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    A. Pečar: Fragen an den Hof Friedrichs des Großen im europäischen Kontext

    Friedrich300 – Friedrich der Große und der Hof

    Fragen an den Hof Friedrichs des Großen im europäischen Kontext

    Der englische Königshof als Vergleichsfolie für königliche Hofhaltung in der Frühen Neuzeit

    Andreas Pečar


    Abstract

    Steht man vor der Aufgabe, die typischen und die spezifischen Merkmale friderizianischer Hofhaltung zu benennen, so erweisen sich die bislang in der historischen Hof-Forschung etablierten idealtypischen Kategorien zur Katalogisierung der unterschiedlichen Fürstenhöfe im Alten Reich und in der europäischen Fürstengesellschaft als wenig geeignet. Daher wird hier ein anderer Weg beschritten. Die jüngere Diskussion um die politische Bedeutung des englischen Königshofs der Tudor- und Stuartzeit hat zum einen Kategorien hervorgebracht, an denen sich die politische Bedeutung eines Hofes ablesen lässt. Hierzu zählt insbesondere die Frage, inwiefern der Hof ein politisch bedeutsamer "Point of Contact" war oder nicht. Zum anderen lässt der kursorische Blick auf 150 Jahre Geschichte des englischen Königshofes ein bemerkenswertes Phänomen erkennen: Es gab einen Unterschied zwischen der Langlebigkeit von Strukturen des Zeremoniells, vor allem des Zugangs zum Herrscher, sowie der am Hof wie in der Zentralverwaltung etablierten Ämter und der Verfahren der politischen Entscheidungsfindung einerseits und der praktizierten Selbstdarstellung und Regierungspraxis der einzelnen Könige andererseits. Beide Aspekte werden aufgegriffen, um erste Fragen an den Hof Friedrichs des Großen zu stellen und eine Einbettung des Hofes in Berlin und Potsdam in den europäischen Kontext zu erleichtern.

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    Es ist das erklärte Ziel der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, ein neues Bild vom Hof Friedrichs des Großen zu gewinnen und seine Rolle im Zeichensystem der europäischen Höfe zu bestimmen. Hierbei stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Besonderheiten der friderizianischen Hofhaltung. Die Frage nach dem Spezifischen verlangt nach einem Blick auf das Allgemeine. Über das Allgemeine monarchischer Hofhaltung werden in der Geschichtswissenschaft Überlegungen angestellt, seit sich der Hof vor etwa zwanzig Jahren als Gegenstand der historischen Forschung einer zunehmenden Beliebtheit zu erfreuen begann. Es herrscht kein Mangel an Versuchen, den Hof insgesamt auf den Begriff zu bringen und seine Funktion auf abstrakt-theoretische Weise zu bestimmen. 1 Für die Hoflandschaft des Alten Reiches hat Volker Bauer 1993 in seiner Magisterarbeit den Versuch einer Typologisierung unternommen. 2 Diese Arbeit ist nicht nur umgehend gedruckt worden, sie erfreut sich seither auch einer ungebrochenen Rezeption bei der Erforschung der Höfe in den Territorien des Alten Reiches. 3

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    Bauer ordnet die Fürstenhöfe der Reichsfürsten für die Zeit vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution folgenden fünf Typen zu: Zunächst hebt er als ersten Typus den Kaiserhof aus der Masse der übrigen Höfe heraus, da dieser sowohl aufgrund seiner Größe als auch der politischen Bedeutung der Habsburgerdynastie exzeptionelle Züge besitze und daher kaum mit den Höfen der anderen Territorialfürsten im Reich gleichzusetzen sei. 4 Als zweiten bedeutsamen Typus hat Bauer den zeremoniellen Hof ausgemacht, für den insbesondere die Höfe in Bayern und Sachsen Pate stehen. 5 Diese Höfe zeichneten sich zum einen durch eine ungeheure, die Finanzen des Landes tendenziell überbeanspruchende Glanzentfaltung aus, zum anderen war hier das Hofleben auf besonders penible Art und Weise durch zeremonielle Vorschriften geregelt. Diese Art der Repräsentation von Rang und Status sei dann im Verlauf des 18. Jahrhunderts zunehmend in die Krise geraten; nicht nur, aber auch aufgrund der immensen Kosten, die eine am Ideal des zeremoniellen Hofes orientierte Hofhaltung verursachte. Der Wille einiger Landesherren, sich von dieser Repräsentationspraxis loszusagen, habe dann Bauer zufolge drei weitere Typen der Hofhaltung etabliert: den hausväterlichen Hof , für den insbesondere der Hof Friedrich Wilhelms I. von Brandenburg-Preußen mit seinem Tabakkollegium ein plastisches Beispiel liefert. Dann den Typ des geselligen Hofs , dem Bauer auch den Hof Friedrichs des Großen zurechnet, sowie schließlich den Musenhof , der sofort Assoziationen mit Weimar und der dort versammelten Dichtergemeinschaft wecken dürfte. 6

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    Diese Typologie bietet ein hilfreiches Angebot, angesichts der Unüberschaubarkeit der deutschen ebenso wie der europäischen Residenzenlandschaft Komplexität reduzieren und die Vielfalt der Höfe in vier Kategorien einordnen zu können. Dies dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass diese Einteilung von zahlreichen Autoren in weiteren Untersuchungen zu den Höfen des Alten Reichs übernommen worden ist. Gleichwohl reichen die hier gelieferten Typen meines Erachtens nicht aus, um den Bedeutungsgehalt der Höfe im Reich adäquat zu erfassen. Dies liegt insbesondere daran, dass Bauer bei der Bestimmung der einzelnen Hoftypen zwei Bereiche miteinander vermengt. Er unterscheidet nicht hinreichend zwischen der Struktur des Hofes auf der einen und der Rolle des Hofes als Bedeutungsträger und Instrument fürstlicher Repräsentation auf der anderen Seite. 7

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    Unter der Struktur eines Hofes sollen hier die sichtbaren Ergebnisse von Institutionalisierungsprozessen verstanden werden, insbesondere diejenigen, welche die Regierungszeit eines Monarchen überdauerten und die Tradition des Hofes über einen längeren Zeitraum prägten. 8 Dazu zählen Ämter und politische Entscheidungsgremien ebenso wie Normen, die das Leben und die Interaktion am Hof regulierten. Mit der Semantik des Hofes sind zum einen die politischen Botschaften gemeint, die ein Fürst mithilfe seiner Hofhaltung und des spezifischen Umgangs mit seinem Hofstaat in die Öffentlichkeit oder an einen jeweils spezifischen Adressatenkreis sandte. Zum anderen fällt darunter die Wahrnehmung des Hofes durch die Zeitgenossen bzw. durch die zahlreichen unterschiedlichen sozialen Gruppen, die den Hof beobachteten bzw. an ihm teilhatten. Dass sich die Intention der solcherart kommunizierten Botschaften nicht notwendigerweise mit der Wahrnehmung selbiger durch die unterschiedlichen Betrachter des Hoflebens decken musste, liegt auf der Hand.

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    Trennt man die Ebenen 'Struktur' und 'Semantik' eines Hofs, erscheinen die von Bauer und anderen vorgenommenen typologischen Zuordnungen ebenso fragwürdig wie die Kategorien unklar, nach denen diese Zuordnungen vorgenommen wurden. So war der Kaiserhof ebenso wie der Hof in Dresden sicherlich ein Musenhof, wenn man die Ausgaben für repräsentative Kunstwerke aller Art in Rechnung stellt. Lag es daher an einer andersartigen Inszenierung des Kaiserhofes oder aber an dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, wenn diese Investitionen gleichwohl nicht unter dem Label 'Musenhof' wahrgenommen wurden? Auch bleibt die Frage nach dem Adressatenkreis bei Bauer ausgespart. Richtete sich zum Beispiel die Selbstdarstellung der Herzöge von Weimar als Förderer eines Musenhofs an ein anderes Publikum als die Repräsentationsbemühungen der sächsischen Kurfürsten und polnischen Könige? Und war davon auch die Struktur des Hofes betroffen, das heißt die Vergabe von Hofämtern, das Hofzeremoniell et cetera? Man weiß nicht zuletzt aus den Berichten Goethes, dass die Inszenierung Weimars als Zentrum einer Gelehrtenrepublik ohne ständische Schranken das höfische Leben nur zu sehr spezifischen Momenten kennzeichnete, keineswegs aber das Hofleben Weimars insgesamt. 9

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    Struktur und Semantik müssen daher bei der Analyse von Fürstenhöfen gleichermaßen berücksichtigt werden. Dabei ist von besonderem Interesse, wie sich beide Felder zueinander verhalten: Entschied bereits die Struktur des Hofes über die Art der Repräsentation, die einem Fürsten jeweils zur Verfügung stand, oder war die Imagepolitik eines Fürsten von der Organisation seines Hofes weitgehend unabhängig? Diese Frage führt zunächst weg vom typologischen Zugriff auf die Hoflandschaft in Europa und rückt dafür die Funktion des Hofes für den jeweiligen Regenten in den Mittelpunkt. Es geht dabei nicht zuletzt darum, zu klären, welcher Handlungsspielraum den einzelnen Fürsten innerhalb der etablierten höfischen Strukturen verblieb, um politische Zeichen zu setzen und Botschaften auszusenden.

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    Nimmt man die Unterscheidung von Struktur und Semantik ernst, so war die Aufgabe eines Hofstaates für den Fürsten stets eine doppelte. Erstens war der Hof Haushalt des Fürsten und Ort des politischen Regiments. Beide Funktionen schlugen sich in der langen Tradition fürstlicher Hofhaltung seit dem frühen Mittelalter in einer zunehmenden Institutionalisierung nieder. Es bildeten sich spezifische Ämter für den Haushalt ebenso wie für die Regierung des Landes. 10 Seit dem 16. Jahrhundert kamen zunehmend umfangreiche Hofordnungen sowie weitere Vorschriften hinzu, in denen die Aufgaben der Amtsträger bis ins Detail geregelt wurden. 11 Ferner enthielten sie allgemeine Verhaltensregeln für alle Personen, die sich kurzzeitig am Hof aufhielten, Anweisungen für die Organisation des täglichen Hoflebens von der Küche bis zum Stall, Regelungen zum Ablauf politischer Beratungen und der damit einhergehenden Kommunikation der Amtsträger untereinander, Vorschriften über die Regelung der internen, das heißt am Hof gültigen Rangfolge der Hofmitglieder und so weiter.

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    Zweitens blieb der Hof stets nach außen hin sichtbar, vollzog sich das dortige Leben und die Interaktion der Hofmitglieder unter permanenter Beobachtung des restlichen Hofstaats ebenso wie einer darüber hinaus reichenden Öffentlichkeit, wie auch immer diese im Einzelfall zu definieren sein mag. 12 Diese gesteigerte Aufmerksamkeit war für die jeweils regierenden Fürsten Herausforderung und Chance zugleich. So sah sich der Herrscher stets mit spezifischen, meist mit divergierenden Erwartungen zahlreicher Personengruppen konfrontiert: Die potenziell wichtigsten Gruppen waren zunächst seine Untertanen, ferner die Ständevertreter, der Klerus, die Mitglieder der Hofgesellschaft sowie schließlich die Reichsaristokratie und die europäische Fürstengesellschaft. Diesen Ansprüchen hatte er zu genügen, wollte er sich nicht der Gefahr versteckter oder öffentlicher Kritik aussetzen und damit Imageverluste riskieren, die seine Herrschaft insgesamt beeinträchtigen konnten.

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    Dabei waren die Erwartungen dieser Gruppen denkbar unterschiedlich: Klerus, Untertanen und Ständevertreter dürften den Hof am Ideal des frommen Hausvaters gemessen haben, den ein Fürst an der Spitze seines Haushaltes faktisch und als Landesvater metaphorisch verkörperte. Gemäß diesen Erwartungen hatte ein Fürst bei seiner Hofhaltung Sparsamkeit an den Tag zu legen und auf die Ordnung und Sittsamkeit der Hofmitglieder zu achten. 13 Die Mitglieder der Hofgesellschaft hatten hingegen weit größeres Interesse an der Großzügigkeit des Fürsten, die sich in Ämtern, Geld- und Sachzuweisungen, Schenkungen und in prachtvollen und daher prestigeträchtigen Festveranstaltungen niederschlagen konnte, waren sie hierbei doch die ersten Nutznießer. Auch innerhalb der europäischen Fürstengesellschaft ließ sich vor allem durch Prachtentfaltung und die Exklusivität eines Hofstaates Prestige gewinnen, nicht aber durch Sparsamkeit und Mäßigung. 14

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    Am Verhalten der einzelnen Herrscher lässt sich daher ablesen, welchen Erwartungen sie jeweils gerecht werden wollten und welche sie als eher zweitrangig ansahen. So nahmen die Herzöge von Württemberg bereitwillig Konflikte mit der Landschaft ihres Territoriums in Kauf und ließen sich durch die die Proteste der Ständevertreter keineswegs von ihrem ambitionierten und kostspieligen Repräsentationsstil abbringen. Die Demonstration von Ebenbürtigkeit mit der Hofhaltung der europäischen Monarchen war für die württembergischen Herzöge das oberste politische Ziel, dem es alles andere unterzuordnen galt. 15 Andere Reichsfürsten schlugen den umgekehrten Weg ein, spiegelt sich in deren bewusster Zurückhaltung im Bereich höfischer Repräsentation doch ebenfalls eine Botschaft. 16

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    Der Umgang des Fürsten mit seinem Hof war stets auch ein Mittel, mit den verschiedenen politisch relevanten Gruppen in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Und die Fürsten waren diesem Phänomen nicht nur passiv unterworfen. Vielmehr nutzten sie ihrerseits die Möglichkeit, mittels der Art und Weise ihrer Hofhaltung gezielt politische Botschaften an unterschiedliche Adressaten zu übermitteln. 17 Nur selten aber dürften Fürsten sich während ihrer Herrschaft auf eine einzige dieser politischen Botschaften beschränkt haben. Vielmehr ist von ihrem situativen Einsatz in unterschiedlichen Varianten auszugehen, die sich mitunter auch widersprechen konnten. Momente demonstrativer Prachtentfaltung konnten sich sehr gut mit einer im Ganzen gesehen sparsamen Hofhaltung vertragen. Entscheidend war stets, für welche Adressaten die zeichenhaften Botschaften jeweils bestimmt waren. 18 Volker Bauers Kategorisierungen bestimmter Höfe, etwa als "Musenhof" oder als "geselliger Hof", reproduzieren gleichsam solche Versuche gezielter Imagepolitik einzelner Reichsfürsten, ohne jedoch auf den Adressatenkreis oder auf konkurrierende Inszenierungen näher einzugehen.

    Das Beispiel des englischen Königshofs

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    Das Verhältnis von Struktur und Semantik soll im Folgenden exemplarisch diskutiert werden. Es geht darum, die hofpolitischen Freiräume der einzelnen Könige auszuloten, innerhalb derer sie Botschaften an verschiedene Adressatenkreise aussenden konnten, und zu untersuchen, inwiefern die etablierte Hofstruktur den semantischen Spielraum der Fürsten bei der Vermittlung jener Botschaften bereits einschränkte bzw. festlegte. Als Beispiel dient der englische Königshof der Tudor- und Stuartzeit von circa 1500 bis 1642, also von der Etablierung der Tudordynastie unter Heinrich VII. bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges. Der Blick über den Kanal mag im Zuge einer Diskussion der Hofhaltung Friedrichs des Großen merkwürdig anmuten. Er erfüllt hier ausschließlich den Zweck, die postulierte Trennung von Struktur und Semantik bei einer Analyse frühneuzeitlicher Fürstenhöfe exemplarisch zu entwickeln und sich daraus ergebende Fragen und erste Hypothesen abzuleiten, die dann auch für eine Untersuchung des preußischen Königshofes nutzbringend sein könnten. Ein Vergleich der beiden Höfe ist hier nicht zu leisten. In einer Zusammenschau aller Beiträge könnte aber auch der Fall des englischen Hofes für eine vergleichende Analyse des preußischen Königshofs unter Friedrich dem Großen von Nutzen sein.

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    Es scheint mir vertretbar zu sein, dass die gewählten Beispiele aus der Zeit der Tudor- und Stuartdynastie stammen und nicht aus dem 18. Jahrhundert. Dies ist zum einen der Forschungssituation geschuldet. Der englische Hof des 18. Jahrhunderts hat bislang weniger Interesse in der Geschichtswissenschaft gefunden als seine älteren Vorläufer; auch wurden die paradigmatischen Debatten über die politische Bedeutung des Hofes durchweg für die Tudor- und Stuartzeit geführt. 19 Es lässt sich hierfür aber auch ein sachlicher Aspekt anführen. Zwar war das politische Regiment in England während der gesamten Frühen Neuzeit durch die Herrschaft des King in Parliament geprägt. Gleichwohl war das politische Gewicht zwischen dem Monarchen und seinem Hof einerseits und dem Parlament andererseits in der Zeit bis 1640 äußerst ungleich verteilt. Der Hof war eindeutig der Ort politischer Entscheidungsfindung, nicht das Parlament. 20 Dies stellte sich spätestens nach der Glorious Revolution von 1688 anders dar. Einzelne Mandatsträger im Parlament gewannen neben dem König dadurch an politischem Einfluss, dass sie im Unterhaus Mehrheiten für das Regierungshandeln organisieren konnten. Diese Form der politischen Entscheidungsfindung war nicht mehr genuin an den Hof des Königs geknüpft, auch wenn dem König auch im 18. Jahrhundert noch ein großer Einfluss im Parlament verblieb. 21 Bei allen Unterschieden zwischen Preußen und England im Einzelnen scheint gleichwohl die Rolle des Königs im politischen Entscheidungsprozess unter den Tudors und Stuarts stärker derjenigen eines preußischen Königs im 18. Jahrhundert entsprochen zu haben als unter den Königen aus dem Hause Hannover, die sich mit Parteikämpfen und wechselnden Premierministern zu arrangieren hatten.

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    Der vorgegebene Rahmen gestattet keine eigenständige Analyse des englischen Königshofes über einen Betrachtungszeitraum von circa 150 Jahren. Vielmehr lautet das Ziel, mit einem kursorischen Blick auf England zentrale Problemfelder zu benennen, die bei einer Analyse von Fürstenhöfen allgemein von Interesse sind. Dies mag dann auch den Blick auf den Hof Friedrichs des Großen und dessen Besonderheiten schärfen helfen. Drei Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt. Zuerst wird eine Unterscheidung zwischen Hof als politischer Figuration und dem Hofstaat eines Fürsten als Organisation seines Haushaltes und seiner persönlichen Umgebung vorgeschlagen. Zweitens geht es um das in Monarchien zentrale Problem des Zugangs zum Herrscher. Und drittens gilt es, die Ämterstruktur und die wichtigsten Institutionen genauer ins Visier zu nehmen, die dazu dienen sollten, das Regiment des Königs über Hof und Land zu ermöglichen. Auf allen drei Feldern ist dabei ein Spannungsverhältnis zwischen beständigen Strukturen und der Möglichkeit eines persönlichen Regierungsstils der einzelnen Könige zu beobachten.

    Der Hof als Haushalt des Fürsten und als politische Figuration

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    Fragt man nach den wichtigsten Ämtern eines Hofes, so dürften zahlreiche Fürstenhöfe eine Tradition vorweisen können, die bis weit ins Mittelalter zurückreicht. 22 Dies war auch in England nicht anders. So hatte die wichtigste Unterteilung des englischen Hofstaates in einen Household above und einen Household below Stairs mittelalterliche Wurzeln. Dies gilt ebenso für die Ämter im Einzelnen. Der Lord Steward stand an der Spitze des Household below Stairs und hatte unter anderem die Aufsichtsfunktion über die Hall, das ursprüngliche Zentrum der Residenz als Ort der großen Gelage und Festveranstaltungen, sowie über Küche und Keller. Der Lord Chamberlain stand ebenfalls seit alters her an der Spitze des Household above Stairs. 23 Allerdings reduzierten sich die Aufgabenfelder und Kompetenzen der Lord Chamberlains im 16. und frühen 17. Jahrhundert mit dem Aufkommen weiterer Führungsämter für die Privy Chamber und die Bed Chamber; doch dazu später.

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    Geoffrey Elton trifft für England jedoch eine klare Unterscheidung zwischen dem Vorhandensein eines königlichen Hofstaates einerseits und dem Hof als zentraler Bühne des öffentlichen Lebens in sozialer, kultureller und auch in politischer Hinsicht andererseits. 24 Dies sei in England erst seit dem Herrschaftsantritt Heinrichs VIII. der Fall gewesen, da noch sein Vater Heinrich VII. die konkurrierenden Magnaten mit ihren Höfen und ihren Patronagenetzwerken politisch ausgeschaltet habe. Heinrich VIII. sei nun willens gewesen, den sich daraus ergebenden politischen Spielraum zu nutzen und mittels einer steten Abfolge glanzvoller Ereignisse am Königshof auch in der Öffentlichkeit sichtbar werden zu lassen. 25 In der Folgezeit habe sich die Bedeutung des Hofes weiter gesteigert und dann unter Elisabeth I. einen glanzvollen Höhepunkt erreicht.

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    Der Hof war zu dieser Zeit eine erste Anlaufstelle für jegliche Mitglieder der Oberschicht, die Karriere machen wollten. 26 Er war "Point of Contact" zwischen dem Adel aus allen Teilen des Landes und dem Monarchen, der diesem Adel in unterschiedlichem Umfang Zugang und Teilhabe am Regierungsgeschehen gewährte. Und diese Funktion behielt der Hof bei, bis im Jahre 1640 das Long Parliament einberufen wurde und der Bürgerkrieg sich abzuzeichnen begann. Eltons Umschreibung des Hofes als "Point of Contact" ähnelt Norbert Elias' Begriff der Figuration. Elias zufolge ist der Hof ein gesellschaftliches Beziehungsgeflecht, in dem die einzelnen Teilnehmer durch eine bestimmte Art der Interdependenz aneinander gebunden sind, der König inbegriffen. Während Elton stärker den Austausch zwischen König und Führungsschicht an sich betont, richtet Elias den Blick auf die Folgen dieses Austauschverhältnisses für die Handlungsspielräume aller Beteiligten.

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    Elton diente der Begriff des "Point of Contact" dazu, die pure Existenz höfischer Einrichtungen zu unterscheiden von einem Hof als maßgeblichem Ort politischer Kommunikation. Nur Letzterer erfülle die Funktion eines Ortes der Interaktion der politisch und sozial relevanten Personen. Ronald Asch hat diesen Begriff in seiner Untersuchung über den Hof Karls I. prononciert aufgegriffen und für das Verständnis der politischen Situation Englands in den 1630er Jahren fruchtbar gemacht. Jüngst hat Mark Hengerer an diesem Begriff Kritik geübt und darauf verwiesen, dass der Hof mehr sei als ein ereignishaftes Zusammentreffen von ranghohen Personen. Er betont hingegen gerade die Bedeutung der Mitgliedschaft im Hofstaat und die Ämterbekleidung als Kernelemente frühmoderner Hofhaltungen, die als Organisationen aufgefasst und mithilfe organisationssoziologischer Deutungskonzepte beschrieben werden müssten. 27 In dieser Kritik geht allerdings die politische Dimension des Begriffes "Point of Contact" verloren. Wenn Elton und Asch den Hof als "Point of Contact" beschreiben, so meinen sie damit nicht einfach einen Ort sozialer und politischer Interaktion unter vielen. Vielmehr dient ihnen der Begriff dazu, Zeiträume zu identifizieren, in denen der Hof das bedeutsamste und tendenziell einzige Zentrum monarchischer Herrschaft war, an dem sich politische Kommunikation, Integration und Entscheidungsfindung ebenso wesentlich abspielten wie das gesellschaftliche Leben der Oberschicht insgesamt. Wer dieses Zentrum mied, so die sich daraus ergebende Konsequenz, verzichtete auf eine politische Existenz und nahm dabei in Kauf, dass er dem Kreis der sichtbaren und als solche wahrgenommenen Elite des Landes nicht zugerechnet wurde. Eine solch herausgehobene Funktion erfüllte fürstliche Hofhaltung nur zu bestimmten Zeiten und unter bestimmten Rahmenbedingungen. Ohne diese Funktion indes – soweit dürfte auch Hengerer zustimmen – war auch die Mitgliedschaft in der Organisation des Hofstaates politisch von untergeordneter Bedeutung.

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    Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb der Hof auch weiterhin besser als "Point of Contact" denn als formale Organisation beschrieben werden sollte. Dies wird insbesondere anhand der enormen politischen Reichweite deutlich, die eine Veränderung königlicher Gunstzuteilung haben konnte, auch wenn auf der Ebene formaler Regelungen und institutioneller Normen alles beim Alten blieb. Die besondere Konjunktur prominenter und einflussreicher Favoriten im 17. Jahrhundert zeigt den Stellenwert persönlicher Gunst besonders deutlich. 28 Sofern in Monarchien über Politik größtenteils und weitgehend konkurrenzlos am Königshof entschieden wurde, waren auch die Einflussmöglichkeiten für Günstlinge tendenziell unbegrenzt, sofern und solange sie die Rückendeckung des Monarchen besaßen. Die Monopolisierung der Schnittstelle zwischen dem König einerseits und der Hofgesellschaft und den politischen Ratsgremien andererseits hatte insbesondere dann weitreichende Folgen, wenn keine politischen Kommunikationswege jenseits des Hofes existierten und daher potenziell jegliche Entscheidungsfindung von der Existenz eines Favoriten tangiert war. Nicht jeder Günstling entsprach daher dem Typus des Favoriten, so wie nicht jede Residenz und jeder Hofstaat das Vorhandensein eines Hofes als exponiertem "Point of Contact" bezeugt. 29

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    Dabei haben Untersuchungen zu prominenten Favoriten an europäischen Königshäusern hinreichend deutlich gemacht, dass ihr großer Einfluss keineswegs aus den von ihnen bekleideten Ämtern allein resultierte. Vielmehr zogen sie ihren Nutzen insbesondere daraus, dass sie infolge eines affektiven Nahverhältnisses die Kommunikationswege zum Monarchen – oft jenseits formal festgeschriebener Verfahrensregeln politischer Entscheidungsfindung – in ihren Händen hielten. Dabei konnte ihr Einfluss auch und gerade deswegen tendenziell unbegrenzt wachsen, da am Hof letztlich der persönliche Kontakt dem Schriftverkehr überlegen war und direkte Interaktion formale Verfahrensregeln und Kompetenzgrenzen außer Kraft setzen konnte. Die Favoriten waren daher nur die bis zum Extremfall gesteigerte Form typisch höfischer Kommunikation und Interaktion. 30

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    Sofern man den Hof im Wesentlichen als Organisation zu umschreiben sucht, droht ein weiterer zentraler Aspekt aus dem Blick zu geraten: die Repräsentation des höfischen Monarchen, die Schauseite des Hofgeschehens. Damit sich ein fürstlicher Haushalt zum Zentrum des politischen, sozialen und kulturellen Lebens entwickeln konnte, bedurfte es enormer Investitionen in weithin wahrnehmbare Glanzpunkte, die die Aufmerksamkeit des Adels auf sich zogen und das Interesse entfachten, persönlich dabei zu sein. Die Entwicklung des Fürstenhofes zu einem herausgehobenen "Point of Contact" war also kein rein politisch-technischer Vorgang, der die Bündelung materieller Ressourcen sowie die Ausschaltung potenzieller Rivalen und alternativer Formen politischer Kommunikation erforderte. Es bedurfte zusätzlich der Attraktion sichtbarer "solenner" Ereignisse, 31 damit der Hof als alles dominierendes Zentrum wahrgenommen wurde. Die Etablierung des Hofes als "Point of Contact" geht daher geradezu zwingend einher mit einer Semantisierung des Hofes, der Inszenierung dieser Institution als Ort der Begegnung, als Maßstab des sozialen Lebens, als Zentrum der vornehmen Welt et cetera. 32 In England haben sich sowohl Heinrich VIII. als auch Elisabeth I., Jakob I. und Karl I. sowie später Karl II. auf jeweils unterschiedliche Weise darum bemüht, den Königshof als gesellschaftlichen Mittelpunkt erscheinen zu lassen. 33 Hierzu war ein glanzvoller Rahmen von Nöten, der sich in repräsentativen Bauten niederschlug, ebenso ein Festkalender mit regelmäßigen Hofereignissen, die die Bedeutung des fürstlichen Haushalts bezeugten: Turniere, Theater- und Opernaufführungen waren dabei in England die bevorzugten Mittel höfischer Glanzentfaltung, Bilder und Statuen, Druckwerke, Medaillen und Münzen dienten der weiteren Verbreitung. 34

    Der Zugang zum Herrscher

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    Zumindest im Falle des Hofes als politisch bedeutsamem "Point of Contact" kam dem Zugang zum Herrscher größte Bedeutung zu. Carl Schmitt hat dies mit Blick auf das 20. Jahrhundert in geradezu klassischer Manier auf den Punkt gebracht: "Je mehr die Macht sich an einer bestimmten Stelle, bei einem bestimmten Menschen oder einer Gruppe von Menschen wie in einer Spitze konzentriert, um so mehr verschärft sich das Problem des Korridors und die Frage des Zugangs zur Spitze". 35 Der englische Königshof ist dabei denjenigen Höfen in Europa zuzurechnen, an denen die zeremoniellen Normen dem Ideal einer Distanzierung des Herrschers vom Hofstaat verpflichtet waren. Dies spricht beispielsweise aus Bischof Godfrey Goodmans Aussage über den Hof Jakobs I.: "No King in Christendom did observe such state and carried such distance from the subjects as the kings and queens of England". 36 Goodman charakterisierte mit dieser Aussage nicht nur den Königshof des ersten Stuart, sondern jenen der englischen Könige insgesamt. Man mag dabei den Superlativ bezweifeln und auf vergleichbare Verhältnisse der habsburgischen Höfe in Madrid und Wien sowie der zahlreichen Höfe im Alten Reich verweisen, in denen der Zugang zum Herrscher wie am Kaiserhof geregelt war. 37 Unbeschadet solcher Differenzierungen ist sicher richtig, dass am englischen Königshof der regelmäßige persönliche Kontakt zum Herrscher auf eine überschaubare Gruppe von Personen beschränkt war, die qua Amt zur königlichen Reservatszone Zugang hatten.

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    Wichtige Weichenstellungen für die Separierung des Königs vom Gros seines Hofstaates wurden bereits zu Beginn der Tudorherrschaft unter Heinrich VII. und Heinrich VIII. getroffen. Dabei war insbesondere die Etablierung der Privy Chamber des Königs von großer Bedeutung. Zu ihr hatten nicht alle Mitglieder des Hofstaates Zugang, sondern ausschließlich die Members of the Privy Chamber, also eine handverlesene Gruppe von Kammerdienern (Grooms) und Kammerherren (Gentlemen of the Privy Chamber) mit einem eigens für diesen Personenkreis geschaffenen Führungs- und Aufsichtsamt, dem Groom of the Stool. 38 Der Hofstaat teilte sich damit in eine große Zahl von Mitgliedern, die den König nur bei formell geregelten Anlässen zu Gesicht bekamen, und eine kleine exklusive Gruppe von Amtsträgern, die darüber hinaus in den speziellen Gemächern des Königs an ihn herantreten konnten. 39 Diese Zweiteilung blieb während der gesamten Tudor- und Stuartzeit bis zu Karl I. bestehen und schuf eine deutlich wahrnehmbare Distanz zwischen dem Herrscher und seinem Hofstaat. Der Hof als "Point of Contact" privilegierte all diejenigen Hofmitglieder, die ein Zugangsrecht zur Privy Chamber für sich in Anspruch nehmen konnten und damit die Chance erhielten, wiederholt mit dem Herrscher in persönlichen Kontakt zu treten. David Starkey bringt diesen Sachverhalt mit den Worten auf den Punkt: "The history of the court is the history of those who enjoyed that access". 40

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    Eine weitere Differenzierung innerhalb des innersten Kreises der Hofgesellschaft ereignete sich dann als Folge der Thronbesteigung Jakobs I. 1603. In schottischer Tradition etablierte er in seiner neuen Residenz die Bed Chamber als innersten Bereich des Herrschers. 41 An diesem Import lassen sich geradezu idealtypisch Akkulturationsphänomene veranschaulichen. So war die Bed Chamber in der Residenz in Edinburgh sowie den weiteren Königsschlössern das innerste Gemach des Königs. Zugleich praktizierte man in Schottland ein Zeremoniell, das dem französischen Vorbild stark verpflichtet war, der König war daher den Großen des Landes zugänglich, auch seine innersten Gemächer standen einem weiten Personenkreis offen, eine Reservatszone zum Rückzug aus der höfischen Öffentlichkeit war nicht vorgesehen. 42 Der mangelhafte Schutz des Königs durch seine Leibgarde mochte den Zugang zum Monarchen ebenfalls erleichtert haben, wie die mehrfach unternommenen Überfälle des schottischen Magnaten Earl of Bothwell auf Residenzen des Königs verdeutlichen, bei denen er mehr als einmal bis ins königliche Schlafzimmer vordrang. 43

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    Nicht nur in dieser Hinsicht gestalteten sich die Verhältnisse in England grundsätzlich anders. Die Besteigung des englischen Throns durch einen ursprünglich schottischen Monarchen und der Residenzenwechsel von Edinburgh nach London hatte am englischen Königshof zwar die Errichtung einer Bed Chamber zur Folge. Das Prinzip der Distanzierung des Herrschers von der Öffentlichkeit, auch derjenigen des Hofes, blieb jedoch bestehen. Auf diese Weise führte die Einrichtung der Bed Chamber nicht zu einer Übernahme des schottischen Hofzeremoniells mit seiner französisch ausgerichteten Kultur der Offenheit, sondern bewirkte ganz im Gegensatz dazu zumindest im Regelwerk der Raumfolge eine noch rigorosere Abschottung des Monarchen: Auf die Privy Chamber folgte mit der Bed Chamber noch eine weitere Reservatszone. 44 Diese umfasste nicht nur das königliche Schlafzimmer, sondern auch eine weitere Gruppe von Räumen, die Privy Lodgings, in denen sich der König bevorzugt aufhielt: die Privy Gallery sowie die beiden Withdrawing Rooms. 45 Zu dieser Reservatszone hatten wiederum nur eigens ernannte Mitglieder der Bed Chamber Zutritt, mit tiefgreifenden Folgen für die Interaktionsmöglichkeiten des engeren Hofstaats. Zu Beginn seiner Herrschaft in England vergab Jakob I. dieses Amt ausschließlich an Schotten! 46 Unter ihm mochten jene Beschränkungen des Zugangs zum Herrscher dadurch abgemildert worden sein, dass er gerade gegen Ende seiner Regierungszeit nicht streng auf die Einhaltung der Schranken zwischen Privy Chamber und Bed Chamber achtete. 47 Karl I. hingegen machte es sich zur Aufgabe, auch in dieser Hinsicht auf die Einhaltung der etablierten Ordnung zu bestehen und damit die Distanzierung des Monarchen auf die Spitze zu treiben. 48

    Abb. 1: Planschema der königlichen Appartements in Whitehall unter Jakob I.
    A: Hall; B: Chapel; C: Guard Chamber; E: Closet (Privatkapelle); F: Privy Chamber; G: PrivyGallery; H: Withdrawing Room; I: Lesser Withdrawing Room; J: Bedchamber; K: Council Chamber

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    Die Struktur von zwei hintereinander gekoppelten Reservatszonen mit steigender Exklusivität blieb dann bis 1661 im Wesentlichen unangetastet. Erst Karl II. öffnete die Privy Chamber in den ersten 13 Jahren seiner Regierungszeit allen adligen Hofbesuchern und behielt nur die Exklusivität der Bed Chamber bei. 49 Im 18. Jahrhundert sollte die Privy Chamber für ein noch weiteres Publikum geöffnet werden und letztlich allen Besuchern, die sich wie Gentlemen kleideten und als solche wahrgenommen wurden, offenstehen. 50 Die Bed Chamber blieb hingegen eine abgetrennte Reservatszone, zu der nur die hier als Kämmerer angestellten Amtsträger Zugang hatten. Trotz der hier kurz skizzierten Änderungen bleibt jedoch der Gesamteindruck bestehen: Die zeremoniellen Normen, die den Zugang zum Herrscher und mögliche Kontaktzonen zwischen dem König und bestimmten Kreisen der Hofgesellschaft regelten, erwiesen sich als von langer Dauer. Die grundsätzliche Stoßrichtung ging stets dahin, eine nur wenigen, ausgesuchten Amtsträgern zugängliche Reservatszone für den König zu schaffen und damit eine Distanzierung des Monarchen von Land und Hofstaat zu bewirken. 51

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    Auch die räumliche Struktur, in der sich der Zugang zum König vollzog, stammte aus der Tudorzeit. Seit 1530 war Whitehall der wichtigste Herrschaftssitz der englischen Könige in London und das Zentrum der Herrschaftsgewalt. 52 Und der innerste Bereich, das heißt die königlichen Gemächer im engeren Sinne, blieb unangetastet bis ins späte 17. Jahrhundert. Zwar mochte Whitehall den Besuchern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wie ein unansehnliches, verschachteltes und mit unterschiedlichen Gebäudeteilen verschiedener Stilrichtungen zugestelltes Monstrum vorgekommen sein. 53 Im Zentrum dieses Gebäudekonglomerats änderte sich jedoch zumindest wenig an der Raumfolge und damit auch wenig an der räumlichen Kulisse des Zugangs zum Herrscher.

    Abb. 2: Der Gesamtplan von Whitehall um 1670

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    Es ist allerdings bemerkenswert, dass die durch die zeremoniellen Regelung des Zugangs zum König erzwungene Distanzierung des Herrschers von seinem Hofstaat keineswegs immer mit der Selbstdarstellung des Königs und der täglich gelebten Praxis übereinstimmte. Zwar blieb bei allen Nachfolgern Heinrichs VII. die Exklusivität der königlichen Reservatsräume de jure unangetastet; und die Einführung einer Bed Chamber unter Jakob I. hatte den Zugang zum König weiter verschärft. Gleichwohl macht David Starkey, einer der intimsten Kenner des englischen Hofes der Tudorzeit, zu Recht zwei Formen der Königsherrschaft aus. Er unterscheidet zwischen einer Politik der Distanzierung und der betonten Familiarität. 54 Diese beiden Politikstile wechselten sich im Verlauf von 150 Jahren in erstaunlicher Regelmäßigkeit bei jedem Herrscherwechsel ab: Auf den distanzierten Heinrich VII. folgte der joviale Heinrich VIII., auf die dem Hof weitgehend entrückte Elisabeth I. folgte mit Jakob I. ein König, der vor sichtbaren Zeichen äußerster Intimität gegenüber manchen seiner Höflinge nicht zurückschreckte, woraufhin Karl I. wieder einen Stil äußerster Zurückgezogenheit pflegte, während sich sein Sohn Karl II. nach dem Regiment Oliver Cromwells einer "politic[s] of open access" befleißigte. 55

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    Im Falle von Heinrich VIII., Jakob I. und Karl II. hat es den Anschein, als ob zwischen der Absicht des Königs, die Familiarität mit seiner Umgebung hervorzuheben, und den vom Zeremoniell gesetzten Normen ein Widerspruch bestand. Zwar waren auch unter diesen Herrschern die zeremoniellen Normen nicht suspendiert worden. Im Gegenteil: Unter Heinrich VIII. und Jakob I. wurden ja gerade die strikten Zugangsregelungen erlassen. Die Botschaft an die Beobachter wie an die Mitglieder des Hofes war jedoch eine andere. Das Verhältnis zwischen den zeremoniellen Normen der Distanzierung des Königs von seiner persönlichen Umgebung und der Inszenierung persönlicher Nähe und Intimität gestaltete sich auf zweierlei Art und Weise.

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    Zum einen vollzog sich die Inszenierung der Intimität insbesondere in der vom Zeremoniell des übrigen Hofstaats abgetrennten Reservatszone, das heißt in den Gemächern, die zunächst zur Privy Chamber und später dann zur Bed Chamber gerechnet wurden. Hier kam es unter Heinrich VIII. zu offenen Nähebekundungen an "Freunde" des Königs. 56 Unter Jakob I. galt dies für einzelne Favoriten wie Robert Carr, den späteren Earl of Somerset, oder für George Villiers, den späteren Lord of Buckingham. Beider Karriere nahm ihren Ausgang von der Kämmererposition in der Bed Chamber, die ihnen die notwendige Nähe zum Monarchen verschaffte. 57 Die Inszenierung von Familiarität und des offenen Zugangs zum Herrscher mochte daher der im Zeremoniell konservierten Botschaft der Distanzierung des Herrschers zuwiderlaufen. Gleichwohl vollzog sich die von einzelnen Königen gezielt eingesetzte Politik der sichtbaren Nähe im Wesentlichen innerhalb der von den zeremoniellen Normen gesetzten Grenzen zur Regelung des Zugangs zum Herrscher.

    <31>

    Zum anderen konnten einzelne Herrscher gegenüber den zeremoniellen Normen auch ein gewisses Laissez Fair an den Tag legen. So schien Jakob I. im Verlauf seiner Herrschaft dazu übergegangen zu sein, seinerseits die Reservatszone der Bed Chamber sowie der dazugehörigen Privy Lodgings öfter zu verlassen als im ersten Jahrzehnt seiner Regierung und beispielsweise seine Mahlzeiten in der Privy Chamber einzunehmen. Dies öffnete den Kreis der Anwesenden zumindest ein wenig. 58 Ferner boten diese Mahlzeiten dem König die Gelegenheit, sich gegenüber seinen Tischgenossen zwanglos zu benehmen, allerdings nicht immer nur zu deren ungeteilter Freude. 59 Zwar gehen in der Forschung die Meinungen darüber auseinander, in welchem Ausmaß Jakob I. sich darüber hinaus über die im Zeremoniell festgeschriebenen Formen des Umgangs hinwegsetzte. 60 Doch gibt es zahlreiche Stimmen von Zeitgenossen, die sich über die mangelnde Regelkonformität beim Zugang zum Herrscher auslassen. 61 Jedoch ist nicht immer klar zu trennen, ob sich die Beschwerden über die Formlosigkeit des Königs gegen eine Missachtung zeremonieller Normen im engeren Sinne richteten oder aber Verstöße gegen die Gepflogenheiten höflichen Verhaltens und des respektvollen Umgangs mit Untergebenen und Hofbesuchern beklagt wurden. Die Vertraulichkeit des persönlichen Umgangs hatte jedenfalls für zahlreiche Hofbesucher eine wenig angenehme Kehrseite, die als Respektlosigkeit des Königs gegenüber seiner Umgebung wahrgenommen wurde und sein Bild ebenso prägte wie dasjenige seines Hofes generell. Die nachteiligen Auswirkungen jener inszenierten Zugänglichkeit und Intimität äußerten sich im Vorwurf unlauterer Mauscheleien und der Korruption, von den homoerotischen Neigungen des Königs ganz zu schweigen. 62

    <32>

    Es lässt sich darüber streiten, ob die von Jakob I. praktizierte Formlosigkeit im Auftreten gegenüber seiner Umgebung Teil einer bewussten Selbstdarstellung war oder eher ein Defizit an einem dem Herrscheramt angemessenen Verhalten offenbart. Bei seinem Enkel Karl II. hingegen scheint es offensichtlich Teil seiner politischen Strategie gewesen zu sein, sich als zugänglicher, volksnaher Herrscher zu inszenieren. 63 Offenbar war er von Beginn seiner Herrschaft an bemüht, ein anderes Bild von sich und dem Königsamt zu entwerfen als Karl I., dessen Tod auf dem Schafott seinem Sohn und Nachfolger als Menetekel immer vor Augen stand. Seine im Exil erworbene Kenntnis des französischen Hofes mochte ein weiterer Grund dafür gewesen sein, dass sich der König nach seiner Rückkehr nach England zu einer Demonstration der Offenheit entschloss.

    <33>

    Karl II. nutzte mehrere Mittel zugleich, um sich zugänglich zu zeigen. Er modifizierte auf maßvolle Weise das Zeremoniell des Zugangs zum Herrscher, indem er die Privy Chamber einem weiteren Personenkreis öffnete. Und er nutzte daneben auch die bestehenden Feiräume, die eine Umgehung der strikten Normen des Zugangs ermöglichten. So kursierten unmittelbar nach seiner Thronbesteigung in England ungleich mehr Schlüssel zu seinen Privaträumen in der Residenz, als es Personen mit formalem Zutrittsrecht gab. 64 Damit blieben die Zugangsnormen zwar de jure in Kraft, verloren aber de facto ihre einschränkende Wirkung. Die Folgen waren derart, dass sich der König bereits 1663 nur noch dadurch zu helfen wusste, dass er die Bed Chamber in einen anderen Gebäudetrakt verlegen ließ. 65 In späteren Regierungsjahren hielt sich Karl II. ferner zeitweise in Newmarket auf, einem Jagdschloss, das aufgrund seiner räumlichen Verhältnisse nicht die Funktion einer Residenz erfüllen konnte, sich aber gerade dadurch um so besser dafür eignete, die Restriktionen der offiziellen Raumfolge zu umgehen und einem bestimmten Besucherkreis offenen Zugang zum Herrscher zu ermöglichen. 66 All diese unterschiedlichen Strategien blieben allerdings kurzfristig angelegt und reagierten auf spezifische politische Konjunkturen von begrenzter Dauer, wie Brian Weiser eindrucksvoll nachgewiesen hat. Die "Politic[s] of open Access" war daher keine dauerhafte Strategie Karls II., sondern wurde insbesondere in bestimmten Krisenzeiten situativ eingesetzt, um die Popularität des Königs zu erhöhen.

    <34>

    Diese kursorischen Beobachtungen lassen zumindest einen vorsichtigen Schluss zu: Die am englischen Hof etablierten Normen und Strukturen mochten zwar das Repertoire der höfischen Zeichensprache beschränken und nur eine bestimmte Bandbreite politischer Botschaften zulassen. Bei aller Beharrungskraft waren sie aber keine hinreichende Bedingung für eine daraus gleichsam als zwangsläufige Folge abgeleitete Repräsentationspraxis der Monarchen. Wenn einzelne Herrscher sich auf jeweils individuelle Art und Weise des Hofes bedienten, um politische Botschaften zu kommunizieren, so war ihre Hofpolitik nicht die bloße Fortsetzung dynastischer Traditionen oder eine aus den etablierten Strukturen abzuleitende Größe, sondern die Folge einer jeweils bestimmten politischen Strategie, die es zu erkennen und zu deuten gilt. Und diese Beobachtung dürfte nicht nur für den englischen Königshof zutreffen, sondern ein allgemeines Strukturphänomen frühmoderner Hofhaltung zu Tage fördern. Nicht allein die durch Herkommen und schriftlich fixierte Normen etablierten Strukturen definierten das Erscheinungsbild des Hofes. Darüber hinaus waren es der Umgang der einzelnen Fürsten mit diesen Strukturen, die fallweise vollzogene Semantisierung dieser Strukturen oder aber die Zuhilfenahme gegenteiliger Inszenierungen, die gleichsam die Wahrnehmung des Hofes in der Öffentlichkeit bestimmten. Dabei waren Inszenierungen im Gegensatz zu längst etablierten Strukturen des Hoflebens kurzzeitig aktivierbar und flexibel auf bestimmte Adressatenkreise abgestimmt einsetzbar. Ob die dabei intendierten Botschaften schließlich in der Öffentlichkeit als solche wahrgenommen und sinngemäß verstanden wurden, steht auf einem anderen Blatt.

    Die Ämterstruktur des Hofstaats und Verfahren politischer Entscheidungsfindung

    <35>

    Blickt man auf die Ämterstruktur und die Ämtervergabepraxis am englischen Königshof, scheinen sich die bislang gemachten Beobachtungen über das Verhältnis von Struktur und Praxis zu bestätigen. Die wichtigsten Ämter und Beratungsgremien gehen beinahe allesamt mindestens bis auf die Regierungszeit Heinrichs VIII. zurück. Die beiden obersten Hofämter lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen: der Lord Steward, der dem Hofstaat und Hofgesinde vorstand und insbesondere die Küche und die allgemein zugänglichen Areale des Hofes, vor allem die Hall, zu beaufsichtigen hatte, sowie der Lord Chamberlain, der für die korrekte Einhaltung des Zeremoniells sowie für die königlichen Gemächer zuständig war. Da sich unter Heinrich VII. und Heinrich VIII. die Privy Chamber als neue Reservatszone des Königs und als informelles Herrschaftszentrum auszubilden begann, kamen hier weitere einflussreiche Ämter hinzu: die Gentlemen of the Privy Chamber, die der Aufsicht eines Groom of the Stool unterstanden, dessen ursprüngliche Amtsfunktion noch darin bestand, am Morgen den Nachttopf des Königs zu leeren und zu säubern. 67 Dies wiederholte sich unter Jakob I., dessen Kreation einer Bed Chamber auch die Bestallung von Gentlemen of the Bed Chamber mit sich brachte, die ebenfalls der Aufsicht eines Groom of the Stool unterstellt waren. 68 Diese Struktur des Hofes lag unverändert auch noch dem Hofstaat Georgs I. zugrunde. Allein die Anzahl der Hofmitglieder hatte sich im Vergleich zur Stuartzeit deutlich verringert. 69

    <36>

    Zugleich etablierte sich unter Heinrich VIII. auch der Privy Council, also der Geheime Rat, in einer Gestalt, die dann die folgenden 150 Jahre Bestand haben sollte: in einer Doppelfunktion als wichtigstem politischen Beratungsgremium des Königs einerseits und als oberstes Königsgericht mit dem Namen Star Chamber andererseits. 70 Der Bedeutungszuwachs dieses Gremiums in den späten 1530er Jahren unter dem Einfluss des Secretary of State Thomas Cromwell sowie die weitere Festigung dieses Beratungsgremiums nach dem Sturz Cromwells veranlasste Geoffrey Elton, von einer "Tudor Revolution in Government" zu sprechen, da mit der Etablierung des Privy Council als wichtigstem politischen Beratungsorgan die Bereiche Hof und Regierung, Höfling und Ratgeber klar voneinander getrennt worden seien. 71 Dieser vermeintliche Modernisierungsschub in der englischen Politik erweist sich jedoch bei näherem Hinsehen weitgehend als eine Fata Morgana der Institutionengeschichte, wie David Starkey zu Recht betont hat. 72 Mehr als die Hälfte der wichtigsten Minister oder Favoriten von Heinrich VIII. bis zu Karl I. starteten ihre Karriere in der Privy Chamber oder der Bed Chamber. Viele Mitglieder des Geheimen Rats hatten zugleich auch Ämter in der Reservatszone des Königs inne. Und die entscheidende Ressource war für die Berater ebenso wie für die Höflinge die Gunst des Königs. Hof und Regierung sind trotz unterschiedlicher Ämter bis zum Ende der Stuartherrschaft nicht voneinander zu trennen: der Königshof war Zentrum von Haushalt und Regierung zugleich. 73

    <37>

    Inwiefern sich die Könige darum bemühten, politische Angelegenheiten auf den Privy Council zu konzentrieren und aus der Sphäre der königlichen Kammer zu verbannen, war daher keine Frage der etablierten Ämterstruktur und der vorhandenen politischen Institutionen, sondern eine Frage des persönlichen Regierungsstils jedes einzelnen Herrschers. Als sich nach Thomas Cromwells Sturz im Jahre 1540 der Privy Council als oberstes politisches Beratungsgremium Heinrichs VIII. zu etablieren begann, entwickelte er sich für den Rest seiner Regierungszeit zum zentralen Ort, an dem die Peerage an den politischen Entscheidungen teilhaben konnte. Diese Abkehr vom Prinzip des stellvertretenden politischen Regiments einzelner Vertrauter wie Kardinal Woolsey und Thomas Cromwell mochte auch eine späte Antwort auf die Unzufriedenheit des englischen Adels gewesen sein, der sich am Hof durch rangniedrige Vertraute des Königs von der Teilhabe am politischen Entscheidungsprozess ausgeschlossen sah. Diese Beschwerde war insbesondere im Zusammenhang mit dem Aufstand der Pilgrimage of Grace gegen die forcierte Reformationspolitik unter Cromwell laut geworden. 74 Heinrich änderte zwar nicht die Zusammensetzung seines Hofstaates, schuf aber mit dem Privy Council einen neuen Ort politischer Beratung und Entscheidungsfindung, an dem nun auch der Adel des Landes seinen Platz zugewiesen bekam. Während sich unter den 18 Gentlemen, die Heinrich als Kammerherren dienten, nur ein Mitglied der Peerage befand, so waren es bei den Mitgliedern des Privy Council mehr als die Hälfte. Dass es sich bei diesem Gremium gleichwohl nicht um eine Alternative zum Hof handelte, sondern der Privy Council vielmehr in den Hof integriert worden war, macht bereits seine neue Unterbringung deutlich. Der Rat tagte in unmittelbarer Nähe zu den königlichen Appartements; in Whitehall gegenüber dem königlichen Schlafzimmer.

    <38>

    Für die Herrschaft Heinrichs VIII. bedeutete die Errichtung des Privy Council zweifelsohne eine Neujustierung des politischen Entscheidungsprozesses bzw. eine Änderung seines Regierungsstils. Doch ergab sich daraus kein Automatismus, der die politische Einflussnahme auch für die Zukunft in diesem Gremium konzentriert hätte. Vielmehr war es weiterhin vom Regierungsstil des jeweiligen Herrschers abhängig, in welchem Maße er seinem Geheimen Rat allein politische Einflussnahme zugestand oder er diesbezüglich auch seiner persönlichen Umgebung am Hof vertraute. Der Regierungsstil blieb jedoch weitaus stärker dem Wandel unterworfen als die Ämter und Institutionen von Hof und Regierung, die in den kommenden 150 Jahren keine wesentlichen Änderungen mehr erfahren sollten. Gerade ein Blick auf die Unterschiede im Regierungsstil Elisabeths I., Jakobs I. und Karls I. kann dies verdeutlichen.

    <39>

    Elisabeth I. personifizierte mit ihrem Regiment geradezu idealtypisch die Trennung der höfischen von der politischen Sphäre. Institutionell ergaben sich keine wesentlichen Änderungen, von der Nichtbekleidung des Amtes eines Groom of the Stool einmal abgesehen. 75 Allerdings brachte allein die Tatsache, dass mit Elisabeth I. nach Maria Tudor wiederum eine Frau auf dem Königsthron saß, gravierende Änderungen bei der Besetzung der Ämter mit sich. Ihre persönliche Umgebung in der Privy Chamber setzte sich wie bereits bei ihrer Vorgängerin ausschließlich aus Frauen zusammen. Während jedoch circa ein Drittel der Räte Marias im Amt blieben, tauschte Elisabeth I. den engeren Hofstaat fast vollständig aus. 76 Neben engen Vertrauenspersonen, die im besoldeten Dienst standen, fanden ferner vor allem Ehefrauen und Verwandte ranghoher Amtsträger als unbezahlte Members of the Privy Chamber Zugang zum Hof. 77 Gleichwohl ist nicht verbürgt, dass sich daraus bedeutsame Einflusskanäle ergeben hätten. 78 Die anderen leitenden Hofämter blieben entweder unbesetzt, oder ihre Inhaber blieben vom Privy Council ausgeschlossen. Davon ausgenommen blieb lediglich Robert Dudley, Earl of Leicester, der als Master of the Horse gleichwohl dem Geheimen Rat angehörte. 79 Der Einfluss des Hofes auf die Politik sank in den kommenden Jahrzehnten generell. Der Kampf um die politische Meinungsbildung wurde fortan im Wesentlichen im Privy Council geführt. 80 Die Fraktionskämpfe, zum Beispiel zwischen Dudley und William Cecil, hatten jedoch keine direkte Rückwirkung auf die Zusammensetzung der Privy Chamber. Der Hof erwies sich vielmehr als eine wirkungsvolle Trennlinie, hinter der sich die Königin dem Einfluss ihrer Räte in bestimmten Situationen entziehen konnte. 81

    <40>

    Im Laufe der Herrschaft Jakobs I. sollte sich die politische Kommunikation am Hof deutlich verändern. Der Privy Council blieb bestehen, und auch die Person des Secretary of State, Robert Cecil, Earl of Salisbury, behielt ihre leitende Stellung und stand für politische Kontinuität. 82 Allerdings zog die Tatsache, dass niemand sich so nahe beim König aufhielt wie die Gentlemen of the Bed Chamber, schon bald auch politische Konsequenzen nach sich. So verfügten ab 1610 mit Robert Carr, Earl of Somerset, und Georg Villiers, Duke of Buckingham, zwei Personen hintereinander als Favoriten des Königs über mitunter bestimmenden Einfluss auf die Politik. Beider Karriere nahm wiederum ihren Anfang in der Bed Chamber des Königs. 83 Hier gewannen sie die Gunst des Monarchen, und diese ermöglichte ihnen anschließend eine politische Einflussnahme, die weit über die von ihnen bekleideten Ämter hinausging. Der Privy Council blieb zwar weiterhin das oberste politische Beratungsorgan des Königs. Die wichtigsten Amtsträger bedienten sich bei der politischen Entscheidungsfindung jedoch nicht selten alternativer Wege der Kommunikation und warben um die Zustimmung des Favoriten, um auf diese Weise ihren Einfluss geltend zu machen. 84 Waren sie dabei nicht erfolgreich, blieb ihnen nur der Weg ins gegnerische Lager sowie die Mitwirkung an Versuchen, den Favoriten zu stürzen. 85

    <41>

    Es gelang Buckingham, den Herrschaftswechsel von Jakob I. zu Karl I. unbeschadet zu überstehen und bis 1628 die Politik in England maßgeblich zu bestimmen. Erst seine Ermordung setzte der Existenz eines Favoriten am Hof ein Ende. Gleichwohl hatte Karl I. bei seinem Herrschaftsantritt nichts unternommen, um Buckinghams Gunst institutionell zu verankern. Er blieb Master of the Horse und Lord Admiral, womit er sowohl am Hof als auch im Privy Council über eine gewichtige Stimme verfügte. In der Bed Chamber hatte er jedoch keinerlei Führungsposition. Er bekam weder das Amt des Groom of the Stool noch dasjenige des First Gentlemen of the Bed Chamber zugeteilt. 86 Allein die Gunst des Königs bescherte ihm drei weitere Jahre politischer Dominanz. 87 Nach Buckinghams Tod schien Karl I. allerdings wenig Absicht zu hegen, weiterhin seine Gunst in politischen Einfluss münden zu lassen. Dies ließ den Einfluss des Hofes auf die politische Entscheidungsfindung wieder schwinden und verschaffte dem Privy Council als Beratungsorgan neue Konjunktur. Für Kevin Sharpe war die Trennung von Gunst und Einfluss in der Zeit der 'Personal Rule' Karls I. geradezu ein Markenzeichen seiner Regierung. 88 Auch darin ähnelte sein Regierungsstil mehr demjenigen Elisabeths I. als dem seines Vaters Jakobs I., wie ja überhaupt der Rückbezug auf unter Heinrich VIII. und Elisabeth I. etablierte Normen und Regelungen für Karl I. einen Wert an sich darstellte, bei der Organisation des Königshofes ebenso wie in anderen Politikfeldern auch. 89

    <42>

    Während sich für Elisabeth I. und auch für Karl I. konstatieren lässt, dass sie den Privy Council stets als wichtigstes Beratungsgremium ernst nahmen und höfische Einflussnahme zurückzudrängen suchten, gestaltete sich die Situation unter Jakob I. gegenteilig. Zwar blieben die etablierten Ämter und die damit einhergehenden politischen Institutionen und Abläufe in dieser Zeit weitgehend unverändert, was auf eine große Beharrungskraft einmal etablierter Strukturen hindeutet. Damit sind allerdings noch keine Erkenntnisse über die Art der Königsherrschaft im Einzelnen gewonnen. Die Institutionen und Ämter wurden in der Regel nicht abgeschafft, meist nicht einmal modifiziert und an die veränderten Umstände angepasst, sie kamen allerdings nicht immer in gleicher Weise zum tragen. Der Privy Council blieb über all die Jahre bestehen, in denen sich die Entscheidungsgewalt in erster Linie auf die Favoriten des Königs und ihre Klienten konzentrierte, und tagte in stets gleichbleibender Frequenz. Der institutionengeschichtliche Zugang zum Hof vermag über die Kommunikationswege und die Formen politischer Einflussnahme daher nur begrenzt Auskunft zu geben.

    Ein Blick von der Themse an die Spree

    <43>

    Die auf der allgemeinen Ebene fürstlicher Hofhaltung zur Interpretation des englischen Königshofs entwickelten Kategorien und Begriffe erlauben meines Erachtens auch zur Hofhaltung Friedrichs des Großen einige thesenhafte Überlegungen. Dies möchte ich skizzenhaft in vier Punkten darlegen.

    <44>

    1. Zunächst ist an den Beitrag von Thomas Biskup zum Hof Friedrichs des Großen nach dem Siebenjährigen Krieg zu erinnern, der auf die Fortexistenz und den Ausbau des preußischen Hofstaates in Berlin sowie weiterer Hofstaaten für die zahleichen Familienangehörigen verweist und daher zu Recht Thesen vom Ende des Hoflebens unter Friedrich dem Großen entgegentritt. Da es der König jedoch vorzog, sich in eigener Person fast vollständig der Figuration des Hofes zu entziehen und stattdessen in Potsdam eine separierte Zone des zurückgezogenen Königsregiments geschaffen hatte, konnte sich der preußische Hofstaat schon aus diesem Grund nie zu einem "Point of Contact" zwischen König und Adel entwickeln. Persönliche Interaktion zwischen König und Oberschicht fand am Hof Brandenburg-Preußens, von der Zeit des Karnevals einmal abgesehen, nicht statt. Im Sinne von Geoffrey Elton lässt sich daher trotz der beibehaltenen und ausgebauten Hofstaaten bilanzieren, dass es in Preußen unter Friedrich dem Großen keinen Hof im Sinne eines permanenten, politisch bedeutsamen "Point of Contact" gegeben hat. Vielmehr gilt es, nach alternativen Kontaktzonen Ausschau zu halten, in denen sich persönliche Interaktion zwischen König und Adel regelmäßig vollzog; so wie dies wohl etwa in Kriegszeiten innerhalb der Armee der Fall war.

    <45>

    2. Das Bild vom preußischen Hof wird sicherlich noch dadurch verkompliziert, dass es zwar keinen Hof im Sinne des "Point of Contact" gab, wohl aber eindrucksvolle Beispiele einer Semantisierung des Hofes. Thomas Biskup hat mit dem Reiterkarussell für Friedrichs Schwester Wilhelmine von Bayreuth (1750), dem Einzug der osmanischen Gesandtschaft (1763/64) und dem Besuch des russischen Thronfolgers (1776) mehrere solcher Beispiele vorgeführt. 90 Da dieser situativen Semantisierung jedoch keine kontinuierliche höfische Regierungspraxis entsprach, war auch ihr Zweck ein anderer als im Falle Englands, wo die Semantisierung des Hofes mit seiner Etablierung als "Point of Contact" einherging. Da jedoch in Preußen das Wissen um den Zusammenhang zwischen höfischer Prachtentfaltung und höfischem Regiment zweifelsohne vorhanden war, diente der Nachweis des Ersteren möglicherweise der Simulation des Letzteren. Die situative Demonstration höfischer Pracht war daher eine adressatengerechte Inszenierung, mithilfe derer ganz bestimmte Botschaften übermittelt wurden. Auf dieselbe Art und Weise dürfte wohl auch die Errichtung des Neuen Palais' zu deuten sein, die ebenfalls weniger funktionalen Erfordernissen geschuldet war als vielmehr einer bestimmten Inszenierungsabsicht. 91 In all diesen Fällen wäre der Inhalt der zu übermittelnden Botschaft sowie der potenzielle Adressatenkreis noch genauer zu bestimmen. Diese Inszenierungen höfischer Prachtentfaltung konkurrierten mit alternativen Formen der Selbstdarstellung, die zur Apotheose des Hoflebens nicht selten in Widerspruch standen: die philosophische Geselligkeit der Tafelrunde in Sanssouci, die demonstrative und generelle Verachtung des Hoflebens in zahlreichen Schriften und Briefen Friedrichs, das proklamierte Ideal ostentativer Sparsamkeit als Gegenentwurf zu höfischer Verschwendung et cetera. Diese vermeintlichen Widersprüche werden sich nur dann auflösen lassen, wenn man den einzelnen Inszenierungen eine überwiegend rhetorische Funktion zubilligt und sie jeweils spezifischen Adressatenkreisen zuschreibt. 92

    <46>

    3. Der kurze Blick auf den englischen Königshof hat ein bestimmtes Muster erkennen lassen, das sich vielleicht auch bei der Betrachtung des brandenburg-preußischen Hofes wiederfinden lässt. In England hatte der Regierungsstil der einzelnen Monarchen große Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des Hofes. Ungeachtet aller dynastischen Kontinuität war nicht die Anknüpfung an die Inszenierung des Vorgängers der Normalfall, sondern der Wille, mit einer Neuausrichtung der monarchischen Selbstdarstellung eigene Zeichen zu setzen. Selbst der ostentative Rückbezug Karls I. auf althergebrachte Normen und Vorbilder und die Anknüpfung an Bestimmungen Heinrichs VIII. und Elisabeths I. war gleichbedeutend mit einer demonstrativen Abgrenzung des neuen Königs vom Erscheinungsbild des Hofes seines verstorbenen Vaters Jakobs I. Auch während der Regierungszeit eines Herrschers war ein Wechsel des persönlichen Herrschaftsstils nichts Ungewöhnliches, wie insbesondere das Beispiel Heinrichs VIII. veranschaulicht.

    <47>

    4. Die regelmäßig erfolgende Neuausrichtung der höfischen Repräsentation führte gewiss nicht dazu, dass bei der Organisation des Hoflebens und der formalen Regelung der politischen Entscheidungsfindung unter jedem Monarchen das Rad neu erfunden worden wäre. Vielmehr blieben die etablierten Strukturen, das heißt also die Normen zur Regelung des Hoflebens und des Zugangs zum Herrscher sowie die etablierten Ämter und ihre Kompetenzbereiche, auch nach Herrscherwechseln in der Regel unangetastet bzw. wurden nur leicht modifiziert. Es war offensichtlich nicht notwendig, den institutionellen Rahmen des Hofes zu verändern, um ihm nach außen hin ein neues Gesicht zu verleihen und mit eigenen Akzenten neue politische Botschaften auszusenden. Dabei konnte es durchaus vorkommen, dass Struktur und Inszenierung unterschiedliche Botschaften für die Beobachter enthielten, zum Beispiel die restriktive Regelung des Zugangs zum Herrscher mit einer Zurschaustellung der Offenheit und Zugänglichkeit des Monarchen im Widerspruch stand. Solcherlei Inkonsistenzen waren für das Erscheinungsbild frühneuzeitlicher Fürstenhöfe offenbar durchaus nicht ungewöhnlich.

    <48>

    Auch für den Hof Friedrichs des Großen stellt sich die Frage, inwiefern sich dessen spezifische Ausprägung tiefen Eingriffen in die bestehende Struktur des Hoflebens seiner Vorgänger verdankt oder aber eher als Wechsel des persönlichen Regierungsstils sowie der damit einhergehenden Selbstdarstellung beschrieben werden muss. Der Vergleich mit dem englischen Königshof der Tudors und Stuarts ließe letzteres erwarten. Eine Antwort auf diese Frage dürfte daher auch eine analytische Einordnung des preußischen Königshofs Friedrichs des Großen in die europäische Residenzenlandschaft erleichtern.

    Autor:

    Dr. Andreas Pečar
    Universität Rostock
    Philosophische Fakultät
    Historisches Institut
    August-Bebel-Str. 28
    18051 Rostock
    andreas.pecar@uni-rostock.de

    1 Als besonders gelungen kann in dieser Hinsicht Winterlings Skizze gelten: Aloys Winterling: "Hof". Versuch einer idealtypischen Bestimmung anhand der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte, in: ders. (Hg.): Zwischen "Haus" und "Staat". Antike Höfe im Vergleich (= Historische Zeitschrift Beiheft 23), München 1997, 11-25. Wenig hilfreich sind hingegen Jan Hirschbiegel: Der Hof als soziales System, in: Mitteilungen der Residenzenkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 3/1 (1993), 11-25 (vergleiche hierzu die Kritik bei Winterling: "Hof", 11 Anm. 1); sowie einige theoretische Deutungsversuche in ders. / Reinhardt Butz / Dietmar Willoweit (Hg.): Hof und Theorie. Annäherungen an ein historisches Phänomen (= Norm und Struktur 22), Köln / Weimar / Wien 2004, (vergleiche hierzu meine Rezension in: www.sehepunkte.de 5 (2005), Nr. 3). Hier hat sich der bemühte theoretische Apparat zu weit vom empirischen Gegenstand – und nicht selten auch vom Urheber der bemühten Sozialtheorie selbst – entfernt.

    2 Volker Bauer: Die höfische Gesellschaft in Deutschland von der Mitte des 17. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Versuch einer Typologie, Tübingen 1993.

    3 Am prominentesten jüngst in Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999, 83f, dessen Aussagen über die Höfe im Alten Reich ausschließlich auf Bauers Typologie fußen.

    4 Bauer: Die höfische Gesellschaft (wie Anm. 2), 63-66. Die Aussage, der Kaiserhof sei aufgrund seiner Größe und seiner politischen Bedeutung im Reich singulär, lässt sich nicht vereinbaren mit Bauers Vorhaben, Typen zu bilden und den Kaiserhof als einen von vier dieser Typen auszuweisen. Ein als singulär klassifizierter Hof kann keinen Typus darstellen. Vgl. hierzu Andreas Pečar: Die Ökonomie der Ehre. Der höfische Adel am Kaiserhof Karls VI. (1711-1740) (= Symbolische Kommunikation in der Vormoderne 5), Darmstadt 2003, 156-158.

    5 Bauer: Die höfische Gesellschaft (wie Anm. 2), 57-63.

    6 Ebd., 66-77.

    7 Kritische Anklänge in diese Richtung finden sich bereits in Rainer A. Müller: Der Fürstenhof in der Frühen Neuzeit (= Enzyklopädie deutscher Geschichte 33), München 1995, 100.

    8 Zum Vorgang der Institutionalisierung im sozialwissenschaftlichen Verständnis klassisch: Peter L. Berger / Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, 5. Aufl., Frankfurt a.M. 1979, 49-98; ferner Gerhard Göhler: Politische Institutionen und ihr Kontext. Begriffliche und konzeptionelle Überlegungen zur Theorie politischer Institutionen, in: ders. (Hg.): Die Eigenart der Institutionen, Baden-Baden 1994, 19-46, hier: 22.

    9 Vgl. hierzu Hans Tümmler: Carl August von Weimar, Goethes Freund. Eine vorwiegend politische Biographie, Stuttgart 1978, 26f.

    10 Werner Rösener: Hofämter an mittelalterlichen Fürstenhöfen, in: Deutsches Archiv zur Erforschung des Mittelalters 45 (1989), 485-550; Andreas Pečar: Art. "Hofamt", in: Enzyklopädie der Neuzeit Bd. 5 (2007), 593-595.

    11 Arthur Kern (Hg.): Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts, 2 Bde., o.O. 1905/07; Holger Kruse / Werner Paravicini (Hg.): Höfe und Hofordnungen 1200-1600 (= Residenzenforschung 10), Sigmaringen 1999; Dietmar Willoweit: Hofordnungen als Zeugnisse des Rechtsdenkens, in: Butz / Hirschbiegel / Willoweit: Hof und Theorie (wie Anm. 1), 165-178.

    12 Klassisch hierzu Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, 7. Aufl., Frankfurt a.M. 1990; Reinhart Koselleck: Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt, Frankfurt a.M. 1973. Sowohl Habermas als auch Koselleck sehen in einer politischen Öffentlichkeit ein Produkt der Aufklärung und datieren sie in ihrer eigentlichen Ausprägung daher erst auf das 18. Jahrhundert. Ich folge hingegen neueren Deutungsansätzen, nach denen letztlich die Erfindung der Druckerpresse und deren Einsatz während zentraler Medienereignisse der Frühen Neuzeit – im Alten Reich vor allem die Reformation, der Schmalkaldische Krieg, die Türkenkriege, der Dreißigjährige Krieg, die Kriege gegen Ludwig XIV. – bis zum Aufkommen des Zeitungswesens als ursächlich für die Entstehung einer politischen Öffentlichkeit angenommen wird. Vgl. hierzu exemplarisch Elisabeth Eisenstein: The Printing Press as an Agent of Change, 2 Bde., Cambridge 1979; Johannes Burkhardt: Das Reformationsjahrhundert. Deutsche Geschichte zwischen Medienrevolution und Institutionenbildung 1517-1617, Stuttgart 2002; Dagmar Freist: Öffentlichkeit und Herrschaftslegitimation in der Frühen Neuzeit. Deutschland und England im Vergleich, in: Ronald G. Asch / Dagmar Freist (Hg.): Staatsbildung als kultureller Prozeß. Strukturwandel und Legitimation von Herrschaft in der Frühen Neuzeit, Köln / Weimar / Wien 2005, 321-351; sowie mit Fokussierung auf den Hof: Volker Bauer: Höfische Gesellschaft und höfische Öffentlichkeit im Alten Reich. Überlegungen zur Mediengeschichte des Fürstenhofs im 17. und 18. Jahrhundert, in: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte 5 (2003), 29-68.

    13 Diese Erwartungen finden sich geradezu idealtypisch gebündelt in Veit Ludwig von Seckendorff: Teutscher Fürstenstaat, Frankfurt a.M. / Leipzig 1656, vor allem 588 ff; vgl. hierzu ferner Michael Stolleis: Veit Ludwig von Seckendorff, in: ders. (Hg.): Staatsdenker in der Frühen Neuzeit, 3.Aufl., München 1995, 148-171, hier: 162.

    14 Hierzu finden sich interessante Überlegungen in Peter-Michael Hahn / Ulrich Schütte: Thesen zur Rekonstruktion höfischer Zeichensysteme in der Frühen Neuzeit, in: Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 13/2 (2003), 19-47; vgl. ferner Andreas Pečar: Gab es eine höfische Gesellschaft des Reiches? Rang- und Statuskonkurrenz innerhalb des Reichsadels in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Harm Klueting / Wolfgang Schmale (Hg.): Das Reich und seine Territorialstaaten im 17. und 18. Jahrhundert. Aspekte des Mit-, Neben- und Gegeneinander (= Historia profana et ecclesiastica. Geschichte und Kirchengeschichte zwischen Mittelalter und Moderne 10), Münster 2004, 183-205.

    15 Vgl. hierzu zuletzt die Bemerkungen in Sybille Oßwald-Bargende: Die Mätresse, der Fürst und die Macht. Cristina Wilhelmina von Grävenitz und die höfische Gesellschaft (= Geschichte und Geschlechter 32), Frankfurt a. M. / New York 2000, 20-92; zum Konflikt vgl. Gabriele Haug-Moritz: Württembergischer Ständekonflikt und deutscher Dualismus. Ein Beitrag zur Geschichte des Reichsverbands in der Mitte des 18. Jahrhunderts (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen 122), Stuttgart 1992, 50; eine relativierende Haltung zu den Kosten des württembergischen Hofes im Verhältnis zu den Kosten der Armee hegt Peter H. Wilson: War, State and Society in Württemberg, 1677-1793, Cambridge 1995, 126-130 (zu Eberhard Ludwig) und 216f (zu Carl Eugen).

    16 Vgl. exemplarisch das Beispiel Fürst Leopold Friedrich Franz` von Anhalt-Dessau, der während des Siebenjährigen Krieges eigene Akzente der Herrschaftsinszenierung setzte, als er das Familiensilber sowie weitere Wertgegenstände in Familienbesitz zu Geld machte, um damit die Kontribution für die preußische Armee aufzubringen, gleichzeitig aber verschiedene Verbrauchssteuern aufheben ließ. Vgl. Erhard Hirsch: Reformabsolutismus auf dem Prüfstand. Der "Friedensfürst" Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, in: Werner Freitag / Michael Hecht (Hg.): Die Fürsten von Anhalt. Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit (= Studien zur Landesgeschichte 9), Halle 2003, 266-278, hier: 266f.

    17 Vgl. zum Phänomen fürstlicher Imagepolitik Peter Burke: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Frankfurt a. M. 1995; Martin Gosman / Alasdair MacDonald / Arjo Vanderjagt (Hg.): Princes and Princely Culture 1450-1650, 2 Bde., Leiden / Boston 2003/05; Jeroen Deploige / Gita Deneckere (Hg.): Mystifying the Monarch. Studies on Discourse, Power and History, Amsterdam 2006; Kevin Sharpe: Selling the Tudor Monarchy, New Haven / London 2009.

    18 Der Blick auf die Adressaten fürstlicher Inszenierungen scheint mir in den bislang vorliegenden Untersuchungen zu diesem Thema eher unterentwickelt zu sein. Exemplarisch habe ich dies für die Friedrich dem Großen zugesprochene Rolle als Autor diskutiert: Andreas Pečar: Friedrich der Große als Autor. Plädoyer für eine adressatenorientierte Lektüre seiner Schriften, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme (URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/pecar_autor ).

    19 Hierzu insbesondere David Loades: The Tudor Court, London 1986; David Starkey (Hg.): The English Court from the Wars of Roses to the Civil War, London 1987; Ronald G. Asch: Der Hof Karls I. von England. Politik, Provinz und Patronage 1625-1640 (= Norm und Struktur 3), Köln / Weimar / Wien 1993.

    20 Hierin folge ich Conrad Russell: Parliaments and English Politics 1621-1629, Oxford 1979, Kap. I (Westminster and the Wider World); vgl. ferner Geoffrey R. Elton: Parliament in the Sixteenth Century: Functions and Fortunes, in: Historical Journal 22 (1979), 255-278; D. M. Dean: Revising the History of Tudor Parliaments, in: Historical Journal 32 (1989), 401-411; David Starkey: Court History in Perspective, in: ders.: The English Court (wie Anm. 19), 1-24, hier: 24.

    21 Vgl. hierzu den jüngsten referierenden Überblick in deutscher Sprache von Hans-Christof Kraus: Englische Verfassung und politisches Denken im Ancien Régime 1689 bis 1789 (= Veröffentlichungen des deutschen Historischen Instituts London 60), München 2006, 41-61.

    22 Vgl. Rösner: Hofämter (wie Anm. 10).

    23 Vgl. hierzu D. A. L. Morgan: The House of Policy: the Political Role of the Late Plantagenet Household 1422-1485, in: Starkey: The English Court (wie Anm. 19), 25-70.

    24 Geoffrey R. Elton: Tudor Government: The Points of Contact, in: ders.: Studies in Tudor and Stuart Politics and Government, Bd. 3, Cambridge 1983, 3-57.

    25 Ebd., 40.

    26 Ebd., 42f.

    27 Zunächst war diese Kritik nur im Hinblick auf den Kaiserhof formuliert worden. Vgl. Mark Hengerer: Hofzeremoniell, Organisation und Grundmuster sozialer Differenzierung am Wiener Hof im 17. Jahrhundert, in: Klaus Malettke / Chantal Grell (Hg.): Hofgesellschaft und Höflinge an europäischen Fürstenhöfen in der Frühen Neuzeit (15.-18. Jahrhundert), Münster 2001, 337-368, hier: 340-343; Hengerer hat jedoch ebenso eingewandt, dass der Hof prinzipiell mehr sei als ein "point of contact". Vgl. ders.: Kaiserhof und Adel in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Eine Kommunikationsgeschichte der Macht in der Vormoderne (= Historische Kulturwissenschaft 3), Konstanz 2004, 22f.

    28 Jean Bérenger: Pour une enquête européenne. Le problème ministériat au XVIIe siècle, in: Annales 29 (1974), 166-192; John H. Elliott: Introduction, in: ders. / Laurence W. B. Brockliss (Hg.): The World of the Favourite, New Haven / London 1999, 1-10; I. A. A. Thompson: The Institutional Backround to the Rise of the Minister-Favourite, in: Elliott / Brockliss: World of the Favourite, in: ebd., 13-25; Hamish M. Scott: The Rise of the First Minister in Eighteenth-Century Europe, in: Timothy C. W. Blanning / David Cannadine (Hg.): History and Biography. Essays in Honour of Derek Beales, Cambridge 1996, 21-52; Ronald G. Asch: "Lumine solis". Der Favorit und die politische Kultur des Hofes in Westeuropa, in: Michael Kaiser / Andreas Pečar: Der zweite Mann im Staat. Oberste Amtsträger und Favoriten im Umkreis der Reichsfürsten in der Frühen Neuzeit (= Zeitschrift für Historische Forschung, Beiheft 32), Berlin 2003, 21-38; zu den Sonderbedingungen im Reich vgl. Michael Kaiser / Andreas Pečar: Reichsfürsten und ihre Favoriten. Die Ausprägung eines europäischen Strukturphänomens unter den politischen Bedingungen des Alten Reiches, in: ebd., 9-19.

    29 Hier folge ich dem Plädoyer Ronald G. Aschs gegen Werner Paravicinis Bestreben, das Mittelalter als ein Zeitalter des Günstlings auszurufen bzw. das Phänomen als allgemeines Strukturproblem monarchischer Herrschaft zu deuten, ohne epochenspezifischen Konjunkturen einen größeren Stellenwert zuzubilligen; vgl. hierzu Jan Hirschbiegel / Werner Paravicini (Hg.): Der Fall des Günstlings. Hofparteien in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert (= Residenzenforschung 17), Ostfildern 2004, darin die Beiträge von Werner Paravicini (13-20, hier vor allem 15f.) sowie Ronald G. Asch (515-531, hier vor allem 529-531).

    30 Vgl. hierzu exemplarisch Pecar: Ökonomie der Ehre (wie Anm. 4), 15-19.

    31 Art. "Solennität", in: Zedlers Universal-Lexicon 38 (1743), 282f.

    32 Zum Begriff der Semantisierung in anderem Kontext vgl. Egon Flaig: Der verlorene Gründungsmythos der athenischen Demokratie. Wie der Volksaufstand von 507 v. Chr. vergessen wurde, in: HZ 279 (2004), 35-61, hier: 56f.

    33 Mustergültig zur Rolle des Hofes unter Karl I. im Selbstbild sowie in der Wahrnehmung der Zeitgenossen Kevin Sharpe: The Personal Rule of Charles I, New Haven / London 1992, 209f; ferner ders.: The Image of Virtue: the Court and Household of Charles I, 1625-1642, in: Starkey: The English Court (wie Anm. 19), 226-260.

    34 Vgl. hierzu Sharpe: Selling the Tudor Monarchy (wie Anm. 17); Roy Malcolm Strong: Court Culture and the Origins of a Royalist Tradition in Early Stuart England, Philadelphia 1999; Thomas N. Corns (Hg.): The Royal Image. Representations of Charles I., Cambridge 1999; Kevin Sharpe: Criticism and Compliment: The Politics of Literature in the England of Charles I, Cambridge 1987.

    35 Carl Schmitt: Gespräche über die Macht und den Machthaber – Gespräch über den Neuen Raum, Berlin 1994, 19.

    36 Godfrey Goodman: The Court of King James the First, hg. von John S. Brewer, 2 Bde., London 1839, I, 29.

    37 Vgl. hierzu Christina Hofmann: Das spanische Hofzeremoniell von 1500-1700 (= Erlanger Historische Studien 8), Frankfurt a. M. / Bern / New York 1985; M. J. Rodriguez-Salgado: The Court of Philipp II of Spain, in: Ronald G. Asch / Adolf M. Birke (Hg): Princes, Patronage and the Nobility. The Court at the Beginning of the Modern Age c. 1450-1650, Oxford 1991, 205-244; Pecar: Ökonomie der Ehre (wie Anm. 4), 161-168; ders.: Symbolische Politik. Handlungsspielräume im politischen Umgang mit zeremoniellen Normen: Brandenburg-Preußen und der Kaiserhof im Vergleich (1700-1740), in: Jürgen Luh (Hg.): Preußen, Deutschland und Europa 1701 - 2001 (= Baltic Studies 8), Groningen 2003, 280-295; Jeroen Duindam: Vienna and Versailles. The Courts of Europe ' s Dynastic Rivals 1550-1780, Cambridge 2003, 204f.

    38 Vgl. hierzu Loades: The Tudor Court (wie Anm. 19), 58-63.

    39 Starkey: Court History (wie Anm. 20), 4f.

    40 Ebd., 5.

    41 Neil Cuddy: The Revival of the Entourage: the Bedchamber of James I, 1603-1625, in: Starkey: The English Court (wie Anm. 19), 173-225, hier: 174-176.

    42 Zur Raumfolge vgl. Hugh Murray Baillie: Etiquette and the Planning of the State Apartments in Baroque Palaces, in: Archaeologia or Miscellaneous Tracts relating to Antiquity101 (1967), 169-199, hier: 181 (die Raumfolgen der Schlösser in Linlithgow und Stirling); Cuddy: Revival (wie Anm. 41), 178-180.

    43 Ronald G. Asch: Jakob I. (1566-1625). König von Schottland und England, Stuttgart 2005, 32f.

    44 Vgl. Cuddy: Revival (wie Anm. 41), 185-194.

    45 Asch: Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 130.

    46 Zu den einzelnen Amtsträgern in den ersten Regierungsjahren Jakobs I. vgl. Cuddy: Revival (wie Anm. 41), 189f.

    47 Vgl. hierzu Asch: Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 122 Anm. 12; Siehe auch Absatz <34>.

    48 Sharpe: The Personal Rule (wie Anm. 33), 213f; ders.: Image of Virtue (wie Anm. 33), 233f; Asch: Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 123-133.

    49 Brian Weiser: Charles II and the Politics of Access, Woodbridge 2003, 26-29.

    50 John M. Beattie: The English Court in the Reign of George I, Cambridge 1967, 29f.

    51 Selbst in den Jahrzehnten nach 1688, im französischen Exil, als den Stuartkönigen von Ludwig XIV. französische Schlösser für ihre Hofhaltung überlassen wurden, deren Räume ganz dem französischen Zeremoniell entsprachen, versuchten die Stuarts, soweit wie möglich das englische Schema der Raumfolge zu verwirklichen; vgl. hierzu Edward Corp: A Court in Exile. The Stuarts in France, 1689-1718, Cambridge 2004, 7 und 83-89.

    52 Starkey: Court History (wie Anm. 20), 18f; Neville Williams: Henry VIII and his Court, London 1971, 25 und 115; R. Sherwood: The Court of Oliver Cromwell, London / New Jersey 1977, 21.

    53 Der französische Arzt Samuel Sorbiere besuchte London im Jahr 1665 und urteilte über Whitehall: "ill built and nothing but a heap of houses, erected at divers times and of different models which they made contiguous in the best manner they could for the residence of the court"; zitiert nach Susan Foreman: From Palace to Power, Brighton 1995, 27. Ebenso fiel das Urteil von Lorenzo Magalotti aus: "It [Whitehall, A.P.] is more remarkable for its situation than for the nobleness of its structure, being nothing more than an assemblage of several houses, badly built at different times and for different purposes"; zitiert nach John Martin Robinson: Royal Residences, London 1982, 171.

    54 Starkey: Court History (wie Anm. 20), 8-10.

    55 Siehe Absatz <37> - <42>.

    56 Vgl. David Starkey: Representation through Intimacy, in: I. Lewis (Hg.): Symbols and Sentiments, London / New York / San Francisco 1977, 187-224; ders.: The Reign of Henry VIII: Personalities and Politics, London 1985, Kap. 2.

    57 Asch: Jakob I. (wie Anm. 43), 92-104.

    58 Sir Anthony Weldon: The Court of King Charles, in: Walter Scott (Hg.): Secret History of the Court of James I, 2 Bde., Edinburgh 1811, hier: I, 398f.

    59 Cuddy: Revival (wie Anm. 41), 184; Sharpe: Image of Virtue (wie Anm. 33), 227.

    60 Vgl. Asch: Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 122.

    61 Vgl. The Journal of Sir Roger Wilbraham, hg. von Harold S. Scott (= Cambden Society Miscellany 10), London 1902, 59; ferner der Bericht des venezianischen Gesandten vom 15. April 1625: "The king [Karl I., A.P.] observes a rule of great decorum. The nobles do not enter his apartments in confusion as heretofore, but each rank has its appointed place"; Calendar of State Papers Relating to English Affairs in Venice Vol. 19 (1625-26), 21.

    62 Vgl. hierzu Linda Levy Peck: Court Patronage and Corruption in Early Stuart England, Boston 1990; Alastair Bellany: The Politics of Court Scandal in Early Modern England. News Culture and the Overbury Affair 1603-1660, Cambridge 2002.

    63 Kevin Sharpe: "Thy longing Country ' s Darling and Desire": Aesthetics, Sex, and Politics in the England of Charles II, in: Catharine MacLeod / Julia Marciari Alexander (Hg.): Politics, Transgression and Representation at the Court of Charles II (= Studies in British Art 18), New Haven / London 2007, 1-32.

    64 Weiser: Charles II (wie Anm. 49), 28f.

    65 Ebd., 30f.

    66 Ebd., 34-37. Eine Übersicht über den Aufenthalt in den einzelnen Residenzen findet sich auf Seite 39.

    67 Loades: The Tudor Court (wie Anm. 19), 58-63.

    68 Cuddy: Revival (wie Anm. 41), 175-189.

    69 Beattie: The English Court (wie Anm. 50), 17f; ferner Gerald E. Aylmer: The King ' s Servants. The Civil Service of Charles I 1625-1642, 2. Aufl., London 1974, 472-474.

    70 Vgl. hierzu Geoffrey R. Elton (Hg.): The Tudor Constitution. Documents and Commentary, 2. Aufl., Cambridge 1982, 91f; vgl. ferner John Alexander Guy: The King ' s Concil and Political Participation, in: Alistair Fox / J. John Alexander Guy (Hg.): Reassessing the Henrician Age, Oxford 1986, 121-150.

    71 Geoffrey R. Elton: The Tudor Revolution in Government, Cambridge 1953.

    72 Vgl. Starkey: Court History (wie Anm. 20), 11-19, dem ich hier im Wesentlichen folge. Starkeys Kritik an Elton führte zu einer weiteren kontroversen Diskussion im Historical Journal 31 (1988), 425-434 (Elton) und 921-931 (Starkey).

    73 Starkey: Court History (wie Anm. 20), 16; ferner John Alexander Guy: The Privy Council: Revolution or Evolution, in: David Starkey / Christopher Coleman (Hg.): Revolution Reassessed: Revisions in the History of Tudor Government, Oxford 1986, 59-85, hier: 69-72; ferner auch der dort publizierte Beitrag von David Starkey: Court and Government (29-58) sowie ders.: Court, Council and Nobility in Tudor England, in: Asch / Birke: Princes, Patronage and the Nobility (wie Anm. 37), 175-203.

    74 Vgl. hierzu den Artikel 4 der 'York Articles' von 1536 aus der Feder von Robert Aske: "that we wor yor true subiects thinke that yor grace takes of yor counsell and being a boute you such persons as be of low byrth and small reputation which hath procuryed the proffits most especially for theyr own advantage"; John S. Brewer / James Gairdner (Hg.): Letters and Papers of Henry VIII, 21 Bde., London u.a. 1862-1932, XI, London 1888, 705; ein Wiederabdruck findet sich in Anthony Fletscher / Diarmaid McCullouch: Tudor Rebellions, 4. Aufl., Essex 1997, 131.

    75 Pam Weight: A Change in Direction: the Ramifications of a Female Household 1558-1603, in: Starkey: The English Court (wie Anm. 19), 147-172, hier: 147f.

    76 Vgl. Wallace MacCaffrey: The Shaping of the Elizabethan Regime, Princeton 1968, Kap. 2, vor allem 26f (über die Neubesetzung des Privy Council) und 36f (über die Besetzung des Hofstaates). Zu den Ladies of the Bed Chamber im Einzelnen vgl. Weight: Change in Direction (wie Anm. 75), 149f.

    77 Weight: Change in Direction (wie Anm. 75), 151 und 161-166.

    78 Ebd., 159.

    79 Starkey: Court, Council and Nobility (wie Anm. 73), 203; zu Leicester, der unter Elisabeth I. am ehesten einem Favoriten gleichkam, vgl. Simon Adams: The Earl of Leicester and Elizabethan Court Politics, Manchester 2001.

    80 Simon Adams: Favourites and Factions at the Elizabethan Court, in: Asch / Birke: Pinces (wie Anm. 37), 265-287.

    81 Weight: Change in Direction (wie Anm. 75), 159f.

    82 Zu Cecil vgl. Pauline Croft: Robert Cecil and the Stuart Monarchy (Royal Stuart Papers 68), Salisbury 2005; dies.: Can a Bureaucrat be a Favourite? Robert Cecil and the Strategies of Power, in: Elliott / Brockliss: World of the Favorite (wie Anm. 28), 81-95.

    83 Asch: Jakob I. (wie Anm. 43), 92-103.

    84 Vgl. Roger Lockyer: Buckingham. The Life and Political Career of George Villiers, First Duke of Buckingham 1592-1628, London 1981, 225.

    85 Vgl. etwa die politische Haltung von John Holles, Earl of Clare; hierzu Asch Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 41 und 46.

    86 Sharpe: Image of Virtue (wie Anm. 33), 252f; abweichend Asch: Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 45.

    87 Die Abhängigkeit des Favoriten vom König steigerte sich noch dadurch, dass Karl I. vom 1626 einberufenen Parlament vor die Alternative gestellt wurde, entweder ein Impeachmentverfahren gegen Buckingham zuzulassen – was aller Voraussicht nach das politische Ende des Favoriten bedeutet hätte – oder das Parlament aufzulösen, ohne die für den Krieg gegen Spanien und Frankreich notwendigen Steuerzusagen erhalten zu haben. Karl entschied sich für Letzteres. Vgl. hierzu Russell: Parliaments (wie Anm. 20), 260-322; Asch: Der Hof Karls I. (wie Anm. 19), 51-58; Lockyer: Buckingham (wie Anm. 84), 330f; Sharpe: Personal Rule (wie Anm. 33), 46-52.

    88 Sharpe: Image of Virtue (wie Anm. 33), 254-257.

    89 Ebd., 235f.

    90 Thomas Biskup: Höfisches Retablissement, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme (URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/biskup_retablissement ) <29> - <33>, sowie den Beitrag in diesem Band.

    91 Vgl. hierzu Hans-Joachim Giersberg: Friedrich als Bauherr. Studien zur Architektur des 18. Jahrhunderts in Berlin und Potsdam, Berlin 1986, S. 120-133.

    92 In einem ersten Versuch Pečar: Friedrich der Große als Autor (wie Anm. 18).


    PSJ Metadata
    Andreas Pečar
    Fragen an den Hof Friedrichs des Großen im europäischen Kontext
    Der englische Königshof als Vergleichsfolie für königliche Hofhaltung in der Frühen Neuzeit
    Steht man vor der Aufgabe, die typischen und die spezifischen Merkmale friderizianischer Hofhaltung zu benennen, so erweisen sich die bislang in der historischen Hof-Forschung etablierten idealtypischen Kategorien zur Katalogisierung der unterschiedlichen Fürstenhöfe im Alten Reich und in der europäischen Fürstengesellschaft als wenig geeignet. Daher wird hier ein anderer Weg beschritten. Die jüngere Diskussion um die politische Bedeutung des englischen Königshofs der Tudor- und Stuartzeit hat zum einen Kategorien hervorgebracht, an denen sich die politische Bedeutung eines Hofes ablesen lässt. Hierzu zählt insbesondere die Frage, inwiefern der Hof ein politisch bedeutsamer "Point of Contact" war oder nicht. Zum anderen lässt der kursorische Blick auf 150 Jahre Geschichte des englischen Königshofes ein bemerkenswertes Phänomen erkennen: Es gab einen Unterschied zwischen der Langlebigkeit von Strukturen des Zeremoniells, vor allem des Zugangs zum Herrscher, sowie der am Hof wie in der Zentralverwaltung etablierten Ämter und der Verfahren der politischen Entscheidungsfindung einerseits und der praktizierten Selbstdarstellung und Regierungspraxis der einzelnen Könige andererseits. Beide Aspekte werden aufgegriffen, um erste Fragen an den Hof Friedrichs des Großen zu stellen und eine Einbettung des Hofes in Berlin und Potsdam in den europäischen Kontext zu erleichtern.
    CC-BY-NC-ND 3.0
    England Preußen Höfische Repräsentation Ämtertradition Politische Kommunikation
    Abbildung 1 Abbildung 1 Planschema der königlichen Appartements in Whitehall unter Jakob I. A: Hall; B: Chapel; C: Guard Chamber; E: Closet (Privatkapelle); F: Privy Chamber; G: PrivyGallery; H: Withdrawing Room; I: Lesser Withdrawing Room; J: Bedchamber; K: Council Chamber
    Abbildung 2 Abbildung 2 Der Gesamtplan von Whitehall um 1670
    PDF document Pecar_Hof.doc.pdf — PDF document, 455 KB
    A. Pečar: Fragen an den Hof Friedrichs des Großen im europäischen Kontext
    In: Friedrich der Große und der Hof. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 10./11. Oktober 2008, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 2)
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Pecar_Hof
    Veröffentlicht am: 15.09.2009 17:10
    Zugriff vom: 20.11.2017 14:48
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