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S. Benz: Vergessene Größe

Friedrich300 - Friedrich und die historische Größe

Vergessene Größe

Kaiser Leopolds I. Epitheton 'magnus'

Stefan Benz


Abstract

Obwohl in älteren, populären Geschichtswerken das mittlere 17. und frühe 18. Jahrhundert für ein dunkles Zeitalter nationaler Geschichte gehalten wird, ist diese Epoche durch einige Personen geprägt worden, denen das Epitheton 'magnus' zeitgenössisch zugesprochen wurde oder anhaftete. Am prominentesten war Kaiser Leopold I. "der Große" (reg. 1658 bis 1705). Bei der Analyse dieses Titels werden zwei Traditionen der Titelvergabe sichtbar: Rhetorisch ist sie Teil einer Amplificatio; dazu kommt die subjektive Eigenschaft der Magnanimitas eines christlichen Imperators, verbunden mit relationalem, nicht sichtbar persönlichem Erfolg, wie sich dies bei Leopold zusätzlich findet (Türkenkrieg). Bei ihm entsteht der Titel 'der Große' aus dem antiken Kaisertum, verbunden mit speziellen Eigenschaften und Zeitereignissen. Bei Friedrich II. kommt es zur Historisierung des Ruhms, indem die individuelle Monarchenleistung objektiv darstellbar erscheint. Durchsetzen konnte sich der Beititel für Leopold I. selbst in der österreichisch-katholischen Historiographie nicht. Der Aufsatz beleuchtet die jeweilige Titelvergabe und kommt zu dem Ergebnis, dass Leopold 'der Große' als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Friedrich 'den Großen' gesehen werden muss.

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Wer ältere populäre Geschichtswerke durchblättert, etwa den weit verbreiteten Bildersaal Deutscher Geschichte, 1 der zur vorletzten Jahrhundertwende erschien und nach den Neudrucken zu schließen bis heute zu den beliebtesten Werken zur deutschen Geschichte gehört, wird feststellen, dass das knappe Jahrhundert zwischen den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück 1648 und dem Beginn der Herrschaft Maria Theresias 1740 als Königin von Ungarn hier zu den dunklen Jahrhunderten zu gehören scheint. Das 17. Jahrhundert hat sich in der Rückschau selbst als eisernes Säkulum gesehen, empfand sich um 1700 aber zugleich, folgen wir einem akademischen Redner der Universität Wien, als im Aufschwung begriffen. 2 Gleichzeitig erinnerten sich zumindest ebendiese akademischen Milieus in der Hauptstadt der Habsburger der Kaiserkrönung Karls des Großen 800, die exakt vor neun Säkula stattgefunden hatte, als " Triumphus novem saeculorum Imperii Romano-Germanici" . 3 Die Epoche des Aufschwungs war für deren Zeitgenossen untrennbar mit der Person Kaiser Leopolds I. verbunden, dem damals allgemein und unbestritten gleich seinen Vorgängern Konstantin, Karl (I.) und Otto (I.) das Epitheton 'magnus' – der Große – beigelegt wurde.

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Wer dieses Epitheton untersucht, wird sich also zugleich fragen müssen, wie ein prosperierendes halbes Jahrhundert zu einem dunklen werden konnte, um aufzuhellen, warum Leopolds Beiwort so gründlich vergessen wurde. 4 Dazu ist zunächst die bis zu Leopold I. traditionelle rhetorische Behandlung des römischen Kaisertums und speziell des habsburgischen Selbstverständnisses zu analysieren, um gewissermaßen den Hintergrund der Prädikation auszuleuchten. Auch die Person Leopolds I. selbst müssen wir kurz erinnern. Ein zweiter Teil untersucht das Epitheton der Große und seine Durchsetzung selbst, wobei ich lediglich meine älteren Forschungen zu diesem Thema referieren kann. Die Ergebnisse dieses Abschnitts werfen Fragen auf nach dem Verhalten König Friedrichs II. von Preußen gegenüber der historischen Person Leopolds I., von dem er das Epitheton "der Große" scheinbar erbte: Es wird in diesem dritten Teil gewissermaßen um das rhetorische Verhältnis zwischen Österreich und Brandenburg gehen. Die ermittelten Befunde sollen schließlich in einem abschließenden vierten Teil erklärt werden, und zwar unter Bezug auf Konfession und Kaisertum.

Leopold als Imperator – die habsburgische Tradition

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Selbst Historiker der österreichischen Schule wie Oswald Redlich offenbaren Schwierigkeiten bei der Interpretation der genannten Periode. Von der "Weltmacht des Barock", so der Titel des chronologisch ersten Teils der einschlägigen Ländergeschichte, Leopold I. behandelnd, werden wir schließlich im folgenden Band über Joseph I. und Karl VI. zu Zeugen des "Werden[s] einer Großmacht". 5 Die verschiedenen Vorworte Redlichs, formuliert und geprägt seit der Zeit Kaiser Franz Josephs I., verdeutlichen das letztlich unausgleichbare Spannungsverhältnis der historiographischen Begriffe Dynastie, Staat Österreich (Monarchie), Kaisertum oder Reich. 6

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Im 17. Jahrhundert war die Interpretation eine Selbstinterpretation und damit einfacher. Die Symbiose von Kaisertum und Haus Österreich blieb nicht unbemerkt und fand einige spektakuläre Kritiker wie "Hippolytus a Lapide", doch wirkten diese außerhalb des breiten Konsenses, der das Kaisertum der Dynastie Österreich anerkannte. Alle Historiker der Frühen Neuzeit, unabhängig von ihrer politischen Haltung, sind sich einig, dass der Aufstieg des Hauses wesentlich dem Erwerb der Kaiserwürde zu verdanken war. Zum Beispiel referiert Samuel von Pufendorf den Hausmythos vom Aufstieg des kleinen Grafenhauses, 7 begonnen unter Rudolf I., einen Mythos, den die Hohenzollern kopierten. 8 Der Kaisertitel und seine literarische Tradition bestimmen dementsprechend die Epitheta und deren rhetorische Ausgestaltung. Ich gehe also davon aus, dass das Beilegen von Epitheta zunächst ein rhetorisches Verfahren darstellt, etwa der Amplificatio, jedoch bestenfalls sekundär die Äußerung eines Sachurteils. Man wird allerdings feststellen müssen, dass das beigelegte Epitheton dem Augenschein nicht geradezu widersprechen sollte. Es gehört in die Geschichte der Herrscherpanegyrik. 9

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Das Kaiserbild wurde für die Zeit Leopolds jüngst häufig und perspektivenreich untersucht, 10 wobei nicht zuletzt der Vergleich mit König Ludwig XIV. von Frankreich gesucht wurde, 11 der sich bekanntlich zeitweise als Sonnenkönig inszenieren ließ und dem ebenfalls das Epitheton 'der Große' – ebenso wenig von Dauer – beigefügt wurde. Da Frankreich aber weit davon entfernt war, auch nur annähernd einen dem Heiligen Römischen Reich vergleichbaren Pluralismus an Medien und Meinungen aufzuweisen, 12 hinken die Vergleiche seit jeher.

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Aus Sicht der hier gefragten Rhetorik sind die Jahrzehnte von Kaiser Rudolf II. bis König Ferdinand IV. ohnehin die bedeutenderen, scheinen sie doch mit der Blütezeit des Manierismus in der Prager rudolfinischen Hofkunst auch eine volle Entfaltung der hier einschlägigen literarischen Arbeiten angebahnt zu haben. 13 Ausgehend von der Darstellung Kaiser Traians als sol und als imperator invictus im musterhaften Panegyricus des jüngeren Plinius, 14 erscheint der Kaiser als Teil einer kosmischen Ordnung, was durch die Koinzidenz von Christus und Augustus, die Gleichzeitigkeit der Gründung von Kirche und Kaiserreich als andauernder Weltordnung noch unterstrichen wurde. Die Doppelung 'Kaiser und Papst' bildete eine stehende Formel, die beiden Monarchen waren damit dem Geschichtlichen enthoben, wurden Teil der Naturgeschichte. Die kosmische Ordnung, so wurde spekuliert, lasse sich in einer mathematischen Ordnung abbilden, und dementsprechend wurde zugleich die hochmittelalterliche Zahlenmystik erneuert.

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Die Konvertierbarkeit speziell von habsburgischer Kaiserreihe 15 und Kosmographie bereiteten in diesem Sinne eine Reihe Prager Dichter vor, die am oder für den Hof Kaiser Rudolfs II. wirkten. Als Beispiel sei nur Georg Carolides von Carlsberg (1569–1612) 16 erwähnt. Er würdigte die magische Zehnzahl habsburgischer Kaiser als "Decas augustissimorum, ex amplissima florentissimaque archiducum Austriae familiâ, Imperatorum" (Prag 1596). Darin erläutert er die Symbola (Devisen) der Herrscher in versifizierter Form, was an die damals so beliebte emblematische Kunstform erinnert. Für Kaiser Ferdinand III. ließ dann die Wiener Universität 1637 die Festschrift "Imperialis duodecim austriacorum Caesarum Zodiacus illustratus. Novo Sole, novo Caesare, Ferdinando III." erscheinen, wobei die Apostrophierung des Kaisers als Sonne nur den überrascht, der das antike Vorbild ignoriert. Bereits die Hofkünstler um Kaiser Rudolf II. hatten unter anderem die Sonne als Symbol ihres Herrschers gewählt. 17 Hier taucht zugleich das später auch auf Leopold I. angewandte Akkumulationsmodell auf – der Kaiser als Verkörperung aller seiner Vorgänger –, allerdings in allegorischer Form: Ferdinand III., als dreizehnter habsburgischer Kaiser schlecht zahlensymbolisch zu deuten, ist die Sonne und wird in bestimmter Sternzeichen-Präfiguration seinen zwölf Vorgängern zugeordnet (Emblem "sol in zodiaco"), zum Beispiel "Sol in ariete, Ferdinandus III. in Rudolpho primo".

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Nur im Grundgedanken ähnlich ist eine weitere Wiener Universitätsschrift, die König Ferdinand IV. galt und auf die jüngst Elisabeth Klecker aufmerksam machte: 18 " Corona duodecim caesarum ex [...] domo austriacâ, quam Ferdinandus III., caesar decimus tertius, Ferdinando IV. Romanorum regi decimo quarto, septemvirorum sac. rom. imperii unanimi consensu imposuit", Wien 1654. Mit Ferdinand IV. verknüpfte sich erstmals die Hoffnung auf ein Ende des "eisernen Jahrhunderts" und auf den Beginn eines goldenen Jubiläumszeitalters (f. E2'); die dem Druck angebundene Begrüßungsrede für Ferdinand IV. hielt der Universalgelehrte Johann Wilhelm Mannagetta, daher wird diesem in Bibliothekskatalogen die komplett versifizierte (nicht prosimetrische) Dichtung zugeschrieben. Doch alle Hoffnungen zerstoben mit dem Tode des jugendlich-vielversprechenden Königs. Leopold I. wiederum, dessen Kaisertum bekanntlich erst mühsam in diplomatischen Verhandlungen errungen werden musste, wurde nach seiner Rückkehr von der Krönung in Frankfurt in Wien als Jubiläumskaiser begrüßt: Der Jesuit Nikolaus Avancino, noch heute als Dramatiker bekannt, hatte seit Karl dem Großen 50 deutsche Kaiser gezählt und damit die magische Zahl erreicht, die als Jobel Ablass von allen Schulden und Wiederherstellung der alten Besitzverhältnisse verhieß. 19

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Dem Kaisertum als ahistorischem Prinzip, das entpersonalisiert in der Naturgeschichte ruhte, 20 kam daher in der historischen Welt der Erfahrung und der Veränderbarkeit ein enormes Prestige zu, das in literarischen Werken gefeiert werden konnte: Es barg das Epitheton 'Größe' sozusagen von Natur aus in sich, ohne dass in politisch barer Münze dafür zu zahlen gewesen wäre. Realpolitisch war das Kaisertum natürlich auf das Haus Österreich angewiesen – aber ideell war es umgekehrt. 21 Die Habsburger selbst pflegten gleichsam als Gegengewicht einen Kult der Frömmigkeit und persönlichen Bescheidenheit, der zumindest französischen Beobachtern 22 immer wieder als ostentativer, wiewohl unverständlicher Verzicht auf Ruhm und Glanz ins Auge sprang. Bis heute lässt sich dies anhand bestimmter Elemente der habsburgischen Memorialkultur nachweisen: Während die Hohenzollern in Berlin und Bayreuth um 1700 Reiterdenkmäler ihrer Fürsten errichteten, die Wittelsbacher dieses in München zumindest planten, verwirklichte Leopold alle Ereignis- oder Personendenkmäler nach wie vor in der herkömmlichen religiösen Form. 23

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Die exponierte Position ihrer Dynastie konnten die Habsburger letztlich nur selbst gefährden, so konstatiert es auch Samuel von Pufendorf in seiner Verfassungsschrift "De statu imperii germanici" von 1667, in der er die von Lapide vorgeschlagene Auslöschung des Hauses Österreich explizit als untauglich verwirft (Kapitel 8 § 3). Das Haus Habsburg war damals auf nur zwei männliche Mitglieder geschrumpft, es verblieben Leopold I. und der als wenig lebenskräftig eingeschätzte Karl von Spanien. 24 Die Habsburger verloren im Jahrzehnt seit der Kaiserwahl Leopolds eine ganze Reihe männlicher Familienangehöriger, und das um 1600 noch mit Dutzenden von Familienmitgliedern gesegnete Haus, dessen Haupttugend noch vor der Pietas die Foecunditas zu sein schien, 25 ruhte um 1670 faktisch auf lediglich zwei Augen. Pufendorfs "De statu" in der Ausgabe letzter Hand kann schließlich beruhigt vermerken, wie der österreichische Zweig mit Joseph und Karl wiedererblüht war – womit den Deutschen (zunächst) erspart blieb, das Schlachtopfer zur Feier des Totenkults des letzten männlichen Habsburgers abgeben zu müssen: "Hodie mascula eius domus stirps, quae ad duos tantum redacta erat, per Lepoldum Caesarem velut revirescere in Iosepho et Carolo caepit, cum Carolo Hispaniarum Rex optata prole beari non potuerit." 26

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Leopold selbst hatte damit eine enorme Last von der Öffentlichkeit genommen, die durch die erste Fehlgeburt seiner dritten Gemahlin wohl noch ins schier Unerträgliche gesteigert worden war. Die nach der Geburt des ersten Erzherzogs 1678 (Joseph I.) einsetzende Erleichterung mochte nicht wenig dazu beigetragen haben, dass sich das Epitheton rasch verbreitete. Entscheidend waren dafür jedoch die Erfolge Leopolds auf dem politischen Feld, wie dies selbst die Franzosen zugaben. Schon zu Beginn seiner Regierung und aus einer noch sehr schwachen Position heraus war es gelungen, die Respublika Polen zu erhalten, die Verluste Dänemarks an Schweden zu begrenzen und den Einfluss der nordischen Macht überhaupt einzudämmen, dank des Verhandlungsgeschicks des kaiserlichen Diplomaten Franz de Lisola. 27

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Diese Ereignisse waren bekanntlich auch für das Haus Hohenzollern von größter Bedeutung. Der entscheidende Wendepunkt bleibt jedoch 1683. Oswald Redlich formulierte: "Allein gerade der Ansturm jener Gewalt, die nach dem Willen des übermächtigen Ludwig das wirksamste Werkzeug zur Zertrümmerung Habsburg-Österreichs bilden sollte, und die in der Tat jetzt zum vernichtenden Schlage ausholte, wurde der Anstoß zu einer entscheidenden, weltgeschichtlichen Wendung." 28 In völliger Übereinstimmung mit dem Papst handelnd (dies als Kontrast zu seinem Sohn Joseph I.), hätten die Siege Österreich den Weg nach Osten gewiesen, um "seine eigentliche historische Bestimmung" zu erfüllen. 29 Aus dieser Sicht, geprägt von der Sozialisation Redlichs noch in der Doppelmonarchie, hätte Leopold als Gründer der Monarchie 30 eigentlich gleich Karl dem Großen sein Epitheton behalten müssen. Dennoch ging es verloren.

Das Epitheton 'der Große'

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Titel oder Epitheta können eine Erwartung formulieren, die dem Inhaber eines Amtes zu erfüllen obliegt. Hierunter fallen ererbte Epitheta wie das schon vorgestellte 'Invictus' oder das bekanntere 'Augustus' oder solche, die allgemein aus Amtstugenden abgeleitet werden. Dies wäre ein Thema aus der Fürstenspiegelliteratur. Nicht zu vergessen ist ferner, dass Epitheta von Herrschern ihre individuelle Unterscheidbarkeit in der historiographischen Erzählung erhöhen. 31 So wurde Ludovicus Bavarus geradezu ein Markenzeichen, während Ludwig IV. kaum bekannt ist. Ausgehend von Letzterem zeigt sich Kaiser Leopold in den ersten Jahrzehnten zwar als römischer Kaiser, sonst aber als 'Leopoldus primus', also erster dieses Namens als römischer Kaiser und ungarischer König. Der Personenname nach der österreichisch-babenbergischen Tradition kennzeichnet ihn zugleich als nachgeborenen männlichen Prinzen des Erzhauses. Der Erbe hieß Ferdinand, und nach dessen Tod wurde ein Postumus ebenfalls Ferdinand getauft. Als Primus tituliert Leopold zum Beispiel 1663 der Pauliner Andreas Eggerer, der ihm zugleich und explizit als König von Ungarn eine in Wien gedruckte Ordensgeschichte der Pauliner widmet. 32 Die Pauliner waren damals außer in Polen vor allem in Ungarn verbreitet, dessen Verhältnis zu Leopold I. sich bekanntlich überdies als ambivalent darstellte. 33

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Buchwidmungen mit ihren Widmungsblättern und Vorreden sind überhaupt neben Personalschriften die wichtigsten Quellen für zeitgenössische Epitheta, schließlich bilden sie den Publikationsort, wo sich panegyrische Rhetorik originell und ohne Zwänge literarischer Tradition aufschwingen kann. Neben einer Fortsetzung der Ordensannalen erschien 1752 von dem Pauliner Ignatius Pongrácz – ebenfalls ein gebürtiger Ungar – eine zusammenfassende Ordensgeschichte, die im Laufe ihrer Erzählung explizit von Leopold dem Großen (magnus) spricht, wenn sie die Ordensverdienste um das Erzhaus schildert. 34 Mit den Jahresdaten 1663 und 1752, denn Letzteres bildet einen der letzten lebendigen Belege 35 für das Epitheton, ist der zeitliche Rahmen seiner Entfaltung präzise abgesteckt.

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Zum Profil Leopolds selbst wurde zunächst die Förderung von Kunst und Wissenschaft hinzugefügt. Ein Reichspublizist nannte ihn: "Leopoldus, semper Augustus, Imperij SOL, Princeps et humanus, et literatus, et literatorum Maecenas". 36 Dies ändert sich, abgesehen von einem Ausreißer 1672 mit dem Titel 'der Große' erst in der zweiten Hälfte der 1680er Jahre unter dem Eindruck der Geburt eines zweiten Sohnes (Karl VI., 1685), dem Erwerb Ungarns als Erbkönigreich der Habsburger 1687 und des Siegeslaufs gegen das Osmanische Reich, unter dessen Eindruck der Sultan seinen Rang als 'Großer' Europas in der öffentlichen Meinung einbüßte. Entscheidend war die Eroberung von Belgrad (Griechisch Weißenburg) im Jahre 1688, die der Nürnberger Kunstverleger Johann Jonathan Felsecker den siegprangenden Waffen Leopolds des Großen zuschrieb. 37 Das Epitheton wird nach Rom übernommen, wo zudem ein Vergleich mit der zeitgeschichtlichen Illustrationskunst der Kupferstecher möglich ist. Dieser zeigt, dass das Epitheton bei der Eroberung von Ofen oder Neuhäusl noch nicht vergeben war. Eine anonyme Flugschrift ohne Ort, erstmals gedruckt 1688, zum Ruhme des Doppelsiegers Leopold versifiziert noch explizit: "LVDoVICVs MagnVs breVI fIet parVVs". 38 Auch eine Untersuchung von rund 140 allerdings deutschsprachigen Drucken, die anlässlich der Eroberung Ofens 1686 erschienen waren, lässt den Schluss zu, dass ein zumal stehendes Epitheton für Leopold bis 1688 nicht existierte. 39

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Für die Hervorhebung der genannten Nürnberger Produktion gibt es zwei Gründe. Erstens war Nürnberg zur Zeit Leopolds I. wohl der wichtigste oberdeutsche, vor allem dem Wiener Hof am nächsten gelegene Medienstandort überregionaler Bedeutung. Dies ergibt sich allein schon durch die Lage Nürnbergs, von wo aus Frankfurt am Main oder Leipzig erreicht wurden, wenn man von Wien kam, und dies galt auch für Nachrichten. Die Nürnberger Verleger zeigten sich seit jeher besonders an den Vorgängen in Ungarn interessiert, da sich dort auch der fränkische Kreis, dessen Konvent in Nürnberg tagte, militärisch stark engagierte. 40

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Zweitens findet sich in der Reichsstadt genau jenes bürgerlich-akademische Milieu, das die öffentliche Meinung im Reich und von nun an auch die Beiwortvergabe prägte. Mit der Universität Altdorf verfügte Nürnberg als eine der ganz wenigen Reichsstädte über eine akademische Ausbildungsstätte, deren 'Exzellenzprofil' genau auf dem literarisch-rhetorischen wie dem juristisch-historischen Feld lag (die Theologenausbildung kam erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts hinzu). Ihr Personal war vielfältig mit der Führungsschicht der Reichsstadt verbunden. Fast alle frühen Belege des Titels 'magnus' können an diese Milieus zurückgebunden werden, ob in Nürnberg, in Jena oder in Augsburg, wo es 1690 nicht nur zur römischen Königswahl Josephs und zur Kaiserkrönung Eleonoras von Pfalz-Neuburg kommt, sondern zugleich eine Welle von panegyrischen Schriften über der kaiserlichen Familie zusammenschlägt. Dabei wird stets von Leopold dem Großen gesprochen. 41

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Anhand der Gegenprobe wird dies noch eindeutiger. Es wäre naiv, zu vermuten, Leopold selbst oder sein direktes Umfeld habe den Titel ersonnen, so wie sein Konkurrent in Versailles sich nicht scheute, sich selbst ein Denkmal zu errichten (als Ausdruck eines gänzlich anderen Herrscherbildes). Eine Überprüfung der umfangreichen Wiener Hofhistoriographie ergibt jedoch, 42 dass diese sich den kaiserlichen Triumphzügen geradezu verweigerte und das Epitheton nur in einer Augsburger Übersetzung eines Wiener Werks kannte. Der titulierte kaiserliche Historiograph Johannes Palazzi (1640-1703), ein Kanonist in Padua, veränderte im Jahre 1700 43 die Titelei der kleinformatigen Neuauflage seines 1679 erstmals erschienenen 'Aquila Romana' über die westliche Monarchie seit Karl dem Großen nicht. Ihr Endpunkt blieb Leopold I., nicht der Große.

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Bei dem hofnahen Historiker und Prager Juristen Johann Jacob von Weingarten (1629-1701) findet sich parallel zur Augsburger Produktion von 1690 gleich das Epitheton 'Maximus' auf dem Titel einer juristischen Schrift, was einmal mehr die oberdeutsche Herkunft belegt. 44 Die aufgrund ihrer Schultätigkeit der Rhetorik zugewandten Jesuiten übernahmen das Epitheton 'Magnus' zwar, aber deutlich nach dessen oberdeutschem Auftreten. Der betont bescheiden und demütig auftretende Kaiser, so scheint es, wurde in Wien bei einem offiziellen Anlass nie als 'Magnus' tituliert. Lediglich seine Tochter Erzherzogin Maria Elisabeth verleiht ihm 1698 in einer selbst verfassten Hausgeschichte (ab Rudolf I.) das fragliche Beiwort. 45 Und für die gut aufgearbeitete literarische Produktion der Universität Graz ergibt sich anlässlich des Todes von Leopold folgendes Bild: Fünf Schriften erschienen in diesem Zusammenhang (davon vier lateinisch), von denen nur zwei lateinische das Beiwort 'magnus' gebrauchten, eine davon lediglich in Spreizstellung "[...] Leopoldi I. consilio et industria [Symbol Leopolds] Magni Panegyricus". 46

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Für Spanien, die andere Monarchie der Habsburger, übersetzte, so scheint es, der Theologe und Historiker Constantino Roncaglia die Geschichte der ersten Jahre Leopolds I. von Gualdo Galeazzo Priorato, Hofhistoriograph zu Wien, ins Spanische und ergänzte sie sukzessive. Bezeichnend ist hier gerade der Titel des in dieser Form erstmals 1696 nachweisbaren, überaus beliebten Werks: "Admirables efectos de la providencia sucedidos en la vida, é imperio de Leopoldo primero, invictissimo emperador de Romanos, reduzelos à anales historicos la verdad". 47 Die Epitheta sind also klassisch gewählt, auf die 'Größe' wurde im habsburgischen Spanien verzichtet, obwohl, oder eben weil das wunderbare Walten göttlicher Vorsehung den Habsburger Leopold so begünstigte, wie dies auch graphisch gerne dargestellt wurde. 48 Die seit alters her naheliegende Verbindung zwischen realem 'historischen' Erfolg als durch Tugend verdienter Begünstigung seitens der Gottheit, die als historische Größe manifest geworden beschrieben werden kann, schuf indes erst 1812 ein schwäbischer Landpfarrer, der heute vergessene erste Biograph dieses Kaisers im 19. Jahrhundert: "Es ist ein seltener Genuß für den Liebhaber der Geschichte, und eine erquickende Genugthuung für den Freund der Tugend, moralische und politische Größe, innere und äußere Glückseeligkeit in dem Leben eines Fürsten gleichen Schritt gehen, und mit einander wetteifern zu sehen." 49 Dieses Urteil eines Außenseiters der Historiographiegeschichte dürfte nicht nur für das 19. Jahrhundert einzig dastehen.

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Gab es für die habsburgische Kaiserhistoriographie denn überhaupt große Kaiser? Wird die Möglichkeit zur entsprechenden Titulierung überhaupt gesehen? Einige weniger bekannte zeitgenössische Beispiele sind dazu anzuführen, wobei in erster Linie an Kaiser Karl V. zu denken ist, in dessen Reich die Sonne bekanntlich nicht unterging. Ihm mochte Größe nach deren trivialem Begriff am ehesten zukommen.

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Unmittelbar bevor sich der Belagerungsring der Türken 1683 um Wien schloss, vollendete der Jurist Wenzel Johannes von Wallrabe seine "Neue historische Beschreibung deß glorwürdigen Lebens [...] Caroli V.", ein emblematisch-historisch-politisches Werk, dessen Handschrift dem – so der Titel – großmächtigen und unüberwindlichen Leopold I. gewidmet wurde. 50 Leopoldus primus (385), im eisernen Zeitalter regierend, wird hier noch angesprochen mit "Pelle duos [später als Anagramm Leopoldus = Pello duos 51 , S.B.] hostes Caesar victoria certa est / Lilia marcessent, pallida luna cadet." (f. 8'). Der Situation angemessen liegt der Schwerpunkt auf dem Militärischen, während die historische Erzählung den Frankfurter Geschichtswerken aus dem Hause Merian entstammt (f. 380, 384f. und öfter) – womit sich der praktisch unbekannte Verfasser 52 in Wien als Außenseiter erweist. Habsburgisch ist indes die Betonung der Providenz und die gleichzeitige Unterordnung des Hauses unter den göttlichen Willen, wenn Karl V. nach der Schlacht von Mühlberg 1547 zitiert wird mit "Veni, vidi et deus vicit." (C. VI, f. 327). Doch der Titel "Karl der Große" bleibt nun einmal vergeben. Dieses Problem löst einer der populärsten Biographen (nach Auflagenzahl), der zugleich einhellig von anderen Historikern abgelehnt wurde, Wilhelm Snauckart (Zenocarus, Snoekaert) von Schauenburg (1518-1565), indem er aus Karl V. Karl den Größten werden lässt, wie der Vergleich mit Karl dem Großen ergeben soll. 53

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Dass sich dies nicht durchsetzte, liegt auf der Hand, trotz der mythischen Überhöhung, die Karl V. als letzter von den Caesaren durch seine Zeitgenossen erfuhr. 54 Statt seiner schob sich zur Zeit Leopolds der Begründer habsburgischen Kaisertums, Rudolf I., in den Vordergrund. Eine unvollendete, aber dafür gedruckte Biographie Karls V. von 1688 feiert vornehmlich 'Rudolf den Großen'. 55 Insgesamt gilt jedoch uneingeschränkt, dass nur den Erzherzögen, also Nicht-Kaisern, dauerhaft Epitheta beigegeben wurden (wie 'Rudolf der Stifter').

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Sind die bislang zitierten Arbeiten daher Außenseitertexte, gilt dies nicht für die tendenziell hofnahe rhetorische Produktion der österreichischen Jesuiten. Sie befassten sich häufig mit panegyrisch-politischen Themen, und mit Avancino und der Grazer Schulproduktion wurden bereits einer ihrer bekanntesten Dichter, Historiker und Politiker sowie der wichtigste Schulort der Provinz genannt. Ihnen verdanken wir Äußerungen zur Thematik, denen zumindest nach der Nähe der Verfasser zum Hof und nach ihrem weiteren Leserkreis unter Akademikern zu urteilen ein offiziöser Charakter zugesprochen werden sollte. Der Jesuit Joseph Reichenau beispielsweise, zuletzt Hochschullehrer in Graz, publizierte mit den "Virtutes augustae Caesarum Austriacorum. Adiectis eorundem symbolis et institutionibus politicis" eine Neuherausgabe und Ergänzung einer Schrift des damaligen Hofpredigers Gerhard Hilleprand SJ von 1717. 56 In dieser werden Geschichte und exemplarische Tugenden aufeinander bezogen. Während Rudolf I. erwartungsgemäß die 'pietas' als Herrschertugend zugeordnet wurde, ist es bei Karl V. die 'magnanimitas' (hier besonders 107f.).

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Zum Thema der Größe wird dann erläutert: Gewiss sei jeder Gekrönte groß, des Ranges wegen, doch echte Größe komme nur dem zu, der dies durch den lebendigen Beweis seiner Tugenden ausfülle. Ohne Seelengröße ist nur der Titel groß; entscheidend seien nicht der ererbte Adel oder das Geblüt, sondern die individuelle Tugendleistung. Mit dieser aszetisch-moralischen Haltung ist die Besonderheit des Herrschertitels 'magnus' für das Umfeld der Habsburger recht genau bestimmt: Entscheidend ist die religiöse Bindung beziehungsweise die innere Haltung, nicht der äußere historische Erfolg. Größe ist deutlich weniger aussagekräftig als das Epitheton der 'magnanimitas'. 57

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Die habsburgisch-katholische Publizistik kennt folglich Größe im Politischen eigentlich nur als Großmut, also als eine individuell ihrem Träger zuzuordnende Tugend, die sich in Glück und Unglück bewährt und eine überzeitliche Norm darstellt. Geraten war diese Konstruktion auch wegen der stets gefährdeten Situation der Habsburger im 17. Jahrhundert, politisch-militärisch wie dynastisch. Historische Größe kam dem Inhaber des Kaisertums ohnehin zu, entscheidend war die Feststellung des Charakters. Dementsprechend hat die habsburgische Historiographie mit den sogenannten Tugendwerken eine ganz eigene Gattung von Geschichtsschreibung hervorgebracht, die genau dies berücksichtigt und damit den 'vormodernen' Zeittrend unpolitischer Geschichtsschreibung in der Biographik noch verstärkt. 58 Für die zeitgenössische Historie konnte Leopold, der so unkriegerische Fürst, sehr wohl durch Magnanimitas charakterisiert scheinen – unabhängig von seinem wirklichen Anteil an den Regierungsgeschäften seiner Zeit verkörpert er die österreichischen Haustugenden Clementia und Pietas. Ein profanes Epitheton des Typs 'magnus' würde man also nur ungern vergeben; im Falle Leopolds geschah es später wohl vornehmlich deswegen, weil man hinter dem aus dem evangelischen Oberdeutschland gespendeten Lob nicht zurückbleiben mochte. Durchsetzen konnte sich 'Leopoldus magnus' in der österreichisch-katholischen Historiographie jedenfalls nicht.

Leopold und Preußen: Friedrich II. und die Größe

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1705, mit dem Tode Leopolds des Großen, erreicht die panegyrische Produktion, die 1688 eingesetzt hatte, erwartungsgemäß ihren zweiten Höhepunkt. Allgegenwärtig ist dabei der Vergleich mit seinen Vorgängern, deren Tugenden er allesamt auf sich vereine; ebenso finden sich Vergleiche mit anderen Herrschern wie Kaiser Otto dem Großen oder König David als Frucht der rednerischen Topoi. Als bedeutendste Totenrede darf die von Samuel von Königsdorff gelten. Neben mehreren deutschen Drucken, teils versifiziert, und Handschriften sind eine französische und eine italienische Übersetzung bekannt. Königsdorffs eigene Leichenpredigt erinnerte später daran: "Dazu kam noch etwas von Epheu, welches denen berühmten Rednern zustehet, unter welchen Er wegen der gehaltenen Lob-Rede Leopoldo M. dem Römischen Plinius den Vorzug strittig gemacht hat." 59

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Königsdorff war Protestant, bürgerlicher Herkunft (geadelt erst von Leopold), akademisch gebildet und Schlesier. Die Rede war im Rathaus zu Breslau gehalten worden. Dieses Umfeld unterstreicht noch einmal die Aussage über die Milieus, die das Beiwort trugen, und weist ungewollt auf die Bedeutung Schlesiens hin, dessen Eroberung dem nächsten "Großen" seinen Titel beschaffen sollte. König Friedrich II. in Preußen hat sich bekanntlich sehr intensiv und auch aktiv mit der Geschichte und mit Historiographie auseinandergesetzt. Gemäß zeitgängiger historiographischer Interpretamente musste er dies in Auseinandersetzung mit der eigenen Dynastie, deren Aufschwung es zu erklären und legitimieren galt, und fremden, vorbildlichen Dynastien wie dem Haus Habsburg tun. Insbesondere seine "Denkwürdigkeiten des Hauses Brandenburg" wurden in letzter Zeit häufiger untersucht, zumal sie auch von den Zeitgenossen breit rezipiert werden konnten. 60 Dabei ist herausgestellt worden, welch große Bedeutung Kurfürst Friedrich Wilhelm für Friedrichs Erzählung vom Aufstieg der Hohenzollern zukam. Er war, so der Urenkel, des Epithetons 'Großer Kurfürst' würdig, das ihm Volk und Nachbarn übereinstimmend gegeben hätten. Ursprünglich hatte Friedrich Skepsis gegenüber allen Beinamen formuliert. Er sprach von 'Missbrauch' angesichts der Epitheta hohenzollernscher Kurfürsten: "Die Schmeichelei der Höflinge hatte die Vergleiche mit dem Altertum aufgebraucht." 61 Um nun seine Erzählung zur Größe des Kurfürsten Friedrich Wilhelm triftig erscheinen zu lassen, benutzt er das Verfahren des Vergleichs – mit dem französischen König Ludwig XIV. 62 Damit objektiviert er eine traditionellerweise rhetorische Aussage.

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Kaiser Leopold erscheint überhaupt nur als Reflex: Friedrich weist zurück, dass die Königskrone Preußens von den Jesuiten gewährt worden sei – Leopold galt oft als abhängig von seinen Beratern aus der Gesellschaft Jesu –, wiewohl er zugeben muss, dass zumindest unter den deutschen Fürsten das kaiserliche Votum für die preußische Königswürde ausschlaggebend war. 63 Leopold wird insistierend als hochmütig und dynastizistisch charakterisiert, im politischen Verhalten als treulos oder untätig; die Siege der Kaiserlichen sind ihm Leistungen des Prinzen Eugen oder der preußischen Truppen, während die österreichischen versagt hätten. Zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs habe in Europa zwar allgemeine Begeisterung für das Haus Österreich geherrscht, doch sei dieses matt und schwach – eine Einschätzung der Situation des Erzhauses 1705, die tatsächlich noch vor Niederschrift der Denkwürdigkeiten in betont freimütiger Zeitgeschichtsschreibung zu lesen gewesen war. 64

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Dies alles scheint im Falle Friedrichs eine Sublimierung des kaum zu umgehenden Sachverhalts zu sein, dass ausschließlich der Kaiser die in zwei Schritten geschehene Rangerhöhung der Hohenzollern über die Souveränität in Ostpreußen hin zur Königswürde gewähren konnte, Leopold also gewissermaßen eine notwendige (wenn auch nicht hinreichende) Bedingung des preußischen Königtums gewesen war. 65 Nach Friedrich habe sich der Kurfürst durch Waffenglück zum souveränen Herrscher von Preußen gemacht, das bisher unter polnischer Lehnshoheit gestanden hatte. Dass Leopold die Größe 66 nicht zugebilligt wurde, dass diesem vielmehr die Krone vom Großen Kurfürsten aufgesetzt worden sei, 67 ist erzählerisch konsequent. Neben dem großen Kurfürsten, dessen Beiwort brandenburgische Panegyriker offensichtlich zunächst dem Vorbild des großen Kurfürsten von Sachsen Johann Georg I. (reg. 1611-1656) nachgebildet hatten, bevor es von Samuel von Pufendorf in einen zitierfähigen historiographischen Buchtitel gegossen wurde, 68 konnte kein weiterer Großer bestehen: Friedrich Wilhelm und schließlich Friedrich II. oder Leopold, das war die zur Entscheidung drängende Frage.

Leopold der Große: Höhepunkt und Ende der protestantischen Loyalitätserzählung

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Mit dem als deutschem Dualismus bezeichneten Konflikt, der wiederum die konfessionelle Zweiteilung Mitteleuropas spiegelt, fällt ein beträchtlicher Teil des Heiligen Römischen Reichs zur möglichen Tradierung eines Titels 'Leopold der Große' aus, sobald im 18. Jahrhundert zusammen mit den preußischen Waffen gegen Österreich auch historiographische Narreme, die als borussisch charakterisiert werden können, obsiegten. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, da, wie bereits gezeigt wurde, der Titel 'magnus' für Leopold von rhetorisch gebildeten, evangelischen Kreisen forciert worden war. Im Umkehrschluss kann, wie oben geschehen, empirisch belegt werden, dass Katholiken das Epitheton 'der Große' für einen Kaiser im Grunde redundant erscheinen musste.

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Wahrscheinlich unbemerkt war oben bereits nur von politischer Größe die Rede, also eine Einschränkung im Vergleich zu allgemein menschlicher Größe, als der Titel für Leopold I., Friedrich II. oder Kurfürst Friedrich Wilhelm diskutiert worden ist. Die beiden jüngsten Großen in Mitteleuropa vor dem kaum wirklich überregionalen Epitheton des Großen Kurfürsten waren bekanntlich Albertus Magnus und, politisch korrekt im kirchlichen Sinne des Spätmittelalters, Gertrud die Große, beide Theologen des Mittelalters. Von letzterer war zum Beispiel 1658 eine Auswahl ihrer Werke in Rom herausgegeben worden. 1678 wurde sie ins Martyrologium Romanum (17. November) aufgenommen. 69 Da beide bis heute unter ihrem Epitheton bekannt sind, lenkt dies die Untersuchung wiederum zwingend auf die Frage nach den Bedingungen für eine erfolgreiche Perpetuierung solch eines Titels fern aller historisch gegenwärtigen Schulrhetorik.

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Den Zusammenhang zwischen der Beinamengebung und der mittelalterlichen Kirche, obgleich in anderem Sinne, konstatierte dann 1728 der Brandenburger Gymnasialprofessor Widenmann in seinem Schulprogramm "De Friderico Wilhelmo Magno electore Brandenburgico vere Magno": 70 Deswegen gäben die Beinamen nicht immer ein exaktes Bild des so bezeichneten Fürsten (während sich die Beinamen der brandenburgischen Kurfürsten auf den Konsens höchst gewichtiger Autoren stützen könnten). Behalten wir den Zusammenhang zwischen dauerhaften Beinamen und dem Komplex Kirche / Konfession im Blick. Widenmann dürfte eher an Fälle wie Herzog Arnulf den Bösen gedacht haben. 71 Hier erschien die Kirche als Titel verleihende Einrichtung. Die Verbreitung und Überlieferung dieses negativen Epithetons erfolgte durch Mönche, die sich an der Säkularisation von Kirchengut durch Arnulf den Bösen rieben. Die Titelgebung erfolgte also intentional mit dem Ziel der (negativen) Traditionsbildung, so die spätere Erzählung Widenmanns.

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Nun aber, nach 1705, strukturierte die Kirche als Konfession die Beinamensvergabe nicht mehr intentional, also willentlich, sondern unwillkürlich. Der behauptete Religionszusammenhang der Epitheta scheint sich sozial zu präzisieren. Eine Vertiefung dieser Erklärung ergibt sich noch, wenn man den Gegensatz der einander widersprechenden Pseudo-Erklärungen, also Intentionalität versus Strukturalität 72 eines historischen Prozesses, wie sie eine erfolgreiche Beinamensgebung darstellt, auszugleichen oder aufzuheben versucht: Von den zwei Einzelerklärungen gelangt man zur Synthese, wenn das Verhältnis des evangelischen Reichsteils zu den katholischen Habsburgern näher, grundsätzlicher betrachtet wird. Die prekäre konfessionelle Distanz zum habsburgischen Reichsoberhaupt verlangte nach einer Deutung, die in der historiographischen Trennung von ideellem Kaisertum und dessen katholischer Machtbasis gefunden wurde. Die überzeitliche, quasi natürliche und unbestrittene Fundierung des Kaisertums im Christentum selbst bot dazu die Grundlage.

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Präzisiert und konkretisiert wurde diese Fundierung als verbindliche Geschichtstheologie in der Viermonarchienlehre, die Johannes Sleidan, der Historiker der Reformation, 73 ab 1550 für die deutschen Protestanten verbindlich formuliert hatte 74 und die erst Hegel mit seiner Philosophie des objektiven Geschichtsverlaufs endgültig profanieren würde (unter Sakralisierung der Geschichte) – nach dem Ende des Heiligen Römischen Reichs. Das 18. Jahrhundert, sofern wie Preußen protestantisch, lehrte seine Kinder die wenngleich schattenhafte Existenz der vierten und letzten römischen Monarchie, wie sie sich aus einer exklusiven Deutung des Traums des Nebukadnezar durch den Propheten Daniel ergab. 75

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Diese Geschichtskonstruktion existierte schon im Mittelalter, war damals eine von vielen und scheint überhaupt eher in einem literarisch-theologischen Kontext rezipiert worden zu sein, in den Erzählungen vom Weltende und vom Antichristen, blieb also in der Historia sacra ohne allzu viel Verbindung mit der Historia profana der lebenden Menschen. 76 Zu Beginn der Neuzeit wird sie sichtbar und der Profanhistorie als Geschichtstheologie integriert. Das Kaisertum wurde so entpolitisiert, metaphysisch überhöht und damit historisch erträglich, annehmbar gemacht. Diese Loyalitätserzählung ermöglichte zugleich eine scheinbar objektive Trennung des Kaisertums, das man nie grundsätzlich in Frage stellte, von den Ansprüchen der katholischen Dynastie (die vor allem in der Person Ferdinands II. durchaus angegriffen werden konnte). Einen Grundsatzkonflikt mit dem Kaisertum durfte es also in der vorfriderizianischen, vorborussischen evangelischen Geschichtsdeutung nicht geben, jede Erzählung musste die protestantische Loyalität zum Kaisertum betonen, ja konnte diese durch Parteinahme gegen den Papst in den großen Konflikten des Mittelalters noch unterstreichen, 77 während diese Themen für Katholiken mit ihrer doppelten Loyalität zu Kaiser und Papst lange prekär blieben.

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Doch was geschah – wiederum die Gegenprobe suchend –, wenn geschriebene Loyalität und gelebte Wirklichkeit aufeinanderstießen? Den Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) dürfte es im mitteldeutschen Raum, dem Schwerpunkt der protestantischen Geschichtsschreibung des charakterisierten Typs, nicht geben haben. Und in der Tat sind zum Schmalkaldischen Krieg gehörige Verdrängungsleistungen als abgesunkene historiographische Konstruktion "Krieg mit den Spaniern 1547" bis heute im mitteldeutschen Kernraum der evangelischen Konfession nicht nur sporadisch nachweisbar. 78

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Es treten zahlreiche Variationen der Loyalitätserzählung auf: In einer auf circa 1618 zu datierenden Bildhandschrift zur Kaisergeschichte, als deren Entstehungsort mit guten Gründen Nürnberg zu vermuten ist, stellt der Maler und Dichter drei Serien à zwölf Kaiser auf: Römische, Biblisch-Deutsche (ab Tuiscon) und schließlich die zwölf Habsburger bis Ferdinand II. Der evangelisch-irenische Kompilator eliminiert auf diese Weise das Mittelalter als Epoche des Papsttums und bezeugt seinen Glauben an die weltgeschichtliche Mission des Hauses Österreich, ohne explizit die Konfessionen thematisieren zu müssen. 79 Der Lausitzer Abraham Hossmann wiederum behandelt in einer Festschrift scheinbar nur die kaiserlichen Wahlen und Krönungen, liefert aber tatsächlich eine die Kontroversthemen des 16. Jahrhunderts vermeidende Chronik ab, mit der sich der evangelische Autor bei Kaiser Matthias problemlos als Hofhistoriograph empfehlen konnte. So gelingt der Spagat zwischen universalheilsgeschichtlichem Kaisertum und dem katholischen Haus Österreich rund 200 Jahre lang. 80 Ein Kaiser wie Leopold, der gegen die Osmanen, also Nicht-Christen, erfolgreich wirkte, war damit für eine rhetorische Panegyrik, die nach originellen Loyalitätsbekundungen suchte, und somit für den Titel 'Magnus' prädestiniert.

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Das Epitheton konnte aber nur so lange bestehen bleiben, wie man die Loyalitätserzählung für das Kaisertum der Habsburger, deren Konkretisierung es war, benötigte. Mit dem Aussterben der Habsburger im Mannesstamm am 20. Oktober 1740 ordneten sich die Verhältnisse völlig neu, wie es Friedrich II. in einem Brief an Voltaire selbst deutlich aussprach. Der Tod Kaiser Karls VI. war ihm das von Nebukadnezar geträumte Ende der vierten Monarchie – so innig war das Verhältnis zwischen Kaisertum und Haus Österreich mittlerweile. Ereignis, Geschichtsdeutung und konkrete Zukunftserwartung gehen hier ineinander über, kündigt doch Friedrich II. in jenem Brief vom 26. Oktober zugleich indirekt sein militärisches Eingreifen an. 81 Nun konnte sich in der Geschichtsschreibung der Ton gegenüber den Habsburger-Kaisern ändern, wenn eine politisch gespannte Situation eintrat, wie sich in Friedrichs "Denkwürdigkeiten" selbst nachweisen lässt. Dies wird bei Friedrich anhand seiner Beurteilung der Kaiser deutlich: Ferdinand II. ist ein Despot, Ferdinand III. neidisch, Karl VI. ein Unruhestifter; lediglich Kaiser Josephs I. energisches Auftreten gegenüber dem Papst wird gelobt, dies wieder ganz traditionell protestantisch. 82

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Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass Friedrich in seinen "Denkwürdigkeiten" in einer durch wörtliche Rede besonders hervorgehobenen und im Erzählduktus damit auffälligen Stelle Kaiser Karl VI. sich selbst das Glück absprechen ließ – das Haus Österreich hatte in der preußischen historiographischen Retrospektion der 1750er Jahre die Gunst der göttlichen Providenz also eingebüßt. 83

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Mag sich nun die Erzählung von den vier Monarchien auch in den Schulen Preußens noch einige Zeit erhalten haben (das Reich existierte ja weiter), so war, wie diese Deutung Friedrichs belegt, die Loyalitätserzählung überflüssig geworden. Sleidans vier Monarchien hatten in Deutschland ihre letzten Auflagen bis 1715 erlebt, 84 dann verschwand das Buch ebenso vom Markt wie Leopolds Epitheton in der ohnehin evangelisch dominierten Publizistik des Reichs. In Friedrichs "Denkwürdigkeiten", so ist – wenngleich anachronistisch – zu folgern, wird die Bewertung des 19. Jahrhunderts bereits antizipiert.

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Damit ging sicherlich einher, dass das Herrscheramt mit dem Ereignis von 1740 seiner historisch-moralischen Verpflichtung entkleidet und ganz frühmittelalterlich an den sichtbaren Erfolg zurückgebunden wurde. Als Wendemarke könnte man nach der Untersuchung von Predigten zu urteilen die Schlacht von Roßbach 1757 nennen, 85 zumal mit diesem Erfolg Friedrichs das Epitheton 'der Große' für Friedrich II. in das Kerngebiet des oberdeutschen, katholischen Habsburganhangs eindrang. 86 Dies deutet die Wandlung der Größe zur objektiven Eigenschaft einer historischen Person an. Während selbst die kühnsten Rhetoren und die bildenden Künstler Leopolds Erfolge nur allegorisch darstellen konnten, sah der Zeitungsleser seit den 1740er Jahren Friedrich II. mit seinem Erfolg ganz real verknüpft. Kurz: Das Anagramm "Leopoldus – pello duos" 87 ("ich besiege zwei") wird Realität der Abwehrschlachten des Siebenjährigen Krieges. Und der Historiker überprüfte das Vorher und Nachher, verglich mit den vermeintlichen Intentionen des Handelnden und erzählte daraus die Entwicklung, zum Beispiel des preußischen Staats oder eben der österreichisch-ungarischen Monarchie. 88

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Allerdings bargen die herrscherlichen Aktionen ohne das Netz einer überzeitlichen Absicherung die Gefahr des Scheiterns. Mit anderen Worten und gewiss nicht zu dreist formuliert: Wäre Friedrichs II. Staat 1759 zerschlagen worden, hätte sich das Epitheton 'der Große' sicher nicht durchgesetzt, selbst dann, wenn auf diese Weise der Gang der Geschichte des 19. Jahrhunderts für uns nicht verändert worden wäre. Wie dagegen der alte Legitimationsüberschuss der Virtutes selbst noch für die neuhabsburgische Dynastie wirkte, soll Napoleon bemerkt haben, von dem berichtet wird, er habe sich darüber beklagt, Kaiser Franz I. (ehemals II.), auch kein Feldherr, könne anders als er beliebig viele Schlachten verlieren, ohne seine Herrschaft einzubüßen.

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Die Titelvergabe kennt also drei Ausformungen: das rhetorisch als Teil der Amplificatio vorgesehene Epitheton; die subjektive Eigenschaft 89 der Magnanimitas des christlichen Imperators mit der Zwischenstufe des relationalen, nicht persönlichen Erfolgs Leopoldi Magni und drittens die objektiv darstellbare Monarchenleistung Friedrichs II. als die Historisierung des Ruhms. 90 Diese vollzog sich vor dem Hintergrund des Bedeutungsschwunds reformatorischer Geschichtserzählung im evangelischen Reich und blieb gewiss bis heute das bestimmende Modell der Titelvergabe (zum Beispiel: 'Kanzler der Einheit'). Größe im Leid gibt es seitdem vor allem auf der Bühne des Theaters, in der Tragödie. Das Rühmen verschwindet zu Gunsten des Ruhms; damit weicht zugleich der reflexive Einblick in die Konstruiertheit oder Rhetorizität aller Historiographie, um erst im späteren 20. Jahrhundert unter gänzlich anderen Rahmenbedingungen wiederzukehren.

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Widenmanns Beobachtung über den Zusammenhang Epitheton – Religion, niedergeschrieben 1728, hat sich also für 'Leopoldus Magnus' in kultureller Hinsicht bestätigt. Zugleich bleibt dennoch jeder Titel weiterhin eine historiographische Fingierung: Im Erlöschen des Epithetons Magnus für Leopold sakralisiert die Historiographie die Ereignisse als Entwicklung, in der der Handelnde mit der Geschichte groß werden oder gegen sie handelnd untergehen kann. So ist Leopold 'der Große' die notwendige, aber nicht die hinreichende Bedingung für Friedrich 'den Großen'.

Autor:

Dr. Stefan Benz
Universität Bayreuth
Didaktik der Geschichte
Universitätsstraße 30
95447 Bayreuth
stefan.benz@uni-bayreuth.de

1 Adolf Bär / Paul Quensel (Hg.): Bildersaal Deutscher Geschichte, Stuttgart u. a. o. J., Neudruck Graz / Wien / Köln 1997.

2 Anton Bömer: Declamationes sacrae et profanae, Wien 1700, 91-136. Der Jesuit Bömer ging später als Beichtvater mit Karl (III.) nach Spanien.

3 Triumphus novem saeculorum Imperii Romano-Germanici, Wien 1700, initiiert offensichtlich von Joseph Julius von Hoermann, einem Juristen; vgl. aber auch Katharina Graupe: Höfische Publizistik – Buch und Repräsentation, in: Markus Völkel (Hg.): Fürst und Land. Das illustrierte Buch in den Beständen der Universitätsbibliothek Rostock, Rostock 2002, 68-98, hier: 80f.; Anton Bömer: Triumphus novem Seculorum Imperii Romano-germanici, Wien 1725. Der Verfasser wird im Titel genannt, in diesem auch die Widmung an Karl den Großen (= VI.!). Vgl. Bömer: (wie Anm. 2).

4 Michael Rohrschneider / Stefan Sienell: Hohenzollern kontra Habsburg? Zu den kurbrandenburgisch-kaiserlichen Beziehungen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF 13 (2003), 61-81, hier: 61f. Hinweise auf die Historiographiegeschichte bei Jean Béranger: Léopold I er fondateur de la puissance autrichienne, Paris 2004, 3f. Für das 19. Jahrhundert als "Filter" George Peabody Gooch: Geschichte und Geschichtsschreiber im 19. Jahrhundert, neubearbeitete deutsche Auflage mit Ergänzungskapitel, Frankfurt a. M. 1964 (zuerst 1915).

5 Hier zentral: Oswald Redlich: Weltmacht des Barock. Österreich in der Zeit Kaiser Leopolds I., 4., durchgesehene Aufl., Wien 1961; ders.: Das Werden einer Großmacht (Geschichte Österreichs 7), 2. und 3. Aufl., Brünn / München / Wien 1942; Robert J. W. Evans: Das Werden der Habsburgermonarchie 1550-1700, übersetzt von Marie-Therese Pitner (Forschungen zur Geschichte des Donauraumes 6), Wien 1986; Thomas Winkelbauer: Österreichische Geschichte 1522-1699 (Österreichische Geschichte 8), Wien 2003; Erich Zöllner: Geschichte Österreichs, 7. Aufl., Wien 1984, Aufstieg zur Großmacht, 246-257.

6 Thomas Zwenger: Geschichtsphilosophie. Eine kritische Grundlegung, Darmstadt 2008, 190.

7 Severinus de Monzambano (Samuel von Pufendorf): De statu Imperii Germanici. Nach dem ersten Druck mit Berücksichtigung der Ausgabe letzter Hand, hg. von Fritz Salomon, Weimar 1910, Kap. 2 § 3.

8 Nachweise bei Stefan Benz: Modelle barocker Geschichtsschreibung in und über Franken, in: Dieter J. Weiß (Hg.): Barock in Franken (Bayreuther Historische Kolloquien 17), Dettelbach 2004, 133-196, hier: Anm. 101.

9 Sonja Reisner: Die poetische Habsburg-Panegyrik in lateinischer Sprache als historische Quelle, in: Josef Pauser / Martin Scheutz / Thomas Winkelbauer (Hg.): Quellenkunde der Habsburgermonarchie (16.-18. Jahrhundert) (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband 44), Wien / München 2004, 898-915.

10 Roven Pons: "Wo der gekrönte Löw hat seinen Kayser-Sitz". Herrschaftsrepräsentation am Wiener Kaiserhof zur Zeit Leopolds I. (Deutsche Hochschulschriften 1195), Egelsbach 2001; Maria Goloubeva: The glorification of Emperor Leopold I in image, spectacle and text (Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz. Abteilung für Universalgeschichte 184), Mainz 2000; Jutta Schumann: Die andere Sonne. Kaiserbild und Medienstrategien im Zeitalter Leopolds I. (Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg Colloquia Augustana 17), Berlin 2003; Friedrich Polleroß: Monumenta virtutis Austriacae. Addenda zur Kunstpolitik Kaiser Karls VI., in: Kunst – Politik – Religion ... Festschrift für Franz Matsche, Petersberg 2000, 99-122; Christoph Kampmann / Katharina Krause / Bettina Krems / Anuschka Tischer (Hg.): Bourbon – Habsburg – Oranien: Konkurrierende Modelle im dynastischen Europa, Köln / Weimar / Wien 2008; Friedrich Polleroß: "Pro deo, caesare et patria". Zur Repräsentation der Stände in Österreich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, in: Gerhard Ammerer / William D. Godsey / Martin Scheutz / Peter Urbanitsch / Alfred Stefan Weiß (Hg.): Bündnispartner und Konkurrenten der Landesfürsten? Die Stände in der Habsburgermonarchie (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 49), Wien 2007, 479-532; Mark Hengerer: Kaiserhof und Adel in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Eine Kommunikationsgeschichte der Macht in der Vormoderne (Historische Kulturwissenschaft 3), Konstanz 2004; Jeroen Duindam: Vienna and Versailles. The Courts of Europe 's Dynastic Rivals 1550-1780, Cambridge 2003; Arno Strohmeyer: Nur Lorbeerkränze und Pietas? Herrschaft in der höfischen Geschichtsschreibung, in: ders. / Markus Völkel / Arno Strohmeyer (Hg.): Historiographie an europäischen Höfen (16.-18. Jahrhundert) (Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 43), Berlin 2009, 61-95.

11 Martin Wrede: Türkenkrieger, Türkensieger. Leopold I. und Ludwig XIV. als Retter und Ritter der Christenheit, in: Kampmann / Krause / Krems / Tischer: Bourbon – Habsburg – Oranien (wie Anm. 10), 149-165.

12 Sonja Schultheiß-Heinz: Politik in der europäischen Publizistik. Eine historische Inhaltsanalyse von Zeitungen des 17. Jahrhunderts (Beiträge zur Kommunikationsgeschichte 16), Wiesbaden 2004.

13 Zur politischen Dimension der Kunst: Karl Vocelka: Die politische Propaganda Kaiser Rudolfs II. (1576-1612) (Veröffentlichungen der Kommission für die Geschichte Österreichs 9), Wien 1981; zur Literaturgeschichte Elisabeth Klecker: Neulateinische Literatur an der Universität Wien. Ein Forschungsbericht, in: Christian Gastgeber / Elisabeth Klecker (Hg.): Neulatein an der Universität Wien. Ein literarischer Streifzug. Franz Römer zum 65. Geburtstag gewidmet, Wien 2008, 11-102.

14 Frank Beutel: Vergangenheit als Politik. Neue Aspekte im Werk des jüngeren Plinius (Schriften zur klassischen Philologie 121), Frankfurt a. M. 2000, 23-127, besonders 26-28, 40 mit Anm. 87.

15 Johannes Amann-Bubenik: Kaiserserien und Habsburggenealogien – eine poetische Gattung, in: Manuel Baumbach (Hg.): Tradita et Inventa. Beiträge zur Rezeption der Antike, Heidelberg 2000, 72-89.

16 Zu ihm und anderen einschlägigen Dichtern liegen Einträge vor in: Rukovĕť humanistického básnictví v Čechach a na Moravě, bearb. von Antonín Truchlář und Jan Martínek, 5 Bde., Prag 1966-1982.

17 Vocelka: Politische Propaganda (wie Anm. 13), 81-85, zur Emblematik rund um Rudolf II., hier: 82f. Eine interessante spätere Variation und Anwendung untersucht Hendrik Ziegler, Stat sol. Luna fugit. Hans Jacob Wolrabs Josua-Medaille auf Kaiser Leopold I. und ihre Rezeption in Frankreich, in: Kampmann / Krause / Krems / Tischer: Bourbon – Habsburg – Oranien (wie Anm. 10), 166-181. Die hier untersuchte Medaille wurde auf den Sieg von Budapest 1686 gemünzt.

18 Elisabeth Klecker: Emblemata Vergiliana in der Habsburg-Panegyrik, in: Martin Korenjak / Karlheinz Töchterle (Hg.): Pontes I. Akten der ersten Innsbrucker Tagung zur Rezeption der klassischen Antike, Innsbruck 2001, 209–223, besonders 215 mit Anm. 2, vgl. aber auch die dort interpretierte emblematisch hoch artifizielle Grazer Gratulationsschrift von 1638.

19 Nikolaus Avancino: Imperium romano-germanicum … Elogia, Wien 1663, 8°. Die Folioausgabe des Werks war 1658 anlässlich der Rückkehr aus Frankfurt erschienen.

20 Für die Zeit Leopolds zuletzt Andreas Kusternig: "Die Providentia erteilt der Austria den Auftrag zur Weltherrschaft". Probleme um das Deckengemälde im "Großen Saal" des Niederösterreichischen Landhauses – ein Werkstattbericht, in: Ammerer / Godsey / Scheutz / Urbanitsch / Weiß: Bündnispartner oder Konkurrenten (wie Anm. 10), 533-581, hier: 541f.

21 Vgl. wiederum Pufendorf: De statu (wie Anm. 7), Kap. 3 § 4; Thomas Brockmann: Das Bild des Hauses Habsburg in der dynastienahen Historiographie um 1700, in: Kampmann / Krause / Krems / Tischer: Bourbon – Habsburg – Oranien (wie Anm. 10), 27-57, hier: 37f., 48-51.

22 Hellmut Lorenz: Die Wiener Hofburg im 18. Jahrhundert. Legitimation durch Tradition, in: Kampmann / Krause / Krems / Tischer: Bourbon – Habsburg – Oranien (wie Anm. 10), 96-106; Jörg Ulbert: Die österreichischen Habsburger in bourbonischer Sicht am Vorabend des Spanischen Erbfolgekriegs, in: Kampmann / Krause / Krems / Tischer: Bourbon – Habsburg – Oranien (wie Anm. 10), 241-254, hier besonders: 248-250; mit Berufung auf Saint-Simon: Béranger: Léopold I er (wie Anm. 4), 2, 457.

23 Wrede: Leopold I. und Ludwig XIV. (wie Anm. 11).

24 Darauf verweist auch Pufendorf: De statu (wie Anm. 7), Kap.2 § 3.

25 Stefan Benz: Späthumanismus? Volkssprachliche Literatur über die Habsburger nach Maximilian I., in: Christian Gastgeber / Elisabeth Klecker (Hg.): Cuspinian im Kontext, Wien 2010; Andreas Hansert: Welcher Prinz wird König? Die Habsburger und das universelle Problem des Generationenwechsels, Petersberg 1998.

26 Pufendorf: De statu (wie Anm. 7), hier Kap. 2 § 4 Fassung B, vgl. A; zur zeitgenössischen Behandlung des Problems jetzt Brockmann: Bild des Hauses Habsburg (wie Anm. 21), 54-57.

27 Redlich: Weltmacht (wie Anm. 5), 54-67; Markus Baumanns: Das publizistische Werk des kaiserlichen Diplomaten Franz Paul Freiherr von Lisola (1613-1674) (Historische Forschungen 53), Berlin 1994.

28 Redlich: Weltmacht (wie Anm. 5), 157.

29 Redlich: Weltmacht (wie Anm. 5), 267.

30 Vgl. Béranger: Léopold I er (wie Anm. 4).

31 Hinweise darauf bereits bei Johann Georg Widenmann: De Friderico Wilhelmo Magno electore Brandenburgico vere Magno, Brandenburg 1728, [o. Pag.] Einleitung.

32 Andreas Eggerer: Fragmen panis corvi protio-ermitici seu reliquiae annalium eremi-coenobiticorum Ordinis fratrum Eremitarum Sancti Pauli primi eremitae, Wien 1663.

33 Zum publizistischen Niederschlag: Lajos Hopp: Die ungarische Publizistik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Bela Köpeczi / Andor Tarnai (Hg.): Laurus Austriaco-Hungarica. Literarische Gattungen und Politik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Schriftenreihe der Österreichisch-Ungarischen Gemischten Kommission für Literaturwissenschaft 1), Budapest / Wien 1988, 47-68. Aus der Sicht der Betroffenen: Caspar Hain: Die Leutschauer Chronik, in Auszügen hg. von Fritzi Mally, Prag u. a. 1943. Der Kaiser wird für seine Konfessionspolitik von dem evangelischen Hain nie direkt angegriffen.

34 Ignatius Pongrácz: Triumphus Pauli, Preßburg 1752, hier c. XXV § 5, 474-476.

35 Nennen könnte man noch: Marcellin Reischl: Atlas historicus, Augsburg 1758, 428.

36 Philipp Andreas Oldenburger [Pseudonym Burgoldensis], hg. von Warmund von Friedberg [Pseudonym]: Notitia rerum illustrium Imperii Romano-Germanici tripertita, sive discursus iuridico-politico-historici ad instrumentum sive tabulas pacis Osnabrugo-Monasteriensis, 3 Teile, 2. Aufl., Freistadii [fingiert] 1669, hier Teil 1, 178; ähnlich das weit verbreitete Kompendium der Markgräfin Erdmuth Sophie von Brandenburg-Bayreuth, geborene Kurprinzessin von Sachsen: Sonderbare Kirchen- Staat und Weltsachen, hier die Auflage 1676, 234, erweitert und redigiert von Johann Georg Layriz. Die folgenden Ausführungen basieren auf Stefan Benz: Leopold der Große?, in: Markus Völkel / Arno Strohmeyer (Hg.): Historiographie an europäischen Höfen (16.-18. Jahrhundert) (Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 43), Berlin 2009, 97-137, besonders 119-127.

37 VD17 1:651195T.

38 Exulta Germania! o. O. o. J. Chronostichon 1688, f. 1', ähnlich f. 1. Vgl. die Katalogeinträge der Bayerischen Staatsbibliothek München.

39 Martin C. Mandlmayr / Karl G. Vocelka: Die Eroberung Ofens 1686 im Spiegel der deutschsprachigen Flugschriften, in: Köpeczi / Tarnai: Laurus Austriaco-Hungarica (wie Anm. 32), 15-45. Zur Übersicht hier die wichtigsten Apostrophen: 26 "Daß Leopold mit Ruhm bewohn// Den alten Griechen-Kaiser-Thron!"; 27: "Großmächtigster Monarch, zu dir der Welt Regenten// O Kayser Leopold!"; 28: "Leopold/ du grosser Fürst/" 29: "Freue dich/ Großmächtiger Kayser!", 34: "Leopold der Sonnen gleich// Stürzt das Monden-Kaiser-Reich".

40 Vgl. nur C. M.: Neue / und kurtze Beschreibung des Königreichs Ungarn, 2. Aufl., Nürnberg 1664, Widmungen; Johann von Stauffenberg [fränkischer Offizier]: Gründliche warhafftige und unpartheyische Relation des blutigen Treffens ... bey S. Gotthard in Ungarn, Regensburg 1665.

41 Genaue Belege und Ausführungen des hier nur thesenhaft Zusammengefassten bei Benz: Leopold der Große (wie Anm. 36), 120f., 127-130 für das Folgende. Die Untersuchungen zur Verfasserschaft entsprechen den Beobachtungen zur Publizistik um Ofen 1686: Mandlmayr / Vocelka: Eroberung Ofens (wie Anm. 39), 24f., 42.

42 Arno Strohmeyer: Höfische und ständische Geschichtsschreibung, in: Quellenkunde (wie Anm. 9), 881-897.

43 Venedig 1700, einziger italienischsprachiger Band der monumentalen und mit zahlreichen Kupfern illustrierten Reihe.

44 VD17 1:015967Y.

45 Österreichische Nationalbibliothek, Handschrift 7586 (oder 7636), handelt es sich bei dem Titel auch um ein Augsburger Schabkunstblatt (Elias Christoph Heiß), wird die Titulierung doch auf f. 11' bestätigt.

46 Theodor Graff: Bibliographia Widmanstadiana. Die Druckwerke der Grazer Offizin Widmanstetter 1586-1805 (Arbeiten aus der Steiermärkischen Landesbibliothek 22), Graz 1993, 253-256, Zitat 253. Eine Schrift mit deutschem Epitheton von dem Jesuiten Matthäus Pecher erschien 1705 in Innsbruck: Imago Caesaris. Kayserliche Tugend-Bildnuß in Leopoldo dem Ersten, und Grossen. Nachweis antiquarisch und per KVK: http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html <18.5.2010>.

47 Die erste Auflage zum Beispiel in der Bibliothek der Kapuziner Klausen, einer spanischen Stiftung: Rainhard Domanegg: Die Kapuzinerbibliotheken Klausen, Eppan, Schlanders und Müstair (Erschließung historischer Bibliotheken in Südtirol 4), Brixen 2007, 61f.

48 Paul Hansiz (oder Benedikt Quadri): Anathemata verae historiae templo gloriae Leopoldi Magni consecrata, Wien 1696, Kupfer zu 6. Vgl. auch Strohmeyer: Nur Lorbeerkränze und Pietas (wie Anm. 10), 81.

49 Gottlieb Johann Hauff: Denkwürdigkeiten aus dem Leben Leopolds, I. römischen Kaisers. Ein Beitrag zur Geschichte des österreichischen Hauses, und der göttlichen Weltregierung, Tübingen 1812, 1. Von Hauff ist wenig bekannt; er war evangelischer Pfarrer, hatte offenbar in Tübingen bei Ernst Gottlieb Bengel promoviert. Seine literarische Tätigkeit umfasst unter anderem die aszetische Behandlung der Geschichte. Eine nähere Verwandtschaft mit dem Dichter Wilhelm Hauff ist nicht ersichtlich. Unbekannte Autoren wie Hauff wurden über das World Biographical Information System Online (WBIS Online) sowie den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK, wie Anm. 45) in der je erforderlichen Tiefe anrecherchiert.

50 Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Handschrift 7770, f. 2.

51 Beispiel bei Schumann: Die andere Sonne (Anm. 10), 550/Abb. 18 von 1689; von 1688: Exulta Germania! (wie Anm. 38), 1f.

52 Man möchte an einen Konvertiten denken. Das Deutsche Biographische Archiv (vgl. Anm. WBIS Online, wie Anm. 48) kennt mit diesem Namen nur eine Bremer Familie, vgl. Johann Friedrich Leopold von Huppel: Vorbild eines Christlich-Weisen und zugleich tapfern Fürsten in dem Leben Carls von Oesterreich / dieses Nahmens des V. Römischen Kaysers, Leutschau 1688, XXIII, 3, 63 und öfter. Das Buch ist extrem selten (erst seit 1983 in der ÖNB), der Verfasser praktisch unbekannt – wiederum ein Konvertit (vgl. seine Haltung zu Luther, LXIX)? Nicht im Deutschen Biographischen Archiv ( WBIS Online, wie Anm. 49) . Hier gilt genau wie im Falle von Anm. 55, dass über katholische Laien den ebenda kumulierten, meistens "nationalen" Biographien noch weniger zu entnehmen ist als über Geistliche .

53 De vita Caroli quinti imperatoris, Caesaris, vere augusti, Libri quinque Gulielmo Zenocaro a Scauwenburgo, Antwerpen 1596, 60, 127-146, 181-192.

54 Vgl. Hannes Möhring: Der Weltkaiser der Endzeit. Wandel und Wirkung einer tausendjährigen Weissagung (Mittelalter-Forschungen 3), Stuttgart 2000; Zukunftsvoraussagen in der Renaissance, hg. von Klaus Bergdolt und Walther Ludwig (Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung 23), Wiesbaden 2005.

55 Huppel: Vorbild eines Christlich Weisen (wie Anm. 52) . Zur Rudolf-Thematik: Marianne Kirk: "Die kaiserlose, die schreckliche Zeit". Das Interregnum im Wandel der Geschichtsschreibung vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Europäische Hochschulschriften III/944), Frankfurt a. M. 2002; ferner Erich Kleinschmidt: Herrscherdarstellung. Zur Disposition mittelalterlichen Aussageverhaltens, untersucht an Texten über Rudolf I. von Habsburg (Bibliotheca Germanica 17), Bern / München 1974.

56 Josef Semmler: Gerhard Hilleprand S.J. (1682-1747). Seine Stellung innerhalb der Historiographie in der Barockzeit, phil. Diss. (masch.), Wien 1971/72, 53; Graff: Bibliographia Widmanstadiana (wie Anm. 46), 333.

57 Vgl. zur Tradition dieses sehr breiten Begriffs: Paul Kirn: Das Bild des Menschen in der Geschichtsschreibung von Polybios bis Ranke, Göttingen 1955, 61-67.

58 Dazu zuletzt Brockmann: Das Bild der Habsburger (wie Anm. 21).

59 Georg Teubner: Kronen-Zierde an dem ... Ritter und Herrn, Herrn Samuel von Königsdorff, [Breslau 1719], 15.

60 Ulrich Muhlack: Geschichte und Geschichtsschreibung bei Voltaire und Friedrich dem Großen, in: ders.: Staatensystem und Geschichtsschreibung, hg. von Notker Hammerstein und Gerrit Walther (Historische Forschungen 83), Berlin 2006, 173-199 (erstmals publiziert 1988); Brunhilde Wehinger: "Denkwürdigkeiten des Hauses Brandenburg". Friedrich der Große als Autor der Geschichte seiner Dynastie, in: Günther Lottes (Hg.): Vom Kurfürstentum zum "Königreich der Landstriche". Brandenburg-Preußen im Zeitalter von Absolutismus und Aufklärung (Aufklärung und Europa 10), Berlin 2004, 137-174; Michael Rohrschneider: Friedrich der Große als Historiograph des Hauses Brandenburg. Herrscherideal, Selbststilisierung und Rechtfertigungstendenzen in den Mémoires pour servir à l 'histoire de la maison de Brandebourg, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF 17 (2007), 97-121; Andreas Pečar: Friedrich der Große als Autor. Plädoyer für eine adressatenorientierte Lektüre seiner Schriften, in: Friedrich300 - Colloquien, Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/pecar_autor <18.5.2010>. Generell: Wolfgang Neugebauer: Das historische Argument um 1701. Politik und Geschichtspolitik, in: Dreihundert Jahre Preußische Königskrönung, hg. von Johannes Kunisch (Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF, Beiheft 6), Berlin 2002, 27-48.

61 Gustav Volz (Hg.): Die Werke Friedrichs des Großen, hier: Bd. 1: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg, Berlin 1913, 18, 20, 22, 24 und 25 (Zitate).

62 Wehinger: "Denkwürdigkeiten" (wie Anm. 60), 157, 160f.; Rohrschneider: Friedrich der Große (wie Anm. 60), 110-112, mit zusätzlichem Verweis auf das politische Testament Friedrichs.

63 Wehinger: "Denkwürdigkeiten" (wie Anm. 60), 161, zum Sachverhalt Redlich: Weltmacht (wie Anm. 5), 404; Volz: Werke Friedrichs des Großen (wie Anm. 61), 100.

64 Rohrschneider: Friedrich der Große (wie Anm. 60), 118; Belegstellen: Volz : Werke Friedrichs des Großen (wie Anm. 61), 71, besonders 86, auch 96, 103, 106, 107f., 113f. Die schwierige Lage 1705 betont 1727 dagegen der noch nicht identifizierte Anonymus einer Geschichte Kaiser Josephs I.: C. M. G. S.: Aussführliche und noch niemahls gedruckte Geschichten, die sich unter der merckwürdigen Regierung Sr. kayserl. Majestät Josephi zugetragen haben, Freyburg [fingiert] 1727, 2f.

65 Redlich: Weltmacht (wie Anm. 5), 61, 403f.

66 Neben der Werkausgabe von Volz: Werke Friedrichs des Großen (wie Anm. 61), steht eine – anscheinend unvollständige – Textfassung unter http://gutenberg.spiegel.de/ zur Verfügung, die ein Durchsuchen des Texts nach beliebigen Wörtern erlaubt <18.5.2010>.

67 Rohrschneider / Sienell: Hohenzollern kontra Habsburg? (wie Anm. 4), 67.

68 Ergebnis einer Titelsuche nach den Formen von "Elector" und "magnus" im KVK (wie Anm. 45). Der älteste sächsische Beleg ist von 1642, sein Verfasser Johannes Bohemus. Die Abhängigkeit von Sachsen wird durch dessen politische Dominanz im regionalen Kräftespiel plausibel: Thomas Nicklas: Macht oder Recht. Frühneuzeitliche Politik im Obersächsischen Reichskreis, Stuttgart 2002. Die brandenburgischen Panegyriker entstammen, soweit erkennbar, sozial derjenigen Schicht, die kurze Zeit später – mit anderem regionalen Schwerpunkt – "Leopoldus magnus" erfand – freilich mit der dies provozierenden Einschränkung der lateinischen Sprache.

70 Johann Georg Widenmann: De Friderico Wilhelmo Magno electore Brandenburgico vere Magno, Brandenburg 1728, Einleitung. Die seltene Schrift des Lehrers an der Salderischen Schule in der Altstadt Brandenburg wurde hier benutzt im Sammelband der Bayerischen Staatsbibliothek München 2° Diss 1.

71 Vgl. generell Alois Schmid: Das Bild des Bayernherzogs Arnulf (907-937) in der deutschen Geschichtsschreibung von seinen Zeitgenossen bis zu Wilhelm von Giesebrecht (Regensburger historische Forschungen 5), Kallmünz 1976.

72 Chris Lorenz: Konstruktion der Vergangenheit. Eine Einführung in die Geschichtstheorie (Beiträge zur Geschichtskultur 13), Köln 1997, 285-321. Mit den beiden Extrempositionen, hier anhand der Theoretiker Hayden White und François Furet, setzt sich auseinander: Peter Winch: Die Darstellung der Welt in der Geschichte, in: Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung, Frankfurt a. M. 1987, 282-299.

73 Zu Sleidan zuletzt Alexandra Kess: Johann Sleidan and the Protestant Vision of History, Aldershot 2008; Matthias Pohlig: Zwischen Gelehrsamkeit und konfessioneller Identitätsstiftung. Lutherische Kirchen- und Universalgeschichtsschreibung 1546-1617 (Spätmittelalter und Reformation NR 37), Tübingen 2007, 161-175; Emil van der Vekene: Johann Sleidan, Bibliographie seiner gedruckten Werke (Hiersemanns Bibliographische Handbücher 11), Stuttgart 1996, 57-145; Johann Sleidan: De quatuor summis imperiis, Straßburg 1556.

74 Allerdings ohne die politische Spitze eines Thomas Müntzer.

75 [Jean Henri Samuel Formey:] Kurzer Inbegriff aller Wissenschaften zum Gebrauch für Kinder von sechs bis zwölf Jahren, 6. und verbesserte Aufl., Berlin / Stettin 1766, hier 85f., 102.

76 Vgl. den äußerst bemerkenswerten Befund anhand von Wandmalereien aus der Gozzoburg Krems (13. Jahrhundert): Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 62/4 (2008) [2009], 565-617, besonders 599.

77 Pohlig: Gelehrsamkeit (wie Anm. 73), 165f., 167-169, 246-259, zur theologischen Seite 462-493, 500f., 509. Pohlig unterstreicht, dass zu den Charakteristika "des lutherischen Identitätsdiskurses im Medium der Historiographie" die Hochschätzung der deutschen Kaiser gehöre (509).

78 Alle folgenden Netzrecherchen am 20.5.2009: http://amt-niemegk.verwaltungsportal.de/verzeichnis/objekt.php?mandat=15959 "Aufmerksame Besucher entdecken viele Sehenswürdigkeiten. Jedem von Ihnen wird das herrliche Rathaus, das im Renaissance-Stil erbaut wurde, in Erinnerung bleiben. 1547 wurde es durch die Spanier und Wallonen zerstört und 1570 an gleicher Stelle, aber größer als zuvor, wieder errichtet"; http://www.burgeninventar.de/html/saan/WB_big.html : Artikel Coswig: "1547 bei Eroberung der Stadt durch die Spanier zerstört"; http://brandenburg-reisen.suite101.de/article.cfm/reiseziel_belzig : "Im Schmalkaldischen Krieg wurde Belzig 1547 von spanischen Truppen zerstört." Eindeutig dagegen im "Westen": http://www.nassau-info.de/geschichte-chronik.htm : "25. 4. 1547. Die von kaiserlichen Truppen besetzte Stadt Wiesbaden geht in Flammen auf." Eine Pointe bietet Wilhelm Liebhart: Der Schmalkaldische Krieg 1546 im mittleren Paartal. Pöttmes, Inchenhofen, Kühbach und Hohenwart im Schatten des Krieges, in: Altbayern in Schwaben. Jahrbuch für Geschichte und Kultur 2005/2006, 75-88, der 87 Anm. 1 zu 75 darauf aufmerksam macht, dass in der Neuauflage eines durchaus renommierten Handbuchs zur deutschen Geschichte der Schmalkaldische Krieg vom Verfasser "vergessen" wurde.

79 Peter Hutter: Germanische Stammväter und römisch-deutsches Kaisertum (Historische Texte und Studien 21), Hildesheim / Zürich / New York 2000, 151-155, 158-169; zur protestantischen Haltung zum Kaisertum vgl. auch 92f.

80 Abraham Hossmann: De electione et coronatione caesariana, Leipzig 1612, 319-333. Zu Hossmanns (es existieren verschiedenste Schreibweisen dieses Namens) weiteren Arbeiten siehe zum Beispiel Vocelka: Politische Propaganda (wie Anm. 13), 478-480.

81 Voltaire – Friedrich der Große. Briefwechsel, hg. von Hans Pleschinski, München 1994 (zuerst Zürich 1992, 198f.). Die Deutung wurde von Friedrich damals eventuell sogar mehrfach gebraucht, vgl. Johannes Kunisch: Friedrich der Große, München 2004, 161.

82 Rohrschneider: Friedrich der Große als Historiograph (wie Anm. 60), 116; Volz: Werke Friedrichs des Großen (wie Anm. 61), 52, 64, 148, zu Joseph 110 und 115.

83 Volz: Werke Friedrichs des Großen (wie Anm. 61), 159.

84 Van der Vekene: Johann Sleidan (wie Anm. 73), 101f.

85 Thomas Nicklas: Die Schlacht von Roßbach (1757) zwischen Wahrnehmung und Deutung, in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 12 (2002), 35-51; Thomas Nicklas: Roßbach – du lieu de la violence au lieu de l 'imagination, in: Alain Ruiz (Hg.): Les voyageurs européens sur les chemins de la guerre et de la paix, Bordeaux 2006, 197-203 .

86 Staatsarchiv Würzburg, Depositum Historischer Verein Ms. f. 205, vgl. f. 140', dann 147 mit 156': "Friderici Maximi regis Borussiae frater" zu 1758. Es handelt sich um die Chronik des Domvikars Johann Andreas Geissler (1703-1774). Das Latein zeigt allerdings, wie immer bei Geissler, ironisierende Distanz an. Vgl. Wolfgang Burgdorf: Nationales Erwachen der Deutschen nach 1756. Reichisches gegen territoriales Nationalbewußtsein, in: Territoriale Identität und politische Kultur in der Frühen Neuzeit, hg. von Marco Bellabarba und Reinhard Stauber (Jahrbuch des italienisch-deutschen historischen Instituts in Trient Beiträge 9), Bologna / Berlin 1998, 109-132.

87 Wie Anm. 51.

88 Hierzu ausführlich Lorenz: Konstruktion der Vergangenheit (wie Anm. 72).

89 Kleinschmidt: Herrscherdarstellung (wie Anm. 55), 23f., 31-70 zur (panegyrischen) Herrscherdarstellung. Was hier für das Mittelalter gesagt wurde, dürfte auch Gültigkeit für spätere Epochen besitzen.

90 Mit allen Folgen für die Untertanen: Arvid Grotenfelt: Geschichtliche Wertmaßstäbe in der Geschichtsphilosophie, bei Historikern und im Volksbewusstsein, Leipzig 1905, 108. "Welche Helden verehren die Völker als ihre Vorbilder? Es ist ein merkwürdiger Zug in der Psychologie der Völker, daß sie zu ihren Lieblingen keineswegs an erster Stelle solche Führer und Herrscher wählen, die ihnen ein ruhiges Wohlergehen und friedliches Glück bereiteten, sondern oft geschichtliche Persönlichkeiten, die sie in schwere Kämpfe und Prüfungen, ja sogar in Jammer und Not hineinführten, ihnen aber als die Verkörperung von Heldenmut oder überhaupt von menschlicher Größe erscheinen."

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Stefan Benz
Vergessene Größe
Kaiser Leopolds I. Epitheton 'magnus'
Obwohl in älteren, populären Geschichtswerken das mittlere 17. und frühe 18. Jahrhundert für ein dunkles Zeitalter nationaler Geschichte gehalten wird, ist diese Epoche durch einige Personen geprägt worden, denen das Epitheton 'magnus' zeitgenössisch zugesprochen wurde oder anhaftete. Am prominentesten war Kaiser Leopold I. "der Große" (reg. 1658 bis 1705). Bei der Analyse dieses Titels werden zwei Traditionen der Titelvergabe sichtbar: Rhetorisch ist sie Teil einer Amplificatio; dazu kommt die subjektive Eigenschaft der Magnanimitas eines christlichen Imperators, verbunden mit relationalem, nicht sichtbar persönlichem Erfolg, wie sich dies bei Leopold zusätzlich findet (Türkenkrieg). Bei ihm entsteht der Titel 'der Große' aus dem antiken Kaisertum, verbunden mit speziellen Eigenschaften und Zeitereignissen. Bei Friedrich II. kommt es zur Historisierung des Ruhms, indem die individuelle Monarchenleistung objektiv darstellbar erscheint. Durchsetzen konnte sich der Beititel für Leopold I. selbst in der österreichisch-katholischen Historiographie nicht. Der Aufsatz beleuchtet die jeweilige Titelvergabe und kommt zu dem Ergebnis, dass Leopold 'der Große' als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Friedrich 'den Großen' gesehen werden muss.
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Frühe Neuzeit (1500-1789)
Deutschland / Mitteleuropa allgemein
18. Jh.
Imperator Kaisertum Habsburg Heiliges Römisches Reich Historiographie
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S. Benz: Vergessene Größe
In: Friedrich und die historische Größe. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 25./26. September 2009, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 3)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-groesse/benz_groesse
Veröffentlicht am: 21.09.2010 18:40
Zugriff vom: 20.11.2017 18:32
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