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A. Hagemann: Im Schatten des großen Königs

Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

Im Schatten des großen Königs:

Königin Elisabeth Christine und ihr Verhältnis zu Friedrich II.

Alfred P. Hagemann


Abstract

Elisabeth Christine von Preußen ist traditionell nur als die vergessene und verbannte Königin Friedrichs des Großen im Gedächtnis. Angesichts ihrer gezielten Ausgrenzung stellt sich zum einen die Frage, welche Rolle die "Größe" Friedrichs für sie spielte. Eine Analyse ihrer Sammlung von Friedrich-Porträts macht deutlich, dass sie die "Größe" Friedrichs betonte, um sein Verhalten nicht aus einer persönlichen, sondern einer quasi historischen Perspektive interpretieren zu können. Zum anderen drängt sich die Frage auf, welche Bedeutung die Ausgrenzung der Königin für Friedrichs Selbstinszenierung spielte. Es zeigt sich, dass die Zurückweisung der Königin eine Absage an die höfischen Konventionen darstellte und damit zentraler Bestandteil der Selbstdarstellung Friedrichs als außerordentlicher Herrscher und roi philosophe war.

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Jede Beschäftigung mit Königin Elisabeth Christine von Preußen (1715-1797) ist unausweichlich immer auch eine Beschäftigung mit ihrem Verhältnis zu ihrem Gatten, Friedrich II., dem Großen. Ihr Leben hat sich aus Sicht der Nachwelt, die historische Forschung inbegriffen, meist auf ihre gewissermaßen negative Rolle, auf Elisabeth Christine in einer Art Schattendasein neben dem König beschränkt. Diese Perspektive dürfte zu einem guten Teil mit dafür verantwortlich sein, dass die Forschung zu Elisabeth Christine überschaubar geblieben ist und sich vor allem auf die Ehe des Königspaars konzentriert hat. 1 Tatsächlich war das Verhältnis der beiden – selbst wenn man die geringen Erwartungen an persönliches Glück zugrunde legt, die man dynastischen Ehen damals entgegenbrachte – so außerordentlich distanziert, dass bereits die Zeitgenossen dies kommentierten. Friedrich mied den Umgang mit seiner Gattin so entschieden, dass es alle Konventionen sprengte und Elisabeth Christine seither wahlweise Verachtung oder Mitleid einbrachte. Die öffentliche Herabsetzung der Königin ist ausgiebig belegt und soll hier nur an einem Beispiel verdeutlicht werden:

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Friedrich hat niemals ein Fest anlässlich des Geburtstages Elisabeth Christines am 8. November gegeben und war bei den entsprechenden Feierlichkeiten, die meist ihre Schwester Luise Amalia veranstaltete, auch selbst nie anwesend. An Elisabeth Christines 50. Geburtstag im Jahr 1765 ging die Missachtung der Königin noch einen Schritt weiter. Der König richtete am folgenden Tag in Potsdam ein großes und prächtiges Fest anlässlich des Geburtstages der Kronprinzessin, Elisabeth Christine der Jüngeren aus. Die Königin war zu diesen Festlichkeiten jedoch nicht geladen. 2

Elisabeth Christines Sicht auf Friedrich

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Wenn vor diesem Hintergrund von den Auswirkungen der historischen Größe Friedrichs II. auf Elisabeth Christine die Rede ist, drängt sich die Frage auf, welches Verhältnis sie selbst zur postulierten Größe ihres Gatten hatte. So schwierig es im Allgemeinen auch ist, persönliche Ansichten einer historischen Figur zu eruieren, lassen sich im Fall Elisabeth Christines doch immerhin einige Quellen ausmachen, in denen sich die Königin über ihren Gatten äußert. Grundsätzlich stellt man fest, dass Elisabeth Christine Friedrich offensichtlich verehrte und von seiner Größe fest überzeugt war. Schon 1736, aus Rheinsberg, schreibt sie an ihre Großmutter, die Herzogin-Witwe Christine Luise von Braunschweig-Wolfenbüttel, über Friedrich: "Man kann in Wahrheit sagen, dass er der größte Fürst seiner Zeit ist, er ist weise, er ist so geistvoll, wie man es genug nicht ausdrücken kann, er ist gerecht, […] Ich möchte sagen, dass er der Phönix unserer Zeit sein wird und dass ich ganz stolz darauf bin, das Glück zu haben, die Frau eines so großen Fürsten zu sein." 3

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In dieser sehr frühen Aussage Elisabeth Christines sind bereits alle Elemente versammelt, die ihr Verhältnis zu Friedrichs Größe zusammenfassen: Die Begründung seiner Größe allein aus seiner Persönlichkeit, nicht durch seine "großen" Taten (die er als Kronprinz ja noch nicht vollbracht haben konnte), und ihr Stolz, als seine Gattin an dem Glanz seiner Größe zu partizipieren. 4 Es ist bemerkenswert, dass sie ihren Gatten schon 1736 als "Phönix" bezeichnet. Sicher bezieht sie sich hier auf seinen Aufstieg aus der Asche der Gefangenschaft in Küstrin. Doch sollte sein Ruhm sich auch später vor allem vom "Mirakel des Hauses Brandenburg" nach der Schlacht von Kunersdorf 1759 sowie dem phönixhaften Aufstiegs Preußens zur europäischen Macht herleiten. 5 Somit war Elisabeth Christine eine der Allerersten, die in Friedrich den "Großen" sahen, prädestiniert dazu, der "größte Fürst seiner Zeit" zu werden – Elisabeth Christine äußerte dies Monate bevor es Voltaire tat. 6 Dabei muss man zudem bedenken, dass Friedrich II. erst seit 1745 in der Öffentlichkeit als der "Große" tituliert wurde, 7 und noch bis in die 1750er Jahre in der preußischen Öffentlichkeit mit "Friedrich dem Großen" zuallererst der Große Kurfürst gemeint war, mit dem er sich daher messen lassen musste. 8 Elisabeth Christine hielt an dieser früh gewonnenen Überzeugung bis an ihr Lebensende grundsätzlich fest, doch differenzierte sich ihre Meinung über Friedrich im Laufe seiner Regentschaft immer weiter aus. Den vielleicht tiefsten und persönlichsten Einblick in die Art, in der Elisabeth Christine ihren Gatten verehrte, erhält man durch eine Analyse der Rolle, die Porträts des Königs in der Ausstattung von Schloss Schönhausen, ihrer Sommerresidenz nördlich von Berlin, spielten.

Die Sammlung von Friedrich-Porträts in Schloss Schönhausen

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Schönhausen war für Elisabeth Christine ein sehr persönlicher Ort. Über Jahrzehnte befasste sich die Königin intensiv mit der Ausstattung des Schlosses. Besonders deutlich wird dies anhand der dort versammelten Gemälde, die sie nicht aufgrund ihres Kunstwertes erwarb, sondern als Erinnerungsstücke an für sie bedeutsame Orte und Menschen. Ihre wenigen Bilder und Skulpturen befanden sich (von Supraporten abgesehen) nicht etwa als Repräsentationsobjekte in den öffentlichen Bereichen des Schlosses, sondern konzentrierten sich auf ihre intimsten, persönlichsten Räume: die Zedernholzgalerie, das Schlafgemach und das Zedernholzkabinett. Hier fällt die große und differenzierte Gruppe von Friedrich-Porträts ins Auge, die die Königin in Schönhausen im Laufe von 50 Jahren zusammentrug.

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Das früheste Bildnis zeigt Friedrich als Kronprinzen. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der Vertraute aus der Rheinsberger Zeit, schuf dieses Pastell wahrscheinlich 1737. Es ist eine Version einer ersten Fassung dieses Typs von Knobelsdorff aus dem Jahre 1734. Damals schien die schlechte Gesundheit Friedrich Wilhelms I. darauf hinzudeuten, dass Friedrich bald König werden würde, was den Herrscher-Gestus des Bildes zu diesem frühen Zeitpunkt erklären mag. Während die erste Fassung von 1734 im Besitz Friedrichs verblieb, dürfte das Pastell auf Wunsch Elisabeth Christines angefertigt worden sein, die erst 1736 nach Rheinsberg übergesiedelt war. Es ist aufschlussreich zu sehen, wie zwischen den beiden Darstellungen bereits eine Stilisierung der Züge Friedrichs ins Antike und Heroische zum Ausdruck kommt. Während die erste Fassung noch das füllig-knabenhafte Aussehen Friedrichs wiedergibt und ein leichter Höcker in der Nasenlinie auffällt, sind in der späteren Fassung Elisabeth Christines viele Elemente der Darstellung herausgearbeitet, die das Bild Friedrichs für Jahrzehnte prägen sollten: die klassisch gerade Linie von Stirn und Nase, die Nasenfalte und die etwas hervorstehenden Augen. 9 Vor allem die Münzportraits Friedrichs orientieren sich bis in die 1760er Jahre an diesem Bildnistyp. 10

Abb. 1: Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff: Kronprinz Friedrich, Pastel, um 1737. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.

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Dieses Profilbild war bezeichnenderweise auch die Grundlage für das einzige Denkmal, mit dem Friedrich sich selbst verewigen ließ. Auf dem von Knobelsdorff entworfenen Obelisken auf dem Alten Markt in Potsdam wurden 1755 Profilbildnisse von Friedrich und seinen drei Vorgängern zu einem dynastischen Denkmal vereinigt. 11 Auch sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II. bestimmte im Februar 1791 für den ersten Wettbewerb um ein Friedrich-Denkmal ausdrücklich das Knobelsdorffporträt von 1737 als Vorbild für das Aussehen des Königs. Minister von Heinitz veröffentlichte den Wunsch des Königs: "[…] wollen S.K.M. in Ansehung der Ähnlichkeit, daß so vielmöglich das Portrait Friedrichs II., welches Herr von Knobelsdorff gemalt hat, dazu benutzt werde, und der verwittweten Königin Majestät [Elisabeth Christine] haben sich höchst gnädig erklärt, solches denen, die eine Zeichnung oder ein Modell verfertigen wollen, auf der Akademie vorzeigen zu lassen" 12 Daraus kann man ersehen, dass dieses Porträt sowohl von Friedrich als auch der Nachwelt als besonders aussagekräftig gewertet wurde. Dass gerade das Pastell aus dem Besitz Elisabeth Christines von Friedrich Wilhelm II. öffentlich als dasjenige benannt wurde, das die größte Ähnlichkeit mit dem König besäße, dürfte die Königin mit Stolz erfüllt haben. Für Elisabeth Christine war es sicher in erster Linie ein bedeutendes Erinnerungsstück an die gemeinsamen Jahre in Rheinsberg. Wie auch Friedrich, betrieb sie lebenslang einen Erinnerungskult um Rheinsberg – ohne dass dies beide einander noch einmal näher gebracht hätte. 13

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Auch eine Version des im 18. Jahrhundert vielleicht berühmtesten Porträts Friedrichs befand sich im Besitz Elisabeth Christines. Der Maler Johann Georg Ziesenis hatte kurz nach Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 die Gelegenheit, Friedrich bei einem Besuch in Salzdahlum, der braunschweigischen Sommerresidenz, direkt zu porträtieren. Das ist insofern bedeutungsvoll, als Friedrich sich seit seiner Thronbesteigung geweigert hatte, selbst Modell zu sitzen. Seit Jahrzehnten waren Maler daher auf ältere Bilder oder auf flüchtige Beobachtungen bei den seltenen öffentlichen Auftritten des Königs angewiesen gewesen. 14 Diese künstliche Verknappung authentischer Darstellungen war Teil der Selbstdarstellung Friedrichs, bei der sich ein Bescheidenheitstopos mit einer Mystifizierung seiner realen Person zu einer umso größeren Nachfrage nach dem Abbild des Königs verband. Daher musste sich Ziesenis ' erstes, authentisches Bild des Siegers und Helden des Siebenjährigen Krieges, des reifen aber auch gealterten Königs, größter Beliebtheit erfreuen und bildete den Ausgangspunkt für den Typus des "Alten Fritz". 15

Abb. 2: Unbekannter Maler nach Johann Georg Ziesenis: Friedrich II., Öl auf Leinwand, nach 1763. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.

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Es wurde in etlichen Versionen verbreitet – Elisabeth Christine hat ihr frühes Exemplar vielleicht direkt bei der Auftraggeberin, Philippine Charlotte von Braunschweig, ihrer Schwägerin, bestellt. 16 Bezeichnenderweise wurde diese Darstellung des Königs im 19. und 20. Jahrhundert kritisiert, weil sie von den gängigen Merkmalen der Friedrich-Physiognomie abweicht und "die geistige Bedeutung des Königs nicht wiederzugeben vermochte." 17 Elisabeth Christine lag es womöglich gerade deshalb am Herzen, weil es nicht so sehr typisch war, sondern den Zeitgenossen als besonders authentisch galt. Auch die posthumen Bildnisse Friedrichs beschäftigten Elisabeth Christine sehr. Im Umfeld des Denkmalwettbewerbes von 1791 entstanden zahlreiche Werke der Plastik, die 1792 bei der Berliner Akademieausstellung präsentiert wurden. Es war das Jahr, in dem sich der Geburtstag Friedrichs zum 80. Mal und die Verlobung Elisabeth Christines mit Friedrich zum 60. Mal jährten. Das mag ein Grund für den Erwerb der Friedrich-Büste des Bildhauers Heinrich Bettkober gewesen sein. 18 Sie zeigt den alten König, allerdings nicht in der populären Form als "Alter Fritz" in Uniform und Dreispitz, sondern einen würdevoll in einen Hermelin gehüllten, gleichwohl müde wirkenden König. 19 Sie stand zunächst einige Jahre in der Zedernholzgalerie in Schönhausen, bevor die Königin sie kurz vor ihrem Tod ins Berliner Schloss holen ließ. 20

Abb. 3: Heinrich Bettkober: Friedrich II., Marmor, 1792. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.

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Noch wichtiger war ihr offenbar ein anderes Werk aus dem gleichen Jahr, ein Relief des Bildhauers Johann Andreas Schlott. Es entstand ebenfalls im Rahmen des Denkmalwettbewerbs von 1791. Schlott dürfte dazu Knobelsdorffs Pastell vorgelegen haben, das die Königin tatsächlich der Akademie zur Verfügung gestellt hatte. Allerdings wurde das Bild laut Protokoll der Akademiesitzung vom 26. Februar 1791 zwar als sehr gut, aber aufgrund der jugendlichen Darstellung für ein Denkmal Friedrichs II. als unpassend bewertet. 21 In seinem Relief versucht Schlott nun, sowohl dem Wunsch des Königs als auch der einleuchtenden Kritik der Akademie gerecht zu werden. Formal steht sein Profilbildnis in unmittelbarem Bezug zu Knobelsdorffs Pastell, leitet sich aber in der Ausgestaltung der Physiognomie von der Totenmaske Friedrichs ab. 22 So gewinnt es eine hohe, quasi empirische Authentizität. Daher verwundert es nicht, dass Elisabeth Christine dieses Relief erwarb. Sie ließ es in Schönhausen fest in die Wandvertäfelung des Zedernholzkabinetts einbauen, 23 in dem sie auch das Knobelsdorff-Pastell aufbewahrte. 24 So traten in ihrem persönlichen Rückzugsraum der junge "Phönix seiner Zeit" und der alte König, am Ende seines "Heldenlebens", in direkte Korrespondenz. Das Versprechen der Jugend und die Erfüllung der historischen "Unsterblichkeit" sind hier räumlich und formal ausgedrückt. Aus dem unmittelbaren, vergänglichen Pastell ist der edle, harte, unvergängliche Marmor der Denkmäler geworden.

Abb. 4: Johann Andreas Schlott: Friedrich II., weißer Marmor auf grauem Marmorgrund, 1792. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.

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Im Überblick kann zunächst festgehalten werden, dass es sich hier um eine der frühesten und umfassendsten nachweisbaren Sammlungen von Friedrich-Porträts handelt. Dass dabei keinesfalls von einer bloß zufälligen Anhäufung die Rede sein kann, machen die hohe Qualität und die deutlichen Bezüge der Porträts zueinander deutlich. An dieser Stelle ist auch die Auswahl, die Elisabeth Christine unter den zahllosen weiteren Darstellungen des Königs für Schönhausen traf, von großem Interesse:

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So finden sich in Schloss Schönhausen keine offiziellen Staatsporträts. Diese hingen im Berliner Schloss in den Repräsentationsräumen ihrer Wohnung. Sie hatten eine ähnliche Qualität wie die Porträts in Schönhausen, zeigten aufgrund ihrer Funktion aber eine rein repräsentative Ausrichtung. 25 In Schloss Schönhausen versammelte Elisabeth Christine hingegen Bilder, die ihr offenbar persönlich am Herzen lagen. Dabei fällt auf, dass es sich gerade nicht um die populären Bilder Friedrichs handelt. Darstellungen, die Friedrich "menschlich" erscheinen lassen sollen oder anekdotenhaft sind, fehlen ebenso wie Historienbilder, die die Taten des Königs verherrlichen. Auch der uniformierte "Alte Fritz", der sich in den letzten Jahrzehnten seiner Regentschaft als Porträttyp herausbildete, ist nicht Teil ihrer Sammlung. Weder das einflussreiche Bild von Johann Heinrich Christian Franke, der den König nach dem verheerenden, sieben Jahre währenden Krieg 1764 den Hut vor dem Betrachter – das heißt dem Volk – ziehen lässt, noch das weitverbreitete und bis heute wahrscheinlich beliebteste Bild des gütig dreinschauenden alten Königs von Anton Graff aus dem Jahr 1781 weckten das Interesse der Königin.

Abb. 5: J.H.C. Franke: Friedrich II., Öl auf Leinwand, 1763. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.

Abb. 6: Anton Graff, Friedrich der Große, Öl auf Leinwand, 1781. GK I 5615. SPSG, Foto: Wolfgang Pfauder.

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Demgegenüber handelt es sich bei den Darstellungen des Königs im Besitz Elisabeth Christines um jene, die man im 18. Jahrhundert als die authentischsten betrachtete. Der Königin war offensichtlich daran gelegen, den "wahren" Friedrich vor Augen zu haben. Gleichzeitig suchen ihre Porträts bei aller Authentizität bewusst nicht das Persönlich-Intime in der Darstellung, sondern das Denkmalhaft-Antike. Man kann also schließen, dass Elisabeth Christine nicht versuchte, den "Menschen" Friedrich in ihre Lebensumwelt zu ziehen, den sie ja in der Realität als solchen seit Rheinsberg nicht mehr erlebt hatte. Vielmehr versammelte sie jene Zeugnisse um sich, die ganz bewusst die Größe seiner Persönlichkeit thematisieren, von der sie schon von Jugend an, seit den 1730er Jahren überzeugt war. Diesem "großen" Friedrich setzte sie in ihrem unmittelbaren Lebensbereich ein differenziertes Denkmal.

Die Bedeutung von Friedrichs "Größe" für Elisabeth Christine

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Elisabeth Christines offenbar bedingungslose Bewunderung für Friedrich, wie sie auch in dieser Porträtauswahl zum Ausdruck kommt, ist sowohl von den Zeitgenossen als auch von der Nachwelt häufig als Selbstaufgabe und Mangel an Stolz ausgelegt worden. Dieudonné Thiébault schreibt in seinen Erinnerungen über den Aufenthalt in Berlin (1765-1784): "Mehr als irgendein anderer ihren erhabenen Gemahl bewundernd, hat sie niemals gestattet, dass man abfällig von ihm sprach […] Trotzdem hat sie diese Unterwürfigkeit bis zu einem Punkt verfolgt, den man nicht für möglich halten würde [...]." 26 Doch sollte man nicht den Fehler machen, Bewunderung und Ergebenheit gegenüber Friedrich als Kritiklosigkeit zu interpretieren. Elisabeth Christine war durchaus nicht blind für seine Schwächen und hat sich als junge Frau auch bitter über sein Verhalten beklagt. 1745, als ihr Bruder Albert von Braunschweig in der Armee Friedrichs dienend gefallen war, schrieb sie: "Ist es denn möglich, dass den Herrn der Tod des teuren Verstorbenen gerührt hat? Er ist so grausam gewesen, weder meiner Schwester noch mir eine Silbe darüber zu schreiben. Ich bin an seine Art schon gewöhnt, aber darum berührt sie mich doch nicht minder empfindlich, [...] Es ist wirklich grausam von ihm. Doch nur Geduld! Der gute Gott wird mir helfen, auch das zu ertragen, wie so vieles andere." 27 Zudem gab es schon in Rheinsberg deutliche Grenzen ihres Anpassungswillens, besonders was ihre negative Bewertung der von Friedrich am meisten bewunderten Persönlichkeiten wie Algarotti und Voltaire und ihr unerschütterliches Festhalten an ihrer christlichen Lebenseinstellung angeht. 28

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In der Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg emanzipierte sich Elisabeth Christine schließlich so weit von Friedrichs Person, dass man durchaus von einer "stillen Opposition" sprechen möchte. Zwar duldete sie nie ein kritisches Wort über Friedrich, doch ihr enger Kontakte mit den pietistischen und akademischen Zirkeln Berlins macht deutlich, dass sie durchaus andere Überzeugungen vertrat als der König. Neben den Vertretern des aufgeklärten Berliner Protestantismus Johann Joachim Spalding und August Friedrich Sack, pflegte sie eine besonders enge Verbindung zu Anton Friedrich Büsching, dem bekannten Geographen und Professor am Gymnasium zum Grauen Kloster. Friedrichs Haß auf Theologen und seine Geringschätzung der deutschen Sprache wurde in diesen Kreisen sehr kritisiert, 29 da sie sich zugute hielten, diejenigen zu sein, die das eigentliche kulturelle Leben Berlins bestritten – von dem jedoch Friedrich kaum etwas wusste. Friedrich hatte in seinem Essay "De la littérature allemande" 1780 dem Deutschen – durchaus mit Bedauern – den Status einer Kultursprache abgesprochen, weil die territoriale Zersplitterung und die vielen Kriege der Vergangenheit einer einheitlichen Entwicklung sehr abträglich gewesen seien. Er empfahl deutschen Autoren daher das Übersetzen aus den Alten Sprachen und dem Französischen, weil nur so die nötige Aussagefähigkeit, Genauigkeit und Eleganz zu erreichen seien. 30 Wenn nun Elisabeth Christine zu dieser Zeit christlich-pietistische Texte deutscher Autoren ins Französische übersetzte und zwischen 1776 und 1789 elf Bücher publizierte, erklärt sie damit die deutsche Literatur in direkter Umkehr der Argumentation Friedrichs zu einer möglichen Bereicherung der französischen Kultur. Elisabeth Christine trat so unter dem Pseudonym "Constance", das ihr in der Rheinsberger Zeit als Reaktion auf Friedrichs Namen "Le Constant" gegeben worden war, als Frau des roi philosophe bewusst in direkte und selbstbewusste Konkurrenz zu ihrem Mann. 31

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In ihrer Witwenzeit begegnete Elisabeth Christine Friedrichs Charakter offenbar mit Gelassenheit und Weisheit. In einem Brief an Ihren Neffen, Friedrich Wilhelm II., aus dem Jahr 1796 bringt sie ihre Ansichten zu Friedrich auf den Punkt: "Friedrich, der aus sich selbst so groß war, wäre seiner Eigenschaften wegen angebetet worden, wenn er nicht so wunderlich gewesen wäre. Alle großen Fürsten liefern dieses Beispiel." 32 Sie umschreibt Friedrichs menschliches Versagen hier milde als "wunderlich". Friedrich Wilhelm II. wusste sehr gut, worüber sie sprach – er selbst drückte es etwas drastischer aus. Anlässlich einer schweren Krankheit Friedrichs II. Mitte der 1770er Jahre schrieb er: "bald würde er einen jammern wen er nicht so ein wildes thier währe der über nichts als sich selbst und über seine hunde weint". 33 Für Elisabeth Christine hingegen war das Verhalten Friedrichs aus seiner Funktion und seiner "Größe" heraus verständlich. Am Ende ihres Lebens war sie zu der Überzeugung gelangt, dass sein Verhalten un-menschlich war, weil er über menschlichen Maßstäben stand. Und hierin war er ihrer – ganz machiavellistischen – Überzeugung nach wie alle großen Fürsten. Das hieß aber auch, dass sein Verhalten keinen persönlichen Affront gegen ihre Person darstellte, sondern lediglich das typische Verhalten eines großen Mannes war.

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Hier zeigt sich, dass sich Elisabeth Christine ihr ganzes Leben hindurch aus der Distanz mit der Person Friedrichs auseinandersetzte. Der Wille, sein Handeln zu begreifen, war zugleich ein Weg, ihre eigene, hilflose Rolle an seinem Hof zu verstehen. Das erklärt, warum die Königin stets auf Friedrichs Größe insistierte – nicht trotz, sondern gerade wegen seines demütigenden Verhaltens ihr gegenüber. Die postulierte Größe Friedrichs war nicht Ausdruck ihrer kritiklosen Bewunderung, sondern erfüllte für sie eine konkrete Funktion: Wenn sie schon leiden sollte, dann unter einem Großen, dessen Größe viele seiner menschlichen Defizite erklärte und ihrer Rolle einen höheren Sinn gab. Dies ist ein Argumentationsschema, das unter Menschen, die ihr Leben an der Seite bedeutender Männer verbringen und arrangieren müssen, weit verbreitet ist. So sagte Eleanor Roosevelt über das Verhältnis zu ihrem Mann: "A man in high public office is neither husband nor father nor friend in the commonly accepted sense of the words." 34

Die Herabsetzung Elisabeth Christines als Folie für Friedrichs Größe

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Die Frage nach Elisabeth Christines Verhältnis zu Friedrichs Größe ist die eine Seite der Medaille und bleibt zwangsläufig psychologisierend. Von der anderen Seite her betrachtet, stellt sich die Frage, was die öffentliche Ausgrenzung, gar Herabsetzung der Königin zu Friedrichs selbstgesuchter Einzigartigkeit und damit zu seiner Größe beigetragen hat. Etwas anders formuliert: Wie sah die Öffentlichkeit auf die Königin? Und welche Bedeutung spielte das öffentliche Bild der Königin für Friedrichs Größe? Zunächst ist zu konstatieren, dass die Königin von Friedrich in aller Öffentlichkeit erniedrigt wurde. Denn der Natur eines Hofes nach konnte Elisabeth Christines Zurücksetzung nicht unbemerkt bleiben, da jede Bewegung der königlichen Familie von der Öffentlichkeit sehr genau wahrgenommen wurde, nicht zuletzt vermittels der Berliner Zeitungen. 35 Es steht daher außer Frage, dass ihr Ausschluss zumindest den Zeitungslesern in Berlin und Preußen bekannt war. Dabei muss man zwischen der Reaktion des Hofes und der weiteren Öffentlichkeit (Bürgertum, Militär, Landadel usw.) unterscheiden.

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Für die Mitglieder der Hofgesellschaft war es stets das oberste Ziel, dem König nahe zu sein. Der radikale Ausschluss der Königin von dieser "Nähe" bedeutete für alle, die an ihren Hof gebunden waren, zwangsläufig ebenfalls einen Ausschluss aus der Umgebung Friedrichs. Wenn sich also ihr Kammerherr Lehndorff oder ihre Oberhofmeisterin Voss in ihren berühmten Tagebüchern immer wieder über die unerträgliche Langeweile an der Seite der Königin beschweren, sollte man daraus keine voreiligen Rückschlüsse auf die Talente Elisabeth Christines als Gastgeberin ziehen: Die "Langeweile" an ihrem Hof war struktureller Natur – ein Diner mit der Königin bedeutete immer auch ein Diner ohne Friedrich und war daher das Gegenteil einer königlichen Gunstbezeugung, die vielmehr in einer Einladung nach Potsdam bestand. 36 Hier liegt ein Hinweis darauf, welche Funktion die Königin im Herrschaftssystem Friedrichs hatte. Wie eine Auswertung der Hofberichterstattung der "Berlinischen Privilegirten Zeitung von Staats- und Gelehrten Sachen" gezeigt hat, 37 betrieb Friedrich eine bewusste und auch öffentlich inszenierte Trennung zwischen den beiden zentralen Formen der Machtausübung an seinem Hof – der hergebrachten, regelhaften Hierarchie auf der einen und seiner persönlichen Gunst auf der anderen Seite.

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Das drückt sich am augenscheinlichsten in der Aufteilung seiner Hofführung zwischen Berlin und Potsdam aus. Berlin war als Hauptstadt des Reiches der Ort der Hierarchie und des Zeremoniells. Diesem Bereich entzog sich Friedrich im Laufe seiner Regentschaft zunehmend, um vielmehr seine Vertrauten in Potsdam um sich zu versammeln. Dort führte er ein zwar strenges, aber vom hergebrachten Zeremoniell völlig unabhängiges Leben. 38 Elisabeth Christine verkörperte nun persönlich, was Berlin räumlich symbolisierte: Sie vertrat Friedrich in seiner Hauptstadt bei allen zeremoniellen Geschäften und hielt die alltägliche Routine des Hofes aufrecht. Diese Trennung zwischen den nominellen Würden des Hofes in Berlin und der königlichen Gunst in Potsdam wurde durch Friedrich gezielt über die Tageszeitungen kommuniziert und entwickelte sich so zu einem Instrument seiner Herrschaft. Ein Ruf nach Potsdam war eine öffentliche Auszeichnung, den Sommer in Berlin verbringen zu müssen, kam einer Demütigung gleich. Unter den Zeitgenossen bringt Thiebault diese Funktion von Elisabeth Christines Hof am besten auf den Punkt: "Man kann sich nichts Einfacheres, Eintönigeres und Stilleres denken als den Hof dieser Fürstin; kein Mensch sprach von ihm, denn kein Mensch wußte etwas von ihm, und dennoch hielt sie den eigentlichen und wahren Hof des Landes. [...] Die Etiquette war ganz an ihren Hof geknüpft; aber alles war so geregelt und ging fortwährend in gleichem Gleise, daß außer Jenen die sich hinbegeben mussten, Niemand an denselben dachte." 39

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Vertritt man die These, Friedrich habe sich bewusst in einer Weise in Szene gesetzt, die das Epitheton "der Große" evozierte, so wird man sicher davon ausgehen, dass dazu auch eine bewusste Darstellung von Außerordentlichkeit durch Unkonventionalität gehörte. Dem kalkulierten und öffentlich kommunizierten Bruch von höfischen Konventionen kam dabei zentrale Bedeutung zu. Dem Rückzug des "roi philospophe" nach Potsdam stand der konventionelle, "altmodische" Hof der Königin in Berlin gegenüber. Somit war die öffentliche Zurückweisung der Königin eine öffentliche Zurückweisung der Etikette und der hergebrachten Konvention. Wichtig für diese Inszenierung war allerdings, dass das höfische Leben nicht etwa abgeschafft wurde, sondern permanent als staubige Folie zur Verfügung stand, vor der sich Friedrichs Lebensführung glänzend abheben konnte.

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In der Tat eignete sich Elisabeth Christine aufgrund ihres Charakters und ihrer Überzeugungen hervorragend als Gegenfigur innerhalb Friedrichs theatralischem Selbstinszenierungsspiel. Das wird besonders deutlich, wenn man untersucht, wie die Königin in der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Bereits 1749 wurde ein ausschweifendes Fest in Sanssouci mit der gesamten königlichen Familie und einem Großteil des Hofes ausführlich beschrieben, worauf mit einer Leerzeile Abstand der Bericht folgte: "Eben desselben Tages empfingen Ihro Majestät, die Königin, auf dem Sommerpalast, Schönhausen, wie auch Ihre Königliche Hoheit, die Prinzessin von Preußen, das h. Abendmahl aus den Händen Sr. Hochwürden des Hrn. Inspector Baumgartens, welcher bey dieser Gelegenheit eine schöne geistliche Rede hielt." 40

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Einerseits wird hier überdeutlich, dass die Öffentlichkeit im Bilde war. Andererseits ist die Gegenüberstellung von höfischer Prachtentfaltung und zurückgezogener Frömmigkeit bezeichnend. Dieser Topos zieht sich durch die Jahrzehnte. 1782 heißt es in dem üblichen Gedicht auf das Königshaus zum Neujahrstag:

"Wo wir für unsern großen König beten /
Und unsere fromme Königin. /
Wo wir in unsere heilgen Tempeln treten, /
Und segnen Sie, und segnen Ihn" 41

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Diese Kontrastierung von weltlicher Größe auf der einen und Frömmigkeit auf der anderen Seite wurde nicht nur in den Zeitungen verbreitet, sondern klang auch in anderen Medien an. Beispielsweise fertigte der Medailleur Abramson 1782 eine Medaille auf den Geburtstag der Königin. Um gekreuzte Palmenzweige steht hier die Inschrift: "An Stande die Größte, noch größer durch Tugenden." 42 In diesem Kontext ist das allgemeine Siegessymbol des Palmwedels als "Sieg des Glaubens", insbesondere als Symbol der Märtyrer zu verstehen. In der Öffentlichkeit wurde Elisabeth Christines treues Ausharren, ihr skandalloses und eskapadenfreies Leben in stiller Duldung also als ein Ausweis ihres Glaubens und ihrer Tugend positiv konnotiert. 43 Diese Darstellung geschah in den Zeitungen und man kann daher annehmen, dass Sie nicht ohne den Willen Friedrichs erfolgte.

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Ihre Frömmigkeit verwies Elisabeth Christine aus dem engeren Gunst-Umfeld Friedrichs, dessen beißender Spott über Kleriker zum guten Ton an seiner Tafel gehörte. Neben ihrer Religiosität galt auch ihr ganzer Charakter als unaristokratisch. So äußert Lehndorff zum Beispiel 1757, sie sei zwar eine "gute Frau" aber sie tauge nicht als Gemahlin "des größten, des schätzenswertesten und liebenswürdigsten Königs", weil sie "keine Würde" besitze und sich "nur mit Kammerfrauen" wohl fühle. 44 Ihre unaristokratische Art kritisiert er auch 1759 und meint, "sie wäre als Gattin irgendeines Amtmannes glücklicher" als auf dem Thron. 45 Gleichzeitig betont er mehrfach, wie beliebt sie beim einfachen Volk sei. 46 Ihre un-höfisch leutselige Art wurde auch vom Bürgertum wahrgenommen – führte aber hier nicht zu Verachtung, sondern zu Verehrung. Büsching, der über Jahre regelmäßig mit Elisabeth Christine verkehrte, fällt in seiner Autobiographie in diesem Sinne ein überaus positives Urteil über die Königin, die für ein Mitglied der höfischen Welt "ausnehmend große Herblassung", "christliche Zufriedenheit" und "seltenes Wohlgefallenen an nützlichen Gesprächen" gezeigt habe, als er an "irgend einer anderen hohen Tafel gefunden" habe. 47

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Alles in allem kann man schließen, dass gerade ihre Ausgrenzung aus der Nähe des Königs Elisabeth Christine in den Augen der bürgerlichen Öffentlichkeit im Lauf der zweiten Jahrhunderthälfte zu einer positiven Figur machte. Sie stand gegen die gängigen Klischees vom sinnentleerten Prunk des Hofes, 48 weil sie von den dortigen Festen ausgeschlossen war. Ihre Frömmigkeit und ihr soziales Engagement machten sie zusätzlich populär. Als Abbild ihrer öffentlichen Wahrnehmung gegen Ende des Jahrhunderts kann man den 1798 gefertigten Stich "Elisabeth Christine, Gattin Friedrichs des Großen, im Hinschweben zu den höheren Regionen" von Johann Samuel Ringck betrachten. Ihre Frömmigkeit, ihre Geduld im Leiden (symbolisiert durch die Märtyrerpalmen) und ihr soziales Engagement (angedeutet in der Gruppe trauernder Armer) verdichten sich zu einer Darstellung ihres Todes im Sinne einer regelrechten "Himmelfahrt". Hier wird deutlich, dass Elisabeth Christine auf dem besten Weg war, als eine Art Staatsheilige populär zu werden – eine Rolle, die wenig später dann Königin Louise übernehmen sollte.

Abb. 7: Johann Samuel Ringck: "Königin Elisabeth Christine, Gattin Friedrich des Großen, im Hinschweben zu den höheren Regionen", 1798. Mit freundlicher Genehmigung des Braunschweigischen Landesmuseums.

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Dass der von Friedrich bewusst propagierte Widerstreit zwischen der aufgeklärten, philosophischen Welt von Sanssouci und der altmodischen, von Konventionen und Frömmigkeit dominierten Welt am Hof der Königin in den Augen der bürgerlichen Öffentlichkeit eher zugunsten Elisabeth Christines ausging, tat der Selbstinszenierung von Friedrichs Außerordentlichkeit gewiss keinen Abbruch. Friedrichs Ziel war es, vor der Geschichte, der internationalen République des Lettres und anderen Monarchen als "groß" zu gelten. Seine von den Zeitgenossen oft beklagte Geringschätzung der eigenen Bevölkerung störte da wenig. 49 Im Gegenteil unterstrich seine zur Schau getragene Resignation über die Unbelehrbarkeit des Volkes bei gleichzeitiger Betonung seiner unermüdlichen Arbeit als "erster Diener des Staates" seine Glaubwürdigkeit als Philosoph. 1770 schreibt er an D 'Alembert: "L 'imperfection, tant en morale qu 'en physique, est le caractère de ce globe que nous habitons; c 'est peine perdue d 'entreprendre de l 'éclairer, et souvent la commission est dangereuse pour ceux qui s 'en chargent. Il faut se contenter d 'être sage pour soi, si on peut l 'être, et abandonner le vulgaire à l 'erreur, en tâchant de le détourner des crimes qui dérangent l 'ordre de la société." 50

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Vor dem Hintergrund dieser vom König oft apostrophierten "Unbelehrbarkeit des Volkes", das man wohl vor sich selbst bewahren, aber nicht wirklich retten könne, war Elisabeth Christine als Verkörperung des Hergebrachten und der Religion ein positiver Identifikationspunkt für die Bevölkerung. So trug die Sympathie der Bevölkerung für Elisabeth Christine zur Stabilisierung des Staates bei und unterstrich gleichzeitig Friedrichs philosophische Lebensweise. "Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten", so heißt es. Wie die vorangehenden Ausführungen zeigen konnten, kann man den schwarzen Schatten, in den Friedrich seine Königin – und damit seinen Hof – bewusst rückte, als Teil seiner Bemühungen verstehen, sein eigenes Licht heller in die Welt strahlen zu lassen. Über die hergebrachte Analyse einer unglücklichen zwischenmenschlichen Beziehung hinaus, erhält nun die Rolle Königin Elisabeth Christines in der Herrschaftsstruktur Friedrichs II. eine klare Kontur und es wird deutlich, dass sie wohl ungeliebt aber keinesfalls vergessen war.

Autor:

Dr. Alfred P. Hagemann
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Am Grünen Gitter 7
14469 Potsdam
a.hagemann@spsg.de

1 Über das schwierige Verhältnis des königlichen Paares ist viel geschrieben und noch mehr spekuliert worden. Für quellenbasierte Aussagen vgl. Eufemia von Adlersfeld-Ballerstrem: Elisabeth Christine, Königin von Preußen, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Das Lebensbild einer Verkannten, Berlin 1908; Thomas Biskup: The Hidden Queen – Elisabeth Christine of Prussia and Hohenzollern. Queenship in the Eighteenth Century, in: Clarissa Campbell Orr (Hg.): Queenship in Europe 1660-1815. The Role of the Consort, Cambridge 2004, 300-321; Alfred P. Hagemann: Der König, die Königin und der preußische Hof, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich der Große und der Hof URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Hagemann_Zeitung <2.3.2010>.

2 Über beide Veranstaltungen berichtet die Berlinische Priviligirte Zeitung von Staats- und Gelehrten Sachen (BPZ) am 9. 11.1765 und 12.11.1765.

3 Zitiert nach Adlersfeld-Ballerstrem: Elisabeth Christine (wie Anm. 1), 43.

4 Zumindest nach dem Tod Friedrichs war die Verehrung für die Person Elisabeth Christines tatsächlich stark durch die Tatsache begründet, dass sie die Gattin des "Großen" gewesen war. BPZ vom 13.12.1787: "An Ihro Majestät die verwittwete Königin von Preussen:/Erhabene Königin, sieh die Werke/Des besten Königs der Welt!/Wer war Ihm gleich an Weisheit, Muth und Stärke?/Wo lebte je ein größerer Held?/Heil uns! Dass wir durch Seine Schriften /Sein bestes Monument der Nachwelt stiften - -/Heil uns! Erhabne Königin! Denn Du Winkst unserem Fleiße Beifall zu."

5 Vgl. zum Erfolg in den Schlesischen Kriegen: Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a.M. / Berlin / Wien 1983, 478. Zum "Mirakel" siehe Johannes Kunisch: Das Mirakel des Hauses Brandenburg. Studien zum Verhältnis von Kabinettspolitik und Kriegführung im Zeitalter des Siebenjährigen Krieges, München 1978, 77-81. Vgl. auch die kritischen Anmerkungen von Johannes Burkhardt: Vom Debakel zum Mirakel. Zur friedensgeschichtlichen Einordnung des Siebenjährigen Krieges, in: Menschen und Strukturen in der Geschichte Alteuropas. Festschrift für Johannes Kunisch zur Vollendung seines 65. Lebensjahres, dargebracht von Schülern, Freunden und Kollegen, hg. von Helmut Neuhaus und Barbara Stollberg-Rilinger, Berlin 2002 (= Historische Forschungen, 73), 299-318, 302 u. 311.

6 Vgl. auch den in diese Ausgabe einführenden Text von Jürgen Luh, sowie Adlersfeld-Ballerstrem: Elisabeth Christine (wie Anm. 1), 40.

7 Vgl. Jürgen Luh: Friedrichs Wille zur Größe. Überlegung und Einführung<6>.

8 Vgl. Anm. 11. Zu Friedrichs veröffentlichter Auffassung zu Kurfürst Friedrich Wilhelm siehe Michael Rohrschneider: Friedrich der Große als Historiograph des Hauses Brandenburg. Herrscherideal, Selbststilisierung und Rechtfertigungstendenzen in den Mémoires pour servir à l 'histoire de la maison de Brandenbourg, in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte, Neue Folge 17 (2007), 97-121, hier: 110-115 u. Anm. 56 auf 111.

9 Arnold Hildebrand: Das Bildnis Friedrichs des Großen – Zeitgenössische Darstellungen, Zweite, um 16 Tafeln (84 statt 68) vermehrte und mit einem Nachwort versehene, verbesserte Aufl., Berlin / Leipzig 1942, 100-101.

10 Hildebrand: Das Bildnis Friedrichs des Großen (wie Anm. 9), 102.

11 BPZ vom 10.7.1755: "Potsdam hat seit kurzem eine neue Zierde bekommen, indem der prächtige Obeliscus, an welchem auf dem Markte daselbst seit einiger Zeit gebauet worden, nunmehr völlig aufgeführet ist. Seine Figur ist pyramidalisch von vier Seiten; er ist aus lauter Schlesischem vierfärbigten Marmor zusammengesetzt, und seien Höhe beträgt 74 Fuß. Auf jeder Seite steht das Marmorne Brustbild der glorwürdigsten Regenten, von Friedrich dem Großen (gemeint ist Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, A.H.) bis auf Se. Jetztregierende Königl. Majestät. Unter jedem dieser Brustbilder lieget eine Sphinx als Bild der Weisheit. Das Postument ist von weißem italienischen Marmor und auf jeder Ecke desselben steht eine kleine Statue von eben demselben Marmor."

12 Zitiert nach Hildebrand: Das Bildnis Friedrichs des Großen (wie Anm. 9), 100.

13 Das Inventar von Schloss Schönhausen von 1797 erwähnt zum Beispiel eine Supraporte mit einer Darstellung von Rheinsberg im Schlafgemach der Königin. Vgl. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Plankammer/Graphische Sammlung, Akte IX 2, Nr. 621: Inventarium des Königl: Lustschlosses Schönhausen Aufgenommen den 28ten Aprill 1797, Folio 3.

14 Zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Bildes ausführlich Karin Schrader: Der Bildnismaler Johann Georg Ziesenis 1716-1776. Leben und Werk mit kritischem Oeuvrekatalog (= Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte), Münster 1995, 101-119.

15 Saskia Hüneke: Friedrich der Grosse in der Bildhauerkunst des 18. und 19. Jahrhunderts, in: Jahrbuch der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 2 (1997/98), 59-86, hier 63.

16 Schrader: Ziesenis (wie Anm. 14), Katalog Nr. 172, 226.

17 E. von Campe: Die graphischen Portraits Friedrichs des Großen aus seiner Zeit und ihre Vorbilder, München 1958, zitiert nach Schrader: Ziesenis (wie Anm. 14), 102.

18 Die Königin stand in diesen Jahren ohnehin in Kontakt zu Bettkober, der 1791-1793 auch Büsten für den Elisabeth-Saal in ihrer Wohnung im Berliner Schloss anfertigte. Albert Geyer: Geschichte des Schlosses Berlin. Vom Königsschloss zum Schloss des Kaisers (1698-1918). Bearbeitet von Sepp-Gustav Gröschel. Aus dem Nachlass herausgegeben, Berlin 2001, 48.

19 Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: Friedrich Wilhelm II. und die Künste. Preußens Weg zum Klassizismus, Berlin 1997, Katalog Nr. II.41 (Saskia Hüneke), 149.

20 Die Büste wird in der Beschreibung des Schlosses Schönhausen von Rumpf 1794 als "weiße marmorne Büste K. Friedrichs II, von Bettkober" in der "mit Zedernholz boisirten Gallerie" eindeutig identifiziert. Vgl. Friedrich Rumpf: Beschreibung der aeussern und inneren Merkwürdigkeiten der Königlichen Schlösser Berlin, Charlottenburg, Schönhausen, in und bey Potsdam, Berlin 1794, 267. Im Inventar von 1795 ist sie noch an dieser Stelle verzeichnet, dann aber wird ihr Abgang nach Berlin angemerkt. Vgl. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, BPH, Rep. 47 R, Nr. 4: Inventarium von denen, auf Ihro Majestät der verwittweten Königin Lust Schloß Schönhausen und denen dazu gehörigen Gebäuden befindlichen Meubles und andern Sachen, aufgenommen im April 1795, Folio 11-12.

21 Hildebrand: Das Bildnis Friedrichs des Großen (wie Anm. 9), 100.

22 Friedrich Wilhelm II. und die Künste (wie Anm. 19), Kat. Nr. II.40 (Saskia Hüneke), 146.

23 Inventar Schönhausen 1797 (wie Anm. 13), Folio 4.

24 Inventar Schönhausen 1795 (wie Anm. 20), Folio 9-10.

25 Zum Beispiel ein ganzfiguriges Porträt des Kronprinzen Friedrich in Feldherrnpose von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, um 1734. Vgl. Tilo Eggeling und Ute-G. Weickardt (Hg): Zum Maler und zum großen Architekten geboren. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, 1699–1753. Ausstellungskatalog der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Berlin 1999, Kat. Nr. I.3 (Gerd Bartoscheck), 167.

26 Dieudonné Thiébault: Friedrich der Große, seine Familie, seine Freunde und sein Hof oder Zwanzig Jahre meines Aufenthaltes in Berlin, Leipzig 1828 (deutsche Ausgabe des französischen Originals: Mes Souvenirs de Vingt Ans de Séjour a Berlin ou Frédéric le Grand, Sa Famille, Sa Cour, Son Gouvernement, Son Académie, Ses Écoles, et Ses Amis Littérateurs et Philosophes, Paris 1804), Bd. 1, 119.

27 Brief Elisabeth Christines an ihren Bruder, Ferdinand von Braunschweig, vom 5.10.1745. Zitiert nach Adlersfeld-Ballerstrem: Elisabeth Christine (wie Anm. 1), 115.

28 Vgl. Alfred P. Hagemann: Königin Elisabeth Christine und ihre Sommerresidenz, in: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: Schönhausen. Rokoko und Kalter Krieg – die bewegte Geschichte eines Schlosses und seines Gartens, Berlin 2009, 43.

29 Vgl. Anton Friedrich Büsching: Charakter Friedrichs des Zweyten, Königs von Preußen, Zweyte Auflage, Carlsruhe 1789, 56,70, 87. Vgl. auch Anm. 49.

30 Eberhard Lämmert: Friedrich der Große und die deutsche Literatur, in: Brunhilde Wehinger (Hg.): Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, Berlin 2005, 18.

31 Vgl. Hagemann: Elisabeth Christine und ihre Sommerresidenz (wie Anm. 28), 51. Ausführlich zu Elisabeth Christine als Übersetzerin und Autorin: Paula Joepchen: Die Gemahlin Friedrichs des Großen. Elisabeth Christine als Schriftstellerin, Phil. Diss., Köln 1940.

32 Brief Elisabeth Christines an Friedrich Wilhelm II. vom 25.9.1796. Zitiert nach Adlersfeld-Ballerstrem: Elisabeth Christine (wie Anm. 1), 189.

33 Zitiert nach Alfred P. Hagemann: Wilhelmine von Lichtenau. Von der Mätresse zur Mäzenin (= Studien zur Kunst 9), Köln 2007, 17.

34 Jon Meacham: Franklin and Winston. An Intimate Portrait of an Epic Friendship, New York 2003, XVII.

35 Vgl. Hagemann: Der König, die Königin und der preußische Hof (wie Anm. 1).

36 Die Tagebücher des Grafen Lehndorff. Die geheimen Aufzeichnungen des Kammerherren der Königin Elisabeth Christine, hg. von Wieland Giebel, Berlin 2007 (Bei dieser Ausgabe handelt es sich um einen Neudruck von Band 1 der seltenen Arbeit von Schmidt-Lötzen, dessen Name leider nicht als Herausgeber erscheint.); Sophie Gräfin von Voss: Neunundsechzig Jahre am Preußischen Hof. Aus den Erinnerungen der Oberhofmeisterin Sophie Marie Gräfin von Voss. Mit einer Stammtafel, ergänzt durch eine Zeittafel, und einem Vorwort von Wieland Giebel. Neudruck der 5., unveränderten Auflage (Leipzig 1887), Berlin 2007.

37 Vgl. Hagemann: Der König, die Königin und der preußische Hof (wie Anm. 1).

38 Ausführlich dazu Hagemann: Der König, die Königin und der preußische Hof (wie Anm. 1).

39 Thiébault: Zwanzig Jahre meines Aufenthaltes in Berlin (wie Anm. 26), I, 120.

40 BPZ vom 26.8.1749.

41 BPZ vom 1.1.1782.

42 BPZ vom 19.12.1782.

43 "Keine Frau auf hohem Standpunkt hat wohl je den Wunsch mehr erfüllt, welchen Cäsar einst aussprach: daß man nie von seiner Gemahlin reden möchte. Gewiß, dieses seltsame und dabei seltene Verdienst, hatte die Gemahlin Friedrich des Großen in einem hohen Grade, wenigstens in allen Dingen was zur Politik gehörte. Nie war von ihr bei irgend einer Angelegenheit oder Intrigue die Rede" Thiébault: Zwanzig Jahre meines Aufenthaltes in Berlin (wie Anm. 26), I, 119.

44 Die Tagebücher des Grafen Lehndorff (wie Anm. 37), 30.6.1757, 356.

45 Die Tagebücher des Grafen Lehndorff (wie Anm. 37), 4.6.1759, 442.

46 Lehndorf schreibt anlässlich der Flucht des Hofes aus Berlin nach Spandau 1757: "Eine zahllose Menschenmenge, die ringsum steht, weint und stößt laute Verzweiflungsschreie aus – die Königin ist nämlich bei den Bürgern sehr beliebt." Die Tagebücher des Grafen Lehndorff (wie Anm. 37), 16.10.1757, 378.

47 Friedrich Anton Büsching: Beyträge zu der Lebensgeschichte denkwürdiger Personen, insbesonderheit gelehrter Männer. Sechster Teil: Eigens Leben, Halle 1789, 576.

48 Dass auch ein Hofmitglied wie Lehndorff sich regelmäßig über die "Nichtigkeit" des Hofes beklagt, zeigt wie weit verbreitet der Topos war: "ich [habe] eine Unterredung, die mich veranlasst, sehr ernste Betrachtungen über das Leben eines Hofmannes anzustellen. Gewöhnlich ist der Anfang großartig. Wenn ihm aber die Augen aufgehen, dann sieht er das Nichtige seiner ganzen Stellung [...]. Überdruß, Abscheu, Ekel, alle möglichen Qualen leisten gewöhnlich den Stammgästen der Vorzimmer Gesellschaft." Die Tagebücher des Grafen Lehndorff (wie Anm. 36), 5.6.1754, 179.

49 Lehndorf berichtet 1763 von dem vergeblichen Warten der Bevölkerung auf den Einzug Friedrichs II. nach Ende des Siebenjährigen Krieges: "Niemals habe ich eine solche Niedergeschlagenheit erlebt. Alle diese armen Bürger, die sich keine Mühe hatten verdrießen lassen, um ihren Herren würdig zu empfangen, den sie seit sieben Jahren nicht gesehen, sind trostlos [...] und mehr als 50.000 Menschen gehen voller Ärger und Erbitterung nach Hause. [...] Nach vielen Fragen erfährt man, dass er andere Straßen gefahren und seit einer Viertelstunde bereits in seinem Zimmer ist." Die Tagebücher des Grafen Lehndorff (wie Anm. 36), 30.3.1763, 498. Schon Jahre zuvor schrieb er über Friedrichs Verachtung für die eigene Bevölkerung: "Es ist doch recht bedauerlich, daß dieser Fürst [Friedrich II., A.H.] eine so geringe Meinung von den Fähigkeiten seiner Untertanen hat und sie demgemäß für tief unter sich stehend hält [...]. So kennt er die jungen Leute seines Königreiches nicht, und wie Graf Gotter sagt, hält er uns für dumm und geistlos." Ebd., 25.12.1755, 260.

50 Friedrich II. an D 'Alembert, 7.1.1770. Zitiert nach: Œuvres de Frédéric le Grand – Werke Friedrichs des Großen, Digitale Ausgabe der Universitätsbibliothek Trier, Bd. 24, Correspondance de Frédéric avec d 'Alembert, 523.

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PSJ Metadata
Alfred P. Hagemann
Im Schatten des großen Königs:
Königin Elisabeth Christine und ihr Verhältnis zu Friedrich II.
Elisabeth Christine von Preußen ist traditionell nur als die vergessene und verbannte Königin Friedrichs des Großen im Gedächtnis. Angesichts ihrer gezielten Ausgrenzung stellt sich zum einen die Frage, welche Rolle die "Größe" Friedrichs für sie spielte. Eine Analyse ihrer Sammlung von Friedrich-Porträts macht deutlich, dass sie die "Größe" Friedrichs betonte, um sein Verhalten nicht aus einer persönlichen, sondern einer quasi historischen Perspektive interpretieren zu können. Zum anderen drängt sich die Frage auf, welche Bedeutung die Ausgrenzung der Königin für Friedrichs Selbstinszenierung spielte. Es zeigt sich, dass die Zurückweisung der Königin eine Absage an die höfischen Konventionen darstellte und damit zentraler Bestandteil der Selbstdarstellung Friedrichs als außerordentlicher Herrscher und roi philosophe war.
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
18. Jh.
Schloss Schönhausen Hofgesellschaft Öffentlichkeit Inszenierung Frömmigkeit
Abbildung 1 Abbildung 1 Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff: Kronprinz Friedrich, Pastel, um 1737. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.
Abbildung 2 Abbildung 2 Unbekannter Maler nach Johann Georg Ziesenis: Friedrich II., Öl auf Leinwand, nach 1763. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.
Abbildung 3 Abbildung 3 Heinrich Bettkober: Friedrich II., Marmor, 1792. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.
Abbildung 4 Abbildung 4 Johann Andreas Schlott: Friedrich II., weißer Marmor auf grauem Marmorgrund, 1792. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.
Abbildung 5 Abbildung 5 J.H.C. Franke: Friedrich II., Öl auf Leinwand, 1763. Mit freundlicher Genehmigung der SPSG.
Abbildung 6 Abbildung 6 Anton Graff, Friedrich der Große, Öl auf Leinwand, 1781. GK I 5615. SPSG, Foto: Wolfgang Pfauder.
Abbildung 7 Abbildung 7 Johann Samuel Ringck: "Königin Elisabeth Christine, Gattin Friedrich des Großen, im Hinschweben zu den höheren Regionen", 1798. Mit freundlicher Genehmigung des Braunschweigischen Landesmuseums.
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A. Hagemann: Im Schatten des großen Königs
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/hagemann_schatten
Veröffentlicht am: 10.08.2010 13:05
Zugriff vom: 25.06.2017 08:57
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