Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

    R. Michaelis: Friedrich der Große im Spiegel der Werke des Daniel Nikolaus Chodowiecki

    Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

    Friedrich der Große im Spiegel der Werke des Daniel Nikolaus Chodowiecki

    Rainer Michaelis


    Abstract

    Chodowieckis kleinformatige Darstellungen des Königs waren keine Auftragsarbeiten des preußischen Hofes, von diesem aber grundsätzlich wohlwollend toleriert. Sie schildern den "ersten Diener seines Staates" als bescheiden, furchtlos und humorvoll, und doch als einen Monarchen, der wie seine Untertanen einen mühevollen Alltag zu bewältigen habe. Chodowieckis weit verbreitete Radierungen prägen bis heute das populäre Bild vom "Alten Fritz", das vor allem nach dem Tod Friedrichs des Großen im Jahre 1786 durch die vom Künstler illustrierte Anekdotenliteratur noch begünstigt wurde.

    <1>

    In seiner Werkstatt an der Berliner Brüderstrasse, unweit des Stadtschlosses, schuf Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726-1801) im J ahre 1758 die erste Darst ellung Friedrichs des Großen (Abb. 1). 1 Der König trägt offensichtlich die Uniform seines 1. Bataillons Leibgarde – Infanterie Regiment Nr. 15a – gebietet aber den Gardekürassieren.

    Abb. 1: D. N. Chodowiecki, Friedrich der Große. 1758, Radierung 315 x 219 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    Sein Pferd springt nach links, zugleich wird es nach vorn aus dem Bild heraus gelenkt, während die Blickrichtung des Reiters bereits rechts in den Hintergrund führt.
    Die Komposition orientiert sich an einer manieristischen Formel des späten 16. Jahrhunderts, nämlich der
    figura serpentinata . Die unbeholfene, ja hölzerne Statik des springenden Tieres findet man auch in der zeitgenössischen Malerei, 2 sie ist daher nicht als außergewöhnlich zu betrachten. Trotzdem "werden wir uns wohl dadurch überrascht fühlen, dass das Blatt … einen entschiedenen Eindruck macht. Zum Teil wirkt wohl die Wucht der heftigen Bewegung in der dominierenden Hauptfigur, mehr jedoch das Gebietende in Friedrichs wohlgetroffenem Kopfe; und aus dem Ganzen spricht die Wärme und Weihe des Selbsterlebten", so Chodowieckis Biograph Wolfgang von Oettingen. 3 Das Porträt des Königs ist von Georg Friedrich Schmidts (1712-1775) Kupferstich beeinflusst (Abb. 2), 4 der das berühmte Gemälde Antoine Pesnes (1683-1757) von 1739/40 reproduziert. Es handelte sich dabei um das letzte authentische Bild des Königs für bald 25 Jahre.

    Abb. 2: Georg Friedrich Schmidt, Friedrich der Große, Kupferstich 184 x 109 mm. 1746. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    <2>

    Zugleich sind sowohl Pesnes Gemälde als auch Schmidts Kupferstich von 1746 charakteristische Werke des friderizianischen Rokokos, einer Variante des internationalen Rokokos, das schlichthin auf die ersten beiden Regierungsjahrzehnte des großen Königs begrenzt wird. In diesem stilistischen Milieu ist Chodowieckis Radierung von 1758 angesiedelt. Sogar die Typographie, der Inhalt der Unterschrift sowie der an Wattestruktur erinnernde Fond von Schmidts Blatt wurden übernommen. Trotzdem kann man dem Kunstgelehrten Adam Weise beipflichten, der 1857 schrieb: "Von Manier oder Nachahmung Anderer wollte Chodowiecki nie etwas hören. Wie er sich selbst Alles verdankte, so fand er auch in sich die Mittel, jede Darstellung auf seine eigenthümliche Weise auszuführen, ohne sich dabei fremden Vorbildes zu bedienen." 5 Seit kurzem erst (1756) hatte sich der Autodidakt Daniel Nikolaus Chodowiecki mit der Radiertechnik beschäftigt. Da nimmt es nicht Wunder, dass er sich mit der Arbeit an der 31,5 x 21,9 cm messenden Druckplatte schwer tat. Zugleich handelt es sich hier um das erste Blatt, das er für den Verkauf in hohen Stückzahlen vorsah. Es erfuhr allerdings nur geringe Verbreitung. Immerhin aber lenkte diese Arbeit die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Tätigkeit Chodowieckis. Dies geschah mitten im Siebenjährigen Krieg, wo an gewichtige Aufträge für Künstler im unsicheren Berlin nicht zu denken war.

    <3>

    Die Freude, ja die Euphorie über den Hubertusburger Friedensschluss (1763) mag Chodowiecki zur Veröffentlichung einer Komposition (Abb. 3) bewogen haben, die Friedrich den Großen als Sieger und Friedensbringer feiert. 6 Ursprünglich eine heute verschollene Zeichnung, bewogen Freunde ihn, das als gelungen bewertete Blatt druckgraphisch zu vervielfältigen.

    Abb. 3: D. N. Chodowiecki, Der Friede bringt den König wieder. 1763, Radierung 432 x 293 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    In dieser Zeit hatte sich Chodowiecki vornehmlich einen Namen durch seine Miniaturporträts gemacht. Selbst der König war mit seinen Abbildern zufrieden, was sicher auch im Jahre 1764 zu Chodowieckis Ehrenmitgliedschaft als Miniaturenmaler in der Berliner Akademie führte. Doch im Jahr zuvor erlebte der Künstler eine böse Überraschung. Die erwähnte Komposition zieht alle Register barocken Inventars à la style Louis quatorze und kommt so – vorsichtig betrachtet – in die Nähe des großartigen, im Louvre aufbewahrten Alexanderzyklus (Abb. 4) des Charles Le Brun (1619-1690). 7

    Abb. 4: Charles Le Brun, Alexander und Porus, Lw.470 x 12.640 cm, Detail (Alexander), Paris Louvre. 1673.

    <4>

    Hierin aber besteht die Problematik, denn Chodowieckis Götter, Genien und Putten sind im Gegensatz zu denen des Versailler Meisters von dieser Welt . Alles besitzt einen gewissen Charme, ist eben nicht mehr Kunst in Berlin , sondern Berliner Kunst .
    Wer möchte auch dergestalt – hart an der Grenze zur Karikatur – geschildert werden? Es ist daher verständlich, dass selbst der Theaterliebhaber Friedrich die Theatralik der gut gemeinten Komposition entschieden missbilligte. Mit der Figur der Fama und den oben links erkennbaren Initialen
    FR auf dem Blatt von 1763 verband sich übrigens weitläufig eine Begebenheit des Jahres 1768 von der uns Christoph Friedrich Nicolai (1733-1811) berichtet und die Friedrichs grundsätzliche Haltung zur bildkünstlerischen Euphemie beleuchtet: "Im großen Marmorsaal im oberen Geschoß des neuen Schlosses bei Sanssouci malte Vanloo auf Befehl des Königs als Deckenstück eine Versammlung der Götter. Dieser Maler ließ sich einfallen, ein paar Famen darzustellen, die den Namenszug des Königs, mit Lorbeeren umkränzt, den versammelten Göttern darbringen. Der König besah dieses Deckenstück nicht eher, als bis der Saal schon beinahe fertig war … als er aber seinen Namenszug erblickte, wurde er äußerst entrüstet. Er befahl, dass augenblicklich alles sich darauf Beziehende gelöscht werden sollte … Vanloo konnte sich nicht anders helfen, als eine grüne Decke über den Namenszug zu malen … Wer dieses Deckenstück betrachtet und die Umstände nicht weiß, wird nicht begreifen können, warum die Famen den Göttern etwas Verdecktes darbringen. Es ist ein Denkmal der Bescheidenheit Friedrichs des Großen". 8 Diese Änderung am Plafond ist 1966/67 bei Restaurierungsarbeiten bestätigt worden. 9
    Der König kaufte die Druckplatte sowie sämtliche Abzüge. Sie wurden allesamt vernichtet. Die erwähnte Zeichnung aber soll er verschenkt haben. Sie gilt inzwischen als verschollen. Angeblich existierten 1857 noch 12 Abzüge, was die Drucke natürlich zu begehrten Sammlerstücken machte.
    10 Die beiden ersten autonomen Darstellungen König Friedrichs blieben also marginal, von Kennern allerdings sehr geschätzt. Daniel Nikolaus Chodowiecki war zeitlebens ein Suchender, der eigentlich nur zufällig stilistisch andere Kunstwerke bemühte.

    <5>

    1768 fertigte er eine Radierung, bei der es sich um die seitenverkehrte Kopie eines Gemäldes des 1748 an den preußischen Hof berufenen Charles-Philippe-Amédée Van Loo (1719-1795) handelt (Abb. 5). 11

    Abb. 5: D. N. Chodowiecki nach Charles-Philippe-Amédée Van Loo, Friedrich der Große. 1768, Radierung 131 x 63 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    Der Maler hatte das Bildnis in seiner Werkliste ausdrücklich als Original bezeichnet – was wohl als eine stattgehabte Porträtsitzung des Modells zu verstehen ist – und die Fertigstellung am 20. Februar 1767 dokumentiert. 12 Es ist eines der typischen Werke des tüchtigen savoyischen Malers Van Loo, der gerne mit Lorbeer geschmückte ovale Gefüge vor Mauerwerk als fiktive Rahmen verwendete. Dies wiederholte Chodowiecki präzise bei klarer Zurückhaltung eigener stilistischer Ambitionen, wohl aber mit kleineren Veränderungen gegenüber dem Vorbild. Wir wissen nicht, wer die Radierung veranlasste, wohl aber dies: "Das Bildnis des Königs, ähnlich und gut ausgeführt, wurde in bedeutender Anzahl verkauft, denn es wurde zur Zimmerverziehrung benutzt und sogar einige Copien von anderen Künstlern fanden grossen Absatz." 13

    <6>

    Seit 1773 arbeitete Chodowiecki für Johann Caspar Lavaters (1741-1801) ambitioniertes Werk, Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Nächstenliebe , 14 das zwischen 1775 und 1778 in 4 Bänden in Leipzig und Winterthur verlegt wurde. Auch Lavater war durch Chodowieckis Radierung von 1767 Der Abschied des Jean Calas 15 auf den Künstler aufmerksam geworden. Im Brief vom 10. Juli 1773 aus Zürich – Lavaters erste Kontaktaufnahme mit Chodowiecki – erwähnt er ausdrücklich das Blatt: "… die Leichtigkeit, womit Sie arbeiten, und die Güte Ihres Herzens, die aus Ihrem unvergleichlichen A Dieu de Calas hervorleuchtet – lässt mich hoffen …". 16 Zugleich bezeichnet er ihn dort als "den natürlichsten, den geistvollesten Zeichner unter den mir bekannten deutschen Meistern". 17 Anschließend formulierte Lavater umständlich die Bitte seines Auftrags mit genauen graphischen Anweisungen für einen Christuskopf im Profil : "Der Umriß müßte, ohne Härte – so bestimmt und scharf seyn, als möglich – alles bis auf jedes Häarchen müßte die überlegteste Bestimmtheit haben." 18 aber auch Porträts von Zeitgenossen wünschte Lavater derart ausgeführt. Am 4. Januar 1774 sandte Chodowiecki ihm daraufhin 116 Porträtzeichnungen auf 114 Bögen, worunter sich auch das Abbild des preußischen Königs befand. 19 "Ob sie alle Physionomisch richtig sind das kan ich nicht versprechen, aber die Mehresten sind recht sehr ähnlich", 20 kommentierte der Künstler im Begleitbrief die Sendung. Lavater wählte nur 14 Blätter aus. Im 4. Band der Physiognomischen Fragmente erschien 1778 schließlich das schön gezeichnete Profil Friedrichs des Großen (Abb. 6). 21 Es ist eine im Detail (Profilbildnis) gelungene Weiterentwicklung des Blattes von 1758.

    Abb. 6: D. N. Chodowiecki, Zwölf Köpfe berühmter Männer. 1774/1775, Radierung. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    <7>

    Johann Caspar Lavater integrierte die Komposition folgendermaßen in sein System: "Karrikatur oder Ideal? – Karrikatur, weil so viel von der Großheit; Ideal, weil so viel von den Zügen des Alters seiner naturlichen Physiognomie in diesem Gesichte mangelt. Großheit liegt immer noch, aber gewiß nicht genug auf dem beynahe geraden und dennoch so schiefen Umriß der Stirn und der Nase. Der Mund ist nicht wahr; versüßt; verkleinlicht." 22 Eine Ausnahme in dem hier untersuchten Feld stellt die 1776 gefertigte, 1777 als Titelvignette in Tielckes Denkwürdigkeiten des Siebenjährigen Krieges veröffentlichte Radierung dar (Abb. 7). 23 Die monumental gestaltete Figur – einem Unwetter, der siegreichen gegnerischen Kavallerie und dem Unglück der sich abwendenden Nike trotzend – ähnelt dem Typus des Kriegsgottes Mars. Eine Beziehung zu Friedrich dem Großen konnte nur durch Beschriftung hergestellt werden.

    Abb. 7: D. N. Chodowiecki, Friedrich im Unglück . 1776, Radierung. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    <8>

    Diese lautete ursprünglich: FRIEDRICH IM UNGLUECK MDCCLIX. So erst ist das Bild als Gleichnis auf die fürchterliche Niederlage des preußischen Militärs – beigebracht durch die russischen Soldaten in der Schlacht von Kunersdorf in der Neumark am 12. August 1759 – lesbar geworden. Die Unterschrift ist nach einigen Abzügen schließlich aus der Druckplatte geschliffen worden. Dass dies auf königlichen Wunsch geschah, wie immer gern behauptet wird, ist schon allein aufgrund der gewählten barocken Symbolik, die nämlich von "Größe im Unglück" berichtet, nicht vorstellbar. Daneben gibt es keine zeitgenössische Quelle, welche die Annahme stützt, es sei königlicher Wille gewesen, der die Veränderung forderte. 24 Merkwürdig bleibt die Figurine trotzdem, ähnelt diese doch überhaupt nicht dem "großen König". Vermutlich ist die Komposition dem Geschmack des Auftraggebers Gottlieb Tielcke geschuldet.

    <9>

    Das Hauptwerk der Friedrich-Ikonographie Chodowieckis entstand eigentlich schon 1772, bevor die Reproduktion fünf Jahre später für die eigentliche Popularität sorgte (Abb. 8). Die Gouache befand sich 1777 im Besitz eines Barons von Maltzan in Mecklenburg. Im Jahre 1908 erwarb sie der letzte deutsche Kaiser. 25

    Abb. 8: D. N. Chodowiecki, Friedrich der Große zur Besichtigung des 2. Bataillons Leibgarde reitend. 1772, Gouache 36 x 49,8 cm. Doorn, Stichting Huis Doorn, HuD 1712 (GK II 9519). Mit freundlicher Genehmigung der Stichting Huis Doorn .

    Streng profiliert bestimmen Ross und Reiter das Zentrum der Komposition. Friedrich ist wie auf der erwähnten Radierung von 1758 im Uniformrock (Interimsrock) des 1. Bataillons Leibgarde geschildert. Der König inspiziert das in Front gegangene 2. Bataillon Leibgarde. Rechts hinter dem Monarchen erkennt man von links nach rechts: den Prinz von Preußen (seit 1786 Friedrich Wilhelm II.) in der Uniform eines Generalmajors des angetretenen Bataillons, dann General Friedrich Ehrenreich von Ramin (1709-1782) – seit 1767 Gouverneur von Berlin und schließlich General Hans Joachim von Zieten (1699-1786) gefolgt von der Rückenansicht eines Adjutanten des Königs. Mit dieser Gruppe griff Chodowiecki tendenziell auf ein Kompositionsdetail vom rechten Rand des 1763 gedruckten Blattes (Abb. 3) zurück. 26 Wegen der Anwesenheit Ramins könnte hier ein "Marsfeld" in Berlin, wohl gar die bildkünstlerische Reflexion der Topographie des Tempelhofer Feldes gemeint sein?
    Die Figuren sind als trockene Addition auf den Fond appliziert. Beziehungen können und konnten nur durch historiographische Kenntnisse hergestellt werden. Das natürliche narrative Moment der Komposition wurde weitgehend zugunsten einer fiktiven Beschreibung außerhalb des Bildes suspendiert. "Ihr König von Preußen wird von jedermann bewundert"
    27 antwortete Lavater "franco Nürnbg." am 15. Juni 1776 Chodowiecki nach Berlin. Johann Caspar Lavater reagierte damit auf die Zeichnung, welche Johann Heinrich Lips (1758-1817) als Vorlage für eine Radierung diente (Abb. 9).

    Abb. 9: J. H. Lips nach D. N. Chodowiecki, Friedrich, der König von Preußen, zu Pferde 1776, Radierung 225 x 190 mm. Aus Johann Caspar Lavater, Physiognomische Fragmente, Bd. 3, Leipzig/Winterthur 1777.

    <10>

    Veröffentlicht wurde diese Darstellung 1777 im 3. Band der Physiognomischen Fragmente . Das Blatt ist dort betitelt: "Friedrich, der König von Preußen, zu Pferde" und von Lavater erläutert: "Mit unbeschreiblicher Neugier hab' ich vor zwölf Jahren den Moment erwartet, das Schrecken und Erstaunen von Europa von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Aber die unzähligen Porträte von ihm in Eins zusammengeschmolzen standen vor mir bis auf den Moment, wo – der Große, Er selber, vorbey ritt! …. ungefähr so, wie wir ihn hier erblicken. Wie die Sonne die Sterne verdrängt – weg auf einmal alle Bilder von ihm! … So war er … (so fern 's Kleinheit und Nadel und Einbildungskraft des Zeichners erreichen mag!) … und nicht wie Wille ihn herrlich metallisierte; Kilian verblaßte; Nilson – ver- nürnbergerte! – Recklam … ver … teufelte … Hedlinger vergötterte … Von allen Menschengesichtern ist noch keins vor mein Auge gekommen – das so ganz eigentlich zum Königsgesichte geschaffen zu seyn schien …> Ein großer Mann! < - … Ich rede izt nur von der Hauptform des Gesichtes – wovon uns leider das Beste durch den Hut – bedeckt, doch, aus dem sichtbaren Profile der Nase, leicht vermuthbar ist. Aus dieser Knochenform – was mußte daraus werden? … hohes Selbstgefühl, das in Menschverachtung ausarten muß, weil es seines gleichen nicht finden kann, und die Nächsten bey ihm – vielleicht gerade die Kleinsten sind. – Ja! Menschenverachtung – Siehe, aus dieser mit der Nase Lineal – gerade fortgehenden Stirne – muß sie auf Wang und Lippe fließen … Die Stellung ist nicht des muthingen Helden. Lasten von Jahren und Thaten, von Sorgen und Entwürfen scheinen auf seiner Schulter zu liegen … Der Spornlose Stiefel ist in so fern physiognomisch, als man ihn als Emblem voll Wahrheit und Bedeutung an sehen kann – wenigstens harmonirts mit der Nonchalance des Ganzen. – Das Pferd hat eine Königsphysiognomie, obgleich der Hals obenher um etwas zu dick ist. Der Tritt des Pferdes ist stolz=sanft mit gehaltenem Muthe.- …Orientalische, dumme Pracht, Schwelgerey und Luxus, der vormals das einzige Goldgehänge der Höfe war, wie erschrecklich zertrümmert und verjagtet! … Sparsamkeit und Ordnung, Regelmäßigkeit und Fleiß, schöne Künste und einen sogenannten Geschmack frey zu denken – wie hoch erhoben! – Das Jahrhundert trägt sein Bild, wie seine Uniform: Jahrhundert ohne Zweifel die größte Lobrede seines Namens – ". 28 Nur wenige Jahre später nennt Immanuel Kant (1724-1804) diese Periode sogar "das Zeitalter der Aufklärung oder das Jahrhundert Friedrichs". 29

    <11>

    Noch im selben Jahr, am 30. Mai 1777, bestellte der Berliner Buchhändler Himburg für 250 Taler bei Chodowiecki in Gravur einen König mit seiner Suite (Abb. 10). 30

    Abb. 10: D. N. Chodowiecki, Friedrich der Große zur Besichtigung des 2. Bataillons Leibgarde reitend. 1777, Radierung 238 x 315 mm, © SPSG. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG .

    Dabei bezieht der Auftraggeber seinen Wunsch auf die Gouache (Abb. 8) des Baron von Maltzan von 1772. In den Monaten Juni und Juli 1777 arbeitete der Künstler an dem Blatt, das er für einen Taler mittels nummerierter Vorbestellung vertrieb. Es handelt sich hier – wie sich bereits 1772 ankündigte – tatsächlich um die berühmteste Friedrich-Darstellung des 18. Jahrhunderts in Abhängigkeit von und im Wechsel mit dem Reiterbild in Lavaters Physiognomischen Fragmenten . Schon nach kurzer Zeit war wegen der großen Nachfrage eine 2. Auflage nötig. Kein geringerer als Gottfried Schadow brachte es in der 1849 veröffentlichten Autobiographie auf den Punkt: "Im Monat Mai waren der 20ste und 22ste die Tage der grossen Manöver … Chodowiecki nahm da seinen König zu Pferde im Profil, das beste, was die totale Erscheinung wiedergibt." 31 Seit 1777 gab es nun die volkstümlichste Darstellung des Alten Fritz , nach Otto Hintze: "… wie er in der Seele des Volkes und in Hunderten von Anekdoten lebte, zu eindrucksvoller typischer Darstellung gebracht". 32 Diese wurde nun von mehr als 30 Stechern wiederholt. 33 Damit war ein mächtiges Vertriebsnetz installiert. Die harte Linienführung des Reiters – einer Schablone ähnlich – bot darüber hinaus eine sehr gute Voraussetzung für Reproduktionen in verschiedenen Materialien. Chodowiecki hatte es verstanden, eine kommensurable Formel zu kreieren! Dadurch hatte er wesentlich zur Popularisierung Friedrichs und seiner Größe beigetragen!

    <12>

    Und: Diese beachtliche Konzentration gelang ihm knapp 20 Jahre später noch einmal mit einer Federzeichnung (Abb. 11). 34 Diese ziert einen Geschäftsbrief an den Freund Gottlieb Wilhelm Becker (1726–1801) in Dresden. Der Adressat war ein eifriger Sammler von Chodowieckis Arbeiten, was vielleicht die Platzierung der Zeichnung erklärt.

    Abb. 11: D. N. Chodowieckis Reiterbild Friedrichs des Großen. 1796 (Marginalie 85 x 105 mm). Blatt 172 x 105 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin. Zentralarchiv (Autograph, Mappe 0220).

    In brauner Feder mit kurzen, unruhigen Strichen ausgeführt, entwarf der peintre - graveur Chodowiecki eine vollendete Komposition, die einmal mehr seine souveränen künstlerischen Fertigkeiten demonstriert. Die hohe Qualität dieser Arbeit ist durchaus mit dem konzentrierten, spontanen Zeichenstil Leonardo da Vincis vergleichbar. Hierbei offenbart sich eine künstlerische Analogie zwischen dem Lombarden und dem Wahlberliner, welche wie natürlich aus der konkreten Aufgabe erwuchs, ohne dass direkte Einflussnahme möglich war, denn Chodowiecki konnte Leonardos Zeichnungen nicht kennen.

    <13>

    Am 28. Dezember 1784 berichteten die Berlinischen Nachrichten von dem hier geschilderten Ereignis (Abb. 12), das sich am 25. Dezember des Jahres im Berliner Stadtschloss zugetragen hatte. 35

    Abb. 12: D. N. Chodowiecki, Ziethen vor seinem Könige sitzend . 1786, Radierung 424 x 553 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    Bei der Paroleausgabe verzichtete der König bei seinem verdienten Husarengeneral Hans Joachim von Zieten (1699-1786) auf das sonst übliche militärische Reglement – das Strammstehen! Herablassend – in Front des Generalstabs sowie des Kronprinzen und der königlichen Prinzen – plaudert Friedrich mit einem treuen Veteran. Des Königs Profil ist dabei an der Zeichnung von 1774 orientiert (Abb. 6). Am 27. Februar 1786 schrieb Chodowiecki an die Gräfin Solms-Laubach "Ich habe meine große Platte seit 8 Tagen angefangen Zu radiren. Der König und Ziethen. Ich werde noch viel Plage damit haben eh sie fertig sein wird. Ich habe so viele Köpfe als Männer die Bey diesem Vorfall zugegen waren, mir haben sitzen wollen, nach dem Leben gezeichnet, Bisher finde ich diese weit Läufige Arbeit sehr unterhaltend". 36 Die Umrisse der Köpfe radierte der Künstler auf einer Platte und fügte sie als Personenschlüssel bei. 37 Mitte 1786 edierte Chodowiecki das Blatt, das er der "hinterlassenen Gattin des Helden ehrerbietigst gewidmet" hatte. Obgleich das Stück zum ungewöhnlich hohen Preis von einem Taler und 15 Silbergroschen angeboten wurde, waren selbst auf Vorbestellung gute Abzüge nur schwer zu bekommen. Der Gewinn des Künstlers belief sich dabei immerhin auf 500 Taler. Noch auf der Akademieausstellung des Jahres 1814 war eine variierte Kopie des graphischen Blattes in Seidenstickerei von einem gewissen Schellpfeffer zu sehen. 38
    Die Komposition Chodowieckis erinnert an einen Theaterprospekt. Rechts rahmt der Vorhang, links ein Kammerhusar die Szene. Eine mehr oder weniger gelungene Ausleuchtung hebt die Akteure hervor. Auch dort ist die strenge Addition vorherrschend. Nur schwer sind Interaktionen erkennbar – am ehesten zwischen Zieten und dem König – dargestellt durch die sich treffenden Blicke sowie durch die Berührung der Schulter des Sitzenden.

    <14>

    Nach dem Tod Friedrichs des Großen am 17. August 1786 und der Herausgabe seiner nachgelassenen Werke, den Korrespondenzen mit Jordan, dem Marquis d 'Argens, d 'Alembert und Voltaire nahm das allgemeine Interesse an dem großen Staatsmann und Philosophen sprunghaft zu. Dies zeigte sich vor allem an der nun produzierten Anekdotenliteratur, die den Oeuvre posthumes folgte, sie quasi als willkommene Quellenedition nutzte. Zwei Sammelwerke ragen aus dem Genre hervor, nämlich die seit 1786 vom Berliner Verleger Johann Friedrich Unger veröffentlichten 19 Hefte der Anekdoten und Charakterzüge aus dem Leben Friedrichs des Zweiten sowie die von 1788 bis 1792 von Christoph Friedrich Nicolai herausgegebenen 6 Hefte Anekdoten von König Friedrich II. von Preussen, und von einigen Personen, die um Ihn waren . 39 Mit den Illustrationen nach Ungers Publikation im Gothaischen Kalender für 1789 beginnt die Reihe von Chodowieckis Anekdotenbildern im engeren Sinn (Abb. 13).

    Abb. 13: D. N. Chodowiecki, 12 Darstellungen (je Radierung 89 x 50 mm) zu den Anekdoten und Charakterzügen Friedrichs II., Gothaischer Hofkalender 1789.

    <15>

    Der Künstler war mit Belletristik, Historiographie, Philosophie sowie Theologie durch eigene Lektüre gut vertraut. Sicher wählte er daher die für die Bildkunst geeigneten Szenen aus. Die Darstellungen wurden mit kurzen Erläuterungen versehen, um die Kongruenz zum Text nicht zu verlieren. Die Kompositionen sind gut beherrscht, Beziehungen zwischen den Handelnden hergestellt. "Bey dem Berliner und Gothaischen Calender ist es gebräuchlich, daß der Zeichner die erste Platte radirt, welche nachher, um die Menge der benöthigten Abdrücke zu bestreiten, von anderen etlichemahl copirt wird, und natürlicher Weise existieren alsdenn Original=Abdrücke" erläuterte Chodowiecki bereits 1780. 40
    Nehmen wir gleich das erste Bild (Abb. 14).

    Abb. 14: D. N. Chodowiecki, "Messieurs, der hat viel getan", Nr. 1 der 12 Darstellungen (je Radierung 89 x 50 mm) zu den Anekdoten und Charakterzügen Friedrichs II., Gothaischer Hofkalender 1789.

    <16>

    Die geschilderte, fiktive Anekdote spielt im Januar 1750. Nach ihr hatte Friedrich die Sarkophage seiner Vorfahren aus der alten Stiftskirche am Berliner Schloss in die Gruft des nach Plänen von Johann Boumann (1706-1776) ab 1747 errichteten Doms am Lustgarten überführen lassen. Bei dieser Gelegenheit ließ der König angeblich den Sarg des Großen Kurfürsten öffnen. Der durch den Bleimantel des Sarges konservierte Leichnam soll sich im vollen Staate, so wie er – vor damals 62 Jahren – bestattet worden war, den Augen der Anwesenden gezeigt haben. Chodowiecki lässt Friedrich die Hand seines bedeutenden Vorfahren berühren. Mit dem Dreispitz in der Rechten unterrichtet er: Messieurs, der hat viel gethan – und "Macht den Sarg wieder zu" weist er die im Hintergrund den Deckel haltenden Männer an. So können zum Beispiel die übrigen Darstellungen auch dieses Kalenders als eine Verschmelzung von brandenburg-preußischer Geschichte mit "Allzumenschlichem", von Historienbild mit dem Genrebild betrachtet werden. Die Persönlichkeit des preußischen Königs geht gewissermaßen im Alltag auf. Wie hoch diese Art von künstlerischem Schaffen bewertet wurde, kann man auch an der Tatsache ablesen, dass im Juli 1797 mit der Übernahme der Akademiedirektion durch Chodowiecki erstmalig mit dem Brauch gebrochen wurde, einen Historienmaler auf diesem Posten zu installieren.

    <17>

    Analog präsentieren sich seine Anekdotenillustrationen im Historisch Genealogischen Kalender der Berliner Academie der Wissenschaften von 1792 41 sowie dem des Jahres 1794. 42 Noch im selben Jahr schmückten Chodowieckis Arbeiten zur Fridericiana auch den in Lauenburg und Frankfurt am Main verlegten Königl. Grosbritanischen Genealogischen Calender . 43 Im Todesjahr des Künstlers – 1801 – erschienen in dem bei Unger gedruckten Militärischen Kalender 8 Blätter zu Steins Charakteristik Friedrichs II. 44 Als Gegenstück zum sitzenden Zieten schuf Chodowiecki im Jahre 1800, also 14 Jahre später, den schlafenden Zieten (Abb. 15) . 45

    Abb. 15: D. N. Chodowiecki, Friederich und Ziethen. Lasst ihn schlafen, er hatt lange genug für uns gewacht. 1800, Radierung 462 x 560 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    <18>

    Auch hier ist wieder ein Prospekt gewählt, der an ein Bühnenstück erinnert. Streng sind einerseits die Darsteller postiert. Zwei Kammerdiener flankieren links und rechts den Raum, zwei Rückfigurinen schließen ihn nach vorn hin ab, zwei Husaren "sekundieren" den dozierenden König, der die erstaunten Anwesenden darauf aufmerksam macht, dass Zieten schon lange wachsam war, so dass ihm jetzt durchaus Ruhe zu gewähren sei – auch an der königlichen Tafel! Diese als häuslich zu bezeichnende Szene wird auch dadurch belebt, dass im rechten Hintergrund zwei Rückenfiguren bei ungezwungenen Betrachtungen von Gemälden – offensichtlich sogar Götteramouren von Boucher – dargestellt werden, was eigentlich in mehrfacher Hinsicht als klarer Verstoß gegen die Etikette zu werten ist!

    <19>

    Die seit 1786 von Daniel Nikolaus Chodowiecki gezeichneten historischen Anekdoten reihen sich in einen Komplex ein, der die Vita Friedrichs des Großen auf vielfältige Weise bildkünstlerisch propagierte. Zu nennen wären da beispielsweise die bedeutenden Arbeiten von Edward Francis Cunningham (1741-1793), von Johann Christoph Frisch (1738-1815), von Christian Peter Jona Haas (1754 bis nach 1804), von Johann Gottlieb Puhlmann (1751-1826) oder von Christian Bernhardt Rode (1725-1797). 46 Chodowiecki schilderte den König in rund 50 Kompositionen. Dazu kamen einige vom Künstler wiederholte Varianten. Eine vergleichsweise geringe Stückzahl gemessen an Chodowieckis graphischem Oeuvre, welches circa 2.100 Radierungen umfasst. Wirklich weltberühmt und weithin wirksam, weil treffend wie eine Formel, wurde allerdings nur der Friedrich zu Pferde (Abb. 9).

    Autor:

    Dr. Rainer Michaelis
    Staatliche Museen zu Berlin
    Gemäldegalerie
    Stauffenbergstrasse 40
    D-10785 Berlin
    r.michaelis@smb.spk-berlin.de

    1 Wolfgang von Oettingen: Daniel Chodowiecki. Ein Berliner Künstlerleben im 18. Jahrhundert, Berlin 1895, 95f.; Jens-Heiner Bauer: Daniel Nikolaus Chodowiecki. Das druckgraphische Werk, Hannover 1982, Nr. 11; Elisabeth Wormsbächer: Daniel Nikolaus Chodowiecki. Erklärungen und Erläuterungen zu seinen Radierungen, Hannover 1988, 2.

    2 Vgl. Patrizia Consigli / Attilio Bertolucci / Federico Zeri / Gianni Cavazzini: La Battaglia nella Pittura del XVII e XVIII Secolo, Parma 1994, 149 Nr. 112.

    3 Oettingen: Chodowiecki (wie Anm.1), 96.

    4 Erstmalig wird hier der preußische König als Friedrich der Große deklariert. Dies war seit Ende des 2. Schlesischen Krieges im Dezember 1745 üblich geworden. Das populäre Blatt des preußischen Hofkupferstechers Schmidt steht damit am Beginn einer Tradition, welche mit einiger Sicherheit durch den König direkt autorisiert wurde. Vgl. Ignaz Joseph Erman Eduard Wessely: Kritische Verzeichnisse von Werken hervorragender Kupferstecher. 1. Band: Georg Friedrich Schmidt, Hamburg 1887, Nr. 42. Dort knüpfte Chodowiecki mit seiner Komposition an. Vgl. Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 11.

    5 Wilhelm Engelmann: Daniel Chodowiecki. Sämtliche Kupferstiche, Leipzig 1857, 46.

    6 Oettingen: Chodowiecki (wie Anm. 1), 97f.; Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 23; Wormsbächer: Chodowiecki (wie Anm. 1), 3f. Engelmann: Chodowiecki (wie Anm. 5), 39; Willi Geismeier: Daniel Chodowiecki, Leipzig 1993, 86-91.

    7 In Chodowieckis Privatsammlung waren französische Zeichnungen des 17. und 18. Jahrhunderts besonders zahlreich vertreten. Vgl. dazu Karl-Heinz Janda: Daniel Chodowiecki als Sammler, in: Festschrift Johannes Jahn zum XXII. November MCMLVII, Leipzig 1957, 296.

    8 Christoph Friedrich Nicolai: Anekdoten von Friedrich dem II. von Preussen, und von einigen Personen, die um Ihn waren. 6. Hefte, Berlin / Stettin 1788–1792, hier: Heft 3 (1789) 120 der Neuausgabe unter Berücksichtigung der modernen Rechtschreibung, München o.J.

    9 Gerd Bartoschek: Die Gemälde im Neuen Palais, Staatliche Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci 1976, 3, 6 Anm. 4 und 28 Nr. 199.

    10 Oettingen: Chodowiecki (wie Anm. 1), 97f.. Die Zeichnung soll der König verschenkt haben, so Adam Weise, in: Engelmann: Chodowiecki (wie Anm. 5), 39.

    11 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 51; Wormsbächer: Chodowiecki (wie Anm. 1), 7.

    12 Vielleicht ist das Vorbild identisch mit Ch. P. A. Van Loo, Bildnis Friedrichs des Großen, Lw. 80 x 65 cm, in: Paul Seidel /Alexander Amersdorfer: Ausstellungskatalog Friedrich der Große in der Kunst (Prachtausgabe), Berlin 1912, 40 Nr. 18 und Tafel 15; Vgl. auch Christine Roland: Charles-Philippe-Amédée Van Loo. Œuvres en Allemagne, F-Allouville-Bellefosse 1997 (Typoskript).

    13 Engelmann: Chodowiecki (wie Anm. 5), 40 (Adam Weise).

    14 1.Bd. (Erster Versuch), Leipzig / Winterthur 1775. Devise "Gott schuf den Menschen sich zum Bilde!" Zueignung an Carl Friedrich, Markgraf zu Baden. 2.Bd. (Zweiter Versuch), Leipzig / Winterthur 1776; Zueignung an Louise, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, Herzogin von Weimar. 3. Bd. (Dritter Versuch), Leipzig / Winterthur 1777; Zueignung an Friedrich Ludwig Wilhelm Christian, Landgraf zu Hessen-Homburg. 4. Bd. (Vierter Versuch), Leipzig / Winterthur 1778; Zueignung an den Fürsten und die Fürstin zu Dessau. Reprint: Edition Leipzig 1968/69.

    15 Diese Radierung (Bauer: Chodowiecki [wie Anm. 1], Nr. 50) war ein Schlüsselwerk. Ihm verdankte Chodowiecki seinen künstlerischen Durchbruch. Vgl. dazu Rainer Michaelis: "Les Adieux de Calas à sa famille". Daniel Chodowieckis Beitrag zum weltlichen Ereignisbild des 18. Jahrhunderts, in: Forschungen und Berichte. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin (Ost) 1987, Bd. 26, 171–176.

    16 Charlotte Steinbrucker (Hg.): Daniel Chodowiecki. Briefwechsel zwischen ihm und seinen Zeitgenossen. Band I: 1736 – 1786, Berlin 1919, 59 (73. Brief).

    17 Steinbrucker: Briefwechsel (wie Anm. 16), 58f. (73. Brief).

    18 Steinbrucker: Briefwechsel (wie Anm. 16), 59 (73. Brief).

    19 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 202; Wormsbächer: Chodowiecki (wie Anm. 1), 23.

    20 Steinbrucker: Chodowiecki (wie Anm. 16), 72 (97. Brief).

    21 VIII. Abschnitt, VIII. Fragment, 410 Nr. 1.

    22 Physiognomische Fragmente (wie Anm. 14), Bd. 4 (1778), VIII. Abschnitt, VIII. Fragment, 410.

    23 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 271; Wormsbächer: Chodowiecki (wie Anm. 1), 31. Mémoires pour servir à l 'art et à l 'histoire de la guerre de 1756-1763, etc. par J. Gottlieb Tielcke. VI Tomes, à Freyberg 1777.

    24 Vgl. dazu Wormsbächer: Chodowiecki (wie Anm. 1), 31 ("…weil höheren Orts unerwünscht…"); Bereits Oettingen: Chodowiecki (wie Anm. 1), 268 bei Anm. 7 (98), wies darauf hin, dass es keine zeitgenössische Quelle gebe, die belege, dass Chodowiecki in besondere Ungunst beim König gefallen sei.

    25 Daniel Nikolaus Chodowiecki, Friedrich der Große zur Besichtigung des Ersten Bataillons Garde reitend, Gouache 35 x 50 cm, Stichting Huis Doorn (HuD 1712). Die folgenden Ausführungen basieren auf der umfassenden Studie von Ingeborg Preuß: Daniel Chodowieckis "Roy à Cheval" und sein General Zieten zu Pferde, in: Berlinische Notizen. Zeitschrift des Vereins der Freunde und Förderer des Berlin Museums e.V. (Jubiläumsheft), Berlin 1987, 7–22.

    26 Friedrich der Große als Sammler und Mäzen, hg. von Johann Georg Prinz von Hohenzollern, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 1993, 112 Nr. 35 (Katalogeintrag von Helmut Börsch-Supan).

    27 Steinbrucker: Briefwechsel (wie Anm. 16), 163 (207. Brief). Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler – Lexicon, 22 Bde., München 1835–1852, hier: VII (1839), 557, Nr. 55, Johann Heinrich Lips: "Friedrich II. nach Chodowiecky".

    28 Physiognomische Fragmente (wie Anm. 14), III (1777), XII. Abschnitt, X. Fragment, 348ff. Radierung zwischen 348f.

    29 Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Vom 30. September 1784, in: Berlinische Monatsschrift, Berlin Dezember 1784 (Auswahlband von Peter Weber, Leipzig 1986, 89–96, hier: 95).

    30 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 409. Das Blatt wird nachweislich erst seit Ludwig Daniel Jacoby: Chodowiecki 's Werke. Oder Verzeichnis sämtlicher Kupferstiche, welche der verstorbene Herr Daniel Chodowiecki, Direktor der Königl. Preuss. Academie der Künste von 1758 bis 1800 verfertigt, und nach der Zeitfolge geordnet hat, Berlin 1808 (Nr. 196), fälschlich als Wachtparade in Potsdam bezeichnet. Dieser nach Chodowieckis Tod verwendete Terminus technicus "verdeckt" die Tatsache, dass im Hintergrund immerhin das 2. Bataillon Leibgarde (bildkünstlerisch verkürzt reflektiert) und nicht eine zahlenmäßig viel kleinere Schlosswache Aufstellung genommen hat (freundlicher Hinweis von Jürgen Kloosterhuis am 25. September 2009). Steinbrucker: Chodowiecki (wie Anm. 16), 199–201 (265. Brief); Preuß: Roy à Cheval (wie Anm. 25), 13.

    31 Götz Eckardt (Hg.): Johann Gottfried Schadow, Kunstwerke und Kunstansichten. Ein Quellenwerk zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte zwischen 1780 und 1845. Kommentierte Neuausgabe der Veröffentlichung von 1849, 3 Bde., Berlin 1987, hier: I, 10.

    32 Otto Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländischer Geschichte, Berlin 1915, 409.

    33 Edwin von Campe: Die graphischen Portraits Friedrichs des Großen aus seiner Zeit und ihre Vorbilder, München 1958, 13. Ergänzung, München 1970. Schon 1808 notierte Jacoby zur "Wachtparade" (wie Anm. 30, bei Jacoby Nr. 200a): "Ein leichter Contur … bestimmt, mit Wasserfarben auszumahlen, welche sehr häufig verlangt werden".

    34 Rainer Michaelis: Frédéric à Cheval. Eine Marginalie von Daniel Nikolaus Chodowiecki, in: Museums-Journal III /22. Jg., Berlin 2008, 18f.

    35 Gustav Berthold Volz: Die fridericianischen Anekdotenbilder, in: Gustav Berthold Volz: Aus der Welt Friedrichs des Großen, Dresden 1922, 167–178, hier: 177; Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 1225.

    36 Charlotte Steinbrucker (Hg.): Briefe Daniel Chodowieckis an die Gräfin Christiane von Solms-Laubach, Straßburg 1928, 79.

    37 Engelmann: Chodowiecki (wie Anm. 5), 296 Nr. 566.

    38 Die Kataloge der Berliner Akademieausstellungen 1786 – 1850 (Hg. von Helmut Börsch-Supan), Berlin 1971, 32 Nr. 211 "Ziethen sitzend vor seinem Könige, nach Chodowiecky, mit einigen Abänderungen".

    39 Volz: Anekdotenbilder (wie Anm. 35), 167–178.

    40 "Herrn Chodowiecki 's Vertheidigung gegen zween Aufsätze im 3ten Heft dieser Miscellaneen Seiten 23 – 46", 26–31, in: Johann Georg Meusel: Miscellaneen artistischen Inhalts, Erfurt 1780, 4. Heft, 29.

    41 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nrn. 1587 – 1598.

    42 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nrn. 1677–1688.

    43 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nrn. 1695–1700.

    44 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nrn. 2019–2026.

    45 Bauer: Chodowiecki (wie Anm. 1), Nr. 2040.

    46 Vgl. dazu Rainer Michaelis: Das weltliche Ereignisbild im Brandenburg-Preußen des 18. Jahrhunderts. Eine gattungstypologische Studie, Phil. Diss. Berlin 1987 (Typoskript).

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

    PSJ Metadata
    Rainer Michaelis
    Friedrich der Große im Spiegel der Werke des Daniel Nikolaus Chodowiecki
    Chodowieckis kleinformatige Darstellungen des Königs waren keine Auftragsarbeiten des preußischen Hofes, von diesem aber grundsätzlich wohlwollend toleriert. Sie schildern den "ersten Diener seines Staates" als bescheiden, furchtlos und humorvoll, und doch als einen Monarchen, der wie seine Untertanen einen mühevollen Alltag zu bewältigen habe. Chodowieckis weit verbreitete Radierungen prägen bis heute das populäre Bild vom "Alten Fritz", das vor allem nach dem Tod Friedrichs des Großen im Jahre 1786 durch die vom Künstler illustrierte Anekdotenliteratur noch begünstigt wurde.
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Preußen bis 1947
    Malerei und Gemälde
    18. Jh.
    Miniaturporträts Anekdotenillustration Ereignisbild Fridericiana Physiognomie
    Abbildung 1 Abbildung 1 D. N. Chodowiecki, Friedrich der Große. 1758, Radierung 315 x 219 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 2 Abbildung 2 Georg Friedrich Schmidt, Friedrich der Große, Kupferstich 184 x 109 mm. 1746. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 3 Abbildung 3 D. N. Chodowiecki, Der Friede bringt den König wieder. 1763, Radierung 432 x 293 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 4 Abbildung 4 Charles Le Brun, Alexander und Porus, Lw.470 x 12.640 cm, Detail (Alexander), Paris Louvre. 1673.
    Abbildung 5 Abbildung 5 D. N. Chodowiecki nach Charles-Philippe-Amédée Van Loo, Friedrich der Große. 1768, Radierung 131 x 63 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 6 Abbildung 6 D. N. Chodowiecki, Zwölf Köpfe berühmter Männer. 1774/1775, Radierung. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 7 Abbildung 7 D. N. Chodowiecki, Friedrich im Unglück. 1776, Radierung. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 8 Abbildung 8 D. N. Chodowiecki, Friedrich der Große zur Besichtigung des 2. Bataillons Leibgarde reitend. 1772, Gouache 36 x 49,8 cm. Doorn, Stichting Huis Doorn, HuD 1712 (GK II 9519). Mit freundlicher Genehmigung der Stichting Huis Doorn.
    Abbildung 9 Abbildung 9 J. H. Lips nach D. N. Chodowiecki, Friedrich, der König von Preußen, zu Pferde 1776, Radierung 225 x 190 mm. Aus Johann Caspar Lavater, Physiognomische Fragmente, Bd. 3, Leipzig/Winterthur 1777.
    Abbildung 10 Abbildung 10 D. N. Chodowiecki, Friedrich der Große zur Besichtigung des 2. Bataillons Leibgarde reitend. 1777, Radierung 238 x 315 mm, © SPSG. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.
    Abbildung 11 Abbildung 11 D. N. Chodowieckis Reiterbild Friedrichs des Großen. 1796 (Marginalie 85 x 105 mm). Blatt 172 x 105 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin. Zentralarchiv (Autograph, Mappe 0220).
    Abbildung 12 Abbildung 12 D. N. Chodowiecki, Ziethen vor seinem Könige sitzend. 1786, Radierung 424 x 553 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    Abbildung 13 Abbildung 13 D. N. Chodowiecki, 12 Darstellungen (je Radierung 89 x 50 mm) zu den Anekdoten und Charakterzügen Friedrichs II., Gothaischer Hofkalender 1789.
    Abbildung 14 Abbildung 14 D. N. Chodowiecki, "Messieurs, der hat viel getan", Nr. 1 der 12 Darstellungen (je Radierung 89 x 50 mm) zu den Anekdoten und Charakterzügen Friedrichs II., Gothaischer Hofkalender 1789.
    Abbildung 15 Abbildung 15 D. N. Chodowiecki, Friederich und Ziethen. Lasst ihn schlafen, er hatt lange genug für uns gewacht. 1800, Radierung 462 x 560 mm. Mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
    PDF document michaelis_chodowiecki.doc.pdf — PDF document, 1.30 MB
    R. Michaelis: Friedrich der Große im Spiegel der Werke des Daniel Nikolaus Chodowiecki
    In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/michaelis_chodowiecki
    Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:50
    Zugriff vom: 20.11.2017 18:28
    abgelegt unter: