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    Heresy and Inquisition in France, 1200–1300 (Kathrin Utz Tremp)


    Francia-Recensio 2017/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Heresy and Inquisition in France, 1200–1300. Selected sources translated and annotated by John H. Arnold and Peter Biller, Manchester (Manchester University Press) 2016, 480 p. (Manchester Medieval Sources), ISBN 978-0-7190-8131-6, EUR 90,00 GBP.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Kathrin Utz Tremp, Freiburg (Schweiz)

    Während die einen – so Robert I. Moore und Mark G. Pegg – die Realität insbesondere der katharischen Häresie überhaupt bestreiten, geben die anderen – so Peter Biller und seine Schüler – fleißig neue Quellen heraus1, und das Letztere ist wohl vorzuziehen. Und neue Quellen zur Häresie und Inquisition gibt es tatsächlich genug zu entdecken. Nach einem gewichtigen Band über »Inquisitors and Heretics in Thirteenth-Century Languedoc: Edition and Translation of Toulouse Inquisition Depositions, 1273–1282«, den Peter Biller 2011 zusammen mit Caterina Bruschi und Shelagh Snedden herausgegeben hat, kommt nun der anzuzeigende neue Band, der das ganze 13. Jahrhundert abdeckt und in dem nicht nur Süd-, sondern auch Nordfrankreich berücksichtigt ist, insbesondere die Inquisitionen um Robert le Bougre. Der Band ist nach Gattungen aufgeteilt: I: »Heretics’ texts« (Nr. 1–2); II: »Chronicles«(Nr. 3–9); III: »Treatises« (Nr. 10–15); IV: »Sermons«(Nr. 16–19); V: »Letters and papal bulls«(Nr. 20–28); VI: »Councils and statutes«(Nr. 29–32); VII: »Legal consultations and inquisitors’ manuals«(Nr. 33–40); VIII: »Inquisition trials«(Nr. 41–57). Jeder Teil und jedes Quellenstück wird sorgfältig eingeführt und kommentiert. Es werden zwar lediglich Übersetzungen gegeben – was beim heutigen Stand der Lateinkenntnisse wohl realistisch ist –, aber die Originaltexte und auch Kommentare dazu lassen sich aufgrund der beigegebenen Literaturaufgaben leicht auffinden.

    Das Ganze hat den Charakter eines Studienbuchs, das sich leicht auch für die universitäre Lehre verwenden lässt, in Fortführung des von Walter L. Wakefield und Austin P. Evans herausgegebenen älteren Standardwerks, »Heresies of the High Middle Ages«(New York 21991). Hinzuweisen ist vor allem auf die Dokumentation um das in der Forschung umstrittene häretische Konzil von Saint-Félix (1167), das lediglich in einem Dokument von 1660 bzw. in einem Vidimus von 1223 überliefert, aber wahrscheinlich doch echt ist (Nr. 1). Unter den Chroniken finden sich Quellenstücke zu den Inquisitionen von Robert le Bougre in Nordfrankreich, von denen – ähnlich wie von denen Konrads von Marburg in Deutschland – keine Inquisitionsakten erhalten sind.

    Sehr interessant auch die »Sermons«(Nr. 16–19) und insbesondere die »Letters and Papal Bulls«. Die berühmtesten (Ad abolendam1184, Vergentis in senium1199 und Ad extirpanda1252) werden freilich nicht gegeben, wohl aber unbekanntere, wiederum mit einem Fokus auf Robert le Bougre. Die Sektion VII führt dann zu den Handbüchern der Inquisitoren, die man sich nicht so umfassend vorstellen muss wie Bernard Gui’s »Treatise on the Practice of Inquisition«, der bereits aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts stammt, als die Häresie in Südfrankreich weitgehend ausgerottet war, sondern eher als Anthologien von nützlichen und wichtigen Texten. Und schließlich in Sektion VII Auszüge aus Inquisitionsakten, in denen nicht selten ganz interessante Einzelschicksale zur Sprache kommen (Nr. 43: »Marquesa the spy, 1243«; Nr. 46: »Imbert of Salles, 1244: Montségur and the massacre of the inquisitors at Avignonet«), Texte, die jedoch mit der nötigen Vorsicht zu lesen sind. Oder auch der geplante Anschlag auf das Inquisitionsarchiv in Carcassonne von 1284, der nicht gelingen kann, weil der Mann, der ihn durchführen soll, nicht lesen kann (Nr. 51). Alles in allem ein Quellen- und Studienband, auch für die universitäre Lehre, den man nachdrücklich empfehlen darf.

    1 Zu dieser Debatte siehe: Antonio Sennis (ed.), Cathars in Question, York 2016 (Heresy and Inquisition in the Middle Ages, 4).

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    PSJ Metadata
    Kathrin Utz Tremp
    Heresy and Inquisition in France, 1200–1300
    de
    CC-BY-NC-ND 4.0
    Hohes Mittelalter (1050-1350)
    Frankreich und Monaco
    Kirchen- und Religionsgeschichte
    13. Jh.
    1200-1300
    Frankreich (4018145-5), Häresie (4022838-1), Inquisition (4027106-7)
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    Heresy and Inquisition in France, 1200–1300 (Kathrin Utz Tremp)
    In:
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2017-2/ma/arnold_utz-tremp
    Veröffentlicht am: 13.06.2017 15:17
    Zugriff vom: 20.08.2017 00:32
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