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C. Appel: Geleitwort

Friedrich300 – Friedrich der Große und der Hof

Geleitwort

Clemens Appel


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Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, der Kutschstall des ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses, steht an einem der schönsten Plätze der Stadt Potsdam – Am Neuen Markt – inmitten des historischen Zentrums. Und ganz in der Nähe stand das Stadtschloss – am Alten Markt. Ein Neubau des Brandenburger Landtages auf dem Gelände des ehemaligen Stadtschlosses soll bis 2011 hier realisiert werden. Das ist ein wesentlicher Teil der städtebaulichen "Wiedergewinnung der historischen Mitte". Das Parlament wird in der Kubatur des ehemaligen Stadtschlosses errichtet mit einer größtmöglichen Wiederannäherung an Gliederung und Erscheinung der äußeren historischen Fassade des Potsdamer Stadtschlosses. Das Fortunaportal steht schon, es war eine wichtige Vorleistung für das Gesamtprojekt. Die Glücksgöttin Fortuna ist sicher die Richtige, um der Stadt Potsdam und dem Land als Bauherrn den Weg zu weisen.

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Die Zeit Friedrichs des Großen, der sich wohl lieber selbst den Titel "der Weise" gegeben hätte, war wohl der stadtgeschichtliche Zenit Potsdams in monarchischer Zeit. Wie sah es aus zu Hofe, jenseits aller Legenden, wie lebte der König mit seinem Gefolge, wenn die Staatsgeschäfte ihn nicht anderswohin führten? Das zu erörtern, ist sicher lohnend, zumal sich der 300. Geburtstag des Monarchen bald jährt. Beim Thema Friedrich der Große und sein Hof habe ich die Gemälde von Antoine Pesne und Adolph Menzel vor Augen. Und die Beschreibungen Voltaires zum Tagesablauf kommen mir in den Sinn. Der französische Aufklärer, der nahezu drei Jahre zu Gast bei Hofe war, notierte unter anderem: Nachdem Friedrich mit zwei oder drei Günstlingen Kaffee genommen hatte, widmete der König sich den Staatsgeschäften (…) Und weiter führte er aus: Gegen elf inspizierte er sein Garderegiment. Zur Hauptmahlzeit – die sich bis zu fünf Stunden hinziehen konnte – speisten Prinzen, Generäle, Kammerherren, bezahlte Zuhörer seiner Monologe an der königlichen Tafel. Dann zog Friedrich sich zurück, um Verse zu verfassen; später erschien sein Vorleser. Um sieben begann ein kleines Konzert, bei dem Friedrich die erste Flöte spielen und oft auch eigene Kompositionen vorzutragen pflegte.
Also ganz anders als am Hofe seines Vaters, dem Soldatenkönig, wo eher raue Sitten vorherrschten. Es ist wohl dieser Gegensatz bei Friedrich II. zwischen der Leidenschaft für das Militärische und "der Verweichlichung in seinem Schloss" – wie es Voltaire bezeichnete – was Generationen von Historikern beschäftigen sollte.

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Ich finde es sehr begrüßenswert, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten begonnen hat, Person und Zeit Friedrichs des Großen neu zu beleuchten und zu erforschen. Und das ist nicht nur meine offizielle Auffassung als Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die Stiftung möchte die Forschung zu Friedrich und seiner Zeit anregen und dadurch das Wissen und das Bewusstsein um einen wichtigen Teil der deutschen Vergangenheit erweitern. Die einzelnen Vorhaben sind sehr ambitioniert, werden uns große Freude machen und bereiten das Friedrich-Jubiläum 2012 gut vor. Für Potsdam und Brandenburg wird es ein ganz bedeutsames Jahr sein.

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Die Publikation der Tagungsbeiträge spiegelt den guten, erkenntnisreichen Austausch der Wissenschaftler untereinander und mit der interessierten Öffentlichkeit. Ich hoffe, dass diese Veröffentlichung der Beschäftigung mit Friedrich II. und mit Potsdam neue Impulse geben wird.

Clemens Appel

Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg

Potsdam, im Juni 2009

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

PSJ Metadata
Clemens Appel
Geleitwort
CC-BY-NC-ND 3.0
PDF document Appel_Geleitwort.doc.pdf — PDF document, 65 KB
C. Appel: Geleitwort
In: Friedrich der Große und der Hof. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 10./11. Oktober 2008, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 2)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Appel_Geleitwort
Veröffentlicht am: 15.09.2009 16:55
Zugriff vom: 20.11.2017 14:48
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