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    J. Madignier, Fasti Ecclesiae Gallicanae. T. 15: Diocèse de Chalon-sur-Saône ; V. Tabbagh, Fasti Ecclesiae Gallicanae. T. 16: Diocèse d’Auxerre (Rolf Große)

    Francia-Recensio 2017/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Jacques Madignier, avec la collaboration de Jean-Michel Matz, Fasti Ecclesiae Gallicanae. Répertoire prosopographique des évêques, dignitaires et chanoines des diocèses de France de 1200 à 1500. T. 15: Diocèse de Chalon-sur-Saône, Turnhout (Brepols), 2016, X–417 p., n/b ill., ISBN 978-2-503-56707-5, 65,00 EUR; Vincent Tabbagh, avec la collaboration de Sylvain Aumard, Fabrice Henrion, Jean-Vincent Jourd’heuil, Jean-Michel Matz, Christian Sapin, Laurent Vallière, Patrice Wahlen, Fasti Ecclesiae Gallicanae. Répertoire prosopographique des évêques, dignitaires et chanoines des diocèses de France de 1200 à 1500. T. 16: Diocèse d’Auxerre, Turnhout (Brepols), 2016, X–606 p., n/b ill., ISBN 978-2-503-56677-1, 65,00 EUR.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Rolf Große, Paris

    Auf die 2015 erschienenen »Fasti«der Diözese Châlons-en-Champagne folgen zügig die Bände zu Chalon-sur-Saône (Kirchenprovinz Lyon) und Auxerre (Kirchenprovinz Sens). Den Vorgaben der Reihe entsprechend, bieten sie zunächst einen historischen und institutionellen Überblick zur Geschichte von Diözese und Bischofsstadt, dem ein weit umfangreicherer prosopografischer Teil mit Notizen zu den Bischöfen und Kanonikern folgt.

    Chalon wurde bereits im dritten Viertel des 2. Jahrhunderts christianisiert, zu einer Zeit, da das Martyrium des Marcellus, über dessen Grab im 6. Jahrhundert eine Basilika errichtet wurde, eine Bekehrungswelle auslöste und zur Entstehung einer kleinen Gemeinde führte. Ein eigener Bischof ist erst seit der Mitte des 5. Jahrhunderts belegt, als im südlichen Teil der ausgedehnten Diözese Autun eigene Bistümer in Nevers, Mâcon und Chalon entstanden; vgl. »Fasti Ecclesiae Gallicanae«, Bd. 12. Mit einer Ausdehnung, die von Westen nach Osten 65 km und von Norden nach Süden 110 km nicht überschritt, war das Diözesangebiet recht eng begrenzt und umfasste mit der rechts der Saône gelegenen Bresse auch Reichsgebiet. Seit dem späten 12. Jahrhundert war es in vier Archidiakonate gegliedert, dessen Grenzen im ältesten überlieferten Einkünfteverzeichnis (pouillé) aus dem Jahr 1362 verzeichnet sind. Ihm können wir entnehmen, dass die Diözese zu jenem Zeitpunkt mehr als 200 Pfarreien umfasste, von denen mehr als die Hälfte im Archidiakonat Chalon lag.

    Wenn die kirchliche Landschaft Burgunds stark monastisch geprägt war, so gilt dies in besonderem Maß für das Bistum Chalon, das mit Tournus, Saint-Pierre de Chalon, Cîteaux, La Ferté und Maizières fünf bedeutende Mönchsklöster sowie zwei Nonnenklöster zählte. Die älteren Kanonikerstifte gerieten alle in Abhängigkeit von Abteien und wurden in Priorate umgewandelt, wie etwa Saint-Marcel-lès-Chalon; erst im 13., 14. und 15. Jahrhundert kam es zu vier Neugründungen. Die Lebensform des Kanonikers war im Bistum Chalon-sur-Saône also nur schwach ausgeprägt.

    Eine Kathedrale ist seit der Mitte des 6. Jahrhunderts belegt und befand sich, angelehnt an die gallo-römische Mauer im Nordosten des castrum, immer an derselben Stelle. Unter den Suffraganen der Kirchenprovinz Lyon nahm der Bischof von Chalon den dritten Rang ein. Da seine Kirche zur Krondomäne zählte, stand dem Kapetinger das Recht zu, den Bischofsstuhl zu besetzen. Vor dem Hintergrund der Gregorianischen Reform gelang es dem Domkapitel jedoch bereits 1079, das Wahlrecht an sich zu ziehen und bis ins frühe 14. Jahrhundert zu wahren, bevor der Bischofsthron zum Spielball des Papstes, des französischen Königs und des Herzogs von Burgund wurde. Ein Offizial ist seit dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts belegt. Bereits im späten 12. Jahrhundert hatte sich das Domkapitel zu einem selbständigen Gremium entwickelt, dessen Besitzungen Papst Alexander III. 1180 unter päpstlichen Schutz stellte (JL 13673). War das Bistum vakant, oblag seine Verwaltung dem Domkapitel, das auch einen eigenen officialis sede vacante bestellte. An seiner Spitze stand seit dem Ausgang des 11. Jahrhunderts ein Dekan. Die Zahl der Mitglieder schwankte und wurde im ausgehenden Mittelalter auf 25 festgesetzt.

    Dem institutionellen Überblick folgen Abschnitte zur Kathedrale, dem Kanonikerviertel, der Residenz des Bischofs und den Friedhöfen in Chalon. Hinweise zu den handschriftlich überlieferten Quellen sowie eine Bibliografie, in der Wilhelm Wiederhold, Papsturkunden in Frankreich, Bd. 1, Città del Vaticano 1985 (wie auch im Band zu Auxerre) leider fehlt, beschließen den ersten Teil. Im Mittelpunkt des umfangreichen prosopografischen Abschnitts stehen Notizen zu den Bischöfen von Robert (1185–1215) bis Andreas de Popeto (1480–1503).

    Ebenfalls in Burgund gelegen ist Auxerre, für dessen Geschichte sich die Forschung seit jeher in weitaus stärkerem Maße interessiert als für Chalon-sur-Saône. Dazu mag auch beigetragen haben, dass wir mit den »Gesta episcoporum Autissiodorensium« über eine aussagekräftige Quelle zu den Bischöfen verfügen und die Kathedrale Saint-Étienne archäologisch bestens erforscht ist. Der Verlust zahlreicher Dokumente in der Revolution wird dadurch aufgewogen, dass Jean Lebeuf (1687–1769) als Mitglied des Domkapitels vieles einsehen und für seine zweibändige, 1743 erschienene Geschichte von Auxerre auswerten konnte.

    Als erster sicher bezeugter Bischof gilt Valerian, der im Jahre 346 erwähnt wird. Bischof Amator (386–418) verlegte die Kathedrale an ihren heutigen Standort, wo sie vermutlich seit der Karolingerzeit mit den Kirchen Sainte-Marie und Saint-Jean als Kathedralgruppe einen Gegenpol zur Abtei Saint-Germain bildete.

    Der Ende des 5. Jahrhunderts vorgenommenen Teilung der civitas Autissiodorum verdankt die Diözese ihren mittelalterlichen Umfang: Sie umfasste den nördlichen, fränkischen Teil der civitas, während die südliche Hälfte, die zum burgundischen Reich zählte, fortan die Diözese Nevers bildete. Das Bistum, für das sich am Ausgang des Mittelalters immerhin zwölf Kanonikerstifte nachweisen lassen, zählte zwar nur zwei Archidiakonate mit rund 200 Pfarreien, aber im Hinblick auf die Einkünfte, die dem Bischof zustanden, rangierte es in der Spitzengruppe innerhalb der französischen Kirche.

    Im Unterschied zu Chalon stand in Auxerre ein starker und wohlhabender Bischof, der beanspruchte, seine Temporalien seien ihm nicht vom König, sondern von Gott verliehen worden, einem an Einfluss und Ressourcen schwachen Domkapitel gegenüber, das allerdings während der Sedisvakanz die Verwaltung übernahm. Der Graf von Auxerre war ebenso Lehnsmann des Bischofs wie der König für die Burgherrschaft von Gien. Erst 1204 erließ ihm der Bischof die Verpflichtung, das Homagium zu leisten, nachdem der König auf seine Gastungsrechte in Auxerre verzichtet hatte.

    Einem Diplom Ludwigs des Frommen von 819 (MGH D LdF Nr. 168) ist zu entnehmen, dass das Domkapitel bereits früh über ein Sondervermögen verfügte. An der Wende zur Neuzeit standen ihm 59 Pfründen zu. Das gemeinschaftliche Leben hatten die Kanoniker damals schon lange aufgegeben: Zu Beginn des 13. Jahrhunderts beschränkte es sich auf eine gemeinsame Mahlzeit, jeweils vor Beginn der Adventszeit. Das Kapitel, das spätestens seit 1205 über ein eigens Siegel verfügte, trat dreimal in der Woche zusammen. Entscheidungen von grundlegender Bedeutung waren dem Generalkapitel vorbehalten, das sich zweimal im Jahr versammelte. Was Sitzungen angeht, zeichnete sich das Kapitel durch einen hohen Organisationsgrad aus. An seiner Spitze stand zunächst der Propst, dessen Würde jedoch 1166 vom Bischof abgeschafft wurde; seitdem leitete der Dekan das Kapitel.

    Wie im Band zu Chalon sind der Kathedrale und dem Kanonikerviertel eigene Abschnitte gewidmet, ferner der Kapelle Notre-Dame-des-Vertus, der Achsialkapelle der Kathedrale, in der eine wundertätige Marienstatue verehrt wird. Auf die Bibliografie folgt der prosopografische Teil, der mit Angaben zu 34 Bischöfen besonders reich ausfällt.

    Auch diese beiden Bände der »Fasti« sind grundlegende Werke zur Erforschung der französischen Kirchengeschichte. Man darf dem Unternehmen wünschen, dass es auf demselben hohen wissenschaftlichen Niveau weiter voranschreitet.

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    PSJ Metadata
    Rolf Große
    Fasti Ecclesiae Gallicanae
    Répertoire prosopographique des évêques, dignitaires et chanoines des diocèses de France de 1200 à 1500
    de
    CC-BY-NC-ND 4.0
    Hohes Mittelalter (1050-1350), Spätes Mittelalter (1350-1500)
    Frankreich und Monaco
    Kirchen- und Religionsgeschichte
    Mittelalter
    1200-1500
    Frankreich (4018145-5), Bischof (4006949-7), Biografie (4277121-3), Diözese (4070487-7), Würdenträger (4244187-0), Domkapitular (4138339-4)
    J. Madignier, Fasti Ecclesiae Gallicanae. T. 15: Diocèse de Chalon-sur-Saône ; V. Tabbagh, Fasti Ecclesiae Gallicanae. T. 16: Diocèse d’Auxerre (Rolf Große)
    In:
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2017-2/ma/fasti-ecclesiae-chalon-auxerre_grosse
    Veröffentlicht am: 13.06.2017 15:18
    Zugriff vom: 20.08.2017 00:28
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