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M. Schippan: Eine historisch Große

Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

Eine historisch Große

Katharina II. von Russland

Michael Schippan


Abstract

Die 1762 durch einen Staatsstreich zur Macht gelangte Zarin Katharina II. (1729-1796) war die einzige Herrscherin, der von den Zeitgenossen und der Nachwelt der Beiname "die Große" zuerkannt wurde. Entsprechend den Intentionen russischer adliger Würdenträger, die ihr mehrfach dieses Epitheton antrugen, sollte die Kontinuität zur vorangegangenen Regierungszeit Zar Peters des Großen sichtbar gemacht werden. Zu Katharinas Verherrlichung trugen im Ausland Aufklärer wie Voltaire und der Prinz de Ligne bei. Katharina erfüllte als Siegerin in den Kriegen gegen das Osmanische Reich, Schweden und Polen die traditionellen Kriterien, die an einen "großen Herrscher" gestellt wurden. Im Jahrhundert der Aufklärung wurden zudem besonders ihre "Werke des Friedens" geschätzt und ihre Bemühungen um eine Reform der Gesetzgebung und des Bildungswesens gewürdigt.

Fürst de Ligne: "Katharina der Große"

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"Katharina der Große (ich hoffe, Europa wird ihr diesen Namen bestätigen, den ich ihr verliehen habe), Katharina der Große ist nicht mehr." 1

Vierundzwanzig Stunden nach Eintreffen der Nachricht vom Tod der russischen Kaiserin Katharina II., der am 17. November 1796 erfolgt war, brachte der wallonische Fürst Joseph de Ligne (1735-1814) 2 eine Würdigung der Herrscherin zu Papier. Dieser unterhaltsame Schöngeist, der Voltaire auf seinem Landsitz in Ferney besucht hatte und später mit Goethe Freundschaft schließen sollte, lernte Katharina während seiner beiden Aufenthalte in Russland 1780 und 1787/88 persönlich kennen und schätzen. Sein Freund Louis Philippe, Comte de Ségur (1753-1830), französischer Gesandter in Russland von 1785 bis 1789, der ebenfalls Katharinas Ruhm in Europa verbreitete, hielt fest, dass de Ligne die Zarin "originell und scharfsinnig Katharina den Großen " 3 genannt hätte. So bezeichnete de Ligne die Monarchin auch während ihrer legendären Reise nach Südrussland und auf die Krim 1787 4 in Briefen an die Marquise Louise de Coigny als "Catherine le Grand". 5 Der Fürst wusste, dass noch keine Regentin als "die Große" in die Geschichte eingegangen war. Es fehlte ihm an weiblichen Herrschergestalten aus der jüngeren Vergangenheit für einen Vergleich. Sollte er etwa an die Königin Elisabeth I. von England gedacht haben, so wären ihm zwar in der Regierungszeit dieser Monarchin die Durchsetzung des absoluten Herrschaftsanspruchs gegen innenpolitische Widerstände, die erfolgreiche Außenpolitik und die Abwehr der Invasion der spanischen Armada vor Augen gerückt. Doch Katharina zählte, wie de Ligne wusste, zugleich zu den "Philosophen" seines, des Jahrhunderts der Aufklärung. Sie war eine Frau des Geistes, stand im Briefwechsel mit den führenden Häuptern des europäischen Geisteslebens und verfasste Dramen, Erzählungen und historische Werke. Auf der Suche nach herausragenden weiblichen Monarchen, die als "groß" angesehen werden konnten, musste de Ligne schon weit in die Antike zurückgehen. Er stieß auf von Legenden umwobene Herrscherinnen, über deren anrüchigen Lebenswandel die Geschichtsschreiber des Altertums Anekdoten berichteten, die schwer auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen waren.

Katharina als "Kleopatra"

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Nur in seinen privaten Briefen konnte de Ligne die Zarin mehrfach "Kleopatra" nennen, so in einem Schreiben vom Mai 1787, als sich Katharina mit einem großen Gefolge auf die Krim begab, zu dem zeitweise auch Kaiser Joseph II. gehörte:

"Unsere Kleopatra reist nicht, um Marc-Antone, Octaviane oder Caesaren zu verführen. Trotzdem steht unser Caesar bereits in ihrem Bann." 6

Die entsprechend der historiographischen Überlieferung als ausschweifend geltende Geliebte des Julius Caesar sowie des Marcus Antonius und durch Selbstmord endende letzte Pharaonin Kleopatra konnte allerdings in einem an die Öffentlichkeit gerichteten Text nicht als Vorläuferin Katharinas erscheinen. De Ligne hoffte, dass seine an männlichen Maßstäben orientierte Umformung der Bezeichnung der Zarin als "Katharina der Große" in ganz Europa als Ausdruck höchsten Herrscherlobes übernommen werden würde. Doch wurde das Epitheton de Lignes, soweit es überhaupt bekannt wurde, lediglich als einer seiner zahlreichen geistreichen Einfälle angesehen.

Katharina II. als "Deutsche auf dem Zarenthron"

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Katharina II. suchte nach ihrer gewaltsamen Machtergreifung 1762 Akzeptanz bei der russischen Bevölkerung, die im 18. Jahrhundert bereits vier Zarinnen an der Macht erlebt hatte. Ihre ethnische Herkunft als Deutsche wollte sie durch die rasche Aneignung der russischen Literatursprache in Vergessenheit geraten lassen. Das gelang ihr so gut, dass sie später zahlreiche Dramen in Russisch verfasste. Die Überwindung der konfessionellen Barriere wusste sie durch die Befolgung der Riten der orthodoxen Kirche und die Achtung gegenüber der russischen Geistlichkeit glaubhaft zu machen. Katharina strebte danach, eine mannhafte Denkweise und männliches Verhalten zu demonstrieren und damit die durch ihr Geschlecht auferlegten Schranken zu überwinden. Sie ließ sich als hervorragende Reiterin einen Herrensattel anfertigen und posierte zu Pferde in der grünen Uniform des von Peter dem Großen begründeten Preobraženskij-Garderegiments, womit sie sich zu den russischen Militärtraditionen bekannte und in die Tradition Peters des Großen stellte. Schließlich stilisierte Katharina die Durchsetzung ihres schon lange gehegten Machtanspruchs durch einen Staatsstreich als einen Akt der Bewahrung Russlands und der Rettung der heiligen russischen Kirche aus großer Gefahr, als Maßnahme zum Schutz vor ausländischer Einmischung und der Missachtung russischer Sitten durch ihren aus dem Hause Holstein stammenden und nur ein halbes Jahr lang regierenden Ehemann Peter III. (1728-1762). Der hatte erwiesenermaßen während des Siebenjährigen Krieges mit dem Gegner, mit Friedrich dem Großen, paktiert, indem er die Kriegsplanungen der 1756 eingerichteten Geheimen Konferenz, an deren Sitzungen der Großfürst teilnahm, an die Preußen verriet.

Laveaux: Katharina als "Agrippina von Anhalt"

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Acht Tage nach dem Staatsstreich vom 9. Juli 1762 wurde ihr ungeliebter Ehemann von Gardeoffizieren ermordet. An dieser Tat war Katharina zwar im forensischen Sinne ebenso unschuldig wie 1764 an der Tötung des in der Festung Schlüsselburg eingekerkerten Ivan Antonovič (1740-1764), des Sohnes Anton Ulrichs, Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel, der als Säugling 1741 ein halbes Jahr lang Zar von Russland gewesen war und dessen Ansprüche auf die Thronfolge Katharina durchaus noch gefährlich werden konnten. 7 Aber sie wurde mit diesen Tötungen in Verbindung gebracht. Der französische Gesandtschaftssekretär Claude Carloman de Rulhière (1734-1791), der seine Erinnerungen als Augenzeuge der Staatsumwälzung von 1762 in Paris im Salon der Aufklärer um Madame Geoffrin, Diderot und d 'Alembert vortrug, hielt darin fest: "Man kann nicht zuverlässig sagen, welchen Anteil die Kaiserin an all dem hatte". 8 Der französische Publizist und Historiker Jean Charles Thibault de Laveaux (1749-1827) bezeichnete Katharina 1799, drei Jahre nach ihrem Tod, als "Agrippina von Anhalt" (Agrippine d 'Anhalt). 9 Damit bezog er sich auf Agrippina die Jüngere (15-59 n.Chr.), die angeblich ihren dritten Ehemann, den römischen Kaiser Claudius, ermorden ließ, um ihrem Sohn Nero zur Macht zu verhelfen, und dann schließlich von diesem selbst umgebracht wurde. 10 Denis Diderot wiederum verteidigte Katharina in seiner letzten Schrift "Essai sur les règnes de Claude et de Néron" 11 gegen den Vorwurf, eine Agrippina und damit eine Mörderin zu sein. 12 Als "Messalina des Nordens" sollte später Katharina von Friedrich dem Großen und anderen kritischen Zeitgenossen bezeichnet werden. Messalina (vor 20-48 n.Chr.), die dritte Frau des Kaisers Claudius, 13 war der Überlieferung nach tatkräftig, in der Wahl ihrer Mittel indes skrupellos, und sie hatte zahlreiche Liebhaber.

Erste Kritiker Katharinas II.

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Bereits zu ihren Lebzeiten fanden sich weitere Kritiker Katharinas. Ihre despotische Herrschaft, die ausbleibende Befreiung der leibeigenen Bauern, ihre Günstlingswirtschaft und ihre verlustreichen Kriege wurden von einzelnen Vertretern der heranwachsenden russischen Intelligenz kritisiert. In seiner 1768 für den Unterrichtsgebrauch angefertigten Zusammenstellung philosophischer Gedanken "Philosophische Sätze" (Filosofičeskie predloženija) 14 vertrat der ukrainische Offizier Jakov Pavlovič Kozel 'skij (um 1728 – um 1793) 15 die Idee einer Rüstungsbegrenzung. Kozel 'skij verurteilte in seinen Vorworten zu den von ihm stammenden Übersetzungen der "Dänischen Geschichte" Ludvig Holbergs (1684-1767) 16 sowie des "Lebens berühmter Herrscher" von Etienne Choffin (1703-1773) jene Herrscher der Vergangenheit, die aus Ruhmsucht und Bereicherungsstreben Kriege anzettelten, und meinte damit letztlich Katharina II. Der Beamte und Schriftsteller Aleksandr Nikolaevič Radiščev (1749-1802) kritisierte in seinen im Selbstverlag gedruckten Briefen "Reise von Petersburg nach Moskau" (1790) 17 die Missstände in Russland und die Herrscherin, die durch die Schmeichelei in ihrer Umgebung gar nicht mehr fähig sei, die wahre Situation ihres Landes richtig zu bewerten. 18 Radiščev wurde auf Veranlassung der nach Ausbruch der Französischen Revolution von 1789 beunruhigten Kaiserin zunächst zum Tode verurteilt und dann zur Verbannung nach Sibirien begnadigt.

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Nach dem Tod Katharinas II. erschienen im Ausland Schriften, wie das angeblich in St. Petersburg, in Wirklichkeit aber in Leipzig herausgegebene anonyme Pamphlet "Katharine II. vor dem Richterstuhle der Menschheit", in dem der Zarin nachgesagt wird, sie sei "vorzüglich von der Ruhmbegierde beherrscht" 19 gewesen. Der Arzt und Schriftsteller Melchior Adam Weikard (1742-1803) 20 schilderte, wie 1787 der Herrscherin die in verschiedenen Provinzen ihres Reiches herrschende Hungersnot verschwiegen und sie erst nach ihrer Rückkehr von ihrer Triumphreise auf die Krim zunächst von ihrem ehemaligen Favoriten Aleksej Orlov davon in Kenntnis gesetzt worden sei. Ihre Erschütterung darüber sei ebenso groß gewesen wie ihre Ahnungslosigkeit zuvor. 21

Nikita Panins Versuch, Katharina den Titel "die Große" anzutragen

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Zweimal wurde in Russland, jeweils zu einem relativ frühen Zeitpunkt der Regierung Katharinas II., versucht, sie zur Annahme des Beinamens "die Große" zu bewegen. Das ist deshalb bemerkenswert, als unmittelbar nach dem Staatsstreich von 1762 noch gar nicht absehbar war, ob und wie lange sie sich unangefochten auf dem Thron behaupten und welche Züge ihre künftige Regierung annehmen würde. Doch schon bald nach ihrem erfolgreichen Griff nach der Macht unterbreitete ihr der zuvor in Schweden tätige Diplomat Nikita Ivanovič Panin (1718-1783), der Erzieher des Kronprinzen Paul (Pavel Petrovič, 1754-1801), den Plan der Schaffung eines Kaiserlichen Rates, bestehend aus sechs bis acht adligen Würdenträgern, der Reformvorschläge ausarbeiten sollte. 22 Wenn Katharina die Schaffung eines solchen Gremiums billigen würde, hielt Panin fest, könne sie zu Recht "die Große" genannt werden. Dieser Plan war nicht bloß der Versuch einer aristokratischen Gruppierung, nach schwedischem Vorbild die Macht Katharinas konstitutionell zu beschränken. In Russland gab es kein Gesetz über die Regelung der Thronfolge, sondern lediglich die Verfügung Peters des Großen von 1722, wonach der Herrscher das Recht habe, seinen Nachfolger selbst zu bestimmen. Die Erfahrung mit den Staatsstreichen der Garde seit 1725, im Zuge derer Herrscher und leitende Minister von der Macht entfernt wurden, ließ es Panin auch ratsam erscheinen, einen Obersten Rat zu schaffen, der die Stabilität im Lande sichern und seinem Zögling Paul bald zur Regentschaft verhelfen sollte. Katharina lehnte diesen Plan eines Obersten Rates zwar ab und behielt selbst die Fäden der Politik in der Hand. Zu keinem Zeitpunkt ließ sie einen Zweifel daran zu, dass sie das Land als uneingeschränkte Selbstherrscherin zu regieren gedachte. Ihren ungeliebten Sohn Paul, der wahrscheinlich einem Verhältnis mit ihrem Günstling Sergej Saltykov (geb. 1728) entstammte, 23 suchte sie so lange wie möglich von einer Teilhabe an der Macht und schließlich ganz von der Thronfolge auszuschließen. Doch beließ sie den in der Diplomatie erfahrenen Nikita Panin noch für zwei Jahrzehnte auf dem Posten des Staatskanzlers des Russischen Imperiums. Als eine herausragende Eigenschaft Katharinas hielt der Schriftsteller und Historiker Nikolaj Michajlovič Karamzin (1766-1826) in seiner "Lobrede auf Catharina die Zweyte" ihr Talent fest, sich fähige Helfer auszuwählen: "Es ist das Talent grosser Seelen, das Grosse an Anderen zu erkennen […]". 24

Die Gesetzgebende Versammlung 1767

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Bei einem zweiten Versuch wurde das Bemühen Katharinas II. um die Erneuerung der Gesetzgebung in Russland zum Anlass genommen, der Kaiserin den Beinamen "Katharina die Große und weise Mutter ihres Vaterlandes" anzutragen. 25 1767 rief Katharina eine Gesetzgebende Versammlung aus allen Teilen des Imperiums, Vertreter des Adels, der Stadtbevölkerung, der Kosaken, der freien Bauern sowie der indigenen Völker nach Moskau ein. 26 Lediglich die leibeigenen Bauern waren davon ausgenommen. Ihre umfangreiche, gleich in mehrere europäische Sprachen übersetzte Instruktion für diese Versammlung, genannt "Nakaz", war, wie sie Friedrich dem Großen gegenüber in einem Brief vom 17. Oktober 1767 zugab, zu großen Teilen aus dem Werk Montesquieus "Vom Geist der Gesetze" (1748) entlehnt. Weitere Artikel entnahm sie der Schrift des Cesare Beccaria "Von Verbrechen und Strafen" (1764), das zu einer Humanisierung des Strafrechts in Europa beitragen sollte. 27 Dem Mathematiker und Enzyklopädisten Jean le Rond d 'Alembert (1717-1783) vertraute Katharina an: "Zum Nutzen meines Reichs habe ich den Präsidenten von Montesquieu geplündert, ohne ihn zu nennen." 28 Doch gab es in der Instruktion auch von der Zarin selbst verfasste, die spezifische Situation Russlands betreffende Artikel. So lautete der wohl berühmteste Paragraph 6 der Instruktion: "Russland ist eine europäische Macht". 29 In diesem Satz war ein ganzes Regierungsprogramm enthalten. Katharina bekannte sich zu dem von Peter dem Großen begonnenen Werk der "Europäisierung" Russlands. In Frankreich wurde die Instruktion Katharinas wegen ihres der königlichen Zensur als zu radikal erscheinenden Inhalts verboten. 30 Die Instruktion als ein literarisches Dokument 31 trug trotz des Umstandes, dass sie kein Gesetzeswerk zur Anwendung in der Praxis sein konnte, dazu bei, den Ruhm Katharinas als Gesetzgeberin, als "Minerva des Nordens", in Europa zu verbreiten.

Friedrich der Große über Katharina II. als Gesetzgeberin

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1768 erschien unter dem Pseudonym "Haigold" die von dem Historiker, Staatsrechtler und Publizisten August Ludwig Schlözer (1735-1809) vorgelegte deutsche Fassung der Instruktion für die Gesetzgebende Versammlung, die Katharina dem Preußenkönig Friedrich II. zuschickte. Wie sie ihm, dem "Monsieur mon Frère", mitteilte, bringe diese Ausgabe gegenüber der Übersetzung ins Französische besser die reichen Ausdrucksmöglichkeiten der russischen Sprache zur Geltung. 32 Am 12. Mai 1767 schrieb Friedrich der Große, dass Katharina in der jetzigen "Epoche der Gesetze" ("l 'époque des lois") als erste Frau den Namen einer Gesetzgeberin ihres Reiches tragen könne. Er nannte sie, die er mit "Madame ma Soeur" anredete, einen "ebenfalls aufgeklärten Herrscher" und eine "Mutter ihrer Völker", weil sie sich als erste in ihrer Familie der Pockenimpfung unterzogen habe. Indem die Zarin gerechte Gesetze erließ, so schrieb Friedrich, habe sie den Grund des Glücks ihrer Untertanen gelegt. Während Zar Peter der Große in Amsterdam auf der Admiralitätswerft tätig gewesen sei, dringe Katharina in die Feinheiten der Jurisprudenz ein. Die alten Griechen hätten sie in eine Reihe mit Lykurg und Solon, den berühmtesten legendären Gesetzgebern des Altertums, gestellt. Friedrich behauptete, sich in die Lage Katharinas versetzen zu können, die die Besonderheiten ihres Landes bei der Gesetzgebung berücksichtigen müsse. Er bot in einem Brief vom 26. November (neuer Stil) 1767 der russischen Kaiserin seine Hilfe bei der Gründung einer "Académie de droit" an, an der russische Richter und Advokaten ausgebildet werden sollten. 33

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Mit diesem Vorschlag zeigte Friedrich II., dass er von einem ernsten Hindernis für die Durchsetzung der von Katharina geplanten Reformen des Rechtssystems im Zarenreich wusste. Der in Russland als preußischer Gesandtschaftssekretär tätige Johann Gotthilf Vockerodt (1693-1757) hatte dem König bereits 1737 einen ausführlichen kritischen Bericht über die russischen Zustände zukommen lassen, den auch Voltaire für sein Geschichtswerk "Histoire de Pierre le Grand" nutzte. 34 Russland fehlte es an einheimischen juristisch geschulten Berufsbeamten. Peter I. und Katharina II., die an Zentralisierung und Rationalisierung ihrer Herrschaft interessiert waren, fanden in ihrem Land keinen Stand der Juristen an. Das seit 1649 geltende "Uloženie" war eine Sammlung von Einzelurteilen, die ohne innere Systematik zusammengestellt worden waren. Das weltliche römische Recht, das in West und Mitteleuropa seit dem Mittelalter rezipiert worden war und dem neuzeitlichen Eigentumsbegriff zugrunde lag, hatte in Russland bis zum 18. Jahrhundert noch keinen Einzug gehalten. Die Moskauer Universität, die eine Juristische Fakultät erhielt, wurde erst 1755 gegründet. Es gab zunächst nur eine einzige landesweite Institution, in der fähiges, an Bildungseinrichtungen geschultes Personal konzentriert war: die Armee und hier besonders die Garderegimenter. Doch Katharina sollte nicht auf das Angebot Friedrichs II. zurückkommen. Sie entsandte junge Russen zum Studium der Rechte ins Ausland und wartete auf eine neue, in Russland herangebildete Generation von Justizbeamten. 35

Der Briefwechsel zwischen Voltaire und Katharina II.

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Vom Urteil führender Aufklärer wie Voltaire, Diderot und Grimm hing es wesentlich ab, wer von den regierenden Herrschern ihrer Zeit als "aufgeklärt" gelten konnte, wer es, wie Friedrich II. und Katharina II., verdiente, "groß" genannt zu werden, und wer schließlich in die Halle der "Unsterblichkeit" (immortalité) eintreten durfte. Katharina begann 1763 mit Voltaire eine Korrespondenz, 36 bei der von vornherein klar war, dass ihr Inhalt schnell durch das große Mitteilungsbedürfnis des Patriarchen von Ferney in ganz Europa bekannt werden würde. Voltaire rächte sich zehn Jahre nach der schmachvollen Behandlung, die ihm 1753 nach dem Bruch mit Friedrich dem Großen zuteil geworden war, indem er nunmehr unermüdlich Katharina als den aufgehenden "Stern des Nordens" rühmte. Er nannte die Kaiserin die "Semiramis des Nordens" (1750 hatte er eine Tragödie "Sémiramis" vollendet), nach der legendären Herrscherin Babylons, die die ebenso sagenhaften "hängenden Gärten" errichten ließ. Die russische Kaiserin war für Voltaire die heldenhafte Clorinde aus dem "Befreiten Jerusalem" des Torquato Tasso, Thalestris, die Königin der Amazonen, und Pallas, die weise und kriegerische Göttin Athene des klassischen Griechenland. Er trieb Katharina 1768 an, gegen das aufständische Polen gewaltsam vorzugehen, wo die ihm verhasste katholische Kirche noch die entscheidenden Machtpositionen innehatte. Voltaire machte sich mit Katharina über den unwissenden und barbarischen Sultan des Osmanischen Reiches lustig und bezog die russische Herrscherin wie König Friedrich und Prinz Heinrich von Preußen in eine spielerische Vereinigung aufgeklärter Herrscher ein, die in einen fingierten Briefwechsel mit dem angeblich "aufgeklärten Kaiser" von China, dem dichtenden Kien-Long (Long-Hi), traten. Der friedfertige Voltaire, der in seinem Roman "Candide" die blutige Kriegführung Friedrichs des Großen gegeißelt hatte, empfahl Katharina sogar den Einsatz von Sichelwagen als mörderische Waffe gegen die Osmanen, wie sie die Perser der Antike eingesetzt hatten.

Weitere aufgeklärte Regentinnen

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Zu den aufgeklärten Herrschern wurden außer Katharina noch weitere gebildete Frauen gezählt, ihre Ehegatten jedoch nicht. Sie erhielten die zunächst von Friedrich Melchior Grimm (1723-1807), seit 1773 von Jacques-Henri Meister (1744-1826) verfasste "Correspondance littéraire" 37 , das zunächst handschriftlich an Angehörige regierender Fürstenhäuser verbreitete Mitteilungsblatt über das Neueste aus der europäischen Literatur und Gesellschaft, zugestellt, das Friedrich der Große selbst nur für kurze Zeit abonnierte. Karoline Henriette von Hessen-Darmstadt (1721-1774), 38 deren Tochter Wilhelmine 1773 mit dem Thronfolger Paul verheiratet wurde, nannte man die "Große Landgräfin". Voltaire rühmte Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), die Schwester Friedrichs des Großen, 39 sowie Luise Dorothea von Sachsen-Gotha (1710-1767) 40 oder die Markgräfin Luise von Baden (1723-1783). 41 Doch diese mit Regenten deutscher Kleinstaaten verheirateten, an Literatur und Kunst interessierten Frauen verfügten weder über die Absicht, noch über die Möglichkeiten und Mittel, aufgeklärte Reformen im größeren Maßstab durchzusetzen. Katharina hingegen, die nahezu 35 Jahre als Selbstherrscherin über das größte Reich der Erde regierte, bestimmte allein die Ziele und Methoden der russischen Machtpolitik und die Abfolge der inneren Reformen. Keinem aus der langen Reihe ihre Günstlinge war es gestattet, auf die Grundlinien der Politik des Imperiums nennenswerten Einfluss zu nehmen. Grigorij Potemkin, mit dem sie wahrscheinlich seit 1775 insgeheim verheiratet war und den sie als Statthalter über die südlichen Landesteile mit nahezu uneingeschränkten Vollmachten ausstattete, blieb dennoch ihrem Willen unterworfen.

Katharinas Ablehnung des Epithetons "die Große"

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Während Peter der Große 1721 den Antrag des Senats, dass man ihn "Imperator und Vater des Vaterlandes" nannte, nach anfänglichem Zögern annahm, lehnte Katharina 1767 jenen von der Gesetzgebenden Versammlung ab, als "die Große" bezeichnet werden zu dürfen, wie sie es auch nicht gestattete, dass ihr zu Lebzeiten Denkmäler errichtet wurden. Die Nachwelt werde über sie richten. Katharina verwahrte sich in einem Brief vom Februar 1788 an ihren vertrauten Briefpartner Friedrich Melchior Grimm 42 gegen die Bezeichnung "Katharina die Große": "Man belege mich bitte nicht mit dem Beinamen Katharina die Große, denn erstens gefällt mir der Name nicht und zweitens heiße ich Katharina II. Ich möchte nicht, dass die Menschen über mich sagen, ich trüge, wie Ludwig XV., den falschen Namen …" 43 Der 1774 verstorbene König von Frankreich hatte zuerst den Beinamen "le Bien Aimé" (der Vielgeliebte) verliehen bekommen, der später angesichts der zunehmenden Krisenerscheinungen des Ancien Régime, der militärischen Misserfolge, der Steuerpolitik und der Mätressenwirtschaft dieses Königs in "le Mal- Aimé" (der Ungeliebte) umgewandelt wurde.

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Die Äußerung Katharinas gegenüber Grimm, in der sie ihre Ablehnung von Zeichen einer ihr als übertrieben erscheinenden Verehrung zum Ausdruck brachte, sollten allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Wie zuvor ihre Korrespondenz mit Voltaire und Diderot, erreichten ihre Mitteilungen an Friedrich Melchior Grimm, den Organisator der "Correspondance littéraire", nicht nur den jeweiligen Adressaten, sondern darüber hinaus eine auserlesene kleine Öffentlichkeit der Gebildeten. Die Kaiserin war sich bewusst, dass sie mit ihren Briefen auch in den Pariser Salons und in anderen Zentren des europäischen Geisteslebens auf die Meinungsbildung über ihre Person und die von ihr beabsichtigten Umgestaltungen im Russischen Imperium Einfluss nehmen konnte. So wurde im Januar 1773 in der Grimm 'schen Korrespondenz über den Briefwechsel zwischen Voltaire, dem "Patriarchen von Ferney", und der Kaiserin von Russland berichtet:

"Auch von der Kaiserin von Russland hat der Patriarch einen reizenden Brief erhalten. Der ununterbrochene Verkehr, der sich da zwischen den Herrschern und Philosophen anspinnt, gehört ausschließlich unserem Jahrhundert an und wird nicht nur für die Literatur, sondern auch durch seinen Einfluß auf die Meinung der Regierungen von epochaler Bedeutung sein." 44

Wenn Katharina in ihrer Korrespondenz zum Ausdruck brachte, dass ihr der Beiname "die Große" nicht gefalle, so konnte sie damit ihre "Bescheidenheit" demonstrieren. Die schmeichlerische Bezeichnung dürfte ihre Wirkung auf die Herrscherin allerdings nicht verfehlt haben. Sie wusste die ihr dargebrachten Huldigungen durchaus zu schätzen. Die Errichtung eines monumentalen Reiterstandbildes für Zar Peter den Großen (1672-1725) bot ihr eine angemessene Form, sich als Fortsetzerin der Werke des Reformzaren zu präsentieren.

Der "Eherne Reiter" in St. Petersburg

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Im Jahre 1782 wurde in Anwesenheit der Zarin dieses Reiterstandbild, das am Ufer der Neva auf dem Senatsplatz in St. Petersburg von dem französischen Bildhauer Etienne Falconet (1716-1791) geschaffen worden war, 45 festlich enthüllt. Russlands bedeutendster klassischer Dichter Aleksandr Sergeevič Puškin (1799-1837) sollte das Wahrzeichen der Stadt als den "Ehernen Reiter" (Mednyj vsadnik) bezeichnen. Katharina II. hatte Falconet 1766 mit der Anfertigung des Standbildes beauftragt, an der sich auch seine Lebensgefährtin, die Bildhauerin Marie-Anne Collot (1748-1821), beteiligte. Das sich aufbäumende Pferd, das der mit einem römischen Gewand bekleidete Zar Peter reitet, erhebt sich auf einem Felsblock, der bereits 1770 aus der Nähe des karelischen Dorfes Lachta herbeigeschafft worden war und dem Prinzen Heinrich von Preußen bei dessen erstem Besuch in St. Petersburg zu Gesicht kam. Der Fels symbolisiert den Anspruch des Zaren, nach dem Vorbild des St. Peter zu Rom ein neues Römisches Reich, das Petersburger Imperium, zu begründen. Unter den Hufen des Pferdes windet sich die besiegte schwedische Schlange. Der Zar weist mit seinem ausgestreckten Arm auf die Neva, das auf dem gegenüberliegenden Ufer befindliche Gebäude der Akademie der Wissenschaften sowie auf die St. Peter- und Pauls-Festung. Auf der dem Senat zugewandten Seite ist in Bronzelettern die lateinische Inschrift "Petro Primo Catharina Secunda MDCCLXXXII", von der Seite der Admiralität her die russischsprachige Entsprechung "Petru Pervomu Ekaterina Vtoraja Leta 1782" zu lesen. Katharina billigte diese schlichte Formulierung, mit der sie, eine Ausländerin, beanspruchte, die Nachfolge des großen russischen Kaisers Peter anzutreten.

Katharina II. als "Augustus" und als "Dido"

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Jene russischen Dichter, die Katharina in ihren poetischen Werken priesen, wurden von ihr belohnt, oft mit einem Brillantring oder einer wertvollen Tabaksdose. Wichtiger für das Ansehen dieser Poeten war noch ihre dadurch gewonnene Anerkennung in Hofkreisen. Mit dem Cäsarennamen "Augustus" als Inbegriff einer männlichen Herrschergestalt, und nicht etwa mit der weiblichen Form "Augusta", wurde Katharina 1769 von Vasilij Petrovič Petrov (1736-1799), 46 einem bescheidenen Lehrer der Poesie und der Syntax an der Moskauer Slavisch-Griechisch-Lateinischen Akademie, gerühmt. 47 Er stellte hiermit einen Bezug zu ihrem Geburtsnamen her, der Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst lautete. Der Pädagoge Petrov befasste sich in diesem Jahr mit der Übersetzung der "Aeneide" des Vergil, des Dichters, der lange am Hofe des Kaisers Octavianus Augustus geweilt hatte. Das Geschlecht der römischen Caesaren wurde entsprechend der Legende von dem sagenhaften Königssohn Aeneas hergeleitet, der die Penaten aus dem brennenden Troja rettete. Sein Nachkomme Romulus wurde als Gründer Roms angesehen. Vasilij Petrov leistete durch die dichterische Zuordnung Katharinas zu den römischen Caesaren einen Beitrag zur Legitimation ihrer Herrschergewalt. Die Kaiserin verfolgte selbst aufmerksam den Fortgang der Übersetzung. Als "Dido" erschien Katharina auf dem in der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin 1778 für den Fürsten Potemkin verfertigten Service. 48 Diese legendäre Königin galt als die Begründerin von Karthago, die in dem von ihr eroberten Land mit der "Aufklärung" des Volkes begonnen habe.

Michail Cheraskov – "Numa Pompilius" (1768)

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Der Schriftsteller Michail Cheraskov (1733-1807), der sich 1763 dem Kreis um Nikita Panin angenähert hatte und lange Jahre Kurator der Moskauer Universität war, schrieb 1768 in der Vorrede zu seinem Roman "Numa oder das aufblühende Rom": "Peter verlieh Russland den Körper, Katharina die Seele". 49 Indem er den sagenhaften zweiten römischen König Numa Pompilius als Herrscher des Friedens und der Gesetzgebung pries, brachte der Freimaurer Cheraskov die Hoffnung auf eine geistige Wiederauferstehung Russlands unter Katharina zum Ausdruck. Während Numa durch die Nymphe Egeria zu Taten des Friedens bewogen worden sei, wie die Geschichtsschreiber Titus Livius und Plutarch bezeugten, bedürfe es dazu bei Katharina nicht erst einer Nymphe. Sie belebe als Venus selbst die von Peter verliehene Form. In diesem Zusammenhang scheint bei Cheraskov das Pygmalion-Motiv auf.

Aleksandr Sumarokov: auf den "Großen Peter" folgt die "Große Katharina"

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Unweit des Reiterstandbildes von Falconet am südlichen Neva-Ufer wurde 1768 nach Plänen des italienischen Architekten Antonio Rinaldi die St. Isaaks-Kathedrale errichtet. Der "neutrale" Name des heiligen Isaak ließ die Verbindung zwischen "Peter" und dem der Kaiserin verhassten Namen ihres Sohnes "Paul" in den Hintergrund treten. Beide Namen waren in jenem der St. Peter- und Pauls-Festung enthalten, zu der Peter I. 1703 den Grundstein gelegt hatte. Der Dichter und Dramatiker Aleksandr Petrovič Sumarokov (1717-1777), der sich 1765 vergeblich erhofft hatte, von Katharina als Hofdichter anerkannt zu werden, 50 stellte am Tag des Heiligen Isaak die "Große Katharina" ("Velikaja Ekaterina") auf eine Stufe mit dem "Großen Peter" ("Velikomu Petru"). 51 Seine Aufschrift "An die Statue Peters des Großen", der Beitrag Sumarokovs zur Diskussion des im Mai 1770 in der Akademie der Künste aufgestellten Denkmalsentwurfs Falconets für den "Ehernen Reiter", endete mit Worten, die denen Cheraskovs glichen: "Peter gab uns das Dasein, Katharina die Seele." (Petr dal nam bytie, Ekaterina dušu.) 52

Gavrila Deržavin: "Felica" (1782)

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Noch mehr Wirkung bei Katharina als andere Poeten erzielte der Dichter Gavrila Romanovič Deržavin (1743-1816), den die Kaiserin später als ihren persönlichen Sekretär in ihre Nähe holen sollte. Mit seiner Ode an "Felica", 53 die Herrscherin der Kirgiz-Kajsaken, verherrlichte er 1782 die Kaiserin in der Zeit, in der Nikita Panin seines Amtes enthoben wurde und Versuche seiner Anhänger zur Einschränkung der absoluten Gewalt gescheitert waren. Die in den ersten beiden Jahrzehnten ihrer Regierungszeit allegorisierte Zarin erschien nun in der Dichtung Deržavins als mit besonderen menschlichen Zügen ausgestattet. Die "göttergleiche" Felica schreibt das in der Ode erwähnte Märchen vom Carevič Chlor, wie dies Katharina zum Gebrauch für ihren Lieblingsenkel Aleksandr Pavlovič (1777-1825), den späteren Kaiser Alexander I., tat. Der Berliner Buchhändler Friedrich Nicolai (1733-1811) wird es zusammen mit anderen Werken Katharinas in deutscher Sprache herausgeben. Felica ehrt die Traditionen, wie auch die russische Zarin Rücksicht auf die Gebräuche der Russen nahm. Sie reitet nicht das geflügelte "Parnassische Pferd", den Pegasus, erhebt nicht den Anspruch, als Dichterin zu gelten, wie ihr gekrönter Zeitgenosse Friedrich der Große. Dafür schreibe sie schon vor ihrem durchaus mäßigen Frühstück, wie der Leser wusste, an ihren Gesetzen und literarischen Werken. Felica begebe sich nicht "zu den Geistern". Die humorvolle Kaiserin mag bei dieser Erinnerung an den preußischen Thronfolger, Prinz Friedrich Wilhelm, besonders amüsiert gewesen sein, der bei seinem Besuch in St. Petersburg 1780 in hohem Maße ihr Missfallen wegen seiner Trägheit und Unbeholfenheit hervorgerufen hatte und den die Rosenkreuzer mit inszenierten Geistererscheinungen in gebannter Spannung hielten.

Die Vergöttlichung der Herrscherin

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Zur gleichen Zeit, da sich die russischen Poeten bemühten, der Herrscherin menschliche Züge zu verleihen, wurde die Sakralisierung der Regentin vor allem durch die russisch-orthodoxe Geistlichkeit fortgeführt. Der schon erwähnte, an der Moskauer Geistlichen Akademie tätige Vasilij Petrov rühmte Katharina nicht nur durch seinen Vergleich mit der antiken Herrschergestalt des Augustus, sondern sah in ihr sogar den wiedergeborenen "Christus". 54 Die Ankunft der Kaiserin in der Stadt Mstislavl' während ihrer Reise in den Süden 1787 wurde von dem weißrussischen Erzbischof Georgij Konisskij mit der "Erscheinung Christi", von anderen Geistlichen in Predigten mit dem "Ewigen Vater", dem "Himmlischen Vater" und dem "Wiederauferstandenen Christus" verglichen. 55 Solche Lobpreisungen widerfuhren Katharina als Herrscherin und Frau von Seiten jener Geistlichen, und sie verfehlten ihre Wirkung auf die Bevölkerung nicht. Wie schon zuvor die Kaiserin Elisabeth (Elizaveta Petrovna, 1709-1761/62), die Tochter Peters des Großen, wurde auch Katharina in den Städten Zentralrusslands als "Mütterchen Zarin" begrüßt, die sich gegenüber ihren Untertanen zumeist freundlich und leutselig zeigte. Katharina kalkulierte mit der Wirkung derartiger Verherrlichungen ihrer Person, so wie sie ihr von den Poeten und Geistlichen entgegengebracht wurden. Darin offenbarte sich nicht etwa nur ihre "weibliche Eitelkeit", die ihr bereits von missgünstigen Zeitgenossen sowie in zahlreichen Darstellungen aus späterer Zeit bescheinigt wurde. Die Kaiserin achtete während ihrer nahezu 35jährigen Regierungszeit darauf, dass der "naive Monarchismus", mit dem die überwiegende Mehrheit der russischen Bevölkerung den jeweiligen Monarchen und im 18. Jahrhundert auch die Herrscherinnen ehrte und heiligte, ständig neue Nahrung erhielt.

Katharinas "Erinnerungen"

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Katharina wiederum war seit ihrer in Einsamkeit und innerer Abgeschlossenheit verbrachten Jugendzeit zu ständiger Selbstreflexion in der Lage. Sie entwickelte sich zu einer "Graphomanin", die viel mehr schrieb als die anderen Frauen ihrer Zeit. Die Kaiserin war wie Peter der Große und Friedrich der Große eine Historikerin ihrer eigenen Epoche. 56 Doch während für Peter und den Preußenkönig die Schilderung der eigenen Feldzüge im Mittelpunkt ihrer Geschichtswerke stand, versuchte Katharina in mehreren Anläufen von 1744 bis unmittelbar vor ihrem Tode 1796 immer wieder, ihren wechselvollen Aufstieg von der unscheinbaren Tochter eines Generals in preußischen Diensten zur Kaiserin des Russischen Imperiums darzustellen und dabei ihren eigenen Anteil herauszustreichen. 57 Katharina schilderte, wie sie zunächst am intrigenreichen Hof der Zarin Elisabeth zahlreichen Gefahren ausgesetzt gewesen sei und Barrieren verschiedener Art zu überwinden hatte. Ihre Erinnerungen reichen allerdings lediglich bis zu ihrer Thronbesteigung im Jahr 1762. Wenn ihre Memoiren auch erst nach ihrem Tod von dem oppositionellen Alexander Herzen im Londoner Exil herausgegeben wurden, so musste die Kaiserin doch damit rechnen, dass ihre Betrachtungen über ihren Weg zur Macht nicht nur von den wenigen zur Kenntnis genommen wurden, denen sie ihre Manuskripte mit Widmungen überreichte, sondern eines Tages auch an eine breitere Öffentlichkeit gelangen würden.

Katharinas Jugendlektüre

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Im Rahmen ihrer Vorbereitung auf das Herrscheramt, das Sophie von Anhalt-Zerbst schon als Mädchen anstrebte, bescherte ihr die umfangreiche Lektüre, mit der sie die Jahre der Kronprinzessinnenzeit 1744-1762 verbrachte, veritable historische Kenntnisse. Bereits in Jugendjahren mit dem geistig weniger beweglichen Herzog Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf verheiratet, nutzte sie ihre freie Zeit bereits sehr früh zu ausgiebigem Bücherstudium. Vor allem im Zeitraum zwischen 1754 und 1756 las Katharina die bis dahin wichtigsten Werke der Aufklärung, Schriften von Bayle, Montesquieu und Voltaire. Bereits als Jugendliche rechnete sie sich zu den "Philosophen" und verfasste eine nicht erhaltene Skizze mit dem Titel "Porträt eines fünfzehnjährigen Philosophen", die sie dem schwedischen Diplomaten Henning Adolf Friedrich von Gyllenborg (1713-1775) überreichte. Ein Leitmotiv bei der Auswahl ihrer Lektüre sollten in dieser wie auch in späterer Zeit die Themen "Größe und Vergänglichkeit", "Aufstieg und Fall in der Geschichte" sein. Katharina schaffte sich als Kaiserin für ihre Petersburger Eremitage eine große Bibliothek an, für die sie später die persönlichen Büchersammlungen Voltaires, Diderots sowie des Berliner Geographen und Schulmannes Anton Friedrich Büsching (1724-1793) erwerben sollte.

Der "Orientalische Plan" des Ritters Martorell

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Über die Lektüre der jungen Katharina wurde festgehalten, dass sie vom wahllosen Lesen, zu dem "Ritterromane" gehörten, bald zu ernsthafterer geistiger Kost übergegangen sei. Wenn auch der Name eines dieser älteren Romane, der von einem "Weißen Ritter" handelte, erwähnt wurde, so erkannte man allerdings nicht, dass gerade dieses Buch weitreichende Folgen für die Vorstellungswelt Katharinas haben würde. Bereits als Vierzehnjährige las sie nämlich mit dem Roman "Tirant le Blanche" des Ritters Martorell (1413-1468) nicht nur irgendeine belanglose Abenteuergeschichte aus dem Spätmittelalter. Wenige Jahre nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 hatte Papst Enea Silvio Piccolomini 1461 die Herrscher und Ritter Europas dazu aufgerufen, sich in Mantua zu versammeln, um gemeinsam loszuziehen und in einem neuen "Kreuzzug" die einstige Hauptstadt des byzantinischen Reiches zu befreien. Der Widerhall auf diesen Aufruf war freilich kläglich. Nur einige Kirchenfürsten erschienen unlustig in dem von Sümpfen umgebenen Mantua. Die europäische Ritterschaft war vollständig ausgeblieben. Der Ritter Martorell war davon maßlos enttäuscht. Er begann zu träumen und schrieb seine Vision von der Befreiung Konstantinopels unter Führung des "Weißen Ritters" und seiner Wiedergewinnung für die Christenheit in einem umfangreichen Roman nieder, der unlängst wieder für einen breiteren Leserkreis entdeckt und in neuer deutscher Übersetzung herausgegeben worden ist. 58 Katharina konnte also bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt ihren "Orientalischen Plan" vor ihrem inneren Auge erstehen lassen.

Katharinas "Orientalischer Plan"

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Im Krieg gegen das Osmanische Reich 1768-1774 hatten die russischen Truppen zu Lande große Erfolge errungen, und eine in das Mittelmeer entsandte russische Flotte näherte sich den Dardanellen und dem Bosporus. Die Eroberung Konstantinopels schien in greifbare Nähe gerückt zu sein. Der greise Voltaire jubilierte bereits in seinen Briefen. Katharina II. und ihre Berater hegten nach dem Friedensschluss von Kütschuk-Kajnardshi 1774 noch weiter reichende Annexionsabsichten, die unter dem Namen "Orientalischer Plan" in die Geschichte eingegangen sind. 59 Katharina nannte ihren 1777 geborenen ältesten Enkel Alexander (der Berliner Alexanderplatz erhielt nach ihm seinen Namen). Als ein neuer Alexander der Große sollte er – anstelle ihres ungeliebten Sohnes Paul – den russischen Thron besteigen. Ihrem 1779 geborenen zweiten Enkel, der gemäß ihrer Vision Kaiser eines christlichen oströmischen Reiches werden sollte, gab sie nach der byzantinischen Metropole und dem berühmten christlichen Herrscher den Namen Konstantin. Die Eroberung Konstantinopels hätte in den Augen Katharinas und Voltaires letztlich den Triumph über die letzte Bastion des Islam in Europa bedeutet. Doch während in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts große Teile des nördlichen Schwarzmeergebiets, 1783 die Krim sowie Gebiete des Vorkaukasus annektiert wurden, blieb der "Orientalische Plan" Katharinas eine Chimäre.

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Der Abenteurer Giacomo Casanova (1725-1798), der 1765 im Sommergarten in St. Petersburg mit der Zarin sprach, schrieb: "Das einzige, was in Russland fehlt – dass irgendeine große Frau die Armee kommandiert." 60 Katharina zog zwar nicht selbst mit ihren Truppen ins Feld, wie Katharina I. (1684-1727), die zweite Gemahlin Peters des Großen und erste russische Kaiserin von 1725 bis 1727. 61 Doch die Generäle Katharinas blieben im Kampf gegen Türken, Polen und Schweden immer siegreich und versetzten die europäische Öffentlichkeit in Erstaunen. "Sie erlitt als Siegerin oder als Friedensfürstin niemals ein einziges Mißgeschick", 62 schrieb, allerdings mit einiger Übertreibung, der Prinz de Ligne.

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Der Ruhm der Brüder Orlov, der katharinäischen Feldherren Petr Aleksandrovič Rumjancev (1725-1796), Aleksandr Vasil 'evič Suvorov (1729/30-1800) 63 und Grigorij Aleksandrovič Potemkin (1739-1791) 64 verbreitete sich seit dem ersten Türkenkrieg von 1768 bis 1774. Wenn Katharina in all diesen Kriegen siegreich blieb und das Territorium des Russischen Imperiums bedeutend vergrößert werden konnte, so erfüllte sie damit die traditionellen, seit der Antike geltenden und seit der Renaissance tradierten Anforderungen an einen "großen" Herrscher. Am Ende ihrer Regierungszeit wurde freilich auch in Russland wie im Ausland Kritik an dem hohen Blutzoll laut, den ihre Kriege forderten.

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Dass der Waffenruhm vergänglich ist, mussten mehrere Herrscher des 18. Jahrhunderts erfahren, die selbst als Feldherren, als "roi-connétable" ihre Armeen kommandierten. Die Truppen Zar Peters des Großen wurden 1700 von den Schweden unter Karl XII. bei Narva schwer geschlagen, der ambitionierte Schwedenkönig erlitt wiederum 1709 bei Poltava eine entscheidende Niederlage. Schließlich geriet auch Friedrich der Große bei Kolin, Hochkirch und Kunersdorf an den Rand des Abgrundes. Katharina, die immer das von Kriegen angefüllte Leben des Preußenkönigs verfolgt hatte, las nach seinem Tode das Buch des zeitweise an der Akademie der Wissenschaften in Berlin tätigen italienischen Gelehrten Giacomo Carlo Denina (1731-1813) über Friedrich den Großen 65 und versah es mit umfangreichen Randbemerkungen, die vor allem den preußischen Russlandbeziehungen galten. 66

Montesquieus Betrachtungen über Größe und Niedergang der Römer

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Wie Friedrich dem Großen in seiner Kronprinzenzeit geriet auch der jungen Katharina II. die Lektüre von Montesquieus "Betrachtungen über die Ursachen von Größe und Niedergang der Römer" aus dem Jahre 1734 zum historischen Anschauungsunterricht. Friedrich der Große versah sein Handexemplar von Montesquieus Betrachtungen mit Randbemerkungen. Bei der Besetzung des Schlosses Potsdam-Sanssouci durch die Franzosen nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt 1806 gelangte diese Ausgabe in die Taschen des napoleonischen Außenministers Talleyrand, um ein halbes Jahrhundert später auf dem Tisch eines Buchhändlers in Paris wiederentdeckt zu werden. 67

Montesquieu und die Gefahr eines Zweifrontenkrieges

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Als eine Ursache für die Größe Roms hatte Montesquieu in seiner Schrift von 1734 herausgehoben, dass die Römer stets darauf geachtet hätten, niemals zwei mächtige Feinde gleichzeitig bekämpfen zu müssen. Ein Grund für den Niedergang der Römer sei hingegen die unmäßige Vergrößerung des Staates gewesen, wodurch innere Unruhen zu Bürgerkriegen geworden seien. Demgegenüber mussten Friedrich wie Katharina später Kriege gar an mehreren Fronten zugleich führen, der Preußenkönig gegen Österreicher, Franzosen, Russen und Schweden, Katharina von 1787 bis 1792 gegen Schweden im Norden und Osmanen im Süden. Der mächtige Kosakenaufstand unter Emel 'jan Pugačev von 1773 bis 1775, 68 der nur durch außergewöhnliche militärische Anstrengungen niedergeschlagen werden konnte, erfasste zu einer Zeit den russischen Landessüden an Wolga und Don, und bedrohte schon bald auch das Zentrum des Reiches um Moskau, als sich das Russische Imperium bereits seit fünf Jahren im Krieg mit dem Osmanischen Reich befand. Beide Monarchen, Friedrich wie Katharina, hatten bei ihren Planungen zwar jeweils die Gefahr eines Zweifrontenkrieges erkannt. Doch führte die von ihnen betriebene Großmachtpolitik zu Konstellationen, in denen sie mit einem gegen sie gerichteten Bündnis bzw. mit verschiedenen Gegnern gleichzeitig Krieg führen mussten.

<30>

Die nach der Niederschlagung des Pugačev-Aufstandes eingeleitete Gouvernementsreform Katharinas von 1775 69 hatte zur Folge, dass Russland bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von überregionalen bürgerkriegsähnlichen Unruhen verschont blieb. Die Kaiserin stützte sich auf die ökonomische Macht des durch den Aufstand aufgeschreckten Adels 70 und stellte zugleich die Hilfe der Zentralgewalt in Aussicht, sollte die Abwehr von Gefahren die Kräfte in der Provinz überfordern. Katharinas Statthalter und Generalgouverneure in den Regionen des Russischen Reichs hatten zumindest den Rang eines Generalleutnants inne. 71

Voltaires "Essai sur les moeurs et l 'esprit des nations"

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Durch die frühe Lektüre von Voltaires "Essay über die Sitten und den Geist der Nationen" (1756) konnte Katharina wahrnehmen, wie dieser Hauptvertreter der französischen Aufklärung bewusst einen Wandel in der Geschichtsschreibung herbeiführte und bestimmte, was nunmehr die Größe eines Zeitalters ausmachen sollte. Nach der von andauernden, Frankreich zerrüttenden Kriegen geprägten Ära des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638-1715) sollten im Jahrhundert der Aufklärung anstelle der großen Waffentaten die Verbesserung der Sitten, die Gesetzgebung, Handel, Gewerbe und Verkehr, Künste und Bildung, kurzum die Werke des Friedens durch die Geschichtsschreibung gewürdigt werden.

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Als eine der ersten Amtshandlungen im Rahmen ihres friedlichen Zivilisationswerkes erließ Katharina 1762 und 1763 zwei Manifeste, mit denen sie ausländische Kolonisten nach Russland berief. 72 Etwa 30.000 vorwiegend aus deutschen Territorien stammende Auswanderer folgten diesem Ruf und erhielten an der mittleren Wolga Siedlungsgebiete zugewiesen. Allerdings stießen die Kolonisten nicht auf die Zitronen, Weintrauben und anderen Früchte, die ihnen in Manifesten und von der Kirchenkanzel herab in Aussicht gestellt worden waren, sondern auf etwa zwei Meter hohes Steppengras und auf kriegerische Nomadenstämme, die ihre Siedlungen bedrohten. Friedrich II. sah allerdings in diesem Fortziehen europäischer Kolonisten an die Wolga eine Konkurrenz für sein eigenes Kolonisationswerk und verbot 1765 streng die Abwanderung seiner Untertanen nach Russland.

Die "Annalen" des Tacitus

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Katharina hob in ihren Erinnerungen im Zusammenhang mit ihrer Lektüre der antiken Literatur hervor, dass die "Annalen" des Tacitus "eine eigenartige Umwälzung in meinem Kopf hervorriefen". 73 Wie auch Friedrich der Große las sie die Werke der Antike in französischer Sprache. Die Fürstin Ekaterina Romanovna Daškova (1743-1810), nach 1783 Präsidentin der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und der Russischen Akademie in St. Petersburg, berichtete: "Ich glaube, ich kann positiv versichern, dass die Kaiserin weder Griechisch noch Latein konnte …". 74 In den gerade zurückliegenden Jahren waren die Übersetzung der "Annales" des Tacitus (um 155 – 116/120 n. Chr.) von François Guérin sowie die vierte Edition der vierbändigen Tacitus-Ausgabe von Abraham Nicolas Amelot de la Houssaie (1634-1706) in Amsterdam in französischer Sprache erschienen. 75 Die Großfürstin war beim Lesen der "Annalen" des Tacitus vor allem von der schonungslosen Darstellung berührt, mit welcher der Geschichtsschreiber die Beweggründe der römischen Kaiser schilderte. Lehrreich waren die Betrachtungen des Tacitus über den richtigen Umgang des Herrschers mit dem Militär, der Staatsstreichen vorbeugen sollte. Er berichtete von untergeschobenen Kindern, von Ehebruch und Giftmischerei. Wenn er den Kaiser Tiberius erklären ließ, man müsste "das Frauenzimmer nicht zu sehr erheben …", 76 so konnte Katharina die Gefahr erkennen, die ihr durch männliches Machtstreben drohte.

Katharina "die Grösseste"

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Vier Jahre nach dem Tode Katharinas II., im Jahre 1800, wagte ein unbekannt gebliebener Autor mit offenbar pro-preußischer Gesinnung in einem in Berlin erschienenen Buch über die russische Kaiserin zu urteilen: "… man darf sie mit allem Rechte als die Grosse, in ihrer Art als die Grösseste auspreisen". 77 Katharina sei vor allem deshalb groß gewesen, als sie sich bemüht habe, Friedrich dem Großen nachzueifern. Derartige Superlative dürften jedoch kaum noch Gefallen bei einem Publikum gefunden haben, das in den gerade zurückliegenden Jahren von der Französischen Revolution und den grandiosen militärischen Erfolgen des Ersten Konsuls der jungen französischen Republik, Napoleon Bonaparte, erfahren hatte, dessen Armee sogar in Ägypten erschienen war. Nur wurde der korsische Feldherr von seinen Zeitgenossen kaum mehr rühmend als "der Große" bezeichnet. Nach seiner Vertreibung aus deutschen Territorien und ausgestandenem Schrecken der Besatzung stellte 1814 der unter dem Pseudonym "Ernst Wahrlieb" schreibende Johann Adam Bergk (1769-1834) nur noch mit satirischer Absicht "Napoleon den Großen" dem als "Bonaparte der Kleine" bezeichneten Korsen gegenüber. 78 In der Zeit der Koalitionskriege gab es neben Napoleon noch eine Anzahl weiterer herausragender Führungsfiguren, Herrscher wie Alexander I. von Russland, Feldherren wie Wellington, deren Taten Aufsehen erregten und die gepriesen wurden. Dieses als inflationär wahrgenommene Erscheinen bedeutsamer Persönlichkeiten, jedoch auch die Geschwindigkeit, mit der sich Aufstieg und Fall Napoleons vollzogen, der herausragenden Gestalt zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ließ es nicht mehr ratsam erscheinen, einen solchen Menschen als "groß" zu titulieren. 79

Nikolaj Karamzins "Lobrede auf Katharina die Zweite" (1802)

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Die ausführlichste und kenntnisreichste Würdigung Katharinas II. durch einen russischen Schriftsteller verfasste Nikolaj Karamzin fünf Jahre nach dem Tode der Kaiserin 1801 mit seiner "Lobrede auf Katharina II." (Pochval 'noe slovo Ekaterine Vtoroj), 80 die 1802 auch in deutscher, von Johann Gottfried Richter (1764-1829) angefertigter Übersetzung erschien. Karamzin erblickte in Katharinas Außen- und Kriegspolitik sogar eine weltpolitische Mission: "Catharinens Siege befestigten nicht nur das Heil unseres Vaterlandes, sondern das Wohl der ganzen Welt." 81 Bei seiner Untersuchung der Instruktion Katharinas für die Gesetzgebende Versammlung hielt er fest, "dass die Grosse vielleicht noch nicht die Reife in den Köpfen, und jene mannichfaltigen Kenntnisse fand, die dem Gesetzgeber nöthig sind". 82 Ausführlich stellte Karamzin die Bemühungen Katharinas um eine Hebung des Bildungsniveaus der Russen und die Förderung der Wissenschaften dar. Trotz aller Teilerfolge bei der Gründung von Schulen in den russischen Städten, bei der Katharina nach 1782 vor allem österreichischen Vorbildern folgte, blieb die Analphabetenrate auch am Ausgang des 18. Jahrhunderts noch außerordentlich hoch, sie lag bei etwa 96 Prozent.

Katharina die Große als letzte russische Alleinherrscherin

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Ein Jahr nach Katharinas Tod erließ ihr Sohn Zar Paul I. 1797 das Gesetz über die Primogenitur, das nur noch die männliche Erbfolge in Russland zuließ. Damit wurde die seit Peter I. herrschende Unsicherheit bei der Besetzung des Zarenthrons nach dem Tod des regierenden Herrschers beseitigt. Katharina fand in Russland keine Nachfolgerin als allein regierende Herrscherin. Die männliche Erbfolge war bis 1918 gesichert. Die russischen Zarinnen und Großfürstinnen posierten bei passenden Gelegenheiten mit einer stattlichen Kinderschar und machten damit auf ihre wichtige Aufgabe innerhalb des Herrscherhauses der Romanov aufmerksam: Es war ein Thronfolger im Zarenreich zu zeugen. Darüber hinaus wurden Töchter aus der Romanov-Dynastie regelmäßig mit protestantischen deutschen Fürsten verheiratet, was eine russische Einflussnahme auf die politischen Geschäfte in mehreren deutschen Territorialstaaten ermöglichte. Marija Fedorovna (1759-1828), die Gattin des Zaren Paul I., führte in Russland die Tradition organisierten wohltätigen Engagements durch die weiblichen Angehörigen der Dynastie ein und gründete Institute für die Ausbildung und Versorgung von adeligen Töchtern, von Witwen und Waisen. Ihre Töchter folgten ihr auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, worauf unter anderem die bis heute anhaltende Beliebtheit der seit 1816 in Württemberg ansässigen Königin Katharina Pavlovna (1788-1819) zurückzuführen ist.

Katharina II. in der Geschichtsschreibung

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Die Bezeichnung "Katharina die Große" konnte sich in der Geschichtsschreibung über zwei Jahrhunderte nicht durchsetzen. Im westlichen Europa des 19. Jahrhunderts verhinderten der sich immer weiter durchsetzende Liberalismus und die Polenbegeisterung, dass die für die Teilungen Polens in den Jahren 1772, 1793 und 1795 entscheidend mitverantwortliche Herrscherin auf diese Weise verehrt wurde. In der Spätzeit des Zarenreiches war sie für die meisten offiziellen Historiker Russlands eine Ausländerin, deren Regierung mit zwei Morden belastet war, denen ihr Gemahl, Zar Peter III., und der Thronprätendent Ivan VI. zum Opfer gefallen waren. Über neun Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinweg galt Katharina II. in Russland und der Sowjetunion, wie es der Historiker Vjačeslav Lopatin formulierte, nahezu als "persona non grata". 83 In diesem Zeitraum erschien keine einzige wissenschaftliche Biographie der Zarin. In der Sowjetperiode galt sie als die führende "Vertreterin der Ausbeuterklasse", die den Bauernaufstand unter der Führung Emel 'jan Pugačevs niedergeschlagen und den von Lenin als "Adelsrevolutionär" bezeichneten Schriftsteller Aleksandr Radiščev nach Sibirien verbannt hatte. In der Stalin-Ära, während des "Großen Vaterländischen Krieges gegen Hitlerdeutschland" 1941-1945, wurden lediglich Katharinas Heerführer Aleksandr Suvorov und Michail Kutuzov, der Held des antinapoleonischen Befreiungskrieges von 1812, verehrt und ihre Namen für die höchsten militärischen Orden der Sowjetunion verwendet. Im August 1943 benutzte die sowjetische Führung den Namen des Feldherren Petr Rumjancev, der gegenüber Friedrich dem Großen siegreich geblieben war und von diesem dafür bei seinem Besuch in Potsdam 1776 geehrt wurde, zur Bezeichnung einer militärischen Offensive.

<38>

Bis 1992 konnte in Russland keine wissenschaftliche Biographie Katharinas erscheinen. Erst seit Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts und besonders dem Jubiläumsjahr 1996 (200. Todestag Katharinas II.) bemühten sich zunächst die weltweit führende Katharina-Forscherin, die Tochter des Außenministers der spanischen Republik Salvatore de Madariaga, Isabel de Madariaga (geb. 1923), der US-amerikanische Historiker John T. Alexander sowie in jüngster Zeit der Brite Simon Dixon, in Russland Forscher wie Aleksandr Kamenskij und Oleg Omel 'čenko sowie in Deutschland Claus Scharf mit seinem Buch "Katharina II., Deutschland und die Deutschen" (1995) sowie Erich Donnert um ein vorurteils- und ideologiefreies Urteil über die Herrscherin. 84 Im englischen Sprachraum gab es dabei zunächst weniger Vorbehalte als in Russland, von "Catherine the Great" zu sprechen. Auch in Deutschland wurde der Beiname "Katharina die Große" eher in belletristischen Darstellungen ihres Lebens gebraucht als in wissenschaftlichen Abhandlungen. Doch in jüngster Vergangenheit zeigte sich auch hier ein Wandel.

Das Bronzestandbild Katharinas der Großen in Zerbst

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Am 9. Juli 2010 wurde in Zerbst ein 4.70 Meter hohes Bronzestandbild Katharinas der Großen feierlich enthüllt. 85 Der russische Künstler Michail Vladimirovič Perejaslavec orientierte sich bei der Verfertigung der Statue an klassischen Vorbildern. Die jugendliche Sophie Auguste Friederike, die im nahen Schloss Dornburg einen Teil ihrer Kindheit verbracht hatte, weist entsprechend der Komposition des Künstlers mit dem linken Arm besitzergreifend auf die russischen Throninsignien, auf Krone und Zepter. Dieses bisher einzige Denkmal für die Zarin Katharina II. in Deutschland steht vor der barocken Stadthalle, der ehemaligen Reithalle, einem der wenigen Gebäude in Zerbst, die die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überstanden. Mit der Enthüllung dieses Standbildes wurde auch erkennbar, dass sich in ihrer ursprünglichen Heimat die Bezeichnung "Katharina die Große" als eine Selbstverständlichkeit durchgesetzt hatte.

Abb. 1: Bronzestandbild der jungen Großfürstin Katharina in Zerbst. Enthüllt am 9.7.2010. Künstler: Michail Perejaslavec (Moskau), Foto: Vladislav Anikin.

Autor:

Dr. Michael Schippan
Herzog August Bibliothek
Lessingplatz 1
38304 Wolfenbüttel
schippan@hab.de

1 Die französischen Moralisten. Neue Folge. Galiani. Fürst von Ligne. Joubert, hg. von Fritz Schalk, Wiesbaden 1940, 114. Diese Charakterisierung durch de Ligne steht auch am Beginn der ausgewogenen und gründlichen Darstellung von Claus Scharf, der der Autor in vielem verpflichtet ist: ders.: Katharina II. von Rußland – die Große? Frauengeschichte als Weltgeschichte, in: Erich Donnert (Hg.): Europa in der Frühen Neuzeit. Festschrift für Günter Mühlpfordt. Bd. 3: Aufbruch zur Moderne, Köln / Weimar / Wien 1997, 177-197.

2 Vgl. Philip Mansel: Der Prinz Europas. Prince Charles-Joseph de Ligne 1735-1814, Stuttgart 2006.

3 Übersetzung aus dem Russischen (wie die folgenden vom Autor) in: Rossija XVIII v. glazami inostrancev [Russland im 18. Jahrhundert mit den Augen von Ausländern], Leningrad 1989, 315.

4 Putešestvie Eja Imperatorskago Veličestva v poludennyj kraj Rossii, predpriemlemoe v 1787 godu [Die Reise Ihrer Kaiserlichen Hoheit in den südlichen Teil Rußlands. Unternommen im Jahre 1787], St. Peterburg 1786 (!); Alexander Brückner: Die Reise Katharinas II. nach Südrußland im Jahr 1787, in: Russische Revue (1873) II, 1-33, 97-132; Theresa Adamczyk: Die Reise Katharinas II. nach Südrußland im Jahre 1787, in: Jahrbücher für Kultur und Geschichte der Slaven. Neue Folge, Bd. VI, Heft 1 (1930), 25-53.

5 Prince de Ligne: Lettres à la Marquise de Coigny, Paris 1914, 53.

6 Günther Elbin (Hg.): Literat und Feldmarschall. Briefe und Erinnerungen des Fürsten Charles Joseph de Ligne 1735-1814, Stuttgart 1979, 55. Mit dem "Caesaren" ist der österreichische Kaiser Joseph II. (1740-1791) gemeint, der Katharina II. zeitweilig auf der Reise durch Südrussland begleitete.

7 Detlef Jena: Zar Iwan VI., der Gefangene von Schlüsselburg, München 2004.

8 Claude Carloman de Rulhière: Anecdotes sur la révolution de Russie, en l 'année 1762, in: ders.: Oeuvres posthumes, Paris 1819, Tome IV, 368.

9 Zitiert in: Alina Chernova: "Mémoires" und "Mon Histoire". Zarin Katharina die Große und Fürstin Katharina R. Daschkowa in ihren Autobiographien, Berlin 2007, 88.

10 Über diese angeblichen Morde Agrippinas berichteten die römischen Historiker Sueton und Tacitus, die bei ihren Darstellungen rhetorischen Topoi folgten. Vgl. Werner Eck: Agrippina, die Stadtgründerin Kölns. Eine Frau in der frühkaiserzeitlichen Politik, Köln 1993.

11 Denis Diderot: Essais sur les règnes de Claude et de Néron, in: ders.: Oeuvres complètes. Tom XXV, Paris 1986.

12 Vgl. Chisajasu Nakagava (Hisajasu Nakagawa): "Nadležalo ostavit' brazdy pravlenija v rukach prežnego gosudarja …" Didro, zaščitnik Nerona I Ekateriny II ["Es gilt, die Zügel der Regierung in den Händen des bisherigen Herrschers beizubehalten." Diderot als Verteidiger Neros und Katharinas II.], in: Evropejskoe prosveščenie i civilizacija Rossii / Les Lumières Européennes et la civilisation de la Russie, Moskau 2004, 166-177.

13 Vgl. Francesco Mazzei: Messalina, München 1985.

14 (Ja. P. Kozel 'skij:) Filosofičeskie predloženija, sočinennye nadvornym sovetnikom i Pravitel 'stvujuščego Senata sekretarem Jakovom Kozel 'skim v Sankt-Peterburge 1768 goda [Philosophische Sätze, verfertigt von dem Hofrat und Sekretär des Regierenden Senats in St. Petersburg, Jakov Kozel 'skij, im Jahre 1768], St. Peterburg 1768. Neuausgabe in: Izbrannye proizvedenija russkich myslitelej vtoroj poloviny XVIII veka [Ausgewählte Werke russischer Denker der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts], Moskau / Leningrad 1952, T. 1, 411-551.

15 Jurij Jakovlevič Kogan: Prosvetitel' XVIII v. - Ja.P. Kozel 'skij [Ein Aufklärer des 18. Jahrhunderts - Ja. P. Kozel 'skij], Moskau 1958; André Monnier: Un "philosophe" russe du XVIIIe siècle: Jakov Pavlovič Kozel 'skij, in: Cahiers du monde russe et soviétique, IX / 2 (1968), 177-193.

16 (Ludvig Holberg:) Istorija datskaja, sočinennaja gospodinom Golbergom, kotoruju sokratil i pripisal k nej svoi primečanija artillerii kapitan Jakov Kozel 'skij. Čast' I-II [Dänische Geschichte, verfasst von Herrn Holberg, welche der Artilleriekapitän Jakov Kozel 'skij kürzte und der er Anmerkungen hinzufügte], St. Peterburg 1765-1766. Neuausgabe des Vorwortes in: Predislovie k perevodu "Istorii datskoj" Golberga; Iz primečanij k perevodu "Istorii datskoj" Golberga [Vorwort zur Übersetzung der "Dänischen Geschichte" Holbergs], in: Izbrannye proizvedenija T. 1 (wie Anm. 14), 621-626; 627-636.

17 Vermutlich gelangten 50 Bücher in Umlauf: Aleksandr Nikolaevič Radiščev: Putešestvie iz Peterburga v Moskvu [Reise von Petersburg nach Moskau], St. Peterburg 1790; deutsche Ausgabe: Alexander Nikolajewitsch Radistschew: Reise von Petersburg nach Moskau, Berlin 1952.

18 Vgl. die neue Bewertung dieses Schlüsseldokuments des russischen oppositionellen Denkens: Vladimir Karlovič Kantor: Sankt-Peterburg: Rossijskaja imperija protiv rossijskogo chaosa. K probleme imperskogo soznanija v Rossii [Sankt Petersburg. Das Russländische Imperium gegen das russische Chaos. Zum Problem des imperialen Bewusstseins in Russland], Moskau 2008; hier besonders: "Otkuda i kuda echal putešestvennik? 'Putešestvie iz Peterburga v Moskvu' A. N. Radiščeva" [Woher kam und wohin fuhr der Reisende? Die "Reise von Petersburg nach Moskau" von A. N. Radiščev], 117-167.

19 Katherine II. vor dem Richterstuhle der Menschheit. Grösstentheils Geschichte, St. Petersburg 1797, 58 (Eutiner Landesbibliothek, Sign. IV q 1).

20 Vgl. Otto M. Schmitt: Melchior Adam Weikard. Arzt, Philosoph und Aufklärer, Fulda 1970.

21 (Melchior Adam Weikard): Taurische Reise der Kaiserin von Russland Katharina II. Aus dem Englischen übersetzt, Koblenz (i. e. Frankfurt am Main) 1799, 193, 195.

22 Nikita Ivanovič Panin: Proekt Imperatorskago Soveta [Das Projekt eines Kaiserlichen Rates], in: Sbornik Russkogo Imperatorskogo Istoričeskogo Obščestva [Sammelband der Kaiserlichen Russischen Historischen Gesellschaft] (im Folgenden: SIRIO) 7, St. Peterburg 1871, 202-217; vgl. David Ransel: The Politics of Catharinian Russia. The Panin Party, New Haven u.a. 1975.

23 Vgl. Michail Safonov: "Seksual 'nye otkrovenija" Ekateriny II i proizchoždenie Pavla I [Die "sexuellen Enthüllungen" Katharinas II. und die Herkunft Pauls I.], in: Joachim Klein / Simon Dixon / Martin Fraanje (Hg.): Reflections on Russia in the Eighteenth Century, Köln / Weimar / Wien 2001, 96-111.

24 Nikolai Karamsin: Lobrede auf Catharina die Zweyte. Aus dem Russischen übersetzt von Johann Richter, Riga 1802, 27.

25 Vgl. Scharf: Katharina II. (wie Anm. 1), 192.

26 Vgl. die gründliche Untersuchung von Oleg Omel 'čenko: "Zakonnaja monarchija" Ekateriny Vtoroj. Prosveščennyj absoljutizm v Rossii [Die "Gesetzliche Monarchie" Katharinas der Zweiten. Der aufgeklärte Absolutismus in Russland], Moskau 1993.

27 Vgl. SIRIO 20, St. Peterburg 1877, 236. Von den 526 Artikeln des ersten Teils der Instruktion waren 294 aus Montesquieus "Esprit des Lois" und 108 aus Cesare Beccarias "Delle delitte e delle pene" entlehnt. Katharina stützte sich außerdem auf die "Encyclopédie" Diderots und d 'Alemberts sowie auf die "Institutions Politiques" des Barons Bielfeld. Vgl. Isabel de Madariaga: Russia in the Age of Catherine the Great, London 1981, 152.

28 Zitiert in: Hedwig Fleischhacker: Mit Feder und Zepter. Katharina II. als Autorin, Stuttgart 1978, 59.

29 Artikel 6 in: Katharinae der Zweiten, Kaiserin und Gesetzgeberin von Russland, Instruction für die zu Verfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gesetzbuch verordnete Commission, Riga / Mitau 1768, 4.

30 Vgl. Nadežda Jur 'evna Plavinskaja: "Nakaz" Ekateriny II vo Francii v konce 60 – načale 70-ch godov XVIII v. Perevody, cenzura, otkliki v presse [Der "Nakaz" Katharinas II. in Frankreich in den sechziger bis zu Beginn der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts], in: Russko-francuzskie kul 'turnye svjazi v ėpochu prosveščenija. Materialy i issledovanija [Russisch-französische kulturelle Beziehungen in der Epoche der Aufklärung. Materialien und Forschungen], Moskau 2001, 9-36.

31 Vgl. Frank Göpfert: Russische Autorinnen von der Mitte bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Teil I: 1750-1780, Fichtenwalde 2007, 186-198.

32 Vgl. Friedrich II. an Katharina II., in: SIRIO 20, 237.

33 Vgl. Friedrich II. an Katharina II., in: SIRIO 20, 239.

34 Vgl. Peter Brüne: Johann Gotthilf Vockerodts Einfluß auf das Russlandbild Voltaires und Friedrichs II., in: Zeitschrift für Slawistik 39 (1994) 3, 393-404.

35 Vgl. Michael Silnizki: Geschichte des gelehrten Rechts in Rußland. Jurisprudencija an den Universitäten des Russischen Reiches 1700-1835, Frankfurt a. M. 1997.

36 Katharina die Grosse / Voltaire. Monsieur – Madame. Der Briefwechsel zwischen der Zarin und dem Philosophen. Übersetzt, hg. und mit einer Einführung von Hans Schumann, Zürich 1991; Voltaire – Catherine II. Correspondance 1763-1778. Texte présené et annoté par Alexandre Stroev, Paris 2006.

37 Bernard Bray / Jochen Schlobach / Jean Varloot: La Correspondance littéraire de Grimm et de Meister (1754-1813). Colloque de Sarrebruck, Paris 1976; Melchior Grimm: Paris zündet die Lichter an. Literarische Correspondenz, Leipzig 1977; Ulla Kölving / Jeanne Carriat: Inventaire de la Correspondance littéraire de Grimm et Meister, T. 1-3, Oxford 1984; Maria Moog-Grünewald: Jakob Heinrich Meister und die "Correspondance littéraire". Ein Beitrag zur Aufklärung in Europa, Berlin / New York 1989. Friedrich II. bezog die "Correspondance littéraire" seit 1763, Katharina II. seit 1764, Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen seit Ende 1769. Weitere Abonnenten waren: Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha, Prinz Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, die Fürstin Sophie Christiane Charlotte Friederike Erdmuthe von Nassau-Saarbrücken, Herzog Christian IV. von Zweibrücken, Herzog Karl August von Sachsen-Weimar, Landgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt, König Christian VII. von Dänemark, König Georg III. von Großbritannien, König Stanisław August Poniatowski von Polen, Großherzog Leopold von Toskana (später Kaiser Leopold II.) sowie die Prinzen August Wilhelm und Heinrich von Preußen. Vgl. Jochen Schlobach: Die frühen Abonnenten und die erste Druckfassung der "Correspondance littéraire", in: Romanische Forschungen, 82. Bd., Heft 1/2 (1970), 8-9; ders.: Französische Aufklärung und deutsche Fürsten, in: Zeitschrift für Historische Forschung 17 (1990), 327-349; ders.: Grimm in Paris. Ein Kulturvermittler zwischen Deutschland und Frankreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Jean Mondot / Jean-Marie Valentin / Jürgen Voss (Hg.): Deutsche in Frankreich – Franzosen in Deutschland 1715-1789. Institutionelle Verbindungen, soziale Gruppen, Stätten des Austausches, Sigmaringen 1992, 179-189.

38 Vgl. Martina A. Panzer: Die Große Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt (1721-1774), Regensburg 2005.

39 Günter Berger (Hg.): Wilhelmine von Bayreuth heute. Das kulturelle Erbe der Markgräfin, Bayreuth 2009.

40 Vgl. Bärbel Raschke (Hg.): Der Briefwechsel zwischen Luise Dorothée von Sachsen-Gotha und Voltaire (1751-1767), Leipzig 1998.

41 Vgl. Jan Lauts: Karoline Luise von Baden. Ein Lebensbild aus der Aufklärung, Karlsruhe 1980.

42 Vgl. Correspondance privée de Frédéric-Melchior Grimm 1723-1807. Présentée et annotée par Jochen Schlobach, Genf 2009.

43 Katharina II. an Friedrich Melchior Grimm, 22. Februar 1788, in: SIRIO, 23, St. Peterburg 1878, 438.

44 Grimm: Paris (wie Anm. 37), 352.

45 Vgl. Louis Réau: Étienne-Maurice Falconet. 2 Bde., Paris 1922; Avraam L 'vovič Kaganovič: Mednyj vsadnik. Istorija sozdanija monumenta [Der Eherne Reiter. Geschichte der Schaffung eines Monuments], Leningrad 1975; Alexander M. Schenker: The Bronze Horseman. Falconet 's monument to Peter the Great, New Haven u.a. 2003; Felix Philipp Ingold: Die Faszination des Fremden. Eine andere Kulturgeschichte Russlands, München 2009, 162-164.

46 Vgl. Natal 'ja Dmitrievna Kočetkova: Petrov, Vasilij Petrovič, in: Slovar' russkich pisatelej XVIII veka. Vypusk 2 (K-P) [Wörterbuch der russischen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Ausgabe 2 (K-P)]. St. Petersburg 1999, 425-429.

47 Vgl. Vera Proskurina: Mify Imperii. Literatura i vlast' v ėpochu Ekateriny II [Die Mythen des Imperiums. Literatur und Macht in der Epoche Katharinas II.] (Historia Rossica), Moskau 2006, 42-48.

48 Vgl. I. V. Rjazancev: Ekaterina II v zerkale antičnoj mifologii [Katharina II. im Spiegel der antiken Mythologie], in: Russkaja kul 'tura poslednej treti XVIII veka – vremeni Ekateriny Vtoroj. Sbornik statej [Die russische Kultur im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts – der Zeit Katharinas der Zweiten. Sammelband.], Moskau 1997, 140.

49 Zitiert in: Proskurina. Mify Imperii (wie Anm. 48), 129. Die russischen und deutschen Erstausgaben: (M. M. Cheraskov:) Numa ili Procvetajuščij Rim [Numa oder das aufblühende Rom], Moskau 1768; Numa Pompilius, oder das blühende Rom. Aus dem Russischen des Herrn von Cheraskoff, St. Petersburg 1782.

50 Wegen seiner Fabel "Die zwei Köche" fiel Sumarokov 1765 bei Katharina II. in Ungnade. Sie enthielt Anspielungen auf das unglückliche Verhältnis zwischen Katharina und ihrem Sohn Paul. Die Fabel wurde konfisziert und vernichtet. Vgl. Proskurina: Mify Imperii (wie Anm. 47), 77.

51 Vgl. Proskurina: Mify Imperii (wie Anm. 47), 121.

52 Vgl. Proskurina: Mify Imperii (wie Anm. 47), 128.

53 Gavrila Romanovič Deržavin: Felica, in: ders.: Sočinenija [Werke], Leningrad 1987, 34-40.

54 Vgl. Simon Dixon: Catherine the Great, London 2009, 17.

55 Diese Beispiele zitiert in: Guzel' Vazychovna Ibneeva: Imperskaja politika Ekateriny II v zerkale vencenosnych putešestvij [Die imperiale Politik Katharinas II. im Spiegel der Reisen der Regentin], Moskau 2009, 386-387.

56 Vgl. Michael Schippan: Die Reichshistoriographie in Russland im Zeitalter der Aufklärung, in: Markus Völkel / Arno Strohmeyer (Hg.): Historiographie an europäischen Höfen (16.-18. Jahrhundert). Studien zum Hof als Produktionsort von Geschichtsschreibung und historischer Repräsentation (= Beiheft 43 der Zeitschrift für Historische Forschung), Berlin 2009, 323-352.

57 Vgl. Chernova (wie Anm. 9); Marija Aleksandrovna Krjučkova: Memuary Ekateriny II i ich vremja [Die Memoiren Katharinas II. und ihre Zeit], Moskau 2009.

58 Joanot Martorell: Der Roman vom weißen Ritter Tirant le Blanc. Aus der altkatalonischen Sprache des Königreichs Valencia erstmals ins Deutsche gebracht von Fritz Vogelgsang, 3 Bde., Frankfurt a. M. 2007.

59 Vgl. Andrej Leonidovič Zorin: "Kormja dvuglavogo orla …" Literatura i gosudarstvennaja ideologija v Rossii v poslednej treti XVIII – pervoj treti XIX veka ["Den Doppeladler füttern …". Literatur und Staatsideologie in Russland im letzten Drittel des 18. bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts], Moskau 2001.

60 Zitiert in: Proskurina: Mify Imperii (wie Anm. 47), 52. Als der italienische Reisende 1765 in Petersburg eintraf, plauderte er allerdings mit Katharina II. im Sommergarten nicht über die Politik, sondern ausgerechnet über die abweichende Zeitrechnung in Russland und eine notwendige Kalenderreform. Die Kaiserin bereitete sich am Vorabend eines weiteren Gesprächs mit Casanova darauf vor, indem sie umfassende astronomische Auskünfte von ihren Akademikern einholte, was bezeichnend für ihr auf Außenwirkung in Europa bedachtes Vorgehen ist.

61 Vgl. Michael Schippan: Ernst Glück und Katharina I., in: Christiane Schiller / Māra Grudule (Hg.): Mach dich auf und werde Licht – Celies nu, topi gaišs. Zu Leben und Werk von Ernst Glück (1654-1705). Akten der Tagung anlässlich seines 300. Todestages vom 10. bis 13. Mai 2005 in Halle (Saale) (Fremdsprachen in Geschichte und Gegenwart, 4), Wiesbaden 2010 (im Druck).

62 Die französischen Moralisten (wie Anm. 1), 116.

63 Vgl. Peter Hoffmann: Alexander Suworow, der unbesiegte Feldherr, Berlin 1986.

64 Die Literatur, in der Potemkin als bedeutender Staatsmann und Administrator an der Seite Katharinas gewürdigt wird, ist seit den Bemühungen des Historikers Vjačeslav Sergeevič Lopatin um eine differenzierte und gerechte Bewertung seiner Persönlichkeit nach 1992 beträchtlich angewachsen. Vgl. in deutscher Sprache: Detlef Jena: Potemkin. Favorit und Feldmarschall Katharinas der Großen, München 2001; Simon Sebag Montefiore: Katharina die Grosse und Fürst Potemkin. Eine kaiserliche Affäre, Frankfurt a. M. 2009. Vgl. ferner: Vjačeslav Lopatin: Potemkin I Suvorov [Potemkin und Suvorov], Moskau 1992; Ekaterina II i G. A. Potemkin. Ličnaja perepiska 1769-1791 [Katharina II. und G. A. Potemkin. Persönlicher Briefwechsel 1769-1791], Moskau 1997; Simon Sebag Montefiore: Prince of Princes. The Life of Potemkin, London 2000; Ol 'ga Eliseeva: Perepiska Ekateriny II i G. A. Potemkina perioda vtoroj russko-tureckoj vojny (1787-1791). Istočnikovedčeskoe issledovanie [Der Briefwechsel Katharinas II. mit G. A. Potemkin in der Periode des zweiten russisch-türkischen Krieges (1787-1791). Eine quellenkundliche Untersuchung], Moskau 1997; dies.: Geopolitičeskie proekty G. A. Potemkina [Die geopolitischen Projekte G. A. Potemkins], Moskau 2000; dies.: Grigorij Potemkin, Moskau 2005; Vjačeslav Sergeevič Lopatin: Svetlejšij knjaz' Potemkin [Der Allerdurchlauchtigste Fürst Potemkin], Moskau 2004; Natal 'ja Jur 'evna Bolotina: Knjaz' Potemkin. Geroj ėpochi Ekateriny Velikoj [Fürst Potemkin. Held der Epoche Katharinas der Großen], Moskau 2006.

65 Carlo Denina: Essais sur la vie et le règne de Frédéric II, Roi de Prusse, pour servir de préliminaire à l 'édition de ses oeuvres posthumes, Berlin 1788.

66 Vgl. Die Notizen der Kaiserin Katharina II. zu Dénina: Essais sur la vie et le règne de Frédéric II. Mitgeteilt von Theodor Schiemann, in: Forschungen zur Brandenburgischen und preußischen Geschichte 15/2 (1901), 223-231.

67 Vgl. die Einleitung von Lothar Schuckert in: Montesquieu: Betrachtungen über die Ursachen von Größe und Niedergang der Römer. Mit den Randbemerkungen Friedrichs des Großen, Bremen o. J. VII-XXXI.

68 Vgl. Heinz-Dieter Löwe (Hg.): Volksaufstände in Russland. Von der Zeit der Wirren bis zur "Grünen Revolution" gegen die Sowjetherrschaft, Wiesbaden 2006; Erich Donnert: Revoltierung und Massenaufruhr in Russland: Katharina II. und der "Marquis de Pougatschef", in: Erich Donnert (Hg.): Europa in der Frühen Neuzeit. Festschrift für Günter Mühlpfordt. Bd. 7, Köln / Weimar / Wien 2008, 873-894.

69 Vgl. John LeDonne: Ruling Russia. Politics and Administration in the Age of Absolutism, 1762-1796, Princeton 1984.

70 Vgl. Claus Scharf: Adliger Grundbesitz und Regionalverwaltung in der Gouvernementsreform Katharinas II.: Argumente von der Mittleren Wolga, in: ders. (Hg.): Katharina II., Rußland und Europa. Beiträge zur internationalen Forschung, Mainz 2001, 421-456.

71 An die Gepflogenheit Katharinas II., Generäle zu Statthaltern und Generalgouverneuren zu ernennen, knüpfte der russische Präsident Vladimir Putin an, der mit Vorliebe seine Vertrauten aus Armee und Sicherheitsdienst im Generalsrang zu Generalgouverneuren ernannte.

72 Abgedruckt in: Michael Schippan / Sonja Striegnitz: Wolgadeutsche. Geschichte und Gegenwart, Berlin 1992, 215-220. Vgl. Roger P. Bartlett: Human Capital. The Settlement of Foreigners in Russia 1762-1804, Cambridge 1979; Detlef Brandes: Von den Zaren adoptiert. Die deutschen Kolonisten und die Balkansiedler in Neurussland und Bessarabien 1751-1914, München 1993.

73 Katharina II.: Memoiren. Erster Bd., Leipzig 1986, 211. Vgl. Dixon: Catherine (wie Anm. 54), 101.

74 Zitiert in: Fleischhacker: Mit Feder (wie Anm. 28), 11.

75 Tacitus: Les Annales et les Histoires. Avec la Vie de Jul. Agricola. Trad. François Guérin, Paris 1742; Oeuvres de Tacite, T. 1-4, 4. édition, Amsterdam 1748.

76 Cornelius Tacitus: Wercke aus dem Lateinischen übersetzt, und mit den nöthigsten Anmerkungen begleitet, Magdeburg 1765, 25.

77 Denkwürdigkeiten aus dem ablaufenden Jahrhundert bei historisch-statistischer Darstellung der russischen Monarchie und der merkwürdigen Revolutionen in Frankreich und Polen zu politisch- und kriegerischen Reflexionen, bearbeitet seit 1780 bis gegenwärtig, Berlin 1800. Vgl. Basil von Bilbassoff [Vasilij Alekseevič Bil 'basov]: Katharina II., Kaiserin von Rußland, im Urtheile der Weltliteratur, Bd. 2, Berlin 1897, 84; Scharf (wie Anm. 1), 178.

78 (Johann Adam Bergk): Napoleon der Große und Bonaparte der Kleine. Eine Uebersicht seiner Heldenthaten und Erbärmlichkeiten. Von Ernst Wahrlieb, Berlin 1814.

79 Auf den Umstand, dass zu jener Zeit zunehmend die Völker und Nationen als kollektive Subjekte der Geschichte in den Vordergrund rückten, verweist der Beitrag von Michael Kaiser in dieser Ausgabe.

80 Karamzin: Lobrede (wie Anm. 24); Gabriela Lehmann-Carli: Karamzins "Istoričeskoe pochval 'noe slovo Ekaterine vtoroj": eine Gratwanderung zwischen Panegyrik, Mythos und Historie? in: Michail Fajnštejn / Frank Göpfert (Hg.): Katharina II. Eine russische Schriftstellerin (FrauenLiteraturGeschichte. Texte und Materialien zur russischen Frauenliteratur, 5), Wilhelmshorst 1996, 9-26.

81 Karamzin: Lobrede (wie Anm. 24), 63.

82 Karamzin: Lobrede (wie Anm. 24), 122.

83 Vjačeslav Sergeevič Lopatin: Pis 'ma, bez kotorych istorija stanovitsja mifom [Briefe, ohne die die Geschichte zum Mythos wird], in: Ekaterina II i G. A. Potemkin (wie Anm. 65), 473.

84 Madariaga: Russia (wie Anm. 27); John T. Alexander: Catherine the Great: Life and Legend, New York / Oxford 1989; Dixon: Catherine (wie Anm. 54); Aleksandr Kamenskij: Žizn' i sud 'ba Imperatricy Ekateriny II [Leben und Schicksal der Kaiserin Katharina II.], Moskau 1997; Omel 'čenko (wie Anm. 26); Claus Scharf: Katharina II., Deutschland und die Deutschen, Mainz 1995; Erich Donnert: Katharina die Große, Regensburg 1998.

85 Vgl. Ėrchard Cheksel 'šnejder: (Erhard Hexelschneider): V gorode Cerbst otkrylsja pervyj v Germanii pamjatnik Ekaterine II [In der Stadt Zerbst wurde das erste Denkmal für Katharina II. in Deutschland enthüllt], in: Russkaja literatura [Russische Literatur] (im Druck).

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PSJ Metadata
Michael Schippan
Eine historisch Große
Katharina II. von Russland
Die 1762 durch einen Staatsstreich zur Macht gelangte Zarin Katharina II. (1729-1796) war die einzige Herrscherin, der von den Zeitgenossen und der Nachwelt der Beiname "die Große" zuerkannt wurde. Entsprechend den Intentionen russischer adliger Würdenträger, die ihr mehrfach dieses Epitheton antrugen, sollte die Kontinuität zur vorangegangenen Regierungszeit Zar Peters des Großen sichtbar gemacht werden. Zu Katharinas Verherrlichung trugen im Ausland Aufklärer wie Voltaire und der Prinz de Ligne bei. Katharina erfüllte als Siegerin in den Kriegen gegen das Osmanische Reich, Schweden und Polen die traditionellen Kriterien, die an einen "großen Herrscher" gestellt wurden. Im Jahrhundert der Aufklärung wurden zudem besonders ihre "Werke des Friedens" geschätzt und ihre Bemühungen um eine Reform der Gesetzgebung und des Bildungswesens gewürdigt.
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Russland
18. Jh.
Zarin Reformgesetzgebung Geschichtsschreibung Aufklärung Voltaire
Abbildung 1 Abbildung 1 Bronzestandbild der jungen Großfürstin Katharina in Zerbst. Enthüllt am 9.7.2010. Künstler: Michail Perejaslavec (Moskau), Foto: Vladislav Anikin.
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M. Schippan: Eine historisch Große
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/schippan_katharina
Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:40
Zugriff vom: 20.11.2017 18:27
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