfeld des Friedensschlusses "seine Interessen teilidentisch mit denen der meisten maßgeblichen Männer waren. So wurde seinem eloquent ausgedrückten Ratschlag, Frieden zu schließen, tatsächlich gefolgt, aber nur, weil man es ohnehin wollte, und nicht, weil man sich durch den Prinzen überzeugen ließ." 30

<25>

Auch wenn Prinz Heinrich, wie in den oben genannten Fällen, als Mittelsmann zum König betrachtet wurde, besaß er hier keinesfalls uneingeschränktes Zutrittsrecht und auch nicht den gewünschten persönlichen oder gar politischen Einfluss auf den Monarchen. Erschwert wurden seine Bestrebungen, einen politischen Diskurs zwischen ihm und dem König herzustellen und aufrechtzuerhalten und dadurch auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen, gleichermaßen im Ansatz wie bei ihrem Abschluss: Denn auf der einen Seite war es keineswegs so, dass der Informationsfluss aus den politischen Leitstellen in Berlin/Potsdam – also vor allem vom König, seinen Ministern und dem sonstigen Verwaltungs- und Regierungspersonal – in Richtung Prinz Heinrich regelmäßig und gleichmäßig in Betrieb gehalten wurde. Vielmehr lag es im Ermessen des Königs, wann, wie und in welchem Umfang er dem Prinzen Informationen über politische Vorgänge, Vorhaben und Entscheidungen zukommen ließ und wann er ihn zu empfangen bereit war. Selbst fadenscheinigen Begründungen für eine nicht gewährte Audienz hatte der Prinz sich zu fügen, mochte er sie auch hin und wieder mit Bitterkeit oder Ironie kommentieren. 31 Heinrich sah sich gezwungen, königliche Beamte um Vermittlung einer persönlichen Unterredung mit dem König anzugehen. 32

<26>

Auf der anderen Seite näherte sich Prinz Heinrich selbst in keiner Weise dem Idealtyp des klassischen Höflings, der es versteht, auf dem glatten Parkett der politischen Ratgeber Gehör und Einfluss zu erlangen, indem er mit taktischem Geschick das eigene Verhalten und Sprechen in den Dienst seiner politischen Ziele stellt. Mit anderen Worten: Dem Prinzen fehlte dem König und seinen Ministern gegenüber in der Regel das, was man als Fingerspitzengefühl oder Kommunikationsintelligenz bezeichnen könnte. Bei ihm, den man weithin wegen seiner Neigung zu französisch-galanten Umgangsformen rühmte – oder auch belächelte – fällt dieses Defizit umso stärker ins Auge; gleichwohl bleibt nach seinen Ursachen zu fragen. Ein taktisch und strategisch besonnenes Vorgehen in der Kommunikation eigener politischer Leitvorstellungen war in des Prinzen Augen mit dem Makel der höfischen Schmeichelei belegt: "je ne suis ni flatteur ni adulateur" 33 und nur für subalterne Amtsträger und Hofangehörige angemessen und auch bezeichnend, ihm selbst hingegen stand es nicht an. Denn Heinrich sah sich nicht als jemanden, der sich winden und der taktieren musste, um Gehör zu erlangen; vielmehr vermeinte er ein angestammtes Recht auf politische Mitsprache zu besitzen. Aus dieser Überzeugung sprechen ganz deutlich Selbstbewusstsein und Habitus des nachgeborenen Königssohnes, der Bruder, Onkel und schließlich Großonkel des jeweils regierenden Königs war. Seine herausgehobene soziale Position hatte Heinrich derart verinnerlicht, dass sie unreflektiert sein gesamtes Auftreten und Verhalten bestimmte. Er war außerstande, den Habitus des preußischen Prinzen von Geblüt abzustreifen – selbst wenn er ein Terrain wie das des Politischen betrat, wo seine soziale Privilegierung sich nicht in politische Befugnisse ummünzen ließ.

<27>

Und so war der Rheinsberger Hof des Prinzen Heinrich oft nur das, was Zeitgenossen als "Lager aller Missvergnügten" bezeichneten. Dies deutet darauf hin, dass – zumal während der Regierungszeit Friedrichs II. – Personen die Nähe des Prinzen suchten, die man als "antifriderizianisch" einstufen kann. Hierbei ist allerdings nicht von Heinrich als einer dynastischen Alternative zum König zu denken, als Kristallisationspunkt einer wie auch immer gearteten Fronde. Vielmehr transportiert diese Bezeichnung das Bild einer Gruppe unzufriedener, aber eben nicht potenziell gefährlicher Adliger bzw. administrativer oder militärischer Funktionsträger. Dazu gehörten die Brüder Friedrich und Ludwig von Wreech wie auch ihr Schwager, der Reichsfreiherr Dodo von Knyphausen, der sich in seiner Aversion gegen den Minister Friedrich Ewald von Hertzberg mit dem Prinzen Heinrich verband. 34 In seinen eigenen, geheimen Verhandlungen im Vorfeld des Bayerischen Erbfolgekrieges nutzte der Prinz Knyphausen als Mittelsmann. 35

<28>

Nur selten konnte Heinrich, wie in diesem Falle, auf den Fundus an "Personal" zurückgreifen, den ihm seine Hofhaltung zur Verfügung stellte, um in Berlin/Potsdam politisches Gehör zu finden. Durch die Indienstnahme junger Adliger und die Förderung ihrer Laufbahn eröffneten sich dem Prinzen dagegen neue Wege der Informationsübermittlung: In seiner Eigenschaft als Adjutant des Prinzen Heinrich (seit 1794) bezog der junge Antoine de La Roche-Aymon eine Wohnung im Berliner Palais Unter den Linden und berichtete regelmäßig über Neuigkeiten aus der Hauptstadt und dem Umfeld des Königs nach Rheinsberg. Zu seinen Aufgaben gehörte es darüber hinaus, Heinrichs Memoranden an den Kabinettsminister Haugwitz weiterzuleiten. 36

<29>

Generell kann aber für den Fall des henricianischen Hofes nicht die Rede davon sein, dass die ihn konstituierenden Personen gesamtgesellschaftliche Funktionen im Sinne des Hausherrn übernahmen, ebenso wenig wie Heinrich selbst aufgrund seiner Zugehörigkeit zur regierenden Dynastie politische Anteilnahme und Gestaltungsmacht beanspruchen konnte. Aus dem sozialen Kapital seiner Hofhaltung konnte er immer nur bedingt politisches Kapital schlagen. 37

<30>

Andererseits ist gerade für die Übergangszeit von der stratifikatorisch zur funktional organisierten Gesellschaft 38 nicht zu verkennen, in welchem Ausmaß der Hof durch die an ihm statthabende Fortführung exklusiven adligen Lebensstils dem Adel Selbstvergewisserung und Verhaltenssicherheit gewährleisten konnte. Mit dieser Aufrechterhaltung adligen Lebensstils in der höfischen Kommunikation und Interaktion ging eine Ausblendung jener Tendenzen aus der höfischen Umwelt parallel, die den adligen Habitus und seine Ausprägungen als anachronistisch und dysfunktional brandmarkten und kritisierten.

<31>

Seit dem Beginn der Revolution war Rheinsberg immer wieder Anlaufpunkt für französische Emigranten, deren Bekanntschaft Heinrich größtenteils bei seinen beiden Frankreichreisen gemacht hatte. Adlige Standessolidarität und persönliche Verbundenheit gewährte ihnen, deren Lebenswelt im Zuge der Ereignisse seit 1789 nicht mehr nur essenziell in Frage gestellt, sondern in ihren Grundfesten erschüttert wurde, einen Zufluchtsort. Im Sommer des Jahres 1791 etwa erreichte die Marquise de Sabran Heinrichs märkische Residenz, ohne aufwendige Equipage, nur in einer "einfachen, offenen Kutsche" 39 , begleitet lediglich von ihrem Sohn. Hier konnten sie an ihren Gewohnheiten und den bekannten Formen aristokratischer Interaktion festhalten und auf diese Art und Weise Verhaltenssicherheit zurückgewinnen. So bedeuteten auch die Ankunft des jungen La Roche-Aymon und sein Eintritt in den Dienst des Prinzen nicht nur seine finanzielle Absicherung, sondern nach Jahren unsicheren Asyls in Europa den Wiedereintritt "in die Gesellschaftsschicht (...), die seinem Herkommen entsprach". 40

V.

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Äußeren Ausdruck fand die Aufrechterhaltung des adligen Lebensstils in dem Aufwand, den Heinrich dem Musiktheater ebenso wie der Festkultur in seiner märkischen widmete. Dies gilt für die Zeit der Anwesenheit der französischen Emigranten, 41 aber auch alle übrigen Jahre und Jahrzehnte, in denen Heinrich in Rheinsberg Hof hielt. Die Festivitäten, die der Prinz mit Leidenschaft und Akribie plante und inszenierte, konnten die unterschiedlichsten Formen annehmen. Aus Anlass der Einweihung des Freundschaftstempels im Boberow-Wald im Jahre 1774 veranstaltete Heinrich ein intimes Kultfest der Freundschaft mit sentimentaler Couleur. Recht zwanglos und frei von höfischer Etikette nahmen sich auch die Bauernhochzeiten aus, bei denen sich die höfische Gesellschaft mit den märkischen Bauern vermengte und das zu einem Fest stilisierte, was nach ihrem Dafürhalten das naturverbundene Leben der Landbevölkerung ausmachte. Auf der anderen Seite standen Lustbarkeiten, die sich über viele Tage hinweg erstreckten und an Raffinesse und Aufwand ihresgleichen suchten. Stand ein Besuch von Prinzessin Amalie, der Äbtissin von Quedlinburg, an oder der schwedischen Königin Ulrike (beides Schwestern des Prinzen), wusste Heinrich seine Gäste mit Diners, Soupers, Bällen, Maskeraden, Illuminationen, Konzerten oder Theateraufführungen köstlich zu amüsieren. Rheinsberg verwandelte sich zu solchen Zeiten in einen Ort der Musen und antiken Gottheiten. Stilistisch nahm Heinrich auch gern Anleihe am Frankreich des 17. Jahrhunderts. So schildert Lehndorff ein provinzial-höfisches Spektakel aus dem Jahre 1754, bei dem Heinrich selbst, sein Hofstaat und die geladenen Gäste um die Prinzessin von Darmstadt den Empfang einer chinesischen Gesellschaft durch Anna von Österreich nachspielten. 42

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Allerdings diente die Rheinsberger Festkultur dem Prinzen bisweilen auch als trotzige Demonstration von Unabhängigkeit und als Weg, seiner Rolle als zurückgesetztes und verbittertes Familienmitglied zu entfliehen. So schreibt er einmal in einem Brief an seinen Bruder Ferdinand 1787: "Ich will, dass man sich hier amüsiert. Man muss Fröhlichkeit um sich verbreiten, sie ist nach der Gesundheit die angenehmste der Illusionen. Ich tue es für die anderen und um nicht den Eindruck zu erwecken, gekränkt und niedergeschlagen zu sein." 43

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Gleichwohl ist die Entfaltung der Rheinsberger Festkultur nicht als bloß defensiver Akt zu deuten. Aus den Worten Heinrichs geht hervor, dass seine Residenz im Märkischen, wiewohl weit ab vom Schuss, so doch eine Bühne bildete, auf der er wahrgenommen wurde. Hier vermochte er seinem Selbstverständnis auf unterschiedlichste Art und Weise Ausdruck zu verleihen; über verschiedene Medien wurde es nach außen transportiert. Die aufwendig inszenierten Festivitäten zu Ehren seiner Gäste waren demnach nicht zuletzt eine nachdrückliche Demonstration seines und ihres herausgehobenen gesellschaftlichen Ranges. Und wenn Prinz Heinrich sich den Unterhalt einer eigenen Rheinsberger Schaubühne und Hofkapelle erlaubte, war dies nicht nur einer tief empfundenen persönlichen Leidenschaft für Schauspiel und Musiktheater geschuldet. Es war der sinnfällig gewordene Anspruch auf Exklusivität, die ihn aus dem Kreise der Aristokratie noch einmal heraushob und in eine adlige "Teilgesellschaft" hineinkatapultierte. Denn ein stehendes französisches Hoftheater leisteten sich sonst nur souveräne Fürsten wie Kurfürst Georg II. von Hannover, Kaiserin Maria-Theresia oder sein Bruder Friedrich. Dieses "durchaus königliche Vergnügen" 44 entsprach im Grunde nicht seinem Status als apanagierter Prinz von Geblüt.

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Darüber hinaus präsentierte Heinrich sich als Sammler erlesener Kunstgegenstände wie Porzellan, Gemälde und Tapisserien und bewegte sich hierin auf traditionellen Bahnen fürstlicher Selbstdarstellung. So war er auf seiner ersten Frankreich-Reise mit wahrhaft fürstlichen Geschenken geehrt worden: Neben einem Service aus Sèvres-Porzellan übergab man ihm eine Büste des französischen Königs und seiner Gemahlin sowie eine Reihe von Porzellanfiguren, die die "Grands Hommes de la France" repräsentierten. 45 Doch ist davon auszugehen, dass das französische Außenministerium unter Charles Gravier de Vergennes Heinrich hierin vor allem in seiner Eigenschaft als Bruder des Königs von Preußen geehrt hat. Daher verweist die Zurschaustellung dieser Objekte eher auf die regierende Hohenzollerndynastie denn auf Heinrich als Individuum eigener Exklusivität.

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Ganz anders verhält es sich bei einer Auswahl repräsentativer Objekte, mit denen Heinrich sich gezielt und pointiert von seinem königlichen Bruder absetzte und distanzierte. Sie entstammen, und dies muss nicht weiter verwundern, dem militärischen Bereich, also jenem Felde, dem der Prinz einen Großteil seines Ruhmes verdankte, das aber auch Schauplatz großer Enttäuschung und Verbitterung war. Denn Friedrich hatte seinem Bruder stets die Würde eines Feldmarschalls verweigert, anders als etwa Ferdinand von Braunschweig, der am 8. Dezember 1758 zum Feldmarschall ernannt worden war. 46 Aus einem empfundenen Missverhältnis zwischen der eigenen Leistung und der ihm entgegengebrachten bzw. verweigerten Anerkennung entwickelte Heinrich eine Deutung des Siebenjährigen Krieges und seiner Hauptakteure, die den König der eigenen übertriebenen Glorifizierung zieh. Friedrich hatte sich in seiner "Geschichte des Siebenjährigen Krieges" nach dem Dafürhalten des Prinzen ein allzu großes Maß an Ruhm zukommen lassen und die Leistungen zahlreicher preußischer Offiziere geschmälert, weil für sich in Anspruch genommen. 47

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Mit der Errichtung des berühmten Obelisken gegenüber Schloss Rheinsberg auf der anderen Seite des Grienericksees im Juli des Jahres 1791 wandte Heinrich sich gegen diese Sicht der Dinge und präsentierte seine eigenen "Helden": Feldherren, die sich durch eine kritische Haltung dem König gegenüber ausgezeichnet hatten, Feldherren, deren Leistung Friedrich nicht gerecht geworden war, Offiziere aus der näheren Umgebung Heinrichs. Damit war das Denkmal nicht nur Abgrenzung und Kritik gegenüber dem königlichen Bruder, eine Art "Anti-Denkmal" 48 , sondern auch der Verweis auf die militärische Vorzüglichkeit des Prinzen selbst. 49 Ähnlich motiviert ist auch die Feldherrengalerie in der Roten Kammer der Rheinsberger Amalienwohnung, eine Sammlung bedeutender preußischer und französischer Feldherren, in deren Reihe Heinrich sich selbst gestellt sah. 50

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Und doch wurde der Obelisk am Grienericksee erst nach dem Tode Friedrichs errichtet und eingeweiht, ist daher eher als eine Herausforderung an das vom Bruder hinterlassene Geschichtsbild zu lesen als an ihn selbst. Damit steht er, wiewohl Manifest des Trotzes und der Distanzierung, letztlich doch nur für den eng bemessenen Handlungsraum, den Heinrich als nachgeborener Königssohn besaß. Stilistisch, machtpolitisch und sozial konnte er sich nicht abgrenzen, denn selbst in der Abgrenzung und Verneinung blieb der König das Maß der Dinge. Was an sozialem und kulturellem Kapital am Hofe des Prinzen vorhanden war, vermochte er nicht in politisches Kapital zu überführen. Für Heinrich war seine Form der kompensatorischen Hofhaltung Ausdruck einer doppelt empfundenen Reduktion, insofern er seine gesamtgesellschaftliche und politische Funktionslosigkeit als Mitglied der regierenden Dynastie der Hohenzollern besonders intensiv empfand.

Autorin:

Karoline Zielosko
k.zielosko@gmx.de

1 Dieser Aufsatz ist im Rahmen eines Dissertationsprojekts über den Prinzen Heinrich als hofhaltenden Nachgeborenen an der Universität zu Köln entstanden, das kurz vor dem Abschluss steht.

2 Vgl. Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg, hg. von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, München / Berlin 2002. Vgl. ferner das Jahrbuch der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Bd. 4, 2001/2002.

3 K.Sherlock: Lettres d ' un Voyageur Anglais, London 1779, 20-21. Zitiert nach Christopher Duffy: Friedrich der Große. Ein Soldatenleben, Augsburg 1996, das englische Original erschien 1985, 361.

4 Vgl. Niklas Luhmann: Interaktion in Oberschichten. Zur Transformation ihrer Semantik im 17. und 18. Jahrhundert, in: ders.: Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Bd. 1, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1998, 88f.

5 Vgl. Richard Dietrich (Bearb.): Die politischen Testamente der Hohenzollern (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 20), Köln / Wien, 1986, 317.

6 Etwa in seinem Politischen Testament aus dem Jahre 1752; vgl. Dietrich: Testamente (wie Anm. 5), 331; vgl. ferner: Friedrich der Große: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg, in: Werke Friedrich des Großen, Bd. 1, hg. von Gustav Berthold Volz, Berlin 1913, 121.

7 Vgl. Pierre Bourdieu: Ökonomisches Kapital – Kulturelles Kapital – Soziales Kapital, in: Franzjörg Baumgart (Hg.): Theorien der Sozialisation, Bad Heilbronn 1997, 217-231.

8 Die folgenden Ausführungen orientieren sich im Wesentlichen an Aloys Winterling: "Hof". Versuch einer idealtypischen Bestimmung anhand der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte, in: Aloys Winterling: Zwischen "Haus" und "Staat". Antike Höfe im Vergleich (= Historische Zeitschrift, Beihefte N.F. 23), 11-25, hier besonders: 13f; vgl. ferner Andreas Pečar: Die Ökonomie der Ehre. Der höfische Adel am Kaiserhof Karls VI. (1711-1740) (= Symbolische Kommunikation in der Vormoderne. Studien zur Geschichte, Literatur und Kunst, hg. von Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger und Horst Wenzel), Darmstadt 2003.

9 Pečar: Ökonomie der Ehre (wie Anm. 8), 16.

10 Begriff nach Bourdieu, vgl. Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Frankfurt a.M. 1982.

11 Winterling: Zwischen "Haus" und "Staat" (wie Anm. 8), 14.

12 Prinz Heinrich beherrschte die strategisch-defensive Ausnutzung des Geländes ebenso wie den Einsatz leichter Truppen zur Zermürbung des Feindes. In seiner einzigen Schlacht (bei Freiberg 1762) vermochte er durch besonnene Planung einen Sieg herbeizuführen, der einen vergleichsweise geringen preußischen Blutzoll forderte. Vgl. Jürgen Luh: "Der fehlerlose Feldherr" – Prinz Heinrich und die Armee, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 81-84.

13 Vgl. Luh: "Der fehlerlose Feldherr" (wie Anm. 12), 81.

14 So ist Friedrich in der Schlacht von Rossbach am 5. Dezember 1757 in die Schusslinie der eigenen Musketiere geraten, als er von einem Aussichtspunkt das Kampfgeschehen verfolgen wollte. Die Musketiere allerdings, so heißt es, waren so aufmerksam ihm zuzurufen: "Vater, aus dem Wege, dass wir schießen können!" Die Szene und das Zitat wiedergegeben bei Duffy: Friedrich der Große (wie Anm. 3), 206. In der Schlacht von Torgau am 5. November 1760 schwächte allein des Königs Winterbekleidung die todbringende Wirkung einer Kartätschenkugel ab, die ihn an der Brust traf. Vgl. Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, 3. Aufl., Berlin 1998, 346.

15 Vgl. das kurz nach der Niederlage aufgesetzte Schreiben an den General Finck, abgedruckt in: Politische Correspondenz, Bd. 18, 483; vgl. ferner Gustav Berthold Volz: Friedrich der Große nach der Schlacht bei Kunersdorf, in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 28, 328ff.

16 Politische Correspondenz (wie Anm. 15), 483.

17 Angesichts der "Schlaffheit", "Sorglosigkeit" und der Verschwendungssucht Friedrich Wilhelms werde es, so Friedrichs Überzeugung, dem habsburgischen Kaiser Joseph II. ein leichtes sein, jenen "über den Löffel zu barbieren" und Preußen zu "verschlingen". Dietrich: Testamente (wie Anm. 5), 721.

18 Diese höfischen Vergnügungen bestanden aus einem Wechsel von Diners, Festlichkeiten, Theater-, Opern- und Konzertbesuchen, gemeinsamen Ausfahrten, Bällen und verschiedenen Spielen. Vgl. Dreißig Jahre am Hofe Friedrichs des Großen. Aus den Tagebüchern des Reichsgrafen Ernst Ahasverus von Lehndorff, hg. von Karl-Eduard Schmidt-Lötzen, Gotha 1907.

19 Zum Prinz-Heinrich-Palais vgl. Klaus Dorst / Stefan Schimmel: "Sibi et urbi" – Die Berliner Residenz des Prinzen Heinrich, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 265-272.

20 Dieudonné Thiébault: Friedrich der Große, seine Familie, seine Freunde und sein Hof; oder zwanzig Jahre meines Aufenthaltes in Berlin, Leipzig 1828, Bd. 2, 115f.

21 Lehndorff: Dreißig Jahre am Hofe (wie Anm. 18), 79.

22 Vgl. Michael Seiler: Das Rheinsberger Gartenreich des Prinzen Heinrich, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 325-331.

23 Zitiert nach Eva Ziebura: Prinz Heinrich von Preußen, Berlin 1999 (= Preußische Köpfe), 77.

24 Vgl. Karoline Zielosko: Prinz Heinrich als hofhaltender Nachgeborener. Selbstdarstellung und Funktionalisierung des Hoflebens an einem prinzlichen Hof ohne Herrschaft, in: Jahrbuch (wie Anm. 2), 51-68, 55.

25 Zitiert nach Ziebura: Prinz Heinrich (wie Anm. 23), 159.

26 Vgl. Wolfgang Griep: "Man kann sich keine Vorstellung davon machen, wie ich hier geehrt werde." Die Frankreichreisen des Prinzen Heinrich 1784 und 1788/89, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 218-224.

27 Vgl. Griep: Frankreichreisen (wie Anm. 26), 219.

28 Vgl. Richard Krauel: Prinz Heinrich von Preußen in Rheinsberg. Zum hundertsten Todestage, in: Hohenzollern-Jahrbuch 6 (1902), 31f.

29 Jens Häseler: Französische Emigranten in Rheinsberg, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 509-511, hier: 510.

30 Max Plassmann: Die preußische Reichspolitik und der Frieden von Basel 1795, in: Jahrbuch (wie Anm. 2), 133-154, hier: 148.

31 Im September 1795 verweigerte Friedrich Wilhelm II. ihm beispielsweise ein persönliches Zusammentreffen mit der Begründung, er wolle Gerüchten vorbeugen, die ein Zusammentreffen des preußischen Königs mit dem Prinzen Heinrich unter den in Berlin anwesenden ausländischen Diplomaten auslösen könnte. Vgl. hierzu Richard Krauel: Prinz Heinrich von Preußen als Politiker (= Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hauses Hohenzollern 3), Berlin 1902, 120f.

32 So heißt es in einem Schreiben an Bischoffwerder vom 20. Juni 1796: "Si le Roi, contre mon attente, craint ma présence à cause des ministres étrangers, j ' aime mieux y renoncer, quoique, à dire le vrai, dans la position où est le Roi, ces messieurs ne sont guère à craindre." Krauel: Prinz Heinrich als Politiker (wie Anm. 30), 232.

33 So Heinrich in seinem Schreiben an Friedrich Wilhelm II. vom 30. Dezember 1799.

34 Vgl. Krauel: Prinz Heinrich (wie Anm. 30), 18 und 25f.

35 Zu Knyphausen vgl. Krauel: Prinz Heinrich (wie Anm. 12), 25f; vgl. ferner A. Schaefer: Dodo Heinrich Freiherr von Knyphausen, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 16, Leipzig 1882, 341-343.

36 Vgl. Eva Ziebura: La Roche-Aymon – der letzte Adjutant des Prinzen Heinrich, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 505-508.

37 Vgl. Zielosko: Prinz Heinrich (wie Anm. 24), 67f.

38 Vgl. Luhmann: Gesellschaftsstruktur (wie Anm. 4), 83-88.

39 Häseler: Französische Emigranten (wie Anm. 29), 509.

40 Ziebura: La Roche-Aymon (wie Anm. 36), 505.

41 Vgl. Häseler: Französische Emigranten (wie Anm. 29), 510.

42 Vgl. Lehndorff: Dreißig Jahre am Hofe (wie Anm. 18), 173-177. Zur Festkultur in Rheinsberg vgl. Ingolf Sellack: "Rheinsberg, das er den Musen und Grazien geweihet hatte..." – Musik, Theater- und Festkultur am Hof des Prinzen Heinrich von Preußen, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 359-368.

43 Zitiert nach Ziebura: Prinz Heinrich (wie Anm. 23), 329.

44 Sellack: Rheinsberg (wie Anm. 42), 366.

45 Vgl. Samuel Wittwer: Prinz Heinrich und das Porzellan, in: Ein Europäer in Rheinsberg (wie Anm. 2), 479-483.

46 Vgl. Luh: Der fehlerlose Feldherr (wie Anm. 12), 83.

47 Vgl. Jürgen Luh: Namen ins Gedächtnis rufen, die Friedrich nicht erwähnt. Prinz Heinrich und sein Denkmal, in: Das Monument zu Rheinsberg, hg. von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Potsdam 2002, 39f.

48 Michaela Völkel: Das Bild vom Schloss. Darstellung und Selbstdarstellung deutscher Höfe in Architekturstichserien 1600-1800, München / Berlin 2001 (= Kulturwissenschaftliche Studien 92), 217.

49 Vgl. Luh: Der fehlerlose Feldherr (wie Anm. 12), 84.

50 Zur Feldherrengalerie vgl. Jürgen Luh: Heinrichs Heroen. Die Feldherrengalerie des Prinzen Heinrich im Schloss Rheinsberg, Neuruppin 2007.

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PSJ Metadata
Karoline Zielosko
Hof ohne Herrschaft
Prinz Heinrich in Rheinsberg
Zeit seines Lebens hat Prinz Heinrich von Preußen sich als eine Art "zweiter Mann im Staat" verstanden – zu Lebzeiten Friedrichs II. in Warteposition, mitunter auch abgeschoben, unter Friedrich Wilhelm II. und dessen Sohn Friedrich Wilhelm III. dagegen parallel zum Monarchen. Da es innerhalb des brandenburg-preußischen Herrschaftsgefüges keinen Raum gab für eine dynastische Kollektivregierung, war Heinrich die meiste Zeit zu politischer Funktionslosigkeit verdammt und sah sich auf seine märkische Residenz Rheinsberg zurückgeworfen. Von hier aus versuchte er, seine politischen Vorstellungen auf unterschiedlichste Art und Weise zu kommunizieren und durch Selbstinszenierung und repräsentativen Aufwand auf seine Person zu verweisen.
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Friedrich II. Adel Kapital Repräsentation Habitus Funktionalisierung
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K. Zielosko: Hof ohne Herrschaft
In: Friedrich der Große und der Hof. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 10./11. Oktober 2008, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 2)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Zielosko_Rheinsberg
Veröffentlicht am: 15.09.2009 16:50
Zugriff vom: 20.11.2017 14:49
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