Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

    Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet. Heft 31: Die Urkunden und Briefe aus den Archiven und Bibliotheken der deutschen Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der skandinavischen Länder (Claudia Rotthoff-Kraus)

    Francia-Recensio 2017/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet. Heft 31: Die Urkunden und Briefe aus den Archiven und Bibliotheken der deutschen Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der skandinavischen Länder, bearb. von Eberhard Holtz, Wien, Köln, Weimar (Böhlau) 2016, 310 S., ISBN 978-3-205-79419-6, EUR 40,00.


    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Claudia Rotthoff-Kraus, Aachen

    Der Band ist ein Vermächtnis. Der Bearbeiter Eberhard Holtz verstarb am 3. März 2016 im Alter von 60 Jahren. Seit 1992 leitete er die Berliner Arbeitsstelle der Regesten-Edition Kaiser Friedrichs III. und erarbeitete selbst die Hefte 10: Land Thüringen (1996), 16: Land Sachsen-Anhalt (2002), 21: Republik Polen (2006) und 26: Tschechische Republik (2012). Weitere Hefte u. a. zu Westfalen, befanden sich in teilweise weit fortgeschrittener Vorbereitung. Das hier angezeigte 31. Heft wurde nun leider sein letztes.

    Die gewohnt sorgfältige Einleitung stellt die Fundorte der Stücke vor und bietet dem Nutzer reiche Hinweise zu ihrer historischen Einordnung. Der Bearbeiter konnte insgesamt 408 Urkunden und Briefe Friedrichs III. nachweisen, davon 108 im Original. Weitere 129 Stücke sind als Abschriften erhalten, 126 Urkunden und Briefe konnten als Deperdita erschlossen werden. Diese Erschließung (noch) nicht aufgefundener Nachrichten dient dazu, die schriftlichen Zeugnisse des Habsburgers möglichst umfassend zu dokumentieren. Nahezu zwei Drittel der hier veröffentlichten Schriftstücke sind bisher in den Friedrich-Regesten noch nicht erfasst, zwölf nur abschriftlich bekannte Quellen konnten nun im Original nachgewiesen werden.

    Diese Ausbeute verdankt sich in kaum zu unterschätzendem Ausmaß einigen leider nicht selbstverständlichen pragmatischen Rückführungsaktionen über ideologische Grenzen hinweg. Von kriegsbedingten Auslagerungsorten auf dem Gebiet der späteren DDR gelangten große Teile der Archivalien der Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck zunächst in die Sowjetunion, dann teilweise in die DDR zurück, die sie 1987 den Eigentümern zurückerstattete. 1990 gelang dann schließlich auch noch die Rückführung weiterer Lübecker Bestände aus der damaligen Sowjetunion. Damit war der weitaus größte Teil der Archivalien der drei alten Hansestädte wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Dennoch wird man davon ausgehen müssen, dass ca. 10% der Bestände verloren sind. Der Bearbeiter war erfolgreich bemüht, möglichst viele der verlorenen Stücke mit Hilfe älterer Nachweise zu regestieren.

    Hauptnutznießer der Rückführungen war das Archiv der Hansestadt Lübeck, das mit 235 Nachweisen auch mehr als die Hälfte der Regesten des Bandes beisteuerte. Die meisten ließen sich nur dank der Rückführungen erstellen bzw. auf besseren Überlieferungen fundieren. Es wären noch mehr, wenn nicht für Lübeck ein Bestand, der zahlreiche Mandate Friedrichs III. enthielt, zu den Kriegsverlusten zu zählen wäre.

    Während die Lübecker Verluste nunmehr dank der Rückführungen weniger gravierend zu sein scheinen, werden sich die Verluste des alten Archivs der Hansestadt Hamburg nicht mehr mildern lassen. Im Mai 1842 wurde ein Großteil der mittelalterlichen Aktenbestände mit der ganzen Stadt Opfer einer verheerenden Brandkatastrophe. Nur die Urkunden in der für Hamburg seit 1293 nachweisbaren und an einem (brand-)sicheren Ort bewahrten Threse/Trese überstanden das Inferno. Für Hamburg wäre ohne diesen Brand ein mit Lübeck vergleichbarer Befund zu erwarten gewesen. Auch hier erschloss der Bearbeiter mit Hilfe älterer Nachweise und Drucke so manches Stück, sodass das Staatsarchiv Hamburg mit 57 Urkunden und Schreiben Friedrichs III. nach Lübeck mit Abstand die zweite Stelle einnimmt.

    Das Schleswig-Holsteinische Landesarchiv in Schleswig sowie das Archiv der Hansestadt Bremen fallen mit zwölf bzw. zehn Stücken deutlich ab. Der mit 50 Stücken relativ hohe Befund der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen – die entsprechende Institution in Hamburg kann hier nur vier Kopien aufweisen − verdankt sich dem Umstand, dass die Stadt Bremen im Jahre 1646 aus der Bibliothek des Schweizer Humanisten und Juristen Melchior Goldast von Haiminsfeld (1578–1635) unter anderem die Sammlung »Novellae Imperatoriae« (auch eine zurückerstattete kriegsbedingte Auslagerung) erwarb, die mit zahlreichen Abschriften von Kaiserurkunden diese hohe Ausbeute an »Friederichen« beisteuerte. Sie betreffen überwiegend außerhalb der Region verortete Zusammenhänge, weisen aber doch einige Stücke nach, deren Originalüberlieferung in den Friedrich-Regesten noch nicht erfasst ist.

    Bezüglich der Erschließung der Urkunden der skandinavischen Länder konnte der Bearbeiter auf Vorarbeiten aus den 1980er Jahren zurückgreifen. Die weit fortgeschrittene Erschließung der mittelalterlichen Überlieferung lässt für Finnland, Island und Norwegen Urkunden Friedrichs III. mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Dänemark bot mit 18 aus dem Reichsarchiv Kopenhagen stammenden Stücken die üppigste Ausbeute der skandinavischen Archive. Die drei nordischen Königreiche Dänemark, Schweden und Norwegen waren seit 1397, mit Unterbrechungen bis ins 16. Jahrhundert hinein, in Personalunion unter dem dänischen Königtum in der Kalmarer Union vereinigt. Dass zur Regierungszeit Friedrichs III. zwei dänische Könige, der Wittelsbacher Christoph III. von Pfalz-Neumarkt (1440–1448) sowie der Oldenburger Christian I. (1448–1481) dynastische Verbindungen ins Reich unterhielten, schlug sich im Reichsarchiv Kopenhagen mit der nach Lübeck zweithöchsten Zahl an Originalen (16) nieder. Im schwedischen Reichsarchiv Stockholm konnten zehn Stücke, überwiegend den Deutschen Orden und Livland betreffend, nachgewiesen werden. Sie wurden im 17. Jahrhundert aus den dortigen schwedisch besetzten Gebieten mitgenommen. Die Universitätsbibliothek Uppsala barg drei weitere Kopien.

    Die Regesten sind mit der für den Bearbeiter und das Gesamtprojekt gewohnten Sorgfalt erarbeitet worden. Sie identifizieren die Siegel und erschließen die Kanzleivermerke. Zahlreiche Regesten bieten dem Nutzer in sorgfältigen Kommentaren und Anmerkungsapparaten gründliche Kenntnisse der historischen Zusammenhänge und Personen und weisen weiterführende Literatur nach. Ein zuverlässiges Register lässt den Nutzer so gut wie nie im Stich.

    Inhaltlich nehmen, wie gesagt, die Beziehungen zwischen Friedrich III. und Lübeck den breitesten Raum ein. Lübeck war die einzige echte Reichsstadt der Region, häufige Gesandtschaften pflegten den Kontakt zum Kaiserhof, die Stadt erhielt Gerichts- und Zollprivilegien und durfte aus wirtschaftlichen Gründen auch zu Geächteten Kontakte aufrechterhalten, zahlreiche Dokumente betreffen Prozesse vor dem Kammergericht, in die die Stadt involviert war. Aber auch Kaiser Friedrich wusste die Ressourcen der Stadt für sich einzusetzen, immer wieder wurde sie nachdrücklich zur Stadtsteuer herangezogen, die Friedrich III. dann nutzte, um seinerseits finanzielle Verpflichtungen zu bedienen oder Personen zu belohnen. Zu den Begünstigten gehörte u. a. seine Schwester Margarethe, Ehefrau Kurfürst Friedrichs II. von Sachsen. Die Hansestadt Hamburg gehörte ebenfalls zu den wichtigsten Handlungsträgern der Region, Stadtherren waren aber die Grafen von Holstein. Die Stadt nahm zwar gerne kaiserliche Privilegien entgegen, versuchte aber mit wechselndem Erfolg, Steuern und Hilfsleistungen, so gegen Herzog Karl von Burgund, zu verweigern.

    Insbesondere mit Christian I. von Dänemark (1448–1481), Herzog von Schleswig und Holstein, Graf von Oldenburg, verbanden Friedrich enge Beziehungen. Vor allem in den Jahren 1473 und 1474 ergingen, oftmals vermittelt durch Kurfürst Albrecht von Brandenburg, zahlreiche Privilegien zugunsten Christians, die der weiteren Sicherung von dessen Herrschaft im norddeutschen Raum dienen sollten (u. a. Belehnung mit Dithmarschen, Erhebung Holsteins zum Herzogtum im Februar 1457 (n. 248 und n. 257). Als Christian wenige Monate später eine (Pilger-)Reise nach Italien unternahm, bevollmächtigte Friedrich ihn, dort an seiner statt drei in Bezug auf Herkunft und Verdienst besonders ausgezeichnete Personen zur Grafenwürde zu erheben. Im Vorfeld des drohenden burgundischen Einfalls in das Erzstift Köln führte Christian I. bald darauf weitgespannte Verhandlungen, u. a. mit dem französischen König Ludwig XI., um im Sinne Friedrichs ein antiburgundisches Bündnissystem zu errichten (vgl. n. 307).

    Nachdem Elfie-Marita Eibl in früheren Bänden bereits Mecklenburg-Vorpommern und die historische Provinz Pommern (Heft 20, 2004) sowie die historischen Landschaften Preußen und Livland (Heft 24, 2010) erschlossen hatte, und ein weiteres Heft mit Stücken aus den Archiven und Bibliotheken des deutschen Bundeslandes Niedersachsen bald erscheinen soll, wäre mit dieser letzten hervorragenden Arbeit von Eberhard Holtz nunmehr der gesamte Ost- und Nordseeraum für die Friedrich-Regesten erschlossen.

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

    PSJ Metadata
    Claudia Rotthoff-Kraus
    Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet
    Heft 31: Die Urkunden und Briefe aus den Archiven und Bibliotheken der deutschen Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der skandinavischen Länder
    de
    CC-BY-NC-ND 4.0
    Spätes Mittelalter (1350-1500)
    Deutschland / Mitteleuropa allgemein, Skandinavien, Nordeuropa
    Politikgeschichte
    15. Jh.
    1440-1493
    Friedrich III., Heiliges Römisches Reich, Kaiser (118535773), Königsurkunde (4140893-7)
    PDF document holtz_rotthoff_kraus.doc.pdf — PDF document, 269 KB
    Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet. Heft 31: Die Urkunden und Briefe aus den Archiven und Bibliotheken der deutschen Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der skandinavischen Länder (Claudia Rotthoff-Kraus)
    In:
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2017-2/ma/holtz_rotthoff_kraus
    Veröffentlicht am: 13.06.2017 15:18
    Zugriff vom: 20.08.2017 00:30
    abgelegt unter: