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J. Luh: Friedrichs Wille zur Größe

Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

Friedrichs Wille zur Größe

Überlegung und Einführung

Jürgen Luh


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"Friedrich und die historische Größe" ist das dritte Colloquium einer Tagungsreihe über den preußischen König Friedrich II., die von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 2007 ins Leben gerufen wurde und die bis 2012, bis in das Jahr von Friedrichs 300. Geburtstag, fortgesetzt werden wird. Dies wäre nicht möglich ohne unsere Partner und deren großes Engagement: die Stiftung Preußische Seehandlung, die die Tagungen von Beginn an mit Rat und Tat begleitet, das Deutsche Historische Institut Paris, das uns eine wesentliche wissenschaftliche Stütze ist, sowie das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, das uns seine Räumlichkeiten und die Logistik zur Verfügung stellt.

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"Friedrich und die historische Größe" ist ein Thema, das polarisiert; das Epitheton "der Große" wurde und wird ihm nicht unwidersprochen zugebilligt. Der König war schon im 19. und 20. Jahrhundert eine umkämpfte Gestalt der deutschen Geschichte: den einen, der großen Mehrheit in Wissenschaft und Publikum, ein Genie, ein Held, das Vorbild schlechthin, eben der "Große"; den anderen, einer akademischen Minderheit und einem kleinen Teil der Bevölkerung, ein Kriegstreiber, ein Menschenverächter, ja die personifizierte Gefahr; ihnen war Friedrich bestenfalls der Zweite.

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Diese, hier zugegebenermaßen zugespitzten Sichtweisen konturierten das allgemeine Bild Friedrichs, bestimmten seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts – und bestimmen es zum Teil noch heute. 1 Doch wurde und wird mit dem preußischen König ein Monarch zum "Großen", der ohne Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit war. Als "groß" jedenfalls galt er bereits den Zeitgenossen seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts.

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Wie aber hat er selbst sich zu seiner "Größe" verhalten? Hat er seinen Beinamen befördert, hat er damit kokettiert oder war ihm diese Bezeichnung, mochte sie auch politisch ihren Zweck erfüllen, eher egal oder sogar zuwider? Die Antwort auf diese Frage lautet: Friedrich, da gibt es keinen Zweifel, wollte ein "Großer" sein. Hätte man ihn danach gefragt, hätte er dies jedoch heftig bestritten. Er hätte geantwortet, ihm seien seine Person und sein Befinden völlig unwichtig, er wolle mit all seinem Handeln lediglich seiner Pflicht als Herrscher gegenüber seinem Staat und seinen Untertanen genügen, so wie er das in verschiedenen Zusammenhängen bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer wieder geäußert hat.

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Die Zunft der Historiker hat bislang aus verschiedenen zeit- und gesellschaftsbedingten Motiven solchen Sätzen und Aussprüchen des Königs Glauben geschenkt. Sie hat auch im Falle Friedrichs angenommen, dass "der Beiname 'der Große' [...] von keiner andern nachweisbaren Instanz als der anonymen Macht der Geschichte" verliehen worden ist, so Theodor Schieder in seinem 1983 erschienenen Buch "Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche" in dem Kapitel "Friedrich II. und sein Beiname 'der Große'. Reflexionen über historische Größe". 2

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Theodor Schieder hielt in diesem Kapitel ferner fest: "Als Friedrich auf dem Gipfel seiner frühesten militärischen Erfolge, nach dem Frieden von Dresden, der den zweiten Schlesischen Krieg mit den Siegen von Hohenfriedberg, Soor und Kesselsdorf beendete, am 28. Dezember 1745 nach Berlin zurückkehrte, wurde ihm dort ein triumphaler Empfang, eine 'Einholung des Herrschers' im Stil der Zeit bereitet. Davon besitzen wir ausführliche Darstellungen, wie auch von weiteren etwa zwanzig Siegesfeiern, so in Magdeburg, Königsberg, Halle, Stettin. Auf die Frage nach der Regie solcher Kundgebungen gestattet der Stand der Überlieferung leider keine klare Antwort. Es fällt nur auf, daß der Hof sich offensichtlich zurückhielt, allerdings das Haus des Oberhofmarschalls und Etatministers Graf von Beer unter den illuminierten Gebäuden ausdrücklich genannt wird, und bei diesem Triumph des siegreichen Königs viel von Bürgerschaft und Bürgern, Kaufleuten und Handwerkern die Rede ist, daß die französischen Kolonisten besonders genannt werden und die Berliner Judenschaft einen eigenen Festakt beging. Bemerkenswert aber ist die Verbindung des triumphalen Adventus mit der Proklamation des Fridericus Magnus. Eine Kompanie junger Kaufleute zu Pferde brachte als erste 'ein dreymaliges Vivat Friedrich der Große' aus, während die Chorschüler sämtlicher Neu-Cöllnschen Kirchen- und Schulbediensteten die römische Titulatur 'Vivat, vivat Fridericus Rex, Victor, Augustus, Magnus, Felix, Pater Patriae' musikalisch anstimmten. Ein zeitgenössischer Bericht spricht davon, daß das 'Vivat Fridericus Magnus!' bei der abendlichen Illumination beinahe an allen Häusern gewesen sei. [...] Daß Friedrich an der ersten Proklamation zum Magnus selbst seine Hand im Spiel hatte, ist höchst unwahrscheinlich, wenn nicht auszuschließen." 3

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Vor dem Hintergrund von Friedrichs Bemühungen um die Publizistik, 4 scheint dieses Resümee allerdings wenig zutreffend. Im Gegenteil: Dass Friedrich bei dieser ersten öffentlichen Proklamation zum "Großen" selbst seine Hand im Spiel hatte, ist höchst wahrscheinlich, wenn nicht unzweifelhaft. Allein der Ablauf von Friedrichs Einzug in die Hauptstadt spricht dafür. Denn dieser Einzug war wohlgeordnet, was gleichbedeutend ist mit: angeordnet. Der Einzug am 28. Dezember 1745 verlief sehr ähnlich der Ankunft Friedrichs in Berlin 1742, nach dem ersten Schlesischen Krieg, von der genau bekannt ist, dass sie vom König und seinen Ministern geplant war. 5

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Wie drei Jahre zuvor wussten die Bürger auch 1745, an welchem Ort sich Friedrich zu welcher Zeit aufhalten würde. Es ist unmöglich, dass die Berliner beides, den Zeitplan und den Weg, den der König nahm, hätten erraten können; spontan war also nichts. Die viel besprochenen, aber wohl wenig gelesenen Berichte von des Königs Ankunft erweisen dies: "... versamleten sich Vormittags um 11 Uhr die Bürgerschaften hiesiger Städte" – Berlin und Cölln – "vor den Wohnungen ihrer Capitains, und marschirten sodann von da mit fliegenden Fahnen, und unter dem Klange eines völligen militärischen Spiels, auf die ihnen angewiesene Posten ....". Weiter heißt es: "... formirten von dem Königl. Schlosse ab bis an das äußerste Cottbusser-Thor eine doppelte Reihe, eine fast halbe Meile lang." 6 Auch: "Die vereinigten Deutschen und Frantzösichen Cadets hatten zur Bezeugung ihrer allerunterthänigsten Freude eine eigene wohl eingerichtete Compagnie zu Fuß formiret". 7 Nichts davon wäre ohne ausdrücklichen Befehl von Vorgesetzten, ohne "allerhöchste", also königliche, Genehmigung möglich gewesen.

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Gegen eine "spontane" Bekundung spricht auch dies: Vor der Cöllnischen Schule hatten sich "auf Anordnung des Herrn Probstem, Süßmilchs, sowohl alle Prediger der Petri Kirche, als auch die Schul-Herrn und studirte Jugend des Cöllnischen Gymnasiums, alda versammlet", und "mussten die Chor-Schüler, indem sich Se. Königl. Majestät näherten" dreimal die Worte "Vivat, Vivat Fridericus Rex, Victor Augustus, Magnus, Felix Pater Patriae!" anstimmen, so sagt die Beschreibung des Triumphirenden Einzuges . Nach der Beschreibung ... bey Ankunft aus Dresden rufen die Gymnasiasten jedoch: "Vivat Vivat Vivat Fridericus – Rex Pius Augustus Pater Patriae". Das ist ein auffälliger Unterschied. Einmal wird Friedrich zum Großen, einmal wird er es nicht.

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Sieht man sich diese Schriften an, stellt man fest, ein "Magnus" wird Friedrich bei "A. Haude, und Johann Carl Spener. Königl. und der Akademie der Wissenschaften privilegirten Buchhändlern" zuteil, bei dem Verlag also, den der König oder sein Ministerium anweisen konnte, Entsprechendes zu drucken. Denn Haude wurde am 31. Dezember 1740 schon befohlen: "... von Seiner Königl. Mt. Höchsten affairen und angelegenheiten, von nun an seinen Gazetten weiter nicht das Geringste, es habe Nahmen, wie es immer wolle, einfließen zu lassen, wenn er vorher nicht dazu Erlaubnis erhalten." 8 In dem ohne Angabe von Verlag und Erscheinungsort publizierten Druck wird Friedrich dagegen nur als frommer Vater der Vaterlandes gewürdigt; hier wird von den weniger Gebildeten lediglich "ein frohes Es-lebe-der-König" gerufen.

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Was uns zu der Frage verleiten könnte, ob der König bei seinem Einzug in Berlin tatsächlich als "Großer" angesprochen wurde – oder ob dies einzig auf einen bestellten Bericht in der Zeitung zurückgeht. Denn von dem "Vivat Friedrich der Große" der "jungen Kaufleute zu Pferde" und einer Illumination Vivat Fridericus Magnus! "beinahe an allen Häusern" 9 weiß der anonyme Druck ebenfalls nichts zu erzählen. Dies sind – zugegebenermaßen – lediglich Indizien dafür, dass Friedrich seine Größe selbst fabriziert hat; es sind aber doch recht sprechende Indizien.

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Weitere kommen hinzu, so die Tatsache, dass Friedrich bei dem am 12. Januar 1746 begangenen Breslauer "Lob- und Danck-Tag" für den am "25. December verstrichenen 1745. Jahres" geschlossenen Frieden zwar allgemein als "großer König", "glorreicher Monarch", als "Held" und "Herr" oder "Perseus von Preußen" bezeichnet wurde, nicht aber ausdrücklich, wie in der Haudeschen Schrift, als "Friedrich der Große". 10 Erklärlich wird vor diesem Hintergrund umso mehr, wie stark dem Anlass geschuldet Friedrichs erstmalige Nennung unter dem Beinamen "der Große" gewesen sein wird. Bezieht man auch dies mit ein, ist geradezu auszuschließen, dass der König nicht auf eine wie auch immer geartete Weise an der Inszenierung vom Dezember 1745 mitgewirkt hat.

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"Es war ein Franzose", wie Theodor Schieder hervorhebt, "der den Beinamen zuerst verwandte." 11 Voltaire schrieb an Friedrich im März 1737: "Fahren Sie fort, großer Prinz, großer Mann, das Ungeheuer des Aberglaubens und des Fanatismus zu bekämpfen, diesen wahrhaften Feind der Gottheit und der Vernunft, und seien Sie der König der Philosophen, denn andere Fürsten sind nur die Könige der gewöhnlichen Menschen." 12 Und im Juli 1742: "Der Herr Aderlasser der Nationen, Friedrich III." – ein Schreibfehler Voltaires – "Friedrich der Große, hat mein Flehen [um Frieden, J.L.] erhört. [...] Es gibt Kleinigkeiten, die ein kleiner Bürger nur mit Mühen bewältigt, während Friedrich der Große so Großes [den Frieden und Taten im Stile Ludwigs XIV., J.L.] in einem Augenblick vollbringt." 13 Beide Briefstellen werden von den Friedrich-Biographen als Belege dafür präsentiert, dass der König ganz ohne eigenes Zutun von dem seine Zeit prägenden Franzosen als "groß" empfunden und benannt wurde. 14

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Aber sind Voltaires Worte wirklich unbeeinflusst und ohne Friedrichs Zutun geschrieben worden? Nach einem ersten Blick in die Korrespondenz zwischen König und Philosoph möchte man sagen: ja, ganz genau wie die meisten Historiker es bisher verstanden haben. Denn in der Tat scheint Voltaire, wenn man in die Editionen der Korrespondenz schaut, Friedrich unaufgefordert und unvermittelt als "groß" bezeichnet zu haben. Doch ist dieser Eindruck der Anordnung der Briefe in den verschiedenen Editionen geschuldet. In sämtlichen Ausgaben sind die Briefe – ganz selbstverständlich – nach dem Datum ihrer Niederschrift geordnet. Gleichwohl lässt sich nicht jeder Brief als eine Antwort auf den zuvor abgedruckten auffassen. Stellt man den Zusammenhang von Rede und Gegenrede wieder her, so ergibt sich ein anderes Bild.

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Liest man den Briefwechsel von 1737 genauer, so stellt man fest, dass Voltaire den Satz mit den Worten "großer Prinz" und "großer Mann" nicht unvermittelt und schon gar nicht angetrieben durch die "anonyme Macht der Geschichte" im März 1737 zu Papier gebracht hat. Denn Voltaire antwortete Friedrich nicht auf dessen unmittelbar vorangehenden Brief vom 6. März 1737, auch nicht auf dessen zwei Briefe vom Februar oder den vom Januar des Jahres, sondern erst auf das Schreiben Friedrichs vom Dezember 1736. Voltaire hat diesen Dezember-Brief nämlich erst im März gelesen, nachdem er aus Amsterdam, wo er sich über den Winter aufgehalten hatte, nach Cirey zurückgekehrt war, wohin Friedrich seinen Brief adressiert hatte.

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In jenem Brief hatte Friedrich das Thema Größe, Ruhm und Glanz angesprochen und zwar am Beispiel Ludwigs XIV. von Frankreich: "Ludwig XIV. war ein durch zahllose treffliche Eigenschaften hervorragender Fürst; ein Sprachfehler, ein Versehen in der Orthographie konnte in nichts den Glanz seines Ruhmes trüben, welcher durch so viele Großtaten, die ihn unsterblich gemacht haben, fest begründet ist", schrieb der Kronprinz. Um dann sich selbst vergleichend in den Mittelpunkt seiner Ausführungen zu stellen: "Ich bin durch nichts hervorragend. Nur mein Fleiß wird mich dereinst vielleicht meinem Vaterlande nützlich machen können, und das ist auch der ganze Ruhm, nach dem ich strebe." Genau diese Äußerungen sind – in anderem Zusammenhang betrachtet – als Ausweis der Bescheidenheit Friedrichs gewertet worden. Doch sollte man – insbesondere bei einer stärker adressatenorientierten Lektüre der Briefe – solcherart präsentierte Bescheidenheit nicht vielmehr als das bewusste, sehnsüchtige Evozieren einer schmeichelhaften Antwort des vielbewunderten Voltaires auffassen? Fishing for compliments würde man heute neu-deutsch sagen. So konnte die Antwort natürlich nur lauten: Nein, auch Sie sind hervorragend, Sie sind, weil Sie sich anders als die anderen Regenten unserer Zeit für die Aufklärung der Menschheit und die Vernunft einsetzen, ein "großer Prinz", ein "großer Mann". Mit anderen Worten: Friedrich hat diese Worte Voltaires durch das Arrangement seines Briefes provoziert, unausgesprochen hatte er dabei auch seine Stellung als Dynast in Anschlag gebracht, der Voltaire Rechnung tragen musste und – wollte. 15

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Mit der erstmaligen Benennung "Friedrich der Große" 1742 sieht es nicht anders aus. Bevor Voltaire den König im Juli 1742 so bezeichnete, hatte Friedrich das durch seine Briefe, durch die Themen, die er darin anschnitt, vor allem aber durch die Art und Weise, wie er sich selbst darin präsentierte, geradezu eingefordert. Voltaires Brief vom Juli 1742 bildet nur den Superlativ einer von Friedrich forcierten Steigerung. Begonnen hatte der König am 3. Februar 1742 wiederum damit, dass er sein Licht unter den Scheffel stellte: "Was können Sie verlangen von einem Gehirn, worin sich nichts als Heu, Hafer und Häckerling befindet", hatte er Voltaire gefragt und gleich darauf die Verbindung zur historischen Größe hergestellt, in dem er schrieb: "Ich lese jetzt, vielmehr ich verschlinge Ihr Siècle de Louis le Grand. Wenn Sie mich lieb haben, schicken Sie mir, was Sie nach diesem Werk verfertigt haben." 16 In seinem Brief vom 23. März unterstrich Friedrich dann gegenüber Voltaire seinen Beistand für den bedrängten Kaiser und Kurfürsten von Bayern, machte deutlich, dass er dessen Land und Bevölkerung militärisch zur Hilfe gekommen war, und legte Voltaire die Worte in den Mund: "Das ist Großmut, werden Sie sagen, das ist heldisch – Voilà de la générosité, direz vous, voilà du héroisme." Dann führte er wiederum Ludwig den Großen ins Feld: "Erlauben Sie, daß ich Sie an die l 'Histoire de Louis XIV gemahne." 17

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Voltaire verstand sehr wohl, was der König wünschte, wie seine Antwort vom März 1742 auf Friedrichs Brief vom 3. Februar zeigt: "Während ich abwarte, Sire, daß der Rat der Reiche oder europäische Rat zusammentritt, um alle Monarchen maßvoll und zufrieden zu machen, befehlen Ew. Majestät mir abzuschicken, was ich derweil weniges am Siècle de Louis XIV getan habe. [...] Sie werden vielleicht feststellen, daß ich ein zu umfangreiches Gebiet angehe; doch ich arbeite hauptsächlich für Sie, und ich war der Ansicht, daß in diesem Falle nicht einmal der Weltkreis zu umfänglich wäre. [...] Ich bin mir nicht sicher, ob Sie in all diesem Ruhmesgerassel glücklicher sind, als Sie in jener süßen Einsamkeit von Remusberg [das ist Rheinsberg] waren. Dennoch", so der Beginn eines eingeflochtenen Gedichts, "großer König, lieb' ich Sie / Ganz wie ich Sie liebte, / Als Sie eingeschlossen lebten / In Remusberg und in sich selbst." 18 Als Friedrich darauf antwortete, dass er wie ein Bedauernswerter (un misérable) am Rad der Ereignisse, sprich der Geschichte, arbeite, sich aber nach Ruhe, Kunst und Philosophie sehne, 19 blieb Voltaire nur übrig zu antworten (15. Mai 1742): "Kein so süßes Los ist das Regieren, wie man es oft vermeint; / Was kostet 's doch, ein Held zu sein! – Sie, Sire kostet das allerdings nichts; für Sie ist das alles natürlich; große, gescheite Taten vollführen Sie mit derselben Leichtigkeit, mit der Sie komponieren und dichten und mit der Sie die Briefe schreiben." 20

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Damit war Friedrich schon fast am Ziel. Am 26. Mai nannte Voltaire den König schließlich "meinen Alexander", 21 und nachdem Friedrich noch einmal – ganz bescheiden – geschrieben hatte (9. Juni 1742): "Sie bereiten mir ein großes Vergnügen, mir von Ihrer Histoire de l 'esprit humain zu berichten. Ich fürchte, daß ich nicht der Moses dieses Gelobten Landes sein und nie meinen Fuß auf seinen Boden setzen werde", 22 schrieb Voltaire schließlich "Fréderic le Grand" gleich zweimal in einem Brief.

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Diese Art der drängenden Einflussnahme, um nicht zu sagen Manipulation, hatte Friedrich übrigens zuvor an seiner Schwester Wilhelmine ausprobiert. Die hatte von Friedrich veranlasst schon 1734 seine Größe gepriesen, wie aus einer in diesem Zusammenhang bislang nicht zitierten Briefstelle hervorgeht: "Ich erkenne", schrieb die Markgräfin in ihrer Antwort auf des Bruders Schreiben, "Deine Vorzüge in ihrer ganzen überragenden Bedeutung an. Neulich hatte ich eine Unterhaltung darüber, und wir waren uns alle einig, daß Du einst der größte Fürst sein wirst, der je regiert hat." 23

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Friedrich, dies muss man feststellen, ist keinesfalls spontan in den Kreis der "Großen" der Geschichte erhoben worden, weder von der "anonymen Macht der Geschichte" noch von Voltaire, noch 1745 von seinen Untertanen. Friedrich hat – klug und erfolgreich – darauf hingearbeitet, sich im Grunde selbst erhoben; sicherlich eine große Leistung. Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet also: Sein Beiname war dem König offensichtlich nicht zuwider, er war ihm – im Gegenteil – äußerst wichtig, denn er versprach ihm dauerhafte Aufmerksamkeit.

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Warum wurde "Größe" aber zu einer Kategorie bei der Bewertung und der Rangierung – "wer war größer?", wie es in der Feuerzangenbowle heißt – geschichtlicher Persönlichkeiten? Diese Frage führt zur Historisierung sämtlicher Bemühungen zu allen Zeiten, einen Herrscher als groß zu apostrophieren (vgl. Beitrag Kaiser). Dabei wird deutlich, dass auf die Frage, was unter "historischer Größe" zu verstehen sei, immer wieder andere, vielfach zeitbedingte, Antworten gegeben wurden. Historische Größe, dies wird zudem offenbar, besitzt kein "analytisches Potential" und hat deswegen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts beständig an Bedeutung verloren.

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Aber aufgrund welchen Kriteriums rechnet man Friedrich nun zu "den Großen"? Über die Zeiten hinweg standen im Wesentlichen zwei Aspekte im Fokus: militärischer Erfolg und geistige Überlegenheit. Friedrich verdankte seinen Beinamen "der Große" wesentlich seinen Schlachtensiegen in den drei Schlesischen Kriegen (vgl. Beitrag Füssel). Die Zeitgenossen, aber auch die Nachgeborenen haben ihn als "Denker und Lenker", als einen an der Front Kämpfenden und als einen König, der die damals üblichen Regeln der Kriegskunst überschritten hat, wahrgenommen. Friedrich wurde von ihnen zum individuellen Genius erhoben. Militärische Größe ist also zuerst ein auf "höchst subjektiven Wertungen und nicht auf objektiven Maßstäben" 24 beruhendes "Zuschreibungsphänomen", das stets in seinen historischen Kontexten zu analysieren ist, den Konnotationen und Indienstnahmen des Epithetons etwa, und allein darin aufschlussreich ist für die heutige Wissenschaft. Dennoch sieht sich auch die jüngste Forschung herausgefordert, zu Friedrichs militärischer Größe immer wieder Stellung zu beziehen.

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Dass Größe als solches ein Akt der Zuschreibung ist und nichts Reales, gilt noch mehr für die Geistesgröße (vgl. Beitrag Noltze). Auch hier zeigt die Untersuchung: Größe entsteht, wenn Außerordentlichkeit im Leben und die Bereitschaft der Mit- und Nachwelt, diese auszeichnende Besonderheit als "groß" anzuerkennen, zusammentreffen. Das ist in der Vergangenheit in Literatur, Kunst oder Musik einige Male geschehen – aber nur wenig wirksam geworden. Kein "Außerordentlicher" in Literatur, Kunst oder Musik hat je das Epitheton "der Große" erhalten. Vielmehr zeigt sich, dass im Laufe der Zeit im Kulturbetrieb "Umstrittenheit" gewissermaßen ersatzweise zu einem Bestimmungskriterium von Größe geworden ist. Umstrittenheit hat jedenfalls immer Aufmerksamkeit erzeugt, die zu erhalten sich die meisten Großen mit Sicherheit gewünscht haben.

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Für Friedrich gilt dies in besonderem Maße. Er wollte zu Lebzeiten wie im Tod Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dazu hat er bereits frühzeitig, noch bevor er bei Mollwitz seine erste Schlacht geschlagen hatte, Überlegungen angestellt (vgl. Beitrag Sachse). Sollte er fallen, wollte er "nach Römerart verbrannt und in einer Urne in Rheinsberg beigesetzt" 25 werden. Vorbild war ihm das Grabmal des Horaz, und musste es in gewisser Weise auch sein, weil er sich als Kronprinz ja zum Dichter stilisiert hatte – und dank Voltaire auch in den Kreis der europäischen republique des lettres aufgenommen worden war. Wie die antiken Dichtergrößen der römischen Welt, deren Leistung von ihm und seinen Zeitgenossen noch immer bewundert, deren Grabmäler noch immer besucht wurden, wollte Friedrich – zum eigenen Ruhm – bestattet und erinnert werden.

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Zuvor aber, zu Lebzeiten noch, war er bestrebt, durch seine Schriften den eigenen Status zu dokumentieren und für die Nachwelt festzuschreiben (vgl. Beitrag Kohl). Friedrich verstand sich als "Protagonist der Weltgeschichte". 26 Er erkannte und nutzte die Möglichkeit, die die Schriftstellerei ihm bot, um seinem Ruhm und Ansehen öffentliche Resonanz zu verleihen. Zudem versuchte der König nach überstandenem Siebenjährigen Krieg, durch das künstlerische Programm an Schlüsselorten seines zwischen 1763 und 1765 erbauten Neuen Palais', die Aufmerksamkeit auf sich, seine Einzigartigkeit und damit seine Größe zu lenken (vgl. Beitrag Windt). Am Beispiel der Gemälde Pompeo Batonis in der ersten Vorkammer der Königswohnung und Andrea Celestis in der ersten Vorkammer der gespiegelt liegenden Gästewohnung, wie auch am Deckengemälde Amédée van Loos im zentralen Festsaal des Schlosses kann man erkennen, auf welch intelligente und geschickte Weise Friedrich sich um seines Ruhmes und Nachruhmes willen selbst in Szene setzte.

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Er tat dies im Hinblick auf seinesgleichen, auf Fürsten, die das Schloss besuchten und von dem Gesehenen dann berichteten. Zur Selbststilisierung gegenüber den Untertanen entwickelte der Monarch eine sehr distinkte Amtspraxis (vgl. Beitrag Neugebauer). Auf seinen Revuereisen, den regelmäßigen Fahrten durch die preußischen Länder und Provinzen, konnte Friedrich, etwa beim Pferdewechsel an bekannten Orten direkt angesprochen werden. Solche Ereignisse konstituierten eine "recht unzeremoniöse Herrschaft in der lokalen Lebenswelt der Untertanen". Diese Szenen mit Genrecharakter ließen sich durch die zeitgenössische Druckgraphik wiedergeben; sie wurden dadurch Teil des kollektiven Gedächtnisses. "Es war der Mythos der Unmittelbarkeit , der das zeitgenössische und das spätere Friedrich-Bild der Untertanen bestimmte, und er beschäftigte alsbald auch die Diskussion der ersten postumen Geschichtsschreiber." 27

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Unterstützt wurde Friedrich in seinem Streben nach geschichtlicher Größe also von Dritten – ohne dass er selbst dazu viel beitragen musste. Dies trifft selbst auf seine Gemahlin Elisabeth Christine zu (vgl. Beitrag Hagemann). Ihre Sammlung von Friedrich-Porträts betonte die Größe des Königs, weil sie ihn nicht in seinem Verhalten ihr gegenüber, das sich in schroffer Abkehr von höfischer Gepflogenheit zum Zwecke der Darstellung eigener Außerordentlichkeit erschöpfte, sondern vielmehr aus abstrakter Perspektive betrachten wollte. Hilfreich für Friedrichs Streben wurde vor allem der Graphiker und Kupferstecher Daniel Chodowiecki (vgl. Beitrag Michaelis). Seine im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts gefertigten kleinformatigen Darstellungen des Königs waren zwar keine Auftragsarbeiten des preußischen Hofes, wurden aber von diesem wohlwollend toleriert. Chodowiecki stellte Friedrich als "ersten Diener seines Staates" dar, als bescheidenen, furchtlosen, humorvollen Menschen, der als Monarch ebenso wie seine Untertanen einen mühevollen Alltag zu bewältigen hatte und dies mit Pflichtbewusstein und großer Duldsamkeit auch tat. Die weitverbreiteten Radierungen haben das populäre Bild vom "Alten Fritz" geschaffen, das bis heute wirksam ist.

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Übertroffen in der populären Rezeption aber auch in der Fabrikation des Bildes vom großen König wurde Chodowiecki nur noch von Adolph Menzel. Zwanzig Jahre lang, von 1840 bis 1860 beschäftigte sich Menzel hauptsächlich mir der Persönlichkeit Friedrichs. Er verlieh ihm, wie sich an dem Gemälde "Friedrich und die Seinen in der Schlacht bei Hochkirch" zeigen lässt, "idiosynkratische Züge" (vgl. Beitrag Kohle). Menzel machte den König zum Menschen, durch seine genau recherchierte und akkurate Arbeit so sehr, dass man Friedrich noch heute oftmals so sich denkt, wie Menzel ihn erschaffen hat.

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Oder wie ihn Otto Gebühr im Kino der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gegeben hat – als Held und Dulder (vgl. Beitrag Kilb). Innerhalb des vom Mythos gezogenen Rahmens war die Interpretation Friedrichs im Stummfilmkino der mittleren 1920er Jahre durchaus nicht von Anfang an festgelegt. Die Weichen für eine an der Größe des Feldherren und Staatslenkers orientierte nationalistische Sinngebung, die sich ab 1930 durchsetzte, aber waren schon gestellt.

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Zum modernen Filmhelden hat es außer Friedrich auch der historisch wohl "Größte", der Makedone Alexander, gebracht, in der Frühzeit des deutschen Films und vor wenigen Jahren in einem französischen Fernsehdreiteiler auch Karl der Große; von den Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts waren es Zar Peter I. und vor allem Katharina II. von Russland. Katharina II. hat dabei, neben ihrem aufregenden, "filmreifen" Lebenswandel die Fernseh- und Kinomacher sicherlich in ihren Bann gezogen, weil sie die einzige Herrscherin war, der von den Zeitgenossen und der Nachwelt der Beiname "die Große" zuerkannt wurde (vgl. Beitrag Schippan). Die russischen adligen Würdenträger, die ihr mehrfach dieses Epitheton antrugen, wollten dadurch die Kontinuität zur vorangegangenen Regierungszeit Zar Peters des Großen sichtbar machen. Im Ausland trugen etwa Voltaire und der Prinz de Ligne zu Katharinas Verherrlichung bei. Als Siegerin in den Kriegen gegen das Osmanische Reich, Schweden und Polen erfüllte sie traditionelle Ansprüche, die an einen "Großen" gestellt wurden. Zudem wurden ihre "Werke des Friedens" geschätzt und ihre Bemühungen um eine Reform der Gesetzgebung und des Bildungswesens gewürdigt.

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Andere historische Persönlichkeiten haben das ihnen verliehene Epitheton "groß" dauerhaft nicht behalten. An Kaiser Leopold I., der vor allem von der zeitgenössischen protestantischen Historiographie als "Leopoldus magnus" angesprochen wurde, blieb sein Beiwort aus zweierlei Gründen nicht haften (vgl. Beitrag Benz): weil dem Inhaber des Kaisertums ohnehin Größe zukam, man sie ihm also nicht eigens zuschreiben musste, und weil sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die borussisch-deutsche Geschichtserzählung durchsetzte, die Leopold "Größe" absprach.

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Von dem deutschen Kaiser Wilhelm I. lässt sich nicht einmal sagen, dass ihm das Epitheton "groß" je angehaftet hat. Es ihm zuzuschreiben, war ein Versuch Wilhelms II., der nach seiner Thronbesteigung den Großvater zu Wilhelm dem Großen stilisieren wollte (vgl. Beitrag Rose). Doch weder die Öffentlichkeit noch die Wissenschaft folgten ihm darin. Zu offensichtlich war Wilhelms Ansinnen, seinen Großvater in Abgrenzung gegen Bismarck zum eigentlichen Reichsgründer zu erheben. Das war Geschichtsklitterung, wie jeder erkannte. Für die Zeitgenossen Wilhelms II. war und blieb sein Großvater der gütige "Alte Kaiser".

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Aus den hier versammelten Originalbeiträgen wird zweierlei besonders deutlich:
1. Friedrich wollte ein historisch Großer sein – unbedingt und mit aller Macht. Darauf, seinen Namen als einen bedeutenden in das Buch der Geschichte einzutragen, hat er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hingearbeitet; dies war ihm innerster Antrieb.
2. Historische Größe ist ein zeitgebundenes Zuschreibungsphänomen. Manche Zeiten bedurften eines "Helden", um unter Verweis auf seine historische Größe Vorbild und Legitimität für die eigene Gegenwart zu gewinnen. In Bezug auf Friedrich spiegelt dieses Bedürfnis nicht nur das jeweilige Bemühen, den König für die eigene Gegenwart zu revitalisieren, wenn nicht zu instrumentalisieren, sondern offenbart auch ein Bewusstsein für die Vergangenheit und ihre Auslegung.

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Mit der Publikation dieser Friedrich300-Ausgabe verbunden ist die Hoffnung, der sicherlich auch in Zukunft – allein des Themas wegen – immer wieder aufkommenden Diskussion über "Friedrich und die historische Größe" eine neue Richtung zu geben. Florian Schönfuß und Tobias Wulf von perspectivia.net gilt sehr großer Dank, ebenso Ullrich Sachse von der SPSG.

Dr. Jürgen Luh

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Generaldirektion
Wissenschaft und Forschung
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
j.luh@spsg.de

1 Dazu u.a. Walter Bussmann: Friedrich der Große im Wandel des europäischen Urteils, in: Deutschland und Europa. Historische Studien zur Völker- und Staatenordnung des Abendlandes. Festschrift für Hans Rothfels, hg. von Werner Conze, Düsseldorf 1951, 375-408; Karl Erich Born, Der Wandel des Friedrich-Bildes in Deutschland während des 19. Jahrhunderts, Diss., Köln 1953; Frank-Lothar Kroll: Friedrich der Große, in: Etienne François / Hagen Schultze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte, Bd. 3, München 2011, 620-635 und 735-736, dieser Artikel wortgleich unter dem Titel: Friedrich der Große als Gestalt der europäischen Geschichtskultur, in: Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, hg. von Brunhilde Wehinger, Berlin 2005, 185-198; Peter-Michael Hahn: Friedrich der Große und die deutsche Nation. Geschichte als politisches Argument, Stuttgart 2007, 29-78, 109-11, 132-69, 188-211.

2 Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a.M. 1983, 473.

3 Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 478f.

4 Siehe dazu Preußische Staatsschriften aus der Regierungszeit König Friedrichs II., hg. von Johann Gustav Droysen / Max Duncker, Bd. 1, Berlin 1877, XIII-LIV; Johann Gustav Droysen: Kriegsberichte Friedrichs des Großen aus den schlesischen Kriegen, in: Beiheft zum Militair-Wochenblatt 1875, 237-268; 1876, 305-364; 1877, 85-212. Dass Friedrich auch dann, wenn er die in seinem Sinn zu publizierenden Schriften nicht selbst verfasste, deren Inhalt bestimmte, machte Johann Gustav Droysen bereits 1872 deutlich, siehe: Johann Gustav Droysen: Über eine Flugschrift von 1743, in: Aus den Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1872, 91-127, 102-103.

5 Ernst Graf von Lippe: Friedensverkündigung und Friedensfeier (1742), in: Jahrbücher für die Deutsche Armee und Marine 25 (1877), 1-17, hier: 6-10.

6 Beschreibung derer bey Seiner Kön. Majest. In Preußen Ankunft aus Dresden angestellten Freudens-Bezeugung und ILLUMINATION, [1746].

7 Beschreibung des Triumphirenden Einzuges welchen seine Königliche Majestät von Preußen Friedrich der Grosse am 28. Dec. 1745. in Dero Residentz-Stadt Berlin gehalten haben. Nebst dem am selbigen Tage und am Friedens-Feste angestellten Illuminationen wie auch einer Nachricht von den öffentlichen Freudens-Bekundungen der Stadt Potsdam, Berlin [1746].

8 Ulrich Blindow: Berliner geschriebene Zeitungen des 18. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1939, Würzburg 1939, 60.

9 Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 478.

10 Siehe: Den Tag Des neu=erlebten Frieden-Festes, suchte Als einen neuen Wunder= und neuen Lob=und Danck=Tag, Wegen des Von Sr. Königl. Majest. In Preussen, mit Ihro Kayserl. Auch Ungarn und Böheim Königlichen Majestät, wie auch mit des Königes von Pohlen und Chur=Fürstens zu Sachsen Königl. Majestät, Den 25. December verstrichenen Jahres glücklich geschlossenen Und den 12. Januar 1746. Oeffentlich in Breslau verkündigten Friedens, Nach Allerhöchst=verordnetem Friedens=Texte ... vorzustellen ...; Johann David Raschke, Breslau [1746], 41 und 42; Schlesiens freudvolles Danckopfer vor die unsterbliche Großmuth ihres Lorbeerreichen Friedensstifters mit allerunterthänigster Ehrfurcht wiederholet durch Ludwig Wilhelm von Langnau und Wandritsch Königl. Preuß. Oberamts= Regierungs= und Ober=Consitorial.Rath., o.O. [1746].

11 Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 478.

12 Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 477; Heinrich Hersch: Friedrich der Große als Kronprinz im Briefwechsel mit Voltaire, Halle [1902], 53.

13 Aus dem Briefwechsel Voltaire – Friedrich der Große, hg., vorgestellt und übersetzt von Hans Pleschinski, Zürich 1992, 242f.; Reinhold Koser / Hans Droysen (Hg.): Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire, 3 Bde., Leipzig 1908-1911 (= Publikationen aus den K. Preussischen Staatsarchiven, 81, 82, 86), Bd. 2, 134.

14 Dazu ausführlich: Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 478; Summarischer in ihrer Betrachtung historischer Größe und nur noch feststellend, dass Friedrich "groß" war: Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit, München 2004, 541-547; Gerd Heinrich: Friedrich II. von Preußen. Leistung und Leben eines großen Königs, Berlin 2009, 357-360.

15 Friedrich bediente sich des französischen Briefstils, der nicht wie der deutsche "vom Latein und vom Kanzleistil her in hohem Maße verkünstelt, ritualisiert und sprachlich kompliziert" war. Siehe dazu Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Bd. 2: 17. und 18. Jahrhundert, Berlin / New York 1994, 100. Die doch recht freie französische Art innerhalb eines Rahmens aus "differenzierten Höflichkeitsregeln" zu "komponieren" und mit "emotionaler Direktheit" zu schreiben (100), ermöglichte Friedrich, seine Punkte selbst zwischen den Zeilen so präzise zu setzen, dass Voltaire Sinn und Zweck der Ausführungen des Königs sofort erkannte und einordnen konnte. Dass in dem Briefwechsel Voltaire-Friedrich "das Streben nach Ruhm eine nicht unbedeutende Rolle spielt", hat in allgemeiner Form Brunhilde Wehinger betont. Vgl. dies.: Zwischen Literatur und Politik. Zur literarischen Korrespondenz Friedrichs II., in: dies. (Hg.): Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, Berlin 2005, 61-73, hier: 63; siehe auch 70: "Der preußische König ist stets König, seine Briefe sind stets die eines Herrschers." Dies gilt auch schon für den Kronprinzen. Zu den von Friedrich beachteten Konventionen siehe 68. Nichts zur Topik bei Johann David Erdmann Preuß: Friedrich der Große als Schriftsteller. Vorarbeit zu einer echten und vollständigen Ausgabe seiner Werke; bei Annäherung des großen Preußischen Thronjubelfestes ehrerbietigst der Königl. Akademie der Wissenschaften empfohlen, Berlin 1837, 253-289; und ders.: Friedrich der Große als Schriftsteller. Vorarbeit zu einer echten und vollständigen Ausgabe seiner Werke. Ergänzungsheft, Berlin 1983, 79-87. Zum Diktum, dass "die Seele eines Menschen in seinen Briefen nackt liege", wie Samuel Johnson 1777 ganz allgemein meinte, siehe Wolfgang G. Müller: Der Brief als Spiegel der Seele. Zur Geschichte eines Topos der Epistolartheorie von der Antike bis zu Samuel Richardson, in: Antike und Abendland 26 (1980), 138-157, 154. Dies lässt sich für Friedrich nur bedingt behaupten.

16 Koser / Droysen: Briefwechsel (wie Anm. 13), Bd. 2, 117; Dreihundert ausgewählte Briefe Friedrichs des Großen, zusammengestellt bzw. übersetzt und erläutert von Adolf Kannengießer, Leipzig [circa 1908], 105f.

17 Koser / Droysen: Briefwechsel (wie Anm. 13), Bd. 2, 119f.; Pleschinski: Briefwechsel (wie Anm. 13), 234.

18 Koser / Droysen: Briefwechsel (wie Anm. 13), Bd. 2, 121f.; Pleschinski: Briefwechsel (wie Anm. 13), 237.

19 12. April 1742: Koser / Droysen: Briefwechsel (wie Anm. 13), Bd. 2, 122-124.

20 15. Mai 1742: Pleschinski: Briefwechsel (wie Anm. 13), 239.

21 Koser / Droysen: Briefwechsel (wie Anm. 13), Bd. 2, 128.

22 Pleschinski: Briefwechsel (wie Anm. 13), 241.

23 Friedrich der Große und Wilhelmine von Baireuth, hg. und eingeleitet von Gustav Berthold Volz, Deutsch von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Bd. 1: Jugendbriefe 1728-1740, Leipzig 1924, Bd. 2: Briefe der Königszeit, Leipzig 1926, Bd. 1, 205.

24 Marian Füssel: Militärische Größe, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich und die historische Größe, URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/fuessel_militaer <10.09.2010>.

25 Ullrich Sachse: Groß im Tod sein, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich und die historische Größe, URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/sachse_tod <10.09.2010>.

26 Katrin Kohl: Publizistische Inszenierung von Größe, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich und die historische Größe, URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/kohl_inszenierung <10.09.2010>.

27 Wolfgang Neugebauer: Friedrich als Risiko? Friedrich der Große in der Sicht von Untertanen und Geschichtsschreibern <13>, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich und die historische Größe, URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/ neugebauer_risiko <10.09.2010>.

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PSJ Metadata
Jürgen Luh
Friedrichs Wille zur Größe
Überlegung und Einführung
Voltaire; Schlesische Kriege; Theodor Schieder; Publizistik; Korrespondenz
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
Geschichte allgemein
18. Jh.
4047194-9 11869362X 4152549-8 4226500-9
1742-1745
Preußen (4047194-9), Friedrich Wilhelm II., Preußen, König (11869362X), Epitheton (4152549-8), Namengebung (4226500-9)
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J. Luh: Friedrichs Wille zur Größe
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/luh_wille
Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:25
Zugriff vom: 29.03.2017 19:05
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