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    J. Opalla: Das Geschenkewesen am friderizianischen Hof

    Friedrich300 – Friedrich der Große und der Hof

    Das Geschenkewesen am friderizianischen Hof

    Absicht und Botschaft

    Jeannette Opalla


    Abstract

    Im Spannungsfeld zwischen Courtoisie, politischer Strategie und Reputation gelegen, bildeten großzügige Geschenke auch für den auf Sparsamkeit bedachten Friedrich den Großen ein unverzichtbares und wirksames Mittel der Diplomatie. Wünsche und Vorlieben fanden bei der meist adressatenspezifischen Gestaltung der Präsente ebenso Berücksichtigung wie der soziale Rang des Beschenkten. Geschickt wusste Friedrich II. prestigeträchtige Geschenke auch zur Steigerung der eigenen Reputation einzusetzen. Er entwickelte die erfolgreiche brandenburgisch-preußische Geschenkpolitik seiner Vorgänger weiter zu einer anspielungsreichen und formvollendeten 'Kunst des Schenkens'. Durch ihre spezifischen Motive oder Materialien übermittelten die Präsente zuweilen auch politische Botschaften und dienten Friedrich II. als non-verbale, symbolische Kommunikationsform.

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    Die Aussagefähigkeit von Geschenken als "Beziehungszeichen" 1 war bereits zur Zeit Friedrichs des Großen ein viel beachtetes und selbstverständliches Beurteilungskriterium. So resümierte der Reichspublizist Friedrich Carl von Moser (1723-1798) im Jahre 1755 "es wäre wohl überflüssig, zu demonstrieren, wie vielen Antheil die Politic, wahre oder blinde Affection, die persönliche Neigung eines Herrn zur Freygebigkeit, ein danckbares und großmüthiges Herz, eine gute oder schlechte Wahl in Belohnungen und Gnaden-Bezeugungen und endlich die Vermögens-Umstände eines Herrn Antheil an den Geschencken haben; da eine kleine Erfahrung an Höfen zu Einsichten aller Art hierin verhelfen kann. Gewiß kann man den Charakter eines Herrn auch an seinen Geschencken und der dabey beobachtenden Wahl erkennen." 2 Im Folgenden soll daher der Versuch unternommen werden, anhand ausgewählter Präsente Rückschlüsse auf die friderizianische Geschenkpolitik, auf seine mit den Geschenken verbundenen Absichten und Ziele und ein Stück weit auch auf die Person Friedrichs zu gewinnen. Unser Hauptaugenmerk wird daher den subtilen Botschaften gelten, die insbesondere bei den adressatenspezifisch gestalteten Geschenken durch eine entsprechende Motiv- und Materialwahl übermittelt wurden. Vorgestellt werden vor allem künstlerische Präsente, die Friedrich II. im Rahmen der vielfältigen diplomatischen Beziehungen Preußens an andere Herrscher bzw. Staaten sandte. Einleitend seien einige knappe Ausführungen zu den Modalitäten des Geschenktransfers vorangestellt wie beispielsweise Angaben zum Kreis möglicher Empfänger, zu den Kosten respektive Finanzierung der Präsente sowie zu deren Akquisition. 3

    Die Adressaten

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    Wie auch an anderen Höfen üblich, ließ Friedrich II. bereits im Vorfeld genaueste Erkundigungen über eventuelle Vorlieben, Wünsche oder den Geschmack des jeweiligen Adressaten einholen. Im Jahre 1755 wies der Preußenkönig beispielsweise seinen Gesandten am türkischen Hof an, herauszufinden, "ob und was für corruptiones und geschenkke zur Etablierung und fortsetzung dergleichen Negociation unter gewerigen succes zu machen, bey was vor Personen selbige anzuwenden, worinn solche eygentlich bestehen müssen, wie hoch sich des falls die Kosten belauffen möchten, undt welcher gestalt auch durch wen selbige am besten anzubringen" 4 seien. Zusätzlich zu den jeweiligen politischen Verhandlungspartnern berücksichtigte Friedrich II. bei der Geschenkvergabe zuweilen auch deren Familienangehörige oder Günstlinge. So zählte er 1760 nicht nur den Sultan, sondern auch dessen Mutter und seine Favoritin sowie den Mufti zu den Geschenkadressaten und beauftragte seinen Gesandten Rexin, er möge sich "unter der Hand und auf eine adroite Art erkundigen, was ihnen angenehm sein dörfte. (…) Man hat mir sagen wollen, dass ihnen auch zuweilen Nürenberger Puppenwerk Plaisir gemacht haben." 5

    Kosten der Geschenke

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    Die Hohe Pforte zeigte sich ohnehin hinsichtlich eventueller Geschenkwünsche wenig genant. Man überreichte dem Gesandten bei einer ähnlichen Mission fünf Jahre später, 1765, sogar eine Liste der vom Sultan und seinen Ministern erwünschten bzw. geforderten Präsente in Höhe von 40.000 Piastern. 6 Da das Bündnis mit den Türken durch die veränderte politische Lage für Friedrich II. mittlerweile an Wert verloren hatte, wies der Preußenkönig seine Minister vom Departement der Auswärtigen Affairen an, "nur was nach der usance notwendig" sei, an Präsenten zu geben. 7 Die Minister schlugen schließlich Geschenke im Wert von lediglich 25.000 Piastern (circa 22.100 Ecus) vor. 8 Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor hatte Friedrich II. noch 200.000 Ecus für die türkischen Präsente bewilligt. 9 Generell war der Preußenkönig stets darauf bedacht, "dass die grossen Summen den rechten Fleck treffen." 10 War dies nicht der Fall, lehnte er oftmals weitere Gaben ab. So weigerte sich der in seinen politischen Erwartungen von den Türken enttäuschte Preußenkönig 1764 "durch Übermachung starker Summen solche wie vorhin in das Wasser zu werfen und, wenn der Geiz ein- und anderes türkischen Ministers gesättiget worden, Mich doch am Ende illudiret zu sehen." 11

    Die Finanzierung der Präsente

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    Leider sind wir über die Höhe des Gesamtetats für diplomatische Präsente sowie über die Ausgaben im Zusammenhang mit den Gesandtschaften in friderizianischer Zeit nur unzulänglich informiert, da sich nur vereinzelt diesbezügliche Dokumente erhalten haben und nur wenig neuere Untersuchungen oder Zusammenstellungen von Zahlenmaterial vorliegen. 12 Die Bezahlung der diplomatischen Geschenke erfolgte, wie bis dahin üblich, teils aus der Legationskasse, die ihrerseits ein Budget von 60.000 Talern aus der Generaldomänenkasse angewiesen bekam, 13 teils aus der königlichen Schatulle wie im Fall der Porzellangeschenke. 14 Nicht selten wurden Präsente auch von den Gesandten vorfinanziert – die spätere Rückerstattung der Kosten ließ jedoch zuweilen auf sich warten.

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    Dies sowie die kärgliche Besoldung der Gesandten 15 veranlasste den Höfling Dieudonné Thiébault (1733-1807) zu der spöttischen Bemerkung, alle ihm "bekannten Preußen, die bei auswärtigen Gesandtschaften verwandt wurden, (…)" hätten "dabei mehr oder weniger ihr Vermögen" 16 zugesetzt, sodass sich schließlich viele "der Annahme der glänzenden und ehrenvollen, aber auch kostspieligen und gefährlichen Gesandtenstellen nach Möglichkeit zu entziehen" gesucht hätten. 17

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    Auf Sparsamkeit bedacht, versuchte Friedrich der Große – wie vor ihm schon sein Großvater, König Friedrich I., – auch den Wert der Abschiedsgeschenke an auswärtige Gesandte zu limitieren. In einem diesbezüglichen Erlass vom 11. Oktober 1747 ordnete er an, die Geschenke zukünftig wie es in Frankreich, England, Holland und bei anderen Mächten üblich sei, "ein für alle mahl auf ein gewisses zu determinieren und festzusetzen. Als setzen und determinieren höchstgedachte Se. Königl. Mayt. auf ein Tausend zweyhundert Reichsthaler, es mag nun solches in Tapeten, in Portraits, oder in gelde, oder aber worinn es sonsten wolle bestehen." 18 Nicht nur das eigene Departement der Auswärtigen Affairen habe sich danach zu richten, sondern die Verordnung sei nach und nach und auf eine "glanzliche und convenable art" 19 den Ministern der auswärtigen Höfe zu verstehen zu geben.

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    Selbst bei den repräsentativen, adressatenspezifisch angefertigten Geschenken an auswärtige Herrscher setzte Friedrich II. gerne Pauschalpreise fest. So bewilligte der preußische König lediglich "sieben Tausend und einige Hundert Rtlr" 20 für das umfangreiche Tafelservice, dass er 1770 für Katharina die Große anfertigen ließ und von dem noch ausführlich die Rede sein wird. Diesen Preis betrachtete der Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur von vorneherein als "mäßig" und beklagte angesichts der mehrfachen Fehlbrände schließlich die mangelnde Einträglichkeit dieses Auftrags. 21

    Die Akquisition der Geschenke

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    Kommen wir zur Frage nach der Zuständigkeit für die Akquisition der Präsente. Sofern die Gesandten nicht vor Ort geeignete Geschenke erstanden, oblag deren Beschaffung im Wesentlichen den Ministern vom Departement der Auswärtigen Affairen und ihren Untergebenen. Dabei scheint es durchaus nicht unüblich gewesen zu sein, die zuständigen Beamten durch diverse Erkenntlichkeiten zu bestechen, um an diese ehrenvollen Aufträge heranzukommen, wie wir einem zeitgenössischen Schreiben entnehmen dürfen. 22 Darin beteuert der mit der Präsentbeschaffung betraute Geheime Kriegsrat Karl Wilhelm Müller (1728-1801) seine Absicht, "insbesondere denen hiesigen Kaufleuten und Künstlern einmal zu zeigen, dass es noch ehrliche königliche Bediente gibt, welche nicht von der leider ziemlich allgemein gewordenen Pest, Geschenke und Gaben, bey dergl. Hofarbeiten, anzunehmen, hingerissen werden." 23

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    Im Jahr 1765 überließ Friedrich II. seinen beiden Ministern vom Departement der Auswärtigen Affairen, von Finckenstein 24 und von Hertzberg, 25 die Auswahl der Präsente an den türkischen Sultan und seine Minister, da er sich nicht in alle "dergleichen kleine Details" einmischen "könne[n] noch wolle[n]". 26 Bei besonders wichtigen Missionen bestimmte der König die Auswahl und Gestaltung der Präsente zuweilen bis ins Detail selbst, wie noch am Beispiel des Porzellanservices für Katharina II. zu zeigen sein wird.

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    Im Gegensatz zu anderen europäischen Höfen, wie beispielsweise dem französischen oder österreichischen, an denen sich Listen mit vorrätigen Geschenken erhalten haben, scheint es am preußischen Hof keinen Geschenkvorrat gegeben zu haben. Neben der oft apostrophierten Sparsamkeit des Preußenkönigs wird man wohl das reichhaltige Angebot an sofort verfügbaren Kunst- und Galanteriewaren seitens der preußischen Handwerker als Grund dafür annehmen dürfen. Dementsprechend schrieb 1761 Finckenstein an Müller: "da die Uhren, silberne Gießbecken, Leuchter und Coffée-Kannen stetig und allezeit zu haben sind, so kann man mit dem Ankauff noch Anstand nehmen bis gegen die Zeit, da die Präsente abgehen sollen und man übersehen wird, wie weit man mit dem Gelde reicht." 27

    <11>

    Wurden Geschenke adressatenspezifisch in Auftrag gegeben, war Friedrich II. stets darauf bedacht, einheimische Künstler zu engagieren 28 und im Rahmen der auch an anderen Höfen üblichen merkantilistischen Wirtschaftsförderung beispielsweise die eigene Berliner Porzellanmanufaktur oder die Golddosenproduktion mit Aufträgen zu bedenken.

    Geschenke für den türkischen Sultan

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    Die vielfältigen Überlegungen, die einen diplomatischen Geschenktransfer begleiteten, sollen am Beispiel der 1761 für den türkischen Sultan zusammengestellten Präsente beleuchtet werden. Den Hintergrund des Geschenktransfers bildete der Siebenjährige Krieg (1756-1763), in dessen Verlauf Preußen politisch weitgehend isoliert und militärisch durch die Übermacht seiner Gegner stark bedrängt wurde. In dieser verzweifelten Situation setzte Friedrich II. seine Hoffnungen auf den Abschluss einer Defensivallianz mit den Türken.
    Ein militärisches Vorgehen der Türken gegen die Österreicher oder Russen sollte dem Preußenkönig vorübergehend Luft verschaffen. 29 Für dieses Unterfangen bewilligte Friedrich II. seinem Gesandten in Konstantinopel, Karl Adolf von Rexin, zunächst 500.000 Reichstaler. 30 Später erhöhte er den Betrag auf 1 Million Reichstaler, 31 davon 200.000 Taler für Geschenke. 32

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    Aus den umfangreichen, im Geheimen Preußischen Staatsarchiv erhaltenen Akten und den vereinzelt in der "Politischen Correspondenz" Friedrichs des Großen publizierten Dokumenten geht hervor, welche Unsicherheiten bei der Auswahl und Gestaltung von Präsenten bestand, deren Empfänger nicht der christlich-abendländischen Kultur angehörten.
    So klagte der König 1761 "hier und im Lande habe ich niemand, der Mir zu sagen weiss, was der Pforte und deren Ministern angenehm sein könne oder nicht." 33 Die als Orientierungshilfe herangezogene Geschenkliste des dänischen Gesandten erwies sich als unbrauchbar, nachdem bekannt wurde, dass die Geschenke teilweise von den Türken nicht gut aufgenommen worden waren. Schließlich überließ Friedrich II. es wieder seinem Minister Finckenstein, ihm entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Prompt handelte sich der Minister einen Tadel seines Königs ein, als er einen edelsteingeschmückten Säbel und ein Porträt des Preußenkönigs als Geschenk für den Sultan sowie eine Dose mit dem königlichen Porträt für den Wesir vorschlug. 34 In einem chiffrierten Brief rügte Friedrich II. seinen Minister und warf ihm vor, nicht gründlich genug nachgedacht zu haben, da er seit langem wissen sollte, dass die Türken aufgrund ihrer religiösen Überzeugung alle Figuren, Bilder, Statuen und Gemälde ablehnten. Seiner Meinung nach würden sich einige große Spiegel eignen sowie ein oder zwei Pendulen, deren Gehäuse künstlerisch gestaltet sein sollte, jedoch ohne vergoldete Figuren oder ähnlichem Dekor. 35 Darüber hinaus schlug er als Geschenk für den Sultan einen künstlerisch gestalteten Krummsäbel vor, besetzt mit kostbaren Steinen darunter großen Stücken von schlesischem Chrysopras. Begründete Friedrich II. die Wahl des Halbedelsteins Chrysopras lediglich mit der besonderen Wertschätzung, die die Türken der intensiven grünen Farbe entgegenbrachten, so darf man wohl einen wesentlich weitergehenden topographischen Verweischarakter vermuten. Zieht man in Betracht, dass sich Friedrich II. von der angestrebten Defensivallianz erhoffte, dass "die Pforte Mir Meine Länder und Provinzien, so wie Ich solche vor dem jetzigen Kriege besessen, garantire, im übrigen Mir sogleich jetzo nachdrückliche Assistenz leiste und nicht zugebe, dass ich von einigen Meiner Staaten und Provinzien beraubet, noch durch die Menge meiner Feinde unterdrücket werde," 36 offenbart sich eine dezidiert politische Anspielung sowohl in dem Präsent selbst, nämlich einer Waffe, als auch in der Wahl des Materials. Die beabsichtigte Verwendung des schlesischen Chrysopras sollte die territorialen Ansprüche Friedrichs II. auf Schlesien auch auf ästhetischem Wege artikulieren und zugleich legitimieren. Tatsächlich wurde ein Krummsäbel in Auftrag gegeben, allerdings ist von der Verwendung des Chrysopras später nicht mehr die Rede.

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    Bei der Gestaltung des Säbels und anderer Präsente versicherte man sich zusätzlich der Beratung und Begutachtung durch Fachleute. Im Hinblick auf den von Friedrich II. als Geschenk vorgeschlagenen Krummsäbel, der angesichts der vom König erhofften militärischen Unterstützung als Präsent mehr als passend erschien, informierte Kriegsrat Müller seinen Vorgesetzten: "Die Art der Klinge zum Säbel mit Gewissheit anzugeben, hat nicht wenige Schwierigkeiten verursacht. Sowohl Splittgerber 37 sowenig als H[err] Schickler 38 haben sich getraut, solches mit Zuverlässigkeit zu bestimmen, und mir dahero angerathen, mich danach bey [unleserlich, J.O.] Praesidenten Kircheisen 39 zu erkundigen. (…) Bemelter Praesident hatte auch würcklich einen Türckischen Säbel unter seinen Gewähr-Vorrath, welchen Er aus Wien mitgebracht, und welcher denen Türcken in einer Schlacht abgenommen worden. Nach Diesem wird Schickler die Klinge verfertigen lassen." 40 Selbst bei der Gestaltung der Scheide zog man einen Berater heran, nämlich den Sohn des ehemaligen holländischen Gesandten, den Kaufmann Delon. 41 Dieser riet zu einer edelsteinverzierten Scheide aus Email und nahm zusätzlich einige vom Goldschmied Lieberkühn angebotene Waren in Augenschein. Die Armleuchter, Waschbecken und Terrinen befand er für "recht schön, und nach dem Türkischen Geschmack gearbeitet". 42 Er wies jedoch zugleich darauf hin, dass "die Terrinen hingegen eben nicht sehr im Gebrauch wären, weil die Türken sich keiner zugedeckten Gefäße bedienten". Ferner schlug er als Präsent für den Sultan eine Aigrette vor. "Es würde aber solche, weil die Türcken selbige an ihren Turban tragen, kostbahr seyn müssen und viel Geld kosten." 43 Dieser Vorschlag wurde angenommen, da, wie Müller später einräumte, "für die Türken nichts zu reich sein" könne. 44 Dementsprechend fügte man weitere Silbergefäße und zwei versilberte Spiegelrahmen den Präsenten hinzu.

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    Da die Vorliebe der Türken für europäische Uhren auch am preußischen Hof bekannt war, gehörte zur umfangreichen Geschenksendung auch eine adressatenspezifisch gestaltete Sing- bzw. Spieluhr. Genauestens auf den Empfänger, nämlich den Sultan, abgestimmt, erhielt die Uhr eine Musikwalze mit einem Marsch aus der Oper "Solimann". 45 Das Gehäuse wurde den türkischen Gepflogenheiten entsprechend mit Blumenwerk verziert. Zusätzlich bemühte man sich um Vorlagen für arabische Ziffern, nachdem der Uhrmacher Fischer darauf hingewiesen hatte, dass der Sultan eine ihm geschenkte Uhr abgelehnt habe, weil keine arabischen Ziffern darauf gewesen seien. 46

    <16>

    Überraschenderweise hatten sich entgegen aller königlichen Bedenken der Sultan und der Großwesir ausdrücklich ein Porträt Friedrichs II. in Lebensgröße erbeten. 47 Beauftragt wurde damit der Maler Dubuisson, 48 der die Porträts nach einer Vorlage aus dem Schönhausener Schloss anfertigte. Außerordentlichen Wert legte man am preußischen Hof jedoch darauf, dass es sich um keine 'minderwertigen' Gemälde-Kopien handelte, "sondern, um die Aehnlichkeit desto besser zu treffen, ein unter (…) Aufsicht gemachte neue Erfindung, welche dem Mahler viele Mühe und Arbeit, auch zum öffteren verschiedene Abenderungen gekostet" 49 habe. Zufrieden mit dem Ergebnis berichtete der mit der Beschaffung der Präsente betraute Kriegsrat Müller seinem Kollegen Finckenstein, dass die Porträts "nach dem Urtheil derer Mahlerey-Verständigen, so gut und schön ausgefallen sind, dass wenn solche nicht bestellet wären, Seine Excellentz selbige für sich behalten würden". 50

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    Um die Einmaligkeit des Präsents zusätzlich zu steigern, regte Finckenstein an, auf die mit "Blumenwerk" verzierten Bilderrahmen "noch einige recht wohl ausgesuchte, zum Bildnuß eines großen Helden, sich schickende Trophäen" 51 anzubringen. Als traditionelles Siegeszeichen sollten die Trophäen Friedrich II. als erfolgreichen Feldherrn auszeichnen und dem Sultan im Falle einer militärischen Unterstützung eine Beteiligung am Ruhm in Aussicht stellen.

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    Zusätzlich zog Müller bei Delon und Kircheisen Erkundigungen ein, ob eine Kutsche als Präsent für den Sultan geeignet sei und ob dergleichen bereits von anderen Höfen geschenkt worden sei. 52 Dienstbeflissen schilderte er seinem Vorgesetzten die Einwände des holländischen Gesandten in Konstantinopel gegen die für den Sultan bestimmten Präsente, nämlich, "daß darunter ein Säbel und Gemählde, wie auch ein Wagen befindlich sey. Ersterer würde seiner Meinung nach, aus der Ursach nicht angenehm sein, weil die Türcken sich für die größte Macht in der Welt ansahen, mithin dergleichen Merckmal von der obersten Gewalt, von keiner anderen Macht annehmen dürften. Die Gemälde hingegen duldeten sie nicht, und eben sowenig wären die Wagen bey ihnen in Gebrauch." 53 Auch wenn sich diese Bedenken schließlich entkräften ließen und ein sogenannter Phaeton, eine zweiachsige Herrenkutsche, für den Sultan in Auftrag gegeben wurde, belegt dieses Beispiel eindrücklich, wie über das Medium der Geschenke Rangfragen thematisiert, ja sogar um herrschaftliche Präzedenz auf 'internationaler' Ebene gefochten wurde.

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    Der zwischenhöfische Wettbewerb spielte auch bei der Auswahl der Geschenke eine nicht unbedeutende Rolle. So hielt Müller einige Erzeugnisse des Goldschmieds Lieberkühn deswegen als Geschenke für geeignet, "weil es eben solche Stücke sind, dergl. der Wienerische Hof nach dem Pstarowitzischen Frieden [!], der Pforte zum Geschenk einreichen lassen." 54 Aus der Tatsache, dass das um sein politisches und militärisches Überleben kämpfende Preußen sich an den Geschenksendungen der kaiserlichen Großmacht orientierte, lassen sich durchaus Rückschlüsse auf den beanspruchten Großmachtstatus Preußens ziehen. Der in Konstantinopel befindliche preußische Gesandte Rexin forderte sogar noch opulentere Geschenke als die, die anlässlich des dänisch-türkischen Freundschaftstraktats 1756 von Seiten der Dänen übergeben worden waren. Da es anstelle der von Friedrich II. erhofften Defensivallianz jedoch lediglich zum Abschluss eines relativ unverbindlichen Freundschafts- und Handelsabkommens 55 gekommen war, lehnte der König diese Forderung ab, mit der Begründung, "dass es genug sei, vor kupfern Geld kupferne Seelmessen zu halten". 56

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    Aufgrund der Bemühungen um adressatenspezifische Feinheiten der Gestaltung verzögerte sich indessen die Fertigstellung der Präsente immer weiter. Im Dezember 1761 informierte Friedrich II. seinen Gesandten über zwei Schreiben an den Sultan und den Großwesir, in welchen er die Verzögerung der Präsente begründete und ausdrücklich betonte, "das solche aus lauter Sachen bestehen, so in Meinem Lande gearbeitet werden." 57 Friedrich II. wusste nur zu gut, dass eine leistungsfähige Galanteriewarenproduktion als Index der Kultiviertheit des Hofes und der Prosperität des Landes galt. Der damit verbundene Prestigefaktor sollte angesichts der fürstlichen Statuskonkurrenz auf dem diplomatischen Parkett für Reputation sorgen und ihn als Allianzpartner attraktiv machen.
    Noch bevor jedoch die umfangreiche und kostbare Geschenksendung nach einem langen Transportweg über Land endlich ihre Empfänger erreichen konnte, änderten sich die politischen Verhältnisse grundlegend. Zar Peter III. trat aus der großen antipreußischen Allianz aus und schloss am 9. Juni 1762 einen Allianzvertrag mit Preußen. Nach seiner Ermordung einen Monat später, am 9. Juli 1762, ergriff Katharina II. die Macht. Sie hob zwar den Allianzvertrag auf, bestätigte aber den Frieden. Der Abschluss einer Defensivallianz mit den Türken verlor demnach für Friedrich II. an Bedeutung. Ohnehin sah sich der Preußenkönig durch die Hinhaltetaktik der Türken in seinen Erwartungen enttäuscht und in seiner herrschaftlichen Würde gekränkt. Dementsprechend schrieb er am 26. Oktober 1762 an seinen Gesandten Rexin in Konstantinopel: "Da Ich aber nach einer Geduld von mehr als sechs Jahren nicht den geringsten Effect davon gesehen, so kann und will ich Mich auch nicht länger darunter amusieren noch wider Meine Dignité mit leeren Worten illudiren und herumführen lassen." 58 Der König wies daher seinen Gesandten an, die sperrigen Geschenke zu möglichst hohen Preisen zu verkaufen, die leicht zu transportierenden hingegen durch einen geheimen Courier zurückzusenden. 59 Auch wenn er seinen Gesandten noch nicht abberief, war für Friedrich die türkische Mission vorerst beendet.

    Ein Porzellanservice für Katharina II.

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    Wesentlich erfolgreicher verlief hingegen der Geschenktransfer von 1772 an Zarin Katharina II. Obwohl es sich lediglich um eine Vertragsverlängerung des seit 1764 bestehenden Defensivbündnisses zwischen Preußen und Russland handelte, kam es im Anschluss an die erfolgreiche Übereinkunft am 23. Oktober 1769 zu einem wechselseitigen Austausch von Geschenken. Während die Zarin Friedrich II. mit dem üblichen russischen Standardgeschenk, einem Pelz aus sibirischen Fuchs- und Marderfellen, beschenkte, wollte sich der Preußenkönig durch ein wesentlich großzügigeres Präsent revanchieren, das weit über den Rahmen der üblichen Reziprozität und diplomatischen Routine hinausging. Durch seinen Gesandten in St. Petersburg ließ er diskret Erkundigungen einholen, ob die Zarin Gefallen an Porzellangegenständen fände. Graf Solms 60 teilte daraufhin mit, dass es ihr weniger auf die Menge oder den Wert der Stücke ankäme als darauf, dass sie dem Geschmack und der persönlichen Auswahl des Königs entsprächen. 61 Durch Kabinettsorder vom 8. April 1770 erfolgte daher bei der Königlichen Porzellanmanufaktur die Bestellung eines umfangreichen Dessertservices "vom Könige nach selbsteigener Angabe", wie der Direktor der Porzellanmanufaktur, Johann Georg Grieninger (1716-1798), formulierte. 62

    <22>

    Das für 120 Personen konzipierte Service umfasste die entsprechende Anzahl an Tellern, vergoldeten Silberbestecken mit bemalten Porzellangriffen, Deckelschüsseln in Gestalt von Netzmelonen mit Unterschalen in Weinblattform, verschieden geformte flache Schalen, mehrere durchbrochene Körbe in unterschiedlichen Größen, Cremetassen, Blumenvasen und einige fünfarmige Leuchter sowie einen mehrteiligen repräsentativen plastischen Tafelaufsatz, der den Mittelpunkt des kostbaren Arrangements bildete. 63

    Abb. 1 Erster Entwurf eines Aufstellungsplanes für das Katharinenservice, 1770/72, Lichtdruck des 19. Jahrhunderts nach einer verschollenen lavierten Zeichnung, Karton 33,7x94,7 cm (3 Exemplare), KPM-Archiv Schloss Charlottenburg, Berlin

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    Im Zentrum des Tafelaufsatzes befand sich ein rundes Stufenpostament, auf dem die russische Zarin mit den Insignien ihrer Macht, der Krone auf dem Haupt und dem Reichsapfel in der linken Hand unter einem auf Säulen ruhenden Baldachin thronte. 64

    <24>

    Als Vorlage dieser Figur diente das repräsentative "Bildnis der Kaiserin Katharina II. im Krönungsornat" von Vigilius Eriksen (1722-1782), das die Zarin im Jahr zuvor Friedrich II. zum Geschenk gemacht hatte. 65 Abgesehen von der künstlerischen Herausforderung stellte die Umsetzung des gemalten Porträts in eine Porzellanfigur einen sehr feinsinnigen Umgang mit dem Gemäldepräsent dar. Demonstrierte das repräsentative Staatsporträt nachdrücklich das herrschaftliche Selbstverständnis der Zarin, so brachte die keramische Umformung die preußische Akzeptanz des selbigen auf subtile Weise zum Ausdruck. Die adressatenspezifische Gestaltung des Tafelaufsatzes zeigte sich zusätzlich in den allegorischen Figuren.

    Abb. 2 "Bildnis der Kaiserin Katharina II. im Krönungsornat" von Vigilius Eriksen (1722-1782), SPSG GK I 1023.

    <25>

    In Anspielung auf die gesetzgeberischen Aktivitäten Katharinas II. wurde die Porzellanfigur der Zarin von den Personifikationen der Justitia und Themis flankiert. Dementsprechend hielt Themis, als Personifikation der Gerechtigkeit und Gesetzgebung, ein Gesetzbuch in Händen, auf dem in goldener Schrift die Worte "Legis Novae" standen, als Hinweis auf den von Katharina verfassten, 1767 und 1770 veröffentlichten "Nakaz", der Anleitung zu einem neuen Zivilkodex. 66 In der Wahl dieser Personifikationen brachte Friedrich II. möglicherweisezugleich seine sozialnormative Erwartung zum Ausdruck, die Zarin möge ihre politischen Reformen auch künftig weiterführen, ungeachtet reformfeindlicher Gruppierungen am Hofe.

    <26>

    Ergänzend zu diesen hauptsächlich innenpolitisch wirksamen Regierungstugenden waren auf den Stufenpostamenten die antiken Götterfiguren von Mars, Bellona, Herkules und Minerva angeordnet, die eine dem höfischen Geschmack entsprechende allegorische Verkörperung militärischer Stärke und kulturpolitischer Förderung darstellten. Die adressatenspezifische Ausrichtung dieses Figurenprogramms trug insbesondere Minerva, der antiken Göttin der Weisheit, Rechnung. Bereits bei ihrer Machtergreifung im Jahre 1762 hatte Katharina II. eine Medaille mit ihrem Rollenporträt als Minerva prägen lassen und verwandte sie seitdem als mythologische Identifikationsfigur. 67

    <27>

    Die geflügelte Fama, die an der Rückseite des Thrones den Ruhm Katharinas verkündete und das russische Wappenschild mit Lorbeer bekränzte, entsprach hingegen eher einem der höfischen Konvention verpflichteten allegorischen Topos.

    <28>

    Der unbemalte zentrale Tafelaufsatz bezog seine Wirkung nicht zuletzt aus der Reinheit des weißen Porzellans. In der Tat war es erst kurz zuvor gelungen, ein Mischverhältnis verschiedener Porzellanerden zu finden, das eine dem Meißener Porzellan vergleichbare weiße Farbe hervorbrachte. Das unbemalt belassene Porzellan sollte demnach Zeugnis von der Leistungsfähigkeit der preußischen Porzellanmanufaktur ablegen. Darüber hinaus eröffnete die farblose Porzellanfigur der Zarin mitsamt den sie umgebenden Götterfiguren – durch die weiße Porzellanfarbe antiken Statuen angeglichen – das semantische Bezugsfeld der Antike und ihrer Götterwelt. Die Zarin erschien somit aufgenommen in den Olymp der antiken Götter. Die "Sprache des Materials" war in diesem Fall Ausdruck einer spezifisch höfischen, panegyrischen Rhetorik bzw. Komplimentierkunst.

    <29>

    Umgeben war dieser zentrale Porzellanaufsatz von zahlreichen farbig bemalten Figurengruppen. Abgesehen von Standbildern der sieben sogenannten 'Freien Künste', 68 die die Prosperität Russlands unter der Regentschaft Katharinas verdeutlichten, brachten am Fuße des Stufenpostaments Vertreter der russischen Völkerschaften 69 – in vier Gruppen unterteilt – der Zarin ihre Huldigung dar, ergänzt durch einzelne Porzellanfiguren in den typischen Trachten der unterschiedlichen Völker Russlands. 70

    <30>

    Bei der Auswahl jener Trachten, darunter unter anderem walachische und tatarische, berücksichtigte man die damalige machtpolitische Situation. So nahm beispielsweise die walachische Tracht Bezug auf die nur wenige Monate zuvor erfolgte russische Eroberung und Unterwerfung der Donauprovinzen Moldau und Walachei. Da die russischen Ansprüche auf diese Gebiete von den Türken zurückgewiesen wurden, lieferte der Streit um die Zugehörigkeit dieser Provinzen sowie die zusätzlich von russischer Seite erhobene Forderung nach der Unabhängigkeit der Tatarenstämme von osmanischer Herrschaft den zentralen Konfliktstoff zu mehrjährigen Auseinandersetzungen. 71 Die Herrschaft des russischen Zarentums über die Walachen und Tataren war während des Entstehungszeitraums des Porzellanservices noch keineswegs gefestigt, was jedoch bei der schmeichelhaften Gestaltung des Tafelaufsatzes großzügig übersehen wurde.

    <31>

    Figurengruppen gefesselter Türken, 72 die an Säulen mit türkischen Trophäen gekettet waren, sowie Teller und Schüsseln, deren Bemalung Szenen aus dem letzten russisch-türkischen Krieg zeigten, 73 eröffneten ein weiteres, breites Spektrum an Deutungsmöglichkeiten und Interferenzen: Gratulation zu den vorangegangenen Siegen der russischen Armee, Wunsch nach Beendigung des Konflikts zwischen Russland und der Türkei, der als Gefährdung des europäischen Mächtegleichgewichts empfunden wurde; und nicht zuletzt die psycho-soziale Komponente, die Signalisierung der freundschaftlichen Anteilnahme am Schicksal des Bündnispartners.

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    Dass die vielfältigen Anspielungen ihre Wirkung nicht verfehlten, dürfen wir dem Schreiben des preußischen Gesandten Solms entnehmen, der zufrieden berichtete, die "schmeichelhaften Allegorien in den Gruppen und in den Kartuschen auf den Schüsseln [seien] wohl bemerkt und, wie es auch nicht anders sein konnte, gut aufgenommen worden." 74

    <33>

    Dies war umso wichtiger, als es im Vorfeld der Bündnisverlängerung zu einigen politischen 'Irritationen' gekommen war. Aus Sorge davor, in den russisch-türkischen Krieg hineingezogen zu werden, hatte Friedrich II. die von russischer Seite an ihn herangetragene Bitte um militärische Unterstützung abgelehnt und beschränkte sich auf die im Bündnisvertrag vereinbarten Subsidienzahlungen. 75 Die Gefahr einer russischen Übermacht vor Augen, zog Friedrich II. im Vorfeld der russisch-preußischen Bündnisverhandlungen sogar vorübergehend die Annäherung an Österreich in Betracht. Eine persönliche Zusammenkunft im August 1769 zwischen Friedrich II. und dem österreichischen Thronfolger Joseph II. in Neiße verlief jedoch abgesehen von einem Neutralitätsabkommen ergebnislos. 76 Vor diesem Hintergrund lässt sich das überproportionale Porzellangeschenk auch als Bemühung des Preußenkönigs werten, möglicherweise bestehende russische Zweifel an der preußischen Bündnistreue zu zerstreuen. Für Friedrich II. stellte die Allianz mit Russland nach wie vor das unerlässliche Gegengewicht gegenüber Österreich dar und sollte der Stabilisierung und Stärkung der preußischen Position im europäischen Machtgefüge dienen.

    Imagearbeit

    <34>

    Obwohl der preußische König, um der außenpolitischen Isolierung zu entgehen und seine territorialen Erwerbungen zu wahren, auf das Bündnis mit Russland dringend angewiesen war und dadurch eigentlich eine unterlegene Position einnahm, vermittelte das repräsentative Tafelservice ein äußerst selbstbewusstes Bild Preußens an die Zarin. Sofern man Fremdbilder als konstruierte "Bilder in den Köpfen" begreift, 77 wird man vermuten dürfen, dass Geschenke ein solches Fremdbild nicht unwesentlich zu prägen oder auch zu manipulieren vermochten. Genau diese Möglichkeit machte sich Friedrich II. zunutze, indem er mit dem Tafelservice das Bild eines äußerst kultivierten und wirtschaftlich potenten Preußens im Kopf der russischen Zarin zu verankern beabsichtigte. Auf diese Weise versuchte der preußische König – eingedenk der Hobbes ' schen Maxime "Reputation of Power is Power" – sich vorläufig wenigstens symbolisch als gleichwertiger und souveräner Bündnispartner Russlands zu etablieren. 78 Der sich im kostbaren Präsent manifestierende selbstbewusste Großmachtsanspruch täuschte indes nonchalant über die skeptische Selbsteinschätzung Friedrichs II. hinweg, die ihn noch 1781 am längst erreichten Großmachtstatus zweifeln ließ. Dies geht zumindest aus dem kolportierten Gespräch hervor, dass der preußische König im Jahre 1781 mit seinen Tischgästen im chinesischen Teehäuschen im Park von Sanssouci führte. Über die Statuten der Orden europäischer Fürsten spottend schlug er eine Reform vor: für das Haus Habsburg einen Jupiter, Merkur für England, für Frankreich den Stern der Venus und für Preußen "einen Affen; denn wir äffen die Großmächte nach, ohne es zu sein". 79 Diese Äußerung ist umso erstaunlicher, als Preußen zu dieser Zeit längst unbestritten zur Pentarchie der Großmächte gehörte. Wenn man die Äußerung Friedrichs II. nicht lediglich als eine Koketterie abtun möchte, erweisen sich in diesem Fall Selbstbild und Fremdwahrnehmung als nicht deckungsgleich. So gesehen wird man die Geschenkpolitik Friedrichs II. als einen in der Wirkung wohl kalkulierten Bestandteil seiner Imagearbeit ansehen können.

    Rezeption des Präsents

    <35>

    Es passt zu dieser fast schon modern anmutenden Imagearbeit, dass Friedrich II. das Tafelservice nach seiner Vollendung im April des Jahres 1772 auf einer langen Tafel aufstellen und 14 Tage lang von der Öffentlichkeit begutachten ließ. "Die ganze königliche Familie mit dem ganzen Hofstaat, die Vornehmsten, ja die mehrsten Einwohner von Berlin kamen, um dieses königliche Geschenk in Augenschein zu nehmen. Der Sehensbegiehrigen wurden zuletzt so viele, dass das unordentlich Zudringen kaum durch die Soldaten-Wachen, welche alle Zugänge besetzt hatten, konnte abgehalten werden" 80 berichtete der stolze Manufakturdirektor Grieninger.

    <36>

    Den propagandistischen Wert des Geschenks erkannte auch die Zarin, die daraufhin das Service nach dem Berliner Vorbild ebenfalls öffentlich zur Schau stellte. Die Präsentation des Porzellangeschirrs sollte demnach ungeachtet aller vorangegangenen politischen Irritationen nicht nur der "gemeineuropäischen Hochadelsgesellschaft", 81 sondern auch der gesamten Öffentlichkeit die enge Allianz zwischen Preußen und Russland im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen. Die öffentliche Präsentation konvertierte das Geschenk für beide Parteien gleichermaßen in "symbolisches Kapital" bzw. Prestige.

    <37>

    Die nach der Begutachtung des Services durch Prinz Heinrich vorab gegenüber dem preußischen Gesandten am Zarenhof geäußerte Ansicht, "wenn Sie es überreichen, werden Sie Ehre damit einlegen", 82 verlieh nicht nur seiner persönlichen Überzeugung Ausdruck, sondern formulierte sehr genau die politische Wirkungsabsicht des Präsents. So ging es bei dem überproportionalen Geschenk eben nicht ausschließlich um die Ehrerweisung gegenüber Katharina II. als Adressatin, sondern gleichsam um die Steigerung der Reputation Friedrichs II.

    Schluss

    <38>

    Friedrich erweist sich demnach als ein Monarch, der sich nach wie vor den seit Jahrhunderten gültigen Leitmotiven fürstlichen Handelns, "gloire" und "réputation", verpflichtet fühlte. 83 Als ehrgeiziger Herrscher entwickelte er die erfolgreiche brandenburgisch-preußische Geschenkpolitik seiner Vorgänger weiter zu einer anspielungsreichen und formvollendeten 'Kunst des Schenkens'. Dass diese feinsinnigen Anspielungen jedoch zuweilen ihre Adressaten verfehlten, geht aus einer abschließend geschilderten Anekdote hervor, die uns Dieudonné Thiebault überliefert. Er schildert einige militärische Manöver, die zu Ehren des russischen Großfürsten Paul bei seinem Besuch in Potsdam 1776 von Friedrich II. veranstaltet wurden: "Der Feldmarschall Romanzow, auf dessen Urteil man vor allen Dingen Wert legte, schien davon entzückt zu sein, er sagte zu einem der preußischen Generäle: 'Die Manöver sind ausgezeichnet ausgeführt; es kommt mir vor, als wären sie die Nachahmung irgend einer berühmten Schlacht aus dem Altertum; sagen Sie mir doch bitte: ist sie nicht von Alexander oder von Hannibal oder von Cäsar?' Der preußische General wusste kaum, was er antworten sollte, denn das Scherzhafte an der Sache war, dass die Manöver eine Nachahmung der beiden großen Siege waren, die Romanzow selbst über die Türken erfochten hatte, und dass Friedrich dadurch eine feine Schmeichelei gegen den russischen Feldherrn beabsichtigte. Man kann sich denken, dass die preußischen Offiziere über das Missverständnis des Russen weidlich lachten." 84

    Autorin:

    Dr. Jeannette Opalla
    Opalla@gmx.net

    1 Begriff von Erving Goffmann: Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichen Ordnung, Frankfurt a. M. 1974, 262.

    2 Friedrich Carl von Moser: Teutsches Hof=Recht, Bd. 2, Franckfurt und Leipzig 1755, 11. Buch, Cap. 5, § 1, 777ff.

    3 Eine ausführliche Berücksichtigung fanden diese Aspekte in meiner Dissertation: Jeannette Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen am brandenburgisch-preußischen Hof im 17. und 18. Jahrhundert, (=Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Bd. 31), Berlin 2006, 67ff.

    4 Instruktion von Friedrich II. für seinen nach Konstantinopel bestimmten Gesandten von Haude im Jahre 1755, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 96 Cabinettsregistratur, Fach 70 Lit. A1, Bl. 20r.

    5 Friedrich II. an Rexin, 10. Mai 1760, in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, hg. von der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 19, Berlin 1892, 336.

    6 Finckenstein und Hertzberg am 16. September 1765 an den König; GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d1, Fasz. 6, ohne Paginierung.

    7 Friedrich II. an Finckenstein und Hertzberg am 17. September 1765; GStA PK, I. HA, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d1, Fasz. 6, ohne Paginierung.

    8 Zur Begründung führten sie an, dass es sich bei der diplomatischen Mission nicht um eine feierliche Erstaudienz handle, sondern um die Fortsetzung der bestehenden diplomatischen Beziehungen.

    9 Friedrich II. an den Etatsminister Graf Finckenstein, 8. Juli 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep.11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 74r.

    10 Eichel an Etatsminister Finckenstein, 2. März 1760, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 19, Berlin 1892, 151, Nr. 11 884.

    11 Friedrich II. an seinen Gesandten Rexin in Konstantinopel, 11. März 1764, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 23, Berlin 1896, 303, Nr. 14 973.

    12 Noch 1996 bedauerte Peter Blastenbrei die "Schwierigkeiten" bei der Feststellung des preußischen Gesamthaushalts. Vgl. Peter Blastenbrei: Der König und das Geld. Studien zur Finanzpolitik Friedrichs II. von Preußen, in: Forschungen zur Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, NF 6 (1996), 55-82.

    13 Adolph Friedrich Riedel: Der Brandenburgisch-Preussische Staatshaushalt in den beiden letzten Jahrhunderten, Berlin 1866, 124.

    14 Eine entsprechende Übersicht gewährt Georg Lenz: Berliner Porzellan. Die Manufaktur Friedrichs des Großen 1763-1786, Bd. 1, Berlin 1913, Neudruck 1991, Beilagen, 14ff.

    15 Schenkt man den Erinnerungen des Höflings Dieudonné Thiébault (1733-1807) Glauben, unterhielt Friedrich II. sein Departement der Auswärtigen Affairen "mit äußerst geringen Kosten; die Anzahl der Beamten in den Berliner Bureaus war sehr klein, weil jeder dort angestellte ganz gehörig arbeiten mußte. Oft machten die Minister ihre Kopien selbst, ihre Briefe schrieben sie stets eigenhändig. Die Gesandten oder Bevollmächtigten an den fremden Höfen hatten nur sehr geringe Bezüge; (…) Friedrich gab seinen Gesandten in Paris, Wien, London und Petersburg nur sechstausend Thaler, die anderen hatten gar nur viertausend." Dieudonné Thiébault: Friedrich der Große und sein Hof. Persönliche Erinnerungen an einen zwanzigjährigen Aufenthalt in Berlin von Dieudonné Thiébault, bearb. von Heinrich Conrad, 2 Bde., 3. Aufl., Stuttgart o. J. [1909], hier Bd. 2, 116ff.

    16 Thiébault: Friedrich der Große und sein Hof (wie Anm. 15), Bd. 2, 117.

    17 Thiébault: Friedrich der Große und sein Hof (wie Anm. 15), Bd. 2, 118.

    18 GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 9 Allgemeine Verwaltung, ZL, Fasz. 36, Bl. 10r.

    19 GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 9 Allgemeine Verwaltung, ZL, Fasz. 36, Bl. 10r.

    20 Lenz: Berliner Porzellan (wie Anm. 14), 24.

    21 Johann Georg Grieninger: Vom Ursprung und Fortgang der Königlichen aechten Porzellan=Manufaktur zu Berlin, in: Hohenzollern-Jahrbuch 6 (1902), Anhang 186-206, hier: 202.

    22 GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 9 Allgemeine Verwaltung, ZL, Fasz. 36, Bl. 10r.

    23 Müller an Finckenstein, 15. Juli 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 8, Bl. 11r.

    24 Karl Wilhelm von Finckenstein (1714-1800) fungierte von 1760-1763 als alleiniger Leiter des Departements der Auswärtigen Affairen. Ab 1763 arbeitete er zusammen mit Ewald Friedrich von Hertzberg.

    25 Ewald Friedrich von Hertzberg (1725-1795), preußischer Kriegsminister, leitete ab 1763 zusammen mit Finckenstein das Departement der Auswärtigen Affairen.

    26 Friedrich II. an seine Minister vom Departement der Auswärtigen Affairen, Potsdam, den 18. Oktober 1765, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275d1, Fasz. 6, ohne Paginierung.

    27 Finckenstein am 18. Okt. 1761 an den Kriegsrat Müller; GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 8, Bl. 57r.

    28 Dementsprechend wies Friedr ich II. Finckenstein 1761 an, die Geschenke nur von Berliner Künstlern ausführen zu lassen, "afin que ces bonnes gens-là y gagnent au moins leur vie là, pendent ce temps fâcheux et les troubles auxquels ils ont été." Friedrich II. an Finckenstein, Extrakt eines Briefes vom 1. Juli 1761, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 20, Berlin 1893, 514, Nr. 13 023.

    29 Friedrich II. an den Geheimen Commerzienrat von Rexin, 24. Februar 1760, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 19, Berlin 1892, 122ff, Nr. 11 859.

    30 Friedrich II. an Rexin, 24. Februar 1760, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5) , Bd. 19, Berlin 1892, 124, Nr. 11 859.

    31 Friedrich II. an Rexin, 10. Mai 1760, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5) , Bd. 19, Berlin 1892, 334, Nr. 12 072.

    32 Friedrich II. an Finckenstein, 1. Juni 1761, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 20, Berlin 1893, 433, Nr. 12 928. Die Generalabrechnung ergab schließlich Aufwendungen von mehr als 1,7 Millionen Talern. Vgl. Karl Pröhl: Die Bedeutung preußischer Politik in den Phasen der orientalischen Frage. Ein Beitrag zur Entwicklung deutsch-türkischer Beziehungen von 1606 bis 1871 (=Europäische Hochschulschriften Reihe III, 315), Frankfurt a. M. / Bern / New York 1986, 100.

    33 Friedrich II. an Rexin in Konstantinopel, 1. Dezember 1761, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 21, Berlin 1894, 97, Nr. 13 316.

    34 Finckenstein an Friedrich II., 16. April 1760, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Tit. 275 d, Fasz. 17, Bl. 40r+v.

    35 Friedrich II. an Graf Finckenstein, Freiberg, 20. April 1760, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 17, Bl. 52r. Finckenstein wies daher den für die Beschaffung der türkischen Geschenke betrauten Kriegsrat Müller an: "Da man nicht gewiß ist, ob und welche Bilder die Türcken nicht gerne sehen, so wird am besten seyn, auf die Säbel Klingen keine andere Zierrathen als einiges Blumenwerck zu stechen und mit Gold einzulegen." Graf Finckenstein an Kriegsrat Müller, 20. Juni 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275d, Fasz. 11, Bl. 8r.

    36 Friedrich II. an seinen Gesandten Rexin, 24. Februar 1760, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 19, Berlin 1892, 123ff, Nr. 11 859.

    37 Gemeint ist der Unternehmer David Splittgerber (1683-1764).

    38 Johann Jacob Schickler (1711-1775) leitete zusammen mit Splittgerber ein führendes Handels- und Bankhaus.

    39 Gemeint ist der Magistratspräsident, Polizeidirektor und Geheime Kriegsrat Karl David Kircheisen (gest. 1770).

    40 Kriegsrat Müller an Finckenstein, 13. Juni 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 3r.

    41 Kriegsrat Müller an Finckenstein, 13. Juni 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 3v.

    42 Postscriptum 2 von Kriegsrat Müller an Finckenstein, 1. Juli 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 62r.

    43 Postscriptum 2 von Kriegsrat Müller an Finckenstein, 1. Juli 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 62r.

    44 Müller an Finckenstein, Postscriptum 25. Juli 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 8, Bl. 39r. Zwei Entwürfe einer Turban-Aigrette von den Gebrüdern Jordan sind zu finden in: GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 89+90.

    45 Müller an Finckenstein, 4. August 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 8, Bl. 71v. Vermutlich handelt es sich bei der Oper "Soliman" um die gleichnamige, 1753 in Dresden uraufgeführte Oper von Johann Adolph Hasse (1699-1783). Hasse, der rund drei Jahrzehnte als Hofkapellmeister in Dresden tätig war, wurde von Friedrich II. außerordentlich geschätzt und zählte in den Augen der Zeitgenossen zu den erfolgreichsten Komponisten des Rokoko.

    46 Postscriptum von Müller an Finckenstein, 26. Juli 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 8, Bl. 36r.

    47 Eichel an Etatsminister Finckenstein, 22. April 1760, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 17, Bl. 58r. Auch die Auswahl der Porträtvorlage oblag motivischen Einschränkungen. So gab Eichel dem Etatsminister Finckenstein Recht, sein "Sentiment wegen der Krone und wegzulassendem Hut [würde] unfehlbar das beste sein". Eichel an Etatsminister Finckenstein, Lager bei Meißen, 11. Juni 1760, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 19, Berlin 1892, 412, Nr. 12 158.

    48 Vermutlich handelt es sich bei dem Künstler um Emanuel Dubuisson (1699-1785), Schüler und Gehilfe seines Schwagers, des Hofmalers Antoine Pesne, der später als eigenständiger Porträtmaler in Berlin tätig war. Allgemeines Künstlerlexikon 30 (2001), 127. Sein Bruder Augustin Dubuisson führte zahlreiche Blumen- und Fruchtstillleben für die Ausstattung der Schlösser Friedrichs II. aus.

    49 Kriegsrat Müller an Etatsminister Finckenstein, 6. Juli 1761, GStA PK, 1. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 8, 15v.

    50 Kriegsrat Müller an Etatsminister Finckenstein, 16. Juni 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 11r.

    51 Kriegsrat Müller an Etatsminister Finckenstein, 7. Juli 1761, GStA PK, 1. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 76v.

    52 Müller an Finckenstein, 20. Juni 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 25r. "Herr Kircheisen hat mir versichert, dass während seines Aufenthaltes in Wien, ein paarmahl Geschencke an den Sultan abgegangen wären, welche aber in Silber-Geschirre, und andern Preciosis mit Brillianten bestanden, und wusste er nicht, ob man sich denn Kutschen zu Constantinopel bedienten. (…) H[err] Delon hingegen behauptet, dass, obschon der Sultan, die meiste Zeit ritte, Er dennoch Kutschen an der Pforte gesehen habe. Er wisse hiernächst gaantz zuverlässig, dass der Römische Kaiser einstmahls dergleichen zum Präsent überschickt; der Graf von Desalleurs auch, von Seiten seines Hofes, zwey lackierte Wagen von Martin, zum Geschenk an den Sultan überlieffert hätte, mithin er glaubte, dass ein Phaeton eben nicht unangenehm sein dürfte."

    53 Müller an Finckenstein, 27. Oktober 1761; GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275d, Fasz. 9, Nr. 37 (nach Vorgängen nummeriert). Müller räumte jedoch ein, sein Informant "siehet aber selbst die Schweche seiner Einwendungen ein, und hat er mir selbst gesagt, dass sowohl Säbel als Wagen von Seiten Frankreichs übersandt und gantz wohl aufgenommen worden sind."

    54 Kriegsrat Müller an Finckenstein, 13. August 1761, GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 11 Auswärtige Beziehungen, Tit. 272-276 Türkei, Nr. 275 d, Fasz. 7, Bl. 3v. – Gemeint ist der Friede von Passarowitz im Jahr 1718.

    55 Kapitulation vom 2. April 1761, im Mai ratifiziert von Friedrich II.

    56 Eichel kolportierte diese Äußerung des Königs in einem Brief an Etatsminister Graf Finckenstein, 1. Juni 1761, Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 20, Berlin 1893, 433ff., Nr. 12929.

    57 Friedrich II. an seinen Gesandten Rexin in Konstantinopel, 27. Dezember 1761, Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 21, Berlin 1894, 145, Nr. 13 365.

    58 Friedrich an seinen Gesandten Rexin in Konstantinopel, 26. Oktober 1762, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 21, Berlin 1894, 293, Nr. 14 192.

    59 Friedrich II. an Rexin, 8. September 1762, in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 22, Berlin 1895, 201ff., Nr. 14 086.

    60 Victor Graf von Solms-Sonnenwalde (1730-1783) vertrat von 1762-1779 als Gesandter die preußischen Interessen in Russland.

    61 Graf Solms an Friedrich II., ohne Datum (aber vor dem 21. Februar 1770) in: Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 29, Berlin 1903, 355, Nr. 18813, Anm. 3.

    62 Grieninger: Porzellanmanufaktur Berlin (wie Anm. 21), 202. Später nochmals publiziert von Lenz: Berliner Porzellan (wie Anm. 14), 3ff. Die nachfolgenden Ausführungen basieren auf dem Aufsatz von Wassilissa Pachomova-Göres: Geschenke Friedrichs des Großen an den russischen Hof, in: Von Sanssouci nach Europa. Geschenke Friedrichs des Großen an europäische Höfe, Ausstellung zum Jubiläum 250 Jahre Sanssouci, 10. August – 16. Oktober 1994, Neues Palais in Sanssouci, hg. von Stiftung Schlösser und Gärten, Potsdam-Sanssouci 1994, 22-39. Näheres dazu auch in meiner Dissertation. Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 4), 183-201. Beide Publikationen mit entsprechenden Abbildungen.

    63 Die Gesamtansicht des Services zeigt ein Beiblatt vom Ausstellungskatalog: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62); Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 3), Abb. 29.Bedingt durch technische Schwierigkeiten bei der Herstellung des plastischen Tafelaufsatzes benötigte die Manufaktur zwei Jahre zur Fertigstellung des Services.

    64 Abbildung in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 23; Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 3), Abb. 30.

    65 Abbildung in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 25; Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 3), Abb. 31. Ursprünglich im Speisesaal des königlichen Appartements im Berliner Schloss untergebracht, befindet sich das Gemälde heute im Neuen Palais in Potsdam (Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Neues Palais, GK I 1023).

    66 Im Jahre 1783 stellte Dmitri Grigoriewitsch Leizkij (1735-1822) in einem allegorischen Gemälde die Zarin nochmals als Gesetzgeberin im Tempel der Themis dar. Ljudmilla A. Markina: Die Maler der Zarin. Katharina die Große im Porträt, in: Ausstellungskatalog Katharina die Große 1997, hg. von Staatliche Museen Kassel, Ausstellung vom 13. Dezember 1997 – 8. März 1998 im Museum Fridericianum Kassel, Kassel 1997, 61-66, hier: 64.

    67 Die antike Göttin visualisierte programmatisch das von der Aufklärung geprägte Herrschaftsverständnis der Zarin. Die Medaille findet sich abgebildet im Ausstellungskatalog: La France et la Russie au Siècle des Lumières. Relations culturelles et artistiques de la France et de la Russie au XVIIIe siècle, Paris 1986, Kat. Nr. 623. Der anlässlich ihrer Thronbesteigung zu Beginn des Jahres 1763 veranstaltete Festumzug feierte die Zarin mit größtmöglicher Öffentlichkeitswirkung als "Triumphierende Minerva". Markina: Maler der Zarin (wie Anm. 66), 64.

    68 Abbildungen in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 118, 119.

    69 Abbildung in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 117; Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 4), Abb. 32.

    70 Abbildung in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 119; Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 4), Abb. 33.

    71 Dazu ausführlich Frank Althoff: Untersuchungen zum Gleichgewicht der Mächte in der Außenpolitik Friedrichs des Großen nach dem Siebenjährigen Krieg (1763-1786) (=Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 10), Berlin 1995, 57ff.

    72 Abbildung in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 118; Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 3), Abb. 34.

    73 Abbildung in: Von Sanssouci nach Europa (wie Anm. 62), 113; Falcke: Studien zum diplomatischen Geschenkwesen (wie Anm. 3), Abb. 35. Die Darstellung erfolgte unter anderem nach Vorlagen von Stichen nach Gemälden niederländischer Meister wie beispielsweise Philips Wouwermann oder David Teniers. Auch Vorlagen des 'einheimischen' Künstlers Daniel Chodowiecki fanden Verwendung.

    74 Bericht von Graf Solms an Prinz Heinrich vom 18. August 1772, zitiert in Gustav Berthold Volz: Ein Geschenk Friedrichs des Großen an Katharina II., in: Hohenzollern-Jahrbuch 12 (1908), 49-61, hier: 58.

    75 Althoff: Gleichgewicht der Mächte (wie Anm. 71), 57ff., 70ff. Dazu auch Wolfgang Stribny: Die Rußlandpolitik Friedrichs des Grossen 1764-1786 (=Beihefte zum Jahrbuch der Albertus-Universität Königsberg / Pr., XXVI), Würzburg 1966, 29ff., 32ff.

    76 Gustav Berthold Volz: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße und Neustadt, in: Hohenzollern-Jahrbuch 10 (1906), 93-129.

    77 Klaus Roth: "Bilder in den Köpfen." Stereotypen, Mythen, Identitäten aus ethnologischer Sicht, in: Das Bild vom Anderen. Identitäten, Mentalitäten, Mythen und Stereotypen in multiethnischen europäischen Regionen, hg. von Valerie Heuberger, Arnold Suppan und Elisabeth Vyslonzil, Frankfurt a. M. 1998, 21-44, hier: 28ff.

    78 Angesichts zahlreicher russischer Interventionen befürchtete Friedrich II. die Beeinträchtigung seiner herrschaftlichen Befugnisse und sah sich 1766 sogar genötigt zu betonen: "Je me ferai un plaisir d ' être l ' allié des Russes, mais, tant quem es qeux seront ouverts, je ne serai pas leur esclave." Friedrich II. an seinen Gesandten am Zarenhof, Graf Solms, 6. August 1766, Politische Correspondenz (wie Anm. 5), Bd. 25, Berlin 1899, 187, Nr. 16174.

    79 Zitiert in Werner Markert: Preußisch-russische Verhandlungen um einen europäischen Sicherheitspakt im Zeichen der Heiligen Allianz, in: Preussen – Deutschland und Russland: vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, mit Beiträgen von Winfried Baumgart (=Abhandlungen des Göttinger Arbeitskreises, 9), Berlin 1991, 24ff.

    80 Auszug aus dem Bericht des Königlichen Geheimen Kommissions-Rates Johann Georg Grieninger, seit 1763 Direktor der Porzellan-Manufaktur in Berlin, zitiert in: Grieninger: Porzellanmanufaktur Berlin (wie Anm. 21), 202.

    81 Barbara Stollberg-Rilinger: Höfische Öffentlichkeit. Zur zeremoniellen Selbstdarstellung des brandenburgischen Hofes vor dem europäischen Publikum, in: Forschungen zur Brandenburgisch-Preußischen Geschichte N. F. 7 (1997), 145-176, hier: 148.

    82 Prinz Heinrich an Graf Solms, 3. März 1772, zitiert in: Volz: Ein Geschenk Friedrichs des Großen (wie Anm. 74), 52.

    83 Diplomatische Geschenke waren nicht zuletzt deshalb kein Gegenstand des Vorwurfs der Verschwendung.

    84 Thiébault: Friedrich der Große und sein Hof (wie Anm. 15), Bd. 1, 304-305. Ob Romanzow die Anspielung tatsächlich nicht erkannte, oder ob er die Schmeichelei des preußischen Königs ins Leere laufen lassen wollte, bleibt Spekulation.

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    PSJ Metadata
    Jeanette Opalla
    Das Geschenkwesen am friderizianischen Hof
    Absicht und Botschaft
    Im Spannungsfeld zwischen Courtoisie, politischer Strategie und Reputation gelegen, bildeten großzügige Geschenke auch für den auf Sparsamkeit bedachten Friedrich den Großen ein unverzichtbares und wirksames Mittel der Diplomatie. Wünsche und Vorlieben fanden bei der meist adressatenspezifischen Gestaltung der Präsente ebenso Berücksichtigung wie der soziale Rang des Beschenkten. Geschickt wusste Friedrich II. prestigeträchtige Geschenke auch zur Steigerung der eigenen Reputation einzusetzen. Er entwickelte die erfolgreiche brandenburgisch-preußische Geschenkpolitik seiner Vorgänger weiter zu einer anspielungsreichen und formvollendeten 'Kunst des Schenkens'. Durch ihre spezifischen Motive oder Materialien übermittelten die Präsente zuweilen auch politische Botschaften und dienten Friedrich II. als non-verbale, symbolische Kommunikationsform.
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Sparsamkeit Prestige Reputation Geschenkpolitik Außenpolitik
    Abbildung 1 Abbildung 1 Erster Entwurf eines Aufstellungsplanes für das Katharinenservice, 1770/72, Lichtdruck des 19. Jahrhunderts nach einer verschollenen lavierten Zeichnung, Karton 33,7x94,7 cm (3 Exemplare), KPM-Archiv Schloss Charlottenburg, Berlin
    Abbildung 2 Abbildung 2 "Bildnis der Kaiserin Katharina II. im Krönungsornat" von Vigilius Eriksen (1722-1782), SPSG GK I 1023
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    J. Opalla: Das Geschenkewesen am friderizianischen Hof
    In: Friedrich der Große und der Hof. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 10./11. Oktober 2008, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 2)
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Opalla_Geschenkewesen
    Veröffentlicht am: 15.09.2009 17:10
    Zugriff vom: 29.06.2017 09:20
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