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K. Kohl: Publizistische Inszenierung von Größe

Friedrich300 – Friedrich und die historische Größe

Publizistische Inszenierung von Größe:

Friedrichs Schriften als Medium des Ruhms

Katrin Kohl


Abstract

Friedrichs Rolle als Herrscher bescherte ihm einen öffentlichen Status, mit dessen Wirkkraft er sich immer wieder auseinandersetzte, um sowohl seinen zeitgenössischen Ruf als auch einen Ruhm über den Tod hinaus mitzugestalten. In seinen Schriften wird der eigene Status auf verschiedenste Weise erkundet und dargestellt, so in der Korrespondenz mit Voltaire, in Vorreden oder auch in der Dichtung. In den geschichtlichen Werken spielt darüber hinaus die Rechtfertigung der eigenen Taten für die Folgezeit eine bedeutende Rolle: Friedrich versteht sich als Protagonist der Weltgeschichte und sieht das Schrifttum als Möglichkeit, der eigenen Tat in der Nachwelt die Fortwirkung als Heldentat zu sichern. Friedrich benutzt durchaus etablierte Gemeinplätze, macht sie jedoch für das Zeitalter der Aufklärung fruchtbar, um seiner erstrebten Größe öffentliche Resonanz zu verschaffen.

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In dem Epitheton "der Große" konzentriert sich die schon zu Lebzeiten erfolgte und bis in die heutige Zeit tradierte Anerkennung eines Anspruchs, den Friedrich II. von Preußen sowohl an sich selbst als auch an seine Zeitgenossen und die Nachwelt stellte. Dabei wäre es verfehlt, eindeutig zwischen der von ihm persönlich erstrebten Größe und der öffentlich anerkannten Größe unterscheiden zu wollen. Denn die öffentliche Rolle des Herrschers, in die Friedrich hineingeboren wurde, verlieh seinem persönlichen Status eine öffentliche Dimension. Und aufgrund seiner dynastisch begründeten Funktion als Repräsentant Preußens verkörperte sein Status zugleich Identität und Größe dieses Staates. In dem Maße, wie sich seine Untertanen in Friedrichs Idealen und in seiner Größe wiedererkannten, stand es auch in deren Interesse, die Größe ihres Oberhaupts zu kommunizieren. Entsprechend dem sich vergrößernden Einflussbereich Preußens, vergrößerte sich auch für die preußischen Untertanen der Raum, in dem der Ruf ihres Regenten seine Wirkung enfalten konnte. Friedrichs persönlicher Anspruch auf Größe und die öffentliche Anerkennung seiner Größe sind somit als interaktiv zu verstehen. Es manifestieren sich darin die synergetischen Prozesse eines öffentlichen Diskurses, den Friedrich gezielt durch die Wahl der französischen Lingua franca und die Kommunikation mittels schriftlicher Werke über die Grenzen Preußens hinweg in den europäischen Raum projizierte.

Die mediale Vermittlung von Größe

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Friedrichs Inszenierung seiner Größe sowie auch die öffentliche Wahrnehmung seiner Größe sind erst aus dem Kontext des Diskurses um den Ruhm heraus zu verstehen. 1 Wenn sowohl Friedrich als auch Voltaire in Bezug auf das Herrschertum immer wieder das Thema 'la gloire' anschlagen, 2 so zeigt sich hierin das Bewusstsein für eine Tradition, die ihre großen Vorbilder aus der Antike bezog und die im 17. Jahrhundert an den europäischen Höfen, vor allem am Hof des französischen 'Sonnenkönigs' eine besonders prunkvolle und machtpolitisch wirksame Ausbildung erfahren hatte. Größe im Sinne einer besonderen geschichtlichen Bedeutung und fortwirkendem Ruhm ist mit der von Gottes Gnaden verliehenen und durch Herrschermacht ausgeübten Königswürde untrennbar verquickt. Dies lässt sich an der ikonographischen Gestaltung des jungen Friedrich durch den Hofmaler Antoine Pesne verfolgen, die den Kronprinz schon vor jeglicher Heldentat mit den Requisiten des Heldentums ausstattet (vgl. Abb. 1). 3 Anders als der Held oder der Dichter bekommt der König den Ruhm gewissermaßen vorgefertigt zusammen mit seiner dynastischen Rolle in die Wiege gelegt. Der Ruhm ist in diesem Porträt nicht der Lohn für geleistete Arbeit, sondern ein von Gott bzw. vom Schicksal verliehenes Gut.

Abb. 1: Antoine Pesne, Friedrich als Kronprinz, 1736. HuD 1710; GK I 579.

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Entsprechend geht aus Friedrichs Schriften immer wieder die Selbstverständlichkeit der erwarteten Fortwirkung seines Namens in der Nachwelt hervor, wobei die Besonderheit der Herrscherrolle auch ein besonderes Verhältnis zur menschlichen Umwelt und zur Geschichte mit sich bringt. Wenn Friedrich in der Darlegung seiner Gedanken zur "Erziehung eines Thronfolgers" im Politischen Testament von 1752 bemerkt, der junge Prinz solle "ohne Großtuerei und Prunk wie ein Privatmann erzogen" werden, 4 so ist vorausgesetzt, dass er von Anfang an eben kein "Privatmann" ist, sondern auf eine öffentliche Rolle vorbereitet wird. Diese Rolle verleiht auch dem Studium der Geschichte eine besondere Bedeutung, da Geschichte traditionell von großen Staatsgeschäften und somit von Herrschern handelt; sie sind die Helden der Geschichte. Entsprechend bemerkt Friedrich, der junge Prinz könne "vor allem in den Geschichtsbüchern [...] das Urteil ahnen, das die Nachwelt eines Tages über ihn fällen wird". 5 Für den angehenden Regenten ist die Geschichte hier nicht nur eine Informationsquelle über die Vergangenheit, sondern von vornherein auch ein Schatz von Beispielen für das eigene Verhalten, der Aufschluss über die Möglichkeiten der künftigen narrativen Aufbereitung der eigenen Laufbahn geben kann. Der Herrscher liest Geschichte aus der Perspektive dessen heraus, der künftig als Protagonist in die Geschichtsbücher eingehen wird.

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Friedrichs Beschäftigung mit dem Thema Ruhm ist durchweg von Spannungen gekennzeichnet. Die Notwendigkeit einer auf Europa ausgerichteten Inszenierung von Größe ergab sich schon daraus, dass er sie in einem fragmentierten und im Vergleich zu Frankreich und England abseitigen, Wirkungsfeld entfalten musste. Hinzu kam eine allmähliche Infragestellung frühneuzeitlicher Herrscherprivilegien. In seinen Schriften hebt Friedrich immer wieder hervor, dass Ruhm ein prekärer Wert ist, der durch gute Lebensführung verdient und moralisch gerechtfertigt sein will und der für die Nachwelt zubereitet werden muss, um wirksam zu werden. Dabei ist davon auszugehen, dass dies umso mehr in einem Zeitalter der Fall war, in dem die königliche Macht zunehmend an religiöser Fundierung einbüßte und die "absolute" Macht zunehmend dem Legitimationszwang unterlag. Das Streben nach Ruhm steht zu protestantischen Werten ohnehin in einem potenziellen Spannungsverhältnis, und je mehr der Herrscher seine gottgegebenen Privilegien einbüßte und wie Friedrich die Werte der Aufklärung vertrat, desto weniger konnte er auf die automatische öffentliche Verherrlichung seiner Macht und seiner Person vertrauen.

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Wenn Friedrich sich in späteren Jahren eher in schlichterer Form porträtieren lässt und tendenziell die Porträtierung verweigert, so ist dies wohl als komplexe Stellungnahme zur Rolle des Herrschers in einem sich verändernden Umfeld zu sehen. Im Vordergrund steht nun der Mensch, ohne eine Vielfalt von Requisiten: Im Zeitalter der Aufklärung ist dies wirksamer als die Feier des gottähnlichen Helden. So präsentiert sich Friedrich in einem Porträt von Anton Graff aus dem Jahre 1781 in einfacher Uniform, die Betonung liegt auf dem charaktervollen Gesicht (vgl. Abb. 2). 6 Gezeigt ist hier allerdings keineswegs ein privates Individuum, und die Insignien des Ruhms sind durchaus nicht eliminiert. Die Uniform weist den Abgebildeten als Repräsentanten der preußischen Militärmacht aus, und an der Brust prangt der Adlerorden als Zeichen der überpersönlichen Legitimation. Zudem sind nach der Erlangung eines wirklichen, militärisch fundierten Ruhms ostentative Requisiten nicht mehr notwendig: Der König kann sicher sein, dass er schon aufgrund seiner Rolle als militärisch erfolgreicher Potentat in die Annalen der Weltgeschichte eingehen wird.

Abb. 2: Anton Graff, Friedrich der Große, 1781. GK I 5615. SPSG, Foto: Wolfgang Pfauder.

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Im Zeitalter der Aufklärung vertraut Friedrich offenbar mehr auf die Wirkkraft des Wortes als auf jene des Bildes. Dabei ist seine Thematisierung des Ruhms in den Schriften einerseits als Tradierung eines seit der Antike fortwirkenden, etablierten Topos zu sehen ist, andererseits als spezifisch auf seine Situation in Preußen und seine Rolle im Zeitalter der Aufklärung zugeschnittene Auseinandersetzung mit den ihm gegebenen Möglichkeiten der Größe. Seine Sensibilität für den Kontext der europäischen Aufklärung, in den er von Anfang an sein Schaffen stellt, verleiht seiner Ruhmesauffassung und dem Einsatz der Ruhmestopik eine besondere Komplexität, zumal die Erörterung des Ruhms immer zugleich eine Steuerung des Ruhms darstellt.

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Friedrich Wilhelm I. vermittelte seinem Sohn schon früh die Überzeugung, es gebe nächst der Gottesfurcht nichts Wichtigeres als "die wahre Gloire und Begierde zum Ruhme, Ehre und zur Bravour". 7 Diese positive Bewertung des Ruhmesstrebens stand mit den Idealen der humanistischen Tradition sowie speziell auch den Idealen der französischen Adelskultur in Einklang, und Friedrich verinnerlichte sie als maßgeblichen Bildungswert. Er teilte die Fokussierung seines Vaters auf militärischen Ruhm, wie seine wiederholte Hervorhebung der fundamentalen Bedeutung des Heerwesens für Preußen zeigt; so setzt er in dem für die Nachfolge bestimmten Politischen Testament von 1752 als selbstverständlich voraus, dass "das Militär die Basis dieses Staates ist". 8 Entsprechend sind Finanzwirtschaft und Innenpolitik von militärischen Erfordernissen geprägt, während die Außenpolitik das Ziel verfolgt, "die Sicherheit des Staates zu befestigen, wie die Zahl der Besitzungen, die Macht und das Ansehen des Fürsten, soweit möglich (durch gebräuchliche und erlaubte Wege), zu erweitern." 9 Erfolgreiche Feldzüge sind somit der vorrangige Weg zum Ruhm, und seiner eigenen Wahrnehmung zufolge steigerte sich sein eigenes Streben nach Ruhm mit den Erfolgen seines ersten Feldzugs geradezu zu einer Sucht. So teilt er Voltaire im Dezember 1740 aus dem Heerlager mit, es treibe ihn das "Phantom, genannt Ruhm" – "ce fantôme nommé la Gloire" –, von dem man sehr schwer wieder loskomme, 10 und seinem Freund Jordan gegenüber erklärt er im Februar 1741: "Ich liebe den Krieg wegen des Ruhms." 11 Wenn Friedrich in einem weiteren Brief an den Freund bemerkt, "die Genugtuung, meinen Namen in den Zeitungen und künftig in der Historie zu sehen, haben mich verführt," 12 so wird einerseits deutlich, was für eine bedeutende Bühne der Eroberungskrieg dem jungen Herrscher für die Etablierung des Ruhms bot, und andererseits, was für eine wichtige Funktion das Medium Schrift für die Verbreitung von Ruhm erfüllte.

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Wenn auch Friedrich wie sein Vater auf militärischen Ruhm fokussiert war, so bewegte er sich doch von Anfang an in einem geistig weit komplexeren Umfeld. Dabei stellte sein früh entfaltetes Interesse für die Mitgestaltung der europäischen République des lettres einen Kontext zur Verfügung, in dem Ruhm aufgrund der in vielerlei Disziplinen sich entfaltenden Topik so ambitionierte wie vielfältige kulturelle Ausprägungen anregte. 13 Entsprechend erprobte Friedrich durchaus unterschiedliche mediale Möglichkeiten der Verbreitung seines Ruhms und der Etablierung seiner Größe. Dies lässt sich schon an der Frage des Stellenwerts höfischen Zeremoniells verfolgen. In seinem Politischen Testament von 1752 macht er geltend, bereits sein Vater habe die "Ketten" der Verpflichtung gegenüber dem höfischen Zeremoniell gebrochen und er selber habe ihn darin noch überboten, um die dadurch freiwerdende Zeit dem "Allgemeinwohl" zu widmen. 14 Entsprechend gilt "die Ablehnung jeder Form zeremonieller Selbstdarstellung" als Kennzeichen von Friedrichs Regierungsstil. 15 Dem scheint zu widersprechen, dass er erst zwei Jahre zuvor ein aufwändiges höfisches Fest veranstaltet hatte, das viel eher an den Regierungsstil seines Großvaters Friedrich I. erinnerte als an den Stil seines Vaters. 16 Zu berücksichtigen ist jedoch, dass es sich bei dem Fest nicht um ein allgemeines, ritualistisch vollzogenes Zeremoniell handelte, sondern um ein auf die besonderen geschichtlichen Umstände ausgerichtetes Ereignis. Wie Thomas Biskup aufzeigen konnte, erfüllte das Fest zwei Funktionen: Zum einen demonstrierte es mit der Zur-Schau-Stellung des Herrscherhauses die Kontinuität der Dynastie des kinderlosen Regenten, und zum anderen bot es einen illustren Rahmen, um die Eroberung Schlesiens zu feiern und dem Helden Friedrich einen angemessenen Platz in der Genealogie großer Herrscher zuzuweisen.

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Das Berliner "Carousel" von 1750 kann man als Zeichen werten, dass Friedrich es verstand, die Möglichkeiten des 'kommunikativen Gedächtnisses' zu nutzen, um die Heldentat im kollektiven Bewusstsein zu verankern. 17 Statt regelmäßige Feste einzuführen, um das einzigartige Ereignis zum Ritus werden zu lassen, konzentriert Friedrich dann jedoch die mediale Vermittlung der Heldentaten auf Formen der kulturellen Gedächtnisstiftung, die über die Grenzen Preußens hinweg zu wirken vermögen und ohne Beeinflussung durch die riskanten Umstände der Tagespolitik der Nachwelt übermittelt werden können. Wie die Helden der Antike zeigen, sichert das Medium Schrift eine Tradierung von Größe, welche die Zeiten zu überdauern vermag.

Geist und Macht

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Das Medium Schrift dürfte sich besonders im Zeitalter der Aufklärung als geeignetes Medium für die Etablierung von Größe angeboten haben, wobei die symbiotische Zusammenwirkung von Geist und Macht, Wahrheit und Tugend, Wort und Tat eine lange Tradition hat und besonders im humanistisch geprägten Herrscherideal Ausdruck findet, wie aus einem frühneuzeitlichen Emblem hervorgeht (Abb. 3): 18 Das Bild zeigt den Herrscher mit Schwert und Buch, das Motto lautet "Durch beides Herrscher", und im Text heißt es: "Durch beides, Wissen und Waffen, werde ich Herrscher in der Welt genannt, den Wissenschaften und dem Kriegshandwerk gilt meine Liebe." 19 Wissen und Waffen wurden als komplementäre Mittel verstanden, die dem Herrscher bei der Ausübung seiner Pflichten dienlich waren, und der Topos wird in der frühneuzeitlichen Dichtung unter Bezug auf die verschiedensten Herrscher durchgespielt, so vor allem für Augustus und Alexander.

Abb. 3: EX UTROQUE CAESAR.

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Es manifestiert sich in dieser Verknüpfung von Wissen und Macht ein ausgeprägtes Bewusstsein für die mediale Vermittlung von Macht. Denn Macht bedarf der Kommunikation, um wirksam zu sein, und der Nachruhm bedarf des wirksamen Wortes. Denn wenn auch das Schwert die große Tat vollbringt, so vermag doch erst das Wort dieser Tat den Ruhm in der Nachwelt zu sichern, wobei Macht dem Wort Gehör verschafft. Friedrich vertraute nicht auf das Wort anderer, zumal die preußischen Dichter ihre Werke in einer Sprache verfassten, die er für "halb-barbarisch" und demnach zur Verbreitung seines Ruhmes ungeeignet hielt. 20 Wie auf dem Schlachtfeld übernahm er in der medialen Vermittlung seines Image persönlich die Kontrolle. Indem er sich herausragende Fertigkeiten im Französischen aneignete und sich selbst als Historiograph, Philosoph und Dichter betätigte, stellte er sicher, dass die Inszenierung und Tradierung seiner Größe nicht auf die deutschsprachigen Lande oder gar Preußen beschränkt bleiben, sondern sich auf der Bühne der Welt vollziehen würde. Zudem vermochte er auf diese Weise seine Taten zu rechtfertigen und einen Ruhm zu inszenieren, der auf den zeitgenössischen Kontext abgestimmt war.

<12>

Friedrichs von deutschen Dichtern scharf verurteilte Einladung Voltaires an den preußischen Hof war angesichts seiner Ambitionen ein genialer Wurf. Das Modell war jenes der Berufung eines Hofpoeten, mit der sich ein frühneuzeitlicher Herrscher die Tradierung seiner Heldentaten sowie seiner Förderung der Musen ermöglichte. Während der dänische König Friedrich V. um diese Zeit den jungen deutschen Dichter Klopstock an seinen Hof holte – er sollte zur Festigung eines deutschsprachigen Kulturkreises beitragen und in Kopenhagen sein Epos Der Messias vollenden – ging es Friedrich um die Gewinnung des größten Dichters und Denkers im europäischen Kontext. Er sollte ihm die aktuelle Philosophie und literarische Bildung vermitteln, und ihm nicht zuletzt hochentwickelte kommunikative Fähigkeiten einschließlich der hochrangigen Kompetenz in der Weltsprache Französisch vermitteln. 21 Zugleich sicherte sich Friedrich damit ein wirkungsvolles Sprachrohr für den eigenen Ruhm.

<13>

Was Friedrich sich von Voltaire erhoffte, geht schon aus dem ersten Brief an ihn hervor, den der Kronprinz am 8. August 1736 im Alter von 24 Jahren während seines Aufenthalts auf Schloss Rheinsberg an den 42 Jahre alten Dichter und Philosophen schickte. 22 Es lohnt, diesen Brief näher zu betrachten, denn er bietet eine Art Programmschrift für das Selbstverständnis des angehenden Herrschers. Friedrich skizziert gleich zu Anfang den Kontext der Querelle des anciens et des modernes , um Voltaire seine Loyalität gegenüber den modernes zuzusichern und die gattungsüberschreitende Tätigkeit Voltaires zu preisen. In den Vordergrund rückt damit der Einbezug der Philosophie in den Umkreis der Dichtung sowie die Auseinandersetzung mit den brisantesten theologischen Fragen der Zeit. Friedrich präsentiert sich zunächst nicht als Regent, der Voltaire sein Mäzenatentum anbietet, sondern als Schüler, der den "Meister" untertänigst um "Unterweisung" mittels des Briefverkehrs und der Übersendung von eigenen dichterischen Werken bittet. Im letzten Teil des Briefes legt Friedrich dar, was er an Voltaires dichterischen Werken schätzt und warum er sie weiterhin zu studieren gedenkt. Sie bieten "eine moralische Lektion, bei der man denken und handeln erlernt", sie vermitteln "die Idee von wahrem Ruhm" und sie spornen zur Nachahmung an. Sie verdeutlichen, dass "die Vorzüge von Geburt und der Dunst von Größe, in dem die Eitelkeit uns wiegt" gegenüber dem geistigen Ingenium (bzw. Genie) wertlos sind. Die abschließende Einladung Voltaires nach Preußen wird mit dem Gedanken eingeleitet, es obliege Fürsten, in Kunst und Wissenschaft den Fortschritt zu fördern, und mit dem Wunsch, der "Ruhm" möge sich Friedrichs bedienen, um Voltaires "Erfolge zu krönen". Auf vielfältigste Weise werden hier Geist und Macht topologisch verknüpft, und unter Ausblendung des Gottesgnadentums wird dem Geist der Vorzug gegeben, den ein Philosoph wie Voltaire dem gemeinen Herrscher voraushat. Geistige Werte sind es, die sicherstellen würden, dass der Fürst sein Tun "dem allgemeinen Wohl" widmet.

<14>

Friedrichs Schmeichelei wird von Voltaire in seiner Antwort vom September 1736 noch übertroffen, wenn er Friedrich als idealen Herrscher würdigt, der seine "zum Befehlen geboren[e]" Seele mittels der "heilsamen Philosophie" zu pflegen beabsichtigt. 23 Zugleich malt er die Belohnung aus, die einen solchen Fürsten erwartet: Er wird sein Reich in ein "Goldenes Zeitalter" führen, seine Völker werden ihn anbeten, "die ganze Welt" wird ihn preisen, und um seinen Thron werden sich große Philosophen und berühmte Künstler scharen. Das Ausschlagen von Friedrichs Einladung nach Preußen mildert er mit der Zusicherung, "Ihr Ruhm wird mir immer teuer sein". Angelegt ist schon hier die Rolle Voltaires als Meinungsmacher, die Friedrich sich erhofft.

Friedrich und die Gelehrtenrepublik

<15>

Friedrich fügt sich demütig in die Hierarchie der Gelehrtenrepublik, in der er keinerlei herausragende Bedeutung beansprucht. Dennoch ist für beide Briefpartner selbstverständlich, dass der angehende Regent in der Welt eine Stellung innehat, für die der Ruhm ein notwendiges Attribut ist. Denn einerseits obliegt es ihm, seinen eigenen Ruhm zu pflegen, um ihn für Preußen fruchtbar machen zu können, und andererseits verfügt er über die Mittel, den Ruhm des Gelehrten durch seine eigene Reputation zu vermehren und durch finanzielle Mittel zu fördern.

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Der Topos vom weltweiten, dauerhaften Ruhm prägt auch die Neugründung der Akademie der Wissenschaften und schönen Literatur im Jahre 1744, mit der Friedrich eine Initiative seiner Großmutter Sophie Charlotte fortführt und den Ruf Berlins als Zentrum der Wissenschaften zu etablieren sucht. Seine Ode "Le Rétablissement de l 'Académie" ("Die Erneuerung der Akademie") feiert den Akt als Tat der Befreiung des Vaterlandes von "Vorurteilen" und "Irrtum" und stilisiert die Künstler zu einem Zug von "Helden", der von den allegorischen Figuren "Wahrheit" und "Ruhm" angeführt wird. Besonderes Lob wird in der siebten Strophe der Beredsamkeit zuteil:

Je vois ma déité, la sublime éloquence,
Des beaux jours des Romains nous ramener les temps,
Ressusciter la voix du stupide silence,
Des flammes du génie animer ses enfants;
Ici coulent des vers, là se dicte l
'histoire,
Le bon goût reparaît, les filles de Mémoire
Dispensent de ces lieux leurs faveurs aux mortels,
N
'écrivent dans leurs fastes,
De leurs mains toujours chastes,
Que des noms immortels.
24

[Nun naht auch meine Göttin, Beredsamkeit, die hehre,
Daß sie die goldnen Tage der Römer uns beschere,
Dem dumpfen Schweigen wieder die holde Stimme gebe
Und mit des Geistes Feuer das rasche Wort belebe.
Hier bucht sie die Geschichte, dort läßt sie Verse rauschen.
Der feine Sinn kehrt wieder; den Jüngern, die ihr lauschen,
Läßt sie durch ihre Töchter erlesne Gaben spenden.
In ihre Tafeln schreiben
Sie mit den keuschen Händen
Nur Namen, die unsterblich bleiben.
25 ]

Die Beredsamkeit wird zur Garantin eines Goldenen Zeitalters erklärt, das durch die Geschichtsschreibung und Dichtung Gestalt erhält – Friedrich verknüpft hier diese drei Disziplinen ganz nach humanistischem Muster und stellt die moderne Akademie in die Tradition der Antike. Aufgabe der sprachlichen Fertigkeiten ist die Verleihung des Ruhms; Ziel ist der unsterbliche Name.

<17>

Ein ähnlich humanistischer Ansatz prägt seine viel spätere kulturpolitische Schrift De la littérature allemande von 1780. Hier attackiert er – auf Französisch – die deutsche Sprache als "halb-barbarisch" und die deutschsprachige Literatur als unterentwickelt; Goethes Götz von Berlichingen verurteilt er als "ekelhaft" und als "abscheuliche Nachahmung" Shakespeares. 26 Nach humanistischem Muster empfiehlt Friedrich den deutschen Dichtern, die antiken Schriftsteller ins Deutsche zu übersetzen, um ihre Sprache in Konkurrenz mit den anderen europäischen Sprachen zu veredeln und literaturfähig zu machen. Ziel ist die Heranbildung eines kommunikativen Mediums, das wie das Französische europaweit verständlich ist und "klassische Schriftsteller" hervorbringt, die den deutschsprachigen Landen Ehre und Ruhm bringen können. Während die deutschen Schriftsteller der Zeit ihre Wirkung gerade dadurch beeinträchtigt sehen, dass an den deutschen Höfen – allen voran in Preußen – Französisch gesprochen wird, empfiehlt ihnen Friedrich als ersten Schritt die allmähliche Heranbildung des Deutschen, damit "die Höfe es mit Vergnügen reden". 27

<18>

Friedrichs in humanistischem Bildungsgut wurzelnde Schrift weist eine Vielzahl von etablierten Gemeinplätzen auf und wird zumeist als Zeichen seiner völligen Rückwärtsgewandtheit und Verkennung der wahren Umstände bezüglich der zeitgenössischen deutschen Sprach- und Schriftkultur verstanden. 28 Wenn auch seine Schrift durchaus eine mangelnde Sympathie für die in seinem Umfeld sich entwickelnde deutschsprachige Kultur zeigt und vor allem eine mangelnde Auseinandersetzung mit deutschsprachigen Autoren und Werken, so sind doch die Argumente grundsätzlich durchaus zeitgleich im deutschsprachigen Kontext vertreten und fügen sich in das traditionsreiche Projekt der auch von deutschsprachigen Dichtern vorangetriebenen Kulturstiftung. 29 Wenn Friedrich aufgrund der von ihm vorausgesetzten politischen und kulturellen Rückständigkeit der deutschsprachigen Territorien den Barbarentopos auf die deutsche Sprache anwendet, so benutzt er einen traditionsreichen Gemeinplatz, der sich in ähnlichem Zusammenhang bei Opitz findet, 30 aber auch bei Lessing, der 1767 in der Hamburgischen Dramaturgie bemerkt: "Wie weit sind wir Deutsche [...] noch hinter den Franzosen! Es gerade herauszusagen: wir sind gegen sie noch die wahren Barbaren!". 31 Goethe artikuliert noch 1786 eine ähnliche Meinung, wenn er das Deutsche in einem Brief als "diese barbarische Sprache" beschimpft. 32 Friedrich stellt seine Schrift in den Kontext "der gelehrten Republik" und geht von einem Wettkampf der Kulturnationen aus, der auch Klopstocks groß angelegtes Projekt einer "deutschen Gelehrtenrepublik" bestimmt. 33 Wenn Friedrich in Bezug auf den Status des Deutschen zu dem Schluss kommt, dass es nicht ausreichend kultiviert sei, um eine Literatur hervorzubringen, die sich mit der französischen Literatur messen kann, so teilt er bei aller Abweichung in der Wertung das Modell des kulturnationalen Wettkampfs mit den maßgeblichen Dichtern seiner Zeit, wobei ihm nicht weniger als Klopstock und anderen die Literatur der römischen und vor allem der griechischen Antike als höchstes Vorbild für die deutschen Dichter dient.

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Die Virulenz seiner Aburteilung der deutschen Sprache und Literatur versteht Friedrich selbst als Ansporn für die Dichter. Im Geiste des Wettkampfs sollen sie danach streben, ein goldenes Zeitalter deutscher Literatur hervorzubringen, wobei den Regenten eine besondere Rolle zukommt: "Wenn wir Medicis haben, werden auch unsere Genies hervorkeimen; und die Auguste werden schon Virgile machen". 34 Unter Anspielung auf ein Wort von Boileau – "Un Auguste aisément peut faire des Virgiles" 35 – rekurriert er hier auf den Topos von der fruchtbaren Verbindung zwischen Herrscher und Dichter. Friedrich vergleicht sich abschließend mit dem alten Moses, der "das gelobte Land von ferne" sieht, 36 ohne es doch aufgrund seines hohen Alters selbst betreten zu können. Römische Antike und Bibel dienen hier der Vermittlung einer Vision, durch die der Regent in seiner Rolle als gebildeter und weiser Mentor die deutschen Schriftsteller anregen will, auf eine illustre Zukunft hinzuarbeiten, in der ihre Literatur zum Ruhme des Vaterlands beitragen kann.

Die Kontrolle über den Ruhm

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Friedrichs vielfältige Beiträge zu diversen Gattungen der sprachlichen Wissenschaften entstanden immer im Bewußtsein ihrer öffentlichen Funktion. 37 Von Anfang an verknüpft er dabei seine Perspektive als Kronprinz bzw. Regent mit einer weiter angelegten Blickrichtung, wie sie sich schon im Antimachiavell in der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Herrscherideal zu erkennen gibt. So ist bei der Interpretation seiner Schriften immer ihr politischer Kontext und ihr politischer Zweck zum Zeitpunkt des Verfassens bzw. der Verbreitung miteinzubeziehen, 38 zugleich jedoch der Blick auf künftige Rezipienten. Kennzeichnend für Friedrich ist somit insgesamt nicht nur seine umfassende und vielfältige schriftstellerische Tätigkeit, sondern auch die Aufmerksamkeit, die er der Verbreitung der Werke in seiner Gegenwart und in der Nachwelt widmete. Er schreibt zumeist für einen kleinen Kreis, was für den Adel damals typisch war; die Veröffentlichung und somit Zugänglichmachung der Werke für ein breites bürgerliches Publikum war für einen adligen Autor nicht üblich. Er pflegte die streng gesteuerte, selektive Zirkulierung, mittels derer er auch ganz spezifische politische Zwecke verfolgen konnte. So sollte bezüglich seiner dichterischen Werke nicht die ganze Welt von seinen Versuchen wissen, da etwaige Unzulänglichkeiten seinem politischen Ruf schaden konnten. Erst als unautorisierte Drucke erschienen, veröffentlichte Friedrich ausgewählte Gedichte. Das Wort war ihm Instrument und Waffe, und seine Äußerungen wurden nur denjenigen verfügbar gemacht, die damit umzugehen wussten und die an seinen politischen und militärischen Projekten aktiv beteiligt waren.

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So berichtet er am 6. April 1743 an Voltaire, er werde ihm bald das Vorwort zu seinen Mémoires schicken (es handelt sich hier um die Erstfassung seiner Geschichte meiner Zeit ); er betont jedoch, dass das Werk selber erst nach seinem Tod und dem Tod seiner Zeitgenossen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfe. Die Begründung lautet, er habe sich "nicht von der Wahrhaftigkeit entfernt [...], mit der ein Historiker zu schreiben hat". 39 Er vereinigt somit die Funktionen des militärisch und politisch tätigen Herrschers mit den Funktionen des Historikers, der über den Ereignissen zu stehen vorgibt und sie wahrheitsgetreu und objektiv darzustellen beansprucht.

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Es offenbart sich hier eine jener produktiven Spannungen, die Friedrich so erfolgreich auszuhalten vermochte. Denn seine geschichtlichen Werke sind geprägt von einer ungewöhnlichen Verbindung engagierter Teilnahme und distanzierter Reflexion, wobei er sich als bedeutender Zeitgenosse und Augenzeuge verstand. Deutlich wird dies in dem erwähnten Vorwort zur Erstfassung von Geschichte meiner Zeit von 1742/43 hervor, in dem er sich mit der Geschichte des Ersten Schlesischen Krieges auseinandersetzt. Die Motivation für die Aufzeichnungen liegt in seiner Überzeugung, dass es ihm als Hauptakteur obliegt, die Kontrolle über die Vermittlung der geschichtlichen Ereignisse an die Nachwelt zu übernehmen:

"In der Überzeugung, daß es nicht irgendeinem Pedanten, der im Jahre 1840 zur Welt kommen wird, [...] zusteht, über Verhandlungen zu reden, die in den Kabinetten der Fürsten stattgefunden, noch die gewaltigen Szenen darzustellen, die sich auf dem europäischen Theater abgespielt haben, will ich selbst die Umwälzungen beschreiben, deren Augenzeuge ich war und an denen ich den regsten Anteil hatte. Gehen diese großen Ereignisse doch mein Haus ganz besonders an. Ja, man kann die Epoche seiner Größe erst von diesem Zeitpunkt ab datieren.
Ich halte mich sogar für verpflichtet, der Nachwelt eine wahre und exakte Darstellung der Ereignisse zu geben, die ich selbst gesehen habe; denn seit dem Untergange des römischen Reiches verdient kaum ein geschichtliches Ereignis so viel Beachtung wie der Krieg, den eine mächtige Liga zum Sturze des Hauses Habsburg unternahm."
40

Friedrich projiziert sich hier ganz im Dienste seiner Dynastie: Aus seiner Darstellung soll hervorgehen, welche Bedeutung den geschichtlichen Ereignissen im Konkurrenzkampf zwischen den Herrscherhäusern zukommt. Als großen Kontext entwirft er den Bezug zur Antike, womit das Dargestellte eine weit über die eigene Zeit hinausreichende Bedeutung erhält. Er ordnet das Geschilderte hier in jene Tradition ein, die ihm schon früh in dem Kompendium Theatrum Europaeum zur großen Politik der Kabinette seit 1617 vermittelt wurde, 41 und er stilisiert die Ereignisse zum Gründungsmoment für eine illustre Geschichte. Der Appell an die Notwendigkeit einer wahrheitsgetreuen Darstellung ist topisch und steht zugleich in Einklang mit den Werten der Aufklärung. Dahinter verbirgt sich jedoch nicht zuletzt das Ziel der Verteidigung einer völkerrechtlich kontroversen Tat, die Europa schockiert hatte und die in krassem Gegensatz zu dem Bild stand, das Friedrich im Antimachiavell von seinem Herrscherideal gezeichnet hatte. Das Ideal der 'Wahrheit' bewegt sich somit in einem hochkomplexen Spannungsfeld zwischen etabliertem Topos, interessengeleiteter persönlicher Perspektive und aufklärerischem Ideal von philosophisch abgeklärter Objektivität. Ihre Wirkung entfalten soll die Darstellung der 'Wahrheit' vor allem in der Nachwelt, wenn die zeitgenössischen Kontroversen dem kollektiven Gedächtnis entfallen sind.

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Friedrichs Selbstinszenierung in seinen historiographischen Projekten schöpft gleichermaßen aus seinem politischen Gespür, aus seinem praktischen Engagement in allen Bereichen seiner Aufgaben als Herrscher, aus seiner konsequenten Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist der Aufklärung und aus seinem humanistisch gebildeten Weitblick. Denn jeder dieser Aspekte trug das Seinige dazu bei, die Wirkungsmöglichkeiten der eingesetzten rhetorischen Mittel abschätzbar zu machen. Friedrich grenzte das zeitgenössische Publikum für seine Schriften nach politischen Kriterien ein und schrieb großenteils für das Archiv. Darin jedoch gibt sich ein enormes Selbstbewusstsein zu erkennen, das in der anerkannten Bedeutung seiner Herrscherrolle wurzelt und das zugleich ein humanistisch fundiertes Vertrauen auf die Langzeitwirkung des Mediums Schrift erkennen lässt.

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Die Notwendigkeit eines Schreibens für die Nachwelt wird auch 1775 in der Vorrede zur letzten Version dieses Projekts thematisiert, das nun den Titel Histoire de mon temps trägt. An Voltaire berichtet Friedrich am 12. Juli 1775: "obwohl dieses Werk dazu bestimmt ist, auf immer in irgendwelchen staubigen Archiven vergraben zu bleiben, will ich doch nicht, daß es schlecht gemacht ist." 42 Dass er das Schreiben für das Archiv jedoch keineswegs für so unbedeutend hält, wie er hier vorgibt, geht aus der Topik der Vorrede sowie seiner expliziten Auseinandersetzung mit der Bedeutung eines Strebens nach Ruhm hervor. Deutlich wird dort das Ziel, mit dem Geschichtswerk seine Taten und die Taten seiner Untertanen wirkmächtig der "Nachwelt" zu vermitteln:

"Da mein Buch für die Nachwelt bestimmt ist, bin ich von dem Zwange befreit, die Lebenden zu schonen und gewisse Rücksichten zu nehmen, die mit dem Freimut der Wahrheit unvereinbar sind. […] Von mir selbst werde ich nur da reden, wo es unvermeidlich ist, und man wird mir erlauben, alles, was mich selbst betrifft, nach Cäsars Vorbild in der dritten Person zu erzählen, um den häßlichen Schein der Selbstsucht zu vermeiden. Der Nachwelt kommt es zu, uns zu richten; doch wenn wir weise sind, müssen wir ihr zuvorkommen, indem wir uns selbst streng beurteilen. Das wahre Verdienst eines guten Fürsten ist seine treue Hingabe an das allgemeine Wohl, die Liebe zum Vaterlande und zum Ruhme. Ja, zum Ruhme! Denn der glückliche Instinkt, der den Menschen drängt, sich einen Namen zu machen, treibt ihn in Wahrheit auch zu Heldentaten. Er ist die Kraft, welche die Seele aus ihrer Trägheit erweckt und sie zu nützlichen, notwendigen und edlen Taten begeistert." 43

Friedrich setzt sich hier auf der Basis seiner langjährigen Erfahrung in der Politik, in der Kriegführung und in der Historiographie mit seiner Selbstdarstellung in einem Geschichtswerk auseinander. Explizites "Vorbild" ist Cäsar, der unübertroffene Darsteller seiner eigenen Heldentaten für die Nachwelt. Wenn Friedrich hervorhebt, es sei notwendig, die eigenen Taten "selbst streng [zu] beurteilen", um der "Nachwelt [...] zuvor[zu]kommen", so zeigt sich darin das Ziel, die Kontrolle über die geschichtliche "Wahrheit" zu ergreifen. Das Geschichtswerk dient dazu, die Erfüllung des Ideals vom "guten Fürsten" zu erweisen – auch noch in solchen Taten, die von den Zeitgenossen attackiert wurden, weil sie diesem Ideal zuwiderzulaufen schienen.

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Friedrichs Hervorhebung der Vorteile des Strebens nach Ruhm lässt den weiteren Kontext eines Zeitgeists durchblicken, dem der Ruhm suspekt geworden war. Er geht hier in die Offensive, um das Streben nach Ruhm unter Bezug auf die Interessen des Gemeinwohls zu rechtfertigen. Der Ruhm wird damit aus dem Bereich der "Selbstsucht" herausgelöst und als bedeutender Faktor in der Bildung des Menschen dargestellt, der dem Gemeinwohl zugutekommt. Dies ist kein neuer Gedanke, aber seine Hervorhebung ist spezifisch auf die Werte der Aufklärung zugeschnitten. Ähnlich wie Goethe im Faust das immerwährende Streben des Menschen zur notwendigen Kraft ausgestaltet, die die Seele der Gefahr der "Erschlaffung" enthebt und das Individuum auf seine wahre Bestimmung verpflichtet, so dient hier der Ruhm als treibende Kraft für die Stärkung des Reiches durch "nützliche, notwendige und edle Taten". Friedrich macht damit die antike Tradition des Ruhmestopos für eine Politik fruchtbar, die den Werten der Aufklärung Rechnung trägt. Dabei gibt sich hier die bei ihm noch im Alter wirksame Bedeutung seines frühen Strebens nach einem zugleich moralisch und politisch fundierten Ruhm zu erkennen.

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Friedrich beschäftigte sich sein Leben lang mit dem Ruhm und dem Ruhmesstreben: Im Streben nach Ruhm trifft sich aus seiner Perspektive das eigene Interesse und das Interesse Preußens; es vereinigt sich darin der Wunsch des Königs nach einem unsterblichen, seiner Dynastie Ehre machenden Namen mit dem Interesse seiner Untertanen, ihre Bedeutung in der Welt auf große Helden und Heldentaten zu gründen. In Friedrichs sowohl theoretisch als auch praktisch vollzogener Pflege des Ruhms manifestiert sich seine Wertschätzung eines aus der Antike tradierten, schon von Kindheit an in seiner Identität verankerten Ideals, das er selber vor dem Hintergrund der großen Vorbilder der Weltgeschichte als zeitlosen Wert begriff. Seine kreative Auseinandersetzung mit dem alten Ideal im Kontext der Aufklärung erlaubte ihm dessen wirksame Überführung in die moderne Zeit. Das Medium Schrift erfüllte dabei eine enorm wichtige Funktion, denn es ermöglichte ihm die Kontrolle über die narrative Ausgestaltung einer Größe, die als preußische Identitätsstiftung wahrgenommen werden sollte. Von Anfang an setzte Friedrich die Tradierung seiner Größe und deren Anerkennung durch die Nachwelt voraus. Während er diese Größe anfangs noch als reines Geburtsrecht des dynastisch legitimierten Herrschers auffasst, kommt im Prozess seiner Auseinandersetzung sowohl mit den zeitgenössischen Idealen als auch mit der Notwendigkeit einer Rechtfertigung der eigenen Taten im Kontext der Zeit zunehmend die aktive mediale Gestaltung hinzu. Hier erhält nun das Medium Schrift die bedeutende Funktion, Größe immer wieder von neuem zu etablieren, zu rechtfertigen und zukunftsfähig zu machen. Betrachtet man Friedrichs heutiges Image, so ist festzustellen, dass seine Schriften auch in der Folgezeit keine breit angelegte Rezeption fanden – was zu ihrer ursprünglichen Bestimmung allerdings nicht in Gegensatz steht. Ihren Zweck haben sie mittels sorgsam gesteuerter Kommunikationsprozesse erreicht: Die publizistische Inszenierung seiner Größe ist ihm gelungen, denn anders als jene, deren 'Größe' schon bald nach ihrem Tod der Vergessenheit anheimfiel, ist sie bei Friedrich als fester Bestandteil des Namens in die auf Langzeitwirkung angelegte Weltgeschichte eingegangen.

Autorin:

Prof. Dr. Katrin Kohl
Modern Languages
Jesus College (University of Oxford)
GB-Oxford OX1 3DW
katrin.kohl@jesus.ox.ac.uk

1 Die Bedeutung des Ruhms für Friedrichs Selbstverständnis wird besonders in der Biographie von Johannes Kunisch deutlich, wenn er bei Friedrich einen "Impuls der Ruhmbegierde" als "Grundmotiv seiner Lebensauffassung" ausmacht und dessen Bedeutung für Friedrichs militärische Aktionen hervorhebt (Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit, München 2009 [Erstveröffentlichung München 2004], 66; siehe auch 167-171 u.ö.). Vgl. auch das Kapitel "Chasing Clouds of Glory" in Charles Donogh: Frederick the Great. A Life in Deed and Letters, London 1999, 152-177. Der psychologisch fundierte Impuls ist allerdings als individuelle Ausprägung eines seit der Antike etablierten Diskurses um den Ruhm und dessen motivierende Bedeutung zu sehen. Diese viel längere, auch von Friedrich Wilhelm I. weitergegebene Tradition ist auch zu berücksichtigen, wenn konstatiert wird, dass Friedrichs Ruhmbegriff "über die französische Literatur" vermittelt wurde (Thomas Biskup: Preußischer Pomp, in: Friedrich300 – Colloquien, Friedrich der Große und der Hof, URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Biskup_Pomp , Abstract ) <16.7.2010>.

2 Der Ruhm bildet gleichermaßen in Friedrichs erstem Brief an Voltaire vom 8.8.1736 und in Voltaires erstem Brief an Friedrich vom September 1736 ein abschließendes Thema (vgl. Voltaire – Friedrich der Große: Briefwechsel, hg. und übersetzt von Hans Pleschinski, rev. Neuausgabe, München 2004, 10, 16; vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire, hg. von Reinhold Koser und Hans Droysen, 3 Bde (= Publikationen aus dem K. Preußischen Staatsarchiv, Bd. 81, 82, 86), Leipzig 1908-1911, Bd. 1, 4 und 7.

3 Das Gemälde hängt heute im Rauchzimmer von Haus Doorn (Niederlande). Mit freundlicher Genehmigung von Haus Doorn.

4 Friedrich der Große: Testament Politique [1752] / Politisches Testament, in: Richard Dietrich (Hg.): Die Politischen Testamente der Hohenzollern, Köln 1986, 254-461, hier: 454f.

5 Friedrich der Große: Politisches Testament (wie Anm. 4), 458f.

6 Das Porträt ist im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und hängt heute im Arbeits- und Schlafzimmer in Schloss Sanssouci.

7 Vgl. Friedrich Cramer: Zur Geschichte Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. Königs von Preußen, Hamburg 1829, 10; zitiert nach Kunisch: Friedrich der Große (wie Anm. 1), 15.

8 Friedrich der Große: Politisches Testament (wie Anm. 4), 452f.

9 Friedrich der Große: Politisches Testament (wie Anm. 4), 306f.

10 Friedrich II. an Voltaire, 23.12.1740, in: Voltaire – Friedrich der Große (wie Anm. 2), 211; vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 2), II, 75.

11 "J 'aime la guerre pour la gloire" (Friedrich II. an Charles E. Jordan, Februar 1741, in: Œuvres de Frédéric le Grand, Berlin 1846-1857, Bd. 17, 97).

12 "Mon âge, le feu des passions, le désir de la gloire, la curiosité même, pour ne te rien cacher, enfin, un instinct secret, m 'ont arraché à la douceur du repos que je goûtais, et la satisfaction de voir mon nom dans les gazettes et ensuite dans l 'histoire m 'a séduit" (Friedrich II. an Jordan, 3.3.1741, in: Œuvres de Frédéric le Grand (wie Anm. 11), 99).

13 Vgl. zu der auf Platons Philosophenstaat aufbauenden Tradition des Topos von der Gelehrtenrepublik die folgende Reihe von Konferenzbänden: Marianne Lion-Violet (Hg.): Les premiers siècles de la république européenne des lettres, Paris 2005; Ulrich J. Schneider (Hg.): Kultur der Kommunikation. Die europäische Gelehrtenrepublik im Zeitalter von Leibniz und Lessing, Wiesbaden 2005; Michael Knoche und Lea Ritter-Santini (Hg.): Die europäische République des lettres in der Zeit der Weimarer Klassik, Göttingen 2007.

14 Friedrich der Große: Politisches Testament (wie Anm. 4), 330f.

15 Kunisch: Friedrich der Große (wie Anm. 1), 7.

16 Vgl. die wichtige Untersuchung von Biskup: Preußischer Pomp (wie Anm. 1). Er wertet das von ihm eingehend untersuchte Fest überzeugend als Beispiel für den allgemeineren Befund, "dass die bekannten ironischen Distanzierungen Friedrichs von höfischem Zeremoniell [...] nicht einfach als Absage an zeremonielles Handeln als solches lesbar sind [...], sondern [...] in ihrem jeweiligen, häufig von literarisch-konversationellen Genrekonventionen geprägten, Kontext betrachtet werden [müssen]" (Abschnitt 3).

17 Zu unterschiedlichen Formen kollektiver Erinnerung vgl. Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992, 48-66.

18 Gabriel Rollenhagen: Nucleus emblematum selectissimorum : quae Itali vulgo impresas vocant : priuata industria, studio singulari, vndiq[ue] conquisitus, non paucis venustis inuentionibus auctus, additis carminib[us] illustratus, Köln 1611, 115.

19 Ebd.

20 Friedrich II.: Über die deutsche Literatur. Die Mängel, die man ihr vorwerfen kann, ihre Ursachen und die Mittel zu ihrer Verbesserung (1780), in: Horst Steinmetz (Hg.): Friedrich II., König von Preußen, und die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts. Texte und Dokumente, Stuttgart 1985, 60-99, 292-301 (Anm.), hier: 62. Die Schrift ist auch enthalten in: Die Werke Friedrichs des Großen, hg. von Gustav B. Volz, übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Berlin 1912-1914, Bd. 8, 74-99. Christian W. von Dohms offizielle Übersetzung der Schrift wurde wie die französische Originalfassung 1780 veröffentlicht; vgl. die Originalfassung: Œuvres de Frédéric le Grand (wie Anm. 11), VII, 103-140.

21 Zu Friedrichs Auffassung von der deutschen und der französischen Sprache vgl. Corina Petersilka: Die Zweisprachigkeit Friedrichs des Großen. Ein linguistisches Porträt, Tübingen 2005, besonders 73-81.

22 Zu den folgenden Zitaten vgl. Friedrich II. an Voltaire, 8.8.1736, in: Voltaire – Friedrich der Große: Briefwechsel (wie Anm. 2), 7-11; vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 2), I, 1-4.

23 Zu diesem und den folgenden Zitaten vgl. Voltaire an Friedrich, September 1736, in: Voltaire – Friedrich der Große: Briefwechsel (wie Anm. 2), 13-17; vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 2), I, 4-7.

24 [Friedrich der Große]: Ode IV (V): Le Rétablissement de l 'Académie, in: Œuvres de Frédéric le Grand (wie Anm. 11), X, 23-26, hier: 25.

25 [Friedrich der Große]: Die Erneuerung der Akademie, in: Werke (wie Anm. 20), IX, 18-20, hier: 19f.

26 Friedrich II.: Über die deutsche Literatur (wie Anm. 20), 82. Vgl. die Originalfassung: "ces dégoûtantes platitudes" und "imitation détestable de ces mauvaises pièces anglaises" (Œuvres [wie Anm. 11], VII, 125.

27 Friedrich II.: Über die deutsche Literatur (wie Anm. 20), 99.

28 Vgl. zum Beispiel den folgenden Kommentar: "As 'Concerning German Literature' revealed, Frederick was a living fossil, a relic of the generation before last" (T.C.W. Blanning: The Culture of Power and the Power of Culture. Old Regime Europe 1660-1789, Oxford 2002, 219).

29 Zur kulturstiftenden Funktion von Friedrichs Schrift im Kontext der Debatte um den Status der deutschen Sprache und Literatur im 18. Jahrhundert vgl. Katrin Kohl: Poetologische Metaphern. Formen und Funktionen in der deutschen Literatur, Berlin / New York 2007, 493-501.

30 Martin Opitz: Buch von der Deutschen Poeterey (1624). Nach der Edition von Wilhelm Braune neu herausgegeben von Richard Alewyn, 2. Aufl., Tübingen 1966, 7.

31 Gotthold Ephraim Lessing: Werke und Briefe in zwölf Bänden. Hg. von Wilfried Barner, Frankfurt a.M. 1985ff., Bd. 6, 272.

32 Johann Wolfgang von Goethe: Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, hg. von Friedmar Apel, Hendrik Birus u.a., Frankfurt a.M. 1985ff., Bd. 29, 624.

33 Friedrich Gottlieb Klopstock: Die deutsche Gelehrtenrepublik, in: ders.: Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, hg. von Horst Gronemeyer u.a., Berlin / New York 1974ff., Abt. Werke, Bd. VII/1-2. Vgl. Katrin Kohl: Kulturstiftung durch Sprache. Rede und Schrift in der "Deutschen Gelehrtenrepublik", in: Kevin Hilliard / dies. (Hg.): Wort und Schrift – Das Werk Friedrich Gottlieb Klopstocks, Tübingen 2008, 145-171. Der erste Teil erschien 1774; am zweiten, nicht veröffentlichten Teil arbeitete Klopstock noch bis in seine Spätzeit.

34 Friedrich II.: Über die deutsche Literatur (wie Anm. 20), 99.

35 [Nicolas] Boileau[-Despréaux]: Œuvres complètes, hg. von Françoise Escal, Paris / Brügge 1966, 107 (Épitres I).

36 Friedrich II.: Über die deutsche Literatur (wie Anm. 20), 99.

37 Der Begriff "Öffentlichkeit" erhält in Bezug auf die Rolle des Herrschers eine besondere Bedeutung, weil sich seine Rolle in der Öffentlichkeit konstituiert. Biskup: Preußischer Pomp (wie Anm. 1) warnt in Bezug auf kommunikative Prozesse zu Recht vor einer verallgemeinernden Vorstellung und hebt Friedrichs differenzierte Selbstpositionierung hervor: Im Vordergrund steht einerseits die höfische Öffentlichkeit und andererseits die europäische République des lettres (vgl. ebd., Anm. 10). Ohne dieser spezifischen Ausdifferenzierung zu widersprechen wird im gegenwärtigen Kontext davon ausgegangen, dass ein rhetorisch orientierter Ansatz für jede Äußerung einen ganz spezifischen Adressatenkreis anvisiert; die jeweilige 'Öffentlichkeit' bestimmt sich somit aus der kommunikativen Situation heraus und unter Bezug auf die spezifische Funktion der Äußerung.

38 Vgl. dazu Andreas Pečar: Friedrich der Große als Autor: Plädoyer für eine adressatenorientierte Lektüre seiner Schriften, in: Friedrich300 – Colloquien, Friedrich der Große – eine perspektivische Bestandsaufnahme, URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/pecar_autor . <16.7.2010>.

39 Friedrich II. an Voltaire, 6.4.1743, in: Voltaire – Friedrich der Große: Briefwechsel (wie Anm. 10), 263-264, hier: 263; vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 10), II, 166-167, hier: 166. Vgl. auch Friedrichs andere Bemerkungen zu seinen "Mémoires" vom 15.11.1742 und 24.8.1743, in: Voltaire – Friedrich der Große: Briefwechsel (wie Anm. 10), 260, 275; vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 10), II, 183-185, hier: 184, 159-160, hier: 159.

40 [Friedrich der Große]: Vorwort, zu Denkwürdigkeiten (1742), in: Werke (wie Anm. 20), II, 1-3, hier: 1. Vgl. die Originalfassung: "Persuadé que ce n 'est point à quelque pédant qui viendra l 'année 1840 au monde [...] de parler des Négociations qui se sont traitées dans les Cabinets des Princes, ni de représenter ces grandes scènes qui se sont jouées sur le Théâtre de l 'Europe, j 'ai voulu écrire moi même les révolutions que j 'ai vu arriver et auxquelles j 'ai eu le plus de part, d 'autant plus que ces révolutions intéressent particulièrement ma maison, et que proprement on ne pourra dater que de là, l 'Epoque de Sa Grandeur. Je suis même dans la persuasion que je dois à la postérité un récit exact et vray des Evenemens que j 'ai vu puisque depuis le Bouleversement de l 'Empire Romain, il n 'est presque rien arrivé de plus digne d 'attention que la guerre qu 'enfanta une puissante Ligue réunie pour la destruction de la maison d 'Autriche." (Avantpropos [des mémoires du roy de prusse], Nachtrag zu [...] Histoire de mon temps, in: Hans Droysen: Beiträge zu einer Bibliographie der prosaischen Schriften Friedrich des Großen, Teil 2, in: Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Königstädtischen Gymnasiums zu Berlin, Programm 64 (Berlin 1905), 27-29, hier: 27, online unter: http://friedrich.uni-trier.de/de/droysen/2/toc/ <16.7.2010>.

41 Vgl. Kunisch: Friedrich der Große (wie Anm. 1), 16.

42 Friedrich II. an Voltaire, 12.7.1775, in: Voltaire – Friedrich der Große (wie Anm. 10), 511-512, hier: 511. Vgl. die Originalfassung: Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire (wie Anm. 10), III, 344-345, hier: 344.

43 Friedrich der Große: Vorwort, in: Geschichte meiner Zeit, in: Werke (wie Anm. 20), II, 11-17, hier: 13; vgl. die Originalversion: "Cet ouvrage-ci étant destiné pour la postérité, me délivre de la gêne de respecter les vivants, et d 'observer de certains ménagements incompatibles avec le franchise de la vérité [...]; je ne parlerai de moi-même que lorsque la nécessité m 'y obligera, et l 'on me permettra, à l 'exemple de César, de faire mention de ce qui me regarde en personne tierce, pour éviter l 'odieux de l 'égoïsme. C 'est à la postérité à nous juger; mais, si nous sommes sages, nous devons la prévenir en nous jugeant rigoureusement nous-mêmes. Le vrai mérite d 'un bon prince est d 'avoir un attachement sincère au bien public, d 'aimer la patrie et la gloire; je dis la gloire, car l 'heureux instinct qui anime les hommes du désir d 'une bonne réputation, est le vrai principe des actions héroïques: c 'est le nerf de l 'âme, qui la réveille de sa léthargie pour la porter aux entreprises utiles, nécessaires et louables." (Œuvres de Frédéric le Grand (wie Anm. 11), II, XIII-XXIV, hier: XVI-XVII).

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PSJ Metadata
Katrin Kohl
Publizistische Inszenierung von Größe:
Friedrichs Schriften als Medium des Ruhms
Friedrichs Rolle als Herrscher bescherte ihm einen öffentlichen Status, mit dessen Wirkkraft er sich immer wieder auseinandersetzte, um sowohl seinen zeitgenössischen Ruf als auch einen Ruhm über den Tod hinaus mitzugestalten. In seinen Schriften wird der eigene Status auf verschiedenste Weise erkundet und dargestellt, so in der Korrespondenz mit Voltaire, in Vorreden oder auch in der Dichtung. In den geschichtlichen Werken spielt darüber hinaus die Rechtfertigung der eigenen Taten für die Folgezeit eine bedeutende Rolle: Friedrich versteht sich als Protagonist der Weltgeschichte und sieht das Schrifttum als Möglichkeit, der eigenen Tat in der Nachwelt die Fortwirkung als Heldentat zu sichern. Friedrich benutzt durchaus etablierte Gemeinplätze, macht sie jedoch für das Zeitalter der Aufklärung fruchtbar, um seiner erstrebten Größe öffentliche Resonanz zu verschaffen.
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
18. Jh.
Größe Ruhm Ruf Selbstdarstellung Öffentlichkeit
Abbildung 1 Abbildung 1 Antoine Pesne, Friedrich als Kronprinz, 1736. HuD 1710; GK I 579.
Abbildung 2 Abbildung 2 Anton Graff, Friedrich der Große, 1781. GK I 5615. SPSG, Foto: Wolfgang Pfauder.
Abbildung 3 Abbildung 3 EX UTROQUE CAESAR, aus: Gabriel Rollenhagen: Nucleus emblematum selectissimorum: quae Itali vulgo impresas vocant: priuata industria, studio singulari, vndiq[ue] conquisitus, non paucis venustis inuentionibus auctus, additis carminib[us] illustratus, Köln 1611, 115.
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K. Kohl: Publizistische Inszenierung von Größe
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/kohl_inszenierung
Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:35
Zugriff vom: 25.06.2017 08:59
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