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J. Luh und M. Kaiser: Einleitung

Friedrich300 – Eine perspektivische Bestandsaufnahme

Einleitung

Jürgen Luh und Michael Kaiser

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König Friedrich II. von Preußen, der Große, war eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen und europäischen Geschichte und Kulturgeschichte. Er verlieh, um Beispiele aus seiner Zeit zu nennen, dem Diskurs der Aufklärung bedeutende Impulse, beeinflusste und förderte eine der wichtigsten Richtungen des Rokokostils und prägte nachhaltig das Militärwesen seiner Zeit. Nach seinem Tod 1786 sah man in Friedrich schon bald das maßgebliche Ideal, an dem sich der preußische Staat zu orientieren hatte und das einen wesentlichen Bestandteil seines Selbstverständnisses ausmachte. Auf den “Großen König“, auf seine Taten und Maximen beriefen sich seine Nachfahren, wenigstens bis zum Ende der Monarchie und über ihr Ende hinaus noch weite Teile der Eliten in Republik und Diktatur – bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.

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Am 24. Januar 2012 jährt sich der Geburtstag des Königs zum dreihundertsten Mal. Dieses Jubiläum wird wegen Friedrichs Berühmtheit und seiner Persönlichkeit, die noch immer vielfältige Emotionen auslöst (und nicht zuletzt weil historische Jubiläen öffentliche Aufmerksamkeit sichern), vor allem in Berlin und Brandenburg sowie den ehemals preußischen Orten und Regionen Norddeutschlands gefeiert werden. Man wird aber auch in den überregionalen Medien auf vielfältige Weise an den preußischen König und seine Zeit erinnern.

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Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) ist bei diesem Jubiläum besonders in die Pflicht genommen. Sie bewahrt den nicht zu archivierenden Nachlass des Königs: seine noch existierenden Architekturschöpfungen, Schloss Sanssouci mit seinem Park, das Neue Palais ebendort sowie Schloss und Park Charlottenburg. Die Stiftung hütet zudem Friedrichs Sammlungen, seine Gemälde und Bücher, seine Möbel und Porzellane, seine Silberwaren, Tabaksdosen und anderes mehr. Daraus leitet sich ganz selbstverständlich die Verpflichtung ab, den 300. Geburtstag des Königs in angemessener Form zu begehen. Ihre vielfältigen Bemühungen in Vorbereitung und im Hinblick auf das Geburtstagsjahr 2012 hat die Stiftung in dem Projekt “Friedrich300“ gebündelt. Sie knüpft damit an ihre großen Ausstellungen zur preußischen Kulturgeschichte an, die einzelne Monarchen und ihr Verhältnis zu den Künsten thematisierten, so Friedrich Wilhelm IV. 1 und Friedrich Wilhelm II., 2 aber auch einzelne Fürstinnen wie die erste preußische Königin Sophie Charlotte 3 und die letzte Kronprinzessin Cecilie. 4 Dem letzten regierenden Hohenzollern-Monarchen widmete sich eine Ausstellung unter medienhistorischen Aspekten. 5 Mit der Ausstellung “Onder den Oranje boom“ wurde die Geschichte der intensiven Beziehungen zum Haus Oranien und den Niederlanden im 17. Jahrhundert präsentiert, 6 während unter dem Motto “Macht und Freundschaft“ das preußisch-russische Verhältnis im 19. Jahrhundert in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt wurde. 7 Die preußische Königskrönung von 1701 wurde in ihrer europäischen Dimension dargestellt, 8 und die Aufsehen erregende Ausstellung zu Prinz Heinrich beleuchtete dessen europäische Züge 9 – zudem bot sie, gerade vor dem Hintergrund des oftmals spannungsgeladenen Verhältnisses zwischen den Brüdern Heinrich und Friedrich, bereits eine erste indirekte Thematisierung des königlichen Bruders.

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Friedrichs Nachwirkung, das heißt die Friedrich-Rezeption in Wissenschaft und Öffentlichkeit, bildet den Ausgangspunkt für dieses Projekt. Der König wurde ja im 19. und 20. Jahrhundert als die vielleicht markanteste Gestalt der deutschen Geschichte betrachtet. Seine Wahrnehmung und Beurteilung war jedoch nicht unumstritten: Den einen, der großen Mehrheit in Wissenschaft und Publikum, war er ein Genie, ein Held, das historische Vorbild auch für die aktuelle Politik schlechthin; den anderen, einer akademischen Minderheit und einem kleinen Teil der Bevölkerung, ein Kriegstreiber, ein Menschenverächter, ja die personifizierte Gefahr. Preußisch-kleindeutsche Historiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Johann Gustav Droysen, Gustav Freytag, Heinrich von Treitschke, Reinhold Koser oder Gustav Berthold Volz beschrieben Friedrich als den “anstaunenswertheste[n] aller der Geschichte angehörenden Männer“, 10 wie Graf Ernst von Lippe die Wertungen dieser Zeit in der Allgemeinen Deutschen Biographie zusammenfasste, in der Absicht Preußen samt seinen Herrschern im Deutschen Reich als führenden Staat zu legitimieren und ihm Tradition zu verschaffen. Kritiker des Königs, namentlich Onno Klopp 11 , Franz Mehring 12 oder später, in den 1920er Jahren, Werner Hegemann, 13 wurden von der preußisch gesinnten Historikerschaft bekämpft und wissenschaftlich ausgegrenzt.

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Die historische Vorarbeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik nutzte die Propaganda des “Dritten Reichs“: Friedrich fungierte hier als genialer Politiker und Kriegsheld, der in auswegloser Situation durchgehalten und dadurch seinen Staat vor dem Untergang gerettet hatte. Nach 1945 und dem Erlebnis des Zweiten Weltkriegs stand der König durch die Kriege, die er geführt hatte, in Bundesrepublik und DDR gleichermaßen in der Kritik. Was jedoch blieb, in der Regel mit positiver Konnotation, waren die Vorstellung vom König als Philosoph, Aufklärer und Modernisierer sowie die mit ihm assoziierten “preußischen Tugenden“ wie Fleiß, Sparsamkeit und Leistungswillen, die zahlreiche Historiker noch heute in Friedrich vorbildlich verkörpert sehen. 14 Diese, hier zugegebenermaßen vereinfacht wiedergegebenen Sichtweisen bestimmten das allgemeine Friedrich-Bild, seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit bis in die achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts – und bestimmen es zum Teil noch heute.

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Gemäß dem Stiftungsauftrag, “die ihr übergebenen Kulturgüter zu bewahren, unter Berücksichtigung historischer, kunsthistorischer und gartenhistorischer und denkmalpflegerischer Belange zu pflegen, ihr Inventar zu ergänzen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Auswertung dieses Kulturbesitzes für die Interessen der Allgemeinheit insbesondere der Wissenschaft und Bildung zu ermöglichen“, 15 möchte die SPSG die Chance nutzen, die dieses Jubiläum bietet, um die Persönlichkeit Friedrichs anders zu präsentieren, als es im kulturellen Gedächtnis noch immer der Fall ist: nämlich “sine ira et studio“, unvoreingenommen und kritisch, neu und zeitgemäß. Der 300. Geburtstag schafft die Möglichkeit, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und diese einer weiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ziel ist es, der Persönlichkeit und der Zeit des Königs nahe zu kommen und – dies vielleicht sogar im Sinne Friedrichs – zur “Aufklärung“ der Menschen, also zu ihrer Bildung beizutragen und damit mehr als nur ein vergnügliches, aber bald wieder vergessenes Friedrich-Fest zu feiern.

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Rezeption und Wirkung des Königs machen dies allerdings nicht leicht. Ein großes Problem besteht vor allem darin, dass sich historische Wahrheiten und liebgewonnene Legenden zu dem Bild verdichtet haben, das wir heute von Friedrich II. und seiner Regentschaft besitzen.

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Dieser Prozess begann bereits kurz nach dem Tod Friedrichs im Jahr 1786 und hält noch heute an. Anekdotensammlungen aus den achtziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts, unter anderem von dem Publizisten und Aufklärer Friedrich Nicolai, “informierten“ das Publikum über Friedrichs angebliches Leben und seine Handlungen, noch bevor eine erste Biographie über ihn erschien. Viele dieser Anekdoten wurden von dem Maler und Graphiker Daniel Chodowiecki bildlich umgesetzt und erhielten dadurch den Anschein historischer Wahrhaftigkeit – ein Charakteristikum von Bildern. Nicht wenige Anekdoten fanden deshalb den Weg in die ersten wirklich wissenschaftlichen Werke über den König aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts.

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Das am weitesten verbreitete von ihnen, die “Geschichte Friedrichs des Großen“ von Franz Kugler, enthielt die berühmten Illustrationen Adolf Menzels. 16 Aufgrund der ihnen innewohnenden Dynamik, ihrer zeichnerischen Präzision und ihrer engen Einbindung in die historische Wissenschaft – Franz Kugler war Historiker und Kunsthistoriker – galten Menzels akribische Zeichnungen als wahrheitsgetreues Abbild der friderizianischen Epoche. Dies umso mehr, als sie auch der seit 1912 erschienenen deutschen Ausgabe der Werke Friedrichs des Großen von Gustav Berthold Volz beigegeben wurden. 17 Auf Menzels Vorgaben beruhen viele weitere Illustrationen anderer Künstler des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

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Alle jene Abbildungen zusammen füllen in dem auf Bilder fixierten Medienzeitalter von heute den Fundus, aus dem sich Film und Fernsehen und Populärliteratur bei der Darstellung Friedrichs des Großen bedienen. Die neuen Medien des 20. Jahrhunderts, aber ebenso noch populäre Buchdarstellungen perpetuieren also die Rezeption der friderizianischen Zeit, wie sie im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert entstanden ist und verstärken sogar noch deren Wirkung. Da diese Form der Rezeption solch eingängige Geschichten und Bilder bereithält, möchten sich die Medien – wie überhaupt die meisten Menschen – von ihr natürlich nur ungern trennen.

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Das gilt wohl mehrheitlich auch für den Teil der Bevölkerung, der mit diesen Bildern und Geschichten aufgewachsen ist. Diese Generation kann fast mit jedem einzelnen Bild ein Ereignis, eine Geschichte verbinden. Und da die Verbindung von Ereignisanekdote und Illustration schon so lange im kollektiven Gedächtnis sedimentiert ist und nie öffentlichkeitswirksam in Frage gestellt wurde, ist die Versuchung groß zu denken, dass diese so dauerhaften Darstellungen der historischen Wahrheit entsprechen. Auf Fortbildung und Forschung beruhende neue Erkenntnisse zu Friedrich dem Großen, die oftmals die eingeschliffenen Deutungsmuster der Geschichte durchbrechen, haben es deshalb sehr schwer, öffentlich (und manchmal selbst wissenschaftlich) wahrgenommen und anerkannt zu werden. Beispielsweise glaubt man mehrheitlich noch immer, der König habe bis zuletzt den ganzen Tag lang unermüdlich für seinen Staat und seine Untertanen gearbeitet. Dabei ist seit der Veröffentlichung von ausgewählten Passagen aus dem Tagebuch des Marchese Lucchesini, Friedrichs letztem Gesellschafter, bekannt, dass der König in den letzten Lebensjahren täglich nur noch etwa eine Stunde am Schreibtisch verbrachte, nicht selten jedoch mehr als sechs Stunden an der Mittagstafel. 18

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Das Thema “Friedrich der Große“ stößt aber noch auf eine weitere Rezeptionsschwierigkeit – und zwar innerhalb der jüngeren Generation. Jugendliche und junge Erwachsene wissen nahezu nichts mehr über diese Persönlichkeit. Den Namen haben sie vielleicht noch gehört, mit der Person, die sich hinter ihm verbirgt, und mit der Geschichte seiner Zeit können sie aber zumeist nichts mehr anfangen.

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Genau dies haben in jüngster Zeit zwei, wenn auch nicht repräsentative, so doch zumindest aufschlussreiche Umfragen ergeben, die im Rahmen des “Friedrich300“-Projekts durchgeführt worden sind. Die eine war eine allgemeine Straßenumfrage in der Berliner Friedrichstraße, die andere eine Umfrage unter Studentinnen und Studenten aller Fakultäten in Potsdam. Während die Straßenumfrage wenigstens bei den älteren Befragten einige aus Anekdoten und Legenden zusammengesetzte Kenntnisse, zumindest aber Erinnerungen zu Tage förderte, waren bei jüngeren Interviewpartnern keinerlei Vorstellungen vorhanden. Auch die befragten Studentinnen und Studenten kannten den König nicht, und ebenso wenig besaßen sie sicheres Faktenwissen über Preußen, seine Geschichte und seine Bedeutung.

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Das war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts noch anders. Als 1912 der 200. Geburtstag des großen Friedrich festlich begangen wurde, war der König jedermann bekannt. Sein Leben und seine Taten waren im Bürgertum vor allem durch die Werke Archenholtz‘ und Kuglers präsent, 19 während ihn ein berühmtes Bilderbuch “Der Alte Fritz in 50 Bildern für Jung und Alt“ 20 sowie die damals sehr beliebten Zigarettensammelbilder 21 schon Kleinkindern gut bekannt machten – auch wenn oder gerade weil diese Werke den König, wie bereits gesagt, in sagenhaften Zügen zeigten.

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Wie ist mit diesen Sachverhalten im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2012 umzugehen? Diese Frage ist wesentlich für die Vorhaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Aus den der Rezeption geschuldeten Tatsachen, entweder man kennt den König, aber dann vor allem durch Legenden verklärt, oder man weiß nicht, wer Friedrich wirklich war, hat die SPSG die Schlussfolgerung gezogen, dass es im Hinblick auf das Jubiläum 2012 notwendig ist, das Wissen um und die Kenntnis über Friedrich den Großen, seine Zeit und seine Wirkung auf die deutsche und europäische Geschichte zu erweitern.

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Einen zentralen Platz bei diesen Bemühungen nehmen die wissenschaftlichen Konferenzen ein, die, von der SPSG ins Leben gerufen, von 2007 bis 2011 veranstaltet werden. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten arbeitet dabei organisatorisch mit der Stiftung Preußische Seehandlung und dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam sowie konzeptionell mit dem Deutschen Historischen Institut Paris zusammen.

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Die Reihe begann 2007 mit der Tagung “Friedrich der Große – eine perspektivische Bestandsaufnahme“, und wurde 2008 fortgesetzt mit einer Konferenz zum “Friderizianischen Hof“. 2009 wird “Friedrich und die historische Größe“ behandelt werden, gefolgt von “Politik und Kulturtransfer im europäischen Kontext“ in 2010 und “Dynastisches Programm und familiäre Bande. Friedrich und die Hohenzollern im 18. Jahrhundert“. Die Ergebnisse der Konferenzen werden 2012 in die große Jubiläumsausstellung zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs einfließen, die im Neuen Palais im Park von Sanssouci präsentiert werden wird.

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Bei dieser ersten Konferenz vom 27. bis 29. September 2007 “Friedrich der Große – eine perspektivische Bestandsaufnahme“ ging es darum, über die Person des preußischen Königs und deren Bedeutung einst und heute neu nachzudenken und dabei einige “liebgewonnene Legenden“ zu entlarven; mit anderen Worten: dauerhaft die Weichen für eine veränderte Rezeption des Königs zu stellen.

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Denn die letzte aus den Quellen gearbeitete Biographie und Darstellung der Regierungszeit Friedrichs stammt von Reinhold Koser. Der erste Band “Friedrich der Große als Kronprinz“ erschien 1886, die beiden Bände “König Friedrich der Große“ wurden von 1890 bis 1903 veröffentlicht. Als vierbändige Gesamtausgabe erschien das Buch 1912 zu Friedrichs 200. Geburtstag. 22 Es ist nach wie vor das wichtigste Werk und noch immer Grundlage aller Beschäftigung mit dem König. Im Anschluss daran sind vor allem vor dem Zweiten Weltkrieg weitere wichtige Aspekte der friderizianischen Zeit untersucht worden; unser Wissen wurde um viele Einzelheiten erweitert, insbesondere durch die Arbeiten von Gustav Berthold Volz. 23

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Seither stagniert die Forschung im Grunde. 24 Friedrich der Große war, nach den Erfahrungen des “Dritten Reichs“ und des Zweiten Weltkrieges, vor allem wegen seiner Rolle als Feldherr in Deutschland bis Anfang der 1980er Jahre nicht mehr “chic“, wie man im Umkehrschluss zu Hans-Ulrich Wehlers Polemik über Preußen feststellen kann; 25 auch nicht nach seinem 200. Todestag 1986, der zwar durch Ausstellungen einige Aufmerksamkeit erregte, aber der Forschung über den König und seine Zeit nur wenig und keinen dauerhaften Antrieb gab – sieht man ab von dem Buch Theodor Schieders, der Friedrich vor dem Hintergrund seines widersprüchlichen Handelns und Tuns interpretierte. 26 Die beiden kürzlich erschienenen Biographien des Königs von Johannes Kunisch 27 und Jean-Paul Bled 28 reflektieren zwar stärker als bislang die Einflüsse der Epoche auf die Person, vermitteln aber nichts wirklich Neues über Friedrichs Persönlichkeit. Dies gilt im Wesentlichen auch für die praktisch zeitgleich erschienene Parallelbiographie Klaus Günzels zu Friedrich und Maria Theresia. 29 Interessante Aspekte finden sich dagegen in dem neuen, wenig bekannten Porträt von Wilhelm Bringmann. 30

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Genauer betrachtet wurden während der Tagung deshalb Themenfelder, die paradigmatisch einen Überblick über die Ziele und Handlungsweisen, Leistungen und Erfolge, Fehlschläge und Niederlagen des Königs versprachen: “Der König als Literat“, “Der König und die (Natur)Wissenschaft“, “Der König und das Bauwesen“, “Der König als Sammler antiker Skulptur“, “Der König und das Land“, “Der König und der Hof“, “Der König und das Heilige Römische Reich“ sowie “Der König und die Habsburgermonarchie“.

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Der Fokus wurde im Hinblick auf die Veröffentlichung der Beiträge auf perspectivia.net erweitert durch Untersuchungen “Zur Rolle der Juden im Denken Friedrichs des Großen“ und zu “Friedrich II. als Erinnerungsort im deutschen und polnischen Bewusstsein“, durch die Rezension “Anmerkungen zu Friedrich der Große – Potsdamer Ausgabe “ sowie das Hörfeature “Monarch ohne Maske. Neue Erkenntnisse über Friedrich II.“. Die ursprünglich geplanten Beiträge “Der König, die Legenden und die Akten“, “Der König und die Literatur“, “Der König und die Armee“, “Der König und das Bildungswesen“ sowie “Der König und Frankreich“ mussten leider entfallen.

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Leitende Fragestellungen aller Artikel waren: Was ist bislang zu Friedrich dem Großen erforscht worden? Und unter welchen ideologischen Vorzeichen ist dies geschehen? Was hat von dieser Forschung heute noch Bestand, was nicht, was ist Legende? Was muss man heute anders betrachten? Was lässt sich überhaupt noch Neues sagen, was sogar neu entdecken? Hauptanliegen war es, ein neues, den heutigen Erkenntnissen entsprechendes Bild Friedrichs II. in der Geschichte zu skizzieren, aber auch, seine Bedeutung für die heutige Zeit zu bestimmen.

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Selbstverständlich konnte die Bestandsaufnahme bei der Größe des Themas und der Menge an Friedrich-Literatur keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Doch sollte durch die Betrachtung von mehreren Themen, an die man im Zusammenhang mit dem König nicht als erstes denkt, kombiniert mit einigen, die man erwarten durfte, ein erster Stein ins Rollen gebracht werden. Dies geschah in der Hoffnung auf Anstöße und Anregungen, auch auf anderen historischen Feldern über Friedrich neu nachzudenken.

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Die hier versammelten Beiträge sollen eine Grundlage für die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit Friedrich dem Großen schaffen, aber auch das populäre Interesse an diesem König erneut wecken.

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Großer Dank gilt allen Partnern, der Stiftung Preußische Seehandlung, dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam und dem Deutschen Historischen Institut Paris, der Autorin und den Autoren sowie Florian Schönfuß und Tobias Wulf von perspectivia.net.

Autoren

Dr. Jürgen Luh
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam
j.luh@spsg.de

Dr. Michael Kaiser
perspectivia.net
c/o Stiftung DGIA
Kronprinzenstraße 24
53173 Bonn
mkaiser@dhi-paris.fr

1 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Friedrich Wilhelm IV. Künstler und König. Zum 200. Geburtstag, Frankfurt a.M. 1995.

2 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Friedrich Wilhelm II. und die Künste. Preußens Weg zum Klassizismus, Stahnsdorf 1997.

3 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Sophie Charlotte und ihr Schloß. Ein Musenhof des Barock in Brandenburg-Preußen, München / London / New York 1999.

4 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Cecilie. Deutschlands letzte Kronprinzessin zwischen Monarchie und Republik, Potsdam 2004.

5 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Die Kaiser und die Macht der Medien, Berlin 2005.

6 Onder den Oranje boom. Niederländische Kunst und Kultur im 17. Und 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen, 2 Bde. (Katalog hg. von der Stadt Krefeld, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und der Stichting Palais Het Loo, National Museum, Apeldoorn, Essays, hg. v. Horst Lademacher), München 1999.

7 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Macht und Freundschaft. Berlin-St. Petersburg 1800-1860, Leipzig 2008.

8 Deutsches Historisches Museum / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Preußen 1701. Eine europäische Geschichte, 2 Bde. (Katalog und Essays), Berlin 2001.

9 Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg, München / Berlin 2002.

10 Ernst v. Lippe: Art. Heinrich, in: ADB, Bd. 11, Leipzig 1880, 561-568, Zitat 564.

11 Onno Klopp: Der König Friedrich II. und seine Politik, 2. Aufl., Schaffhausen, 1867.

12 Franz Mehring: Die Lessinglegende. Eine Rettung, Stuttgart 1863. Daraus „Friedrichs aufgeklärter Despotismus“ wiederabgedruckt in: Otto Büsch / Wolfgang Neugebauer: Moderne preußische Geschichte 1648-1947, 3 Bde., Berlin / New York 1981, hier Bd. 1, 142-181.

13 Werner Hegemann: Fridericus oder das Königsopfer, Hellerau 1925.

14 Zur Geschichte des Friedrich-Bildes in Politik, Gesellschaft und Historiographie jetzt Peter-Michael Hahn: Friedrich der Große und die deutsche Nation. Geschichte als politisches Argument, Stuttgart 2007, v.a. 29-78, 109-111, 132-169 und 188-211.

15 Gesetz zu dem Staatsvertrag vom 23. August 1994 über die Errichtung einer „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, zu dem Abkommen vom 23. August 1994 über die gemeinsame Finanzierung der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ und zur Änderung des Denkmalschutzgesetzes vom 4. Januar 1995, Art. 2, 1.

16 Franz Kugler: Geschichte Friedrichs des Großen. Gezeichnet von Adolf Menzel, Leipzig 1840-1842. Zuletzt aufgelegt Leipzig 2008.

17 Gustav Berthold Volz (Hg.): Die Werke Friedrichs des Großen in deutscher Übersetzung, 10 Bde., Berlin 1912-1914.

18 Fritz Bischoff (Hg.): Gespräche Friedrich‘s des Großen mit H. von Catt und dem Marchese Lucchesini. Kritisch festgestellte Auswahl in deutscher Übersetzung, Leipzig 1885. Andeutungen in diese Richtung findet man zuvor schon bei Eduard Vehse: Preußische Hofgeschichten. Neu herausgegeben von Heinrich Conrad, München 1913 (1. Aufl. 1851), 4 Bde., III, 130-135. Auch Werner Hegemann hat diesen Sachverhalt ausführlich behandelt, siehe Hegeman: Fridericus (wie Anm.13.), 75-77.

19 Johann Wilhelm von Archenholtz: Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland vom Jahr 1756 bis 1763, zuerst Berlin 1788; das Werk wurde besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach wiederaufgelegt und erlebte bis 1914 insgesamt 14 Auflagen.

20 Carl Röchling / Richard Knötel: Der alte Fritz in fünfzig Bildern für Jung und Alt, Berlin 1895. Nachdrucke zuletzt Dortmund 1981 und München 1986.

21 Cigaretten-Bilderdienst (Hg.): Gestalten der Weltgeschichte. Zeitgenössische Miniaturen berühmter Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Altona-Bahrenfeld 1933, 71-76, bes. 71-72; Martin Brinkmann A.-G. Zigarettenfabrik Bremen (Hg.): Deutschland hoch in Ehren. Von Hermann dem Cherusker bis zum "Ja" am 12. Nov. 1933, Bremen o. J.

22 Reinhold Koser: Geschichte Friedrichs des Großen, 4 Bde., Stuttgart 1912-1914.

23 Z.B.: Gustav Berthold Volz (Hg.): Friedrich der Große im Spiegel seiner Zeit, 3 Bde., Berlin 1926; Gustav Berthold Volz (Hg.): Gespräche Friedrichs des Großen, Berlin 1919.

24 Die Literatur bis 1986 in: Herzeleide und Eckhart Henning: Bibliographie Friedrich der Große 1786-1986. Das Schrifttum des deutschen Sprachraums und der Übersetzungen aus Fremdsprachen, Berlin / New York 1988.

25 Hans-Ulrich Wehler: Preußen ist wieder chic... Politik und Polemik in 20 Essays, Frankfurt a. M. 1983. Siehe darin 11-18: Preußen ist wieder chic... Der Obrigkeitsstaat im Goldrähmchen und 67-71: Nicht verstehen - der Preußennostalgie widerstehen.

26 Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a.M. [u.a.] 1983.

27 Johannes Kunisch: Friedrich der Große, München 2006.

28 Jean-Paul Bled: Friedrich der Große. Biographie, Düsseldorf 2006.

29 Klaus Günzel: Der König und die Kaiserin. Friedrich II. und Maria Theresia, Düsseldorf 2005.

30 Wilhelm Bringmann: Friedrich der Große. Ein Porträt, München 2006. Das Buch stützt sich vor allem auf eine kritische Durchsicht des alten Schrifttums und ist bemüht, die Legenden auszuräumen (z.B. 8, 13-15, 44, 56,58, 355-370).

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PSJ Metadata
Michael Kaiser, Jürgen Luh
Einleitung
CC-BY-NC-ND 3.0
Deutschland / Mitteleuropa allgemein
Kultur- und Mentalitätsgeschichte
118535749 4049716-1
kleindeutsche Historiker, großborussische Geschichtsschreibung, Friedrich-Bild, Friedrich-Rezeption, Vereinnahmung Friedrich
Friedrich II., Preußen, König (118535749), Rezeption (4049716-1)
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J. Luh und M. Kaiser: Einleitung
In: Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 28./29. September 2007, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 1)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/luh-kaiser_einleitung
Veröffentlicht am: 27.10.2008 11:15
Zugriff vom: 20.11.2017 18:27
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