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    D. Schönpflug: Friedrich der Große als Ehestifter

    Friedrich300 – Friedrich der Große und der Hof

    Friedrich der Große als Ehestifter

    Matrimoniale Strategien im Haus Hohenzollern 1740-1786

    Daniel Schönpflug


    Abstract

    Der Aufsatz unterzieht das gängige Urteil, Friedrich II. habe seiner Familie und Verwandtschaft eine geringe Bedeutung zugemessen, einer kritischen Überprüfung. Die Tatsache, dass er seinen Angehörigen aus dem Weg ging und ihnen häufig mit Kälte und Arroganz begegnete, ist kein hinreichendes Argument für die Familienfeindlichkeit des preußischen Königs. Sie bestätigt allenfalls, dass das heutige Ideal der Familie als ein Ort harmonischer Binnenbeziehungen im 18. Jahrhundert noch keine Gültigkeit besaß. Zur Zeit Friedrichs II. war die Familie ein "Haus", das durch das Bewusstsein seiner herausgehobenen Stellung und durch die Aufgabe, den gemeinsamen Besitz zu wahren und zu mehren, konstituiert wurde. Harmonie konnte dazu hilfreich sein, war aber keine Voraussetzung. Seinen Verpflichtungen als Oberhaupt der Dynastie kam Friedrich II. gewissenhaft nach. Er engagierte sich insbesondere bei der Verheiratung seiner Brüder, welche die unausweichliche Bedingung für den Fortbestand des Hauses und damit des Hohenzollernstaates war. In Einzelfällen, so etwa bei der hier analysierten preußisch-schwedischen Heirat von 1744, betätigte er sich darüber hinaus als raffinierter Heiratspolitiker. Auch wenn Friedrich kein Familienmensch im heutigen Sinne des Wortes war, so bewegte sich sein Denken und Handeln ohne Frage in den Bahnen des Dynastischen.


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    "Zum natürlichen und organischen Fürstentume gehörte das starke, alle Poren erfüllende Bewußtsein des auserlesenen Geblütes, das wiederum auf ganz Unbewußtem beruht, auf mächtigen, elementaren Instinkten des Geblüts, der Familie und Sippe, die durch Jahrhunderte gepflegt eine schlechthin naturhafte Tradition des Denkens und Empfindens schaffen. Die Dynastie war das Erste und Bodenständige in der Entwicklung zum modernen Staate, und ihre eigenartig sich von reiner Staatlichkeit absondernde Empfindungsweise blieb, schließlich zu seinem und unserem Unheil, bis in den letzten Hohenzollernherrscher hinein lebendig. Dieser familienhafte Fürsteninstinkt, der nicht nur die eigene Dynastie, sondern auch alles übrige fürstliche Geblüt der christlichen Welt als seine gottbegnadete, hochemporgehobene soziale Sphäre mit solidarischem Interesse umfaßt, hat Friedrich gefehlt. Jedenfalls ist er früh erstorben. Er hätte ihn vielleicht entwickelt, wenn ihm eine geistig und gemütlich ebenbürtige Fürstin zur Seite getreten wäre. Aber schon die in fürstlicher Lebensführung bisher ganz neue und einzige Art, wie er seine Ehe behandelte, die ungeliebte Gattin zu einem abgesonderten königlichen Scheindasein, sich selber aber zu einem fast asketisch berührenden Junggesellendasein bestimmte, deutet auf eine ursprüngliche Schwäche seiner Geblüts- und Familieninstinkte, auf eine ursprüngliche Stärke rein individuellen Wollens. Sein Antimachiavell bestätigt diesen Eindruck. Er ist ganz frei von spezifisch dynastischer Empfindung, von solidarischer Achtung fürstlichen Geblüts." 1

    <2>

    Friedrich Meineckes in 'Die Idee der Staatsraison' geäußertes Urteil über Friedrichs des Großen "asketisch berührendes Junggesellendasein" ist charakteristisch: Der preußische Monarch wurde in der Historiographie lange Zeit als Einzelgänger dargestellt, der nicht nur dem Hof, sondern auch seiner Familie nur geringen Wert zugemessen habe. Als Indikator für Friedrichs indifferente Haltung zu seinem Geblüt wurde vor allem der distanzierte, instrumentelle Umgang gewertet, den er mit seiner Gattin, den meisten seiner Geschwister und dem Großteil seiner weiteren Verwandtschaft pflegte. 2 Die Beobachtung ist durchaus zutreffend und doch beruht das Urteil über die "Schwäche seiner Geblüts- und Familieninstinkte" auf einem Anachronismus. Die Vorstellung, dass eine Familie – und gar die eines Königs – von intensiven, harmonischen und emotionalen Binnenbeziehungen geprägt sein sollte, wird erst an der Schwelle zum 19. Jahrhundert wirkungsmächtig. Die Dynastien des 18. Jahrhunderts waren vielmehr Verwandtschaftsverbände, deren innere Bindung durch das gemeinsame Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer herausgehobenen Sippe und vor allem durch einen gemeinsamen Existenzzweck – den Erhalt des familiären Besitzes, der gemeinschaftlichen Lebensgrundlage aller Verwandten – gestiftet wurde. 3

    <3>

    Zur Strukturierung der Beziehungen innerhalb einer regierenden Dynastie trug darüber hinaus die untrennbare Verbindung von Familie und Politik bei. Der preußische Staat war, wie auch Meinecke betont, aus einer dynastischen Wurzel entsprungen. Die verstreuten Territorien der Hohenzollern waren vielfach durch Heirat oder Erbe erworben, und allein die dynastische Klammer hielt sie zusammen. Die Verantwortung für die Ländereien wurde – entsprechend den Hausgesetzen – vom Vater auf den ältesten Sohn weitergegeben. Dessen Aufgabe war es, die ererbten Güter zu wahren und zu mehren. Er hatte auch die Versorgung der anderen Familienmitglieder zu gewährleisten. Darüber hinaus stand die Sorge für den Fortbestand und das Wohlergehen der Dynastie in der nächsten Generation in seiner Verantwortung. Er musste die Thronfolge sichern und die Erziehung des Thronfolgers überwachen.

    <4>

    Im 18. Jahrhundert war die Begründung außenpolitischer Interessen durch dynastische Ansprüche noch Gang und Gäbe; der Erbfolgekrieg war, um Johannes Kunisch zu zitieren, noch die "typische und immer wiederkehrende Erscheinungsform zwischenstaatlicher Konflikte". 4 Auch Friedrich der Große, der als Personifikation der Staatsraison in die Geschichte eingegangen ist, konnte sich den Rahmenbedingungen der dynastischen Raison nicht entziehen. Die Krone erhielt er als Erstgeborener und ungeachtet der "Skepsis der eigenen Familie gegenüber hat der König (...) offenbar in keinem Augenblick ernsthaft erwogen, die Prinzipien der überkommenen Sukzessionsordnung zur Disposition zu stellen." 5 Seine Erwerbungen – auch in Schlesien, sogar in Polen – beriefen sich auf alte familiäre Ansprüche, und aus seinen Testamenten wird deutlich, dass es ihm wichtig war, seine Nachfolger umfassend über noch einzulösende 'praetensiones' in Kenntnis zu setzen. Die von seinen Vorgängern begonnene Strategie, die verschiedenen Linien des Hauses durch Verträge und Vermählungen aneinander zu binden und so den Heimfall des Besitzes der Nebenlinien vorzubereiten, setzte Friedrich aktiv und erfolgreich fort.

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    Dynastische Herrschaft hieß nicht nur Verpflichtung gegenüber früheren und folgenden Generationen, sondern auch Herrschaft, die sich der Familienmitglieder und Verwandten als Ressource bediente. Friedrich behandelte seine Verwandten so, dass sie der Familie den größten Nutzen bzw. den geringsten Schaden bringen konnten. Er sah es etwa als günstig an, seine Brüder im Militär einzusetzen. Waren sie dazu begabt, so waren sie nützlich beschäftigt und mischten sich nicht unnötig in die Regierung ein. Eine seiner Schwestern, Amalie, diente der Dynastie als Äbtissin von Quedlinburg. Friedrichs Gattin Elisabeth Christine, das hat Thomas Biskup herausgearbeitet, war ihm nützlich, weil sie ihm ungeliebte Repräsentationsaufgaben abnahm. 6 Die Ehen seiner Schwestern, Nichten und weiteren weiblichen Verwandten, die in andere regierende Häuser eingeheiratet hatten, konnten ein außenpolitisches Unterpfand sein. Kontakte zu Familienmitgliedern an anderen Höfen erleichterten darüber hinaus die Informationsbeschaffung und schufen für das diplomatische Geschäft hilfreiche Kanäle.

    <6>

    So war die Dynastie gleichermaßen Fundament, Ziel und Werkzeug fürstlicher Herrschaft im 18. Jahrhundert. Auch ein Einzelgänger und Freund geistvoller Männerrunden wie Friedrich der Große, der darüber hinaus im Alter zunehmend zum Menschenfeind zu werden schien, konnte sich diesen Strukturbedingungen nicht entziehen. Er stellte sich seit 1740 der Verantwortung als Oberhaupt und Hüter der Dynastie und nahm seine daraus erwachsende Rolle als Ehemann, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe ernst. Darüber hinaus trug er in seinen Schriften zur Aufrechterhaltung der Familie bei. Die 'Mémoires pour servir à l ' histoire de la maison de Brandebourg' waren ein gewichtiger Beitrag zur Formung eines dynastischen Bewusstseins der Hohenzollern. 7 Er widmete sie seinem Bruder und prospektiven Thronfolger, dem Prinzen von Preußen August Wilhelm, den er einleitend daran erinnerte, dass man, um gut zu kommandieren, zunächst gehorchen können müsse. 8 In hunderten von Briefen an seine Verwandten formulierte er familiäre Pflichten. Seine Testamente sind ein Beleg für sein ausgeprägtes Familiendenken. So schrieb er etwa in seinem persönlichen Testament vom Januar 1769:

    <7>

    "Je recommande à mon successeur de respecter son sang dans la personne de ses oncles, de ses tantes, et de tous les parents; le hasard qui préside au destin des hommes, règle la primogéniture, mais pour être roi, on n 'en vaut pas mieux pour cela que les autres. Je recommande à tous mes parents à vivre en bonne intelligence, et à savoir, quand il le faut, sacrifier leurs intérêts personnels au bien de la patrie et aux avantages de l 'État." 9

    <8>

    Aus dem weiten Handlungsfeld des Dynastischen, auf dem sich Friedrich der Große als König von Preußen unweigerlich bewegen musste, kann im Folgenden ausschließlich die Heiratspolitik behandelt werden. Allen Eheprojekten für Mitglieder seines Hauses musste Friedrich als Familienoberhaupt zunächst zustimmen. Bei den Vermählungen seiner ledigen Geschwister war er jedoch auch als Heiratsvermittler gefragt. In seine Zeit als Oberhaupt der Hohenzollern von 1740-1786 fielen zehn Heiraten in den brandenburger Linien des Hauses: Im Jahr 1742 wurde die Vermählung seines Bruders August Wilhelm gefeiert. 1744 folgte die Eheschließung seiner Schwester Ulrike mit dem schwedischen Thronfolger. 1752 gelang es dem Chef des Hauses Hohenzollern, seinen Bruder Heinrich in den Hafen der Ehe zu steuern. 1753 trat seine Nichte Dorothea aus der Schwedter Linie vor den Traualtar, und 1755 deren Schwester Luise zusammen mit Friedrichs jüngstem Bruder Prinz Ferdinand. 1765 heiratete sein Neffe und Thronfolger Friedrich Wilhelm zum ersten und 1769, nach seiner Scheidung, zum zweiten Mal. 1767 kam mit Luise eine weitere Schwedter Prinzessin unter die Haube. Im selben Jahr heiratete eine weitere Nichte, Wilhelmine, den niederländischen Erbstatthalter. Schließlich fand unter Friedrichs Regie noch 1773 die Heirat von Philippine, einer Tochter aus der Schwedter Linie, statt. Von der schwedischen und der oranischen Ehe abgesehen, wurden die Verbindungen im Kreis der verwandten protestantischen Familien des Reiches geschlossen: drei mit dem Hause Hessen, zwei mit dem Welfengeschlecht und jeweils eine mit den Häusern Württemberg und Anhalt. 10

    <9>

    Von den vielen Motiven, welche das Konnubium der Fürstenfamilie bestimmten, werden im Folgenden nur zwei analysiert: 11 Erstens sollen die Eheprojekte zum Erhalt des Hauses in den Blick genommen werden; hier musste es dem Chef des Hauses darum gehen, geeignete Partien für seine Brüder zu finden und somit die Thronfolge zu sichern. Zweitens wird sich dieser Aufsatz mit politischen Heiratsprojekten befassen, von denen es unter Friedrich im engeren Sinn nur eines gab: die schwedische Vermählung seiner Schwester Ulrike im Jahr 1744. Von gewissem politischen Gewicht war, auch wenn Friedrich dies herunterspielte, darüber hinaus auch die oranische Heirat seiner Nichte im Jahr 1767.

    Heiraten und der Fortbestand des Hauses

    <10>

    Die königliche Familie war allein deshalb eine hochpolitische Institution, weil sie dafür zuständig war, den Kandidaten für das höchste Amt im Staate zu liefern. Die 'Hausgesetze', eine aus Testamenten und Familienverträgen kumulierte Norm, setzten die Regeln sowohl für die Thronfolge, als auch für legitime Heiraten fest, welche allein legitimen Nachwuchs hervorbringen konnten. Sie enthielten somit gleichzeitig Elemente einer Verfassung, welche dem Staat eine Struktur gab. Das Aussterben der Dynastie bedeutete, zumindest aus deren Binnenperspektive, auch das Ende des Staates. 12

    <11>

    Als Friedrich 1712 geboren wurde, war der preußische Hof von Nachwuchssorgen geplagt. Obwohl seine Mutter, die aus Hannover stammende Königin Sophie Dorothee, insgesamt vierzehn Kinder zur Welt brachte und außer Friedrich noch drei weitere Söhne das Erwachsenenalter erreichten, zeichnete sich in den 1740er Jahren ein erneuter dynastischer Engpass ab. Kronprinz Friedrich hatte 1733 mit Widerwillen und unter dem Druck seines Vaters die Braunschweiger Prinzessin Elisabeth Christine geheiratet. Doch es war wohl weniger Widerwille als vielmehr ein gesundheitliches Problem, das dazu führte, dass Friedrich II. der Fortpflanzung in seiner Ehe von Anfang an keine Chance gab. Schon bald nach dem Regierungsantritt kündigte er seinem jüngeren Bruder August Wilhelm an, dass er der nächste in der Thronfolge sei. 13 Doch das vollständige Fehlen von männlichem Nachwuchs in der nächsten Generation erfüllte den jungen König, der im Ersten Schlesischen Krieg die Gefahren für sich und seine Brüder erlebte, mit Sorge. Noch bevor der Friedensvertrag unterzeichnet war, betätigte sich Friedrich als Familienstratege und brachte die schon unter seinem Vater geplante Vermählung seines zehn Jahre jüngeren Bruders August Wilhelm mit der Welfenprinzessin Luise Amalie zustande. Sie wurde am 6. Januar 1742 im Weißen Saal des Berliner Schlosses gefeiert.

    <12>

    Zugleich bedrängte er seinen 38 Jahre alten, unverheirateten Cousin zweiten Grades, Markgraf Karl Albrecht aus der Sonnenburger Linie des Hauses, eine Ehe mit einer württembergischen Prinzessin einzugehen: "Vous considerez donc que nous, que sont de la Maison de Prusse, sommes obligez de faire tout ce qui peut aboutir au bien et à la conservation de l ' Etat. Si vous considerez après cela qu 'il n 'y a point des heritiers mâles, ni dans la première ligne de notre maison, ni dans celle des Marggraves de même que dans la collatérale en Franconie, ou il n 'y a que le seul jeune Prince d 'Ansbach assez faible de santé et de constitution; il ne saura manquer que vous ne vous representiez en meme temps touts les maux et peut etre la destruction totale que l 'Etat auroit a risquer si notre famille venoit à finir des heirs mâles." 14

    <13>

    Der Markgraf entzog sich dieser dringlichen Bitte mit dem Verweis auf seine bescheidenen finanziellen Verhältnisse, die durch den Erwerb des Gutes Neu-Quiliz – des heutigen Neu-Hardenberg – noch schlechter geworden seien. Weiterhin gab der Markgraf an, eine Aversion gegen die – ihm im Übrigen gänzlich unbekannte – württembergische Prinzessin zu haben. Er führte darüber hinaus aus, "que le mariage en général est accompagné de beaucoup de désagrément et d 'inquiétude." 15 Friedrichs Angebot, die markgräfliche Ausstattung aufzubessern und auch andere Kandidatinnen in Erwägung zu ziehen, konnte Karl nicht umstimmen. General von Kalckstein, der im Auftrag des Königs unter vier Augen mit dem Markgraf sprach, überbrachte Friedrich die Neuigkeit, dass dem Heiratsplan eine Mätresse im Wege stehe, die zwar über fünfzig Jahre alt und beständig krank sei, dass aus dieser Verbindung jedoch Kinder hervorgegangen seien, weshalb der Markgraf ihr "reconnoissance schuldig" sei. 16 Friedrich reagierte auf diese Neuigkeiten mit dem Angebot, die unehelichen Kinder in den Adelsstand zu erheben, worauf sich der Markgraf – nicht ohne auch für seine Mätresse um Nobilitierung zu bitten – zu einer durch einen Vorwand verschleierten Brautschau in Hessen-Kassel bereitfand.

    <14>

    So sah es zunächst so aus, als hätte der König mit Erfolg in die Zukunft des Hauses investiert. Markgraf Karl, der Zeit seines Lebens unverheiratet bleiben sollte, gelang es allerdings, die Angelegenheit zu verschleppen, bis von anderer Seite Entlastung kam: Luise Amalie, die Gattin von Friedrichs Bruder August Wilhelm, wurde im September 1744 von einem Stammhalter entbunden. Doch der König erwartete mehr. Schon im Frühjahr des folgenden Jahres ermahnte er seinen Bruder. Dieser habe eine sehr hohe Meinung von sich, wenn er sich für einen "gewaltigen Kindererzeuger" halte; "das armselige eine Kind, das Du erzeugt hast," stelle "die Zukunft des Hauses nicht so sicher, wie es wünschenswert wäre." 17 Immer wieder kam Friedrich in der Korrespondenz auf das leidige Thema zu sprechen:

    <15>

    "Man muß jedoch gestehen, daß die Ehe die nützlichste Thorheit der Menschen ist. Ich wünschte, man merkte davon mehr in Deinem Hause. Geschieht das nicht bald, so müßte man Dir den kleinen Prinzen fortnehmen und Dich wie die Legehennen behandeln, denen man die Eier wegnimmt, damit sie neue legen." 18

    <16>

    Drei Jahre nach dem Thronfolger brachte Luise Amalie einen zweiten Sohn zur Welt. So schien die Zukunft des Hauses zunächst gesichert; dies galt umso mehr, als Friedrich 1752 und 1755 auch seine beiden jüngeren Brüder, Heinrich und August Ferdinand, und schließlich 1765 auch seinen Neffen Friedrich Wilhelm zum Tragen des Ehejochs überreden konnte. Letztere Eheschließung begründete er auch mit den Notwendigkeiten der Thronfolge:

    <17>

    "Pendant toutes ces agitations de la Pologne, se conclut le mariage du Prince de Prusse avec la Princesse Elisabeth, quatrième fille du duc de Brunswic. La succession ne roulait que sur quatre têtes, le prince de Prusse, le prince Henri, qui fut enlevé par la petite vérole peu de temps après, le prince Henri, frère du roi, et le prince Ferdinand, qui n 'avait alors aucun successeur male." 19

    <18>

    Doch die Sicherheit, in der sich König Friedrich wiegen zu können glaubte, erwies sich als trügerisch: 1758 verstarb sein Bruder August Wilhelm und damit der designierte Thronfolger. Knapp zehn Jahre später, im Jahr 1767, verschied August Wilhelms zweitgeborener Sohn Friedrich Heinrich Karl im Alter von neunzehn Jahren bei einem Manöver im Schloss zu Protzen bei Fehrbellin. Da die Ehe von Friedrichs Bruder Heinrich kinderlos geblieben war, August Ferdinands Verbindung in den bis dahin verflossenen zwölf Ehejahren nur eine Tochter hervorgebracht hatte und auch Neffe Friedrich Wilhelm lediglich mit einer Tochter aufwarten konnte, musste der Chef des Hauses Brandenburg-Preußen erneut um dessen Fortbestand bangen. Neidvoll blickte er auf seine nördlichen Nachbarn:

    <19>

    "Nous avons des pretentions sur le Mecklenbourg, fondéz sur un Ancien traité de Confraternité qui ne devient Valide qu 'après la Mort des Derniers Ducs. Ces princes ont pourvu a ce que leurs Etats ne nous retombent pas si tot: ils sont d 'une fecondité a repeupler une Garrene [Kaninchengehege], tandis que la Sterilité de Notre famille nous menace de sa fine prochaine." 20

    <20>

    Nach den Todesfällen ruhte die Thronfolge in der nächsten Generation auf einem einzigen Prinzen, Friedrichs Neffen Friedrich Wilhelm, der sich darüber hinaus nicht als zukünftiger Monarch empfahl. Auch diesen feuerte der König zu mehr Engagement für den Fortbestand des Hauses an:

    "Indem er (Friedrich II.) sodann seinen Neffen umarmt, erklärt er ihm, wie sehr er recht bald Nachkommenschaft von ihm erwarte; die Wohlfahrt des Landes erfordere es gebieterisch. Nicht umsonst wolle er, der König, alle Strapazen des Krieges und alle Mühen der Regierung getragen haben; alles sei geschehen, damit der Prinz dereinst ein mächtiger, geachteter Fürst werde, und da die Hoffnung der Dynastie nur auf seinen und seines Bruders Heinrich Nachkommen beruhe, so erwarte er aus seiner Ehe recht viele Prinzen. Er wolle ihm alle Annehmlichkeiten gewähren, aber eine Mätresse wolle er nicht dulden." 21

    <21>

    Friedrich Wilhelm ließ sich seine Mätresse Hermine Encke lange Zeit nicht ausreden; dennoch währte die bange Phase nur zwei Jahre. Zwar trug Friedrichs Lieblingsbruder Heinrich nichts zur Lösung des Problems bei, aber der vom König wenig geschätzte jüngste Bruder August Ferdinand und seine aus der Schwedter Linie stammende Gattin machten sich die Erhaltung von Stamm und Namen des Hauses Brandenburg rasch nach Eintreten der Nachfolgekrise zur Aufgabe. Anna Elisabeth absolvierte ab dem vierzehnten Jahr ihrer Ehe, die bis dahin nur eine Tochter hervorgebracht hatte, einen wahren Gebärmarathon: 1769 brachte sie im Alter von 31 Jahren einen Sohn zur Welt, im Mai 1770 eine Tochter, im November 1771 einen Sohn, im November 1772 einen Sohn, im Dezember 1776 einen Sohn und im September 1779 einen letzten Sohn. Sieben Kinder, davon sechs in zehn Jahren, schenkte sie der Dynastie und hatte danach noch genügend Kraft, ihr Leben bis in die Restaurationszeit fortzusetzen.

    <22>

    Parallel sorgte der Chef des Hauses Brandenburg dafür, dass die zerrüttete erste Ehe des Thronfolgers und Neffen Friedrich Wilhelm 1769 geschieden und wenige Monate später eine neue mit der siebzehnjährigen Friederike Luise von Hessen-Darmstadt geschlossen wurde. In den ' Mémoires depuis la paix de Hubertsbourg jusqu ' à la paix de Teschen' beschreibt Friedrich II. seine Motive ausführlich. Die Ehe habe nicht den Erwartungen des königlichen Hauses entsprochen. Der Gatte habe sich einer "vie crapuleuse" hingegeben, die schöne Prinzessin habe sich dafür gerächt. Die gegenseitige Abneigung habe alle Hoffnung auf Nachkommen zerstört. Die Brüder des Königs haben klar zu verstehen gegeben, dass sie sich niemals von einem "bâtard" die Rechte auf die Thronfolge würden streitig machen lassen. Alle diese Gründe hätten für die Trennung der Ehe gesprochen. Die Wahl einer neuen Gattin sei schwer gewesen, doch nach einigem Suchen habe man die Prinzessin Friederike von Hessen-Darmstadt gefunden. 22 Das frischgebackene Kronprinzenpaar gab dem Drängen des Familienoberhauptes nach: Acht Geburten in den vierzehn ersten Ehejahren waren die beeindruckende Bilanz. Dieses im Vergleich zu seinen Brüdern verantwortliche Verhalten wurde meist vergessen, wenn man Friedrich Wilhelm II. den "dicken Luderjahn" nannte. Sein Erstgeborener, ebenfalls Friedrich Wilhelm genannt und später Vater einer großen Kinderschar, regierte Preußen bis 1840.

    <23>

    Es spricht für den Familiensinn Friedrichs II., dass er mit solcher Energie und dem ihm eigenen Pragmatismus an der Lösung der Thornfolgefrage arbeitete. Der Nachdruck, mit welchem er die widerstrebenden Brüder und andere Verwandten unter das Joch der Ehe zwang, und die nicht nachlassende Strenge, mit der er die bereits Verheirateten zur Prokreation aufforderte, zeigt, dass Friedrich in den Bahnen einer dauerhaften Familienherrschaft dachte. Ganz unabhängig von Gefühlen zwischen Geschwistern oder Eheleuten, unabhängig auch von der Liebe zum Nachwuchs, die dem König wohl fremd war, stellte für ihn der Fortbestand der Dynastie eine verfassungsmäßige Notwendigkeit dar.

    Heiraten als Instrument der Politik

    <24>

    Eheschließungen hatten nicht nur eine hohe Bedeutung für die Herrschaftskontinuität des dynastischen Staates, sie waren auch – wie in jüngerer Zeit anhand vieler Beispiele gezeigt – ein vielfältig einsetzbares Instrument der fürstlichen Außenpolitik. 23 In Anlehnung an die von Tobias Weller entwickelte Typologie verschiedener Funktionen von Fürstenheiraten im Hochmittalter, können auch in der Neuzeit vier verschiedene Typen voneinander unterschieden werden. 24 Erstens waren Heiraten mit sogenannten Erbtöchtern ein Mittel zum Erwerb von Ansprüchen auf Territorium und Rechte. Auch wenn diese in der Regel durch Diplomatie und Krieg einzulösen waren, stellten sie ein wichtiges Element zur Legitimation außenpolitischen Handelns dar. Johannes Burkhard hat sie daher als eine der Ursachen für die "Friedlosigkeit" der Frühen Neuzeit genannt. 25 Zweitens hatten Heiraten, die immer wieder auch im Kontext von Friedens- oder Allianzverhandlungen geschlossen wurden, eine Bekräftigungsfunktion. Das verwandtschaftliche Fest und die zwischenfamiliäre Bindung stellten gleichsam den rituellen und lebensweltlichen Vollzug eines vertraglichen Aktes dar. Drittens wurden durch die Zusammenkunft im Fest, durch die Eheverhandlungen sowie schließlich durch den Tausch von Angehörigen Kommunikationskanäle geöffnet, die für das diplomatische Geschäft nützlich sein konnten. Viertens konnten Heiraten als Instrument zur Transformation von Beziehungen zwischen Fürsten und Dynastien dienen. Nach Konflikten konnte durch "Rekonziliationsheiraten" ein besserer Beziehungszustand erreicht werden. Dass Heiraten eine Friedens- und Allianzfunktion zugeschrieben wurde, zeigt sich am deutlichsten in den politischen Diskursen rund um die Eheschließung. Begriffe wie "Blutsband", "Verwandtschaft", "Freundschaft" und "Allianz" waren im 18. Jahrhundert noch weitgehend synonym. Dies ist ein Ausdruck für die enge Verbindung zwischen Familie und Politik, welche die Frühe Neuzeit kennzeichnete. 26

    <25>

    Es ist zu überprüfen, ob diese allgemeinen Thesen über politische Funktionen von Heiraten sich in der friderizianischen politischen Praxis nachweisen lassen. Dabei kann hier, obwohl dies ein sehr interessantes Themenfeld wäre, nicht auf den Einsatz hergebrachter dynastischer Ansprüche im diplomatischen Geschäft eingegangen werden. Vielmehr soll hier gefragt werden, ob sich der preußische König, der gleichzeitig Chef des Hauses und des Staates war, Heiraten zur Bekräftigung von Friedens- und Allianzverträgen bzw. zur Transformation von Beziehungen zunutze machte. Der Befund scheint auf den ersten Blick eher schwach: Obwohl Friedrich II. immerhin zehn Ehen im Hause Brandenburg einfädelte und Zeit seines Lebens in Diplomatie und Krieg sein wichtigstes Betätigungsfeld sah, hat er sich der Heirat als außenpolitischem Instrument nur sehr selten bedient. In einem Fall, der Verheiratung seiner Schwester Ulrike mit dem schwedischen Thronfolger Friedrich, hat er das außenpolitische Potenzial allerdings voll auszureizen versucht. Dieser Fall soll daher im Folgenden eingehender dargestellt werden.

    <26>

    Dem Regierungsantritt Friedrichs II. folgte eine rapide Umorientierung der preußischen Außenpolitik. Mit dem Angriff auf Schlesien, den Friedrich noch 1740 ausführte, war die zwar nicht stabile, aber doch langjährige Bindung seines Vaters an Österreich hinfällig geworden. In der Hoffnung, eine französisch-österreichische Allianz zu verhindern, verbündete er sich mit Frankreich. Dieses Bündnis war so lange erfolgreich, bis nach dem renversement des alliances im Jahr 1756 eine österreichisch-französische Allianz zustande kam. 27 Die Hannoveraner hielten im preußisch-österreichischen Konflikt keineswegs zu ihren Berliner Verwandten. Vielmehr orientierte sich die englische Außenpolitik nach wie vor an der Tradition des "Old System" aus den Tagen Wilhelms I. (III. von Oranien), welches auf einem Bündnis mit den Niederlanden und Österreich gegen französisches Hegemonialstreben beruhte. 1740 konnte Georg II. von seinen Beratern kaum davon abgehalten werden, an Maria-Theresias Seite gegen Preußen zu kämpfen. Von da an verlegte sich England darauf, für einen Ausgleich zwischen Österreich und Preußen zu sorgen. Georg II. führte ein Heer auf den Kontinent und kämpfte bei Dettingen siegreich gegen die mit Preußen verbündeten Franzosen. 28

    <27>

    Preußen suchte – zusätzlich zu dem in Friedrichs Augen nie ausreichend für seine Sache engagierten Frankreich – weitere Verbündete gegen Österreich; eine nähere Verbindung mit Russland war – wie Friedrich in der Histoire de mon temps von 1746 schreibt – ein zentrales Ziel und verwandtschaftliche Politik ein Mittel dazu. 29 1742 hatte die Zarin Elisabeth ihren Vizekanzler Bestushew nach einer preußischen Prinzessin, am besten Friedrichs Schwester Luise Ulrike, für den russischen Thronfolger fragen lassen. Friedrich II. hielt diese Idee für "dénaturée" und wünschte "Malheur à ces politiques qui sacrifient jusqu 'à leur propre sang à leur intérêt et à leur vanité." 30 Bei Prinzessinnen anderen "Blutes" hatte er allerdings weniger Skrupel. Er schlug die vierzehnjährige Anhalt-Zerbster Prinzessin Sophie Friederike Auguste vor. Tatsächlich machte sich die Prinzessin im Januar 1744 mit ihrer Mutter nach Petersburg auf und wurde, nachdem sie zum orthodoxen Glauben konvertiert war, zur Großfürstin Katharina Alexeijewna, worüber die Zarin sehr erfreut war. 31 1762 bestieg die Anhalterin als Katharina II. den Zarenthron. Friedrich II. plante von Anfang an, sich der Prinzessin als Werkzeug seiner Diplomatie zu bedienen. An den preußischen Botschafter in Sankt Petersburg schrieb er, dass er die Prinzessin genauestens instruieren solle. Sie solle das Vertrauen der Zarin gewinnen: "Vous tacherez de faire par elle des insinuations à Sa Majesté Impériale, que vous tiendrez propre à mes vues et qu 'on n 'y peut faire qu 'avec assez de difficultés." 32 Um die Prinzessin zu noch größeren Anstrengungen in preußischer Sache anzuspornen, stellte Friedrich ihr eine Beförderung für ihre Schwester in Aussicht, welche ein Amt in der Abtei Quedlinburg innehatte. 33

    <28>

    Folgenreich für die preußisch-russischen Beziehungen war auch die Tatsache, dass es der Zarin Elisabeth 1742 gelungen war, den entfernt mit dem schwedischen Königshaus verwandten schleswig-holsteinischen Prinzen Adolf Friedrich als schwedischen Thronfolger durchzusetzen. Die russische Herrscherin nahm ebenfalls Einfluss auf dessen Verheiratung mit der preußischen Prinzessin Luise Ulrike, eben jener Schwester Friedrichs II., auf welche sie vorher für ihren Thronfolger ein Auge geworfen hatte. Friedrich II. ließ sich nach anfänglichem Widerstand für dieses Projekt gewinnen. 34 Aus seiner Perspektive bot es eine Reihe von politischen Chancen, welche er in seiner Korrespondenz mit dem preußischen Botschafter in Sankt Petersburg zum Ausdruck brachte. Für seine Zustimmung glaubte er die Entfernung der anti-preußischen Partei vom russischen Hof fordern zu können. Namentlich nannte er Iwan Iwanowitsch Schuwalow, den Favoriten der Zarin, seine Mutter und deren Gatten, 35 sowie vor allem den Vizekanzler Bestushew. 36 Weiterhin sah er die Heirat als Schritt zum Abschluss einer Defensivallianz zwischen Russland, Preußen und Schweden. 37 Diese Allianz hatte für Friedrich vor allem den Zweck, ihm russische Unterstützung und damit die Möglichkeit zu sichern, Österreich von einem Feldzug zur Rückeroberung Schlesiens abzuhalten. 38 Sie sollte deshalb zumindest eine Garantie Schlesiens enthalten, 39 noch besser aber die Zusage von Truppen in der Größenordnung von 10.000 Mann. 40 Je länger sich die Verhandlungen über den Defensivvertrag hinzogen und je deutlicher das Zögern der Zarin wurde, desto vorsichtiger wurden auch Friedrichs Forderungen: "Vous savez que ce ne sont pas tant les forces de la Russie que je souhaite pour parvenir à mon but, mais que le nom russien me suffit; ainsi 2.000 dragons ou cosaques me suffiront." 41 Friedrich II. kommentierte den Bündnisplan im Rückblick in seinen Mémoiren: "C 'était de ces deux alliances que devait dépendre la sûreté de la Prusse." 42

    <29>

    In der genannten Situation ging es Friedrich jedoch nicht nur darum, günstige politische und verwandtschaftliche Bündnisse abzuschließen, sondern er zielte auch darauf ab, die englischen Pläne auf dem Kontinent zu durchkreuzen. Denn auch die englische Königsfamilie bemühte sich, zusätzlich zu ihren traditionellen Verbindungen zu den Oraniern, mit denen zahlreiche Ehen geschlossen wurden, und zu Österreich, auch die nordischen Länder in ihr Bündnissystem einzubeziehen. Dänemark war für Hannover ein willkommener Bündnispartner gegen Schweden. So war es – neben den schwedisch-russisch-preußischen Allianzbestrebungen – ein weiterer Auslöser für die preußisch-schwedische Heirat, dass Louisa, die jüngste Tochter Georgs II., mit dem dänischen Kronprinzen Friedrich im Dezember 1743 den Ehebund eingegangen war. Dies widersprach nicht nur dem außenpolitischen Interesse Preußens, sondern auch den dynastischen seines Königshauses. 43

    <30>

    Umso willkommener musste es Friedrich sein, dass er nicht der einzige war, der seine Interessen durch diese Allianz verletzt sah. Der Briefverkehr aus der Anbahnungsphase der schwedisch-preußischen Heirat von 1744 betont dieses negative Interesse ebenso wie das positive. Am 3. Januar erreichte Friedrich ein Brief des preußischen Gesandten Diestel aus Stockholm, in dem dieser ankündigte, dass die schwedische Königsfamilie – nachdem die Nachricht von der englisch-dänischen Heirat bekannt geworden war –noch größeres Interesse an einer Verbindung mit den Hohenzollern hätte und deswegen bald den Botschafter Tessin nach Berlin schicken würde. 44

    <31>

    Eine brandenburgisch-schwedische Heirat hatte es seit 1620 nicht mehr gegeben; damals war die brandenburgische Kurprinzessin Maria Eleonore eine Ehe mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf eingegangen. Seitdem gab es zwischen den beiden konkurrierenden Königshäusern lediglich eine lange Serie von gescheiterten Heiratsprojekten: Von dem vereitelten Heiratsplan des Großen Kurfürsten 1646 ist schon die Rede gewesen. Fünfzig Jahre später hatte Friedrich Wilhelm (I.) eine schwedische Verbindung abgelehnt, bevor er die Ehe mit Sophie Dorothea von Hannover einging. Auch für Friedrich Wilhelms älteste Tochter Wilhelmine war einmal ein schwedischer Gatte erwogen und wieder verworfen worden. Dass 1744 noch einmal eine preußisch-schwedische Heirat zustande kam, lag entsprechend weniger an den großen Erwartungen, die man in ein Bündnis mit dem nordischen Königreich setzte, sondern vielmehr an Preußens Interesse, eine nord-östliche Allianz zu schmieden sowie Englands Pläne zu durchkreuzen, und Schwedens Absicht, Dänemark zu schaden.

    <32>

    Die Anfrage aus Stockholm wurde bald durch eine Initiative des schwedischen Ministers Rudenschiold flankiert. Er wandte sich gleichzeitig an den für äußere Angelegenheiten zuständigen Staatsminister Heinrich Graf von Podewils und machte ihm deutlich, dass der schwedische König eigentlich eine dänische Heirat seines Thronfolgers gewünscht hätte, dies aber unter den Bedingungen einer Annäherung Dänemarks an England nicht mehr aufrechterhalte. Der Duke of Cumberland habe nicht irgendeine Prinzessin zur Frau erhalten, sondern das zweitälteste Kind des Königs, das in der Thronfolge direkt hinter ihrem Bruder stehe. England wolle sich so zum "arbitre dans le Nord" aufschwingen. Der schwedische und der preußische König hätten das gleiche Interesse "de barrer de concert avec (...) la cour de Russie le chemin aux anglois dans la domination qu 'ils affectèrent de vouloir usurper sur le Nord comme sur le Sud." 45 Der preußische König war offenbar derselben Meinung. Er betonte, dass zusätzlich zu der erwünschten Heirat zwischen dem schwedischen Thronfolger Friedrich August und Friedrichs Schwester Luise Ulrike Eleonore auch noch ein Defensivbündnis geschlossen werden solle.

    <33>

    Wegen des gerade erst beendeten schwedisch-russischen Krieges (1741-1743), der eine bittere Niederlage und bedeutende Gebietsverluste für Schweden sowie das Zugeständnis einer schleswig-holstein-gottorpschen Thronfolge auf dem schwedischen Thron brachte, schien Friedrich die russische Mitwirkung bei dem Verteidigungsbündnis entscheidend. Wenige Tage später ging ein Brief an den preußischen Gesandten in Sankt Petersburg ab. Baron von Mardefeld sollte Zarin Elisabeth von den Gefahren der englischen Politik für das "équilibre dans le Nord" berichten und in Erfahrung bringen, ob sie einer Allianz beitreten würde, welche das Ziel "de barrer le chemin aux vastes dessins de l ' Angleterre" verfolge. 46 Am Ende des Monats Januar kam die – angesichts der Vorgeschichte wenig überraschende – Rückmeldung aus Petersburg, dass die Zarin mit der Verbindung einverstanden sei. 47 Kleinere Irritationen auf russischer Seite löste noch die Tatsache aus, dass ein schwedisch-dänischer Vertrag, der vor den Heiratsgeschäften in Angriff genommen worden war, trotz der neuesten Entwicklungen noch zur Unterzeichnung kam. Doch am Ende kam Ulrikes Heirat zustande, die Prinzessin stach von Stralsund aus in Richtung Schweden in See und wurde Kronprinzessin und später schwedische Königin. In dem Maße, wie die Position der schwedischen Krone gegenüber dem Reichstag in dieser Zeit geschwächt wurde, war dies allerdings ein wenig dankbarer Posten, und Schweden war – anders als Russland – kein einflussreicher Faktor in Friedrichs außenpolitischem Kalkül. 48

    <34>

    Die gegen England gerichteten Intentionen dieser Verbindung scheinen, wie eine Relation des preußischen Gesandten Andries nahelegt, in London durchaus ein Ärgernis gewesen zu sein. Der Gesandte beschreibt das Scheitern der englischen Bemühungen um den schwedischen Thronfolger als Gatten der englischen Prinzessin Amalie, die einst für Friedrich II. ausersehen war. Gleichzeitig drückte der englische Thronfolger gegenüber dem Gesandten seine Gefühle über Ulrikes schwedische Ehe aus:

    <35>

    "Vous savez Monsieur avec combien de zèle je m 'interesse dans ce qui regarde le Roi Votre Maitre et toute sa famille que j 'envisagerais toujours comme la mienne et que je ferais toujours mon possible pour cultiver son amitié mais vous savez aussi que la Princesse Ulrique dont il s 'agit ayant été ci-devant objet de mes voeux je vous avertis d 'avance entre vous et moi et en ami que je vous recevrai tres mal lorsque vous viendrez me faire cette notification." 49

    <36>

    So waren die mit der Heirat verbundenen Negativhoffnungen Wirklichkeit geworden, das Projekt einer Dreierallianz zerschlug sich jedoch. Die Verhandlungen erwiesen sich als zäh. Der russische Vize-Kanzler Bestushev blieb im Amt. Er war gegen die Verbindung eingestellt und wusste es, die Zarin von seiner Haltung zu überzeugen. So musste der Baron von Mardefeld erfolglos aufgeben. Die preußisch-schwedisch-russische Dreierallianz kam nicht zustande. Ein Defensivbündnis mit Schweden wurde zwar geschlossen, doch dieses hatte angesichts der Dauerkrise der schwedischen Monarchie nur geringes Gewicht.

    <37>

    Die Heirat seiner Schwester Ulrike zeigt, dass Friedrich, zumindest in einem Fall, auf eine Verquickung von Verwandtschaft und Politik setzte. Es ist dabei auch deutlich geworden, dass die eingangs skizzierten Typen von Heiratspolitik hier nicht in Reinform angewandt werden können. Zwar ging es Friedrich um eine Transformation außenpolitischer Beziehungen, doch war er an dem Bündnis mit der angeheirateten schwedischen Dynastie nur am Rande interessiert. Vielmehr verfolgte der König den Plan, eine engere Beziehung zu Russland zu stiften. Diese "amitié" sollte dann zu einer Allianz führen, in welcher gegenseitige militärische Leistungen fixiert werden sollten. Darüber hinaus erlaubte ihm die verwandtschaftliche Verbindung zu Schweden, dem englischen Bestreben, Nordeuropa zu seiner Einflusssphäre zu machen, ein Hindernis in den Weg zu legen. Die Heirat war somit vor allem ein diplomatisches Pfand, dessen Einsatz komplexe Wechselwirkungen im Netzwerk der europäischen Beziehungen auslösen sollte.

    <38>

    Auch wenn sich Friedrich II. im Jahr 1744 als raffinierter, allerdings nur teilweise erfolgreicher Heiratspolitiker betätigte, ist auffällig, wie wenig er dieses Mittel insgesamt einsetzte. Außer der schwedischen gab es nur eine weitere Eheschließung, welche die preußische Königsfamilie mit der großen Welt der europäischen Dynastien in direkten Kontakt brachte. Dies war die 1767 geschlossene Ehe von Friedrichs Nichte Wilhelmine mit dem niederländischen Erbstatthalter Wilhelm aus dem Haus Oranien. Zwar hat Friedrich stets beteuert, dass diese Eheschließung ganz frei von politischem Kalkül gewesen sei. Gleichwohl ist es wohl falsch, die Allianz ausschließlich als ein "établissement honnête" für Friedrichs Nichte anzusehen, das "ne pouvait influer en rien dans la politique" 50 . Das Interesse, den nach wie vor wohlhabenden Nachbarn Holland durch ein Blutsband zu binden und dadurch französischem Einfluss zu entziehen, war durchaus ein strategisches Ziel. Der unter Friedrichs Nachfolger Friedrich Wilhelm II. unternommene niederländische Feldzug von 1787 zeigt, dass dieses Interesse auch langfristig bestehen blieb. Ganz abgesehen vom sehr dosierten Einsatz regelrechter Heiratspolitik, nutzte Friedrich der Große – wie das Beispiel der Prinzessin von Anhalt-Zerbst demonstriert – direkte und indirekte Familienbeziehungen als Informations- und Einflusskanäle.

    <39>

    Diese Einblicke in die friderizianische Heiratspolitik und ihre Funktionen für die dynastisch-staatliche Kontinuität und die Außenpolitik mögen als Belege für die These ausreichen, dass sich auch ein König, der das Gros seiner Verwandtschaft kühl und abschätzig behandelte und darüber hinaus ein überzeugter Verfechter der Staatsraison war, sich unter den Strukturbedingungen des dynastischen Staates familiären Praktiken nicht entziehen konnte. Die dynastische Dimension der Herrschaft Friedrichs II. ist mit diesem Blick auf die friderizianische Heiratspolitik allerdings bestenfalls angerissen.

    Autor:

    Dr. Daniel Schönpflug
    Centre Marc Bloch
    Schiffbauerdamm 19
    10117 Berlin
    daniel.schoenpflug@cmb.hu-berlin.de

    1 Friedrich Meinecke: Die Idee der Staatsraison in der neueren Geschichte (1924), (= Werke Bd. 1), 3. Aufl., München 1963, 327.

    2 Abgesehen davon, dass die Hohenzollernschen Familienbeziehungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts en passant in den Biographien Friedrichs II. und seiner Verwandten behandelt werden, steckt die wissenschaftliche und systematische Beschäftigung mit dem Thema noch in den Anfängen. Dies ist umso erstaunlicher, als die familiären Korrespondenzen Friedrichs II. in großen Teilen in Edition vorliegen. Wegweisend für die weitere Erforschung des Themas ist Thomas Biskup: The Hidden Queen. Elisabeth Christine of Prussia and Hohenzollern. Queenship in the Eighteenth Century, in: Clarissa Campbell Orr (Hg.): Queenship in Europe 1660-1815. The Role of the Consort, Cambridge 2004, 300-321. Nicht wissenschaftlich, aber zur Einführung geeignet sind Christian Graf von Krockow: Die preußischen Brüder. Prinz Heinrich und Friedrich der Große. Ein Doppelportrait, München 1998; Karin Feuerstein-Praßer: Friedrich der Große und seine Schwestern, Regensburg 2006.

    3 Zu Binnenbeziehungen in der Hohenzollerndynastie im 15. und 16. Jahrhundert siehe Cordula Nolte: Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (1440-1530), Ostfildern 2005. Methodisch anregend sind darüber hinaus Heide Wunder (Hg.): Dynastie und Herrschaftssicherung in der Frühen Neuzeit. Geschlechter und Geschlecht, Berlin 2002; Michaela Hohkamp: Sisters, Aunts, and Cousins: Familial Architectures and the Political Field in Early Modern Europe, in: David W. Sabean u.a. (Hg.): Kinship in Europe. Approaches to Long-Term Development (1300-1900), New York / Oxford 2007, 91-104; Jörg Rogge: Nur verkaufte Töchter? Überlegungen zu Aufgaben, Quellen, Methoden und Perspektiven einer Sozial- und Kulturgeschichte hochadeliger Frauen und Fürstinnen im deutschen Reich während des späten Mittelalters und am Beginn der Frühen Neuzeit, in: Cordula Nolte u.a. (Hg.): Principes. Dynastien und Höfe im späten Mittelalter, Stuttgart 2002, 235-276.

    4 Johannes Kunisch: Staatsverfassung und Mächtepolitik. Zur Genese von Staatenkonflikten im Zeitalter des Absolutismus, Berlin 1979, 14.

    5 Ders.: Friedrich der Grosse. Der König und seine Zeit, München 2005, 231.

    6 Biskup: The Hidden Queen (wie Anm. 2).

    7 Friedrich II.: Mémoires pour servir à l 'histoire de Brandebourg (1767), in: Œuvres de Frédéric le Grand, hg. von Johann D. E. Preuss, Bd. 1, Berlin 1846, I-202.

    8 Ebd., XL.

    9 Friedrich II.: Testament du Roi, 10 janvier 1769, in: Œuvres (wie Anm. 7), VI, Berlin 1847, 247f.

    10 Zusammengestellt nach Julius Grossmann u.a. (Hg.): Genealogie des Gesamthauses Hohenzollern, Berlin 1905.

    11 Methodische Vorbilder für die politik- und sozialgeschichtliche Analyse von Fürstenheiraten bei Heinz Reif: Westfälischer Adel 1770-1860. Vom Herrschaftsstand zur regionalen Elite, Göttingen 1979; Karl Heinz Spieß: Familie und Verwandtschaft im deutschen Hochadel des Spätmittelalters, Stuttgart 1993; Lucien Bély: La société des princes. XVIe-XVIIIe siècle, Paris 1999; Stephanie Marra: Allianzen des Adels. Dynastisches Handeln im Grafenhaus Bentheim, Wien 2007; Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert, Köln 2004; Daniel Schönpflug: Die Heiraten der Hohenzollern. Verwandtschaft, Politik und Ritual im europäischen Kontext 1640-1918, Habil. Freie Universität Berlin 2009.

    12 Zum Zusammenhang zwischen Dynastie und Staat siehe Guy Rowlands: The Dynastic State and the Army under Louis XIV. Royal Service and Private Interest, 1661-1701, New York 2002; Wolfgang Weber: Dynastiesicherung und Staatsbildung. Die Entfaltung des frühmodernen Fürstenstaats, in: ders. (Hg.): Der Fürst. Ideen und Wirklichkeiten in der europäischen Geschichte, Köln 1998, 91-136; Johannes Kunisch / Helmut Neuhaus (Hg.): Der dynastische Fürstenstaat. Zur Bedeutung von Sukzessionsordnungen für die Entstehung des frühmodernen Staates, Berlin 1982.

    13 Johannes Kunisch: Friedrich der Große, Friedrich Wilhelm II. und das Problem der dynastischen Kontinuität im Hause Hohenzollern, in: Persönlichkeiten im Umkreis Friedrichs des Großen, hg. von dems., Köln / Wien 1988, 1-27.

    14 Friedrich II. an Markgraf Karl, o.D., Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK), Erste Hauptabteilung (HA I), Rep. 36, Nr. 10, Bl. 7.

    15 Markgraf Karl an Friedrich II., 22.12.1743, GStA PK, HA1, Rep. 36, Nr.10, Bl. 9/10.

    16 Von Kalckstein an Friedrich II., 31.12.1743, GStA PK, HA1, Rep. 36, Nr.10, Bl. 12/13.

    17 Friedrich II. an Prinz August Wilhelm, 7.4.1745, in: Gustav Berthold Volz (Hg.): Briefwechsel Friedrichs des Großen mit seinem Bruder Prinz August Wilhelm, Leipzig 1927, 65.

    18 Friedrich II. an Prinz August Wilhelm, 7.4.1746, in: Gustav Berthold Volz (Hg.): Briefwechsel Friedrichs des Großen mit seinem Bruder Prinz August Wilhelm, Leipzig 1927, 74f. Am 9.10.1746 schrieb Friedrich seinem Bruder: "Ich halte Dich weder für so beständig wie Corydon, noch für so treu wie Seladon. Diese Hirten zeugten alle neun Monate Kinder mit ihren Gattinnen. Du aber, lieber Bruder, bist seit fünf Jahren verheiratet und die Prinzessin hat nur ein einziges Kind." Gustav Berthold Volz (Hg.): Briefwechsel Friedrichs des Großen mit seinem Bruder Prinz August Wilhelm, Leipzig 1927, 91.

    19 Friedrich II.: Mémoires depuis la paix d 'Hubertsbourg 1763, jusqu 'à la fin du partage de la Pologne, 1775 (1775), in: Oeuvres de Frédéric le Grand, Bd. 6, Berlin 1847, 17.

    20 Friedrich II.: Testamant (sic!) politique (1768), in: Richard Dietrich (Hg.): Die politischen Testamente der Hohenzollern, Köln 1969, 656.

    21 Karl Eduard von Schmidt-Lötzen (Hg.): Dreißig Jahre am Hofe Friedrichs des Großen. Aus den Tagebüchern des Reichsgrafen Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorf, Kammerherrn der Königin Elisabeth Christine von Preußen, Gotha 1907, 470.

    22 Friedrich II.: Mémoires depuis la paix de Hubertsbourg jusqu 'à la paix de Teschen, in: Œuvres (wie Anm. 7), VI, Berlin 1847, 23.

    23 Martin Peters: Können Ehen Frieden stiften? Europäische Friedens- und Heiratsverträge der Vormoderne, in: Jahrbuch für Europäische Geschichte 8 (2007), 121-133; Anuschka Tischer: Verwandtschaft als Faktor französischer Außenpolitik: Auswirkungen und Grenzen dynastischer Politik im 17. Jahrhundert, in: Dorothea Nolde / Claudia Opitz (Hg.): Grenzüberschreitende Familienbeziehungen. Akteure und Medien des Kulturtransfers in der Frühen Neuzeit, Köln u.a. 2008, 39-53.

    24 Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert, Köln 2004, 797-837.

    25 Johannes Burkhard: Die Friedlosigkeit der Frühen Neuzeit. Grundlegung einer Theorie der Bellizität Europas, in: ZHF 4 (1997), 509-574.

    26 Gerd Althoff: Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert der Gruppenbindung im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990; Klaus Oschema (Hg.): Freundschaft oder "amitié"? Ein politisch-soziales Konzept der Vormoderne im zwischensprachlichen Vergleich (15.-17. Jahrhundert), Berlin 2007; Klaus von Eickels: Verwandtschaftliche Bindungen, Liebe zwischen Mann und Frau, Lehenstreue und Kriegerfreundschaft: Unterschiedliche Erscheinungsformen ein und desselben Begriffs?, in: Johannes F. K. Schmidt u.a. (Hg.): Freundschaft und Verwandtschaft. Zur Unterscheidung und Verflechtung zweier Beziehungssysteme, Konstanz 2007, 157-164.

    27 Ilja Mieck: Die Staaten des westlichen Europa in der friderizianischen Außenpolitik, in: Geschichte als Aufgabe. Festschrift für Otto Büsch, Berlin 1988, 88-100.

    28 Manfred Schlenke: England und das friderizianische Preußen 1740-1763. Ein Beitrag zum Verhältnis von Politik und öffentlicher Meinung im England des 18. Jahrhunderts, Freiburg / München 1963, 104-122.

    29 Friedrich II.: Histoire de mon temps. Redaction von 1746, hg. von Max Posner, Leipzig 1879, 302f.

    30 Friedrich II.: Histoire de mon temps. Redaction von 1746, hg. von Max Posner, Leipzig 1879, 303.

    31 Reinhold Koser: Geschichte Friedrichs des Grossen, 1. Bd., Darmstadt 1963, 452f.

    32 Friedrich II. an Mardefeld, 13.1.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 3: 1744, Berlin 1879, 10-11.

    33 Friedrich II. an Mardefeld, 4.4.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 3: 1744, Berlin 1879, 79.

    34 Fritz Arnheim: Die Memoiren der Königin von Schweden, Ulrike Luise, Schwester Friedrich ' s des Grossen: Ein quellenkritischer Beitrag zur Geschichte Schwedens im 18. Jahrhundert, Halle 1888, 7.

    35 Friedrich II. an Mardefeld, 28.9.1743, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 427-28.

    36 Friedrich II. an Mardefeld, 22.3.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 62; "Reflexions", 30.3.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 66.

    37 Aufzeichnung Graf Podewils, 9.1.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 5.

    38 Friedrich II. an Mardefeld, 30.3.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 69.

    39 Friedrich II. an Mardefeld, 11.2.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 28.

    40 Friedrich II. an Mardefeld, 3.5.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 118.

    41 Friedrich II. an Mardefeld, 19.5.1744, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, Bd. 2: 1742-43, Berlin 1879, 145.

    42 Friedrich II. : Histoire de mon temps, 304.

    43 Veronika Baker-Smith: The daughters of George II., in: Clarissa Campbell Orr (Hg.): Queenship in Britain, Manchester 2002, 193-206.

    44 Diestel an Friedrich II, 23.12./3.1. 1743/44, GStA PK, HA1 Brandenburgisch-preußisches Hausarchiv (BPH), Rep. 46, W 86.

    45 Podewils an Friedrich II., 9.1.1744, GStA PK, BPH, Rep. 46, W 86.

    46 Entwurf eines Schreibens von Friedrich II. an Mardefeld, 11.1.1744, GStA PK, BPH, Rep. 46, W 86.

    47 Auszug aus der Relation von Mardefeld vom 28.1.1744, GStA PK, BPH, Rep. 46, W 86.

    48 Marc Serge Rivière: "The Pallas of Stockholm": Louisa Ulrica of Prussia and the Swedish Crown, in: Clarissa Campbell Orr (Hg.): Queenship in Europe, Cambridge 2004, 322-343.

    49 Relation von Andries vom 3./14.4. 1744, GStA PK, BPH, Rep. 46, W 86.

    50 Friedrich II.: Mémoires depuis la paix d 'Hubertsbourg jusqu 'à la paix de Teschen (1779), in: Œuvres (wie Anm. 7), VI., Berlin 1897, 18.

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    PSJ Metadata
    Daniel Schönpflug
    Friedrich der Große als Ehestifter
    Matrimoniale Strategien im Haus Hohenzollern 1740-1786
    Der Aufsatz unterzieht das gängige Urteil, Friedrich II. habe seiner Familie und Verwandtschaft eine geringe Bedeutung zugemessen, einer kritischen Überprüfung. Die Tatsache, dass er seinen Angehörigen aus dem Weg ging und ihnen häufig mit Kälte und Arroganz begegnete, ist kein hinreichendes Argument für die Familienfeindlichkeit des preußischen Königs. Sie bestätigt allenfalls, dass das heutige Ideal der Familie als ein Ort harmonischer Binnenbeziehungen im 18. Jahrhundert noch keine Gültigkeit besaß. Zur Zeit Friedrichs II. war die Familie ein "Haus", das durch das Bewusstsein seiner herausgehobenen Stellung und durch die Aufgabe, den gemeinsamen Besitz zu wahren und zu mehren, konstituiert wurde. Harmonie konnte dazu hilfreich sein, war aber keine Voraussetzung. Seinen Verpflichtungen als Oberhaupt der Dynastie kam Friedrich II. gewissenhaft nach. Er engagierte sich insbesondere bei der Verheiratung seiner Brüder, welche die unausweichliche Bedingung für den Fortbestand des Hauses und damit des Hohenzollernstaates war. In Einzelfällen, so etwa bei der hier analysierten preußisch-schwedischen Heirat von 1744, betätigte er sich darüber hinaus als raffinierter Heiratspolitiker. Auch wenn Friedrich kein Familienmensch im heutigen Sinne des Wortes war, so bewegte sich sein Denken und Handeln ohne Frage in den Bahnen des Dynastischen.
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    Heirat Dynastie Außenpolitik Eheprojekt Familie
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    D. Schönpflug: Friedrich der Große als Ehestifter
    In: Friedrich der Große und der Hof. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 10./11. Oktober 2008, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 2)
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Schoenpflug_Ehestifter
    Veröffentlicht am: 15.09.2009 17:10
    Zugriff vom: 25.03.2017 02:59
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