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W. Neugebauer: Friedrich als Risiko?

Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

Friedrich als Risiko?

Friedrich der Große in der Sicht von Untertanen und Geschichtsschreibern

Wolfgang Neugebauer


Abstract

Das Bild Friedrichs des Großen in der Geschichte ist bestimmt durch Historiographie und Politik. Die Friedrich-Tradition basiert wesentlich auf Grundlagenwerken, die zwar keine plumpen Fälschungen enthalten, aber Auslassungen. Um ein Gesamtbild von Friedrich zu erhalten, lohnt es sich, die Sicht seiner Untertanen auf den König miteinzubeziehen. Für die Untertanen setzte sich der Monarch durch seine Regierungspraxis in Szene; auf seinen Revuereisen etwa konnte Friedrich direkt angesprochen werden. Solche Erlebnisse konstituierten eine recht unzeremoniöse Herrschaft in der lokalen Lebenswelt der Untertanen. Solche Szenen erhielten Genrecharakter und wurden durch die zeitgenössische Druckgraphik wiedergeben; sie wurden dadurch Teil des kollektiven Gedächtnisses. Diese schon bald stark stilisierte Unmittelbarkeit bestimmte das zeitgenössische wie das spätere Friedrich-Bild der Untertanen, und der darauf basierende Mythos prägte alsbald auch die Diskussion in der Geschichtsschreibung, wie sie bald bei seinem Tod einsetzte. Unsere Betrachtung dessen, was wohl die Sicht der Untertanen gewesen ist, verweist auf den starken Kontrast einer wissenschaftlichen Perspektive „von unten“ im Vergleich mit der Intellektuellen-Sicht der jeweiligen Epoche und der Nachwelt.

I.

<1>

Es ist gewiss keine neue Erkenntnis, dass das "Friedrich-Bild nicht nur ein historiographisches Problem" ist, sondern, man mag es bedauern oder nicht, "auch ein politisches Anliegen." 1 Immer wieder wurde, zumal für die Zeit des zweiten deutschen Kaiserreichs und erst recht danach, demonstriert, zu welch grotesken Verzerrungen es führen muß, einen alteuropäischen Dynasten des 18. Jahrhunderts etwa in nationale Interpretationsmuster hineinzupressen, 2 obwohl die Geschichtswissenschaft seit langem, ja seit dem späten 19. Jahrhundert bewiesen hat, dass die Hohenzollern – übrigens bis weit in das 19. Jahrhundert hinein – keine "deutsche", sondern eine auf die Interessen ihrer Dynastie im gesamteuropäischen Kontext bezogene Politik betrieben haben.

<2>

Aber der Kampf um Friedrich den Großen ist mitnichten eine Erscheinung erst jüngerer Epochen, von der eigentümlichen Affinität von diktatorischen Regimen zur politischen Vermarktung Friedrichs hier ganz zu schweigen. Friedrich hat stets fasziniert und polarisiert, und das zu Zeiten mit höchst ungewöhnlichen Fronten. Es hat nicht nur lange, nämlich mehr als einhundertundzehn Jahre nach seinem Regierungsantritt gedauert, bis ihm in Berlin ein Denkmal gesetzt worden ist. Es brauchte auch lange, bis die Verwissenschaftlichung des Friedrich-Themas begonnen werden konnte. Aber es ist eine, von der Wissenschaft allzusehr gemiedene Frage, ob nicht der stete Kampf um Friedrich den Großen sein Bild auf Dauer deformiert hat. Wissenschaftliche Geschichte ist stets, wie formuliert worden ist, Traditionskritik und Rekonstruktionsversuch zugleich, 3 und es steht zu befürchten, dass nicht nur – längst überwundene – Deformationen aus nationalhistorischen Geschichtssichten zu beachten sind, sondern auch ältere Kontaminationen die Beschäftigung mit diesem Thema bis in die Gegenwart belasten. Was wissen wir eigentlich von diesem Monarchen, und woher glauben wir es zu wissen? Ein aufgeklärter Monarch wie Friedrich verträgt nicht nur, er braucht solche kritischen Fragen.

<3>

Unsere Sichtweisen von Friedrich, dem König der Aufklärung, des politischen Risikos und der Staatsbildung im Europa der Frühen Neuzeit mit Folgen bis an die Schwelle der Gegenwart sind alles andere als selbstverständlich. Vor allem: Sind sie schon zeitgenössisch? Wie haben wohl die einfachen Untertanen Friedrich gesehen, und worin unterschied sich deren Wahrnehmung des Monarchen und seines Staats von derjenigen späterer Zeiten und der unsrigen? Inwieweit lässt sich die Sicht solcher Untertanen rekonstruieren, die nicht teilhatten an der literarischen Welt ihrer Zeit, und seit wann formte sich das frühe Friedrich-Bild, wenn schon noch nicht der Geschichts-Wissenschaftler, so doch der Geschichts-Schreiber?

II.

<4>

Unser heutiges Bild Friedrichs unterscheidet sich wohl um einiges von dem seiner Untertanen. Ein Beispiel: Friedrich der Große, der königliche Aufklärer – ein Mythos, der bald nach seinem Tode geschmiedet wurde. Aber: Die berühmte Resolution Friedrichs aus den ersten Tagen seiner Regierung, nach der die Religionen alle "tolleriret" werden müssten, und nur darauf geachtet werden sollte, "das keine der andern abrug [Abbruch, W.N.] Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Faßon Selich werden", wurde zwar später zu einer seiner prominentesten Sentenzen. Sie war aber den Untertanen in seinem Reich gar nicht bekannt. Sie blieb in den sekreten Akten, nur wenigen hohen Amtsträgern kam sie zu Zeiten des Königs unter die Augen, denn erstmals publiziert wurde sie 1788, 4 und seitdem ist dann das Diktum immer wieder zitiert worden als Dokument für die Toleranz des Königs.

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Freilich: Wir wissen durchaus, dass es eine undifferenzierte Verkürzung wäre, wollte man in Preußen 1740 ein aufgeklärtes Zeitalter anbrechen sehen. In diesem Sinne hat bekanntlich Immanuel Kant realistisch differenziert. Es lässt sich sagen: Friedrich nahm, man mag es Toleranz nennen, lange Zeit viel Rücksicht auf kulturelle und religiöse Traditionen älterer Provenienz. Selbst diejenigen Herren, die im Vierteljahrhundert nach seinem Regierungsantritt das geistliche Regiment im preußischen Staat zu führen hatten, waren in der Mehrheit durchaus keine Aufklärer, sondern in der Wolle gefärbte Pietisten, die der König eigentlich gar nicht mochte. Und doch unterzeichnete Friedrich noch in der Mitte der 1760er Jahre Reglements, die von diesen Exponenten des preußischen Pietismus konzipiert worden waren. 5 Seine "politische Duldung der verschiedenen Religionsparteien" 6 setzte einer durchgreifenden Politik praktischer Aufklärung ja praktische Grenzen. Freilich: Katholiken sollten, so verfügte es Friedrich, in Landesjustizkollegien nicht allzu zahlreich vertreten sein. 7

<6>

Wir dürfen uns also das Preußen Friedrichs des Großen nicht als schlechterdings aufgeklärtes Preußen vorstellen, und es ist noch sehr die Frage, ob die preußischen Untertanen, das heißt die Masse der nicht oder gerade einmal alphabetisierten Menschen 8 jenseits der dünnen Literatenschicht, sich mit dem Aufklärer Friedrich problemlos identifizierten. Selbst im Berlin der spätfriderizianischen Zeit waren die Grenzen der Aufklärung mit Händen zu greifen, oder besser: Sie ließen sich im Stadtplan gut markieren. Der Berliner Verleger und Schriftsteller Friedrich Nicolai hat im Jahre 1775 eine Kulturtopographie Berlins entworfen. Danach begünstigte zwar die "Regierung … die Freiheit zu denken, besonders in Religionssachen … Die Einwohner von Berlin sind" aber "so wenig, als die Einwohner irgend einer anderen Stadt, geneigt, Neuerungen in der Lehre machen zu lassen … Der Berlinische Pöbel ist noch eben so beschaffen als der, welcher im Jahre 1748, nachdem er eine erbauliche Predigt wider die Freygeister gehört hatte," einem Aufklärer "die Fenster einwarf. Und den Pöbel ungerechnet, sind auch die Berlinischen Bürger überhaupt zu nichts weniger, als zu freyen Meinungen, geneigt." Und weiter: Eigentlich sei der "Bürger von Berlin … pietistisch". Die religiösen Meinungen variierten in der Residenz ganz wesentlich nach den "Gegenden der Stadt, wo sie wohnen … Die Pfarrkinder zu St. Nikolai, am Molkenmarkt, und in der Stralauer Straße … halten am meisten auf reine Orthodoxie …; desgleichen haben die Gärtner und Viehmäster in den Berlinischen Vorstädten noch alle (die) löbliche Anlage(,) auf einen Ketzer mit Fäusten loszuschlagen. In Kölln, in der Gegend des Schlosses, konnten noch am ersten die Freygeister anzutreffen seyn". "Die Nachbarschaft des Hofes" ließ diese Gegend also gleichsam als Insel der Aufklärung in der Residenzstadt Berlin erscheinen. Aber schon etwas davon entfernt – Nicolai bezeichnet die Straßen – regierte der alte religiöse Eifer. In der Friedrichstadt des Jahres 1775 pflegten die Textilhandwerker sich in "Erbauungsstunden und Weißagungen" zu ergehen. 9

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Wenn es außerhalb des engeren Residenzbezirkes auf der Berliner Spreeinsel also gar gefährlich werden konnte, als Freigeist und Aufklärer erkannt zu werden, so sind selbst in der Hauptstadt Distanzen zur Hofaufklärung evident. Auf dem Lande in der Mark Brandenburg hatten es noch im ausgehenden 18. Jahrhundert Geistliche sehr schwer, wenn sie im Stile der neuen Zeit Verständnis beim – Plattdeutsch sprechenden – Landmann finden wollten. 10 Wir wissen, dass diese eigentümlichen Konstellationen auch auf das Verhältnis von Land und Residenzstadt Auswirkungen hatten, dass auf dem Lande die in Berlin vom König geduldeten "Zerstörer der christl. Religion" entschieden missbilligt wurden. 11 Die Aufklärungsinseln in Berlin und anderswo und der Geisterglaube auf dem Lande, noch um 1760 mancherlei Glaubenswelten, von denen sehr fraglich war, wo ihre Quellen lagen 12 – das war die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen im Preußen Friedrichs des Großen.

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Und der König? Wir wissen, dass selbst unter den Soldaten in seiner Armee die Namen Voltaires und d 'Alemberts wohl bekannt waren, aber die mit ihnen verbundenen Programme und Glaubenswelten der Tafelrunde von Sanssouci stärkten nicht die Identifikation des kämpfenden Untertanen mit dem König, sondern waren ein recht sensibler Punkt im Verhältnis zum Monarchen. Eine Feldpredigerschrift aus der Mitte des Siebenjährigen Krieges bezeugt dies ausdrücklich. Königstreue und Glaubensfestigkeit gehörten doch eigentlich zusammen; da mussten den einfacheren Untertanen die "in der Gottesverehrung Leichtsinnigen oder nur Spekulierenden" geradezu verdächtig sein. 13 Die zitierten Namen des Zweifels verweisen nach Potsdam. "Diese gegenseitige Stimmung des Volkes und des Königs", so heißt es in einer Friedrich durchaus nahestehenden Quelle aus Schlesien, "nahm mit seinen Regierungsjahren zu", ohne – so wird hinzugefügt – "dem Sieger, dem Eroberer, dem Vater des Vaterlandes" die Verehrung zu entziehen; aber dem – so wieder wörtlich – "Nicht-Christen" Friedrich wurde doch "wo nicht mit Widerwillen, so doch mit höchster Mißbilligung" begegnet. 14

<9>

Die Sicht der Untertanen auf den König war also ganz offenbar alles andere als untertänig, sie war bemerkenswert differenziert, jedenfalls differenzierter, als der alsbald geschaffene Mythos der Aufklärung es wollte. 15 "Es blieb aber", so berichtet als Zeitzeuge der Breslauer Literat Christian Garve, "bey dem allen noch immer in seinem Volke eine große Macht übrig, seinen Reformen Widerstand zu leisten, nämlich in den herrschenden Meinungen. In keinem Puncte aber gab es [so sehr, W.N.] herrschende Meinungen, die von den seinigen abgegangen waren, die er mißbilligte, … als im Puncte der Religion. Und in diesem war in der That ein weiter Abstand zwischen der kirchlichen Verfassung des Volks, und zwischen den Gesinnungen des Königs." Die "Unterthanen" "seufzten, dass ein so großer König nicht auch ein Christ sein solle", manche "zweifelten, ob auch die Nachrichten von seinen freigeisterischen Meinungen wahr wären". 16

III.

<10>

Das, was bei aller Neigung der Untertanen zu Widerständigkeit aus Aufklärungs-Distanz denn doch verband, das resultierte aus neuen gemeinsamen und personalen Erfahrungen, und das waren ganz wesentlich Kriegserfahrungen. Preußen wurde in dramatischen Schüben gemeinsam erlebt . Neue Identifikationen mit Friedrich II. waren da besonders begünstigt, wo, wie etwa bei der Okkupation Schlesiens, Landschaften betroffen waren, die dem Protestantismus zuneigten. 17 Gleich die riskanten Offensiven des Königs in der ersten Hälfte der 1740er Jahre, die bekanntlich mit der Benennung Friedrichs als der "Große" im Dezember 1745 in Berlin endeten, 18 riefen in der Zivilbevölkerung und im Militär Bedrohungserfahrungen und Erlebnisse hervor, die eben schubweise die Identifikation mit dem Monarchen, noch nicht eigentlich mit dem abstrakten "Staat", verstärkten. 19 Dem Siebenjährigen Krieg kam im Zuge dessen eine besondere Rolle zu. Dabei war von großer Bedeutung, dass der Monarch selbst zum Kollektiv der Bedrohten gehörte, dass er sich Strapazen und bisweilen dramatischen Gefahren aussetzte – nicht präzedenzlos in der europäischen Geschichte, wie um 1700 Karl XII. von Schweden zeigt, aber umso mythenkräftiger im Erfolgsfalle. Und der Mythos Friedrichs hatte ja reale Fundamente. Die Dominanz der vom Untertan erlebten Person Friedrichs in Kriegs- und auch in Friedenszeiten erklärt, dass etwa in überlieferten Soldatenbriefen, einer wichtigen Quellengattung eben artikulationsfähiger Untertanen, von Preußens Heer erst spät die Rede ist. 20 Es sind die Regimenter des Königs , die marschieren. Der personale Bezug dominierte entschieden die Wahrnehmung des einfachen Mannes, zumal in gefährlicher Zeit. Die Bedrohung und die Verwüstungen durch den "Feind", im Siebenjährigen Krieg etwa die Russen, sowie die Aktionen und Siege des Königs waren es, die den Blick von einfachen Soldaten und Unteroffizieren bestimmten. 21 Das Diktum "wir schwache Preußen" – so ein Soldatenbrief von 1757 – spiegelt die entstehende Staatsidentität in der Erfahrung des Bedroht- und Unterlegenseins. In dem Tagebuch eines Berliner Bäckermeisters ist es zur gleichen Zeit noch "das ganze Reich", das "wider unsern König" ist. Symbolkräftig verkündete Siege, durch Postillons mit brennenden Fackeln, und Dankespredigten prägten die Erinnerung, und dann wieder unmittelbare Bedrohungserfahrungen – wie die Russen am Kottbusser Tor vor Berlin. Sie verstärkten auch bei Berliner Handwerkern die Wirkung von kriegerischen Erlebnisschüben. 22

<11>

Die Wahrnehmung der einfachen Soldaten wurde durch die persönliche Beziehung zum Monarchen bestimmt, 23 das heißt von der potenziellen Unmittelbarkeit des Bezuges in der Spannungssituation allfälliger Gefahr. Und dieser Gefahr hat sich der König – genau beobachtet, wie Quellen von Augenzeugen berichten – sehr wohl immer wieder selbst ausgesetzt. 24 Den vertrauten Umgang mit den Soldaten hat Friedrich systematisiert und instrumentalisiert. Ein Feldprediger berichtet aus dem Siebenjährigen Krieg, der König habe Anweisung gegeben, "keinen gemeinen Mann die Audienz zu versperren, wenn er darauf bestände". 25 Der unmittelbare Umgang Friedrichs mit den Soldaten im Felde habe, so wird bezeugt, dazu gedient, "die Gunst [sic!] der Soldaten zu gewinnen und ihnen auf solche Weise ihre Strapazen zu erleichtern". 26 Die gegenseitigen, in der Tat vertraulichen Anredeformen waren bei diesem Monarchen, der sich sonst bewusst aristokratischer Herrschaftstechniken bediente, besonders auffällig und dazu bestimmt, in der Situation kriegerischen Risikos extreme Standesschranken – scheinbar – zu nivellieren. 27 Während aufgeklärte Pfarrer die neuen Lehren in stilisiertem Hochdeutsch unter den Untertanen verbreiten wollten, 28 war Friedrich bereit und in der Lage, mit einfachen Soldaten auch "Plattdeutsch" zu reden. 29 Die stilisierte Anspruchslosigkeit des Königs im Felde gehört in dieses Bild. Die Loyalitätsbezüge und die Wahrnehmung der militärischen Untertanen waren ganz unmittelbar auf die Person Friedrichs konzentriert. Und da musste seitens des Aufklärerkönigs alles vermieden werden, was die vielfach bezeugte tiefe Soldatenreligiösität verletzen konnte. 30 Darin bestand die Funktion des Chorals von Leuthen ("Nun danket alle Gott"), gesungen nicht nur nach einem Schlachtenwunder.

<12>

Etwas von dem eigentümlich personalen Bezug von König und Untertanen kommt noch in jener Tagebuchnotiz des Bauern Caließ aus dem brandenburgischen Dorf Neuholland zum Audruck, wenn er zum 17. September (!) 1786 eigenhändig notierte: "ist der Alte König Fritz gestorben". 31 Der unmittelbare Zugang zum Monarchen in Kriegs- und in Friedenszeiten bestimmte die Sicht der Untertanen. Die Bauern zu Marzahn drohten mitten im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778, den König "im Felde" – er stand gerade in Böhmen – aufzusuchen und ihm ihre Anliegen vorzutragen. 32 Zu anderen Zeiten haben sie, wie bezeugt ist, einen der Ihren aufs Pferd gesetzt in Richtung Potsdam, wo er mehrmals mit Friedrich gesprochen hat. 33 Die Bittschriftenlinde in Sichtweite des königlichen Schreibzimmers im Potsdamer Stadtschloss, an der Petenten sich zeigen konnten, um vom König hinauf gerufen zu werden, mag legendenumrankt sein – eine Erfindung war sie nicht. 34 Natürlich: Immediat-, das heißt von den Untertanen direkt beim Monarchen vorgebrachte Bitten konnten auch abschlägig beschieden werden; doch verfügte der König auf diesem Wege über Informationsquellen, die unabhängig waren von der institutionellen Amtsträgerhierarchie.

<13>

Die Übung begegnet immer wieder in den Akten, 35 und sie spielte eine Rolle in der Diskussion über den Monarchen und seine Amtspraxis. Die Revuereisen Friedrichs, die regelmäßigen Fahrten durch die Länder und Provinzen, wenn der König unter anderem beim Pferdewechsel an bekannten Orten direkt angesprochen werden konnte, konstituierten eine eigentümlich intensive Sichtbarkeit, die Präsenz recht unzeremoniöser Herrschaft in der lokalen Lebenswelt der Untertanen; dies ließ sich in die zeitgenössische Druckgraphik aufnehmen und kommentieren, und wenn man so will auf Dauer in Erinnerung rufen. Der Topos vom gerechten König – man mag an den Fall des Müllers Arnold denken – ließ sich damit dann gut verbinden. Der Mythos Friedrichs bis hinein in die bald erscheinenden Anekdoten- bzw. Materialsammlungen bedurfte nicht der freien Fiktion; er beruhte auf der Steigerung charakteristischer Herrschaftstechniken des Königs in der postumen Erinnerung. 36 Es war der Mythos der Unmittelbarkeit , der das zeitgenössische und das spätere Friedrich-Bild der Untertanen bestimmte, und er war alsbald auch Gegenstand der Diskussion der ersten postumen Geschichtsschreiber.

IV.

<14>

Wir haben erfahren: Es war keine undifferenzierte Sicht der Untertanen auf den König, die in seiner Zeit vorherrschte, und mochte auch in Wahrnehmung und Erinnerung das Miterleben von kriegerischen Gefährdungsschüben eine graduelle Verstärkung kollektiver preußischer Erfahrungen und Orientierungen bewirkt haben: 37 Preußische Untertanen waren nie so untertänig, wie die gezielte Legende späterer Zeiten es will. Und auch die ersten seiner Historiographen waren es nicht, zumal solche, die Friedrich aus der Nähe oder aus einiger Distanz, etwa als Amtsträger in Berliner Kollegien erlebt und Material über ihn gesammelt hatten. Wir konzentrieren uns hier auf preußische Stimmen und übergehen ausländische Verehrer oder die Kritiker wie den Grafen Mirabeau, der mit den Maßstäben ganz neuer, fast revolutionärer Theorien Person und System Friedrichs II. vermaß. 38 Sehr pauschal haben sich bereits im Herbst 1786 die Herausgeber der dezidiert aufgeklärten "Berlinischen Monatsschrift" gegen "thörichtes und lautes Tadeln des großen Königs" verwehrt. 39 Auch die innerpreußische Friedrich-Kritik wollte nicht verstummen.

<15>

Ein nicht unbedeutender Kopf des friderizianischen Berlin mit Kenntnissen des landesherrlichen Apparates und mit Zugang zu aussagekräftigen Quellen, durchaus ein Mann des aufgeklärten Zeitalters, der Oberkonsistorialrat Anton Friedrich Büsching, 40 meldete sich rasch zu Wort; der große Historiker Leopold von Ranke hat in der Mitte des 19. Jahrhunderts allein auf den Informationswert Büschings hingewiesen, wenn es um die Publikationen gleich nach 1786 ging. Dieses Werk wurde in Preußen mehrmals aufgelegt und außerhalb Preußens illegal nachgedruckt. 41 Recht typisch für das allgemeine Schrifttum zum Monarchen bald nach seinem Tode (die militärwissenschaftliche Spezialhistoriographie sei hier ausgespart) 42 , ging es dem Berliner Rat und Autor nicht um Friedrich als Feldherrn und Staatsmann. 43 So wie andere zeitgenössische Stimmen aus Preußen und Berlin, 44 ließ Büsching sehr deutlich werden, welche Reserven er gegen Friedrich – er nennt ihn "den zweyten" – hegte, nicht nur gegen die "sanguinisch-cholerische Natur des Königs", 45 bis ins Alter – so Büsching 1788! – neigend zu "sinnliche(n), auch wohl ausschweifende(n) Vergnügungen verschiedener Art". Die Schilderung der Persönlichkeit Friedrichs, seiner Lebensgewohnheiten und Umgangsformen sollen hier besser nicht in extenso zitiert werden – im 18. Jahrhundert hätte man diese Darlegungen wohl "freimütig" genannt. Die Kritik an der Person ging über in die Kritik der Politik, auch der Justizreformen, ja bis hin zur frühen Systemkritik, auch am persönlichen Regiment. 46

<16>

Schon dem Pädagogen und Theologen Büsching war die sozial-konservative Grundlinie Friedrichs des Großen in der Beobachtung über rund zwei Jahrzehnte sehr deutlich geworden; schon früh, noch zu Lebzeiten Friedrichs, hatte er sich dagegen ausgesprochen, dass nach königlichem Befehl Söhne grundsätzlich im Beruf und Stand ihrer Väter verbleiben sollten; auch die sehr konservative Adelspolitik Friedrichs wird treffend geschildert, ebenso, dass verdiente Bürgerliche vom König nur ungern nobilitiert worden seien. Gewiss habe Friedrich viel Geld in den Wiederaufbau der nicht zuletzt durch Kriege "beschädigte(n) … Provinzen" investiert; "man muß aber doch gestehen, daß die Landleute der meisten Provinzen, je länger je mehr verarmet sind", und dazu habe die Belastung des platten Landes durch das Militär nicht wenig beigetragen. Und der Aufklärer Friedrich? Gut informiert werden aus des Königs späteren Jahren harte und wenig tolerante Handlungen gegen glaubensintensive Theologen dokumentiert; die Akademiepolitik hält Büsching, selbst Geograph von Bedeutung, für verfehlt, und von der "Verfassung der Universitäten … in den königlichen Ländern" habe "der König keinen richtigen Begriff" gehabt, auch "an die Aufnahme der Universitäten in Seinen Staaten gar nichts gewendet", modern übersetzt: alle Maßnahmen kostenneutral gestaltet, und von "Gymnasien und Schulen in seinen Landen keine unmittelbare Kenntniß" besessen. 47

V.

<17>

Spätestens jetzt war die nie beendete Schlacht um die Memoria des Königs eröffnet. Die preußischen Aufklärer gemäßigter Observanz haben bei allem Respekt und bei schuldiger Ehrfurcht dem Postulat der Kritik sehr wohl Genüge getan, mit, selbst für die heutige Wissenschaft, durchaus beachtenswerten Argumenten und Dokumenten. Auch die Schriften Friedrich Nicolais sind durchaus nicht ohne Einwände gegen Person und Regierung des Monarchen, selbst wenn die Außenpolitik auch bei diesem Autor nur ganz am Rande bleibt; 48 es fehlt hier jede – so wurde festgestellt – "Verherrlichung seiner Kriegstaten. Man vermißt überhaupt die Diskussion über die kriegsauslösenden Handlungen des Königs." 49

<18>

Die entschiedensten Verteidiger des toten Königs kamen – wenn dieser Anachronismus erlaubt ist – von links: Literaten, die, wie Julius Friedrich Knüppeln, sich erst zur amerikanischen, 50 später dann zur französischen Revolution bekannten. Manche von ihnen, wie Heinrich Würzer oder Peter Villaume (damals im preußischen Halberstadt), sind von Teilen der Forschung geradezu zu Jakobinern oder frühen Demokraten stilisiert worden. Sie haben um 1790 in die Friedrich-Debatte heftig eingegriffen, 51 sie haben Friedrich schroff verteidigt und – bisweilen als "Friedrich den Einzigen" – idealisiert, gegen "Anklagen der Bosheit und der Verleumdung", wie es 1792 einmal heißt. 52

<19>

"Wozu die Bekanntmachung der Königlichen Schreiben? als wenn der Ruhm des großen Königs dadurch etwas gewinnen könnte", wozu die kritische Diskussion der Persönlichkeit Friedrichs – "wozu die Verdunkelung seines Ruhms"? Stand denn nicht fest – so wieder Knüppeln –, dass man es bei Friedrich schlechterdings mit dem "größten Monarchen …, den die Welt gesehen", zu tun hatte? Hier wurde nun Friedrich zum König der "Toleranz", der die Wiederkehr des "Aberglaubens" für immer verhindert habe. Ja, Friedrich "rieff das Licht nach Deutschland", und in diesem Lichte wurde dann auch die "unumschränkte" Herrschaft legitim, habe doch Friedrich – es argumentiert das Naturrechtsdenken! – "den gesellschaftlichen Vertrag erfüllen" müssen. So wurde jede Verkleinerung Friedrichs illegitim, zumal doch der König, indem er die "Nacht des Irrthums" bekämpfte, die "Liebe seines Volkes" gewonnen habe. 53 Friedrich wird in revolutionären Zeiten zum Argument der Aufklärung und des Fortschritts.

<20>

Nach unseren Ausführungen zur Wahrnehmung des Königs durch seine Untertanen ist wohl kein Wort über den Grad der Stilisierung Friedrichs mehr erforderlich, eine Stilisierung des "großen Helden, de(s) vortrefflichen Regenten und Vater(s) seines Volkes", des "Aufklärer(s) seines Jahrhunderts", der nie aus "Eroberungssucht", "sondern aus Pflicht … zu den Waffen" gegriffen habe. Der König, der durch Gesellschaftsvertrag – nicht durch Gottes Gnade – seine Machtfülle erlangt und diese gegen die dunklen Mächte des Aberglaubens eingesetzt hatte, rückte nun postum auf die Seite der Französischen Revolution, und diejenigen, die seine "kindische Herabsetzung" betrieben, standen natürlich auf der anderen Seite der literarischen Barrikade. Die Frage des Tages "Demokrat oder Aristokrat?" entschied sich auch im postumen Verhältnis zu Friedrich dem Großen, und es konnten nun "Bastarde der Menschheit" sein, "die Friedrichs Andenken lästern, seine Aufklärung angreifen, sein edles gutes Volk herabwürdigen". 54 Jener Friedrich, der, so wurde in den Jahren der französischen Verfassungsgebung kühn behauptet, bei Regierungsantritt eine "Versammlung der Großen des Reiches" einberufen und für sich gewonnen hätte, rückte so in die geistige Nähe zur "französische(n) Constitution". Es ist deutlich: Gleich nach dem August 1786 gewann die Erinnerung an Friedrich an Dynamik, und Sprengkraft. In revolutionären Epochen wurde der tote König zum historischen Risiko.

VI.

<21>

Nach dem Zusammenbruch von 1806/07 wurde dieses erinnerungspolitische Risiko nicht kleiner. Zum ersten und nicht zum letzten Mal in der preußischen Geschichte und Erinnerungsgeschichte wurden derartige Brüche von einer Art Abrechnungsliteratur begleitet; erwähnt sei an dieser Stelle nur der "literarische Kampf gegen die Zustände des friderizianischen Staats", den der frühere schlesische Kriegs- und Domänenrat von Cölln seit 1807 führte. 55 Hier geht Fundamentalkritik am alten, friderizianischen Preußen ein in den zeittypischen Reformdiskurs. Und manche, wie der schriftstellerisch rege Oberst Christian von Massenbach, sahen noch tiefer. Auch er konzentrierte sich fast ausschließlich auf den inneren König, auf den König der Gesetzgebung und der Justiz, auf sein Verhältnis zu den "Bildungsanstalten", auf seine Religiösität, die die "Gottheit" "verehrte", aber nicht "durch abergläubische Anbetung" lästerte. 56 "Die Flamme der Aufklärung zündete Friedrich an", und dies hatte Folgen für die brennenden Fragen der politischen Gegenwart.

<22>

Denn politische Aufklärung hieß – und das interessierte um 1808 ganz ungemein –, dass der Staat auf neue, rationalistische Grundlagen gestellt worden war und nun dort stand: auf den theoretischen Fundamenten der Lehre vom Gesellschaftsvertrag, an Stelle älterer Traditionen und göttlicher Legitimation. Und weiter wörtlich 57 : "Friedrich forscht nach dem Ursprunge des gesellschaftlichen Vereins. In weiten Ebenen sieht er Menschen zerstreut", und "der Stärkere vertreibt den Schwächeren". Hilfe ist nur beim "Volk". "Plötzlich tritt aus der unübersehbaren Menge ein kühner Mann hervor! Er leitet die Kraft aller; er gibt dem Ungestüm Aller Richtung; er siegt. Lauter Beifall dem Kühnen. Einstimmig wird er zum Führer, zum Feldherrn erkohren!" – gewählt. "Ruhiger Genuß folgt auf den blutigen Kampf! … Die Dauer des ruhigen Genusses verlangt das Volk! Nicht der Kühne, der kluge Feldherr sichert diese Dauer. So wird aus dem Feldherrn der Herrscher! So aus dem Herrscher der Fürst. Zuerst also ist die Nation, sagt Friedrich – dann der Feldherr, – endlich – der Herrscher im Frieden, wie im Kriege, – der König." Und "von diesem Grundsatze geleitet" habe Friedrich "den Geist der monarchischen Regierungsform" "untersucht": Wenn der Herrscher, so wird Friedrich 1808 in Breite zitiert , seiner "Bestimmung" nicht entspricht, vergeude er etwa den Schweiß des Volkes, dann werde dieser König vom Throne gestoßen. Der König sei ja "erste(r) Diener des Staates", und so führten "Mißbrauch und Entartung der monarchischen Verfassung" zum "Untergang des Monarchen und des Staats früh herbei". 58 Und schließlich: "Noch leuchtender würde [!] der Name dieses Königs in den Jahrbüchern der Welt glänzen, hätte Friedrich die Dauer seiner Schöpfung durch organische Staatsgesetze gesichert". Damit war aus der Logik der politischen Aufklärung Friedrichs im Zeitalter der Revolutionen auch für Preußen die Frage nach einer Verfassung gestellt.

<23>

Kein Wunder, dass gerade bei konservativen Köpfen in diesen Jahren der Gedanke an Friedrich nicht eben erbaulich wirkte, sondern recht gemischte Gefühle hervorrief. Die Erinnerung an den großen König war so gesehen eine Art preußisches Sicherheitsrisiko! Und so kann es nicht verwundern, dass Vordenker des romantischen Konservativismus wie Adam Müller um 1810 in die Friedrich-Debatte eingriffen, allerdings mit alten Zeichen kritischer Reserve. 59 Wenn wenig später, um 1820, generell festgestellt worden ist, dass in "neuester Zeit" die Stimmung "dem großen Könige nicht günstig" sei, 60 so gilt dies auch und gerade für konservative Vorbehalte gegen – so wird er da genannt – Friedrich den Zweiten. Man hat Adam Müller geradezu mit sehr viel späteren Hauptanklägern gegen Friedrich parallelisiert, die nun das Standardargument des ewigen Eroberungskriegers gegen den König in Stellung brachten. 61 Aber die philosophisch geschulten, hochintellektuellen Friedrich-Antipoden hatten viel grundsätzlichere, sozusagen epochal-universalgeschichtliche Einwände, gleichsam gegen die historische Stellung Friedrichs überhaupt. Friedrichs Modernität erregte Zweifel, ja Anstoß; er habe als "Maschinist seiner Monarchie" zwar den "Mechanismus Einer ökonomischen und kriegerischen Verfassung" seines Reichs gepflegt, 62 aber Preußen sei so eine Staatsmaschine geworden, der König eben ein Staats-Mechaniker, ein Vorwurf, der in der Literatur der Reformzeit mehrfach begegnet. 63 Es ist eine seelenlose Staatsmaschine, an der der einzelne Mensch nicht mehr Anteil genommen, sich von ihr möglichst "eximiert" habe, der Mensch sei nur noch als Zahl gesehen worden, und der Irrtum der Staatsmechaniker wirke verhängnisvoll nach in der Gegenwart.

<24>

Seine Größe wandte sich so ins Negative: "In Preußen ist dieser Irrtum natürlicher, als irgendwo sonst: denn Friedrich war zuvorderst der erste und größte Staats-Mechaniker, den die Welt gesehen". 64 "Diese unglückliche mechanistische Vorstellung von der erhabensten Institution aller Politik hat unsägliches Unglück über den Staat gebracht; denn sie ist in die Gesetzgebung eingedrungen, und das heilige Wechselleben der Stände, die eben durch ihre wahre Wechselwirkung den Staat auf den Gipfel politischer Größe hätten tragen können, ist zu einem unwürdigen Streit um Privilegien und Besitzthümer herabgesunken." Alles werde nur noch vom "gemeinen Interesse" beherrscht. Aber auch der Adel dürfe sich nicht nur von seinen Vorrechten her verstehen, und das gefährlichste dieser Vorrechte sei das "Privilegium zu den hohen Staatsämtern". Dieser Teil der friderizianischen Staatspolitik wurde nun konservativer Fundamentalkritik unterzogen, wie auch der – so wörtlich – "Wunderglaube(n) an die großen Männer" überhaupt. Friedrich aber hatte "äußere Freiheit" an die Stelle der "uralten, unerfundenen, göttlichen Idee der Freiheit" gesetzt. 65

<25>

Es war also der Fundamentalzweifel an der unumschränkten Machbarkeit in der Politik, der gegen den aufgeklärten Staatsmechaniker gewendet wurde, nachdem die Maschine zerbrochen war. Nicht nur die Geschichtsschreiber, auch die Staatsphilosophen begannen Friedrich gleichsam aufzuarbeiten, ja zunächst kam diese prinzipielle Verarbeitung des Friedrich-Themas entschieden weiter voran als die historische. Die Bilder von Friedrich – das haben wir bereits gesehen – hatten nicht unbedingt mit der zeitgenössischen Realität bzw. der Wahrnehmung dieser Realität zu tun. Es hat noch Jahrzehnte gedauert, bis dann Mitte des 19. Jahrhunderts die gerade entstehende professionelle Geschichtswissenschaft sich dem Friedrich-Problem zuwandte. Selbst die eigens ernannten preußischen Staatshistoriographen haben preußische oder gar friderizianische Themen jahrzehntelang ignoriert, vielleicht sogar bewusst gemieden. 66 Man forschte über vieles aus der Weltgeschichte, aber nicht über Friedrich den Großen.

VII.

<26>

Erst rund hundert Jahre nach dem Regierungsantritt Friedrichs begann sich das zu ändern, als Friedrich nun in ganz neuer Perspektive als Gestalt erfaßt wurde, die das europäische Staatensystem in seiner Zeit verändert hätte. 67 Leopold (von) Ranke war da nicht der einzige, aber er stellte mit seiner preußischen Geschichte, erstmals 1847/48, gewiß eine markante Gestalt im Prozeß der Verwissenschaftlichung des Preußen-Themas dar. 68 Nach ersten tieferen Aktenforschungen schildert der Historiker die geistige Entwicklung und geistesgeschichtliche Stellung Friedrichs, die Förderung der Toleranz und behauptet sogar in dieser Hinsicht für Friedrich eine Sonderstellung in der europäischen Geschichte. Er schildert die innere Kolonisation, das Militärsystem, Friedrichs Strategie, die sozialen Stände zu konservieren. "Man sieht wohl", so schreibt er dann um 1880, Friedrich "ließ noch Etwas zu thun für das Jahr 1807". 69 Friedrich war ihm, Leopold von Ranke, ein Mann des alten, vorrevolutionären Europa, noch nicht der Schöpfer des neuen, modernen Preußen des 19. Jahrhunderts. Der Versuch der Objektivierung seit den 1840er Jahren ist offenbar: Das preußische Heer des 18. Jahrhunderts war, so wird richtig gesehen, noch keine "eigentlich nationale Armee". 70 Friedrichs historische Bedeutung besteht in der Tatsache, dass er eine der großen europäischen Mächte begründet habe, von der Ranke sagte, dass sie einen spezifisch "protestantisch-continental norddeutschen" Charakter besessen habe. Dabei sei ihm die Rolle Preußens für den "continentale(n) Protestantismus" wichtiger gewesen als das deutsche Argument. 71 Friedrichs Beitrag zur Geschichte liege, über Preußen hinausweisend, in der Wirkung auf das europäische Staatensystem.

<27>

Es ist nun deutlich zu unterscheiden: die legendengestützte Volksliteratur mit zunehmend nationaler Tendenz und die Sicht der forschenden Wissenschaft, die um 1900 auf diesem Themengebiet in dem 1914 abgeschlossenen großen vierbändigen Werk Reinhold Kosers 72 , seinerzeit Historiker und Generaldirektor der preußischen Staatsarchive, kulminierte. Bei aller Bewunderung für seinen großen König ist der Ton doch erstaunlich realistisch-gedämpft: Das "System des Absolutismus" (Friedrichs des Großen) habe überhaupt "bei den größten Leistungen offenbare Schwächen gehabt", und Friedrichs Autokratie habe "bis zu gewissem Grade" gar "eine Desorganisation" im Staate herbeigeführt. In Bezug auf Friedrichs Persönlichkeit sah Koser eine "widerspruchsvolle Mischung der Temperamente" – der Topos der Widersprüchlichkeit Friedrichs ist ja immer wieder gerne aufgegriffen worden. Die nationale, das heißt "borussische" (Fehl-)Interpretation Friedrichs war in der Wissenschaft schon um 1900 außer Kurs gesetzt und abgetan.

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Diese Werke bauen nun auf weiten, zumindest europageschichtlichen Perspektiven und auf umfassender Quellenerschließung auf. 73 Auf der zweiten Bühne wurde das populäre Friedrich-Bild geprägt, seit 1840 durch Kuglers dutzendfach aufgelegte Friedrichbiographie, ein Volksbuch mit nationalen Tönen und den suggestiven Illustrationen Menzels, der fortan wirksamsten Ikonographie des Königs, für die im späten 18. Jahrhundert die anspruchsvollen Stiche Chodowieckis führend gewesen waren. 74

VIII.

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Aber neben die Suggestion trat nun eben die Forschung, und das heißt seitdem: Die Quellenforschung. Hier wurden in bändereichen Reihen seit den 1840er Jahren diejenigen Grundlagen geschaffen zum literarischen und Aufklärerkönig, später zu seiner europäischen Politik und zur "Staatsverwaltung". 75 Auf diesen Editionsserien baut bis heute die internationale Forschung zu Friedrich und auch die seine Biographik auf. Aber, so ist abschließend zu fragen: Ist nicht auch das ein Risiko?

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Um 1840 war klar: Die Quellenbasis zu Friedrich, wie sie um 1790 vorlag, 76 konnte ernsthaften wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen. Im Vorfeld des Jubiläums von 1840 wirkte nun der Mythos Friedrichs zurück in die Wissenschaft, und so regte der Kronprinz, der spätere Friedrich Wilhelm IV., an, anlässlich des Säkularfestes "für das Allerhöchste Königliche Haus und für die durch daßelbe ins Leben gerufene Monarchie" "eine correcte, vollständige und geordnete Ausgabe aller Schriften" Friedrichs II. zu veranstalten. Das aber war leichter gesagt als getan. Denn war nicht auch eine solche Ausgabe der Schriften des großen Königs gleich in mehrfacher Hinsicht riskant? Bestimmte Passagen in den Schriften des Königs sollten, das stand von Anfang an fest, auch in der neuen Ausgabe besser unter den Tisch fallen, etwa anstößige Äußerungen über andere Fürstenfamilien oder über Mitglieder ders Hohenzollernhauses. 77 Jedenfalls würde, so wurde festgelegt, "Vieles … zur Publicität auch jetzt noch nicht gelangen dürfen." Ganz in diesem Sinne erging denn auch 1837 der königliche Befehl: 78 Alles, was etwa "befreundete Regierungen" verletzen könnte, solle bei der akademischen Friedrich-Ausgabe gänzlich weggelassen werden.

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Wenn aber denn doch keine Vollständigkeit geboten werden konnte, "weil" – so ein interner Vermerk in des Königs Papieren – "noch sehr vieles unterdrückt werden muß", 79 so stellt sich für die Forschung heute die Frage, was alles fehlt, und ob in der Vergangenheit – formulieren wir es vorsichtig – damit ein Friedrichbild vorgeformt worden ist, das künftig erneut auf den Prüfstand genommen werden sollte. Mit der – wir dürfen sagen – Zensur war ausgerechnet der frühere Polizei-, dann Hausminister Wittgenstein beauftragt worden, einer der prominentesten Vertreter einer entschiedenen Politik der Repression. 80 Die Akten um 1840-1850 zeigen mit harter Deutlichkeit, wie tief die Eingriffe der politischen Aufsichtsinstanzen in die Geschichtswissenschaft der Zeit dann erfolgten, wenn es um Friedrich-Themen ging, und wie restriktiv der Archivzugang reguliert wurde, während die "Staatscorrespondenz" ohnehin von der Publikation ausgeschlossen blieb. 81 Friedrich Wilhelm IV. sollte dann selbst entscheiden, was wegfallen sollte, und er fand, dass die Dokumente – so wörtlich – "kitzlicher Art" unter Auflagen strenger Geheimhaltung und zum Zwecke des Gutachtens wenigen bedeutenden Gelehrten vorgelegt werden sollten. Erst dann könne "über ihre theilweise oder ganze Publicierung oder Nichtpublicirung" entschieden werden. 82 Das war Geschichtspolitik, es war Staatspolitik! Und so kamen auch Alexander von Humboldt und Leopold Ranke dabei ins Spiel. Gegen die Publikation der geheimsten Maximen Friedrichs, das heißt seiner "Politischen Testamente" plädierten die "Archiv Minister" ganz entschieden. Aber gerade die Nicht-Publikation dieser Programmdenkschriften, eigenhändig von Friedrich zu Papier gebracht, schuf späterhin Probleme. Denn auch im ausgehenden 19. Jahrhundert waren preußische Historiker alles andere als ein geistiges Leibregiment der Hohenzollern, vor allem waren sie preußische Professoren – auf dem Friedrich-Themenfeld sehr streitfreudig. Einer von ihnen, Max Lehmann, hatte trotz allem die Testamente lesen können und behauptete nun, Friedrich sei (mit) schuld am Ausbruch des Siebenjährigen Krieges. Eine Kriegsschulddebatte im Kaiserreich. Wie sollte er wiederlegt werden, wenn die Testamente auch noch um 1900 unter Verschluss lagen? Diejenigen, die das Friedrich-Bild durch Steuerung des Quellenflusses kontrollieren wollten, vergrößerten nur das Risiko.

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Das Thema Friedrich war hoch riskant, und die Publikation seiner Texte war es im 19. und frühen 20. Jahrhundert so sehr, dass die Testamente Friedrichs vollständig erst 1920 erscheinen konnten. 83 Aber mehr noch: War es nicht überhaupt zu "kitzlich", Friedrichs literarische Werke, wenn auch in seinem Französisch, wieder in die Öffentlichkeit zu bringen? In einer Zeit, in der alles darauf ankam, die Monarchie zu stärken – waren da Friedrichs religiöse (und das heißt auch: politische) Maximen risikolos? Friedrich war und blieb ein Politikum, und konservative Kreise des Hofes warnten und warnten. 84 Ging es um Religion, so ging es ja auch um das Gottesgnadentum. Da half es nicht weiter, dass Friedrich Wilhelm IV. gesprächsweise zugab, dass er ja nicht so genau wisse, was er da gerade mit großem Aufwand publizieren ließ: "dieser Inhalt sei ihm nicht so bekannt". 85

<33>

Die Akademie der Wissenschaften hatte sich lange gesträubt, bei dem Friedrich-Unternehmen überhaupt mitzutun. Die Herren ahnten, was da wissenschaftspolitisch auf sie zukam. Schließlich war es ein königlicher Befehl, der die Akademie verpflichtete. Es blieb bei Protesten gegen die "Censur", die "mit der Ehre der Corporation nicht verträglich" sei, ohne dass wir heute genau erkennen können, was damals gemeint war und was vielleicht alles als zu "kitzlich" erschien. 86 Ganz abgesehen von handwerklichen Mängeln dieser älteren Ausgaben, müsste die moderne Forschung diese hochproblematischen Entstehungsbedingungen derjenigen Quellenfundamente, die bis heute unsere Kenntnis von Friedrich dem Großen mit bestimmen, stärker berücksichtigen. Die große Friedrich-Werk-Ausgabe wurde dann in Prachtexemplaren als Staatsgeschenk weltweit verwendet. Auch nach Nord- und Südamerika gingen diese Bände, an den Sultan und an russische Staatsmänner. Ein gewisser Bismarck hat sich ebenfalls damit befasst. Auch die Verteilung der Friedrich-Werke war hohe Politik!

<34>

Und noch lange blieb Friedrich in den Augen der Regierenden ein politisches Problem. Jahrzehnte später, zur Zeit des Kaiserreichs, wurde dann auch das große Projekt der politischen Korrespondenz Friedrichs der Kontrolle unterzogen. Bismarck selbst, nun als preußischer Ministerpräsident und als Reichskanzler, wurde mit diesem Friedrich-Projekt (seit den 1870er Jahren) befasst. Es ist bis heute noch nicht ganz abgeschlossen und dokumentiert in mehreren Dutzend Bänden die Außenpolitik Friedrichs – als Basis für Forschung und Geschichtsschreibung. Aber auch hier lauern Risiken, die von der Forschung selbst in den letzten Jahren weitgehend ignoriert worden sind. Denn wieder lassen die Akten keinen Zweifel, dass politische Rücksichten die Arbeit begleiteten, es also heute problematisch ist, sich auf diese Quellenausgaben vorbehaltslos zu verlassen. 87 Bismarck ließ mitteilen, dass bei der Auswahl der Stücke auf die "politische Rathsamkeit der Veröffentlichung Rücksicht genommen werden" müsse. 88 Hochbedeutende Stücke von "Bedenklichkeit" sollten, so heißt es um 1880 in einer Verfügung, "vom Drucke ausgeschlossen" und der Forschung gar nicht mehr zugänglich sein. 89

IX.

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Derartige Restriktionen hat es weder für die Geschichtsforschung zum Großen Kurfürsten noch zu Friedrich Wilhelm I. oder zur Zeit um 1800 gegeben. Alle (bisher) bekannten Fälle von geschichtspolitischen Sicherheitsmaßnahmen betreffen Person und Epoche Friedrichs des Großen. Wie weit wurde – so ist zu fragen – der künftige Diskurs durch die Lenkung von Quelleneditionen beeinflusst? Diese Frage zu stellen, heißt einige Aufgaben künftiger Forschung zu benennen. Im 20. Jahrhundert wurden diese Grundlageneditionen, auch solche zur Verwaltungsgeschichte, nie revidiert, nur fortgesetzt; die Nationalsozialisten haben schon gar nichts für die Forschung zur preußischen Geschichte geleistet, ihre Propaganda reproduzierte den Kenntnisstand des frühen 19. Jahrhunderts. 90

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Aus alldem folgt: Es ist ein Irrtum, wenn behauptet wird, alles Wichtige zu Friedrich dem Großen sei längst gedruckt, wenn suggeriert wird, man könne Gesamtdarstellungen auf der Basis des Vorhandenen kompilieren. Dies ist jedenfalls ein wissenschaftliches, ein unkalkulierbares Risiko. Über keinen bedeutenden Staat der europäischen Geschichte ist tatsächlich weniger in den Archiven geforscht worden als zu Preußen, denn schon nach 1918 gab es zu diesem Themenfeld doch nur einen wissenschaftlichen Notbetrieb. 91 Unsere Kenntnis basiert ganz wesentlich auf Grundlagenwerken, die keine plumpen Fälschungen enthalten. Aber es stellt sich jetzt die Frage, was dort alles fehlt. Künftige Forschung wird, nachdem in den 1990er Jahren auch die Archive wieder vereinigt werden konnten, die älteren wissenschaftlichen Werke und die Archivquellen, vor allen die in Berlin und in Potsdam, zusammen zu lesen haben.

<37>

Unsere Betrachtung dessen, was wohl die Sicht der Untertanen gewesen ist, verweist auf den starken Kontrast einer wissenschaftlichen Perspektive "von unten" im Vergleich mit der Intellektuellen-Sicht der jeweiligen Epoche und der Nachwelt. Der Blick aus den Regionen, aus den Landschaften, ist dafür unverzichtbar. Die Perspektive der Untertanen, ihre Wahrnehmung von Herrschern und "Staat", gehört ganz wesentlich zur Geschichte Preußens und seiner Staatsbildung hinzu. Der Kontrast von herrschaftlicher Pracht, die seit Jahrzehnten in der Geschichtswissenschaft immer wieder thematisierte Visualisierung der Monarchie durch Prunk und Staatskultur einerseits und die prunklose Unmittelbarkeit zwischen Monarch und Untertan andererseits, eröffnen neue Fragestellungen gerade für Forschungen am preußischen Fall. Wir sollten auch solches Material erschließen, in Analysen und in Quellenwerken, die die Leistungen der älteren Wissenschaft nicht ersetzen, aber sehr wohl korrigieren und ergänzen. Und dabei müssen wir uns darauf gefasst machen, manche Selbstverständlichkeit unseres Friedrich- und unseres "Preußenbildes" aufgeben zu müssen. Friedrich bleibt ein produktives Risiko.

Autor:

Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Institut für Geschichte
Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit
Am Hubland
97074 Würzburg
wolfgang.neugebauer@uni-wuerzburg.de

1 Der Beitrag erscheint auch in den Jahrbüchern für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 56 (2010). Karl Erich Born: Friedrich der Große im Urteil der preußischen Konservativen, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 6 (1955), 227-239, Zitat: 227.

2 Aus der älteren und neueren Literatur als Beispiele mit weiterer Literatur: Thomas Ellwein / Waldemar Brückmann: Friedrich der Große im Spiegel der Nachwelt, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 1 (1948), 222-244, hier: 233-241; Stephan Skalweit: Das Problem von Recht und Macht und das historiographische Bild Friedrichs des Großen, zuerst 1951, wieder in: ders.: Gestalten und Probleme der frühen Neuzeit. Ausgewählte Aufsätze (=Historische Forschungen, 32), Berlin 1987, 155-172, hier: 160ff.; zur nationalteleologischen Tradition: Walter Bussmann: Friedrich der Große im Wandel des europäischen Urteils, zuerst 1951, wieder in: ders., Wandel und Kontinuität in Politik und Geschichte. Ausgewählte Aufsätze zum 60. Geburtstag, hg. von Werner Pöls, Boppard am Rhein 1973, 255-288, hier: 261ff.; nützlich und im Ganzen ausgewogen das weit verbreitete Werk von Hans Dollinger: Friedrich II. von Preußen. Sein Bild im Wandel von zwei Jahrhunderten, München 1986, 137-160, freilich mit unschönen Lücken. Auf neue (west-) und nicht mehr ganz neue (ostdeutsche) Polemiken nach der Methode, möglichst grotesk erscheinende und klingende Absurditäten zu kompilieren und anderes misszuverstehen, muss hier nicht eingegangen werden. Vgl. dazu: Handbuch der Preußischen Geschichte, Bd. 1, Berlin-New York 2009.

3 Ernst Schulin: Traditionskritik und Rekonstruktionsversuch. Studien zur Entwicklung von Geschichtswissenschaft und historischem Denken, Göttingen 1979, besonders 16ff.

4 Zur Publikations- und Überlieferungsgeschichte des inzwischen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) wieder aufgefundenen Blattes vgl. Leopold Ranke: Neun Bücher Preußischer Geschichte, 2. Bd., hier benutzt in der Ausgabe: Berlin 1848, 62 mit Anm. 1; Anton Friedrich Büsching: Beyträge zu der Lebensgeschichte denkwürdiger Personen, insbesondere gelehrter Männer. Fünfter Theil, der den Charakter Friedrichs des zweyten, Königs von Preußen, enthält, Halle 1788, 118.

5 Vgl. zum Ganzen Wolfgang Neugebauer: Anton Friedrich Büsching 1724-1793, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 58 (2007), 84-101, bes. 95ff.; ders.: Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preußen, Berlin / New York 1985, 178-185; neuere Literatur zum Generallandschulreglement von 1763 bei Jens Bruning: Das pädagogische Jahrhundert in der Praxis. Schulwandel in Stadt und Land in den preußischen Westprovinzen Minden und Ravensberg 1648-1816 (=Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 15), Berlin 1998, 147-152. Die oben angesprochene Differenzierung Kants, klassisch: Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung, zuerst 1784, wieder in: Otto Heinrich von der Gablentz (Hg.): Immanuel Kant. Politische Schriften, Köln / Opladen 1965, 1-8, hier: 6.

6 So Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 117-119. Dies freilich als Maßnahme gegen den Abt Hähn, dem man mit Zwangsversetzung drohte. Vgl. ders. Friedrich II. (wie Anm. 4), 67 ("übertriebener pietistischer Narr", 1770), 62-71, und zu Maßnahmen gegen Pietisten 55-71; dazu Hugo Gotthard Bloth: Pädagoge im Vorfeld der Revolution. Johann Friedrich Hähn (1710-1789) und die Einführung des Curriculum Scholasticum, Paderborn 1972, 42-46.

7 Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 124; Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a.M. / Berlin / Wien 1983, 290-292.

8 Vgl. die Daten bei Wolfgang Neugebauer: Bildung, Erziehung und Schule im alten Preußen. Ein Beitrag zum Thema "Nichtabsolutistisches im Absolutismus", in: Karl-Ernst Jeismann (Hg.): Bildung, Staat, Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Mobilisierung und Disziplinierung, Stuttgart 1989, 25-43, hier: 41.

9 [Friedrich Nicolai]: Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker, 2. Bd., Berlin / Stettin 1775, 71-78, daraus das Folgende. Vgl. auch Horst Möller: Aufklärung in Preussen. Der Verleger, Publizist und Geschichtsschreiber Friedrich Nicolai, Berlin 1974, 249. Zum Autorenkreis der Berlinischen Monatsschrift ebd.: 251f.

10 Deutlich bei L. A. Baumann: Ueber die Mängel in der Verfassung des platten Landes der Kurmark Brandenburg. Sr. Majestät dem Könige und dessen Staats-Ministerio in tiefster Ehrfurcht gewidmet, Potsdam 1796, 50.

11 Chronik des Pfarrers Gutknecht aus Hermersdorf, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Manuskripta Borussica fol. 65, Blatt 317 (zu 1747), betr. Edelmann; vgl. Emanuel Hirsch: Geschichte der neuern evangelischen Theologie, im Zusammenhang mit den allgemeinen Bewegungen des europäischen Denkens, Nachdruck der 3. Aufl. 1964, Münster 1984, 414.

12 Die in Anm. 11 zitierte Dorfchronik, Blatt 106f., 226-228, 266 r; Wolfgang Neugebauer: Zentralprovinz im Absolutismus. Brandenburg im 17. und 18. Jahrhundert (=Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte. Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen, 4), Berlin 2001, 150f., mit zeitgenössischen Belegen; Friedrich Holtze: Geschichte der Mark Brandenburg (=Tübinger Studien für Schwäbische und deutsche Rechtsgeschichte, 3), Tübingen 1912, 113f., auch generell zum Sonderdasein Berlins; zu Fortwirkungen devianter Glaubenswelten noch im 19. Jahrhundert im östlichen Preußen: W. Mannhardt: Die praktischen Folgen des Aberglaubens, mit besonderer Berücksichtigung der Provinz Preußen, Berlin 1878, passim; mit Nachweis zahlreicher lokaler Überlieferungen: H. Frischbier: Hexenspruch und Zauberwahn. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870, Neudruck Hannover / Döhren 1970.

13 Des preußischen Stabsfeldpredigers Küster, Bruchstück seines Campagnelebens im siebenjährigen Kriege …, 2., vermehrte Auflage, Berlin 1791, 160-162, Zitat: 161.

14 So (zum Gesangbuchstreit und dann weiter ausholend) Christian Garve: Fragmente zur Schilderung des Geistes, des Charakters, und der Regierung Friedrichs des Zweyten, 1. Teil, benutzt in der späteren Ausgabe: Breslau 1801, 217, auch zum Argwohn der Untertanen gegenüber dem jungen Friedrich der Rheinsberger Jahre; zur Person Garves in Auswahl Rudolf Vierhaus: Christian Garve, in: Aufklärung 7,2 (1987), 135-137, hier: 135 (aus der Familie eines Färbereibesitzers); Werner Milch: Christian Garve, in: Friedrich Andreae, u.a. (Hg.): Schlesische Lebensbilder, 2. Bd., 2. Aufl., Sigmaringen 1965, 60-69, bes. 63, 68; persönliche Bekanntschaft mit Friedrich II.: Christian Wilhelm von Dohm: Denkwürdigkeiten meiner Zeit oder Beiträge zur Geschichte vom letzten Viertel des achtzehnten bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts 1778 bis 1806, 5. Bd., Lemgo / Hannover 1819, 281f. Garve hat Friedrich prinzipiell verteidigt; Gespräche mit dem König: Garve: Fragmente (wie Anm. 14), Bd. 1, III.

15 Zunächst exemplarisch: F(riedrich) Gedike / J(ohann) E(rich) Biester: König Friedrich der Große, in: Berlinische Monatsschrift 8 (1786), 280-292, hier: 284, 288f.

16 Garve: Fragmente, Bd. 1 (wie Anm. 14), 215f.

17 Quellen: K. R. Fickert (Hg.): Das Tagebuch des Feldpredigers J. F. Seegebart und sein Brief an J. D. Michaelis, ein Beitrag zur Geschichte des ersten Schlesischen Krieges, Breslau 1849, 22, 41 (bei der Einnahme Glogaus 1741 Rufe "Vivat der König von Preußen"); Eugen Träger (Hg.): Breslauisches Tagebuch von Johann Georg Steinberger 1740-1742. Im Auftrage des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, Breslau 1891, 53f.

18 Statt der schon umfänglichen Literatur der Quellendruck bei Gustav Berthold Volz (Hg.): Friedrich der Große im Spiegel seiner Zeit, 1. Bd., Berlin (1926), 210; vgl. auch Friedrich Holtze (Hg.): Chronistische Aufzeichnungen eines Berliners von 1704 bis 1758, in: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 36, Berlin 1899, 55-114, hier: 69-72; vgl. auch in der Wahrnehmung eines Landgeistlichen: Samuel Benedikt Carsted: Atzendorfer Chronik, hg. von der Historischen Commission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, bearb. von Eduard Stegmann, Magdeburg 1928, 415, zu 1745 und 1757, vgl. 455 Anm. 65 "… König Friedrich der Große".

19 Dazu vgl. generell meinen Berliner Akademievortrag: Wolfgang Neugebauer: Zur Geschichte des preußischen Untertanen – besonders im 18. Jahrhundert, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF 13 (2003), 141-161; so sind es dann auch im Tagebuch des Feldpredigers Seegebart 1741 die "bataillons und esquadrons des Königs", nicht des Staates, von denen die Rede ist. Fickert: Tagebuch (wie Anm. 17), 30.

20 Brief eines magdeburgischen Soldaten vom Sommer 1762 bei Georg Liebe: Preußische Soldatenbriefe aus dem Gebiet der Provinz Sachsen im 18. Jahrhundert, in: Hans Bleckwenn (Hg.): Preußische Soldatenbriefe (=Altpreußischer Kommiss, 19), Osnabrück 1982, 33f., vgl. noch 28.

21 G. Liebe: Soldatenbriefe (wie Anm. 20), 29f. (1758), 35f., hier auch das folgende Zitat.

22 Helga Schultz (Hg.): Der Roggenpreis und die Kriege des großen Königs. Chronik und Rezeptsammlung des Berliner Bäckermeisters Johann Friedrich Heyde 1740 bis 1786, Berlin [1988], 55, 58, 69, 73 ("Dankfest in hiesiger Residenz" und "im ganzen Lande"), "Preußen" meint hier Ostpreußen; Holtze: Chronistische Aufzeichnungen (wie Anm. 18), 109f. (Verkündung von Kriegsnachrichten); Jean Pierre Barthélemy Rouanet: Von Toúlouse bis Beeskow. Lebens-Erinnerungen, Berlin 2000, 110 ("Abschluß des Friedens, dessen Ratifikation unter Geleit von zwölf blasenden Postillons eintraf.").

23 Beispiele: Briefe Preußischer Soldaten aus den Feldzügen 1756 und 1757 über die Schlachten bei Lobositz und Prag (= Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des preußischen Heeres, 2), Berlin 1901, 1f., 7, 10, 12, 16f., 25, 46, und öfter, 31 (Brief eines Soldaten, 6. Oktober 1756): König "bedankt" sich nach der Schlacht bei den einzelnen Kompanien; Fickert: Tagebuch (wie Anm. 17), 27-30, 38, 46.

24 Fickert: Tagebuch (wie Anm. 17), 62; Küster: Bruchstück (wie Anm. 13), 53.

25 Küster: Bruchstück (wie Anm. 13), 167.

26 So bei dem gut informierten Friedrich Nicolai (Hg.): Anekdoten von König Friedrich II. von Preussen, und von einigen Personen, die um Ihn waren. Nebst Berichtigung einiger schon gedruckter Anekdoten, 4. Heft, Berlin / Stettin 1790, 69-72, Zitat: 71.

27 Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 30; Nicolai: Anekdoten (wie Anm. 26), 72.

28 Vgl. Anm. 10.

29 Bezeugt bei Dietrich Kerler (Hg.): Aus dem Siebenjährigen Krieg. Tagebuch des Musketiers Dominicus. Nebst ungedruckten Kriegs- und Soldatenliedern, München 1991, 59, 65 (Soldatenbrief); zum "Eydt, "dem Könige getreu zu bleiben", wiederum also als ganz personale Relation, siehe den Brief dieses Musketiers Dominikus bei Jürgen Kloosterhuis (Bearb.): Bauern, Bürger und Soldaten. Quellen zur Sozialisation des Militärsystems im preußischen Westfalen 1713-1803 (=Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, C 29), Münster 1992, 333 – zum folgenden; zur Anspruchslosigkeit vgl. Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 14, 19.

30 Briefe preußischer Soldaten (wie Anm. 23), 12f., 14ff., 20, 34, 36, 44f., 47f., 52, und öfter; Carsted: Chronik (wie Anm. 18), 14; Liebe: Soldatenbriefe (wie Anm. 20), 14; nach der Schlacht (Beispiel Zorndorf) wird von den Soldaten das "Te deum laudamus" gesungen, Predigt und Gesang "Nun danket alle Gott"; Kerler: Tagebuch Dominicus (wie Anm. 29), 41; vgl. auch den Brief des Grenadiers Johann Hermann Dresel, 15. Mai 1759, bei Kloosterhuis: Bauern (wie Anm. 29), 334.

31 Jan Peters / Hartmut Harnisch / Lieselott Enders: Märkische Bauerntagebücher des 18. und 19. Jahrhunderts. Selbstzeugnisse von Milchviehbauern aus Neuholland (=Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam, 23), Weimar 1989, 97.

32 GStA PK, in den Akten des kurmärkischen Konsistoriums bzw. Oberkonsistoriums, (Signatur zur Zeit der Benutzung:) Pr. Br. Rep. 40, Reg. Bez. Potsdam, Nr. 301, Protokoll vom 12. August 1778 (Kopie); vgl. zur Zeitlage Karl Heinrich Siegfried Rödenbeck: Tagebuch oder Geschichtskalender aus Friedrich 's des Großen Regentenleben …, 3. Bd., Berlin 1842, 188-190.

33 Druck des Berichts bei Wolfgang Neugebauer (Hg.): Schule und Absolutismus in Preußen. Akten zum preußischen Elementarschulwesen bis 1806, Berlin / New York 1992 (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 83), 631 (nach: GStA PK, Pr. Br. Rep 2 B, Abt. II, Nr. 1190).

34 Mit weiterer Literatur: Wolfgang Neugebauer: Das preußische Kabinett in Potsdam. Eine verfassungsgeschichtliche Studie zur fürstlichen Zentralsphäre in der Zeit des Absolutismus, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 44 (1993), 69-115, hier: 104; Bernhard Rogge: Die Hohenzollernstätten Potsdams und seiner Umgebung, Potsdam 1911, 19, mit guter Dokumentation der Ortskonstellation.

35 Vgl. die Archivalien in Anm. 32 und 33; Kolonie Fürstenwalde (1770er Jahre): GStA PK, Pr. Br. Rep. 2 B, Abt. II, Spezialakten Kurmark, Nr. 3444; Lieselott Enders: Die Prignitz. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis 18. Jahrhundert (=Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, 38), Potsdam 2000, 1033; dies.: Die Altmark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft in der Frühneuzeit (Ende des 15. bis Anfang des 19. Jahrhunderts) (=Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, 56), Berlin 2008, 396; zum folgenden Ernst Pfeiffer: Die Revuereisen Friedrichs des Grossen besonders die Schlesischen nach 1763 und der Zustand Schlesiens von 1763-1786, Berlin 1904, Neudruck Vaduz 1965, 24-32, 61ff. (Supplikanten), und öfter ; illustrative Quellen in dem (trotz des Titels) wichtigen Band von Carl Hinrichs (Hg.): Der allgegenwärtige König. Friedrich der Große im Kabinett und auf Inspektionsreisen, Berlin (1940), 124-290, mit zum Teil bis dahin unbenutzten Quellen.

36 Immediatkontakt Friedrichs mit der Landbevölkerung in Potsdam (zur Bedeutung des Blickkontaktes aus seinem Fenster vgl. Anm. 34) in der Verarbeitung der Ungerschen Anekdotensammlung bei [Christian Gottfried Daniel Stein]: Charakteristik Friedrichs des Zweiten, Königs von Preußen, 3 Teile, Berlin 1798, hier: Teil 2, 277, und zu "Friedrichs Leutseligkeit" allgemein 197-305; zu Immediatzugang und Rechtspraxis bei Friedrich: Gedike / Biester: König (wie Anm. 15), 290: "So wie Friedrichs oberster Richterstuhl jedem sich gedrückt glaubenden Unterthan offenstand, und Er mit nicht zu ermüdender Geduld die unstatthaftesten Beschwerden hörte, und den lästigen Beschwerer belehrte …"; vgl. auch Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 219.

37 Vgl. meine Studie in Anm. 19; mit weiterer, auch theoretischer Literatur, auf die hier indirekt Bezug genommen wird.

38 Mit weiterer Literatur Wolfgang Neugebauer: Preußen in der Historiographie. Epochen und Forschungsprobleme der Preußischen Geschichte, in: Handbuch (wie Anm. 2), 3-109, hier: 19f.; weiteres bei Dohm: Denkwürdigkeiten (wie Anm. 14), Bd. 5, 225f., 259-264, 289-296, 299, 395-423, 442f. (Richter).

39 Gedike / Biester: König (wie Anm. 15), 282.

40 Zu ihm mit weiterer Literatur Neugebauer: Büsching (wie Anm. 5); zu seinen Friedrich-Schriften ferner Reinhold Koser: Geschichte Friedrichs des Großen, 4. Bd., 4. u. 5. Aufl., Stuttgart / Berlin 1914, 127 (wichtig wegen "Mitteilungen aus Akten"); Anton Friedrich Büsching: Zuverläßige Beyträge zu der Regierungs-Geschichte König Friedrichs II. von Preußen, vornehmlich in Ansehung der Volksmenge, des Handels, der Finanzen und des Kriegsheers, Hamburg 1790, zum Material 18f.; ders.: Friedrich II. (wie Anm. 4), 206-210; aus guter Kenntnis Horst Möller: Fürstenstaat oder Bürgernation. Deutschland 1763-1815, Berlin 1998, 75.

41 Vgl. hier nur Leopold von Ranke: Zur eigenen Lebensgeschichte, hg. von Alfred Dove, Leipzig 1890, 383, die 2. Aufl. in Anm. 46; eine im Format veränderte, der ersten Hallenser Auflage folgende Fassung des bekannten (Raub-)Druckers Schmieder: Carlsruhe 1789, gibt sich als "zweyte Ausgabe".

42 Zum Beispiel F. L. Haller: Militärischer Charakter und merkwürdige Kriegsthaten Friedrichs des Einzigen Königs von Preußen nebst einem Anhang über einige seiner berühmtesten Feldherrn und verschiedene preußische Regimenter, Berlin 1796, bes. 21ff.; Otto Herrmann: Über die Quellen der Geschichte des siebenjährigen Krieges von Tempelhoff, Phil. Diss. Berlin 1885, 8ff.; wichtig zu dieser Literatur Jürgen Kloosterhuis: Der Husar aus dem Buch. Die Zietenbiographie der Frau von Blumenthal im Kontext der Pflege brandenburg-preußischer Militärtradition um 1800, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 52 (2001), 139-168, hier: 155f.

43 Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 3.

44 Vgl. noch weiteres bei Dohm: Denkwürdigkeiten, Bd. 5 (wie Anm. 14), 223f. (Formey); gegen die "religiöse Denkungsart Friedrichs".

45 Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 19, zur Spottlust: 21, folgendes: 16-18, 186f. Zur harten Behandlung seines Personals, offenbar nach Informationen aus der Umgebung Friedrichs, vgl. die Schöning-Passage, erstmals publiziert 1806, bei Volz: Spiegel (wie Anm. 18), Bd. 3, 204.

46 Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 239, 245, folgendes: 103f., 196-198. Zur Verarmung: Büsching: Friedrich II., 2. Aufl., Halle 1788, 206, vgl. in der 1. Aufl. 202-204, 207f., auch zu den Leistungen des Königs.

47 Vgl. Anm. 7; Büsching: Friedrich II., 1. Aufl. (wie Anm. 4), 79, 81, 83; gegen Büsching (mit weiteren Literaturangaben) Dohm: Denkwürdigkeiten, Bd. 5 (wie Anm. 14), 240-245, 247f.; und – gegen Büschings Informationen – (Johann Georg) Ritter von Zimmermann: Fragmente über Friedrich den Großen zur Geschichte seines Lebens, seiner Regierung, seines Charakters, 2. Bd., Leipzig 1790, 6f.; zu Zimmermann vgl. Dohm: Denkwürdigkeiten, Bd. 5 (wie Anm. 14), 378-388.

48 Möller: Aufklärung (wie Anm. 9), 356, 359f., Quellen: 335, mit den Nachweisen, vgl. Anm. 26, und die dort zitierte Publikation Nicolais.

49 Möller: Aufklärung (wie Anm. 9), 356.

50 [Julius Friedrich Knüppeln]: Widerlegung der Schrift des Ritters von Zimmermann über Friedrich den Großen, von einem Wahrheitsfreunde, Germanien 1788, 56; zur Person insbesondere [Julius Friedrich Knüppeln]: Büsten berlinischer Gelehrten und Künstler mit Devisen, Leipziger Ostermesse 1787, 146, 148, will "wahre Aufklärung … befördern"; vgl. auch ders.: Nachtrag zu den Büsten Berlinischer Gelehrten, Schriftsteller und Künstler, Halle 1792, 128-131.

51 Vgl. (mit eigenwilligen Interpretationen) Walter Grab: Die ironische "Leichenpredigt" des Hamburger Jakobiners Heinrich Würzer auf den Tod König Friedrich Wilhelms II. von Preußen, in: Wilhelm Treue (Hg.): Geschichte als Aufgabe. Festschrift für Otto Büsch zu seinem 60. Geburtstag, Berlin 1988, 145-158, zu seiner 1794 erschienenen, Friedrich II. verehrenden Schrift: 149; Dohm: Denkwürdigkeiten, Bd. 5 (wie Anm. 14), 432 ("Friedrich wird als Meister der Regenten dargestellt"); zu Würzer, nach 1788 zeitweilig in Berlin, vgl. noch Walter Grab: Heinrich Würzer im Spannungsfeld von Aufklärung und Revolution, in: ders.: Ein Volk muß seine Freiheit selbst erobern. Zur Geschichte der deutschen Jakobiner, Frankfurt a.M. / Olten / Wien 1984, 345-386, hier: 347f. (Bewunderer Friedrichs II.), Villaume: 352; vgl. Franklin Kopitzsch: Grundzüge einer Sozialgeschichte der Aufklärung in Hamburg und Altona, Teil 2 (=Beiträge zur Geschichte Hamburgs, 21), Hamburg 1982, 592, 624, 642; zu Villaume mit der Spezialliteratur und Edition seiner Schrift auf Friedrich den Großen (Berlin / Libau 1786): Wolfgang Neugebauer: "Von Friedrich soll ich reden – ich nenne Ihn nicht den Großen". Peter Villaumes Gedächtnisschrift auf Friedrich II. von 1786, in: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1986, Berlin 1986, 7-37; zu Villaume vgl. noch Rosemarie Wothge: Ein vergessener Pädagoge der Aufklärung: Peter Villaume (1746-1825), in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 6 (1956/57), 429-454, hier: 435f.; Helmut König: Zur Geschichte der Nationalerziehung in Deutschland im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, Berlin 1960, 353, 356, 365f., 485.

52 D. Julius Friedrich Knüppeln: Gemälde von Friedrich dem Einzigen, Leipzig 1792, Vorwort, unpaginiert; folgendes Zitat (gegen Büsching) in ders.: Widerlegung (wie Anm. 50), 7f., sodann 5f., und 13 (größter Monarch), Toleranz: 62f.

53 Knüppeln: Gemälde (wie Anm. 52), 98, 101f., "Liebe seines Volkes": 103 (auch zum folgenden).

54 Knüppeln: Gemälde (wie Anm. 52), 68f., das Folgende: 23, 68.

55 So (zum Ganzen nach wie vor grundlegend) Johannes Ziekursch: Friedrich von Cölln und der Tugendbund, in: Historische Vierteljahrschrift 12 (1909), 38-76, Zitat: 66, 65: begrenzte Originalität, Person: 38, 41ff., 43: sieht sich als "Jakobiner", Schriften: 69f.; zu Coellns Vertraute(n) Briefen über die innern Verhältnisse am Preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II., (1. Bd., Amsterdam-Cölln 1807) unter anderem Otto Tschirch: Geschichte der öffentlichen Meinung in Preußen vom Baseler Frieden bis zum Zusammenbruch des Staates (1795-1806) …, 2. Bd., Weimar 1934, 444f.; zur Regierungspraxis Friedrichs siehe Coelln: Briefe, 1. Bd., 104f.; zum Streit um Friedrich den Großen: Ein Wort im Vertrauen an Herrn Peter Hammer von Cöln. Betreffend die Schrift: Vertraute Briefe über die innern Verhältnisse am preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II., Berlin 1807, 16f.

56 Mit bemerkenswertem Titel: Oberst (Christian Frhr.) von Massenbach: Rückerinnerungen an große Männer, 1. Abteilung, Amsterdam 1808, 119-286: "Ueber Friedrich II., König von Preußen, und seine Schöpfung zwei Dezennien nach seinem Tode", hier zunächst 236-242, Religiösität: 180.

57 Massenbach: Rückerinnerungen (wie Anm. 56), Zitate: 137f., 264.

58 Massenbach: Rückerinnerungen (wie Anm. 56), 139-141; folgendes: 258; zum säkularen Hintergrund sei nur verwiesen auf Otto Brunner: Vom Gottesgnadentum zum monarchischen Prinzip: Der Weg der europäischen Monarchie seit dem hohen Mittelalter, zuerst 1956, wieder in: ders.: Neue Wege der Verfassungs- und Sozialgeschichte, 2., verm. Aufl., Göttingen 1968, 160-186, hier: 176-180.

59 Aus der Literatur vgl. nach wie vor Jakob Baxa: Adam Müller. Ein Lebensbild aus den Befreiungskriegen und aus der deutschen Restauration, Jena 1930, 156f.; Peter Paul Müller-Schmid: Adam Müller (1779-1829), in: Bernd Heidenreich (Hg.): Politische Theorien des 19. Jahrhunderts. Konservativismus, Liberalismus, Sozialismus, 2., neu bearb. Aufl., Berlin 2002, 109-138, hier: 115, 124.

60 So 1819 Dohm: Denkwürdigkeiten, Bd. 5 (wie Anm. 14), 443.

61 Ellwein / Brückmann: Friedrich (wie Anm. 2), 235: Adam Müller und Onno Klopp; zu letzterem weitere Literatur bei Neugebauer: Historiographie (wie Anm. 38), 32f., 37, 54, 77.

62 Adam Müller: Ueber König Friedrich II. und die Natur, Würde und Bestimmung der Preussischen Monarchie. Oeffentliche Vorlesungen, gehalten zu Berlin im Winter 1810, Berlin 1810, 34, folgendes Zitat: 54.

63 Massenbach: Rückerinnerungen (wie Anm. 56), 249-260; bei Müller: König (wie Anm. 62), 54-56.

64 Müller: König (wie Anm. 62), 54; das Folgende: 77f.

65 Müller: König (wie Anm. 62), 25.

66 Vgl. mit Quellennachweisen Wolfgang Neugebauer: Die preußischen Staatshistoriographen des 19. und 20. Jahrhunderts, in: ders. (Hg.): Das Thema "Preußen" in Wissenschaft und Wissenschaftspolitik des 19. und 20. Jahrhunderts, Berlin 2006, 17-60, hier: 32-38.

67 Vgl. den wichtigen Aufsatz von (Gustav Adolf Harald) Stenzel: Ueber die Behandlung der Geschichte des preußischen Staates, in: Jahrbücher der Geschichte und Politik 1837, 1. Bd., Leipzig (1837), 114-136, hier: 130: "Der Staat des großen Königs paßte wohl in das alte Staatensystem, aber nicht in das neue, durch die französische Revolution gegründete".

68 Vgl. die erste Auflage von Ranke: Neun Bücher (wie Anm. 4), Bd. 2, 14-18, 59-62.

69 Leopold von Ranke: Friedrich II. König von Preußen, zuerst 1878, wieder in: ders.: Abhandlungen und Versuche. Neue Sammlung, hg. von Alfred Dove und Theodor Wiedemann, Leipzig 1888, 357-401, hier: 384-386, Zitat: 386; zur älteren und neueren Ranke-Literatur die Nachweise bei Neugebauer: Historiographie (wie Anm. 38), 20-24, und öfter.

70 Ranke: Friedrich II. (wie Anm. 69), 384, Größe Friedrichs: 383.

71 So 1848 Ranke: Neun Bücher (wie Anm. 4), Bd. 3, Berlin 1848, 489f., zur Konzeption: Bd. 1, V-IX, Bd. 2, 118f.: "Ansprüche Preußens auf Schlesien"; vorsichtige "nationale" Töne 1878: Ranke: Friedrich II. (wie Anm. 69), 380f., 400.

72 Mit der Spezialliteratur Neugebauer: Historiographie (wie Anm. 38), 48f.; folgendes Zitat: Reinhold Koser: Geschichte Friedrichs des Großen, 3. Bd., 4. u. 5. Aufl., Stuttgart / Berlin 1913, 552-554, 558.

73 Vgl. zu Koser Ellwein / Brückmann: Friedrich (wie Anm. 2), 239; Sven Lange: Hans Delbrück und der "Strategiestreit". Kriegsführung und Kriegsgeschichte in der Kontroverse 1879-1914, Freiburg i. Br. 1995, 71 (national, aber realistisch, "differenziertes und realistisches Friedrich-Bild"); Frank Lothar Kroll: Friedrich der Große als Gestalt der europäischen Geschichtskultur, in: Brunhilde Wehinger (Hg.): Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, Berlin 2005, 185-198, hier: 191; zu Koser als Revision der (kleindeutsch-borussischen) Sicht Droysens: Wilfried Nippel: Johann Gustav Droysen. Ein Leben zwischen Wissenschaft und Politik, München 2008, 306; Bussmann: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 262f.; Skalweit: Problem (wie Anm. 2), 166, vgl. Anm. 72.

74 Zu Kuglers Friedrich-Buch vgl. Neugebauer: Historiographie (wie Anm. 38), 21; Ellwein / Brückmann, Friedrich (wie Anm. 2), 231; zum Bildwerk Chodowieckis (mit weiterer Literatur): Eckhart Hellmuth: Die "Wiedergeburt" Friedrichs des Großen und der "Tod fürs Vaterland". Zum patriotischen Selbstverständnis in Preußen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Aufklärung 10, 2 (1998), 23-54, hier: 29-31.

75 Mit weiteren Nachweisen: Neugebauer: Historiographie (wie Anm. 38), 35-38, 45ff.

76 Nachweise bei Herzeleide Henning / Eckart Henning (Bearb.): Bibliographie Friedrich der Große 1786-1986. Das Schrifttum des deutschen Sprachraums und der Übersetzungen aus Fremdsprachen, Berlin / New York 1988, 23f.; eine zeitgenössische Paraphrasierung und ein "Repertorium" der ersten 12 Bände in: Der Geist Friedrichs II. Königs von Preussen. Gezogen aus seinen hinterlassenen Werken, Wien 1789, zu Bd. 12: 202-208, und die Vorrede, unpaginiert.

77 Ausfertigung: Immediatbericht des Hausministers Fürst Wittgenstein, Berlin, 1. Dezember 1837, in den Akten des Königlichen Kabinetts: GStA PK, I. HA, Rep 89, Nr. 19483 – auch zum folgenden.

78 Abschrift: Kabinettsorder an Wittgenstein vom 17. Dezember 1837, GStA PK, I. HA, Rep. 76 V c , Sekt 1, Tit. XI, Teil VB, Nr. 2, Bd. 1: "… diejenigen Stellen, durch deren Veröffentlichung befreundete Regierungen verletzt werden können, eben so wie solche, durch welche … Privatverhältnisse unangenehm berührt werden, fortzulassen sind."

79 Vermerk Staegemanns: GStA PK, I. HA, Rep 89, Nr. 19483, o.D. [Sept. 1839].

80 Vgl. nur Hans Branig: Fürst Wittgenstein. Ein preußischer Staatsmann der Restaurationszeit, Köln / Wien 1981, 143-191.

81 Der Genese der wissenschaftlichen Friedrich-Editionen wird auf der Basis reichhaltigen, aber verstreuten und lückenhaften Materials an anderer Stelle nachzugehen sein; vgl. zunächst die Akte in Anm. 79.

82 Marginalie Friedrich Wilhelms IV. am Immediatbericht Wittgensteins, Abschrift: GStA PK, I. HA, Rep 76 V c , Sekt 1, Tit. XI, Teil VB, Nr. 2, Bd. 2 – Streit um den Siebenjährigen Krieg: zum folgenden Neugebauer: Historiographie (wie Anm. 38), 56f., mit weiterer Literatur; vgl. auch die Autobiographie: Max Lehmann, in: Sigfried Steinberg (Hg.): Die Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen, (Bd. 1), Leipzig 1925, 207-232, hier: 12, 16ff.

83 Gustav Berthold Volz (Hg.): Die politischen Testamente Friedrichs des Großen, Berlin 1920, vgl. IX-XII (Politische Correspondenz Friedrichs des Großen. Ergänzungsband).

84 Vgl. die Immediateingabe Schlegels vom 21. Oktober 1844: GStA PK, I. HA, Rep 96, Nr. 19484; vgl. Adolf Harnack: Geschichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Im Auftrage der Akademie bearbeitet, 1. Bd., 2. Hälfte, Berlin 1900, 896f., mit Ungenauigkeiten; Hans-Christof Kraus: Das preußische Königtum und Friedrich Wilhelm IV. aus der Sicht Ernst Ludwig von Gerlachs, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 36 (1987), 48-93, hier: 61.

85 Ernst Ludwig von Gerlach: Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795-1877, 1. Bd., Schwerin i. Meckl. 1903, 290f.; vgl. dazu noch Hans-Christof Kraus: Ernst Ludwig von Gerlach. Politisches Denken und Handeln eines preußischen Altkonservativen, 1. Teilband (=Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 53), Göttingen 1994, 204, zu "Gerlachs Absolutismuskritik"; Karl Erich Born: Die politischen Testamente Friedrichs des Großen, in: Seemacht und Geschichte. Festschrift zum 80. Geburtstag von Friedrich Ruge, hg. vom Deutschen Marineinstitut, Bonn / Bad Godesberg 1975, 13-28, hier: 13f.

86 GStA PK, I. HA, Rep 76 V c , Sekt 1, Sekt XI, Teil VB, Nr. 2, Bd. 2, Ausfertigung. Bericht der Akademie der Wissenschaften, datiert Berlin, 24. Februar 1842. Zur Verteilung der Prachtausgabe die Akte des Außenministeriums: GStA PK, III. HA, III, Nr. 18760; vgl. auch I. HA, Rep 89, Nr. 19486.

87 GStA PK, I. HA, Rep 178 (M), Tit. 14, Nr. 7, Vol. 1, Stücke ab 1875.

88 Schreiben Graf (Herbert) Bismarcks an den Staatsarchivdirektor Sybel, eighd., dat. Varzin, 21. Dezember 1877, ebd.

89 Mitgeteilt bei Wolfgang Neugebauer: Gustav Schmoller, Otto Hintze und die Arbeit an den Acta Borussica, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 48 (1997), 152-202, hier: 154, Anm. 9a.

90 Mit weiteren Nachweisen zum Beispiel Wolfgang Neugebauer: Zur preußischen Geschichtswissenschaft zwischen den Weltkriegen am Beispiel der Acta Borussica, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 50 (1999), 169-196; ders.: Historiographie (wie Anm. 38), 70f., mit weiterer Literatur.

91 Vgl. Anm. 90.

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Wolfgang Neugebauer
Friedrich als Risiko?
Friedrich der Große in der Sicht von Untertanen und Geschichtsschreibern

Das Bild Friedrichs des Großen in der Geschichte ist bestimmt durch Historiographie und Politik. Die Friedrich-Tradition basiert wesentlich auf Grundlagenwerken, die zwar keine plumpen Fälschungen enthalten, aber Auslassungen. Um ein Gesamtbild von Friedrich zu erhalten, lohnt es sich, die Sicht seiner Untertanen auf den König miteinzubeziehen. Für die Untertanen setzte sich der Monarch durch seine Regierungspraxis in Szene; auf seinen Revuereisen etwa konnte Friedrich direkt angesprochen werden. Solche Erlebnisse konstituierten eine recht unzeremoniöse Herrschaft in der lokalen Lebenswelt der Untertanen. Solche Szenen erhielten Genrecharakter und wurden durch die zeitgenössische Druckgraphik wiedergeben; sie wurden dadurch Teil des kollektiven Gedächtnisses. Diese schon bald stark stilisierte Unmittelbarkeit bestimmte das zeitgenössische wie das spätere Friedrich-Bild der Untertanen, und der darauf basierende Mythos prägte alsbald auch die Diskussion in der Geschichtsschreibung, wie sie bald bei seinem Tod einsetzte. Unsere Betrachtung dessen, was wohl die Sicht der Untertanen gewesen ist, verweist auf den starken Kontrast einer wissenschaftlichen Perspektive „von unten“ im Vergleich mit der Intellektuellen-Sicht der jeweiligen Epoche und der Nachwelt.

CC-BY 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
18. Jh.
Historiographie; Untertanen; Aufklärung; Anton Friedrich Büsching; Adam Müller
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W. Neugebauer: Friedrich als Risiko?
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/neugebauer_risiko
Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:35
Zugriff vom: 29.03.2017 19:04
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