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M. Hochedlinger: Der König und die Habsburgermonarchie

Friedrich300 – Eine perspektivische Bestandsaufnahme

Der König und die Habsburgermonarchie

Oder: Wie preußisch war Österreich im 18. Jahrhundert?

Michael Hochedlinger


Abstract

Die Geschichtsschreibung hat die Habsburgermonarchie lange Zeit als Gegenentwurf zu Preußen wahrgenommen. Dabei war sie gerade im 18. Jahrhundert dem fridericianischen Preußen sehr viel ähnlicher als allgemein angenommen. Dieses Phänomen ist auf eine regelrechte „Prussifizierung“ der Monarchia Austriaca zurückzuführen. Wie sich diese manifestierte, soll in folgendem Beitrag dokumentiert werden. Dabei ist das preußische Vorbild besonders deutlich im Militär und der eng damit verbundenen Verwaltung zu erkennen, welche auch den Kern der großen theresianischen Staatsreform und damit des Vordringens in bisher weitgehend staatsfreie Räume ausmachten. Die umfassende, fridericianisch inspirierte Modernisierung seit 1748/49 zielte auf eine intensivere Ressourcennutzung und gipfelte in einer umgreifenden Militarisierung der Habsburgermonarchie. Den Höhepunkt jener militarisierenden „Prussifizierung“ stellte die Regentschaft Josephs II. dar, auch wenn viele seiner radikalen Reformen nicht lange überdauerten.

Geschichte im Zigarettenbild?

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Man muss nicht unbedingt ein Freund postmoderner Problematisierungssucht sein, um zu erkennen, dass unser “Geschichtsbild“ in der Tat zu großen Teilen “konstruiert“, ja regelrecht aus Klischees zusammengebaut ist.

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Gefährliche Klischeemetastasen überwuchern die großen Fragen der europäischen Staatengeschichte. Der österreichisch-preußische Antagonismus seit den 1740er Jahren des 18. Jahrhunderts, die Betrachtung der beiden Gegenspieler und ihres Konflikts in Geschichtswissenschaft, Politik und Popularkultur sind dabei keine Ausnahmen.

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Es lässt sich nur schwer leugnen, dass die Erbfeindschaft zwischen Habsburgern und Hohenzollern die politische Geschichte Europas, insbesondere Mittel- und Ostmitteleuropas bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. 1

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Es waren bei näherem Hinsehen aber nicht “Schwarz“ und “Weiß“, die hier auf verschiedenen Schlachtfeldern miteinander kämpften, nicht “stark“ und “schwach“, sondern zwei Mächte, die so verschieden gar nicht waren, jedenfalls nicht in der Zeit Friedrichs des Großen (1740-1786), die im Bereich der habsburgischen Geschichte ziemlich exakt der Reformära Maria Theresias und Josephs II. (1740-1790) entspricht. Wir werden auf die ganz erstaunlichen, heute weitgehend verdrängten Konvergenzen noch zurückkommen.

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Das Denken in schärfsten Gegensätzen, hier die Habsburgermonarchie, ist zu einem erheblichen Teil gemacht, “konstruiert“, wenn man so will, von Geschichtsschreibung und Politik, und vor allem an zwei Personen festgemacht, die diesen Antagonismus bilderbuchartig zu verkörpern scheinen: Maria Theresia und Friedrich II.

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Die Fronten sind klar: Auf der einen Seite die weiblich-milde, aber doch, wenn nötig, entschlossen-kämpferische Mutter ihrer Länder und Völker, kinderreich und barockfromm, auf der anderen der zwar nicht sonderlich “männliche“, aber immerhin tyrannische misogyne Einzelgänger, Misanthrop, Spötter und Freigeist; die von einer Riesenschar an Feinden angefallene Verteidigerin eines Großreichs gegen den skrupellos-aggressiven Schöpfer einer neuen Großmacht und angeblichen Wegbereiter der “deutschen Einheit“.

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Die österreichische Seele, die sprichwörtlich “weichere österreichische Individualität“, und demgegenüber das ungemütliche, zackige, pickelhaubenbewehrte Preußentum, Kaffeehaus gegen Paradeplatz, Walzerseligkeit gegen Hackenzusammenschlagen finden so schon im 18. Jahrhundert wunderbar geschichts- und propagandawirksam personalisierte Aufhänger.

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Otto Hintze schrieb einmal, dass die Gemütlichkeit in der Habsburgermonarchie eine Art Grundrecht gewesen sei, ganz im Gegensatz zu Preußen, dessen gesamter Staatsapparat, ja dessen Sozialstruktur ihm von einem streng militärischen Geist der Disziplin und der Pflichterfüllung durchwirkt erschien. 2 Schon Friedrich der Große hat übrigens alles Weitwendige, Barocke gerne als den “österreichischen Stylus“ bezeichnet.

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Das gespannte Verhältnis zwischen den beiden Großmächten im 19. Jahrhundert, als unser heutiges Geschichtsbild wesentlich und nachhaltig geformt wurde, bis zum Hinauswurf Österreichs aus Deutschland 1866 und zur Gründung des II. Kaiserreichs 1871, war durchaus nicht geeignet, Klischeeverwerfungen zu korrigieren. Im Gegenteil: es hat ältere Schwarz-Weiß-Malerei nur weiter akzentuiert.

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Zum nicht immer kühlen, aber doch eingehegten diplomatisch-militärischen Gegensatz in der Zeit der Kabinettskriege kamen jetzt noch die merklich enthemmten Leidenschaften des Zeitalters des Nationalismus und der gesellschaftlichen Politisierung.

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Auf beiden Gebieten schien die Habsburgermonarchie den Kürzeren zu ziehen. Als Vielvölkerreich erschien Österreich dem schon bald biologistisch angehauchten deutschen Nationalismus durch den “trüben, schmutzigen Einguß von Polen, Kroaten“ usw., wie schon Ernst Moritz Arndt tönte, als deutsche Vormacht durchaus untauglich.

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Politisch blieb die Donaumonarchie, seit der Metternichzeit als “China Europas“ und Hort der Reaktion abgestempelt, Lieblingszielscheibe der Liberalen und fortschrittlich Denkenden, auch außerhalb Deutschlands. Nur die sprichwörtliche österreichisch-balkanische Schlamperei machte den biedermeierlichen Polizeistaat einigermaßen erträglich.

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Die Wurzeln des reaktionären Rufes reichen jedoch weiter zurück. Maria Theresia war zwar eine wenn nötig durchsetzungskräftige und moderne Reformerin, mit der Aufklärung oder besser gesagt mit den Aufklärern und Philosophen ihrer Zeit aber hatte sie nicht viel am Hut. Von religiöser Toleranz hielt die Protestantenfeindin und Antisemitin in damals schon anachronistischer Weise nichts. In der Habsburgermonarchie durfte vor Joseph II. sicher niemand nach seiner Façon selig werden.

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Ganz im Gegensatz zu Friedrich II., der seinen Karrierebeginn als Länderräuber und Aggressor mit seinem geschickt kultivierten Ruf als roi philosophe und Freund berühmter Aufklärer einigermaßen vergessen machen konnte, war selbst Joseph II. – ganz utilitaristischer Reformer – endzweckloser Wissenschaft und Kunst nicht wirklich zugeneigt.

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An Voltaires Wohnsitz ohne Anstandsbesuch vorbeizufahren, wie es Joseph II. auf der Rückreise aus Frankreich 1777 tat, war im Zeitalter der französisch inspirierten Aufklärung natürlich denkbar schlechte Imagepflege. 3 Friedrich II. und Katharina II. beherrschten die Öffentlichkeitsarbeit deutlich besser. Beide wurden mit dem Epitheton “groß“ belohnt, Maria Theresia und Joseph, der, wie Goethe sagte, einfach zu wenig “Schätzer des Geistes“ war, erhielten dieses schmückende Beiwort nicht bzw. nur im innerösterreichischen Diskurs der Bewunderer. 4

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Für diese Unterlassungssünden wurde das Habsburgerreich schon von den französischen Revolutionären (ganz im Gegensatz zum Hohenzollernstaat) nicht nur als politischer Gegner, sondern als Verkörperung der Reaktion schlechthin verteufelt – durchaus unverdientermaßen, denn unter den aufgeklärt-fortschrittlichen Reformstaaten des 18. Jahrhunderts stand das Österreich Josephs II. im Jahr des Bastillesturms 1789 gewiss an erster Stelle.

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Dem französischen Königtum haben Machtpolitiker, Aufklärer und Revolutionäre gleichermaßen sein 1756 gegen Preußen geschlossenes Bündnis mit Österreich zum Vorwurf gemacht, dessen zunehmend verhasste Personifizierung die Tochter Maria Theresias und Gattin Ludwigs XVI., Marie Antoinette, werden sollte. 5

Nationale versus dynastische Geschichtsschreibung

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Auch die in der Zeit ihrer Verwissenschaftlichung zutiefst ideologisierte Geschichtsschreibung hat im beinharten “Imagewettlauf“ eine entscheidende Rolle gespielt. Der preußisch-kleindeutschen Historie eines Droysen, Häusser, Sybel oder Treitschke gelang es unschwer, ein anti-österreichisches und preußenfreundliches Bild zu popularisieren, das schließlich marktbeherrschend wurde, auch wenn sie Realitäten nicht selten grob verzerren mussten, etwa was die Rolle der beiden deutschen Großmächte im Kampf gegen das revolutionäre und napoleonische Frankreich betraf.

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Gerade hier tobte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein schmutziger “Historikerstreit“, der am Ende wenig daran änderte, dass Preußen – alles in allem – den Ruhm der Befreiung vom “französischen Joch“ fast völlig für sich vereinnahmte. Vergessen war die wenig rühmliche Rolle Berlins während des 1. Koalitionskrieges. Feldmarschall Blücher, den etwas plumpen “Marschall Vorwärts“, kennt noch heute jeder, wer aber hat schon von Fürst Schwarzenberg, dem Sieger der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, gehört?

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Johann Gustav Droysen hat Preußen und Österreich einmal als den positiven und den negativen Pol der deutschen Geschichte bezeichnet; Österreich undeutsch-übernational, Preußen die Macht des protestantisch-sittlichen deutschen Staatsgedankens, das seine historische Mission zielstrebig erfüllt hat.

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Zugegeben: Habsburg-Österreichs Experiment mit dem aufkeimenden deutschen Nationalismus im Jahre 1809, als Erzherzog Karl im letztlich erfolglosen Kampf gegen Napoleon die Befreiung ganz Deutschlands auf seine Fahnen schrieb, blieb ein kurzzeitiges Experiment.

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Kaiser Franz I. war der gescheiterte Versuch jedenfalls eine Lehre. Gemeinsam mit Metternich schienen ihm Nationalismen und Liberalisierung, wohl nicht ganz zu Unrecht, allzu gefährliche Sprengmittel für den ächzenden Bau der Donaumonarchie.

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Die Konstruktion von Geschichtsmythen war in einem Vielvölkerreich wie der Habsburgermonarchie eine sehr dornige Sache, sah sich doch jede Gesamtstaatsidee sofort mit den konkurrierenden nationalen Mythen konfrontiert, die durchaus nicht immer gesamtstaatsfreundlich, mitunter (wie etwa im Falle Ungarns) sogar das Gegenteil waren. Die “Kraft der Geschichte“ war daher im Jahrhundert der Nationalismen hier potentiell eher bedrohlich als staatstragend.

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Als “Superkleber“ im knarrenden Gebälk des multi-ethnischen Kaisertums Österreich, als Bezugspunkt des “Gesamtstaatsgedankens“, bot sich in erster Linie die Dynastie an, unterstützt vom “stehenden Heer der Soldaten“, dem “sitzenden Heer der Bureaukraten“ und dem “knienden Heer der Geistlichen“.

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Besonders dynastieorientiert war dementsprechend auch die österreichisch-ungarische Historiographie bis zum Tod des Doppeladlers 1918. Immerhin hat man sich das Riesenreich – jedenfalls in der eigenen Mythologie – seit dem Anfall des Burgundererbes 1477 zusammengeheiratet, nicht wie Preußen zusammengeraubt. “Kriege mögen andere führen, Du glückliches Österreich, heirate“! 6

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Unter allen Herrschern bot sich Maria Theresia vielleicht am meisten als Vorbild und Integrationsfigur an: Sie trotzte den zahlreichen Erbschleichern, die 1740 über sie herfielen, wies Preußen in die Schranken, wurde zur energischen Reformerin und Modernisiererin im Inneren, war dabei aber von allen Völkerschaften akzeptiert, sogar von den schwierigen Ungarn, die ihr 1741 in seltener Begeisterung für das Haus Habsburg vitam et sanguinem versprachen.

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Joseph II., auch außenpolitisch zu turbulent und vor allem erfolglos, dabei in vielem dem Antipoden seiner Mutter, Friedrich II. von Preußen, nicht unähnlich, in seinem inneren Reformwerk, das die Österreichischen Niederlande und fast auch Ungarn in die Sezession trieb, nicht zuletzt in seiner Kirchenreform viel zu radikal, schien im 19. Jahrhundert wenig geeignet, die von oben gegen die zentrifugalen Nationalhistoriographien der einzelnen Ethnien gewollte “Gesamtstaatsgeschichte“ zu verkörpern.

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Joseph, der reise- und inspektionswütige Kontrollkaiser, war wohl in der Tat, wie Claudio Magris so bissig geschrieben hat, “die totalste und absoluteste Antithese zum habsburgischen System und seiner Mittelmäßigkeit“. 7 Wo Maria Theresia eine bestimmte Grenze, die ihr ihr eigener Konservativismus diktiert hat, nicht überschreiten wollte, ist Joseph II. fast durchgehend weiter gegangen, hat das Reformwerk auf die Spitze getrieben, wollte alle Residuen von Widerständigkeit und Privilegierung beseitigen – und ist damit gescheitert. Am Ende seiner Herrschaft und seines Lebens stand eine gefährliche Staatskrise, in der innen- wie außenpolitische Probleme in einer gefährlichen Mixtur zusammenflossen und die erst durch die konservative Trendwende unter Leopold II. (1790-1792) beendet werden konnte. Wichtige Elemente der josephinischen Radikalkur mussten zurückgenommen werden.

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So ist das wohl eindrucksvollste biographische Monument der österreichischen Staatshistoriographie des 19. Jahrhunderts nicht von ungefähr die 10-bändige Biographie Maria Theresias aus der Feder des Staatsarchivdirektors Alfred von Arneth. 8 Leopolds II., des angeblichen Liberalen, nahm sich dann das 20. Jahrhundert an. 9 Um Joseph II., der stets zu sehr polarisierte, kümmern sich hingegen seit damals und übrigens bis heute ausländische Historiker. 10

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Für die Strukturgeschichte der Macht interessierte sich in der Donaumonarchie niemand. Während die akademische preußische Historiographie jenseits des rein Biographischen mit Stolz fragte: Wie war der eklatante Erfolg eines David Preußen gegen den Goliath Österreich und schließlich das Überleben gegen eine europäische Riesenallianz im Siebenjährigen Krieg möglich? und somit schon sehr früh zu einer erstaunlich modernen “Staatsstrukturgeschichte“ fand, blieb die österreichische Konkurrenz lange Zeit im Biographisch-Ereignisgeschichtlichen stecken.

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Natürlich nicht in Feldherrnpose, sondern als “Mutter der Völker“ sitzend und mit gütig ausgestrecktem Arm ist Maria Theresia am großen Maria Theresien-Denkmal in Wien (1888) zwischen Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum dargestellt, inmitten ihrer Berater, gelehrter Aufklärer und Musiker. Das Martialische kommt in Gestalt ihrer Generäle gewiss nicht zu kurz, aber es ist eben “ausgelagert“; insgesamt überwiegt das Ausgleichende, Allumfassende, deshalb ist das Denkmal auch so gewaltig groß.

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Der Versuch der überwiegend deutschnationalen und anschlussfreundlichen österreichischen Historiographie nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918, dann auch die Bemühungen des faschistoiden “Ständestaates“ (1933-1938) in seinem Kampf gegen das übermächtige Hitler-Deutschland, die historische Habsburgermonarchie zum mindestens gleichwertigen Bollwerk und Vorkämpfer des Deutschtums im Südosten zu stilisieren, Maria Theresia zur idealen “deutschen Frau und Mutter“ aufzubauen, mutet demgegenüber etwas verkrampft an. Sie war “eine deutsche Frau“, betonte etwa der großdeutsch gesinnte Archivar und Historiker Heinrich Kretschmayr 1925. 11 1930 wurde in Schloss Schönbrunn eine große Maria-Theresien-Ausstellung veranstaltet, die ganz Ähnliches zum Ausdruck brachte. 12

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In Wahrheit dachte selbst Joseph II. nicht deutsch-zentralistisch, sondern rein praktisch, als er generell die deutsche Amtssprache einführen wollte. Aber auf die Francophilie, ja Francomanie des französelnden Friedrich von Preußen hinzuweisen, der von deutscher Kunst und Kultur nicht allzuviel hielt, konnte vor dem Hintergrund der österreichisch-preußischen Rivalität nie schaden.

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Selbst in republikanischer Zeit blieb also Maria Theresia so etwas wie eine Integrationsfigur, die “mater Austriae“. Gegen das sich Bahn brechende, bald in den Schulbüchern sedimentierte Habsburgklischee, das in schweren Tagen gerne einen verklärenden Blick auf die “gute alte Zeit“ warf, halfen nach dem 1. Weltkrieg auch heftige sozialistische Attacken auf Maria Theresia als angebliche Vertreterin eines dumpfen katholischen Konservativismus nichts: Eine “gutherzige, eheliche Kinder gebärende, klerikale und beschränkte Frau auf dem Throne lebt in hunderttausend Wiener Frauen bis auf den heutigen Tag. Sie füllen die Kirchen, und eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass irgendeine schwungvolle Idee in diesen Gugelhupfgehirnen Anklang fände.“ 13 Bis heute ist der recht verkrampfte Gegentrend einer “schwarzen Legende der Habsburger“ weitgehend wirkungslos.

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Dem ehernen 19. und dem hochmilitarisierten 20. Jahrhundert schien in jedem Fall der erfolgreiche Schlachtenlenker Friedrich, der im harten Kampf um “Preußens Gloria“ schon mit Mitte 40 zum “Alten Fritz“ wurde, wohl eher dem Idealbild eines Herrschers zu entsprechen als eine Frau, die – heute scheint dies gewiss recht modern – Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollte.

Maria Theresia und das Österreichertum

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Die späte Revanche kam nach 1945, als das vom Nationalsozialismus vereinnahmte Preußentum verdächtig wurde. Die Beschäftigung mit Preußen wurde zwar nicht abgebrochen, Preußen erhielt aber als Mutterboden der beiden deutschen Katastrophen des 20. Jahrhunderts negative Vorzeichen. Die “Entpreußung“ und Entmilitarisierung der deutschen Geschichte war angesagt. Mit Friedrich II. ließ sich kaum noch unbefangen umgehen.

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In Österreich musste es nach 1945 praktischerweise keinen wirklichen Bruch, keine “Umwertung“ alter Geschichtsklischees, keine scharfe Distanzierung von der eigenen Tradition geben. Gerade Maria Theresia, Monarchin, Frau und Mutter, blieb für die Konstruktion einer österreichischen (Kultur-)Nation und die klare Absage an alles Preußisch-Deutsche weiterhin wichtig. 14

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Maria Theresia war jetzt eben nicht mehr “deutsche Frau“, sondern im Gegenteil die Symbolfigur des Österreichertums in einer Zeit des wertekonservativen Wiederaufbaus. Noch im großen Maria-Theresien-Jahr 1980 wurde sie “als Verkörperung des österreichischen Menschen“ schlechthin bezeichnet. 15

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Der österreichische Bundeskanzler Figl brachte die bewusste “Entdeutschung“ der österreichischen Geschichte im Januar 1946 auf den Punkt: “Wir wollen der Welt beweisen, daß wir zwischen Preußentum und Österreichertum einen Trennungsstrich ziehen, daß wir alle imperialistischen Bestrebungen ablehnen und einzig und allein wieder Österreicher sein wollen“. 16

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Ein österreichischer Archivar, Walter Heydendorff, veröffentlichte 1947 vor dem Hintergrund einer Parallelisierung von Preußentum und Nationalsozialismus eine wütende Abrechnung mit allem Preußischen quer durch die Geschichte der bilateralen Beziehungen zwischen Berlin und Wien, vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, als in seinen Worten der “fahnenflüchtige Österreicher Adolf Hitler als Werkzeug höherer Macht das Ende des mehrhundertjährigen Kampfes zwischen Preußen und Österreich“ herbeiführte. 17 Preußische Täter und österreichische Opfer – 1740 und 1938!

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Und wer würde die neue Ideologie der Abgrenzung von Preußen und den vermeintlichen “Kampf der Prinzipien“ zwischen den Häusern Habsburg und Hohenzollern besser illustrieren als die große Gegenspielerin Friedrichs des Großen, die ihn “Ungeheuer“, “böses Tier“ und “unseren bösen Nachbarn“, “Charlatan“, “elenden König“ nannte, vor seinem grundsatzlosen Despotismus warnte, seinen Charakter, wie sie in ihrem Politischen Testament schrieb, abhorrierte, die Preußen “Unmenschen“ und “Barbaren“ schimpfte. Es war wohl deutlich beschönigend, wenn der preußische Gesandte in Wien Podewils seinem König schrieb: “Sie [Maria Theresia] liebt Eure Majestät nicht, aber sie achtet Sie.“ 18

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Auf wenig Gefallen stieß natürlich nach 1945 Joseph II., der wie Friedrich II. gerne, ja fast durchgehend Uniform trug, sich nach eigenem Bekenntnis hauptsächlich als Soldat sah und außenpolitisch mindestens so sehr Unruhestifter und Länderräuber zu sein schien wie Friedrich von Preußen und Katharina von Russland.

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Ernst Fischer, österreichischer Kulturstaatssekretär der kommunistischen Partei, stellte noch 1945 Maria Theresia und Friedrich II. gegeneinander: “Hier die schöne Frau von barocker Üppigkeit, reich an gesundem Menschenverstand, an frischer Unmittelbarkeit, an Klugheit, Temperament, volkstümlicher Mütterlichkeit, vom Gefühl ihres Rechtes durchdrungen, eigensinnig und keineswegs frei von Vorurteilen – und drüben der hemmungslose Räuber, verwegen, begabt, zynisch, rücksichtslos, vollkommen amoralisch und vorurteilslos, ein heftiges Temperament und eine eisige Verachtung für alles Menschliche“. 19

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Dieser Sicht der Dinge kam der zunehmende Trend zur Personalisierung und Privatisierung in der Populargeschichte entgegen. Herrscherpersönlichkeiten interessierten als Menschen aus Fleisch und Blut wie “Du und ich“, nicht mehr wie früher als Ehrerbietung heischende Reiterstandbilder. Im Wohnzimmer bei Königen und Kaisern, da muss es bei Maria Theresia und Franz Stephan gewiss behaglicher gewesen sein als beim “Alten Fritz“, einem von seinem Vater gebrochenen Neurotiker, auch wenn das Verhältnis zwischen Maria Theresia und Joseph II., wie bei anderen Thronfolgern, die lange von den Hebeln der Macht ferngehalten werden, psychologisch sehr interessant gewesen sein muss.

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Die positive Sicht auf eine idyllisierte und verniedlichte Monarchie, auf “Altösterreich“, wie man so schön vereinnahmend sagt, war zweifelsohne wichtig für die Durchsetzung eines neuen österreichischen Selbstverständnisses, das ohne Anlehnung an den großen Nachbarn auskommen wollte. Das “Fabelreich Kakanien“ war Flucht- und Erinnerungsort des schicksalgebeutelten Österreichers.

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Tourismus und Fremdenverkehrsindustrie taten und tun das Ihrige, den Habsburg-Mythos und mehr noch schmalzigen Habsburg-Kitsch zu fördern, der heute weitgehend entpolitisiert, aber um so mehr kommerzialisiert ist: Österreich als Phäaken- und Operettenstaat? Der kleine Mozart, der Maria Theresia auf den Schoß gesprungen sein soll, um sie zu küssen und zu halsen, verdient wohl den ersten Rang als ultimatives Österreich-Klischee, jedenfalls was das 18. Jahrhundert anlangt. 20

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Freilich: Die Tendenz der letzten Jahrzehnte geht weg von den Angepassten und den Machthabern hin zu den Rebellen oder angeblichen Rebellen in den Herrscherfamilien: Die Sympathien gehören nun einem frühen habsburgischen Umweltaktivisten wie Erzherzog Johann, der sogar eine Bürgerliche heiratete, und mehr noch, weil auf Zelluloid verewigt, zu Kaiserin Elisabeth, der von einem nachgerade pionierhaften Schlankheitswahn besessenen Kämpferin zumindest gegen das höfische Korsett.

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Insofern ist die rundliche und biedere Maria Theresia am Ende der Zeit des Wiederaufbaus und am Beginn einer Epoche der Dekadenz aus der Publikumsgunst einigermaßen verdrängt worden. Karl Vocelka hat im Jahr 2000 daher die Dekonstruktion des Götzenbildes Maria Theresia als ein “wichtiges Unterfangen“ der Geschichtswissenschaft bezeichnet. 21

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Dabei verdiente die Kaiserin-Königin als “Frau, die ihren Mann steht“, ohne deswegen die brutalen Züge ihrer Herrscherkolleginnen Elisabeth und Katharina von Russland anzunehmen, als “Karrierefrau“ in männlich dominierter Umgebung, doch wohl das Interesse der Gender-Forschung. Weibliches Österreich gegen männliches Preußen?

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Noch am ehesten politisch war nach dem Bankrott der Nationalismen in West- und Zentraleuropa die nostalgische Betrachtung der Monarchie vor dem Hintergrund der Mitteleuropa-Schwärmerei (noch zur Zeit des Eisernen Vorhangs) als einer Art Vorläuferin eines friedlichen transnationalen Völkerverbandes nach Art der Europäischen Union. Dies ging Hand in Hand mit einer Verlagerung des Historiker-Blicks auf die Dekadenzphase der Monarchie, in etwa den Zeitraum 1848 bis 1918, als die Monarchie um immer noch gegenwartsrelevante Lösungen für die brennende nationale Frage rang.

Soft Absolutism

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Eine Parallelbiographie Friedrichs II. und Maria Theresias 22 in den Bahnen konventioneller Klischeebilder, die noch dazu dem Menschen des 21. Jahrhunderts kaum eine Wahl lassen, wem er seine Sympathie zuwendet, erzeugt freilich eine Schieflage, was die Betrachtung des habsburgisch-preußischen Dualismus von einer übergeordneten, strukturgeschichtlichen Perspektive aus betrifft.

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Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Habsburgermonarchie und Hohenzollernstaat in der Zeit Maria Theresias, Josephs II. und Friedrichs II. einander in Wahrheit viel ähnlicher waren bzw. es durch eine merkliche Prussifizierung der “monarchia austriaca“ wurden.

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Sicher war in Brandenburg-Preußen alles kantiger und schärfer ausgeprägt, das Land war viel kleiner, der erfolgreiche Weg zum deutschen Mittelstaat und schließlich zur europäischen Großmacht nur durch rigorose Anspannung aller Kräfte möglich. Eben dies machte und macht ja Preußen für Historiker und Politologen seit Otto Hintze als Untersuchungsgegenstand für Staatsbildungstheorien so interessant. Es war letztlich doch weniger Sonderfall als vielmehr paradigmatisches Schulbeispiel.

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Alle europäischen Großmächte des 18. Jahrhunderts belasteten ihre Budgets hauptsächlich mit Militärausgaben und unterhielten Armeen in nie dagewesener Größenordnung. Das Verhältnis zwischen Machtgrundlagen und Ambition war aber meist ein deutlich anderes.

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Die Habsburgermonarchie etwa war ein gewaltiger Territorial-Koloss, den selbst schwere Amputationen an der Peripherie nicht wirklich bedrohten und der daher auch in der Ressourcenmobilisierung deutlich nonchalanter agieren zu können glaubte. Aber das Habsburgerreich erwies sich doch, wie der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748) zeigte, als halb Europa über Maria Theresia herfiel, als Koloss auf tönernen Füßen.

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Auch auf dem Höhepunkt seiner Macht und Ausdehnung in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts nach dem Hinauswurf der Türken aus Ungarn war und blieb das Habsburgerreich, was es seit dem Mittelalter gewesen war: eine “monarchische Union von Ständestaaten“, wie es Otto Brunner genannt hat – und das ist keine hohle Historiker-Phrase.

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Die Wiener Habsburger absolvierten ihr “Heldenzeitalter“ gegen Türken und Franzosen nicht mit einer einheitlich-effizienten absolutistischen Militär- und Verwaltungsmaschinerie, sondern als Erben und Bewahrer eines historischen Kompromisses zwischen dem Herrscher in Wien und den Eliten in den Provinzen, wie es dem losen Bau aus erheirateten, durch Herrschaftsverträge oder Wahl gewonnenen Ländern, Ländergruppen und Königreichen entsprach. “State-building“ durch Heiratspolitik gewissermaßen.

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Nach der Niederwerfung des böhmischen Aufstandes und der österreichischen Ständerebellion 1620 waren die Stände zwar gezähmt (außer natürlich in Ungarn), als regelrechte politische Konkurrenten und nahezu gleichberechtigte Partner des Landesfürsten ausgeschaltet und konfessionell gleichgeschaltet, aber sie blieben doch weiterhin ein ganz zentrales Element habsburgischer Machtstaatlichkeit.

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Es gab in den Ländern so gut wie keine landesfürstliche Verwaltung, die Länderverwaltung lag – weitgehend autonom – in den Händen der Landstände, die unterste Verwaltungsebene blieb bis 1848 überhaupt die Grundherrschaft. Stände und Grundherren standen wie Sperrzäune zwischen dem Landesherrn und dem Großteil seiner Landeskinder.

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Die Ressourcenmobilisierung für die europäische Großmachtpolitik der Dynastie, wir sprechen insbesondere von Geld und Rekruten für die kaiserliche Armee, war daher auf die entsprechenden Bewilligungen der Landstände auf jährlichen Landtagen und mehr noch auf das Verwaltungsinstrumentarium der Stände für die tatsächliche Abschöpfung und Abführung von Finanzmitteln und Menschenmaterial angewiesen.

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Dies bedeutete weiterhin umständliches Feilschen und Verhandeln auch in Momenten höchster Gefahr gegen Widerstand und Lamentieren. Landesfürstliche Kommissare oder Intendanten nach französischem Muster gab es nicht. Das stehende Heer war zwar seit dem Sturz Wallensteins 1634 “verstaatlicht“ oder sagen wir “monarchisiert“, die Zulieferung von Ressourcen blieb aber angesichts der Organisations- und Finanzschwäche der Zentrale weiterhin ausgelagert.

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In gewissem Sinne lässt sich daher auch über den Triumph des Frühabsolutismus zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges hinaus von einer Mitregierung der Stände sprechen. Unterschiedliches Durchsetzungsvermögen im Ringen mit dem Landesfürsten führte auch zu einer ganz unterschiedlichen Lastenverteilung, die unterschiedliche Zonen von Staatlichkeit erzeugte. Die von der Pragmatischen Sanktion 1713 statuierte Unteilbarkeit der habsburgisch beherrschten Königreiche und Länder bewirkte in der Praxis noch lange kein wirkliches Zusammenwachsen. Die Habsburgermonarchie war und wurde kein Totum. Ungarns, man könnte fast sagen Eigenstaatlichkeit musste 1711 offiziell anerkannt werden.

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So war die Geschichte der Habsburgermonarchie schon immer ein Musterbeispiel dafür, dass der frühneuzeitliche Absolutismus in seiner tatsächlichen Durchsetzungsfähigkeit stark begrenzt war, lange bevor die Geschichtswissenschaft Konzept und Begriff des Absolutismus an den Pranger oder überhaupt in Frage stellte.

Die beginnende “Verpreußung“ der Habsburgermonarchie

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Die Staats- und Überlebenskrise, die der preußische Überfall auf Schlesien 1740 und in seinem Gefolge die Generalattacke anderer Mächte auslösten, führte Maria Theresia klar vor Augen, dass eine Radikalkur dringend notwendig war. Der Schock saß tief und ließ den Entschluss reifen, ein Ende des sprichwörtlichen “Fortwurstelns“ herbeizuführen. Auf ein weiteres “Mirakel des Hauses Österreich“ wollte man sich gar nicht erst einlassen.

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Der preußische Erfolg war nicht bloß ein militärischer, sondern ganz erheblich strukturell bedingt. Hier verzichtete ein Staat seit dem “Soldatenkönig“ auf höfisch-barocke Konkurrenz und konzentrierte sich im Sinne effizienter Ressourcenextraktion auf Bürokratie und Armee. Die viel erfolgreichere preußische Herrschaft in dem eben eroberten Schlesien, die der österreichische Landeschef im habsburgischen Restschlesien, Graf Haugwitz, aus der Nähe beobachtete und die das Steueraufkommen auf das Doppelte zu steigern vermochte, wies dabei den Weg. Ab 1747 kam es in den böhmisch-österreichischen Ländern schrittweise zu jener radikalen Verwaltungs- und Strukturmodernisierung, die als “Maria Theresianische Staatsreform“ in die Geschichte eingegangen ist. 23

<66>

Ihr Kern war nicht aufgeklärte Reform als Selbstzweck oder die Glückseligkeit der Untertanen, sondern die Erhöhung und Stabilisierung des Militärbudgets für die angestrebte Revanche gegen Preußen. Dies erforderte auch die revolutionäre Verstaatlichung von Bereichen, die bisher ganz in den Händen der Landstände, also gewissermaßen ausgelagert gewesen waren. Ziel der Reform waren Organisationsautonomie des Zentralstaates und Direktherrschaft des Monarchen; Maria Theresia sollte endlich “in effectu in die souveraineté und Beherrschung ihrer Länder“ gesetzt werden, wie Haugwitz formulierte.

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Preußisches stand in vielem Pate: In der Zentrale wurden die Böhmische und die Österreichische Hofkanzlei beseitigt, die mehr Interessenvertretungen der böhmischen und österreichischen Stände in Wien als landesfürstliche Organe waren, und durch ein Directorium in publicis et cameralibus für politische und Finanzverwaltung nach dem Muster des preußischen Generaldirektoriums ersetzt.

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Als landesfürstliche Verwaltungsbehörden wurden in den gleichgeschalteten Ländern, den preußischen Kriegs- und Domänenkammern nicht unähnlich, “Repräsentationen und Kammern“ geschaffen, die die ständischen Verwaltungsapparate zurückdrängten und im Laufe des Jahrhunderts fast gänzlich aufsogen. Mit den Ständen wurden Steuerrezesse über längere Zeiträume geschlossen, das jährliche Feilschen fiel daher weg.

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An der Basis entstanden zur Überwachung der autonomen Grundherrschaften, gewissermaßen als Außenposten der landesfürstlichen Verwaltung, Kreishauptmannschaften, die die Trennwand zwischen dem Landesfürsten und seinen nicht immediaten Untertanen mehr und mehr durchlöcherten. Bei Aufhebung der Grundherrschaft 1848 war diese längst zu einem mittelbaren staatlichen Verwaltungsorgan geworden.

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Mit der Haugwitz-Reform entstand zumindest ein böhmisch-österreichischer Kernstaat. Eine ganze Reihe von Sonderbezirken blieb freilich bestehen, und dies schränkte die energische Ressourcenmobilisierung weiterhin deutlich ein und unterstrich den Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie: Ungarn war und blieb ein Kapitel für sich, die italienischen und belgischen Provinzen wurden von der Reform ebenfalls nicht berührt, Tirol behielt einen merkwürdigen Sonderstatus.

<71>

Schon Zeitgenossen haben die Haugwitzsche Verpreußung, die alles auf den “tyrannischen preußischen Fuß“ setzen wollte, verurteilt. Die Reform brachte, wie der bedeutende Chronist des maria-theresianischen Hoflebens Fürst Khevenhüller-Metsch nicht zu Unrecht meinte, “die gänzliche Verkehrung oder Umgiessung einer durch ville saecula und von Anbeginn des durchlauchtigsten Ertzhauses üblich gewesenen Regierungsform“. 24

<72>

Die “Reform“ war durchaus eine “Revolution“ oder der Beginn einer solchen, und zwar in vielen Bereichen. Das 18. Jahrhundert ist in der österreichischen Geschichte nicht umsonst mit dem Etikett “das große Jahrhundert“ versehen worden. Durch eine fast unüberblickbare Fülle von Reformen vollzog die Habsburgermonarchie innerhalb weniger Jahrzehnte den Wandel von einer feudal strukturierten Ordnung zu einer modernen oder zumindest moderneren Gesellschaft. Adel und Kirche wurden als Rivalen des Landesfürsten definitiv ausgeschaltet. Es war das Jahrhundert der Modernisierung, der Reglementierung, der Zählung und des Vordringens des Zentralstaates in bisher staatsfreie Räume. Auch das gehört zur Modernität.

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Die machtstaatskritische Historiographie nach 1945 hat nach dem Bankrott des preußisch-deutschen Sonderwegs die maria-theresianischen Zentralisierungspolitik viel weniger positiv gesehen als noch die ältere Gesamtstaatsgeschichte. Die Stände, lange Zeit als lästige Hemmschuhe und egoistische Kastenvertreter verteufelt, erfuhren nun plötzlich eine positive Bewertung, wurden zu proto-parlamentarischen Gegengewichten gegen die Machtgelüste eines schrankenlosen Absolutismus umgewertet; selbst die Rechts- und Friedensordnung des Heiligen Römischen Reichs, einst besonders von der borussischen Historiographie als “Modernisierungsverlierer“ hämisch verlacht und verspottet, sah aus bundesrepublikanischer Perspektive gleich viel besser aus.

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Der politisch-moralische Paradigmenwechsel und die kritische Betrachtung von Krieg und Machtpolitik nach 1945, die dem Preußen-Bild so geschadet, aber immerhin kritische Bestandsaufnahme und Hinterfragung angeregt haben, haben, was die Geschichte der theresianisch-josephinischen Habsburgermonarchie betrifft, leider zu einer bedenklichen Flucht vor der Realgeschichte geführt, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der staatstragenden Distanzierung von Preußen.

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Die vergeistesgeschichtlichte Beschäftigung mit dem aufgeklärten Absolutismus wurde so zu einer einseitigen Beschäftigung mit der Aufklärung – möglichst ohne Absolutismus. Eine völlige Verkennung der Reformära nach 1740! Denn der Aufgeklärte Absolutismus war ja keine durch Aufklärung gemäßigte oder gar verniedlichte Form des Absolutismus, sondern vielmehr Höhepunkt und Vollendung von Herrschaftsintensivierung und Effizienzsteigerung zur Erhöhung der Staatsmacht für die außenpolitische und kriegerische Bewährung. Selbst die in ihrer Zeit überaus fortschrittliche religiöse Toleranz Josephs II. hatte einen konkreten Zweck, nämlich die Homogenisierung des Untertanenverbandes, und für die Begünstigten ihren Preis – für die Juden etwa die Verpflichtung zum Militärdienst (1788).

Das geänderte Außenverhalten der Habsburgermonarchie in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

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Die Systemumstellung im Inneren der Habsburgermonarchie blieb selbstverständlich nicht ohne Folgen für das Außenverhalten. Der innenpolitischen Revolution und Staatsreform folgte zunächst eine “diplomatische Revolution“, die “Umkehr der Bündnisse“ von 1756, die jetzt Frankreich, den einstigen Helfer Preußens bei seinem Aufstieg zur Großmacht, und Österreich im Kampf gegen Friedrich zusammenführte.

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Bedenkt man, dass die Geschichte der monarchia austriaca und damit die Geschicke des europäischen Staatensystems seit dem 15./16. Jahrhundert entscheidend von Habsburgs Zweifrontenkrieg gegen Franzosen und Türken geprägt worden waren, so ist die Kehrtwende von 1756 wohl als durchaus sensationell einzustufen.

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Preußen hatte die Habsburger im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert gegen beide Erbfeinde (mit Unterbrechungen) unterstützt und sich nicht zuletzt dadurch die Anerkennung der Königskrone durch den Kaiser erkauft. Weder Franzosen noch Türken vermochten den Habsburgern aber auf Dauer einen derart bitter empfundenen Verlust zuzufügen wie Preußen mit der Eroberung und Annexion des reichen Schlesien; Friedrich II. nannte es nicht umsonst “mein Silberland Peru“. Der Verlust Schlesiens kehrte die geostrategische Lage geradezu um: Hatte früher der Machtbereich der Habsburger durch den schlesischen Nord-Südkeil bis an das brandenburgische Herz gereicht, kamen die habsburgischen Kernlande nun in unmittelbare Reichweite der Preußen. 25

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Für Maria Theresia blieb der Verlust Schlesiens “unverschmerzlich“, realpolitisch und sentimental. Die Rückgewinnung dieses integralen Bestandteils der böhmischen Länder blieb weiterhin auf dem Vorhabensplan der habsburgischen Außenpolitik ganz oben. Staatskanzler Graf (später Fürst) Kaunitz war es, der seit seinem Eintritt in die hohe Politik 1749 jene Maxime der österreichischen Außenpolitik ausgab, der alle anderen außenpolitischen Beziehungen untergeordnet blieben: “daß Preußen muß über den Hauffen geworffen werden, wann das durchleuchtigste Erzhaus aufrecht stehen soll“. 26

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Zu diesem Zweck wurde seit etwa 1750 an einer gesamteuropäischen Allianz gegen den neuen Erbfeind gezimmert. Schon 1756 waren Frankreich und Russland in den antipreußischen Revancheplan eingespannt. Die Teilungspläne für die Zeit nach der erwarteten Niederringung Preußens zeigen die ganze Radikalität der österreichischen Preußenpolitik: der Hohenzollernstaat sollte in der Tat zerstückelt und so auf seine ursprünglichen Rang einer bloßen deutschen Mittelmacht zurückgeworfen werden.

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In Preußen sah man den Antagonismus nicht weniger klar. Friedrich II. ließ keinen Zweifel: “Es steht nun einmal im Buche des Schicksals geschrieben: Rom und Karthago können nicht nebeneinander bestehen.“ Und wenn kein Schießkrieg tobte, dann herrschten “kalter Krieg“ und “Wirtschaftskrieg“. Die Ähnlichkeiten mit dem “Kalten Krieg“ zwischen dem Westen und dem kommunistischen Osten nach dem Zweiten Weltkrieg sind unübersehbar. In ganz Europa belauerten einander preußische und österreichische Diplomaten, das gesamte Staatensystem wurde in die deutsch-deutsche Rivalität hineingezogen.

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Aber auch jenseits der Bündniskonstellationen änderte sich Grundlegendes. Das Außenverhalten der Habsburgermonarchie machte eine Art “Borussianisierung“ durch, d. h. die bisher wie im Inneren so zwangsläufig auch nach außen auf Konsens und Zusammenarbeit, auf Bewahrung ausgerichtete Außenpolitik des Hauses Österreich entwickelte sich nun ebenfalls in radikaleren, “preußischeren“ Bahnen.

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Die radikalen Zerstückelungspläne gegen Preußen, die Kaunitz am Vorabend des Siebenjährigen Krieges wälzte, zeigten bereits eine ganz neue Qualität. Von der 1. Teilung Polens bis zum Türkenkrieg von 1788-91 beteiligte sich die Monarchie in Ost- und Südosteuropa, dem Selbstbedienungsladen der Machtpolitiker des 18. Jahrhunderts, an vorderster Front an Länderraub und Länderschacher. Friedrich II., Joseph II. und Katharina II. ähneln einander hier in erstaunlichem Maße.

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Joseph II. war nicht ohne Bewunderung für den preußischen Erzfeind, obwohl die Mutter ihn eindringlich vor Nachahmung gewarnt hatte. Verdientermaßen war Friedrich in ihren Augen ein Held und Eroberer ohne Freunde, der jedermann misstrauen musste, und nicht umsonst führte er ein einsames Leben ohne Menschlichkeit. 1769 trafen sich Joseph und Friedrich in Neisse, im geraubten Schlesien. Das berühmte Bild Adolph von Menzels zeigt Joseph propagandistisch in einer Pose fast kindlich-devoter Verehrung gegenüber dem Preußenkönig. 1770 folgte eine weitere Zusammenkunft in Mährisch Neustadt.

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Aber Josephs Begeisterung war durchaus nicht blind: “Der König ist ein Genie, und ein Mann, der wunderbar spricht. In jedem Gespräch schlägt der Schelm durch“, berichtete er nach dem Zusammentreffen mit Friedrich. Und im März 1777 schrieb Joseph schon ganz im Sinne seiner Mutter an ebendiese: “Der unangenehme und häßliche König von Preußen erfordert alle Attention und wenn ihm, wo es könnte, ein Streich versetzt werden, so wäre es ewig schade, zu unterlassen; denn nichts Gutes ist von ihm zu erhoffen.“ 27

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Aus Anlass des Todes Friedrichs des Großen 1786 wahrte der Kaiser immerhin Respekt vor dem großen Feldherrn: “Als Soldat beklage ich den Tod eines großen Mannes, der für immer epochemachend in der Geschichte der Kriegskunst bleiben wird; als Bürger bedaure ich, daß dieser Tod dreißig Jahre zu spät eingetreten ist, denn 1756 wäre er vorteilhafter gewesen als 1786.“ 28

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In der Tat ging die k. k. Außenpolitik davon aus, dass der Hohenzollernstaat als hoffnungslos überspannte Militärmaschinerie unter dem trägen Nachfolger des großen Friedrich wohl rasch zusammenbrechen würde. Und so ganz unrecht hatte die Wiener Außenpolitik mit diesem Kalkül wohl nicht.

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Der Grund für die gefährliche Mutation, die die Außenpolitik des habsburgischen Territorialkolosses noch in der Zeit Maria Theresias vollzog, ist klar: Die radikale Staatsmodernisierung von 1748/49, in deren Zentrum die Stärkung des Militärstaats stand, erleichterte die Ressourcenmobilisierung erheblich, reduzierte den Zwang zu Konsens mit den Ständen im Inneren deutlich und auch im internationalen System meinte man nun wesentlich selbstbewusster agieren zu können. Wien war jetzt eben nicht mehr die Marionette der subsidiengebenden Seemächte, die die Habsburgermonarchie je nach Eigeninteresse als träge Masse anstießen oder wieder abstoppten.

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Über die Festigung der Militärmaschinerie und ihrer finanziellen Basis hinaus arbeitete das neue Österreich eifrig daran, diese Position noch weiter zu verbessern. Der Versuch Josephs II., nach dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher statt der abgelegenen belgischen Provinzen das benachbarte Kurfürstentum Bayern unter habsburgisches Szepter zu führen, war Ausdruck eines modernen Bemühens um die Schaffung eines homogenen und kompakten Staatsgebiets, das leichter zu verteidigen und zu administrieren sein sollte.

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Joseph II. kam mit seinen Plänen bekanntlich nicht durch, das höchste der Gefühle war es schon, wenn der Kaiser die Jurisdiktions- und sonstigen Rechte einzelner Reichsbischöfe auf erbländischem Territorium beseitigte, auch dies natürlich nicht ohne erheblichen Skandal innerhalb des schockierten Reichs, wo die hemmenden Verpflichtungen der römisch-deutschen Kaiserkrone den machtpolitisch abschöpfbaren Mehrwert bislang überwogen hatten.

<91>

Der Verlust der Kaiserkrone nach dem Tod Karls VI. 1740 hatte einen klaren Bruch markiert, nicht nur in der Kaiserreihe (erstmals seit dem 15. Jahrhundert), sondern auch in der Haltung Habsburgs gegenüber dem Reich an sich, das seit 1648 in erster Linie als Rechts- und Friedensordnung begriffen wurde, sich der neuen “Machtstaatlichkeit“ also entzog.

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Zwangsläufig kam es in der Zeit höchster Not zu einer Besinnung auf den habsburgischen Kernstaat als eigentlicher Machtgrundlage und zu einer “Austrifizierung“ der Wiener Politik. Daran änderte sich auch nicht mehr viel nach Rückgewinnung der Kaiserkrone 1745. Das Reich, dessen Krone nicht Maria Theresia trug, sondern zuerst ihr Gatte Franz Stephan von Lothringen, dann ihr Sohn Joseph, wurde zum Appendix.

<93>

Reich und Erblande traten also auch formal-personell sichtbar auseinander. Die verstärkte und im Vergleich zu früheren Zeiten viel unverhülltere Betonung eigener Großmachtinteressen erzeugte einen “Modernisierungszwang“, der gerade das Reich am Ende des Ancien Régime existentiell bedrohen musste. Speziell die traditionelle Klientel der Habsburger, die Reichskirche, die Reichsritterschaft, die kleineren Reichsstände zählten zu den Verlierern und drohten von den Groß- und Mittelmächten, die aus dem Reich herauswuchsen, verschluckt zu werden.

<94>

Das, was man im eigenen Land bekämpfte und möglichst knebelte, das ständische Element der Mitbestimmung, lebte im Reich weiter und stieß bei den Machtpolitikern zunehmend auf Unverständnis, ja auf Verachtung.

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Als das Reichsoberhaupt selbst, Joseph II., fritzischer als der nun wirklich “Alte Fritz“, den moralisch-moralistischen Zugang Maria Theresias zur Außenpolitik aufgab und, 1780 der mütterlichen Skrupel und Zügel endlich ledig, nicht nur in Osteuropa das machtpolitische Freistilringen mittrug, Nivellierung und Rationalisierung auch in das Reichsgefüge einbringen wollte, gefährdete er die Ruhe in Europa und mehr noch die Zukunft des Reichsverbandes. Zurecht prognostizierte Friedrich II. nach dem Tode Maria Theresias: “Siehe da, eine neue Ordnung der Dinge!“ 29

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An die Stelle des konfessionellen Zwiespalts ist mit dem Eintritt Preußens in die Reihe der Großmächte seit den 1740er Jahren der österreichisch-preußische Dualismus getreten. Er machte das Reich wieder zum Kampfplatz und holte zu allem Überfluss Russland als Zünglein an der Waage herein.

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Es ist wohl eine tiefe Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der einst als Reichsfeind geächtete König von Preußen nicht nur als Beschützer der protestantischen Reichsstände im angesicht der neuen katholischen Achse Versailles-Wien posieren konnte, sondern sich darüber hinaus zum Verteidiger deutscher Libertät gegen die drohende habsburgische Tyrannis aufwarf, wenn es seinem machtpolitischen Kalkül entsprach.

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Friedrich stellte sich Joseph II., dem Verächter gewachsener historischer Traditionen, 1778/79 im Bayerischen Erbfolgekrieg bewaffnet in den Weg, 1785 nur mehr diplomatisch über den sog. “Fürstenbund“. Ein bemerkenswerter Rollenwechsel, der Friedrich quasi zum Gegenkaiser machte. 30 Preußen war jetzt establishment , Österreich avantgarde ! Scharf sprach ausgerechnet der Preußenkönig von der Gefahr einer “österreichischen Weltmonarchie“, von dem “vom Teufel besessenen Josef“, vom “Caesar der Avaren“, vom “wahnsinnigen Raubsystem des verfluchten Wiener Tyrannen“. In Neisse hatte er Joseph noch für den besten Kaiser erklärt, den Deutschland seit langem gehabt habe, nicht ohne zu bemerken, dass Europa wohl in Flammen stehen werde, wenn das rastlose Energiebündel einmal an die Macht käme. 31

<99>

Die Krise der josephinischen Außenpolitik erwies am Ende, dass der Habsburgermonarchie im Konzert der Mächte doch eine andere Rolle zukam, als der vielfach noch als halbbarbarisch empfundenen Flankenmacht Russland oder gar dem rücksichtslosen Aufsteiger Preußen, nämlich die des Bewahrers und Stabilisators. Die Habsburgermonarchie war und blieb verwundbar, im Inneren wie strategisch nach außen, und damit auf den Konsens der internationalen Gemeinschaft angewiesen; sie musste daher vordringliches Interesse an der Bewahrung von Ruhe und Zusammenarbeit im Herzen Europas haben, durfte eben nicht zum Anführer einer preußisch-russisch-österreichischen “Rasselbande“ werden. 32

Die Militarisierung der Habsburgermonarchie

<100>

Die Basis für die Radikalisierung der österreichischen Außenpolitik in den 1770er und 1780er Jahren hatte eine durch das militärische Scheitern im Siebenjährigen Krieg bedingte weitergehende “Verpreußung“ und Militarisierung der Habsburgermonarchie gelegt.

<101>

In einem Punkt hatte die Maria-Theresianische Staatsreform der späten 1740er Jahre noch keine wirkliche Annäherung an das preußische Vorbild gebracht, nämlich hinsichtlich der Verknüpfung von Militär und Gesellschaft. Im Gegenteil: Ziel der Reform von 1748/49 war ausdrücklich die weitgehende Entflechtung von Militär und Gesellschaft. Gegen eine deutliche Erhöhung der Militärsteuer und die Automatisierung ihrer Bewilligung in 10-Jahresverträgen wurden die Naturallieferungen der Stände eingestellt, sollten die Zwangsrekrutierungen im eigenen Lande zugunsten der freien Werbung im Reich aufhören; ebenso die Einquartierung der Soldaten bei Bürger und Bauersmann. Das Militär wollte man möglichst in Kasernen und Quasi-Kasernen “wegsperren“.

<102>

Dabei war Maria Theresia nicht nur gütige Mutter ihrer Völker, sondern auch stolz auf ihren Ehrentitel als “Mutter der Feldlager“ ( mater castrorum ). Sie schätzte das Militär und pries es wiederholt und öffentlich als Retter vor dem Desaster, das 1740 drohte, und betrachtete es zugleich als Träger der nie aus den Augen verlorenen Revanche gegen Preußen.

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Der preußische Gesandte in Wien Podewils schrieb gar, die Kaiserin-Königin habe bedauert, eine Frau zu sein und somit nicht wie der verhasste roi connétable auf der Gegenseite persönlich an der Spitze ihrer Truppen stehen zu können. “Sie gibt sich überhaupt Mühe, die Schwächen ihres Geschlechts zu verleugnen und strebt Tugenden an, die am wenigsten zu ihr passen und die Frauen selten besitzen. Es scheint, als sei sie ärgerlich, als Frau geboren zu sein.“ 33

<104>

Aber so etwas wie eine Amazonenkönigin ist Maria Theresia doch allemal gewesen. Entsprechend viel Aufmerksamkeit wandte sie der bewaffneten Macht zu. 1751 wurde die Uniform bei Hof zugelassen, im Sinne der Professionalisierung des Militärhandwerks 1751 auch die Wiener Neustädter Militärakademie gegründet und 1757 der Militär Maria Theresien-Orden geschaffen, um herausragende kriegerische Leistungen ihrer Offiziere auszuzeichnen. 34

<105>

Seit den 1750er Jahren schlüpften sogar die männlichen Mitglieder des Hauses Habsburg-Lothringen in Militäruniformen, ließen sich in dieser Staatslivree par excellence auch am häufigsten abbilden. Joseph II. wird später überhaupt wenig anderes tragen als die grüne Uniform seines Chevauxlegersregiments. Schon vom kleinen Joseph berichtete die preußische Diplomatie Ende der 1740er Jahre: “Er liebt nur das Militär und achtet nur das, was damit in Zusammenhang steht.“ 35

<106>

Wie der Siebenjährige Krieg deutlich machte, hat sich der Versuch einer möglichst vollständigen Segregation von Militär und Gesellschaft, ein zentrales Prinzip der Haugwitz-Reform, durchaus nicht bewährt. Zwar sollte Friedrich II. selbst zu Beginn des Siebenjährigen Krieges feststellen, dass nun nicht mehr dieselben Weißröcke gegen ihn kämpften wie noch in den ersten beiden Schlesischen Kriegen. Aber das “Mirakel des Hauses Brandenburg“ gegen eine massiv überlegene europäische Koalition war doch zugleich auch ein eklatanter militärischer Misserfolg der Österreicher.

<107>

Staatskanzler Kaunitz hielt es für die eindeutige Schuld einer unentschlossenen militärischen Führung, andere dagegen, Kronprinz, dann Kaiser Joseph und die Militärpartei, sahen im eigenen Unvermögen, den umzingelten preußischen Gegner niederzuringen, ein strukturelles Problem, dem man nur durch eine noch weitergehende Prussifizierung der Habsburgermonarchie abhelfen konnte, und zwar durch die Adaptierung des preußischen Kantonsystems für österreichische Verhältnisse und die bewusste Verschmelzung von Militär- und Gesellschaft.

<108>

Joseph II. träumte schon in den 1760er Jahren von “citoyens en armes“, forderte verpflichtenden Militärdienst für alle, die eine Anstellung im Staatsdienst anstrebten, und Belohnung für ausgediente Offiziere und Unteroffiziere durch Posten in der Zivilverwaltung. Die Diskussionen begannen 1761 und endeten 1770 mit dem Sieg der Militärpartei. Grundlage des “Konskriptions- und Werbbezirkssystems“, wie das System in der Habsburgermonarchie in bewusster Abgrenzung vom preußischen Vorbild gennannt wurde (immerhin hatte man dieses noch kurz zuvor zu Propagandazwecken als sklavisch und menschenverachtend verteufelt), war die erste verlässliche Volkszählung, die Klassifizierung der (männlichen) Bevölkerung in potentielle Soldaten und Eximierte, die Zählung des Zugviehs und die Numerierung der Häuser. 36

<109>

Der aufgeklärte Staat wollte im Detail Aufklärung über seine Kräfte und Humanressourcen, um sie nicht wie früher regellos, sondern in geordneten Bahnen und ohne Verhandlung mit den Landständen zentralstaatlich abschöpfen zu können.

<110>

Wie in Preußen sorgte ein großzügiges System von Befreiungen dafür, dass tatsächlich nur die sozial und wirtschaftlich Entbehrlichen, also überwiegend Angehörige der sozialen Unterschicht, einberufen wurden, und auch diese holte man nach der Grundausbildung nur mehr für wenige Wochen pro Jahr zu Waffenübungen. Den Rest des Jahres konnten sie dank eines ausgedehnten, aktiv geförderten Urlaubssystems in ihren angestammten Berufen arbeiten, gingen also der Wirtschaft nicht verloren, trugen aber an Festtagen Uniform, um gleichsam als “Missionare der Militarisierung“ tätig zu werden.

<111>

Ganz in diesem Sinne wurden auch Soldatenheiraten gefördert: Soldatenfamilien sollten selbst den nötigen Soldatennachwuchs mitproduzieren, aber auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor werden, indem sie für die Proto-Industrie Heimarbeit in großem Stil zu übernehmen hatten. So würde das Militär nicht nur – wie bisher – Groß-Abnehmer, sondern gleichzeitig auch Groß-Produzent sein.

<112>

Die Militarisierung erzeugte also wie in Preußen eine Art Milizsystem, das aus Rücksicht auf die Wirtschaft und die Staatsfinanzen geboten schien und durch das Militär und Gesellschaft zusammenwachsen sollten. Ein wesentlicher Teil des Militarisierungsdrucks wurde auch in Österreich durch Auslandswerbung, speziell im Reich, abgefedert. Außerdem wagte man es vorderhand nicht, die traditionellen Sonderprovinzen Belgien, die Lombardei, Tirol und Vorderösterreich oder gar Ungarn einzubeziehen. Erst Joseph II. sollte das Konskriptionssystem ab 1784 auch auf die meisten der bisher befreiten Länder ausdehnen – und damit scheitern. Der böhmisch-österreichische Kernstaat, den Maria Theresia geschaffen hat, war auch in militärpolitischer Hinsicht das non plus ultra .

<113>

Die Preußenforschung ist in den letzten Jahren mit Elan daran gegangen, unser herkömmliches Preußenbild zu relativieren, das Phänomen Preußen weniger preußisch-rigide und geschlossen erscheinen zu lassen, fast möchte man sagen: sogar Preußen zu entpreußen. Otto Büschs These von der sozialen Militarisierung des Hohenzollernstaates durch die Konvergenz von Militär- und Sozialsystem ist heftig unter Beschuss geraten. Die Armee militarisierte nicht als Schwungrad an der Staatsmaschine, heißt es nun, sondern sie verbürgerlichte.

<114>

Beides ist wahr, weil Militär und Gesellschaft unter dem Primat preußischer Militärstaatlichkeit und Hochrüstung zwangsläufig zusammenwuchsen, den Interessenausgleich suchen mussten. Historiker der Habsburgermonarchie wären jedenfalls gut beraten zu erkennen, dass sich Österreich dem preußischen Erb- und Erzfeind in der maria-theresianisch-josephinischen Zeit in so manchem deutlich angenähert, ja das Vorbild wohl auch in Teilbereichen übertroffen hat. Von einem Kampf der Prinzipien kann also wahrlich nicht die Rede sein. Hier stand Machtpolitik gegen Machtpolitik.

<115>

Preußen sei “nicht ein Land, das eine Armee, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquartiert steht“, meinte der Militärschriftsteller Georg Heinrich von Berenhorst. 37 Er hätte das Gleiche wohl auch über die josephinische Habsburgermonarchie sagen können. Und in der Tat gibt es Stimmen von Zeitgenossen, darunter auch der Bruder Josephs II., Leopold von Toskana, die das ach so gemütliche Habsburgerreich in den 1770er und 1780er Jahren als einen durchaus ungemütlichen Kasernenstaat empfanden, wo nach preußischem Muster selbst Seele und Geist in Militäruniformen gesteckt werden sollten.

<116>

Die Habsburgermonarchie war ein hochgerüsteter Militärstaat mit 26 Millionen Einwohnern, in dem schon zu Beginn der Regierungszeit Josephs II. in etwa 40% der männlichen Bevölkerung potentiell dem Militärstand gewidmet waren, und als 1790 ein Zweifrontenkrieg gegen Preußen und das Osmanische Reich drohte, mobilisierte Wien wohl an die 500.000 Mann.

<117>

Erst die Französische Revolution wird die in ihrer Zeit so fortschrittliche Habsburgermonarchie in die Vormoderne verweisen. Aber anders als Preußen brach jene nicht zusammen, zumindest nicht vollständig; sie war daher auch zu keiner radikalen Erneuerung nach preußischem Muster gezwungen. Sie verknöcherte vielmehr im verbissenen Abwehrkampf gegen die politisch-militärische Ausstrahlung der Französischen Revolution. Welch deutlichere Antithese zu den Maximen der Revolution kann es geben als das Motto der josephinischen Revolution von oben: “Alles für das Volk, nichts durch das Volk“?

Modernisierung durch Militarisierung ?

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Viele Modernisierungsmaßnahmen des Aufgeklärten Absolutismus waren in der Habsburgermonarchie militärischen Ursprungs, wurden vom Militär durchgeführt oder kamen dem Militär zugute. Seit 1764 war es beispielsweise auch die Armee, die für die vollständige Aufnahme der Monarchie im Kartenbild sorgte.

<119>

“Militarisierung“ – Otto Hintze und auch Gerhard Oestreich haben etwas missverständlich noch von “Militarismus“ gesprochen, aber durchaus dasselbe gemeint – ist ein Mittel der Modernisierung in ökonomisch-sozial zurückgebliebenen Systemen mit größtenteils unfreier Bevölkerung; Russland, Preußen, die Habsburgermonarchie dürfen hier genannt werden. Wie die Konfessionalisierung, die Instrumentalisierung der Religion im 16. und 17. Jahrhundert, so ist “Militarisierung“ im 18. Jahrhundert ein Mittel zur Steigerung der Staatsmacht.

<120>

Die Armee wurde bewusst als Instrument der Herrschaftsdurchdringung eingesetzt; stets treffen wir in solch “militarisierten“ Staaten einigermaßen organisierte Zwangsrekrutierung der eigenen Untertanen anstelle der für solch finanzschwache Mächte im großen Stil gar nicht mehr leistbaren freien Werbung.

<121>

Die langfristigen Auswirkungen dieser Osmose zwischen Zivil und Militär auf die gesellschaftliche Entwicklung sind offensichtlich. Militarisierung generiert auf Dauer Militarismus, eine Hochschätzung des Militärs und des Militärischen an sich.

<122>

Ein deutliches Defizit des österreichischen Militärsystems gegenüber dem preußischen Vorbild machte das Militär zu einer Speerspitze von Agrarreform und Bauernbefreiung, dem wohl drängendsten Problem des Aufgeklärten Absolutismus in der Habsburgermonarchie. Nicht umsonst ist Joseph II. als “Kaiser hinter dem Pflug“ eines der dauerhaftesten Bilder des Kaisers in der Popularkultur.

<123>

Das preußische Militärsystem war ein relativ geschlossenes. Es griff nicht nur auf die bäuerlichen Untertanen zu, die die Mannschaften stellten, sondern es baute ziemlich resolut auch den einheimischen Adel in das Offizierskorps ein. In der Habsburgermonarchie gelang es ungeachtet einiger Lockmittel viel weniger, den inländischen Adel – abgesehen vom leichter unter Druck zu setzenden Hof- und Hochadel – auf breiter Basis ins Militär zu zwingen. Das verbleibende Defizit wurde mit Bürgerlichen und Ausländern ausgeglichen, zu einem hohen Prozentsatz wohl mit Offizieren aus dem Reich. Der Militäradel war in der Habsburgermonarchie kein Geburtsadel, sondern ein 1757 künstlich geschaffener Briefadel für bürgerliche Offiziere mit 30jähriger Dienstzeit.

<124>

Nur auf unterster Ebene dienten mehr und mehr eigene Untertanen, durchaus nicht begeistert (da bis Anfang des 19. Jahrhunderts – so wie in Preußen und Russland – lebenslänglich!) und stets bereit, die Schlupflöcher des neuen Systems tunlichst zu nützen; von Josephs Kronprinzenträumen von einem Bürgerheer war man daher noch weiter entfernt als in Preußen.

<125>

Die fehlende adelige Spitze der Militärpyramide reduzierte Ansehen und Attraktivität des Militärdienstes, während die Armee im Hohenzollernstaat nicht zuletzt auch durch den eindrucksvollen Abwehrerfolg im Siebenjährigen Krieg den Status eines “nationalen Mythos“ erlangt hatte.

<126>

Das Militärische wirkte in Österreich noch aufgesetzter, noch künstlicher, noch mehr von oben gewollt. Die Stimmen gegen die Vorherrschaftsbestrebungen der Armee bzw. ihrer Führung waren hier zudem viel lauter und selbstbewusster, nicht zuletzt auch deshalb, weil es dem Militär an überzeugenden Erfolgen fehlte: Weder der Bayerische Erbfolgekrieg 1778-79 noch der Türkenkrieg Josephs II. seit 1788 waren strahlende Erfolgsgeschichten, die das neue System außer Kritik gestellt hätten.

<127>

Weite Teile der Zivilverwaltung hatten massiv gegen die Einführung des Konskriptions- und Werbbezirkssystems opponiert, an der Spitze jener, die das Militär unbedingt in seine Schranken verwiesen sehen wollten und gegen die Einführung “preußischer Sklaverei“ im böhmisch-österreichischen Kernstaat wetterten, stand niemand Geringerer als Staatskanzler Kaunitz. 38

<128>

Sein Idealweg einer Modernisierung führte eher über eine “westliche“ Art der Liberalisierung und Modernisierung und beileibe nicht über eine Militarisierung von Staat und Gesellschaft. Der Kampf wogte lange Zeit unentschieden hin und her, solange Joseph II. lebte, hatte aber wohl das Militär die Nase vorn.

Militarisierung und Bauernbefreiung

<129>

Der fehlende Einbau des einheimischen Adels in den habsburgischen Militärapparat erzeugte eine sozialrevolutionäre Komponente, die die Frontstellung zwischen Zivil und Armee nachgerade auf die Spitze trieb.

<130>

Dem Militärsystem in Preußen ging diese Facette natürlich ab. Hier war Bauernschutz Soldatenschutz, Adelsschutz aber Offiziersschutz. Das Militärsystem entfaltete so eine systemstabilisierende Wirkung. Rittergut und Kompanie waren zwei verschiedene Ausprägungen ein und derselben Wirklichkeit. Eine Junker-Offizier-Symbiose, die sicher auch in Preußen nicht so lupenrein vorkam, wie man früher glaubte, 39 fehlte in Österreich völlig.

<131>

Rücksichtnahme auf den landbesitzenden Adel war daher auch nicht in dem Maße erforderlich. Die Armee blieb so ein ganz und gar unabhängiges, unbedingt loyales Instrument in der Hand des Landesfürsten, oder sagen wir es modern: des Staates.

<132>

Unmittelbar im Zusammenhang mit der Beschreibung der Seelen und der Nummerierung der Häuser ab 1770 posierte das Militär erstmals als Rächer des geknechteten Bauernstandes. Die beschreibenden, zählenden und nummerierenden Offiziere hatten den allerhöchsten Auftrag, geheime Berichte über die soziale und wirtschaftliche Lage der Monarchie anzufertigen (1771-1772). 40

<133>

Als bekannt wurde, dass das Militär in die ureigenste Domäne der Zivilverwaltung vordrang, kam es zum Eklat. Der Auftrag wurde gleichwohl nicht zurückgezogen, auch wenn man das Militär zu größerer Zurückhaltung und vor allem dazu anhielt, die Bevölkerung nicht aktiv und mutwillig rege zu machen. Aus eben dieser Zeit datieren auch Überlegungen Josephs II., das Militär dauerhaft als Verwaltungsrädchen auf der unteren Ebene der Zivilverwaltung einzubauen.

<134>

Der Befund der “Röntgenbilder“, die das Militär befehlsgemäß einschickte, war deprimierend. Geknechtete, entkräftete, ausgebeutete Bauern, katastrophale hygienische Bedingungen, zu große Pfarrsprengel usw. Kurz gesagt: Es entstand schon jetzt, Anfang der 1770er Jahre, ein Reformkatalog, den Joseph II. mit Beginn seiner Alleinherrschaft 1780 abzuarbeiten trachten sollte – bis hin zum Höhepunkt der großen Steuerreform des Jahres 1789.

<135>

In harten Worten stellte das Militär das drückende Regime der Grundherren an den Pranger, befürwortete vehement freien Landbesitz. Die Robot, der Zwangsdienst für den Grundherrn, wurde als zutiefst motivations- und damit wirtschaftsschädigend erkannt. In einer Zeit latenter Hungersnöte und Versorgungskrisen bedeutete die Lähmung tätiger Eigeninitiative eine tödliche Gefahr. Das traditionelle System der Grundherrschaft und vollends die Leibeigenschaft in den böhmischen und ungarischen Ländern schadeten nachweislich der Produktivität, gefährdeten Bevölkerungswachstum und Steuerfähigkeit.

<136>

Die Krone reagierte entsprechend. Landesfürstliche Domänen wurden parzelliert und in stabilen Leiheformen ausgepachtet, die Robot konnte in Geld abgelöst werden. All das natürlich nicht aus Menschenfreundlichkeit und sozialem Engagement, sondern vielmehr aus fiskalischen und populationistischen Erwägungen.

<137>

Drängte der neue Machtstaat rivalisierende Gewalten zurück, hob er traditionelle Beschränkungen wie die “Leibeigenschaft“ zu Beginn der 1780er Jahre auch zwangsweise auf, so nur, um sogleich hier selbst nachzustoßen und allfällige Macht- und Kontrollfreiräume zentralstaatlich zu füllen. Die Mehrzahl der adeligen Grundherren vermochte in der staatlichen Bauernpolitik keinen Vorteil für sich zu erkennen und folgte dem landesfürstlichen Beispiel daher auch nicht.

<138>

Sogar als taktische Waffe gegen den reformunwilligen Adel setzte Wien das neue Militärsystem ein, etwa 1784, als Joseph II. das Konskriptions- und Werbbezirkssystem auf Ungarn ausdehnte und sich gleichsam über die Köpfe der ungarischen Adelsnation hinweg mit den Bauern verbünden wollte. Das konnte auch unerwünschte Ergebnisse zeitigen, wie der blutig unterdrückte rumänische Bauernaufstand gegen die ungarische Herrenschicht bewies.

<139>

Auch für den durchschnittlichen Bauern der Habsburgermonarchie fiel die Erfolgsbilanz des neuen Militärsystems zwiespältig aus. Zwar war die Landbevölkerung ab den 1780er Jahren nicht mehr auf Gedeih und Verderben an die Scholle gebunden, aber Reisefreiheit bestand für sie deswegen noch lange nicht, denn das neue Rekrutierungssystem verlangte, dass seine Basis, die Volkszählung und Häusernummerierung, nicht durcheinandergeriet. Ein strenges Meldewesen samt Reisebeschränkungen für die militärpflichtigen Männer, ein rigoroses Namensrecht usw. sorgten dafür.

<140>

Zurecht fühlte sich also die breite Bevölkerung wohl durch die Militarisierung nicht befreit. Man wollte zwar den Grundherrn loswerden oder zumindest seinen Würgegriff lockern, aber lebenslänglich in des Kaisers Rock zu dienen war natürlich nicht jedermanns Sache, und die Militärpflichtigen ließen denn auch nichts unversucht, um dieser traurigen Aussicht zu entgehen.

<141>

Dies war jetzt mit dem hochsensiblen und komplexen Konskriptions- und Werbbezirkssystem leichter. Zu den drastischen Methoden früherer Zeiten (Zähneausbrechen, Fingerabschneiden), musste man jetzt nicht mehr greifen. Es reichte schon – zumindest teilweise – wenn man heiratete; am besten war es aber, wenn man ein steuerbares Grundstück bewirtschaftete und so dem habsburgischen Kriegsstaat wenigstens mit seiner Steuerleistung diente.

Ausblick

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Dennoch: Ohne den Modernisierungsschub und vor allem ohne die Effizienzsteigerung bei der Abschöpfung der Humanressourcen durch das Konskriptions- und Werbbezirkssystem hätte die Habsburgermonarchie auch militärisch den Kampf gegen das revolutionäre und napoleonische Frankreich nicht überstanden.

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Angesichts der militärpolitischen bzw. militärideologischen Prinzipien der Revolutionszeit (weniger im Vergleich mit ihrer tatsächlichen Umsetzung in Frankreich selbst) war das Konskriptions- und Werbbezirkssystem dann allerdings rasch und hoffnungslos veraltet.

<144>

Zu einem Systemwechsel hat sich die biedermeierliche Habsburgermonarchie nicht entschließen können, während das wiedererstandene Preußen als erste europäische Macht das Prinzip der Allgemeinen Wehrpflicht wirklich konsequent umsetzte. Wien folgte erst über 50 Jahre später, 1868 – nach der Katastrophe von Königgrätz!

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Erst mit dem selbstverständlichen Einbau von Besitz und Bildung in die bewaffnete Macht, wurde auch das habsburgische Militärwesen auf eine zeitgemäßere Basis gestellt. Zu einer “Schule der Nation“ konnte in der multi-ethnischen Habsburgermonarchie freilich auch die Kaserne des Wehrpflichtigenzeitalters nicht werden. Die bewaffnete Macht hatte schon mit dem Tod Josephs II. aufgehört, Speerspitze einer Sozial- oder Agrarreform zu sein, aber sie blieb vor dem Hintergrund der zentrifugalen Nationalismen, die Österreich-Ungarn zu zersprengen drohten, auch in der Dekadenzphase der Monarchie das letzte unbestritten loyale Instrument in den Händen der Dynastie. So scheint es nur konsequent, dass die Militäruniform bis zum bitteren Ende von 1918 das selbstverständliche tägliche Arbeitskleid des Monarchen blieb. 41

Autor

Dr. Michael Hochedlinger
Österreichisches Staatsarchiv Wien
Abteilung Kriegsarchiv
1030 Wien
michael.hochedlinger@oesta.gv.at

1 Selbst eine konventionelle diplomatiegeschichtliche Betrachtung der problemgeladenen habsburgisch-preußischen Beziehungen fehlt bislang. Vgl. einführend Robert A. Kann / Friedrich E. Prinz (Hg.): Deutschland und Österreich, Wien / München 1980; Volker Press: Österreich und Deutschland im 18. Jahrhundert, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 42 (1991), 737-753; ders.: Austria and the Rise of Brandenburg-Prussia, in: Charles W. Ingrao (Hg.): State and Society in Early Modern Austria, West Lafayette, 1994, 298-311 (mit weiterer Literatur).

2 Otto Hintze: Der österreichische und der preußische Beamtenstaat im 17. und 18. Jahrhundert. Eine vergleichende Betrachtung, in: Gerhard Oestreich (Hg.): Staat und Verfassung. Gesammelte Abhandlungen zur allgemeinen Verfassungsgeschichte, Göttingen 1967, 2. Aufl., 321-358, hier: 358.

3 Vgl. z. B. Adrienne D. Hytier: Joseph II, la cour de Vienne et les philosophes, in: Studies on Voltaire and the Eighteenth Century 106 (1973), 225-251; Hans Wagner: Die Reise Josephs II. nach Frankreich 1777 und die Reformen in Österreich, in: Salzburg und Österreich. Aufsätze und Vorträge von Hans Wagner, Salzburg 1982, 335-360.

4 Stephan Skalweit: Frankreich und Friedrich der Große. Der Aufstieg Preußens in der öffentlichen Meinung des Ancien Régime, Bonn 1952.

5 Dazu unter anderem Michael Hochedlinger: „La cause de tous les maux de la France“. Die ‚Austrophobie’ im revolutionären Frankreich und der Sturz des Königtums 1789-1792, in: Francia 24/2 (1997), 73-120 (mit weiterer Literatur).

6 Zum Fortwirken dieser Staatsmythologie auf die Historiographie u. a. Michael Hochedlinger: „Bella gerant alii ...?“ On the State of Early Modern Military History in Austria, in: Austrian History Yearbook 30 (1999), 237-277; ders.: Abschied vom Klischee. Für eine Neubewertung der Habsburgermonarchie in der Frühen Neuzeit, in: Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit 1 (2001), 9-24; ders.: „Bürokratisierung, Zentralisierung, Sozialdisziplinierung, Konfessionalisierung, Militarisierung“. Politische Geschichte der Frühen Neuzeit als „Machtstaatsgeschichte“, in: Hans Christof Kraus / Thomas Nicklas (Hg.): Geschichte der Politik. Alte und neue Wege (= Historische Zeitschrift Beiheft 44), München 2007, 239-269.

7 Claudio Magris: Der habsburgische Mythos in der modernen österreichischen Literatur, deutsche Ausg., Wien 2000, 41.

8 Alfred (Ritter) von Arneth: Geschichte Maria Theresias, 10 Bde., Wien 1863-1879. Eine moderne definitive Biographie der Kaiserin-Königin fehlt leider. Eugen Guglia: Maria Theresia. Ihr Leben und ihre Regierung, 2 Bde., Wien / Berlin 1917, ist eine praktische, wenngleich immer noch monumentale Zusammenfassung des Arneth‘schen opus magnum . Jean-Paul Bled: Marie-Thérèse d’Autriche, Paris 2001, bietet nichts Neues, sondern wendet sich an eine breite französische Leserschaft.

9 Adam Wandruszka: Leopold II., 2 Bde., Wien / München 1963-1965.

10 Vgl. insbesondere Derek Beales: Joseph II. 1: In the Shadow of Maria Theresa 1741-1780, Cambridge 1987. Der Fortsetzungband ist im Druck (2008). Sehr lesenswert auch T. C. W. Blanning: Joseph II and Enlightened Despotism, London 1973 (Neuaufl.); ders.: Joseph II, London / New York 1994.

11 Heinrich Kretschmayr: Maria Theresia, Leipzig 1925.

12 Verein der Museumsfreunde in Wien: Katalog der Maria-Theresia-Ausstellung. Schönbrunn Mai-Oktober 1930, Wien 1930. Vgl. auch Reinhold Lorenz: Die Regierung Maria Theresias in der gesamtdeutschen Geschichte, in: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine 78 (1930), 179-189.

13 Hannes Leidinger / Verena Moritz / Berndt Schippler: Das Schwarzbuch der Habsburger. Die unrühmliche Geschichte eines Herrschergeschlechts, Wien / Frankfurt a. M. 2003, 2. Aufl., 284.

14 Vgl. besonders Werner Suppanz: Maria Theresia, in: Emil Brix / Ernst Bruckmüller / Hannes Stekl (Hg.): Memoria Austriae I. Menschen, Mythen, Zeiten, Wien 2004, 26-47.

15 Maria Theresia und ihre Zeit. Zur 200. Wiederkehr des Todestages. Ausstellung 13. Mai bis 26. Oktober 1980, Wien 1980.

16 Walter Heydendorff: Österreich und Preußen im Spiegel österreichischer Geschichtsauffassung, Wien 1947, 406.

17 Heydendorff: Österreich und Preußen (wie Anm. 16), 13.

18 Carl Hinrichs (Hg.): Friedrich der Große und Maria Theresia. Diplomatische Berichte von Otto Christoph Graf von Podewils, Berlin 1937, 54 (Bericht Podewils’ vom 18.1.1747).

19 Suppanz: Maria Theresia (wie Anm. 14), 34.

20 Vgl. auch Laurence Cole: Der Habsburger-Mythos, in: Brix / Bruckmüller / Stekl: Memoria Austriae I (wie Anm. 14), 473-504.

21 Karl Vocelka: Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat, Wien 2001, 33.

22 Populär Klaus Günzel: Der König und die Kaiserin. Friedrich II. und Maria Theresia, Düsseldorf 2005, oder auch Michael Hochedlinger: „Der König, unser böser Nachbar. Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen, in: Damals 1/2004, 32-38. Anregend Marion Kobelt-Groch: Friedrich II. und Maria Theresia. Der Siebenjährige Krieg – Ein Kampf der Geschlechter?, in: Historische Mitteilungen 18 (2005), 72-87.

23 Friedrich Walter: Die österreichische Zentralverwaltung. II. Abteilung: Von der Vereinigung der österreichischen und böhmischen Hofkanzlei bis zur Einrichtung der Ministerialverfassung 1749-1848. 1/1: Die Geschichte der österreichischen Zentralverwaltung in der Zeit Maria Theresias 1740-1780 (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 32), Wien 1938; ders.: Die Theresianische Staatsreform von 1749, Wien 1958; P. G. M. Dickson: Finance and Government Under Maria Theresia 1740-1780, 2 Bde., Oxford 1987.

24 Tagebucheintragung zum 2. Mai 1749: Rudolf Graf Khevenhüller-Metsch / Hanns Schlitter (Hg.): Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch, kaiserlichen Obersthofmeisters. Bd. 2: 1745-1749, Wien / Leipzig 1908, 322.

25 Werner Bein: Schlesien in der habsburgischen Politik. Ein Beitrag zur Entstehung des Dualismus im Alten Reich (= Quellen und Darstellungen zur schlesischen Geschichte 26), Sigmaringen 1994.

26 Lothar Schilling: Kaunitz und das Renversement des alliances. Studien zur außenpolitischen Konzeption Wenzel Antons von Kaunitz (= Historische Forschungen 50), Berlin 1994. Zu Frankreichs Deutschlandpolitik in diplomatiegeschichtlicher Betrachtung jüngst Sven Externbrink: Friedrich der Große, Maria Theresia und das Reich. Deutschlandpolitik und Diplomatie Frankreichs im Siebenjährigen Krieg, Berlin 2006.

27 Die Zitate bei Viktor Bibl: Kaiser Josef II. Ein Vorkämpfer der großdeutschen Idee, Wien / Leipzig [1943], 104, 112. Der in seiner politischen Tendenz abstruse, an eine breite nicht-wissenschaftliche Leserschaft gerichtete Band verdient durch seinen Materialreichtum durchaus Beachtung.

28 Bibl: Josef II. (wie Anm. 27), 232.

29 Angesichts der wenig rosigen Zukunft kamen dem König wohl auch Worte der Anerkennung über die Lippen, als er den Tod der Kaiserin kommentierte: „Sie [Maria Theresia] hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht, ich habe mit ihr Kriege geführt, aber nie war ich ihr Feind.“ Eine merkwürdige Einschätzung. Das Zitat aus einem Brief an d’Alembert findet sich verbreitet in der Literatur zitiert, hier nach Kobelt-Groch: Friedrich II. (wie Anm. 22), 85. Früher hatte er sie durchaus als „ehrgeizige und rachsüchtige Feindin“ betrachtet und die ihm im Siebenjährigen Krieg gegenüberstehende „Weiberallianz“ (Zarin Elisabeth, Maria Theresia, Marquise de Pompadour) mit wenig royalen Epitheta belegt. Die russische Kaiserin galt ihm als „griechisch-orthodoxe Hure“, Maria Theresia hieß er auch ein „apostolisches Rabenaas“.

30 Zu aphoristisch leider jüngst Angela Kulenkampff: Österreich und das Alte Reich. Die Reichspolitik des Staatskanzlers Kaunitz unter Maria Theresia und Joseph II., Köln / Weimar / Wien 2005.

31 Bibl: Josef II. (wie Anm. 27) 104.

32 Zum Schiffbruch der josephinischen Außenpolitik vgl. Michael Hochedlinger: Krise und Wiederherstellung. Österreichische Großmachtpolitik zwischen Türkenkrieg und „Zweiter Diplomatischer Revolution“ (1787-1791) (= Historische Forschungen 65), Berlin 2000.

33 Hinrichs: Podewils (wie Anm. 18), 48 (Bericht vom 18.1.1747).

34 Michael Hochedlinger: Mars Ennobled. The Ascent of the Military and the Creation of a Military Nobility in Mid-Eighteenth-Century Austria, in: German History 17 (1999), 141-176.

35 Hinrichs: Podewils (wie Anm. 18), 69 (Bericht vom 22.3.1747) und ebd. 70.

36 Michael Hochedlinger: Rekrutierung-Militarisierung-Modernisierung. Militär und ländliche Gesellschaft in der Habsburgermonarchie im Zeitalter des Aufgeklärten Absolutismus, in: Stefan Kroll / Kersten Krüger (Hg.): Militär und ländliche Gesellschaft in der frühen Neuzeit (= Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit 1), Hamburg 2000, 327-375; Anton Tantner: Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen. Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie (= Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit 4), Innsbruck u.a. 2007.

37 Rudolf Augstein: Preußens Friedrich und die Deutschen, Frankfurt a.M. 1981 (Neuausgabe; zuerst 1968), 91.

38 Deutlich herausgearbeitet bei Franz Szabo: Kaunitz and Enlightened Absolutism 1753-1780, Cambridge 1994.

39 Vgl. u. a. Frank Göse: Zum Verhältnis von landadliger Sozialisation zu adliger Militärkarriere. Das Beispiel Preußen und Österreich im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 109 (2001), 118–153.

40 Michael Hochedlinger / Anton Tantner: „... der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig“. Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771 (= Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs Sonderband 8), Innsbruck 2005.

41 Siehe auch Laurence Cole: Vom Glanz der Montur. Zum dynastischen Kult der Habsburger und seiner Vermittlung durch militärische Vorbilder im 19. Jahrhundert, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 7 (1996), 577-591.

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PSJ Metadata
Michael Hochedlinger
Der König und die Habsburgermonarchie. Oder: Wie preußisch war Österreich im 18. Jahrhundert
Die Geschichtsschreibung hat die Habsburgermonarchie lange Zeit als Gegenentwurf zu Preußen wahrgenommen. Dabei war sie gerade im 18. Jahrhundert dem fridericianischen Preußen sehr viel ähnlicher als allgemein angenommen. Dieses Phänomen ist auf eine regelrechte „Prussifizierung“ der Monarchia Austriaca zurückzuführen. Wie sich diese manifestierte, soll in folgendem Beitrag dokumentiert werden. Dabei ist das preußische Vorbild besonders deutlich im Militär und der eng damit verbundenen Verwaltung zu erkennen, welche auch den Kern der großen theresianischen Staatsreform und damit des Vordringens in bisher weitgehend staatsfreie Räume ausmachten. Die umfassende, fridericianisch inspirierte Modernisierung seit 1748/49 zielte auf eine intensivere Ressourcennutzung und gipfelte in einer umgreifenden Militarisierung der Habsburgermonarchie. Den Höhepunkt jener militarisierenden „Prussifizierung“ stellte die Regentschaft Josephs II. dar, auch wenn viele seiner radikalen Reformen nicht lange überdauerten.
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Deutschland / Mitteleuropa allgemein
Politikgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte
18. Jh.
4007955-7 4672967-7 4047194-9 118535749 4076340-7 4048960-7
Prussifizierung, Militarisierung, Theresianische Staatsreform, Maria Theresia, Joseph II.
Brandenburg (4007955-7), Habsburg (4672967-7), Preußen (4047194-9), Friedrich II., Preußen, König (118535749), Preußische Reformen (4076340-7), Reformpolitik (4048960-7)
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M. Hochedlinger: Der König und die Habsburgermonarchie
In: Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 28./29. September 2007, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 1)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/hochedlinger_habsburgermonarchie
Veröffentlicht am: 27.10.2008 11:15
Zugriff vom: 20.11.2017 18:32
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