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U. Sachse: Groß im Tod sein

Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

Groß im Tod sein

Friedrichs des Großen erste Verfügung zur Inszenierung seines Nachlebens

Ullrich Sachse


Abstract

Die Forschung zu Friedrich dem Großen hat sich wenig bis gar nicht mit dessen testamentarischen Verfügungen zu seiner Bestattung beschäftigt, schon gar nicht mit seiner ersten aus dem Jahre 1741, die noch ein Begräbnis im Garten von Rheinsberg vorsah. Den archimedischen Punkt, um den Friedrichs Gedanken zu Begräbnis und Ruhm kreisten, bildete das Altertum, genauer: das antike Rom. Es waren – noch – nicht die römischen Imperatoren, deren Masken der junge König trug, sondern die der Dichter Roms. Zeremoniell und Grabmal sollten die Manifestation des in Rheinsberg so sorgsam in Szene gesetzten Dichterlebens werden. Diese erste Auseinandersetzung Friedrichs mit Tod und Grab gleicht einer Bilanz seiner Kronprinzenzeit, zeichnet deren geistige Fixsterne und ist in ihrer Opposition gegen die Konventionen der Zeit vor allem Zeugnis für Friedrichs Willen, einen Platz im Kreise der Großen der Geschichte zu fordern.

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Nichts fürchten die Menschen mehr als den Tod. Mit keinem anderen Thema hat sich die Menschheit in ihrer langen Geschichte intensiver auseinandergesetzt. Unvermeidbar mit der Geburt, ist er Schrecken und Erlösung. Das Christentum verdankte seinen Aufstieg nicht zuletzt einem Gedanken, der den Religionen und Kulten im antiken Mittelmeerraum unendlich fremd war: der Erlösung, der Hoffnung auf Auferstehung, auf ein Leben nach dem Tod. Revolutionär war diese Vorstellung, weil sie mit dem eisernen Grundsatz der griechisch-römischen Antike brach, dass mit dem Tod alles zu Ende sei. In Griechenland und Rom konnte nur der Name des Toten fortleben. "Wenn ich hier bleibe und kämpfe hier um die Feste der Troer, / Wird mir verloren die Heimkehr, doch unvergänglicher Ruhm sein; / Kehre ich aber zurück zum lieben Lande der Väter, / Wird mein Ruhm verloren, doch lange wird die Dauer des Lebens [...]." 1 Nicht anders war es in der römischen Welt des Scipio, Pompeius und Cäsar, des Horaz, Vergil und Ovid. Herausragende Taten und Leistungen waren die beste Versicherung für den Ruhm und die Unsterblichkeit des Namens. Dies hatte Friedrich vom Altertum gelernt. 2 Wer im Gedächtnis der Nachgeborenen bleiben wollte, der musste sich als Meister in seiner Kunst bewiesen haben, der musste Leistungen vollbracht haben, die in Erinnerung blieben.

Friedrichs Wollen

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"Falle ich, so ist mein Wille, daß mein Leib nach Römerart verbrannt und in einer Urne in Rheinsberg beigesetzt werde. Knobelsdorff soll mir ein Grabdenkmal errichten, wie das des Horaz in Tuskulum." 3

Diese Worte Friedrichs, geschrieben 1741 aus dem Feldlager an den preußischen Staatsminister Podewils, spiegeln keine kafkaesken Gefühle, keine düsteren Todesahnungen des jungen Königs, sondern exemplarisch die Vorstellungswelt des Kronprinzen wider, wie er sie in Küstrin, Ruppin und vor allem in Rheinsberg bei der Lektüre der Dichter und Geschichtenschreiber der Vergangenheit und Gegenwart entwickelt hat. Zentraler Gegenstand der Botschaft ist das römische Altertum und mit ihm der Wille zur "historischen Größe" nach antikem Vorbild. Mit Rom und der Verbrennung der sterblichen Überreste sind Italien und die Antike, mit Rheinsberg und Tusculum das Motiv des Gartens im Sinne des antiken otium, mit Horaz der Dichter und die Dichtkunst präsent – all dies sollte sich zu einem Bild antiker Größe fügen, in deren Formen Friedrich beigesetzt werden und in Erinnerung bleiben wollte.

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In Rheinsberg versuchte sich Friedrich voller Eifer im Dichten von Versen, trug den Freunden und natürlich Voltaire immer neue Strophen und Stücke zur Korrektur an. Seine dichterischen Proben folgten einer einfachen Einsicht, die der Kronprinz im Antimachiavell vortrug: "Das augusteische [Zeitalter] ist bekannter durch einen Cicero, Ovid, Horaz und Vergil als durch die Ächtungslisten jenes grausamen Kaisers, der schließlich doch ein gut Teil seines Nachruhmes der Leier des Horaz verdankt." 4 Nicht die Tat selbst, sondern ihre Darstellung in der Literatur und damit vor der Nachwelt bedeute Ruhm oder Schande für den Protagonisten, wie er bereits im Brief vom 13. November 1737 an Voltaire bekannt hatte. 5 Allein die Nachwelt wiege deren historische Bedeutung. Ihren Richtern müsse das Manuskript zum Schiedsspruch in die Hand gegeben werden. Ihre Gunst allein sichere Ruhm und die Ewigkeit des Namens. Anders formuliert: Das Beweismaterial, über das die Gegenwart richtet, ist für Friedrich nicht die Tat, sondern deren Darstellung, Erklärung und Ornamentierung in Versen und Abhandlungen.

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Jahrzehnte später klingen diese Worte versöhnlicher, in ihrem Tenor jedoch blieben sie unverändert: "Aber Virgil und Horaz wurden durch den Beifall jenes königlichen Volkes geehrt, standen in vertrautem Verkehr mit Augustus und hatten Teil an den Belohnungen, die dieser geschickte Tyrann über alle ausschüttete, die seine Tugenden priesen und seine Laster beschönigten." 6 Zu lesen sind sie ausgerechnet in der Gedächtnisrede auf Voltaire. Sie reflektieren den Nukleus der Beziehung zwischen Friedrich und Voltaire, den Anspruch, den der preußische Monarch gegenüber dem Franzosen erhoben und den dieser zumindest im ersten Jahrzehnt der Bekanntschaft auch eingelöst hatte. Dass die Belohnungen im friderizianischen Preußen bescheidener ausfielen als in Rom, mitunter für den Belohnten als solche kaum zu definieren waren, sei hier nur am Rande bemerkt.

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Gleichermaßen freimütig wie pointiert bekannte sich Friedrich in einem Brief an Voltaire im Jahre 1773 zum Ziel seiner lebenslangen dichterischen Versuche und Mühen: Dauerhaften Ruhm, parlierte er, dauerhaften Ruhm genießen die Schriftsteller aller Zeiten, nicht die Herrscher. "Mit uns [den Staatsmännern, U.S.] lebt man nicht mehr, sobald ein wenig Erde unsere Asche deckt; dagegen unterhält man sich mit allen Schöngeistern des Altertums, die durch ihre Bücher zu uns sprechen." 7 Nichts anderes hatte Horaz den Leser in seiner Ode "Nachruhm" wissen lassen: Der Dichter baut sich mit der Dichtkunst sein Grabmal, das zugleich Denkmal, über Völkergrenzen und geographische Hindernisse hinweg bekannt und deshalb fester als Erz und Stein ist. Mithin kann der Dichter auf zeremoniellen Begräbnispomp ebenso verzichten wie auf ein monumentales Grabmal. Gesteigert wurde diese Vorstellung noch einmal im Italien der Renaissance mit der Dichterkrönung: Ein Meister der Dichtkunst seiner Zeit, Francesco Petrarca, der Notarssohn aus Arezzo, wurde 1341 auf dem römischen Kapitol mit dem Lorbeerkranz bekrönt, sichtbares Zeichen für die Würde der Dichter, sofern sie ihre Schöpferkraft aus dem Geiste der klassischen römischen Dichtkunst gerierten, und für die Wertschätzung ihrer Kunst.

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Wie recht Horaz mit seinen Worten hatte, davon konnte sich Friedrich überzeugen, sobald er in seiner Bibliothek im Turmzimmer des Rheinsberger Schlosses in den Werken der antiken Dichter blätterte. Sie überlieferten die Namen derer, die es aus ihrer Sicht wert waren, der Nachwelt genannt zu werden. Sie richteten darüber, wen man auch in den kommenden Jahrhunderten noch kennen würde, und sie sorgten ganz selbstverständlich dafür, dass ihre Verse die Erinnerung an sie selbst nicht vergehen ließen. Der Dichter wird wiederbelebt, sobald die Nachwelt seine Werke liest, und daran hatten die antiken Schriftsteller keine Zweifel. Warum auch? Rom blickte zuerst in die Vergangenheit, bevor es sich in die Zukunft aufmachte. Von den Sorgen um das Kommende sollte die historische Anschauung befreien. Wer so dachte, der zweifelte nicht an der Unverlierbarkeit seines Werkes in den Stürmen der Zeit, der ging davon aus, dass auch kommende Generationen Rat und Orientierung in den Werken der Archegeten suchen würden.

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Nun hatte nicht nur Friedrich den antiken Dichtern gelauscht. Mit ganzer Leidenschaft wurde in der europäischen Gelehrtenwelt seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert unter dem Namen querelle des anciens et des modernes mit wechselnder Intensität über die Vorbildlichkeit der Antike für die Gegenwart gestritten. Der emphatischen Begeisterung, die sich an den stolzen Ruinen kolossaler Bauwerke, torsohaften Statuen und verblassten Malereien, an Poesien, Epen und philosophischen Lehrsätzen der Alten entzündete, und vor allem dem Orientierungswert des Altertums konnte diese Auseinandersetzung indes keinen Abbruch tun. Wer die Leistungen und Mängel der Gegenwart messen wollte, der begab sich wie einst Petrarca, Dante, Boccaccio, Tasso, Ariost oder Sanazzaro auf eine Zeitreise in die Antike. Und wer sich aufgemacht hatte, Italien selbst zu bereisen, der tat dies mit seinem Horaz in der Hand, um dessen Reise von Rom nach Brundisium nachzuerleben, um die Orte selbst kennenzulernen, von denen der antike Cicerone erzählte. In Rom und Neapel, in Latium und Kampanien hatten die Italienreisenden unzählige antike Grabmonumente gesehen, eingefügt in die Landschaft und entlang der großen antiken Straßen errichtet, die die Städte Italiens mit Rom verbanden, so, wie es in den Werken ihrer antiken Gewährsmänner über Gräber und Grabdenkmäler zu lesen ist. Sie kannten selbstverständlich die Oden des Horaz und jene Passage, die vom Tod des Dichters und der Verbrennung seiner Gebeine auf dem Landgut spricht.

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Friedrichs Weisung zur Verbrennung und Bestattung in der eigenen Gartenlandschaft war für ihre Zeit zutiefst befremdlich und in dieser Befremdlichkeit unmissverständlich: Er habe in Rheinsberg als Dichter und Philosoph gelebt, als solcher wolle er dort begraben sein. Verstehen und verbreiten sollten diese Botschaft die europäischen Gelehrten, die um die Vorbilder für diese Form des Begräbnisses wussten.

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"Nach Römerart verbrannt [...] und in einer Urne in Rheinsberg beigesetzt" zu werden, diese Verfügung Friedrichs verbannte christliche Bestattungsriten aus der Rheinsberger Gartenlandschaft und demonstrierte deren Abstinenz auch im Tod, in dessen Angesicht oft selbst die kühnsten Flüchtigen in Sorge um ihr Seelenheil in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückfanden. So schreckte selbst Voltaire, die gewaltigste Stimme gegen die katholische Geistlichkeit im 18. Jahrhundert, vor solcher Radikalität im letzten Moment seines Lebens zurück. Bei seinem Angriff auf die christlichen Kirchen wusste Friedrich mächtige Verbündete an seiner Seite: Mit Cicero, der in den Disputationes Tusculanae die Wertlosigkeit des Körpers eines Verstorbenen prononciert und deshalb alle Rituale um diesen Körper als leichfertige Irrtümer stigmatisiert hatte, 8 mit Vergil und mit Horaz berief er sich auf Ikonen der Philosophie und Dichtkunst der römischen Antike und Europas seit der Renaissance.

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Die Verbrennung der sterblichen Überreste der Toten war im römischen Altertum die älteste nachweisbbare Usance des Totenkults, und nur wenige prominente und wohlhabende Römer ließen sich in Sarkophagen beisetzen. Erst mit der Ausbreitung des Christentums im Römischen Reich verschwand auch die Sitte des Verbrennens weitgehend aus dem römischen Alltagsleben. Die Einäscherung galt in der republikanischen Zeit und in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit als der feierlichste Ritus. 9 Der Kult um die Toten, deren Verbrennung, war ebenso lebensweltliche Realität wie literarisches Motiv in den Werken vor allem der römischen Autoren, die in ihren Appellen an die Römer nach dem Bürgerkrieg die Restitution der Sitten und Gebräuche der Altvordern und deren kompromisslose Achtung einforderten. Vergils Aeneas, Anführer des Trosses, der sich in der Not von den Gestaden Trojas nach Latium aufgemacht hatte, erinnerte Rom nach den Bürgerkriegen an die großen Tugenden und reinen Sitten der Vorfahren. Totenkult und Bestattungsrituale, in deren Kanon die Verbrennung der Toten und die Beisetzung ihrer Asche ihren festen Platz inne hatten, werden dem Leser vom Mantuaner panoramatisch vor Augen geführt. 10 Jedoch blieb es Horaz vorbehalten, die Verbindung zwischen der Existenz als Dichter, der Verbrennung des Körpers nach dem Tod und der Bestattung der Asche auf dem eigenen Landgut suggestiv herzustellen. Rom und der römische Dichter waren mehr als Vorbild. Sie waren ultimative Legitimation für die Provokation der Institution Kirche mit ihrem strengen Regelwerk. Dass Friedrich mit dieser Verfügung ganz nebenbei auch in später Opposition zum katonischen Vater stand, er dessen strenge Frömmigkeitsgebote in seinem Leben – und seinem Tod – negierte und zur geistigen auch eine gebührende räumliche Distanz zu dessen Grab und den Gräbern der von ihm wenig geschätzten Ahnen – ausgenommen der vereehrte Große Kurfürst – schuf, mag für den jungen König noch ein willkommener Nebeneffekt gewesen sein.

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Die Gleichgültigkeit gegen die sakralen Gebote der christlichen Kirchen, mehr noch, die Frontstellung, die Friedrich gegen sie bezog, folgte keiner einsamen und spontanen Eingebung, die im Brief an Podewils ihren Ausdruck fand. Längst hatte er als Dichter und Korrespondenzpartner Voltaire und anderen Aufklärern seine Unterstützung im Kampf gegen "l 'infâme" angedient. Im Antimachiavell formulierte der Kronprinz seine Ressentiments gegenüber der Kirche, dem christlichen Glauben und dessen Urvater Moses: Ein Schurke und Betrüger sei dieser gewesen oder ein blindes Werkzeug göttlicher Allmacht, jedenfalls in nichts einem Romulus oder Theseus auch nur annähernd ebenbürtig, zudem ungebildet und geistlos. 11

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Wer für Moses, den Empfänger der göttlichen Gebote, nichts als Spott übrig hatte, der legte die Axt an die Wurzeln der Institution Kirche. In der Karrikatur des Moses polemisierte der Kronprinz gegen Gott und Glauben, vor allem aber gegen Theologen und Kirche und ihren Anspruch auf Deutungshoheit in allen Glaubensfragen sowie gegen die Menschen, die sich in ihrem Hang zum Wundersamen und Entrückten in den Bann der Apostel haben schlagen lassen. Noch wichtiger erscheint es Friedrich, die weltlichen Machtambitionen der Päpste und Pfaffen, ihre Habgier und Falschheit zu dämonisieren 12 – im Sinne religiöser Aufklärung nach den Erfahrungen der Religionskriege im christlichen Europa ein Plädoyer für den säkularisierten Staat, in dem das Schwert durch die Verbannung der Priester in die Kirchen und hinter Klostermauern allein in der Hand der weltlichen Macht ruht. Denn nur wenn, wie einst im augusteischen Rom, den Klerikern die Tore zu den staatlichen Institutionen verschlossen blieben, könnten Freiheit und Friede im Staat gewahrt werden, 13 eine These, die Voltaire selbst Friedrich souffliert hatte. 14 Die tiefe Kluft zwischen Friedrich und der Kirche zeigt sich nicht zuletzt in seinem Verzicht auf Kapellen für Gottesdienste in den von ihm errichteten Schlössern bzw. deren Entfernung aus dem Potsdamer Stadtschloss. 15

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Den eklatanten Bruch mit der Tradition christlich-herrscherlicher Bestattungen erkannte jeder, der um die prächtigen Sarkophage der französischen Könige in der Gruft in St. Denis, die der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches im Dom zu Speyer, die Prunksärge der burgundischen Herzöge in Dijon, der italienischen Fürsten in Florenz und Venedig oder der Päpste in Rom, ja selbst der Hohenzollern in Berlin wusste. Mit seinen antiklerikalen Wendungen und Invektiven erfüllte der Kronprinz mit Leichtigkeit die Hoffnungen jener französischen Aufklärer auf eine Allianz mit Preußen, die ihr aufklärerisches Werk vor allem als Lösung aus den Fesseln des Katholizismus verstanden. Ihre mächtigste Stimme, Voltaire, aber auch dessen Schüler, bediente Friedrich mit seinen Sottisen gegen das katholische Rom. Von ihnen erwartete er vice versa nichts weniger als die Absolution für seine machtpolitischen Ambitionen, die am 16. Dezember 1740 mit dem Einmarsch in Schlesien den Glauben zerstörten, der junge preußische König regiere im Geiste irenischer Ideale europäischer Gelehrter. Gleichwohl hat Friedrich mit seiner demonstrativen Abkehr von der Institution Kirche – eine Geißelung der Theologen und der Kirche prägte bereits die ersten Briefe Friedrichs an Volatire 16 – seine Bündnisofferte an die europäische Gelehrtenwelt übergeben und damit an jenen Personenkreis, der auch nach seinem Tod für das Weiterleben seines Namens sorgen sollte.

Friedrichs Altertum

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Der Hinweis auf Rom ist mehr als eine Legitimation des Affronts gegen die kirchlichen Konventionen seiner Gegenwart. Rom stand noch immer als Sinnbild für historische Größe. Eine eingeübte Methode der Kritik der Dichter und Gelehrten an Gegenwart und Klerus war seit der Renaissance die Konfrontation der behaupteten Tristesse im christlichen Rom mit dessen einstiger Pracht und Größe im Altertum. Und was hätte sich dazu besser geeignet als der Blick auf die beeindruckenden Ruinen der Antike. Sie galten seit der Renaissance als das Schöne an Rom, Zeugen für die einstige Größe Roms und des römischen Weltreiches, und als ganzer Gegensatz zur Erbärmlichkeit der neuen Bauwerke. 17 Rom im Altertum, das waren marmorne Paläste und Statuen, farbenfrohe Tempel und weitläufige Plätze und Gärten, das waren aber auch die allgegenwärtige Armut der Tagelöhner und Bettler, Lärm und Schmutz in überfüllten Straßen und finstere Gassen mit den Wohnsilos der Plebs, wie der antiquarisch gebildete Leser von Juvenal und Martial erfahren hat. 18 Von diesem antiken Rom, diesem anderen Rom, wollte Friedrich, in dessen Bibliotheken sich auch die Werke Martials und Juvenals befanden, 19 nichts wissen. Das Rom des Altertums glänzte in den Schriftstücken des preußischen Kronprinzen und Königs nicht weniger als das Rom des Augustus, wie es Friedrich bei Vergil und Horaz kennengelernt hatte. Wurde die Kulturerfahrung Italiens im 17. und 18. Jahrhundert ohnehin von der Literatur und ihrer Lektüre dominiert, 20 so war diese bei Friedrich in Ermangelung der grand tour, des sinnlichen Erlebens des Südens, erst recht die einzige Determinante, die sein Italienbild prägte.

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Seit seiner Jugend von großen Persönlichkeiten fasziniert, vor allem von den großen Gestalten der römischen Antike, las Friedrich die Schriften, die das Altertum seinen Erben hinterlassen hatte – in französischer Sprache wohlgemerkt. 21 Schon aus Küstrin schrieb er: "Bisweilen kommen Marius, Sulla, Cinna, Cäsar, Pompejus, Crassus, Augustus, Antonius und Lepidus, um sich mit mir zu unterhalten." 22 Es sind jene Männer, mit denen das Schicksal der römischen Republik unmittelbar verbunden ist, deren Taten die politische Welt der Altvorderen gestürzt und die ihre Namen unauslöschlich in die Geschichtsbücher eingetragen hatten. Die Lektüre der Werke, in denen er sie fand, war ihm vom Vater strengstens untersagt worden. Gewiss, gegen das väterliche Verbot zu opponieren, blieb reizvoll, auch wenn er sich bereits in Küstrin und Ruppin und erst recht in Rheinsberg der peniblen väterlichen Aufsicht weitgehend entzogen hatte. Hier griff er mit faustischem Wissensdrang zu Büchern, wenn auch nicht so häufig und demütig, wie er in dramatischen Szenen Zeitgenossen und Nachwelt glauben machen wollte. 23

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Die antiken Autoren luden Friedrich zum literarischen Verweilen. Vor allem aber hat er bei ihrer Lektüre viel gelernt: über Geschichte, über die Großen ihrer Zeit, über sich selbst, über die Inszenierung der eigenen Person und über historische Größe. Im Jahre 1734, also noch im Vorjahr seines ersten Aufenthaltes in einem Feldlager während eines Krieges, hatte Friedrich seine "Ode sur la gloire" komponiert, in der er den Ruhm zum treibenden Agens der großen Taten der Menschen erhebt, die prominenten und ruhmbeladenen Feldherren und Dichter der Vergangenheit und Gegenwart feiert. "Parlez, répondez-nous, Homère, / Horace, Virgile et Voltaire, / Quel dieu préside à vos concerts? / Vous aspirez tous à la gloire, / Et pour vivre dans la mémoire, L 'honneur lime et polit vos vers." 24 Das Werk ist nichts weniger als ein frühes Bekenntnis des Kronprinzen zum Ruhm und zu seinen persönlichen Ambitionen. "[...] O gloire! ta divine flamme / M 'embrase jusqu 'au fond du coeur / Rempli de ton puissant délire, / Par les doux accords de ma lyre / Je veux célébrer tes bienfaits: Tu couronnes le vrai mérite, / Et ton divin laurier excite / Les humains à tous leurs succès." 25 Dass er in Rheinsberg zu einem Kenner der römischen Geschichte und Mythologie gereift ist, er zur Selbstinszenierung den feinen Florettstich dem dumpfen Schwerthieb vorzog und bereits in jungen Jahren von der Gewissheit durchdrungen war, seinen Ruhm mit Degen und Feder erringen zu wollen, steht außer Frage. So erbaute Friedrich in einem seiner dichterischen Versuche, den er seinem einstigen Lehrer Duhan de Jandun am 9. Oktober 1737 zusandte, einen "Tempel des Ruhmes", in dessen Cella er mit dem Selbstverständnis eines Poeten neben antiken Philosophen und römischen Kaisern die prominenten Dichter des augusteischen Zeitalters, Vergil, Ovid und natürlich Horaz, versammelte. 26

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Seine literarischen Reisen durch das antike Italien ließen Friedrich immer wieder bei Horaz gastieren. Friedrich hatte sich mit wacher Hingabe mit den Jahrzehnten des Unterganges der römischen Republik und der Etablierung des Prinzipats beschäftigt, 27 jener Epoche, deren Bild auch die Federstriche des Dichters aus Venusia färbten. In diese Zeit hatten ihn sein historisches und politisches Interesse geführt, zu den Dichtern sein persönliches und sein literarisches. In der Person des Horaz verschmolzen diese Ambitionen Friedrichs. Wie einst Vergil seinen Eleven Dante durch die Unterwelt führte, geleiteten Voltaire und Horaz den Kronprinzen durch die Literatur. Ihre Namen auf den aufgeschlagenen Seiten eines Buches, das auf dem Deckengemälde in der Rheinsberger Bibliothek zu sehen ist, "stehen als Hinweis darauf, dass die Werke dieser Dichter damals vor anderen des Königs Geist beschäftigten und sein Herz erfreuten." 28 Horaz hatte bereits den Gedanken an die Verbrennung des Leibes und das Begräbnis des Dichters auf dem eigenen Landgut intoniert.

"Hier, wo langen Lenz und gelinden Winter / Zeus in Huld verleiht, wo im Bacchussegen / Aulons ' Hang die Glut der Falernerrebe / Kaum noch beneidet: // Dieses holde Tal und die selgen Höhen / Laden dich und mich: / Dort wirst du einst löschen, / Wie es Brauch, mit Tränen des Sängerfreundes / Glimmende Asche." 29

Mit "Dichters Ruh" ist die sechste der Oden des zweiten Odenbuches des Horaz überschrieben, in der die Verbrennung der sterblichen Überreste expliziert, deren Beisetzung im eigenen Gartenreich angedeutet wird. Denn "Hier", das ist das östlich von Rom gelegene Tibur – heute Tivoli –, jene Gegend, der er in den vorangegangenen Strophen der sechsten Ode als lieblicher Kulturlandschaft huldigt und die er als Ort seines Landgutes suggeriert. Vier Jahrhunderte wurde nach diesem Landsitz anhand der Beschreibungen des Horaz in der Gegend um Tibur gesucht, hitzig hat man im 18. Jahrhundert Streitgespräche über seine Lage geführt. Entdeckt wurden die Reste seiner Villa 1926 vom Ausgräber Giuseppe Lugli. 30 Nicht die hektische Geschäftigkeit, die Schwüle in den engen Gassen, die von Menschen wimmelnden Märkte Roms, sondern der Landsitz in der Natur ist der Ort der Musen und der Inspiration für den Dichter. Landleben, Dichtkunst und Bestattung des Dichters auf seinem Landgut verschmelzen harmonisch miteinander.

Erreichtes

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Als Friedrich seinen Wunsch nach einem Denkmal gleich dem des Horaz formulierte, hatte er tatsächlich erst wenig erreicht. Ein paar Briefe waren geschrieben, an Voltaire und andere Größen seiner Zeit, ein paar Verse geschmiedet, mit dem Antimachiavell ein Bewerbungsschreiben an die europäische Gelehrtenwelt verfasst, in dem er sich ihr als aufgeklärter Philosophenkönig vorstellte, und mit dem Einmarsch in Schlesien ein Krieg begonnen, dessen Ausgang noch ungewiss war. Sein Fluchtversuch 1730 war gescheitert, aber noch im Gedächtnis. Das war wenig, woran sich die Nachgeborenen hätten erinnern können. Politisch war Friedrich bislang nur durch den Rechtsbruch in Europa in Erscheinung getreten, hatte er, berauscht vom Gedanken an den Ruhm, "den Rubicon überschritten." 31 Im Jahre 1741, als militärisch noch nichts entschieden war, schwebte über dem risikofreudigen König das Damoklesschwert des Scheiterns. Denn wer hätte in ihm nicht den Hasardeur gesehen, gestolpert und gefallen im Ruhmesrausch, ihn nicht verglichen mit Karl XII. von Schweden? Die Inszenierung als Schöngeist erscheint geradezu alternativlos, denn Friedrich hatte sich als friedliebender Sukzessor präsentiert 32 und war auch dank voltairescher Zunge und Feder als dichtender und philosophierender Aufklärer, als Literat und Kunstliebhaber bekannt und – noch – nicht als junger Cäsar. Ein solches Grabmal wäre die Manifestation des Motivs vom epikureischen Musenhof in Rheinsberg, vom Dichter und Philosophen gewesen, der nur widerwillig die Feder gegen die Requisiten des Feldherrn getauscht hatte.

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Horaz führte Friedrich die Feder, als er die eingangs zitierten Worte an Podewils niederschrieb. Das Grab in der Landschaft, ja mehr noch, auf dem eigenen Landgut, die Verbrennung der sterblichen Überreste und deren Beisetzung in einer Urne – all dies ein Affront gegen das christlich-höfische Begräbnis in prächtigen Sarkophagen im Schatten der Kirchen – trugen für Friedrich die Signaturen einer Bestattung als Dichter und Schöngeist, bildeten das inszenatorische Zierwerk eines scheinbaren Rigoristen des Traditionsbruches. An keinem anderen Ort wäre die Assoziation der Umgebung mit dem Toten sinnfälliger gewesen als in Rheinsberg. Etwa 1800 Jahre zuvor hatten Cicero, Plinius, Lukrez und Horaz ihr Leben auf den Landgütern unter den Auspizien der Lektüre, der musischen Inspiration und der philosophischen Gedankenfindung, kulinarischer Genüsse, bacchantischer Feiern und der Freundschaftspflege gepriesen – idyllische Motive, die Friedrich aufrief, um Rheinsberg als Sujet zur Inszenierung eines römischen Landlebens zu funktionalisieren.

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Rheinsberg wurde vom Kronprinzen als Musenhof choreographiert; 33 dionysische Schwärmereien, Illuminationen, Festmahle, Theater, Gesang, Musik, Gespräche und Literatur füllten die Tage und Nächte und unterhielten die illustre Gesellschaft, der er präsidierte. 34 Politische Geschäfte wurden hier nicht betrieben, zumindest nicht vordergründig. Immer wieder parlierte Friedrich über Freundschaft und seine literarischen Studien, kokettierte im Gespräch, in seinen Briefen und Werken mit seinem Wissen über das Altertum, zog Analogien zwischen Vergangenheit und Gegenwart, um seine klassische Bildung zu dokumentieren, sich im Gestus eines Schöngeistes und Kenners der Geschichte zu inszenieren. Denn Friedrich "was more aware of the importance of the public sphere than any other European monarch hitherto." 35

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"Nous recommencerons, la semaine qui vient, le exercices. Le 27 de mai, nous serons à Berlin; en juillet, on ira à Wésel; après quoi votre ami s 'enfuira à son Tusculum pour y philosopher à son aise. Voilà toute ma vie [...]," resümierte er 1738 in einem Schreiben an den befreundeten Ulrich Friedrich von Suhm (1691–1740), seinerzeit kursächsischer Gesandter erst in Berlin, seit 1737 am Zarenhof. 36 Rheinsberg und das ferne Tusculum sind mehr als nur Marken auf der europäischen Landkarte. Tusculum, aufgrund seines Alters mit dem Recht des "Erstgeborenen", galt der Renaissance und auch dem 18. Jahrhundert als Inbegriff römischer Villegiatura und philosophisch-musisch inspirierten Landlebens. Tusculum entsprach einer geistigen Haltung. Ciceros Tusculanische Gespräche kannte Friedrich 37 und jeder gebildete Europäer. Wer hier wie Friedrich Parallelen zog, der wollte sein Refugium als Hort des Dichters und Philosophen in antiker Tradition verstanden wissen, der wollte anzeigen, dass auch hier ein Schöngeist lebte – und begraben werden wollte, muss man vor dem Hintergrund der Zeilen an Podewils hinzufügen.

Friedrichs Garten

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Im 18. Jahrhundert erfreuten sich Grabmale im Garten als sentimentale Artefakte zunehmender Beliebtheit – als fiktive Todesmonumente in Form von Urnen, Stelen, Obelisken, Säulen und antikischen Sarkophagen, die indes den von ihnen Verewigten nicht bargen. Sie erschienen als Orte elegischer Erinnerung an Dichter wie Homer, Vergil und Petrarca. 38 Deren – vielfach vermeintliche – Gräber waren seit der Renaissance Pilgerorte der literarischen Avantgarde. Erst ab den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts avancierte der Garten vermehrt auch zum tatsächlichen Grab. 39 Erinnert sei beispielsweise an das von sechs Linden gesäumte Grab Rousseaus (1778) auf einer kleinen Insel in dem von Girardin gestalteten Landschaftspark von Ermenonville. 40 Bis zu dieser Zeit hatte Friedrich seine Ideen von Grab und Begräbnis längst zu Papier gebracht, wie wir gesehen haben. Das Landschaftsgrab war zunächst durch seine antike – literarische – Tradition sublimiert, seit Vergil in der fünften seiner Eklogen den Schäfer Daphnis in der von ihm beschriebenen arkadischen Landschaft bestattet hatte. Popularisiert wurde das literarische Motiv des Grabes in Arkadien in der Malerei zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch Guercino und Poussin. Gräber und Ruinen, eingefügt in idyllische Landschaften, bildeten auch die arkadischen Motive der Gemälde Lorrains und Watteaus, wie sie sich im Gemäldeinventar Friedrichs befanden.

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In der Abgeschiedenheit der ländlichen Idylle der Vergessenheit anheimzufallen, diese Furcht musste Friedrich nicht haben, auch wenn Rheinsberg und die Mark fern der Wege der grand tour lagen. Dafür hatte der Kronprinz selbst gesorgt, und dafür sorgte die Schar seiner Gäste, unter ihnen nicht wenige weit gereiste und bekannte Persönlichkeiten, welterfahren, meist älter als der Kronprinz, Spieler auf der europäischen Bühne. Sie hatten gesehen und erlebt, was ihm verwehrt geblieben ist, was er durch angestrengte Lektüre kompensieren wollte. Und schließlich hat Friedrich in seinen Briefen genug Stoff bereitgestellt, um Rheinsberg dem europäischen Publikum als Ort epikureischer Lebensfreude vorzustellen und sich selbst als gelehrigen Eleven der Dichter und Philosophen zu porträtieren. Auf Voltaire, mit dem er seit dem 8. August 1736 in regem Briefwechsel stand, konnte er sich verlassen, wollte er Gesprächsthema unter den europäischen Schöngeistern und Gelehrten sein. Als der junge König 1741 die eingangs zitierten Zeilen an den preußischen Staatsminister schrieb, war Rheinsberg nicht nur bekannt, sondern auch der einzige Ort, der mit seinem Namen verbunden war – abgesehen von Steinsfurt, einer kleinen Ortschaft im Kraichgau, in der Friedrichs Fluchtversuch 1730 gescheitert war. In Berlin und Potsdam, den politischen Zentren, hatte Friedrich noch keine Spuren hinterlassen. Mit beiden Städten assoziierte er zunächst wenig mehr als schmerzhafte Erinnerungen an Kindheit und Jugend und den festen Willen, nach dem Tod des Vaters dort als König einzuziehen. Wer hingegen von Rheinsberg sprach, der sprach von Friedrich, und wer gar an das Grab nach Rheinsberg kommen würde, der hätte die Strapazen einer beschwerlichen Reise auf den staubigen Wegen der Mark nur für Friedrich auf sich genommen. Er wäre eingetaucht in ein Gartenreich, das sich der Kronprinz zwischen 1736 und 1740 nach seinen Vorstellungen von Knobelsdorff hatte gestalten lassen. Friedrich allein sollten des Pilgers Gedanken gelten.

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Rheinsberg war das zweite Gartenrefugium des Kronprinzen, sein "sanssouci", wie er es erstmals 1737 in einem Brief an Grumbkow nannte, 41 in dem er – und dies wiederholte Friedrich gerne – die glücklichste Zeit seiner Jugend verbracht habe. Im Bewusstsein, endlich dem Joch väterlicher Maßregeln und Repressalien entkommen zu sein, sollten solch hochfliegende Worte seine gewonnene Freiheit verkünden, die er sich auch durch die Einwilligung in die Heirat Elisabeth Christines erkauft hatte, der vom Vater auserwählten Braut aus dem Hause Braunschweig-Bevern. Hatte Friedrich bereits sein erstes kleines Gartenrefugium in Ruppin antikisierend gewandet, es nach der Amme des Zeus und dem Namen des Landgutes jenes Atticus, der seine Prominenz dem Briefwechsel mit Cicero und dessen Entdecker Petrarca verdankte, Amalthea genannt, erhielt auch Rheinsberg einen auf die römische Antike verweisenden Namen: fantasievoller, ingeniöser und vielleicht noch gedankenreicher als in Ruppin.

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Inspiriert von einer Anekdote, die der 1621 verstorbene Rostocker Professor Eilhardus Lubin überliefert hatte, deren groteske Anmutung Friedrich aber nicht abzuschrecken vermochte, verflocht der Kronprinz Rheinsberg mit den Anfängen der Geschichte Roms. Rheinsberg hieße eigentlich Remusberg, denn Remus sei nicht etwa vom Bruder nach dem frevelhaften Sprung über die heilige Furche, die römische Stadtgrenze, erschlagen worden, sondern in den Norden an die Ufer des Grienericksees geflüchtet, dozierte der Kronprinz in einem Brief an Voltaire. Zwar hätten vom Vatikan gesandte Mönche vergeblich nach den sterblichen Überresten des Exilanten gesucht, doch sei man bei der Grundsteinlegung für das Schloss auf Steine, die das Augurium zeigten, sowie auf eine Urne mit circa 1700–1800 Jahre alten Münzen gestoßen. 42 Als Friedrich diese Geschichte Voltaire mitteilte, nicht ohne Stolz auf seinen fantastischen Gedankenflug, war ihm der Spott des im Geiste der Vernunft philosophierenden Franzosen gewiss. In ernsten Zeilen führte er die Gedanken Friedrichs in die Einfriedungen der Vernunft zurück. 43 War es nur eine galante Posse des Kronprinzen, so hatte Voltaire sie nicht verstanden, wie die Reaktion Friedrichs zeigt. Tief getroffen vom Tadel Voltaires, bekannte Friedrich gekränkt, der süffisanten Anekdote selbstverständlich keinen Glauben geschenkt, sondern sie nur als Beleg für den Mangel an Aufklärung in der Welt und als Parodie auf die langen Ahnenreihen der europäischen Fürstenhäuser, die ihre Provinienz bis in die antike Welt Roms und Griechenlands zurückführten, berichtet zu haben. 44

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Diese liebreizende Chimäre hat ihn nicht dazu verführt, Rheinsberg und Rom im gleichen Mythenkreis zu verorten, Rheinsberg als Renaissance Roms zu nobilitieren. So weit ist Friedrich nicht gegangen. Eine pikareske Amoure wurde daraus aber doch. Die kleine aparte Metamorphose in ovidischer Manier, die Rheinsberg in Remusberg verwandelte, gab dem abgelegenen Ort eine ganz persönliche Gravur, exponierte die tiefe Verbindung zwischen Person und Ort, schuf Exklusivität. Das Spiel mit der Verwandlung, die unverwechselbare Personifizierung des Ortes, seine geistige Anbindung an das römische Altertum, die bereits den kleinen Garten in Ruppin aus seinem provinziellen Dasein erlösen sollte, ja vielleicht selbst die mythologische Tiefe des neuen Namens mochten Friedrich motiviert haben. Die kleine Geschichte jedenfalls schrieb Friedrich nur dieses eine Mal nieder, vielleicht, weil ihn das Unverständnis und die Belehrung Voltaires überraschten, vielleicht auch, weil Voltaire an der Sphinx gescheitert war und das ihm gestellte Rätsel nicht zu lösen vermocht hatte. Seine Briefe indes datierte Friedrich fortan trotzig aus Remusberg – ausgenommen die an den Vater.

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Freilich wusste auch Friedrich um die Randlage des Ortes auf den Landkarten der europäischen Reisenden, um dessen begrenzte Attraktivität und darum, dass dieser auch als Remusberg nicht als Konkurrent zu Rom, Paris oder Neapel taugte. Dies war ohnehin nur zweitrangig. Ungleich bedeutsamer war, im Gespräch zu bleiben und damit einen privilegierten Platz in der europäischen Erinnerung zu bewahren. Dazu war ein Gartengrab selbst in Rheinsberg vorzüglich geeignet: Die Kulturlandschaft des Gartens, der Musenhof, die Inszenierung als Schöngeist, als Dichter, Aufklärer und Philosoph, die Bibliothek, die heftigen Angriffe in seinen Briefen und im Antimachiavell auf eine vermeintlich überkommene und korrumpierte politische Ordnung, seine Werke der Dichtkunst, darunter so vielsagende Stücke wie sein "Lob auf das Landleben", der Rückzug aus den heiligen Hallen der Kirchen, die vorgebliche radikale Abkehr von der dynastischen Eitelkeit, von überfüllten Familiengrüften – all das hätte die Konturen der Erinnerung an Friedrich gezeichnet. Das waren die Themen seiner Korrespondenz mit Suhm, Charles Étienne Jordan, Friedrichs Bibliothekar und Sekretär in Rheinsberg, Dietrich von Keyserlingk, Vertrauter Friedrichs und regelmäßiger Gast in Rheinsberg, Voltaire und anderen. Sie waren die Adressaten des Schauspiels. Sie besaßen mit Tinte und Papier die Instrumente und die Macht, Namen dem Vergessen zu entreißen. Ihre Geschichten fütterten die Gazetten, die im öffentlichen Leben eine immer gewichtigere Rolle spielten. Der Bedrohung durch das Vergessen zu entgehen, hing weniger ab vom tatsächlichen Grabmal und dessen Gestalt, als davon, dass es sich in diese sorgsam eingerichtete, kulissenhafte, für einen europäischen Kronprinzen so außergewöhnliche Lebenswelt in Rheinsberg fügte und die propagierte geistige und räumliche Distanz zur Konvention demonstrierte. In Erzählungen, Büchern, Mythen und Briefen sollte es die Erinnerung an den Namen Friedrichs wach halten, den Namen des Schöpfers dieser arkadischen Landschaft.

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Doch wer hätte gewusst, dass Friedrichs Grabmal an das "Monument" des Horaz in Tusculum erinnern sollte? Zunächst scheinbar Knobelsdorff. Darauf lassen zumindest die Zeilen an Podewils schließen, in denen Friedrich auf jede weitere Erklärung verzichtet. Darüber hinaus gewiss wenige: nicht nur, weil durch die Wiederentdeckung der Horaz-Vita Suetons – sie diente unter anderen Lessing als Steinbruch zu seinen Rettungen des Horaz (1754) – auch dem 18. Jahrhundert bekannt war, dass der römische Dichter an der Seite seines Gönners Maecenas auf dem Esquilin und nicht in Tusculum begraben lag. Vielmehr auch, weil das Grab Vergils bei Neapel, am zweiten Meilenstein der Straße nach Puteoli, 45 als kanonische Station in die grand tour eingetragen war und große Popularität genoss. Viele Italienreisende im 18. Jahrhundert kannten die berühmte Grotte am Posillipo oder wenigstens das Epigramm "Mantua gab mir das Leben, Calabrien raubt es, Neapel birgt mich. Hirten besang, Felder und Helden mein Lied." Die mythenreiche Zeit zwischen dem Untergang Trojas und der Gründung Roms bildete die Bühne der Aeneis Vergils, die Landschaft um Neapel deren Kulisse. Das Grab des Dichters aus Mantua lag inmitten der Natur, die ihn zu seinen Eklogen inspiriert und in die er das Epos um den Trojaner Aeneas gebettet hatte, befand sich inmitten der campi phlegraei, einer Landschaft mit üppiger mediterraner Vegetation, die nächst Rom mit der größten Fülle an Altertümern in Italien lockten. Die Verbindung aus Dichter, literarischem Werk, der Landschaft, in der die verstreuten Altertümer als steinerne Zeugen die Richtigkeit der Verse des Mantuaners zu beweisen schienen, und schließlich Grab war hier bereits angelegt. Dieses Beziehungsgefüge verbürgte die Prominenz des Ortes, machte den unverwechselbaren Reiz für den Italienreisenden aus dem Norden aus. Eine vergleichbare legendenhafte Aura vermochte das Grab des Horaz für sich nicht zu reklamieren.

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Vor dem Hintergrund des Irrtums Friedrichs vermutete Gustav Berthold Volz, der Herausgeber der Werke Friedrichs des Großen in deutscher Übersetzung, Friedrich habe sich nicht auf das Grab des Horaz, sondern auf die Grabstätte der Horatier bezogen. In mythischer Vorzeit hatten die drei Horatier mit ihrem Sieg über die drei Curatier aus Alba Longa Rom die Herrschaft über Latium zu Füßen gelegt. Den Triumph bezahlten die drei Curatier und zwei der Horatier mit ihrem Leben. "Dann machte man sich mit sehr unterschiedlichen Gefühlen an die Bestattung der Kameraden [...]. Die Gräber sind noch zu sehen – dort, wo jeder fiel –, die beiden römischen an einer Stelle, näher an Alba, die drei albanischen nach Rom hin, aber auseinander liegend, wie man auch gekämpft hatte," erzählt uns unser römischer Gewährsmann Livius über die fünf Gräber an fünf unterschiedlichen Orten. 46 Wer die Toten waren, die sie tatsächlich bargen, wusste niemand genau – auch Livius nicht. In den folgenden Jahrhunderten erlosch die Erinnerung der Menschen an die fünf separaten Gräber, trat in ihrem Andenken an deren Stelle ein markantes Grabmonument in der Nähe von Albano, das nun als Ruhestätte der Horatier und Curatier firmierte. Aber auch andernorts wurden noch immer Grabhügel und Grabmäler als letzte Ruhestätten der Krieger aus Rom und Albano identifiziert.

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Gewiss, die Geschichte der drei Horatier lernte jeder Römer noch vor dem Tag, an dem er erstmals die Toga trug. Die von Livius überlieferte Episode erzählte wie so viele andere Geschichten aus der opaken Frühzeit Roms vom Kampf für die Bürger des Stadtstaates und dessen Macht, vom Tod der großen Helden, deren Tapferkeit und Opfermut gebieterisch Vorbildlichkeit vor den Lebenden beanspruchte. 47 Eine Verwechselung des Dichters mit den mythischen Helden erscheint trotzdem fragwürdig – nicht etwa, weil Friedrichs rational-aufgeklärter Geist den Ausflug in die fantasievoll geflochtenen Geschichten aus einer nebulösen römischen Vorzeit nicht ertragen hätte. Vielmehr hat er die bei Livius überlieferte Geschichte nirgends rezitiert, sich nicht einmal später als König in einer seiner moralphilosophischen Schriften auf sie berufen, als er seinen Lesern und Zuhörern zwar nicht den historischen Kern, sehr wohl aber die hohe Moral ähnlicher fabulöser Episoden antrug. 48 Horaz hingegen, der Dichter, war in Friedrichs Schriften omnipräsent: als Name, als Zitierter, als unübertreffliche Vergleichsgröße und als Vorbild für die eigenen Experimente in der Dichtkunst. Die Werke des Römers aus Venusia hatten ihren Platz in der Rheinsberger Bibliothek, die Oden hatte der Kronprinz sogar von Suhm ins Französische übersetzen lassen. 49

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Seine Italienreise hatte Knobelsdorff auch in die Gegend um Rom und Neapel geführt, wohl auch über die Via Appia, eine Galerie der Großen des Römischen Reiches, deren pompöse Grabbauten vom sozialen Gewicht der Bestatteten zeugten. Entlang dieser Verbindungsstraße zwischen Rom und Brundisium lag ein Grabmal, das von den Menschen in der Umgebung noch im frühen 19. Jahrhundert als Grab des Horaz verehrt wurde. 50 Auch die stolzen Grabmonumente der Römer hatten der Vergänglichkeit der Zeit nicht trotzen können. Von ihrer monumentalen Existenz kündeten oft nur noch Relikte und manch fragmentarische Inschrift, deren Sinn mühsam den kläglichen Resten abgerungen werden musste. So wusste der Volksmund bald für ein und dieselbe Person an ganz unterschiedlichen Orten, die sich irgendwie mit deren Namen in Verbindung bringen ließen, auch von deren – selbstverständlich einzigem – Grabmal zu erzählen. Die Fantasie der Menschen füllte den entleerten Raum, den der Verlust des Wissens hinterlassen hatte und ihre Eingebung bestattete neue Tote unter den Monumenten.

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Auch wenn die dürren Worte in Friedrichs Schreiben an Podewils Knobelsdorffs intime Kennerschaft des Grabdenkmals suggerieren – bewiesen ist diese keinesfalls. Sie mochten auch Knobelsdorff als verbales Rebus erschienen sein. Wenn er eingeweiht war, weshalb der konkrete Hinweis auf das Vorbild? Waren Knobelsdorff Friedrichs Vorstellungen hingegen nicht bekannt, war also der Hinweis notwendig, so fehlen Aussagen zur konkreten Verortung des Grabes in Rheinsberg und zu einer Inschrift, auch wenn Friedrich auf diese durchaus verzichtet haben mochte – ein Indiz dafür, dass er selbstbewusst von der Bekanntheit Rheinsbergs als seinem Domizil ausging. Jedenfalls war Knobelsdorffs grand tour nach seiner Rückkehr aus Italien an den Rheinsberger Hof 1737 das Gesprächsthema der Gesellschaft, gingen seine Zeichnungen von Landschaften und Statuen, Tempeln und Ruinen durch zahllose Hände. 51 So mag es sein, dass im Stile der oral history eine Erzählung über ein "Monument" des Horaz in Tusculum vagabundierte und faszinierte. Sie hätte sich wenigstens widerstandslos eingefügt in Friedrichs literarische Exkurse, hätte korrespondiert mit dem, was er bei Vergil und Horaz gelesen hatte. Als Friedrich seine Zeilen an Podewils schrieb, wollte er im Stile der Antike, im Stile eines Dichters, wollte er wie Horaz bestattet werden. Dass ihm dabei das vermeintliche Grabmal der Horatier vor Augen stand, in seiner Erinnerung dieses das Grabmal des Horaz war, ist durchaus möglich. Eine Verwechselung des Dichters mit den mythischen Helden aus römischer Frühzeit ist jedoch ausgeschlossen.

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In unserem Zusammenhang ist der Ort des Grabmals, die Gartenschöpfung, ungleich wichtiger als die Frage nach dessen Gestalt und dem historischen Vorbild. Denn nur wer exakt dieses Grabmal bei seiner Reise durch Italien oder in einem prominenten Zeichen- oder Stichwerk gesehen und die Erinnerung daran wachgehalten hatte, der mochte verwundert gewesen sein, etwas Ähnliches auch in Rheinsberg vorzufinden. Alle anderen wären wohl nicht von mehr als dessen antikisierender Anmutung überrascht gewesen. Wirkungsvoller und pittoresker war die Bestattung in der eigenen Gartenschöpfung, an einem Ort, der seine Prominenz dem eigenen Namen dankt, das Begräbnis im Geiste des antiken Rom, des Dichters und in radikaler Abwendung vom Kirchhof wie auch in unversöhnlicher Abkehr vom Vater. Diese Form der Bestattung war mit den dynastischen und religiösen Normen der Zeit nicht kommensurabel.

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All dies sollte einen anderen, in Europa bislang unbekannten Typus des Monarchen suggerieren und damit der Maßstab werden, an dem sich künftige Herrscher als Adepten oder als ewige Anachronisten würden messen lassen müssen. Sein Ziel hätte Friedrich damit erreicht: Nachruhm. Denn schon die römischen Dichter hatten ihren unsterblichen Ruhm erlangt, weil sie nachfolgenden Generationen in ihrem Gefühl, in einer defizitären Gegenwart zu leben, Werte und Orientierung gaben, weil sie in ihren Überlieferungen sich und ihre Helden als Vorbilder darboten, die den Weg in eine bessere Zukunft kennen. In einer Zeit, in der Voltaire – die vielleicht wirkmächtigste Stimme des 18. Jahrhunderts – Kultur als die vortrefflichste Segnung der Menschheit deklarierte, er ihre Entwicklung in vier große Kulturzeitalter gliederte, voneinander geschieden durch kulturfeindliche Phasen finsterer Barbarei und inquisitorischer Willkür der römischen Kirche, in einer solchen Zeit hatten die barocken herrscherlichen Repräsentationsriten – die Schaustellung dynastischer Kontinuität und politischer Omnipotenz – mit ihrer zyklopischen Massigkeit ausgedient. Die Denker und Dichter waren es, deren Briefe, Verse, Epen und Essays das Urteil der Zeit und künftiger Generationen prägen würden und die es folglich – sollte ihr Verdikt günstig ausfallen – zu überzeugen galt. Ihnen musste sich Friedrich als einer der ihren präsentieren. Ihre Klaviatur musste er spielen, und in ihrem Metier musste er sich beweisen.

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"Ihr habt das Talent Narren zu machen [...]," bestätigt Diderot Jean-François Rameau, dem Neffen des Dijoner Musiktheoretikers und Komponisten Jean-Philippe Rameau, und meint damit die Kunst der Verstellung. Denn so gerne Friedrich seine Vorliebe für die Dichtkunst und das Leben als Dichter und Philosoph in Szene setzte, so janusköpfig mochte der Hinweis auf die Verbrennung und die Bestattung im Garten sein. Der Kronprinz hatte die Kaiserviten aus der Feder Suetons genau studiert. 52 Jeder, der sie kannte, wusste, dass in Rom Kaiser in prächtigen Gartenanlagen beigesetzt wurden, sofern sie nicht als Geächtete den Klingen ihrer Henker zum Opfer gefallen waren. Augustus, so berichtet der Biograph des römischen Kaisers, habe im Jahre 28 /27 v. Chr. zunächst ein weitläufiges Gartenareal mitten in Rom anlegen lassen, um darin schließlich ein prächtiges Mausoleum für seine Urne errichten zu lassen. 53 Ob Friedrich diese Ambiguität in der Tat im Sinn hatte, bleibt hypothetisch – die Möglichkeit jedoch besteht und rechtfertigt die Spekulation. Später, als er die Grabanlage auf der obersten Terrasse seines Weinberges in Potsdam anlegte, widerstand er einer imperialen Inszenierung jedenfalls nicht mehr, gab er seine im Jahre 1741 geübte Zurückhaltung gründlich auf: Büsten der römischen Imperatoren von Cäsar bis Nero säumen hier das im Halbzirkel angelegte Ensemble. Die letzten Worte des Augustus, mit denen er auf dem Sterbebett in Nola ein letztes Mal sein Publikum unterhielt, diese Formel, nach der die griechischen Komödienschauspieler die Bühne verließen, könnte auch von Friedrich rezitiert worden sein: "Hat das Ganze euch gefallen, so klatschet unserm Spiel, / Und beginnt mit Freuden insgesamt den Beifallsruf!" 54

Autor:

Dr. Ullrich Sachse
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
u.sachse@spsg.de

1 Homer: Ilias (Neue Übersetzung, Nachwort und Register von Roland Hampe, Stuttgart 1979) IX, 410-416.

2 Vgl. vertiefend zur Bedeutung des klassischen Altertums für Friedrich den Großen Ullrich Sachse: Cäsar in Sanssouci. Die Politik Friedrichs des Großen und die Antike, München 2008.

3 Friedrich an den Kabinettsminister von Podewils, März 1741, in: Gustav Berthold Volz (Hg.): Die Werke Friedrichs des Großen, übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Willy Rath und Karl Werner von Jordans, 10 Bde., Berlin 1912-1914, Bd. 7, 274. Im französischen Original: "Si l 'on me tue, je veux qu 'on brûle mon corps à la romaine, et qu 'on m 'enterre de même dans une urne à Rheinsberg. Knobelsdorff doit en ce cas me faire un monument comme celui d 'Horace à Tusculum." Johann Gustav Droysen u.a. (Hg.): Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, 46 Bde., Berlin u.a. 1879-1939, Bd.1, Nr.299, 201.

4 Friedrich der Große: Antimachiavell, in: Volz: Werke, (wie Anm. 3), Bd. 7, 90. Im französischen Original: "Celui d 'Auguste est mieux connu par Cicéron, Ovide, Horace, Virgile, etc. que par les proscriptions de ce cruel empereur, qui doit, après tout, une grande partie de sa réputation à la lyre d 'Horace." Friedrich der Große: L 'Antimachiavel, ou examen du prince de Machiavel, in: Johann D. E. Preuss (Hg.): Œuvres de Frédéric le Grand, 30 Bde., Berlin 1846-1856, Bd. 8, 55ff.

5 Friedrich an Voltaire, 13. November 1737, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 21, Nr.32, 127; vgl. Friedrich an Voltaire, 24. Juli 1738, in: ebd., Nr.58, 239.

6 Friedrich der Große: Gedächtnisrede auf Voltaire, in: Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 8, 233. Im französischen Original: "Virgile et Horace furent honorés des suffrages de ce peuple-roi; ils furent admis aux familiarités d 'Auguste, et participèrent aux récompenses que ce tyran adroit répandait sur ceux qui, célébrant ses vertus, faisaient illusion sur ses vices." Friedrich der Große: Éloge de Voltaire, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 7, 58.

7 Friedrich an Voltaire, 31. Januar 1773, in: Briefe Friedrichs des Große, hg. von Max Hein, 2 Bde., Berlin 1914, Bd. 1, Nr.193, 206. Im französischen Original: "On ne vit plus avec nous quand un peu de terre a couvert nos cendres; au lieu que l 'on converse avec tous les beaux esprits de l 'antiquité, qui nous parlent par leurs livres". Reinhold Koser / Hans Droysen (Hg.): Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (= Publikationen aus den Königlich Preußischen Staatsarchiven, Bd. 81, 82, 86), Leipzig 1908-1911, Bd. 86, Nr.545, 258.

8 Cicero: Disputationes Tusculanae, I, 107f. Vgl. Olaf B. Rader: Grab und Herrschaft. Politischer Totenkult von Alexander dem Großen bis Lenin, München 2003, 76ff.

9 Ugo Enrico Paoli: Das Leben im alten Rom, 3. Auflage, München 1979, 154.

10 Beispiele bei Vergil: Aenaeis (übersetzt und herausgegeben von Wilhelm Plankl unter Mitwirkung von Karl Vretska, Stuttgart 1989) VI, 212-258; XI, 181 ff.; XI, 210.

11 Friedrich der Große: Antimachiavell, in: Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 7, 24; im Französischen: ders.: L 'Antimachiavel, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 8, 89.

12 Friedrich der Große: Antimachiavell, in: Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 7, 44ff.; im Französischen: ders.: L 'Antimachiavel, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 8, 108ff.

13 Friedrich der Große: Epistel an Lord Baltimore. Über die Freiheit (Oktober 1739), in: Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 10, 50; im Französischen: ders.: Épitre a Mylord Baltimore, sur la liberté, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 14, 81-87; ders.: Avant-Propos sur la Henriade de M. de Voltaire, in: ebd., Bd. 8, 53-63.

14 Voltaire an Friedrich, April 1737, in: Koser / Droysen: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 7), Bd. 81, Nr. 20, 51-55; Voltaire an Friedrich, 27. Mai 1737, in: ebd., Bd. 81, Nr.24, 61-64.

15 Friedrich Mielke: Potsdamer Baukunst. Das klassische Potsdam, 2. Aufl., Frankfurt a. M. / Berlin 1991, 53.

16 Vgl. zum Beispiel Friedrich an Voltaire, 4. November 1736, in: Koser / Droysen: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 7), Bd. 81, Nr.4, 10-17.

17 Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch, 11. Aufl., Stuttgart 1988 , 133.

18 Norbert Miller: Archäologie des Traums. Versuch über Giovanni Battista Piranesi, München / Wien 1978 , 114.

19 Vgl. Bogdan Krieger: Friedrich der Große und seine Bücher , Berlin / Leipzig 1914, 153ff.

20 Albert Meier: Das Land zum Buch. Klassische Literatur und Italienwahrnehmung im 18. Jahrhundert, in: Klaus Heitmann / Teodoro Scamardi (Hg.): Deutsches Italienbild und italienisches Deutschlandbild im 18. Jahrhundert (= Reihe der Villa Vigoni, Bd. 9), Tübingen 1993, 26-36; Thomas Cramer: Italienerlebnis und Nationalhumanismus im 16. Jahrhundert, in: Helmut Pfotenhauer (Hg.): Kunstliteratur als Italienerfahrung, Tübingen 1991, 7-20, hier: 20.

21 Vgl. Sachse: Cäsar in Sanssouci (wie Anm. 2), insbes. 191-221.

22 Friedrich an Grumbkow, 26. Januar 1732, in: Koser / Droysen: Briefe Friedrichs des Große (wie Anm. 7), Nr.15, 29. Im französischen Original: "Voilamon passe-temps le plus doux, et quelquefois Marius, Sylla, Cinna, César, Pompée, Crassus, Auguste, Antoine, Lépide viennent m 'entretenir." Reinhold Koser (Hg.): Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Grumbkow und Maupertuis (= Publikationen aus den Königlich Preußischen Staatsarchiven, Bd. 72), Leipzig 1898, Nr.11, 20.

23 Siehe zum Beispiel Friedrich an Suhm, 23. Oktober 1736, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 16, Nr.32, 318.

24 Friedrich der Große: Ode sur la gloire, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 11, 100. In deutscher Übersetzung: "Homer, Vergil, ja, lasst euch fragen, / Horaz, Voltaire, ihr sollt mir sagen: / Welch einem Gott singt ihr zu Dank? / Ihr alle seid dem Ruhm ergeben; / Um für die Nachwelt fortzuleben, / Feilt Ehrgeiz euch die Verse blank." Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 10, 16.

25 Friedrich der Große: Ode sur la gloire, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 11, 98. In deutscher Übersetzung: "O Ruhm, im tiefsten Herzensschachte / Fühl' ich dein himmlisch Feuer sprühn. / Berauscht von deinem starken Zwange, / Will ich mit holdem Leierklange / Besingen deine Segenskraft: / Du reichst dem wahren Wert die Krone; / Dein Lorbeer wird dem Erdensohne / Zum Sporn für alles, was er schafft". Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 10, 15.

26 Friedrich an Duhan, 9. Oktober 1737, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 17, 277.

27 Vgl. vertiefend Sachse: Cäsar in Sanssouci (wie Anm.2), insbes. 66-91 und 92-99.

28 Bogdan Krieger: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen, Teil I, in: Hohenzollernjahrbuch 15 (1911), 168-216, hier: 187.

29 Horaz: Carmina (Lateinisch und deutsch nach Kayser, Nordenflycht und Burger, hrsg. von Hans Färber, 8. Auflage, München 1979) II, 6, 5. und 6. Strophe; vgl. Horaz: Epistulae(Lateinisch und deutsch, übersetzt und bearbeitet von Hans Färber und Wilhelm Schöne, 8. Auflage, München 1979) I, 7, 44.

30 Bernard D. Frischer: Horazens Sabiner Villa. Dichtung und Wahrheit, in: Géza Alföldy u.a. (Hg.): Römische Lebenskunst, Heidelberg 1995, 31-45, hier: 31ff.

31 Friedrich an Podewils, 16. Dezember 1740, in: Droysen: Correspondenz (wie Anm. 3), Bd. 1, Nr. 208, 147.

32 Vgl. zum Beispiel Friedrich der Große: Epître an Jordan, März 1740, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 14, 49; ders.: Epître sur l 'usage de la fortune, 28. März 1740, in: ebd., Bd. 14, 79f.; ders.: Epître an Voltaire, 26. April 1740, in: ebd., Bd. 14, 86.

33 Vgl. Andreas Pečar: Friedrich der Große als Autor. Plädoyer für eine adressatenorientierte Lektüre seiner Schriften, in: Friedrich300. Colloquien, Friedrich der Große ‑ eine perspektivische Bestandsaufnahme, URL: http://www.perspectivia.net /content /publikationen /friedrich300-colloquien /friedrich-bestandsaufnahme /pecar_autor <1.8.2010>.

34 Friedrich an Suhm, 23. Oktober 1736, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 16, Nr.32, 318f.

35 Timothy C.W. Blanning: The culture of power and the power of culture. Old Regime Europe 1660-1789, Oxford 2002, 228; Pierre Gaxotte: Friedrich der Große. Mit 130 Bilddokumenten, Frankfurt a. M / Berlin / Wien 1973 , 195.

36 Friedrich an Suhm, 21. März 1738, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 16, Nr.65, 386.

37 Friedrich an Grumbkow, 4. November 1737, in: Koser: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Grumbkow (wie Anm. 22), Nr.133, 171; Friedrich an Voltaire, 6. Juli 1737, in: Koser / Droysen: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 7), Bd. 81, Nr.26, 70.

38 Stefan Kister: Text als Grab. Sepulkrales Gedenken in der deutschen Literatur um 1800, Bielefeld 2001, 124.

39 Adrian von Buttlar: Das Grab im Garten. Zur naturreligiösen Deutung eines arkadischen Gartenmotivs, in: Heike Wunderlich (Hg.): Landschaft und Landschaften im achtzehnten Jahrhundert, Heidelberg 1995, 79-119, hier: 81ff.

40 Im Jahr 1794 wurde der Leichnam Rousseaus in das Panthéon nach Paris überführt.

41 Friedrich an Grumbkow, 24. März 1737, in: Koser: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Grumbkow (wie Anm. 22), Nr.123, 154.

42 Friedrich an Voltaire, 7. April 1737, in: Koser / Droysen: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 7), Bd. 81, Nr.19, 49.

43 Voltaire an Friedrich, 27. Mai 1737, in: Koser / Droysen: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 7), Bd. 81, Nr.24, 61-64.

44 Friedrich an Voltaire, 6. Juli 1737, in: Koser / Droysen: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 7), Bd. 81, Nr.26, 67f.

45 Ekkehard Stärk: Kampanien als geistige Landschaft. Interpretationen zum antiken Bild des Golfs von Neapel (= Zetemata, Bd. 93), München 1995, 42.

46 Livius: Ab urbe condita (Lateinisch und deutsch hrsg. von Hans Jürgen Hillen, Darmstadt 2000), I, 25, 14.

47 Werner Dahlheim: Julius Cäsar. Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates, 2. Auflage, Paderborn u.a. 2006, 45.

48 Vgl. zum Beispiel Friedrich der Große: Instruction pour la direction de l 'Académie des nobles a Berlin, in: Preuss: Œuvres (wie Anm. 4), Bd. 9, 87-98; ders.: Lettre sur l 'Éducation, in: ebd., Bd. 9, 131-147; ders.: Essai sur l 'amour-propre envisagé comme principe de morale, in: ebd., Bd. 9, 99-114; ders.: Lettres sur l 'amour de la patrie, ou correspondance d 'Anapistémon et de Philopatros, in: ebd., Bd. 9, 241-278.

49 Vgl. Reinhold Koser: Friedrich der Große als Kronprinz, Stuttgart 1886, 130, 153.

50 Ashby, M. Th.: Dessins inédits de Carlo Labruzzi, in: Mélanges d 'Archéologie et d 'Histoire 23 (1903), 375-418, hier : 383. Auch Venosa, der Geburtsort des Horaz, erhob seit dem Mittelalter den Anspruch, dass sich das Grab des Dichters in einem Turm der Stadt befinde. Bernhard Kytzler: Horaz. Eine Einführung, Stuttgart 1996, 165.

51 Annette Dorgerloh: Friedrich II. als Gartengestalter – Repräsentation und historische Verortung, in: Brunhilde Wehinger (Hg.): Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, Berlin 2005, 225-243, hier: 229.

52 Krieger: Friedrich und seine Bücher (wie Anm. 19), 155.

53 Sueton: Augustus,(Werke in einem Band. Kaiserbiographien über berühmte Männer, hrsg. von Werner Krenkel, Berlin / Weimar 1985) 100, 4.

54 Sueton: Augustus, 99, 1.

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Ullrich Sachse
Groß im Tod sein
Friedrichs des Großen erste Verfügung zur Inszenierung seines Nachlebens
Die Forschung zu Friedrich dem Großen hat sich wenig bis gar nicht mit dessen testamentarischen Verfügungen zu seiner Bestattung beschäftigt, schon gar nicht mit seiner ersten aus dem Jahre 1741, die noch ein Begräbnis im Garten von Rheinsberg vorsah. Den archimedischen Punkt, um den Friedrichs Gedanken zu Begräbnis und Ruhm kreisten, bildete das Altertum, genauer: das antike Rom. Es waren – noch – nicht die römischen Imperatoren, deren Masken der junge König trug, sondern die der Dichter Roms. Zeremoniell und Grabmal sollten die Manifestation des in Rheinsberg so sorgsam in Szene gesetzten Dichterlebens werden. Diese erste Auseinandersetzung Friedrichs mit Tod und Grab gleicht einer Bilanz seiner Kronprinzenzeit, zeichnet deren geistige Fixsterne und ist in ihrer Opposition gegen die Konventionen der Zeit vor allem Zeugnis für Friedrichs Willen, einen Platz im Kreise der Großen der Geschichte zu fordern.
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
Kultur- und Mentalitätsgeschichte
18. Jh.
4047194-9 4006054-8 4021732-2 4124068-6 4138973-6 4060506-1 4063043-2
Antike Begräbnis Ruhm Kronprinzenzeit Rheinsberg
Preußen (4047194-9), Bestattung (4006054-8), Grabmal (4021732-2), Ritus (4124068-6), Totengedächtnis (4138973-6), Totenkult (4060506-1), Vermächtnis (4063043-2)
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U. Sachse: Groß im Tod sein
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/sachse_tod
Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:30
Zugriff vom: 20.11.2017 14:49
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