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Th. Biskup: Höfisches Retablissement

Friedrich300 – Eine perspektivische Bestandsaufnahme

Höfisches Retablissement:

Der Hof Friedrichs des Großen nach dem Siebenjährigen Krieg

Thomas Biskup


Abstract

Der Hof blieb auch für Friedrich den Großen unabdingbar, um im höfisch strukturierten Europa des 18. Jahrhunderts Politik machen zu können. Finanzierung, Personaldecke und Infrastruktur des friderizianischen Hofes waren auch im Vergleich zu anderen Höfen beträchtlich, und Zeremoniell strukturierte den höfischen Alltag wie den Verkehr mit auswärtigen Fürstlichkeiten, für die bei Bedarf erheblicher Pomp entwickelt werden konnte. Dabei wurden auch die Berliner Höfe der Gemahlin und der Geschwister Friedrichs in Dienst genommen. Anders als das lange gepflegte Bild vom “Alten Fritz“ suggeriert, hat Friedrich II. nach den Belastungen des Siebenjährigen Krieges die Berlin-Potsdamer Hoflandschaft mit enormem finanziellem Aufwand wieder auf- und umgebaut; eine Entwicklung, deren Höhepunkt um 1770 erreicht ist. Auch wenn man so für die Zeit nach dem Frieden von Hubertusburg von einem Höfischen Retablissement sprechen kann, bleibt festzuhalten, dass der Hof Friedrichs II. eher im Rahmen der mittelgroßen Höfe Europas zur verorten ist.

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Der Hof ist, wie der britische Historiker Robert Evans 1991 festgestellt hat, ein “schwer zu fassendes Thema”. 1 Dies gilt auch nach fast 20 Jahren intensiver Erforschung der europäischen Fürstenhöfe für keinen mehr als für den friderizianischen. Denn das Thema “Friedrich der Große und sein Hof” berührt den Kern dessen, was lange als “Preußentum” bezeichnet worden ist. 2 Die preußische Historiographie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat vor allem die Genese des disziplinierten preußischen Militär- und Anstaltsstaates geschrieben, der dann im 19. Jahrhundert Vorreiter der deutschen Einigung geworden ist. 3 Der Hof erhielt in diesem Narrativ die Rolle des vormodernen Elements, das es zu überwinden galt: Er sei gekennzeichnet vom Fehlen institutionell gegliederter Informations- und Entscheidungskanäle, von ökonomischer Vergeudung, moralischem Verfall, überhaupt der unzulässigen Vermengung von scheinbar ‘Privatem’ und ‘Politischem’. Besonders verkörpert werde diese durch den vermeintlich unheilvollen Einfluss von Ehefrauen und Maitressen auf die Regierenden (Männer), klassisch exempliziert im französischen ‘Ancien Régime’, das denn auch prompt mit Revolution und Guillotine bestraft wurde. 4

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Die Helden der modernen Staatswerdung Preußens, voran Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. ‘der Große’, müssen sich von dieser dunkel gezeichneten Folie möglichst vorteilhaft abheben. So wird zwar den ersten fünfzehn Regierungsjahren Friedrichs – in charakteristisch vager Formulierung – eine bescheidene ‘Belebung’ des Hoflebens nach dem ‘Kahlschlag’ durch Friedrich Wilhelm I. zugestanden, von der Neubesetzung von Hofämtern bis hin zum Bau des Opernhauses. Gerade die zweite Hälfte der Regierungszeit steht dann jedoch ganz im Zeichen des ‘Alten Fritz’, der nach der Rückkehr aus dem Siebenjährigen Krieg – Idealtyp des “aufgeklärt absolutistischen” Herrschers 5 – von Potsdam aus praktisch im Alleingang das ‘Retablissement’ des verwüsteten Landes geleitet habe. Betont wird etwa, dass es im Preußen des 18. Jahrhunderts keine nennenswerte höfische Festkultur gegeben habe, unter Friedrich ebensowenig Hofrangordnung und Zeremoniell. 6 Für Präzedenzstreitigkeiten habe der große Monarch keine Zeit gehabt; zitiert werden daher gern Bemerkungen wie jene, die er 1751 bei einer Rangstreitigkeit unter den Damen des Hofes geäußert haben soll: “Die Dümmste soll vorangehen.” 7 Nur mit seinen Kabinettssekretären in beständigem persönlichem Kontakt stehend, sei er ganz ohne Hof ausgekommen und mit dem sukzessiven Ende seiner ‘Tafelrunde’ in den zwei Jahrzehnten nach 1763 auch soziabel zunehmend vereinsamt, sich so ganz dem Dienst am Staate aufopfernd. 8 Zur Stützung dieser Sicht werden auch Friedrichs eigene, von Historikern gern als programmatisch verstandene Äußerungen zum Thema Hof herangezogen, denn der “Philosoph von Sanssouci” inszenierte sich zunehmend selbst als “hyperrationale” Verkörperung der Staatsraison, wie es jüngst Christopher Clark genannt hat. 9 So nannte Friedrich etwa in seinem Politischen Testament von 1768 seinen Vorvorgänger Friedrich I. einen “Schwächling”, der “eine Würde ohne Macht, die schwer auf dem Schwachen lastete, seiner Herrschereitelkeit schmeichelte, aber seine Macht nicht vermehrte” erworben habe. 10

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Die Forschung der letzten drei Jahrzehnte nun hat das alte Schreckbild des Hofes grundlegend korrigiert. Heute wissen wir, dass die Höfe der deutschen Fürsten bis mindestens ins 19. Jahrhundert hinein wichtige Funktionen im vielgliedrigen Institutionen- und Korporationengefüge dessen erfüllten, was wir den frühneuzeitlichen “Staat” nennen. Lange auf die sogenannte Blütezeit der Höfe im 17. und frühen 18. Jahrhundert (“Barock”) konzentriert, hat die Hofforschung in den letzten Jahren auch verstärkt das ausgehende 18. Jahrhundert in den Blick genommen, etwa anhand des Weimarer Hofes. 11 Das von der älteren Forschung mit Erfolg etablierte Paradigma des “Niedergangs” der Höfe in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, von Ute Daniel jüngst nocheinmal zurecht kritisiert, wird hier abgelöst von differenzierten Betrachtungen zur Funktion von Höfen innerhalb einer sich wandelnden Öffentlichkeit. 12 Auch das Brandenburg-Preußen des 18. Jahrhunderts ist in das neue Bild von Staatlichkeit eingefügt worden; es erscheint in seinem inneren Aufbau unter den europäischen Staaten inzwischen nicht mehr als die große Ausnahme einer zentral gelenkten Staatsmaschine. Vielmehr war auch Preußen von einem Zusammenspiel von monarchischer Zentralgewalt, Ständen und lokalen Amtsträgern gekennzeichnet, das Raum für individuelle wie korporative Interessen ließ, die sich straffer Reglementierung mindestens ebenso weitgehend entzogen wie ihre Pendants etwa in England. 13

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Allerdings, und dies ist bemerkenswert, werden in der Historiographie erst ansatzweise Folgerungen daraus auch für den preußischen Hof gezogen. Die Forschung war lange und ist zum Teil immer noch entweder auf die klassischen Themen Staatsverfassung und Verwaltungsaufbau oder auf die Figur Friedrichs selbst konzentriert. Diese Fokussierung auf die Person Friedrichs hat – hierin ähnlich der Napoleonforschung – lange einen kulturhistorischen Zugang zum friderizianischen Preußen verhindert. Das Thema Friedrich und der Hof wird immer noch häufig abgehandelt mit einer Mischung aus den bekannten abfälligen Zitaten aus des Königs Schriften und offenbar exemplarisch gemeinten Episoden aus “Tafelrunde” und der Beziehung zu seinen Vorlesern. Subsumiert unter der Beziehung Friedrichs zur Aufklärung, erscheint der Hof darin bestenfalls als jener Ort, an dem Friedrich seine “Freundschaften” mit Geistesgrößen wie Voltaire zelebrierte, die er zeitweilig oder dauerhaft in die Mark ziehen konnte. 14 Volker Bauer hat ihn in seiner Typologie daher ja nicht zu Unrecht zum Prototypen des “geselligen Hofes” gemacht. 15 Als Quellen werden hier gern Korrespondenzen, Tagebücher und Memoirenwerke herangezogen, etwa von Thiébault oder dem Grafen Lehndorff. So werden in der Literatur von Reinhold Koser bis Markus Völkel Zahlen zu Hofzusammensetzung und Hofausgaben tradiert, die offenbar aus Kompilationen des frühen 19. Jahrhunderts stammen. 16

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Ein neues Bild des preußischen Hofes des 18. Jahrhunderts wird somit in den letzten Jahren – sieht man von einem verdienstvollen Aufsatz Wolfgang Neugebauers ab – gleichsam von den chronologischen wie thematischen Rändern her gezeichnet: von neueren Arbeiten zu Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I., auch Friedrich Wilhelm II., ebenso (und häufig in Form von Ausstellungskatalogen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Potsdam) zu Sammeltätigkeit, Geschenkwesen, Architektur und Literatur. 17 Daran anschließend, möchte ich im Folgenden trotz der teils schwierigen Quellenlage versuchen, Friedrich und seinen Hof aus der chronologischen wie räumlichen “splendid isolation” herauszuheben, in die ihn bereits die Verehrung von Zeitgenossen gehoben hat (“Friedrich der Einzige”). Sein Hof soll vielmehr als Teil der Geschichte des preußischen Hofes verstanden werden, der wiederum der reichs-, ja europaweiten höfischen Öffentlichkeit angehörte. Den Schwerpunkt möchte ich dabei einmal nicht auf die Soziabilität im Umkreis des Königs legen; vielmehr will ich anhand der Strukturen und der Finanzierung des Hofes Probleme einer Geschichte des preußischen Hofes im 18. Jahrhundert diskutieren.

Der preußische Hof vor 1740 in der Forschung

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In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren sind gleich mehrere Legenden der Historiographie, in denen neben dem “Alten Fritz” auch die anderen Könige Preußens jeweils einen festen Platz einnahmen, ins Wanken geraten: Wir wissen inzwischen, dass Friedrich I. keinesfalls der Verschwender war, als den ihn bereits Friedrich II. gezeichnet hat: Vielmehr war die angeblich so “prunksüchtige” Hofhaltung des ersten Preußenkönigs im Umfeld der Erhebung Brandenburg-Preußens in die erste Reihe der europäischen Monarchien (Königskrönung) genau kalkuliert und bedeutete , wie Barbara Stollberg-Rilinger herausgearbeitet hat, den neuen Rang in der höfischen Öffentlichkeit überhaupt erst einmal. 18

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Zurzeit ist auch ein neues Bild des Hofes von Friedrich Wilhelm I. im Entstehen, dessen vielzitierte frugale Einfachheit differenziert zu betrachten ist. 19 Zwar hat er sich bei Regierungsantritt 1713 klar vom Vorgänger abgesetzt durch Entlassung eines beträchtlichen Teils des Hofpersonals, Erlass einer neuen Hofordnung mit dem Militär an der Spitze, (vorübergehender) Einstellung der Bauarbeiten am Berliner Schloss und Reduzierung der Zahl der Nebenresidenzen. Auch wenn offen bleiben muss, inwieweit die demonstrativen Kürzungen und Streichungen vor allem als machttaktische Maßnahme eines neuen Monarchen zu sehen sind, so steht inzwischen fest, dass bereits in den Folgejahren die Hofausgaben wieder angehoben wurden auf ein durchaus im Rahmen anderer deutscher Höfe liegendes Niveau. 20 Auch hier gilt: In der Literatur kursierende Zahlen wie die noch kürzlich zitierte angeblich dauerhafte und programmatische Senkung der jährlichen Hofausgaben von über 400.000 auf 50.000 Taler auf einen Schlag haben keine Grundlage in den Akten des Hofstaatsetats, der nie unter 134.000 Taler und bereits 1715/16 wieder knapp 160.000 Taler erreichte. 21

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In der zweiten Hälfte der Regierungszeit beschleunigte sich der Ausbau des Hofes offenbar, Ämter und Hofchargen von Oberschenk und Oberküchenmeister bis hin zu Hofmarschall und Obermarschall waren seit den 1720er Jahren wieder besetzt und auch im reichsweiten Kontext angemessen vergütet. 22 Insbesondere der Besuch Friedrich Augusts II. “des Starken” von Sachsen-Polen 1728 scheint hier katalysatorisch gewirkt zu haben, wie Melanie Mertens mit Bezug auf das neuangelegte Berliner Palastquartier herausgestellt hat. 23 Der Weiße Saal sowie eben die polnischen Kammern im Schloss wurden ausgebaut und die Prunkräume reich geschmückt, insbesondere mit Gold und Silber, die wegen ihres jederzeit ‘einlösbaren’ Geldwertes eine für Friedrich Wilhelm I. wie auch andere preußische Regenten charakteristische Verbindung von Prunk und Utilität erlaubten. 24

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Bereits während des Zweiten Schlesischen Krieges nutzte sein Nachfolger diese Möglichkeit und ließ 1745 den Großteil dieser Silberbestände einschmelzen. 1809 wiederum wurden die von Friedrich II. in Auftrag gegebenen Goldservices umgemünzt, was den von Napoleon geforderten Kontributionszahlungen geschuldet war. 25 Damit war ein Großteil der Berliner Gold- und Silberbestände den Konjunkturen europäischer Politik zum Opfer gefallen, denen die prekäre Großmacht Preußen besonders stark ausgesetzt war. Nicht abzuschätzen ist, wie der Verlust genau jener Prunkbestände, die für die Selbstdarstellung der Hohenzollern des 17. und 18. Jahrhunderts einen so hohen Stellenwert besessen hatten, das spätere karge Bild des preußischen Hofes geprägt hat.

Hof und Hauptstadt unter Friedrich II.: Eine plurale Hoflandschaft ohne Mittelpunkt

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Wie verhält sich nun der Hof Friedrichs, und besonders jener der zweiten Regierungshälfte, zu diesen Befunden? Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass auch unter Friedrich II. die Berliner Residenzlandschaft von einer ausgesprochenen Pluralität von Höfen geprägt war. Bei Ende des Siebenjährigen Krieges gab es noch den Hof der Gemahlin Friedrichs, Elisabeth Christine, den der bereits 1757 verstorbenen Königinwitwe Sophie Dorothea, 26 den des 1758 verstorbenen Prinzen von Preußen August Wilhelm, den seiner Gemahlin Luise, den des neuen Prinzen von Preußen und späteren Königs Friedrich Wilhelm (II.), den seiner Gemahlin Friederike Luise, und die Höfe von Friedrichs Geschwistern Heinrich, Amalie und Ferdinand. Hinzu kamen noch die Höfe der Nebenlinie Schwedt. 27 Neben den Inhabern der Hofämter und –stellen gehörten Offiziere, Minister und Beamte sowie die Diplomaten zur Hofgesellschaft im weiteren Sinne.

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Eine größere Zahl an Höfen lässt sich auch in anderen Monarchien der Zeit nachweisen. Einzigartig war vielmehr, dass bereits seit etwa 1750 der pluralen Berliner Hoflandschaft der Mittelpunkt fehlte, denn nach der Fertigstellung von Sanssouci hatte Friedrich sommers wie winters seine Residenz nach Potsdam verlegt und war nur während der Karneval genannten Wintersaison für mehrere Wochen in Berlin anwesend. 28 Nach 1763 war der König noch seltener in Berlin, und aufwändig gestaltete Hoffeste wie das 1750 anlässlich des Besuches seiner Lieblingsschwester Wilhelmine abgehaltene “Carousel” wurden auch nicht mehr veranstaltet. Der Berliner Hof bestand auch nach der Übersiedlung nach Potsdam weiter, denn Sanssouci wurde bekanntlich kein Versailles; das heißt, dass nicht nur die Regierungsbehörden in Berlin – zu einem beträchtlichen Teil übrigens weiterhin im weitläufigen Berliner Schloss – verblieben, sondern auch der Hof des Königs selbst.

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Friedrich bestand bekanntlich geradezu darauf, sowohl in seinem Regierungshandeln wie in der in Potsdam gepflegten Soziabilität weitestgehend von den Institutionen von Regierung und Hof unabhängig zu sein. Das bedeutet im Fall der Regierung, dass er zunehmend aus dem Kabinett regierte, also räumlich von Ministern und Behörden getrennt und vor allem über die Kabinettssekretäre operierend, deren Einfluss schwer abschätzbar ist. Für die Geselligkeit im Umkreis des Königs heißt dies, dass nur wenige Mitglieder der königlichen Tafelrunde auch formal Angehörige seines Haushaltes waren; die formale Zugehörigkeit war jedenfalls nicht Kriterium für die Aufnahme in den engsten Kreis der Berater oder Unterhalter des Königs. Andreas Peçar spricht in seinem Beitrag andere, auch literarische Mechanismen soziabler Vergemeinschaftung an. Dieser Kreis wurde offenbar gerade all jenen verwehrt, die – wie Minister, enge politische Zuarbeiter und einheimische Adlige – eigenes politisches und soziales Gewicht mitbrachten oder Zugang zu potentiell rivalisierenden Macht- und Informationszentren in der Hauptstadt hatten (etwa den Nebenhöfen in Berlin) und somit nicht vom König abhängig und kontrollierbar waren; besonders den Mitgliedern einflussreicher Adelsfamilien unterstellte der König, die Interessen ihrer Familien bei Hof durchsetzen zu wollen. 29 Dies freilich ist kein Spezifikum Potsdams; ähnlich sind in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch die soziablen Zirkel an anderen, sonst ganz anders strukturierten Residenzen organisiert, etwa am Hof der Herzöge von Braunschweig.

Hofausgaben

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Die räumliche Trennung von königlicher Residenz und Hof darf jedoch nicht mit dessen Vernachlässigung verwechselt werden, wie sich bei einem Blick auf die Entwicklung der Hofausgaben zeigt, die Friedrich mithilfe des Geheimen Kämmerers Fredersdorff und des Rentmeisters und Tresoriers Buchholz selbst verwaltete. Soweit sich dies den zur Verfügung stehenden Akten entnehmen lässt, entwickelte sich der Posten der Hofstaatsausgaben unter Friedrich II. in absoluten Zahlen relativ gleichmäßig: Im Finanzjahr 1749/50 fielen für Hof und Kapelle zusammengenommen etwa 263.000 Taler an, 30 zwanzig Jahre später – im Finanzjahr 1771/72 – war diese Summe auf etwa 310.000 Taler angestiegen: von diesen jedoch müssen die über 40.000 Taler abgezogen werden, die Friedrich aus vakant gefallenen Positionen “ersparte” und sich zur eigenen Disposition vorbehielt, eine Praxis, die Friedrich gegen Ende seiner Regierung bis zum Extrem steigerte. 31

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Allein aufgrund der problematischen Aktenlage ist es jedoch nicht ganz einfach, die Entwicklung der Hofausgaben unter Friedrich II. zu verfolgen. So ist es erstens ganz grundsätzlich schwierig zu sagen, was überhaupt “Hofausgaben” ausmachte, selbst wenn man die Frage außer Acht lässt, inwieweit externe Institutionen wie die Akademie in einen erweiterten Hofbegriff einzubeziehen sind. Die lakonische Bemerkung des Zedlerschen Universallexikons, Hof werde genannt, wo der Herrscher sich aufhalte, ist selbst bereits Ausdruck eines überkommenen Hofbegriffs. Auf die Schwierigkeit, so etwas wie den Hof überhaupt zu definieren, hat jüngst Derek Beales aufmerksam gemacht. Anhand des (zugegebenermaßen speziellen) Wiener Falles argumentiert er, nur eine Reihe von Definitionen lasse das “Phänomen Hof” erschließbar werden: Der Hof sei gleichzeitig eine “Fiktion” (im Sinne eines Symbols für politische Entscheidungsprozesse) und ein “Ort”, eine “Aktivität” und “Personengruppe” und schließlich auch eine “juristische Einheit” gewesen. 32

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So sind bereits auf der finanziellen Ebene die preußischen Hofstaatsetats allein kein ausreichender Beleg für die tatsächlichen Hofausgaben, da auch in Preußen wichtige Teile derselben aus anderen Etats bestritten wurden, etwa die Ausgaben für Musik und Oper, die etwa ein Sechstel der Gesamtausgaben für den Hof ausmachten und in einem eigenen “Kapelletat” gebündelt waren; von den schnell in die Hunderttausende schnellenden Aufwendungen für Neu- oder Umbauten in den Schlössern einmal ganz abgesehen. Zudem schoss Friedrich erhebliche Summen aus der Schatullkasse zu, um beispielsweise die Finanzierung besonders nachgefragter Sängerinnen und Sänger sicherzustellen. Zum anderen wurden aber während wie nach Friedrichs Regierung auch aus Hofgeldern ganz andere Ausgaben getätigt, etwa für formal nicht zum Hof gehöriges Personal 33 oder auch für die “Verpflegung der Ausrangirten von der Garde du Corps“. 34 Das heißt, dass alle Angaben sowohl im Hofstaatsetat wie auch in den anderen Bereichen des Ziviletats bis auf die Einzelposten aufgeschlüsselt werden müssten, um einen auch nur annähernden Wert für die tatsächlichen Ausgaben zu erhalten. Gerade in der zweiten Hälfte der Regierung Friedrichs verschlechterte sich jedoch die Übersichtlichkeit der Finanzverwaltung, da der König neuerhobene Abgaben in neue, ihm allein unterstehende Kassen abführte, die keine genauen Angaben über seine Gesamtausgaben, geschweige denn über seine Schuldenpolitik erlauben. 35 Interessanterweise war es Friedrich Wilhelm II., der die Finanzverwaltung insgesamt wieder auf den übersichtlicheren Stand der Regierung von Friedrichs Vorgänger, dessen Namen er ja auch annahm, zurückführte, sich jedoch gerade durch die damit erhöhte Sichtbarkeit der Schulden auch den Ruf besonderer Verschwendung eintrug.

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Zweitens waren die Hofausgaben an allen, und auch den größten europäischen Höfen, bis ins 19. Jahrhundert hinein erheblichen Schwankungen unterworfen. 36 Erst die Institutionalisierung und Bürokratisierung der Höfe im 19. Jahrhundert (als eigene Ministerien mit besonderer Budgetierung eingerichtet wurden) hat hier größere Kontinuitäten geschaffen. Die Schwankungen auf der Ausgabenseite waren selbst in Friedenszeiten erheblich und hingen von verschiedenen Faktoren ab: Bei Regierungswechseln waren Erbhuldigungen in den unterschiedlichen Landesteilen der Kompositmonarchie zu organisieren und Witwenhöfe abzufinden. Geburten, Konfirmationsfeiern, Hochzeiten und Hoftrauer bildeten ebenso einen erheblichen und variablen Kostenfaktor wie Besuche auswärtiger Fürsten. Andererseits konnten auch die Einnahmen erheblich zu- oder abnehmen: Effizienzsteigerungen in der Einnahmenseite durch Verwaltungsreformen waren zwar Einbrüchen etwa durch Kriegsfälle unterworfen, aber langfristig unter allen preußischen Königen von Friedrich Wilhelm I. bis zu Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. spürbar. 37 Erbfälle ermöglichten besondere Ausgaben: So hat Hans Joachim Giersberg darauf hingewiesen, dass der Anfall des Fürstentums Ostfriesland nach dem Aussterben des Hauses Cirksena im Mai 1744 Friedrich II. eine plötzliche und erhebliche Vergrößerung seiner Einkünfte beschert hat, die es ihm erlaubte, den bereits länger geplanten Bau von Sanssouci auch tatsächlich in Angriff zu nehmen. 38 Gerade für Preußen, wo die Aktenlage genaue Angaben für nur wenige Jahre aus der zweiten Hälfte der Regierungszeit Friedrichs II. zulässt, müssen die Zahlen also mit besonderer Vorsicht verwendet werden.

Neuordnung der Hoflandschaft nach 1763

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Nach dem Friedensschluss nahm Friedrich II. eine durchgreifende personelle, bauliche und künstlerische Neuordnung der Berliner Hoflandschaft vor, die der König ähnlich detailversessen wie andere Bereiche zu dirigieren bemüht war. Darunter fiel neben einer intensivierten Personalpolitik eine Vielzahl von Investitionen in Bauprojekte, die Ausstattung der königlichen Schlösser und die Oper, auf die hier nur kurz eingegangen werden kann.

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Sogleich nach 1763 wurde das Personal der Höfe von König und Königin aufgestockt: Die Zahl der Kammerherren am Hof des Königs, die den personellen Umfang des Hofes massgeblich bestimmte und die kriegsbedingt auf sieben zurückgegangen war, wurde schrittweise von acht (1764) auf über 30 zu Beginn der 1770er Jahre aufgestockt und stieg dann bis zum Ende der Regierung Friedrichs auf 61 an. 39 Die Höfe der während des Krieges verstorbenen Königinmutter Sophie Dorothea und des Prinzen von Preußen August Wilhelm wurden mit einigen Jahren Verspätung 1763-1764 aufgelöst. Dafür wurden die Höfe der Königin, der Geschwister des Königs und der Nebenlinie Schwedt auf einen neuen Stand gebracht. Die Königin residierte nach dem kriegsbedingten Aufenthalt in der Festung Magdeburg wieder dauerhaft im Berliner Schloss und sommers in Schönhausen, das der Königin bereits 1740 zur Verfügung gestellt worden war. An ihrem Hof wurden zwischen 1764 und 1767 die wichtigen Chargen von Oberhofmeister, Hofmarschall und Oberhofmeisterin mit Vertrauensleuten des Königs neubesetzt.

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Gleichzeitig wurde auch Schloss Schönhausen nicht nur renoviert, sondern beträchtlich um- und ausgebaut. 40 In Sanssouci war gleich nach Kriegsende mit der Realisierung des bereits seit längerem geplanten Neuen Palais und dem Bau der Bildergalerie begonnen worden, nach deren Fertigstellung die neuen Kammern als Gästeschloss für auswärtige Fürstlichkeiten errichtet wurden. Den Geschwistern des Königs wurden in Berlin dauerhaft repräsentative Stadt-Palais zur Verfügung gestellt, die dafür umgebaut und neu ausgestattet wurden: Prinz Ferdinand bezog das Johanniter- und Ordens-Palais (1763) bzw. Schloss Friedrichsfelde als Sommerresidenz (1762), Prinzessin Amalie das Palais Verzenobre (1769), und das Prinz-Heinrich-Palais schräg gegenüber der Oper, dessen Um- und Ausbau sich länger hingezogen hatte, wurde nun erst beschleunigt fertiggestellt und 1766 am Geburtstag des Königs mit einem großen Maskenball eingeweiht, an dem mehr als 2000 Gäste teilnahmen. 41 Erst jetzt also, gegen Ende der 1760er Jahre, besaßen alle Mitglieder der Dynastie jeweils sowohl ein repräsentatives Stadtpalais wie eine Sommerresidenz ausserhalb der Hauptstadt; eine im Vergleich zu anderen deutschen Dynastien der Zeit zumindest baulich durchaus großzügige Ausstattung, die jeweils im Kleinen das Verhältnis von Potsdamer Stadtschloss und Sanssouci spiegelt.

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Diese Schlossbauten sind im Zusammenhang zu sehen mit dem ebenso rasanten wie ausgedehnten Bauprogramm, mit dem der König Potsdam und – besonders in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit – die Hauptstadt Berlin mit einer Anzahl von Immediatbauten verschönern liess, die explizit am italienischen Barock, den Friedrich als europäischen Standard auffasste, orientiert waren. In den acht Jahren nach 1769 ließ der König allein in Berlin 149 Häuser mit barocken Prunkfassaden errichten, zwischen 1778 und 1785 sogar 421. Auch die Gestaltung kompletter Plätze wie des noch vor Friedrichs Tod 1785 vollendeten Gendarmenmarktes und die Vollendung des Forum Fridericianum wurde vom König selbst in Auftrag gegeben. Die Königliche Bibliothek gegenüber der Oper wurde 1775 bis 1780 errichtet, mehrere der bis dahin großteils hölzernen Brücken der Stadt wurden in Stein neuaufgeführt, Spittel- und Königsbrücke zwischen 1776 und 1780 mit den triumphartigen Kolonnaden Gontards geschmückt. 42 Überhaupt wurde die seit 1701 in Preußen besonders ausgeprägte Triumphbogentradition in der Architektur auch von Friedrich II. weitergeführt: Noch 1786 wurde der Befehl zur Umgestaltung dreier Tore der Hauptstadt gegeben, die mit Obelisken geschmückt bzw. zum Triumphtor ausgebaut werden sollten.

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Auch die Ausstattung der königlichen Schlösser, die überhaupt erst ihre zeremonielle Nutzung etwa bei der Tafel ermöglichte, wurde von Friedrich mit genauer Berechnung der Außenwirkung vorgenommen: Bereits wenige Wochen nach seiner Rückkehr nach Berlin gab der König im April 1763 ein goldenes Tafelservice in Auftrag, das aus den Goldbeständen der verstorbenen Königinwitwe gefertigt wurde. Es ergänzte das bereits vorhandene, im Dezember 1741 gefertigte erste Service, mit dem Friedrich gleich nach Regierungsantritt und Annexion Schlesiens “seinen Anspruch geltend [gemacht hatte], auch an der Tafel den bedeutendsten Höfen Europas ebenbürtig zu sein.” 43 Im August 1763 kaufte Friedrich die überschuldete Porzellanmanufaktur Gotzkowskys auf, wandelte sie in die ‘königliche’ um, bestand jedoch zugleich auf Verwendung des Kurzepters aus dem Mittelschild des brandenburgischen Wappens als Manufakturzeichen – hierin ist sicherlich ein Stich gegen die sächsischen Kurschwerter des Meissener Porzellans zu sehen, das Kurzepter verweist aber zugleich auf die Würde Friedrichs als Kurfürst des Reiches, der bei der gerade diskutierten Wahl des Erzherzogs Joseph zum Römischen König ein gewichtiges Wort mitzusprechen hatte. In den Jahren nach dem Friedensschluss bestellte Friedrich eine Reihe aufwendiger Porzellan-Services für umworbene Monarchenkollegen wie Katharina II. ebenso wie für seine eigenen Schlösser, deren Themen und Dekoration genau auf Empfänger bzw. Schlossräume abgestimmt wurden. Zwischen 1763 und 1786 gab der König über zwei Millionen Taler allein für Porzellane aus, genannt seien hier die Service-Anfertigungen für das noch im Bau befindliche Neue Palais (1764-1765), für das Breslauer Schloss (1766-1767), für Sanssouci, das Chinesische Teehaus (1768-1769) und für Charlottenburg (1770-1772). 44 Mit Tafelgold, -silber und -porzellan investierte Friedrich somit in Kernbereiche interhöfischer Wahrnehmung und Kommunikation, in der neben dem Schauwert immer auch der Geld- und Prestigewert zählte. 45

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Nach sieben Jahren kriegsbedingter Pause wurde zum Karneval 1763/64 mit sechs Opern und Operetten auch der Spielbetrieb der Berliner Oper im wiederaufgenommen, der Friedrich verstärkt auch sein unmittelbares persönliches Engagement widmete, bis hin zu Redaktion und Autorschaft der Libretti. Die Oper, in deren Gebäude Unter den Linden mit den Redouten ein wesentlicher Teil der Hoffeierlichkeiten stattfand, setzte sich bis in die 1780er Jahre hinein beständig mit den neuesten Entwicklungen des europäischen Musikbetriebes auseinander, und auch die vielzitierte Zunahme von Wiederaufnahmen älterer Opern sollte nicht einfach als Zeichen des Verfalls gedeutet werden, sondern lässt sich auch als ein Schritt hin zum (in anderem Kontext gern als modern gepriesenen) Repertoire interpretieren. 46 Jedenfalls hob die Anstellung des Kastraten Giovanni Carl Concialini 1765 und der Sopranistin Gertrud Elisabeth Schmehling 1771 den Opernbetrieb wieder auf das glanzvolle Niveau der frühen 1750er Jahre an. 47 Nach dem Bayerischen Erbfolgekrieg reiste der König immer seltener zu Opernaufführungen nach Berlin (zuletzt 1781), der Opernetat blieb jedoch auf hohem Niveau erhalten. Zudem wurde im Neuen Palais in Potsdam ab 1768 ein eigener Musikbetrieb aufgebaut, zu dessen besonderen Aufführungen bis 1785 auch auswärtige Musiker anreisten, während zum Karneval alle Musiker in Berlin beschäftigt waren. Bei Besuchen auswärtiger Fürsten wie des schwedischen Prinzen Carl 1770 waren Konzerte und Opernaufführungen stets zentraler Bestandteil des Programms. 48

Personalkonjunkturen

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Der Umgang der Historiographie mit Friedrichs Hofchargen zeigt besonders deutlich, wie Praktiken Friedrichs ohne Bezug zu weiteren Herrschern – weder Preußens noch anderer Territorien – herausgehoben und als Merkmale seines vermeintlich einzigartig anti-höfischen Habitus’ interpretiert worden sind. Das Bild von Friedrichs Hofpersonal ist von der Karikatur geprägt, wie sie eine zeitgenössische, wohl von Voltaire stammende französische Schrift von 1753 zeichnete: 49

“Er hat einen Kanzler, der niemals spricht, einen Oberjägermeister, der nicht wagen würde, eine Wachtel zu schießen, einen Oberhofmeister, der nichts anordnet, einen Schenk, der nicht weiß, ob Wein im Keller liegt, einen Oberstallmeister, der nicht die Befugnis hat, ein Pferd satteln zu lassen, einen Kammerherrn, der ihm niemals das Hemd gereicht hat, einen Grand-Maître de la garderobe, der seinen Schreiber nicht kennt.“

Dies wird gern als Beleg für die Funktionslosigkeit der Hofämter unter Friedrich zitiert, so auch von Koser. Bemerkenswerterweise allerdings soll zudem die Nichtbesetzung mehrerer dieser vorgeblich marginalen Chargen als Beweis für die Irrelevanz des Hofes herhalten, ohne dass der dieser Argumentation inhärente Widerspruch thematisiert wird. 50

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Tatsächlich sagt gerade im Fall Preußen die bloße Besetzung der Hofchargen wenig über die Funktionsfähigkeit des Hofes aus, da diese hier nicht – wie etwa in Wien – an der Spitze eigener Arbeitsstellen standen, die für die Hofverwaltung und Organisation von Feierlichkeiten verantwortlich waren. 51 Von 1740 an wollte Friedrich mit der Vergabe von Hofchargen auch reiche Adlige nach Berlin ziehen. Dort sollten sie sich Stadtpalais nehmen und selbst Geld wie Glanz in die Hauptstadt bringen. Dies trifft auf den Niederländer Corswaaren-Loos zu (“C‘est un homme aimable et assez riche pour faire figure.“), wahrscheinlich aber auch auf die drei Schlesier Schaffgotsch, Henkel-Donnersmarck und Bess, denen gleich nach der Eroberung Schlesiens die Chargen Oberschenk, Oberstallmeister und Oberhofmarschalls verliehen wurden. 52 Jedenfalls war dies nicht der Beginn einer systematischen Integrationspolitik des Adels der Provinz am preußischen Hof. Mit Girolamo Marchese Lucchesini und dem Grafen von der Goertz gehörten zeitweise enge Vertraute des alternden Königs zum Kreis seiner Kammerherren, aber der Großteil ihrer stetig wachsenden Zahl war nicht Teil von Friedrichs tatsächlicher persönlicher Umgebung; vielmehr wurde der Titel Kammerherr häufig an preußische Gesandte auf wichtigen Auslandsstationen oder andere ausserhalb Berlins in Garnison diensttuende oder auf ihren Gütern lebende Adlige verliehen. Hierin war Preußen allerdings keine Ausnahmeerscheinung, denn Titel und Stelle, Präsenz und Dienst waren an praktisch allen europäischen Höfen nur lose gekoppelt. 53

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Festzuhalten ist, dass Friedrich nach einer Phase höfischer Expansion bis etwa 1770 in den letzten fünfzehn Jahren seiner Regierung immer häufiger auf Wiederbesetzungen vakant gefallener Ehrenämter verzichtet hat. Beim Tode Friedrichs waren von den ursprünglich acht Hofchargenstellen sechs nicht besetzt, 54 darunter die des Oberhofmarschalls, des Oberschenks und des Oberjägermeisters. 55 Letzteres verwundert wenig, da Friedrich im Gegensatz zu seinem Vater überhaupt kein Interesse an der Jagd zeigte. Vor allem jedoch waren auch unter den anderen Hohenzollernmonarchen vor 1806 Hofchargenpositionen immer wieder über längere Zeiträume vakant: Friedrich Wilhelm I. hatte 1713 einige davon gestrichen, aber auch später wieder besetzt. Am Hofe Friedrich Wilhelms III. blieb die Stelle des Oberjägermeisters nach 1799 unbesetzt, und als 1805 auch das Oberhofmarschallamt vakant fiel, war fast genau der Zustand von 1786 wiederhergestellt, während gleichzeitig die höfische Festkultur in Berlin einen neuen Höhepunkt erreichte. Unter dem im Gegensatz zu Friedrich Wilhelm II. immer wieder als besonders “sparsam” bezeichneten “Melancholiker auf dem Thron” 56 nahmen nämlich die Hofausgaben weiter (wenn auch nur leicht) zu, und der Umfang des Hofpersonals erreichte einen neuen Höchstumfang. 57 Für den Hof Elisabeth Christines lässt sich im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen und Nachfolgerinnen ähnliches feststellen. 58

Diachroner Vergleich

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Diese Befunde relativieren die von der Literatur häufig hervorgehobenen Brüche von 1740 und 1756/1763, aber auch jene von 1786 und 1797. Erstens sind die Veränderungen zu Beginn von Friedrichs Regierung – die Neubesetzung der Hofchargen, die Vergrößerung des Hofes der Königin und die Einstellung von etwa 150 Livreebediensteten 59 – kein quantitativer Kontrast zum Regime des Vorgängers, der gegen Ende seiner Regierung ähnlich viel für den Hof ausgab wie Friedrich, nimmt man einmal dessen Ausgaben für Musik und Oper aus, nämlich etwa 210.000 Taler. Vielmehr erscheinen sie als eine Fortführung von dessen Hofausbau, variiert durch neue Schwerpunktsetzungen in Genre (Musik und Oper) und Ästhetik (friderizianisches Rokoko); ein Befund, der im Einklang mit anderen Politikfeldern zu stehen scheint, etwa dem repräsentativen Ausbau Berlins oder selbst der Politik den Habsburgern gegenüber, wo ja bereits Friedrich Wilhelm I. in seinen letzten Jahren einen Schwenk vollzogen hatte. Auch haben jüngere Forschungen zu Architektur und Kunstgeschichte bestätigt, dass Friedrich zwar auf Personen- und Reiterdenkmäler verzichtet, aber ansonsten “die traditionellen Gepflogenheiten absolutistischer Herrscher- und Herrschaftsrepräsentation” beibehalten hat. 60

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Zweitens kann von einem Einbruch der Hofausgaben nach dem Siebenjährigen Krieg nicht die Rede sein. Vielmehr bewegten sie sich auch in der zweiten Hälfte der Regierung Friedrichs in einem Größenbereich, der den Berliner Hof wenn nicht in eine Reihe mit Wien oder Versailles, so doch mit anderen mittleren und größeren Höfen Deutschlands stellte. Nach dem “höfischen Retablissement” der 1760er Jahre scheint die Berliner Hoflandschaft institutionell wie finanziell, von der baulichen wie der Innenausstattung her um 1770 einen Höhepunkt erreicht zu haben. 61 Peter Wilson weist in seinem Beitrag darauf hin, wie wichtig Friedrich Statusfragen auch in der Reichspolitik nahm. Tatsächlich wird auch in Gesandtenberichten aus Berlin bis zum Ende von Friedrichs Regierung immer wieder sein Rang- und Prestigestreben hervorgehoben, seine “amour de la célébrité”, wie es der französische Gesandte Graf d’Esterno noch im Juli 1786 nannte. 62 Dieses war von Titel- und Präzedenzfragen nicht zu trennen: Noch nach Ausbruch der Französischen Revolution suchten deutsche Fürsten – verstärkt in den letzten Jahren des Reiches, als die durch die Neuordnung des Reiches bedingte erhöhte Mobilität neue Gelegenheiten bot – Titel- und Rangerhöhungen durchzusetzen. 63

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Auch nach 1763 musste der Rang der preußischen Monarchie also immer wieder in der höfischen Öffentlichkeit bestätigt werden, selbst wenn sich in der zweiten Jahrhunderthälfte – etwa in der geringeren Bereitschaft der Monarchien, große Summen für Titel- und Rangerhöhungen auszugeben – “ein allmählicher Bedeutungsverlust der geschilderten hierarchischen Elemente im europäischen Staatensystem feststellen” lässt. 64 So wies Friedrich den Oberhofmeister der Königin mehrfach auf die Bedeutung hin, die die genaue Beachtung von “respect” und Etikette an ihrem Hof für den Staat und für ihn selbst habe. Besonders im diplomatischen Verkehr nahm Friedrich die Frage des Vorrangs ernst: 1766 empfahl der britische Gesandte Sir Andrew Mitchell dem Earl of Chatham im Zusammenhang mit dem geplanten Besuch eines britischen Diplomaten auf der Durchreise nach Rußland, Friedrichs ironische Distanzierungen von Zeremoniell und Präzedenz nicht für bare Münze zu nehmen, denn er wolle nie jemandem nachstehen: er sei geprägt von “vanity, and a desire on every occasion to have the lead, or, at least, to seem to have it. [...] The nomination of an ambassador to Russia, who is only to call upon him en passant , may make him jealous of the preference given to that Court, for, though upon some occasions he laughs at all formalities, yet no man is more tenacious of them in whatever he thinks touches his rank, dignity, and consideration." 65 Im Zuge der ersten polnischen Teilung von 1772, die West- und Ostpreußen unter der Herrschaft der Hohenzollern “wiedervereinigte”, bestand Außenminister Hertzberg darauf, im Besitzergreifungspatent den königlichen Titel von dem Friedrich I. 1701 zugestandenen “König in Preußen” gegen das die volle Souveränität über ganz Preußen ausdrückende “König von Preußen” auszutauschen; zu einem Zeitpunkt also, als auch die Hofausgaben einen Höhepunkt erreichten.

Diplomatie, Dynastie und Zeremoniell

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Wie sich Preußen nach dem Siebenjährigen Krieg auch zeremoniell auf der Bühne der europäischen Höfe zurückmeldete, soll im Folgenden kurz an zwei Beispielen verdeutlicht werden, der osmanischen Gesandtschaft von 1763-1764 und dem Besuch des russischen Thronfolgers 1776.

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Der Einzug der osmanischen Gesandtschaft gleich im ersten Friedensjahr – gefolgt von einem demonstrativen Herumreichen an den Berliner Höfen – wurde von Zeremonienmeister Pöllnitz unter Rückgriff auf den Wiener Einzug des (gleichen) türkischen Gesandten im Jahre 1755 genauestens vorbereitet und von den Gesandten der anderen Mächte, die auch gerade nach Berlin zurückgekehrt waren, genau registriert. 66 Der König hatte bei Kriegsende noch auf seinen eigenen zeremoniellen Wiedereinzug in die Hauptstadt verzichtet. So, wie er generell seine eigenen Hofausgaben und –aufgaben zu ironisieren pflegte, goss er auch über diese Gesandtschaft in der Korrespondenz mit Bruder Heinrich seinen Spott aus. Dabei zielte er mit seinem immer wieder geäußerten anti-jüdischen Akzent auf die Türken (“Sie haben etwas von Juden“) ebenso wie die Berliner, welche nach Ende der kriegsbedingten Isolation und Not die Feierlichkeiten enthusiastisch verfolgten (“die Gecken tragen einen Turban“, er kehre nach Potsdam zurück, um nicht gänzlich den Verstand zu verlieren). 67 Aber diese literarisch-konversationellen Distanzierungen dürfen nicht einfach als politisches Programm und als Beleg für den Bedeutungsverlust von Zeremoniell überhaupt gewertet werden. Vielmehr ging es 1763 darum, durch den éclat des bis in die Exotik des Orientalischen hin ausgereizten Zeremoniells die im Krieg militärisch bestätigte Gleichwertigkeit der Hohenzollern mit Wien auch zeremoniell vorzuführen und medial die wiedergewonnene außenpolitische Bewegungsfreiheit des während des Krieges diplomatisch weitgehend isolierten Preußen herauszustellen.

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Auch beim Besuch des russischen Thronfolgers Paul 1776 wird deutlich, dass der preußische Hof durchaus zu “fallweisem Prunk” fähig war, wie es Wolfgang Neugebauer genannt hat. 68 Russland erschien Friedrich spätestens seit den Erfahrungen des Siebenjährigen Krieges als besondere Bedrohung, daher suchte er diesen möglichen Gegner bereits 1764 in einem Allianzvertrag an sich zu binden, der im Lauf der 1760er und 1770er Jahre auch durch den Austausch von Geschenken symbolischen Ausdruck fand. Hier wurde neben Portraits und Pelzen auch das von Friedrich vielfältig genutzte Porzellan mit einem extra für die Zarin angefertigten Prunkservice prominent eingesetzt. 69 Trotzdem fürchtete der im Winter 1775/76 kranke Friedrich, dass Österreich gemeinsam mit Russland seinen möglichen Tod zu einer Invasion Sachsens und Preußens ausnutzen würden. In dieser Situation war die Verlobung des russischen Thronfolgers mit Sophie Dorothea von Württemberg in Berlin von höchster Bedeutung. Großfürst Paul wurde von Prinz Heinrich begleitet, der gerade von seiner erfolgreichen diplomatischen Mission aus St. Petersburg zurückkehrte. 70 Die Berliner Höfe entfalteten zu diesem Anlaß einen Prunk, wie ihn Berlin seit Jahrzehnten nicht gesehen habe (so ein zeitgenössischer Beobachter), der Hofmedailleur Abramson fertigte zwei Prunkmedaillen an, und im folgenden Jahr wurde, wie von Friedrich erhofft, das preußisch-russische Bündnis bis 1788 verlängert. 71

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Ein beträchtlicher Teil dieses zeremoniellen Aufwandes wurde von den Höfen der Königin und der Geschwister des Königs getragen. Die wichtige Rolle Prinz Heinrichs in den bereits vorher angeknüpften Verhandlungen mit Katharina II. und auch während des Besuchs des Großfürsten Paul wurde ergänzt durch die für das Zeremoniell eminent wichtige Funktion der Königin. Ihr Hof wurde in der zweiten Regierungshälfte Friedrichs mehr noch als in der ersten zum – wie auch Thiébault später konstatierte – tatsächlichen Hof des Landes und übernahm die gesamte Routine wie auch die außerordentlichen Ereignisse des Hoflebens: Die Courtage fanden einmal wöchentlich bei der Königin statt, und Geburtstage und Taufe, Jahrestage und Konfirmationen, Verlobungen und Hochzeiten wurden hier ebenso gefeiert wie die offiziellen Empfänge auswärtiger Gesandter und Fürsten hier abgehalten wurden. 72

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Der Besuch des Großfürsten Paul war typisch für alle dynastischen Großereignisse: Abgesehen von den Paraden in Potsdam wurden nahezu alle Festlichkeiten vom Hof der Königin ausgerichtet, Friedrich reiste nur ein einziges Mal für einen Empfang in den Räumen der Königin im Berliner Schloss an und kehrte binnen 24 Stunden wieder nach Potsdam zurück. Dieses Muster war seit der Übersiedlung Friedrichs nach Potsdam um 1750 angelegt und wurde für die zweite Regierungshälfte bestimmend. Allerdings fuhr Friedrich bis zum Schluß fort, wichtige dynastische – allerdings niemals religiöse – Feierlichkeiten am Berliner Hof zu begleiten; übrigens nicht in Uniform als “Alter Fritz” verkleidet, sondern stets in Galarobe gekleidet. Die diplomatische wie zeremonielle Nutzung der anderen Mitglieder der Dynastie war in der friderizianischen Monarchie insofern systembedingt, da Friedrichs Hof allein gar nicht fähig gewesen wäre, den höfischen Anforderungen des preußischen Großmachtstatus Rechnung zu tragen. 73

Synchroner Vergleich

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Auswärtigen Beobachtern, die den preußischen Hof in einem größeren Kontext sahen, fiel der Berliner Hof als weder außergewöhnlich klein noch schlecht ausgestattet auf: “The Queen’s court resembles the other courts of Europe“, schreibt ein britischer Beobachter 1780 am Ende seiner Rundreise durch Mitteleuropa, setzt hingegen den Hof von Sanssouci als “upon quite a new plan“ ab. 74

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Ein Vergleich mit anderen deutschen Territorien bestätigt, dass die Besonderheit des Berliner Hofes nach 1763 weniger in einer besonderen Frugalität als vielmehr gerade darin bestanden zu haben scheint, dass er nicht den Sparmaßnahmen unterworfen wurde, die nach dem Siebenjährigen Krieg viele andere Höfe des Reiches trafen. Bemerkenswert erscheint insbesondere, dass die Ausgaben für Kapelle und Oper bis 1786 mindestens konstant blieben, selbst in finanziellen Krisenjahren wie 1767-68, als die Staatseinnahmen noch unter den Durchschnitt der Kriegsjahre sanken. Zweifellos war Musik für Friedrich, der selbst musizierte und komponierte, auch ein wichtiges Mittel zur Zerstreuung und Entspannung, aber die eigene musikalische Tätigkeit darf nicht isoliert vom Opernapparat gesehen werden. 75 1786 umfasste die Königliche Kapelle neben Kapellmeister Reichardt und der unbesetzten Stelle des “Hofpoeten” 57 Positionen, darunter neben den acht Sängern und Sängerinnen der Berliner Opfer fünf weitere, die den Potsdamer Musikbetrieb aufrechterhielten. 76

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Im friderizianischen Berlin wie auch andernorts (etwa in München und Braunschweig) fielen insgesamt weniger der relativ geringfügig ausfallende personelle Aus- und Umbau des Hofes oder die allzuviel zitierte höfische Festkultur “finanziell ins Gewicht” als vielmehr die kontinuierlich anfallenden Aufwendungen für die Besoldung und Ausstattung von Orchester, Sängern und Tänzern, die in Preußen die gesamte Regierungszeit Friedrichs hindurch mit jährlich 50-60.000 Talern zu Buche schlugen. 77 Die Kosten für höfische Feste hingegen wälzte Friedrich gern auf andere Mitglieder seines Hauses und Höflinge ab: So wurde ein Großteil der Kosten des “Carousels” von 1750, das einen Höhepunkt der höfischen Festkultur im Preußen des 18. Jahrhunderts bildete, nicht von Friedrich selbst getragen, sondern von den teilnehmenden einheimischen und auswärtigen Prinzen und Adligen. 78

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Gerade Theater und Musik fielen jedoch in vielen deutschen Territorien nach 1763 erheblichen Kürzungen zum Opfer, die unter anderem innerhalb weniger Jahre die Dominanz französischer Theaterkultur an den deutschen Höfen beseitigten. Der Höhepunkt der Krise war dabei in vielen Territorien häufig erst am Ende der 1760er Jahre erreicht, also zu einer Zeit, in der auch in Preußen die längerfristigen finanziellen Auswirkungen des Kriegs ihre volle Wirkung entfalteten; Kriegslasten und Hofausgaben sollten auch in den 1790er Jahren erneut viele Höfe hart treffen. 79 Nach dem Siebenjährigen Krieg führten viele Territorien daher einerseits einen radikalen Sparkurs ein und suchten andererseits die Einnahmenseite zu erhöhen, etwa durch die “Vermietung” von Soldaten. 80 Gerade letzteres war freilich mit dem Selbstverständnis Preußens als unabhängiger Macht unvereinbar.

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Als Beispiel sei Braunschweig-Wolfenbüttel genannt: Dort zwangen die kumulativen Auswirkungen von enormen Hofausgaben und hohen Kriegsschulden den regierenden Herzog (und Schwager Friedrichs II.) Karl I., 1768 erstmals seit über 80 Jahren wieder einen Landtag einzuberufen, damit wenigstens ein Teil der Schuldenlast von den Ständen übernommen werden konnte. Damit einher gingen drastische Einschnitte bei Hof, das Hoforchester wurde aufgelöst, Oper und französisches Theater geschlossen. 81 Der Braunschweiger Hof behalf sich in der Folge mit (preiswerterem) deutschem Theater und nutzte hierfür den gerade angestellten Lessing, dessen Bibliotheksgehalt nur einen Bruchteil des Salärs des entlassenen italienischen Directeur des spectacles Nicolini betrug. 82 In den 1780er Jahren musste der bis dahin als besonders glanzvoll geltende Braunschweiger Hof mit nur 110.000 Talern im Jahr auskommen, was, wie Volker Bauer feststellte, “schon die Grenze fürstlichen Decorums streifte” – das war nicht einmal doppelt so viel wie Friedrich II. zur gleichen Zeit allein für seine königliche Kapelle ausgab. 83 Ähnliche Entwicklungen wie bei den Wolfenbütteler Verwandten Friedrichs gab es auch in anderen deutschen Territorien, wie Ute Daniel gezeigt hat. 84 Friedrich II. hingegen achtete darauf, dass der Spagat zwischen Großmachtambitionen und eingeschränkten Ressourcen, der seine wie auch die Politik seiner Nachfolger prägte, auch in finanziell besonders schwierigen Zeiten nicht auf Kosten des Hofes ging.

Schluss

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Nicht geleugnet werden kann, dass Friedrich mit seiner Residenznahme in Potsdam eine besondere Konstellation geschaffen hat. Auch andere preußische Herrscher wie Friedrich Wilhelm III. oder Wilhelm I. zogen es vor, nicht im Berliner Schloss selbst zu wohnen. Aber die eben nicht nur räumliche Distanz, die Friedrich zwischen sich und den Hof legte, war auch im preußischen Vergleich extrem und schuf eine Reihe von Problemen, denn Friedrich war auf die höfischen Strukturen in Berlin angewiesen, um überhaupt dynastische Politik machen zu können. So waren dem Hof der Königin schon durch die finanzielle Ausstattung Grenzen gesetzt. Auch das Verhalten des Königs selbst spielte hier eine Rolle, denn die herrscherzentrierte Hoflandschaft registrierte Gunst- und Ungunstbezeugungen genau: So unterminierte Friedrich die von ihm als so wichtig eingestufte Position der Königin selbst, wenn er seine Gemahlin nicht einmal in seiner gesamten Regierungszeit nach Potsdam lud. 85 Gegen Ende der Regierung Friedrichs trat in diesem Gefüge paralleler, durchaus miteinander rivalisierender Höfe besonders der Hof des Kronprinzen Friedrich Wilhelm in den Vordergrund. Gerade in der höfischen Gesellschaft gab es nicht nur Bewunderer für Friedrichs Verhalten, das auch Ende des 18. Jahrhunderts noch mit einem Rückzug vor dem Volk gleichgesetzt werden konnte: Graf Lehndorff etwa setzte in traditioneller Weise Hof und Land gleich, indem er bemerkte, Friedrich verberge sich durch seine permanente Abwesenheit von Hofe vor den Augen des Volkes. Ein König könne sich ein ruhiges zurückgezogenes Leben nicht leisten, denn: “Er gehört seinen Untertanen an, er muss sie hören und mit ihnen leben.” Derartige Kritik wurde freilich die gesamte Frühe Neuzeit über auch an anderen über mehrere Jahrzehnte herrschenden Monarchen geäußert, die sich im Alter häufig immer mehr vom Hof in enger umsteckte Räume zurückzogen, wie etwa an Philipp II. in seinen letzten 15 Lebensjahren. 86

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Festzustellen bleibt, dass die sonst so genauen Historiographen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Reinhold Koser die Funktion des Hofes für das friderizianische Preußen erheblich, vielleicht sogar systematisch unterbewertet haben. Es scheint, dass die Berlin-Potsdamer Hoflandschaft in der zweiten Hälfte der Regierungszeit Friedrichs sowohl im diachronen als auch im synchronen Vergleich weniger solitär war als in der Literatur behauptet.

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Friedrichs häufig in beissenden Spott gekleidete verbale Distanzierung vom Hof war weder eine programmatische Absage an dynastische Politik an sich, noch war sie unter den Dynasten der Frühen Neuzeit einzigartig, die während der vermeintlichen Blütezeit höfischen Lebens um 1700 ebenso wie einhundert Jahre später häufig über die Belastungen höfischer Feste und fürstlicher Besuche klagten. 87 Auch die Bewertungen der Rolle des Hofes etwa in Friedrichs politischen Testamenten spiegelten weniger ein grundsätzlich neues Herrscherbild als vielmehr die für alle Fürsten im frühneuzeitlichen Protestantismus wichtige Norm des “Maßhaltens”, wie sie auch gut hausväterlich gesinnte deutsche Regenten des 17. Jahrhunderts ihren Nachfolgern anempfahlen. 88 In den dynastischen Netzwerken der Zeit wurde Friedrich als herausragender Herrscher, die Berliner Hoflandschaft jedoch nicht als Ausnahme von der höfischen Regel wahrgenommen, während in der preußisch-patriotischen Publizistik der Zeit bereits eifrig am Bild des “Alten Fritz“ gearbeitet wurde. 89 In den Briefen von Friedrichs Verwandtschaft wie den Gesandtenberichten ist kaum je vom einsamen “Philosophen von Sanssouci” die Rede. Im Gegensatz zur französischen Öffentlichkeit, die sich immer wieder von der Figur des Philosophenkönigs faszinieren ließ, zeichnete die französische Diplomatie ein wesentlich differenzierteres Bild Friedrichs als Monarch und beurteilte auch seine Tafelrunde kritisch. 90

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Von den in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von vielen Herrschern bevorzugten Formen neuer höfischer Geselligkeit und schlichterer Garderobe bzw. Uniform, vom teilweisen Verzicht auf Zeremoniell und höfische Adelsdienste darf nicht einfach auf einen “Niedergang” höfischen Lebens geschlossen werden. 91 Tatsächlich haben sich ja nicht einmal Friedrichs größte Bewunderer unter den europäischen Monarchen vom Hof abgenabelt: Selbst Friedrichs Lieblingsneffe, Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, der die in Potsdam praktizierte französische Konversationskultur bis ins frühe 19. Jahrhundert weitertrug, verzichtete nicht auf ein Regieren aus der Mitte seines Hofes heraus, den er sogleich wieder ausbaute, nachdem die im Gefolge des Siebenjährigen Krieges angehäuften Schulden zu Beginn der 1790er Jahre abgetragen waren. 92 Auch Friedrichs habsburgischer Bewunderer Joseph II., der nach Übernahme der Alleinregierung 1780 als “fanatical apostle of the state and enemy of court flummery” die Zahl der Hofzeremonien erheblich einschränkte, tat dem Decorum der höfischen Gesellschaft Genüge: Er hatte Schönbrunn ostentativ den Rücken gekehrt, musste den Palast aber nach nur einem Jahr wiedereröffnen, um dem wenige Jahre zuvor von Friedrich so großzügig empfangenen Großfürsten Paul einen würdigen Empfang bereiten zu können. Für Mitglieder anderer deutscher Fürstenhäuser wurde von Joseph ein ähnlicher Aufwand betrieben. 93 Der Wiederausbau des Wiener Hofes unter seinen Nachfolgern Leopold II. und Franz II. erfolgte parallel zur Erhöhung der Hofausgaben im Preußen Friedrich Wilhelms II. und im Braunschweig Karl Wilhelm Ferdinands; gerade das Dezennium der Französischen Revolution tritt hier als eine Periode in den Blick, in der den Höfen eine erhöhte Bedeutung zugemessen wurde.

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Freilich zeigt sich auch, dass der preußische Hof zwischen 1763 und 1786 eher im Rahmen der mittleren Höfe des Reiches zu verorten ist. Im Vergleich zu anderen deutschen Territorien konnte der preußische Hof die Krise nach dem Siebenjährigen Krieg erfolgreich meistern, ohne dass die militärische Schlagkraft oder innenpolitische Dominanz der Krone geschwächt wurde, er reichte aber zu keiner Zeit an die Höfe von Wien oder Versailles heran. Der preußische Hof entwickelte nur wenig Anziehungskraft für den europäischen oder auch nur den Reichsadel, und die beiden herausragenden zeremoniellen Ereignisse in der zweiten Hälfte von Friedrichs Regierung betrafen mit der islamischen Türkei und dem orthodoxen Russland zwei Randstaaten mit unsicherer dynastischer Erbfolge, deren Zugehörigkeit zum Kreis der europäischen Monarchien lange umstritten war. 94

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In diesem Zusammenhang erweist sich schließlich doch eine Bemerkung Friedrichs in seinem Politischen Testament von 1768 als aufschlussreich, aber es ist eben gerade keine Passage zu adligem und höfischem “Aufwand”, sondern zum Rang Preußens auf der europäischen Bühne. Wir sind es gewohnt, spätestens mit dem Frieden von Hubertusburg den Rang Preußens als eine der fünf Großmächte bestätigt zu sehen. Friedrich hingegen schrieb noch 1768, während der Neuaufbau der Berliner Hoflandschaft in vollem Gange war, dass “vier Großmächte, die allen anderen überlegen seien und auf [...] der Welt die erste Rolle spielen”, ins Auge sprängen: Frankreich, England, die Habsburger Monarchie und Russland; Preußen, das er im Folgenden nur als Verbündeten Russlands nennt, zählte er nicht dazu. 95 Dieser Befund spiegelt sich in Gestalt und Ausstattung von Friedrichs Hof. Zugespitzt ließe sich formulieren: Der Hof Friedrichs war eben tatsächlich der Hof eines besonders erfolgreichen Herrschers einer Mittelmacht.

Autor

Dr. Thomas Biskup
University of Hull
Department of History
GB-Hull HU6 7RX
t.biskup@hull.ac.uk

1 Robert J. W. Evans: The court. A protean institution and an elusive subject, in: Ronald G. Asch / Adolf M. Birke (Hg.): Princes, patronage, and the nobility. The court at the beginning of the modern age, c. 1450-1650 (= Studies of the German Historical Institute London), Oxford 1991, 481-91, hier: 481.

2 Carl Hinrichs: Preußentum und Pietismus. Der Pietismus in Brandenburg-Preußen als religiös-soziale Reformbewegung, Göttingen 1971.

3 Paradigmatisch: Otto Hintze: Die Entstehung der modernen Staatsministerien: Eine vergleichende Studie, in: Gerhard Oestreich (Hg.): Staat und Verfassung. Gesammelte Abhandlungen zur Allgemeinen Verfassungsgeschichte, Bd. 1, Göttingen 1962, 275-320; ders.: Der preussische Militär- und Beamtenstaat im 18. Jahrhundert, in: Gerhard Oestreich (Hg.): Regierung und Verwaltung. Gesammelte Abhandlungen zur Staats-, Rechts- und Sozialgeschichte Preussens von Otto Hintze, Bd. 3, Göttingen 1967, 419-428.

4 Otto Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländischer Geschichte, Berlin 1916, 257-264, 321-401; Reinhold Koser: Vom Berliner Hofe um 1750, in: Hohenzollern-Jahrbuch 7 (1903), 1-37, hier: 37. Zur Friedrichrezeption im 19. und 20. Jahrhundert nunmehr ausführlich: Peter-Michael Hahn: Friedrich der Große und die deutsche Nation. Geschichte als politisches Argument, Stuttgart 2007, 29-78. Zur Marginalisierung von Hof und Frauen in der Historiographie siehe auch: Thomas Biskup: The hidden queen. Elisabeth Christine of Prussia and Hohenzollern queenship in the 18th century, in: Clarissa Campbell-Orr: Queenship in Europe, 1660-1800, Cambridge 2004, 300-321, hier: 301-303. Zur Etablierung der Kategorie Geschlecht für den deutschen Nationalismus: Karen Hagemann: “Mannlicher Muth und Teutsche Ehre“: Nation, Militär und Geschlecht zur Zeit der Antinapoleonischen Kriege (= Krieg in der Geschichte 8), Paderborn / München / Wien / Zürich 2002.

5 Günter Birtsch: Der Idealtyp des aufgeklärten Herrschers. Friedrich der Große, Karl Friedrich von Baden und Joseph II. im Vergleich, in: ders. (Hg.): Der Idealtyp des aufgeklärten Herrschers (= Aufklärung 2/1), Hamburg 1987, 9-47.

6 Markus Völkel: The Margravate of Brandenburg and the kingdom of Prussia: the Hohenzollern court 1535-1740, in: John Adamson (Hg.): The princely courts of Europe. Ritual, politics and culture under the Ancien Régime 1500-1750, London 1999, 211-229, hier: 228f.; Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit, 4. Aufl., München 2005, 251-319, 452-455. Das Kapitel zu Preußens Weg in die Moderne in Timothy C. W. Blanning: The culture of power and the power of culture. Old Regime Europe 1660-1789, Oxford 2002, 194-232, erwähnt den Hof überhaupt nicht.

7 Koser: Vom Berliner Hofe (wie Anm. 4), 4.

8 “Der alte Kern, die klassische Tafelrunde von Sanssouci, war zersprengt”, Reinhold Koser: Geschichte Friedrichs des Großen, Bd. 3, Reprint der 7. Aufl., Darmstadt 1963, 175. Ähnlich Hintze: Hohenzollern (wie Anm. 4), 343: “Seine Arbeitskraft blieb unermüdlich; sein Wille hielt eine Welt in Atem und brachte eben damals im inneren Staatsleben neue große Unternehmungen auf die Bahn.“

9 Christopher Clark: Iron kingdom. The rise and downfall of Prussia, 1600-1947, London 2006, 193.

10 Friedrich von Oppeln-Bronikowski (Hg.): Die politischen Testamente Friedrichs des Großen, München 1936, 200.

11 Ute Daniel: Hof, Hofleben, in: Helmut Reinalter (Hg.): Lexikon zum Aufgeklärten Absolutismus in Europa. Herrscher – Denker – Sachbegriffe, Wien 2005, 308–314; Jeroen Duindam: Vienna and Versailles. The Courts of Europe’s Dynastic Rivals, 1550–1780 (= New Studies in European History), Cambridge 2003; Marcus Ventzke (Hg.): Hofkultur und aufklärerische Reformen in Thüringen. Die Bedeutung des Hofes im späten 18. Jahrhundert, Köln / Weimar 2002; Philip Mansel: The court of France, 1789-1830, Cambridge 1988. Siehe neuerdings auch: Horst Carl: Erinnerungsbruch als Bedingung der Moderne? Tradition und bewusste Neuorientierung bei Hof und Zeremoniell nach 1800, in: Andreas Klinger / Hans-Werner Hahn / Georg Schmidt (Hg.): Das Jahr 1806 im europäischen Kontext. Balance, Hegemonie und politische Kulturen, Köln 2008, 169-184.

12 Daniel: Hof (wie Anm. 11).

13 Eckart Hellmuth: Der Staat des 18. Jahrhunderts: England und Preußen im Vergleich, in: Aufklärung 9 (1996), 5-24; John Brewer / Eckhart Hellmuth (Hg.): Rethinking Leviathan: The eighteenth-century state in Britain and Germany (= Studies of the German Historical Institute London), Oxford 1999. Von den zahlreichen Arbeiten Neugebauers sei hier nur genannt: Wolfgang Neugebauer: Zentralprovinz im Absolutismus: Brandenburg im 17. und 18. Jahrhundert, Berlin 2001.

14 Martin Fontius / Helmut Holzhey (Hg.): Schweizer im Berlin des 18. Jahrhunderts (= Aufklärung und Europa. Beiträge zum 18. Jahrhundert), Berlin 1996; Hans-Ulrich Seifert / Jean-Loup Seban (Hg.): Der Marquis d’Argens (= Wolfenbütteler Forschungen 103), Wiesbaden 2004; Günther Lottes / Iwan D’Aprile (Hg.): Hofkultur und aufgeklärte Öffentlichkeit. Potsdam im 18. Jahrhundert im europäischen Kontext, Berlin 2006. Hier ragen freilich die Beiträge von Ursula Goldenbaum zu Friedrich II. und der Berliner Aufklärung und von Sven Externbrink zum Preußenbild der französischen Diplomatie, der hier auf Ergebnisse seiner inzwischen auch in Buchform erschienenen Habilitationsarbeit zurückgreift, heraus (vgl. Anm. 91). Ingesamt differenzierter, aber vor allem auf literatur und kunstgeschichtliche Aspekte fokussiert: Brunhilde Wehinger (Hg.): Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, Berlin 2005. Siehe hier insbesondere der perspektivenreiche Beitrag von Jens Häseler: Friedrich II. von Preußen – oder wie viel Wissenschaft verträgt höfische Kultur?, 73-81, der dafür plädiert, das Verhältnis von Politik und Wissenschaft am Hof Friedrichs II. als eine im Vergleich zu früheren Höfen neuartige Konstellation zu betrachten.

15 Volker Bauer: Die höfische Gesellschaft in Deutschland von der Mitte des 17. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts (= Frühe Neuzeit 12), Tübingen 1993, 70-73.

16 Dazu Wolfgang Neugebauer: Residenz – Verwaltung – Repräsentation: Das Berliner Schloss und seine historischen Funktionen vom 15. bis 20. Jahrhundert, Potsdam 1999 (= Kleine Schriftenreihe der Historischen Kommission zu Berlin 1); ders.: Hof und politisches System in Brandenburg-Preußen: Das 18. Jahrhundert, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Zeitschrift für vergleichende und preußische Landesgeschichte 46 (2000), 138-169. Die Ergebnisse dieses Aufsatzes sind zusammengefasst in: ders.: Vom höfischen Absolutismus zum fallweisen Prunk. Kontinuitäten und Quantitäten in der Geschichte des preußischen Hofes im 18. Jahrhundert, in: Klaus Malettke / Chantal Grell (Hg.): Hofgesellschaft und Höflinge an europäischen Fürstenhöfen in der Frühen Neuzeit (15.- 18. Jh.)/ Société de cour et courtisans dans l’Europe de l’époque moderne (XV e -XVIII e siècle), Münster 2001 (= Forschungen zur Geschichte der Neuzeit. Marburger Beiträge 1), 89-111.

17 Neugebauer: Hof (wie Anm. 16), sucht erstmals überhaupt Zugang zu den erhaltenen Hofakten des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz. Weit über den im Titel benannten Bereich hinaus wichtig: Jeannette Falcke: Studien zum Geschenkwesen am brandenburgisch-preußischen Hof im 17. und 18. Jahrhundert (= Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 31), Berlin 2006. Unter den Katalogen der SPSG seien hervorgehoben: Sophie Charlotte und ihr Schloß. Ein Musenhof des Barock in Brandenburg-Preußen, München 1999; Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg. Katalog der Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Schloss Rheinsberg vom 4. August bis 28. Oktober 2002, München 2002. Auch Hahn: Friedrich (wie Anm. 4), 212-220, betont die konventionellen Elemente in Friedrichs Hofhaltung.

18 Barbara Stollberg-Rilinger: Höfische Öffentlichkeit: Zur zeremoniellen Selbstdarstellung des brandenburgischen Hofes vor dem europäischen Publikum, in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 7 (1997), 145-176. Eine “Necessität” nannte Friedrich I. selbst seine Schlossbautätigkeit, siehe Neugebauer: Residenz (wie Anm. 16), 33.

19 Melanie Mertens: Berliner Barockpaläste. Zur Entstehung eines neuen Bautyps in der Zeit der ersten preußischen Könige (= Berliner Schriften zur Kunst 14), Berlin 2003.

20 Den taktischen Aspekt betont vor allem Neugebauer: Hof (wie Anm. 16), 145-147 mit Verweis auf spätere Äußerungen Friedrich Wilhelms I. Die Zahlen des Hofstaats-Etats sind vollständig aufgeschlüsselt in: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (im Folgenden: GstA PK), I. HA (Geheimer Rat), Rep. 36 (Hof und Güterverwaltung), Nr. 69-102 (Hofstaatsetats).

21 Diese falschen Zahlen für die Kürzungen von 1713 finden sich noch bei Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfasungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999, 83f. Bereits der Bruch von 1713 fiel nämlich fiskalisch weniger dramatisch aus als er symbolisch durch die Streichung von Hofchargen wie der besonders prominenten des europaweit anerkannten Oberzeremonienmeisters von Besser (der dann auch gleich nach Dresden wechseln konnte) inszeniert wurde. Die Zahlen für 1713 bis 1716 in: GStA PK, I. HA Rep 36, Hofstaats-Etats für 1713/1714, Nr. 69 (unpaginiert), für 1715/1716, Nr. 70, Blatt 35, 1716/1717 Nr. 71, Blatt 35. Unter Friedrich Wilhelm I. wurden für den Hof folgende Summen ausgegeben (alle Zahlen nach der zuverlässigen finanziellen Übersicht bei Otto Behre: Geschichte der Statistik in Brandenburg-Preussen bis zur Gründung des Königlichen Statistischen Bureaus, Berlin 1905, 90-92: Für die Königin 20.000 Taler 1714 und 38.000 im Jahre 1730, für den Kronprinzen 10.000 (1714) bzw. 20.000 (1730) sowie weitere 6.000 bzw. 10.000 für den Unterhalt. Der Hofstaat des Königs selbst erhielt zwischen 134.000 (1713) und 185.000 Taler (1730). Apanagen in Höhe von 26.000 bzw. 32.000 Taler sowie weitere Zahlungen in Höhe von 45.000 Talern fielen an für die Markgrafen von Brandenburg, das Haus Anhalt-Dessau und Brandenburg-Kulmbach. 1730 kam noch eine “Extraordinarien-Casse” dazu, die immerhin 350.000 Taler betrug. Weitere 107.000 bzw. 148.000 Taler waren Salarien und Pensionen.

22 Neugebauer: Residenz (wie Anm. 16), 36.

23 Mertens: Barockpaläste (wie Anm. 19), pointiert zusammengefasst nunmehr auch in: dies., ”Unsern hiesigen Residentzien ... in mehreren Flor und Ansehen zu bringen“: Zur späten Bau- und Kunstpolitk von König Friedrich Wilhelm I., in: Thomas Biskup / Marc Schalenberg (Hg.): Selling Berlin. Imagebildung und Stadtmarketing von der preußischen Residenz bis zur Bundeshauptstadt (= Beiträge zur Stadt- und Urbanisierungsforschung 6), Stuttgart 2007, 21-40.

24 Neugebauer: Residenz (wie Anm. 16), 38. Die geretteten Bestände des Rittersaalbuffets befinden sich heute im Kunstgewerbemuseum Schloss Köpenick. Immer noch wichtig: Paul Seidel: Der Silber- und Goldschatz der Hohenzollern im Königlichen Schlosse zu Berlin, Berlin 1896, 2-35. Die wichtige Rolle der Silberbestände wird auch durch die Ausgaben für die Silberkammer deutlich, deren Jahresetat regelmässig 8.000 Taler betrug und deren sieben Bediente mit zusammengenommen knapp 2.000 Talern vergütet wurden. GStA PK, I. HA Rep 36, Nr. 71, Blatt 22 und 35

25 Christiane Keisch: Das große Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses (= Bestandskatalog des Kunstgewerbemuseums 21), Berlin 1997, 32f., 35-40; Seidel: Silber- und Goldschatz (wie Anm. 24), 51, 58-60.

26 Dieses Weiterbestehen von Hofstaaten verstorbener Dynastieangehöriger war im Prinzip nicht unüblich: Friedrich I. hatte nach dem Tod von Sophie Charlotte 1705 ihren Haushalt als Zeichen königlichen Respekts aufrechterhalten und die von ihr begonnenen Gebäude vollendet, Völkel: Margravate (wie Anm. 6), 221. Der Haushalt der von Friedrich Wilhelm III. sehr geschätzten Witwe Friedrichs, Elisabeth Christine, die erst 1797 starb, wurde schrittweise bis 1804 aufgelöst, während jener der Königin Luise zum Teil bis 1818 erhalten blieb. Vgl. Erich Konter: Das Berliner Schloß im Zeitalter des Absolutismus (= Arbeitshefte des Instituts für Stadt- und Regionalplanung, Technische Universität Berlin, Reihe Planungsgeschichte), Berlin 1991, 284.

27 Ebd.: 268-272.

28 Hans-Joachim Giersberg: Schloss Sanssouci und die Wohnungen Friedrichs des Großen, in: ders. (Hg.): Schloss Sanssouci. Die Sommerresidenz Friedrichs des Großen, Berlin 2005, 7-89, hier: 28-38, 47-79.

29 Tatsächlich finden sich gerade die Inhaber der eigentlichen höchsten Hofämter im Allgemeinen nicht unter den Mitgliedern der Tafelrunde, ebenso wenig enge Vertraute des Königs wie der Geheime Kämmerer und Obertresorier Michael Gabriel Fredersdorff. Die mächtigen (aber deutsch-bürgerlichen) Kabinettssekretäre, die Prinzen von Geblüt, Minister und Kanzler von Carmer waren nicht Teil der Tafelrunde, ebensowenig (bis auf eine Ausnahme) die Erzieher der königlichen Prinzen, obwohl sie als aus Frankreich oder der Schweiz stammende Akademiemitglieder (Beispiel: Nicolas Beguelin) einen ähnlichen Hintergrund hatten wie viele Mitglieder der Tafelrunde. Die Tafelrunde wurde offenbar von politischen Diskussionen und Entscheidungen ferngehalten und war vornehmlich der Ort, an dem die französische Konversationskultur gepflegt wurde. Diese beruhte – wie Jochen Schlobach und Brunhilde Wehinger betont haben – eben nicht vor allem auf der Diskussion politisch-sozialer Theorien oder gar politischer Projekte, sondern bildete vor allem ein Modell religiöser Toleranz und Konversation jenseits des Politischen, hierin nicht unähnlich dem Zirkel von Sophie Charlotte. Zur Rolle der französischen Konversationskultur an deutschen Höfen des 18. Jahrhunderts immer noch wichtig: Jochen Schlobach: Französische Aufklärung und deutsche Fürsten, in: Werner Schneiders: Aufklärung als Mission / La mission des lumières: Akzeptanzprobleme und Kommunikationsdefizite / Accueil réciproque et difficultés de communication, Marburg 1993, 175-194; Wehinger: Geist (wie Anm. 14). Zur Kabinettsregierung: Wolfgang Neugebauer: Das preußische Kabinett in Potsdam. Eine verfassungsgeschichtliche Studie zur fürstlichen Zentralsphäre in der Zeit des Absolutismus, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 44 (1993), 69-115, sowie Neugebauer: Vom höfischen Absolutismus (wie Anm. 16), 121.

30 GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 115, Blatt 37, 44. Der Hofstaatsetat war unter Abzug der Ausgaben für nicht zum Hof gehöriges Personal mit etwa 213.000 Talern veranschlagt, zu denen noch etwa 50.000 Taler für die Kapelle, Tänzer und Schauspieler hinzukamen.

31 GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 131, Blatt 36. Von den knapp 313.000 Talern für Hof und Musik im Etat 1785/85 bleiben bereits 70.000 Taler zu “Seiner Königlichen Majestät Disposition übrig”. Ebd., Nr. 138, Blatt 17f., 34 sowie “Etat von denen Besoldungen der Königlichen Capell Bedienten”, Blatt 22f. Gleich nach Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II. stiegen die Ausgaben für den Hof auf etwa 460.000 Taler an (für das Jahr 1787-88), bis 1795-96 dann um weitere 100.000 Taler auf 553.655, um sich dann unter Friedrich Wilhelm III. auf etwa gleicher Höhe bei 564.928 Talern einzupendeln. Diese Zahlen in: GStA PK, I. HA, Rep 36, Nr, 149 sowie bei Neugebauer: Hof (wie Anm. 16), 164f.

32 Derek Beales: Clergy at the Austrian court in the eighteenth century, in: Michael Schaich (Hg.): Monarchy and religion. The transformation of royal culture in eighteenth-century Europe (= Studies of the German Historical Institute London), Oxford 2006, 79-104, hier: 80-83. Artikel “Hof”, in: Johann Heinrich Zedler (Hg.): Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 13, Halle / Leipzig 1735, 405-412, hier: 405.

33 So ist im Hofstaatsetat für das Finanzjahr 1750/51 nicht der Etat für Kapelle, Tänzer und Schauspieler enthalten, die einen wichtigen Teil der Hofveranstaltungen bestritten, obwohl bestimmte andere Ausgaben für die Kapelle darin sehr wohl auftauchen. Bereits Neugebauer: Hof (wie Anm. 16), 164, Anm. 96, weist darauf hin, dass darin jedoch über 8.700 Taler für “andere Königl. Bediente, so nicht zur Hoff-Staat gehören”, aufgeführt sind, darunter Cocceji, Knobelsdorff, Maupertuis und der Friedrich-Vertraute Fredersdorf. GstA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 115, Blatt 24. 1771-72 werden die Kammerherren unter den Ehrenämtern, 1785/86 jedoch als überhaupt nicht zum Hof gehörig klassifiziert, s. Nr. 131, Blatt 22 und Nr. 148, Blatt 12.

34 GstA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 149 (Etat der Königlichen Hof Staats Casse Pro Trinitatis 1795/6), Blatt 23 Dieser Ausgabenposten betrug immerhin über 12.000 Taler. Die Hofstaatsausgaben unter Friedrich Wilhelm II. schwankten zwischen jährlich 460.000 und 553.000 Talern, dazugerechnet werden müssen hier jedoch erhebliche Zusatzausgaben: So fielen allein für den vier Jahre dauernden Umbau der sogenannten Königskammern im Berliner Schloss von 1787 bis 1791 Ausgaben von etwa 660.000 Taler an. GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 149 sowie Goerd Peschken / Hans-Werner Klünner: Das Berliner Schloß. Unter Mitarbeit von Fritz-Eugen Keller und Thilo Eggeling, Berlin 1982, 74-99.

35 Die Einnahmen aus den neuen Auflagen flossen direkt in das der unmittelbaren Verfügung des Königs unterstehende Dispositionskassensystem, allein Friedrich II. und sein Hofstaatskassen-Rendant Buchholtz kannten also diese Summen. Es ist also nicht “bekannt, wieviel der König aus den zu seiner Verfügung stehenden Mitteln für Militär-, wieviel er für Zivilzwecke ausgab.” Behre: Geschichte (wie Anm. 21), 101-102. Etabliert wurde dieses System nach 1763 unter anderem mit Geldern aus den Höfen verstorbener Familienmitglieder, GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 576 und 593.

36 Jeroen Duindam hat dies jüngst wieder zu Recht betont: Duindam: Vienna and Versailles (wie Anm. 11), 45-89.

37 Dazu immer noch: Behre: Geschichte (wie Anm. 21).

38 Hans-Joachim Giersberg: Friedrich als Bauherr: Studien zur Architektur des 18. Jahrhunderts in Berlin und Potsdam, Berlin 1986, 82.

39 An anderen Höfen freilich belief sich die Zahl der Kammerherren zumindest in der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf mehrere hundert, so auf etwa 2.000 in Bayern um 1700, auf 460 in Dresden und auf über 2.000 in Wien, vgl. Duindam: Vienna and Versailles (wie Anm. 11), 71-75, sowie die Übersicht bei Bauer: Höfische Gesellschaft (wie Anm. 15), 90f. Für Preußen: Adres-Calender [sic], der Königl. Preuß. Haupt= und Residentz=Städte Berlin, und der daselbst befindlichen hohen und niederen Collegen, Instantzien und Expeditionen, auf das Jahr 1763. Herausgegeben mit Approbation der Königl. Preußischen Academie der Wissenschaften [im Folgenden: Adres-Calender]. 1763, 3f; Adres-Calender 1764, 3 f.; Adres-Calender 1772, 3-5; Adres-Calender 1773, 3-5; Adres-Calender 1785, 3-6; Adress-Kalender [sic] 1786, 13-19.

40 Dirk Finkemeier / Elke Rollig: Vom petit palais zum Gästehaus 1662-1998. Die Geschichte von Schloss und Park Schönhausen, hrsg. v. Kulturamt Pankow, Berlin 1998, 51-92.

41 Klaus Dorst / Stefan Schimmel: “Sibi et urbi” – die Berliner Residenz des Prinzen Heinrich, in: Prinz Heinrich (wie Anm. 17), 265-271, hier: 267. 1763-1764 wurde die Verwaltung der dem Prinzen Ferdinand zustehenden Güter und Einkünfte aus der prinzlichen Gesamtkammer herausgelöst und eine eigene Domänenkammer geschaffen, GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 3834. Vielfältige Ausgaben für Reparaturen, Umbauten und Neueinrichtungen der königlichen und prinzlichen Schlösser sind ab 1763 dokumentiert, so etwa für seidene Tapeten und Möbelstoffe vor allem für das Berliner Schloß und das zeremoniell häufig genutzte Charlottenburg, GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 1909, s. auch Nr. 2954/1, 2955, 2057. Zu Bauarbeiten und zur Einrichtung des St. Johanniterordens-Palais 1763-1764 Nr. 2957/1, zu Potsdamer Umbauten Nr. 3064-3066.

42 “Bei den meist auf königliche Kosten errichteten Häusern [...] achtete man nicht auf Ansprüche und Bequemlichkeit der Bewohner; die Verschönerung der Straßen und Plätze war für den königlichen Bauherren maßgeblich.”, Hans-Joachim Giersberg, Die Bauten Friedrichs des Großen, in: Johann Georg Prinz von Hohenzollern (Hg.): Friedrich der Große. Sammler und Mäzen, München 1992, 52-82, hier: 54.

43 Winfried Baer: Die Gold- und Silber-Tafelservice Friedrichs des Großen, in: Hohenzollern: Friedrich (wie Anm. 42), 286-297, hier: 286; Seidel, Silber- und Goldschatz (wie Anm. 24), 58, spricht von den beiden vereinigten Services als dem “Hauptglanzstück königlicher Prachtentfaltung“.

44 Paul Seidel: Die Insignien und Juwelen der preußischen Krone. Mit einer Einleitung von Reinhold Koser, in: Hohenzollern-Jahrbuch 17 (1913), 1-69, hier: 18; Christiane Keisch: Friedrich der Große und sein Porzellan, in: Hohenzollern: Friedrich (wie Anm. 42), 298-328, hier: 298-301.

45 Zur Bedeutung des Tafelzeremoniells: Hans Ottomeyer / Michaela Völkel (Hg.): Die öffentliche Tafel. Tafelzeremoniell in Europa 1300-1900, Berlin 2002. Einen neuen Überblick über das Königliche ‘Monopolunternehmen’ KPM bietet für die Jahre 1763 bis 1786 Arnulf Siebeneicker: Offizianten und Ouvriers. Sozialgeschichte der Königlichen Porzellan-Manufaktur und der Königlichen Gesundheitsgeschirr-Manufaktur in Berlin 1763-1880, Berlin / New York 2002, 20-29. Zur “Semantik des Materials”: Falcke: Geschenkwesen (wie Anm. 17), 265-272. Mit der zeremoniellen Nutzung von Porzellanen, die im Gegensatz zu Gold und Silber traditionell als geringerwertig veranschlagt wurden, setzte Friedrich durchaus einen eigenen Akzent in der höfischen Welt.

46 Dazu erarbeitet derzeit Claudia Terne (Berlin) eine Dissertation. Zum vielfältigen höfischen Theaterleben insgesamt, in dem Schauspiel und Musik vielfacht verschränkt waren, siehe auch Walter Rösler: “Die Canaillen bezahlet man zum Pläsir”. Die königliche Schaubühne zu Berlin unter Friedrich II. und Friedrich Wilhelm II., in: Georg Quander (Hg.): Apollini et Musis. 250 Jahre Opernhaus Unter den Linden, Frankfurt a. M. / Berlin 1992, 13-46.

47 Zur Wiederaufnahme des Redouten- und Spielbetriebs der Oper 1763/64: GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 2660 und 2661. Der Schriftwechsel des Sekretärs Stiegel mit Schmeling sowie den Sängern Cori und Verona über die Vorbereitungen zu den Karnevalsaufführungen 1774-1775 ist dokumentiert in Nr. 2774. Vgl. auch Ingeborg Allihn: “Öffentliche Schauspiele und Lustbarkeiten”. Das Berliner Musikleben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Carl Friedrich Christian Fasch (1736-1800) und das Berliner Musikleben seiner Zeit. Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz am 16. und 17. April 1999 im Rahmen der 6. Internationalen Fasch-Tage in Zerbst (= Fasch-Studien 7), hg. von der Internationalen Fasch-Gesellschaft e.V. Zerbst, Dessau 1999, 138-149, hier: 142. Keineswegs war die “Blütezeit der Musik am Hofe unter Friedrich II. [...] ebenso kurz wie intensiv” und bereits 1756 zu Ende, wie noch Wolfgang Goldhan: Die Musik unter Friedrich dem Großen, in: Hohenzollern: Friedrich (wie Anm. 42), 355-362, hier: 355, behauptete. Noch am 15. Juli 1785 wurde in Potsdam ein Kammerkonzert vor dem König gegeben, GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 2686.

48 Christoph Henzel: Carl Friedrich Christian Fasch als Hofmusiker, in: Fasch (wie Anm. 47), 72-80, hier: 76. Die Kosten für Musikkopien und Instrumentenreparaturen fielen nach dem Krieg offenbar geringer aus, was nach Henzel für eine Verringerung der musikalischen Aktivitäten spricht, jedoch müssten hier neben den Schatullausgaben noch andere Ausgabenposten systematisch durchgesehen werden.

49 Koser: Vom Berliner Hofe (wie Anm. 4), 3.

50 Völkel: Margravate (wie Anm. 6).

51 Zu Wien: Mark Hengerer: Kaiserhof und Adel in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Eine Kommunikationsgeschichte der Macht in der Vormoderne (= Historische Kulturwissenschaft 3), Konstanz 2004, 78-152.

52 Kommentar Friedrichs II. in einem Brief an Wilhelmine von Bayreuth vom 16. Oktober 1751, z itiert in: Koser: Vom Berliner Hofe (wie Anm. 4), 3.

53 So waren von den 31 Kammerherren, die der Hof des Königs 1772 zählte, 24 abwesend. Vgl. Adres-Calender 1772 (wie Anm. 39), 4-5. Zur Problematik der Anwesenheit und des “virtuellen Hofes” neben dem tatsächlich präsenten vgl. Hengerer: Kaiserhof (wie Anm. 51), 23, Anm. 76, 78-80, 111f. Zu Lucchesini und von der Goertz: Kunisch, Friedrich (wie Anm. 6), 462, 527.

54 Nicht vier, wie es bei Völkel: Margravate (wie Anm. 6), 228 heißt.

55 Die Zahlen im Adress-Kalender 1786 (wie Anm. 39), 9f. weichen von den Angaben im Hofstaatsetat ab, GStA PK, I. HA, Rep. 36, Nr. 138-139. Diese Diskrepanz könnte damit zusammenhängen, dass Friedrich nur wenige Ausgabenpositionen auch offiziell strich und stattdessen die Personalgelder vakanter Stellen weiter auszahlen ließ, um damit seine eigenen Dispositionsgelder aufzufüllen, s. Anm. 32.

56 Thomas Stamm-Kuhlmann: Der Hof Friedrich Wilhelms III. von Preußen 1797 bis 1840, in: Karl Möckl (Hg.): Hof und Hofgesellschaft in den deutschen Staaten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, Boppard 1990 (= Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit 19), 275-319; ders.: König in Preußens großer Zeit: Friedrich Wilhelm III. – der Melancholiker auf dem Thron, Berlin 1992.

57 Konter: Berliner Schloß (wie Anm. 26), 283-290.

58 Die Zahl der Kammerherren und Hofdamen von Elisabeth schwankte im gleichen Zeitraum zwischen drei und fünf, fiel aber auch nie aus dem Rahmen des in Preußen Üblichen: So hatte die Mutter Friedrichs, Sophie Dorothea, die gleiche Anzahl Hofdamen zur Verfügung gehabt, und nach 1786 hatten auch die Königinnen Friederike Luise und Luise nicht mehr. Die Zahl der Pagen war unter Luise sogar wesentlich geringer als unter Elisabeth Christine. Freilich müsste auch hier – wie bei den Kammerherren – noch näher geklärt werden, welche Funktionen die Hofdamen eigentlich hatten. Für den in dieser Hinsicht überhaupt gut untersuchten Wiener Hof des 17. Jahrhunderts leistete dies jüngst: Katrin Keller: Hofdamen. Amtsträgerinnen im Wiener Hofstaat des 17. Jahrhunderts, Wien / Köln / Weimar 2005, besonders 135-154.

59 So bereits Koser: Vom Berliner Hofe (wie Anm. 4), 3: Die Änderungen im Zuge des Regierungswechsels von 1740 hätten sich in Grenzen gehalten, vielmehr seien auch hier bereits Ämter am Hof der (neuen) Königin neubesetzt worden.

60 Sibylle Badstübner-Gröger: Aufgeklärter Absolutismus in den Bildprogrammen friderizianischer Architektur?, in: Martin Fontius (Hg.): Friedrich II. und die europäische Aufklärung (= Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte, N.F., Beihefte 4), 29-71, hier: 68.

61 Mit dem Bau des Gästehauses in Sanssouci und dem Charlottenburger Porzellanservice war die 1763 begonnene Reihe von Investitionen in Schlossbauten und ihre Ausstattung ersteinmal abgeschlossen. So investierte der König erst ein Jahrzehnt später erneut in eine Reihe von Porzellanen, zuletzt gab er noch im Juli 1786 ein Service in Auftrag. Vgl. Keisch: Porzellan (wie Anm. 44), 300.

62 Zitiert in: Gustav Berthold Volz: Ein österreichischer Bericht über den Hof Friedrichs des Großen, in: Hohenzollern-Jahrbuch 11 (1907), 270-274, hier: 271.

63 Zum Beispiel des Grafen zur Lippe, der ab Herbst 1789 auf die Erringung des Reichsfürstentitels setzte. Siehe Johannes Arndt: Monarch oder der “bloße Edelmann”? Der deutsche Kleinpotentat im 18. Jahrhundert, in: Ronald G. Asch / Johannes Arndt / Matthias Schnettger (Hg.): Die frühneuzeitliche Monarchie und ihr Erbe. Festschrift für Heinz Duchhardt zum 60. Geburtstag, Münster 2003, 59-90, hier: 59f.

64 Matthias Schnettger: Rang, Zeremoniell, Lehnssysteme: Hierarchische Elemente im europäischen Staatensystem der Frühen Neuzeit, in: Asch / Arndt / Schnettger: Frühneuzeitliche Monarchie (wie Anm. 63), 179-195, hier: 194.

65 Andrew Bisset (Hg.): Memoirs and papers of Sir Andrew Mitchell, K.B., Bd. 2, London 1850, 363f. Zur Rangerhöhung im Zuge der polnischen Teilung: Boris Olschewski: Zwangsinklusion durch Herrschaftswechsel – Besitzergreifungspatent und Erbhuldigungseid im Kontext der Ersten Teilung Polens und Litauens, in: Helga Schnabel-Schüle / Andreas Gestrich (Hg.): Fremde Herrscher – fremdes Volk. Inklusions- und Exklusionsfiguren bei Herrschaftswechseln in Europa (= Inklusion/ Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart 1), Frankfurt am Main 2006, 359-384, besonders 365f.

66 Gustav Berthold Volz: Eine türkische Gesandtschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64, in: Hohenzollern-Jahrbuch 11 (1907), 17-54.

67 Zitiert nach: Ebd., 40.

68 Neugebauer: Absolutismus (wie Anm. 16). Dazu auch Jürgen Luh: Der Prinz und die Politik, in: Prinz Heinrich (wie Anm. 17), 123f.; Wasilissa Pachamova-Göres: „Ich gestehe, dass kein fürstlicher Besuch mir angenehmer sein könnte, als der seinige...“. Prinz Heinrich in Russland 1770/1771 und 1776, in: Ebd., 177-89, sowie Biskup: Hidden queen (wie Anm. 4), 312f.

69 Falcke: Geschenkwesen (wie Anm. 17), 183-201. Zur Funktion des Geschenkwesens im zeremoniellen Verkehr überhaupt: Ebd., 293-311. Zur Nutzung von Kunstwerken durch Friedrich II. im Kontext der Verhandlungen vgl. Christoph Frank: Der friderizianische Kunsttransfer nach Russland. Zur Bedeutung Rembrandts und Georg Friedrich Schmidts, in: Wehinger: Geist (wie Anm. 14), 246-270, hier: 257-270.

70 Werner Gembruch: Prinz Heinrich von Preußen, Bruder Friedrichs des Großen, in: Johannes Kunisch (Hg.): Persönlichkeiten im Umkreis Friedrichs des Großen (= Neue Forschungen zur brandenburg-preussischen Geschichte 9), Köln / Wien 1988, 89-120, hier: 106-107.

71 Roderick E. McGrew: Paul I of Russia 1754-1801, Oxford 1992, 96-98. Detaillierter: Pierre Morane: Paul I er de Russie. Avant l’avènement, 1754-1796, Paris 1907, 173-178. Zu den Medaillen: Tassilo Hoffmann: Jacob Abraham und Abraham Abramson: 55 Jahre Berliner Medaillenkunst 1755-1810, Frankfurt am Main 1927, 103-105. Die Zeremonien sind beschrieben in: Ausführliche Beschreibung der Reise S.K.H. des Großfürsten Paul Petrowitz, von St. Petersburg an den Königl. Preuß. Hof nach Berlin, nebst den dabey vorgefallenen Feierlichkeiten und Freudensbezeigungen, wie auch der Reise I.K.H. der Prinzessin Sophie Dorothee Auguste Louise von Würtemberg-Stuttgart, verlobte Braut des Großfürsten, von Berlin nach Petersburg, Berlin 1776.

72 Dieudonné Thiébault: Frédéric, sa cour, les voyageurs, et les ministres étrangers, Paris 1804, 21-28.

73 Neugebauer: Hof (wie Anm. 16), 161, hingegen bezeichnet besonders Prinz Heinrichs herausgehobene Rolle als “systemwidrig” und geht damit noch über Gembruch: Prinz Heinrich (wie Anm. 70), 107, hinaus, der von “systemfremd” spricht. Tatsächlich lässt sich eine ähnliche Rolle des Hofes der Königin bis auf Friedrich Wilhelm I. zurückverfolgen, der – ebenso in durchaus bescheidenem Rahmen – der Königin besondere Funktionen in der Hofhaltung zumaß.

74 John Moore: A view of society and manners in France, Switzerland, and Germany. With anecdotes relating to some eminent characters, Bd. 2, London 1780, 179. Ähnliche Zitate auch in den Berichten französischer Gesandter, vgl. Volz: Bericht (wie Anm. 62).

75 Auch Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Berlin 1998 (Neudruck der Ausgabe 1983), 424-426, erwähnt die Berliner Oper nur am Rande. Auch Ernest E. Helm: Music at the court of Frederick the Great, Norman 1960, betont 70f. vor allem die Abneigung des späten Friedrich gegen neuere Musikrichtungen, wie sie Haydn und Mozart verkörperten.

76 Adress-Kalender 1786 (wie Anm. 39), 13-15.

77 Neugebauer: Hof (wie Anm. 16), 153, 164. Zur zentralen Rolle der Oper vor dem Siebenjährigen Krieg: Christoph Henzel: Zu den Aufführungen der großen Oper Friedrichs II. von Preußen 1740-56, in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz 1997, 47-53.

78 Die Brüder des Königs, Prinz Heinrich und Prinz Ferdinand, trugen jeweils 37.000 bis 40.000 Taler zur Ausstattung bei, während der König nur den Aufbau der Tribünen und das Diner zahlte. Vgl. Kurt von Schlözer: Chasot. Zur Geschichte Friedrichs des Großen und seiner Zeit, Berlin 1856, 114f.

79 In Sachsen-Coburg etwa wurde im Juni 1799 ein Besuch der Prinzessin Juliane, die als russische Großfürstin den Namen Anna Feodorowna trug, aus Kostengründen ganz abgesagt. Vgl. Carl-Christian H. Dressel: Ein “Pumpernickel-Staat”? Sachsen-Coburg im frühen 19. Jahrhundert, in: Franz Bosbach / John R. Davis (Hg.): Prinz Albert. Ein Wettiner in Großbritannien / Prince Albert. A Wettin in Britain (= Prinz-Albert-Forschung / Prince Albert Research Publications 22), München 2004, 37-50, hier: 42.

80 Peter H. Wilson: The German “soldier trade” of the seventeenth and eighteenth centuries. A reassessment, in: International History Review 18 (1996), 757-792.

81 Thomas Biskup: German court and French Revolution. Émigrés and the Brunswick court around 1800, in: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte 24/2 (2007), 61-87, hier: 67-69.

82 Selma Stern: Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen 6), Hildesheim / Leipzig 1921, 45. Lessings “Emilia Galotti” etwa wurde am Geburtstag der Herzoginmutter am Hoftheater uraufgeführt. Vgl. Wolfram Mauser: “Ich stehe für nichts”. Zur Uraufführung von G. E. Lessings “Emilia Galotti” am Hoftheater zu Braunschweig, in: 300 Jahre Theater in Braunschweig 1690-1990, hg. von der Stadt Braunschweig, Braunschweig 1990, 177-194, hier: 177-180. Zur Vielgestaltigkeit von Lessings Aufgaben in Hofnähe bis hin zu Schätzungen von Kunstwerken siehe auch Bernd Reifenberg: Lessing und die Bibliothek (= Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens 23), Wiesbaden 1995, insbesondere 36-40.

83 Bauer: Höfische Gesellschaft (wie Anm. 15), 96.

84 Ute Daniel: Hoftheater. Zur Geschichte der Höfe und des Theaters im 18. und 19. Jahrhundert, Stuttgart 1995, 100f. Vieles von dem, was für die Jahrzehnte nach 1763 als “aufgeklärter Absolutismus” bezeichnet worden ist, war nicht zuletzt eine Krisenbewältigungsstrategie mit den Zielen Ausgabenreduzierung und Einnahmeerhöhung. Preussen konnte und wollte seine Soldaten nicht vermieten wie andere Territorien, “Retablissement” und Priorität der Militärausgaben erlaubten aber keinen Spielraum für weitere Ausgaben.

85 Biskup: Hidden Queen (wie Anm. 4), 315f.

86 Glyn Redworth / Ferndando Checa: The kingdoms of Spain. The courts of the Spanish Habsburgs 1500-1700, in: Adamson: Courts (wie Anm. 6), 43-65, hier: 57, 61.

87 So habe Sophie Charlotte bei der Königskrönung von 1701 gegähnt – nach einer bestimmten historiographischen Lesart ist dies ebenso Ausdruck ihrer grundsätzlichen Kritik an höfischem Prunk wie die Sottisen Friedrichs II. Sophie Charlottes Austausch mit Leibniz und Toland wird dementsprechend gegen den Hof Friedrichs I. in Stellung gebracht, Lietzenburg-Charlottenburg wird so zum Sanssouci avant la lettre und Sophie Charlotte zur “vollkommene[n] philosophische[n] Königin“, so bei K. Ghayegh-Pisheh: Sophie Charlotte von Preussen: Eine Königin und ihre Zeit, Phil. Diss. Stuttgart 2000, 246. 1810 bemerkte Augusta von Sachsen-Coburg-Gotha anlässlich der Hochzeitsreise von Theresa von Sachsen-Hildburghausen in ihrem (unveröffentlichten) Tagebuch, es gebe nichts Ermüdenderes als einen Staatsbesuch, der viel Herumgerenne, inhaltslose Unterhaltungen und Kleiderwechsel mit sich bringe und einen Tag wie zehn andere erscheinen lasse. Ich verdanke diesen Hinweis Clarissa Campbell-Orr (Cambridge).

88 So etwa Äußerungen Friedrichs im Politischen Testament von 1768, das nach der Scheidung seines präsumptiven Nachfolgers Friedrich Wilhelm (II.) von seiner ersten Frau verfasst wurde: Hier fasst der König seine Warnungen vor “Geldausgeben”, “Wohlleben” und “Luxus” zusammen mit der Mahnung: “Bleiben wir bei der Mäßigkeit, erhalten wir uns unseren Adel und unsere guten Eigenschaften, oder wenn Ihr wollt, unsere deutschen Tugenden.” Zitiert in: Oppeln-Bronikowsky: Testamente (wie Anm. 10), 190. Zur Zentralität des “Maßhaltens” in Herrscherbild und Fürstenspiegeln bis in die Ära der Französischen Revolution: Heinz Duchhardt: Das protestantische Herrscherbild des 17. Jahrhunderts im Reich, in: Konrad Repgen (Hg.): Das Herrscherbild im 17. Jahrhundert (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte e.V. 19), Münster 1991, 26-42; Hans-Otto Mühleisen / Theo Stammen / Michael Philipp (Hg.): Fürstenspiegel der frühen Neuzeit (= Bibliothek des deutschen Staatsdenkens 6), Frankfurt am Main / Leipzig 1997, 521-734.

89 Zu letzterem insbesondere Gerhild H. M. Komander: Der Wandel des “Sehepuncktes“. Die Geschichte Brandenburg-Preußens in der Graphik von 1648-1810 (= Kunstgeschichte 44), Münster / Hamburg 1995, 250-347.

90 Sven Externbrink: Friedrich der Große, Maria Theresia und das Alte Reich. Deutschlandbild und Diplomatie Frankreichs im Siebenjährigen Krieg, Berlin 2006, 61-71, 154-220. Immer noch wichtig zum Preußenbild in Frankreich 1763-1786: Stephan Skalweit: Frankreich und Friedrich der Große. Der Aufstieg Preußens in der öffentlichen Meinung des "Ancien Régime" (= Bonner Historische Forschungen 1), Bonn 1952, 101-177.

91 Dieser Gefahr scheint Michael Stürmer: Abgesang auf das Ancien Régime oder: die Suche nach der Glückseligkeit. Wie Privatheit und Klassizismus den Staat veränderten, in: Ottomeyer / Völkel: Tafel (wie Anm. 45), 112-117, zu erliegen.

92 Biskup: German court (wie Anm. 81), 82-85.

93 Beales: Clergy (wie Anm. 32), 84 (zu Joseph II.), 101-104 (zu Leopold II. und Franz II.). Der Umfang des Wiener Hofes wurde generell nicht so radikal verringert, wie die persönliche Austerität des Kaisers vermuten ließe, Duindam: Vienna and Versailles (wie Anm. 11), 73.

94 Auch die dynastische Besiegelung des russischen Bündnisses 1776 blieb ein einmaliger Erfolg; für ein kontinuierliches Mitspielen auf der höchsten europäischen Ebene fehlten Preußen die Ressourcen. Dementsprechend besaß der Berliner Hof kaum Anziehungskraft über die Grenzen Preußens hinaus: Bis auf die Herzöge von Braunschweig, die durch vielfache Heiraten und Offiziersstellen in der Armee seit den 1730er Jahren eng an das Haus Hohenzollern gebunden waren, gab es praktisch keine deutschen Reichsfürsten, die hier dauerhaft präsent waren.

95 Oppeln-Bronikowski: Testamente (wie Anm. 10), 219.

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PSJ Metadata
Thomas Biskup
Höfisches Retablissement: Der Hof Friedrichs des Großen nach 1763
Der Hof blieb auch für Friedrich den Großen unabdingbar, um im höfisch strukturierten Europa des 18. Jahrhunderts Politik machen zu können. Finanzierung, Personaldecke und Infrastruktur des friderizianischen Hofes waren auch im Vergleich zu anderen Höfen beträchtlich, und Zeremoniell strukturierte den höfischen Alltag wie den Verkehr mit auswärtigen Fürstlichkeiten, für die bei Bedarf erheblicher Pomp entwickelt werden konnte. Dabei wurden auch die Berliner Höfe der Gemahlin und der Geschwister Friedrichs in Dienst genommen. Anders als das lange gepflegte Bild vom “Alten Fritz“ suggeriert, hat Friedrich II. nach den Belastungen des Siebenjährigen Krieges die Berlin-Potsdamer Hoflandschaft mit enormem finanziellem Aufwand wieder auf- und umgebaut; eine Entwicklung, deren Höhepunkt um 1770 erreicht ist. Auch wenn man so für die Zeit nach dem Frieden von Hubertusburg von einem Höfischen Retablissement sprechen kann, bleibt festzuhalten, dass der Hof Friedrichs II. eher im Rahmen der mittelgroßen Höfe Europas zur verorten ist.
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Deutschland / Mitteleuropa allgemein
Kultur- und Mentalitätsgeschichte, Politikgeschichte
18. Jh.
4007955-7 4047194-9 118535749 4000464-8 4025453-7 4122200-3
Berliner Hoflandschaft, Hofausgaben, höfisches Zeremoniell, Hofchargen, Großfürst Paul
Brandenburg (4007955-7), Preußen (4047194-9), Friedrich II., Preußen, König (118535749), Adel (4000464-8), Hof (4025453-7), Höfische Kultur (4122200-3)
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Th. Biskup: Höfisches Retablissement
In: Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe „Friedrich300“ vom 28./29. September 2007, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 1)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/biskup_retablissement
Veröffentlicht am: 27.10.2008 11:15
Zugriff vom: 25.03.2017 02:58
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