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    P. Gretzel, Regesten Kaiser Friedrichs III. (Joachim Kemper)

    Francia-Recensio 2015/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet, Heft 30: Die Urkunden und Briefe des Österreichischen Staatsarchivs in Wien, Abt. Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Allgemeine Urkundenreihe, Familienurkunden und Abschriftensammlungen (1483–1488), bearb. von Peter Gretzel, Wien, Köln, Weimar (Böhlau) 2014, 280 S., ISBN 978-3-205-79623-7, EUR 44,90.


    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Joachim Kemper, Frankfurt am Main

    Mit dem vorliegenden Band (bzw. »Heft« – in der Terminologie des Editionsunternehmens) haben die Regesten Kaiser Friedrichs III. nach etwas mehr als 30 Jahren nun auch die Marke von 30 Regestenbänden erreicht. Hinzu kamen etliche Sonderpublikationen und eine (sicherlich nicht nur aus Sicht des Rezensenten) beispielhafte Hinwendung zur Nutzung der Digitalisierung und der Neuen Medien – mit positiven Folgen für das Gesamtprojekt der Regesta Imperii. Bei den regulären Friedrich-Regesten standen und stehen nicht nur die regionalen Empfängerarchive im Vordergrund, sondern nicht zuletzt auch die Überlieferung in den Erblanden selbst, namentlich das Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. Hier war man, ähnlich wie im Fall der von Dieter Rübsamen (Mainz) bearbeiteten Nürnberger Archive, von Anfang an dazu übergegangen, die Urkunden und Briefe des Habsburgerkaisers jahresweise zu publizieren. Und die Taktung der »Wiener« Hefte ist beachtlich: Was 1999 mit einem ersten Band begann, wird in absehbarer Zeit mit der Publikation für die Jahre 1489 bis 1493 (Bearbeiter: Daniel Lueger) beendet werden. Die beiden Bände für 1476/1479 bzw. 1480/1482 sind zwar bis dato noch nicht erschienen, scheinen aber ebenfalls kurz vor der Fertigstellung zu sein.

    Der von Peter Gretzel erarbeitete Band ist nach dem üblichen Schema der Reihe aufgebaut. Auf Abkürzungsverzeichnis und knappe Einleitung folgen die Kurzregesten (Urkundenverzeichnis als Überblick) – der Band weist insgesamt 332 Stücke nach. Die eigentlichen Vollregesten machen einen gut lesbaren Eindruck und sind in aller Regel nicht mit mehr oder weniger sinnvollen Fußnoten »überladen«; nötige Begleitinformationen und Literaturhinweise usw. finden sich natürlich. Ein Verzeichnis der Quellen und Literatur sowie ein Register beschließen den vorliegenden Band.

    Ein Drittel der für die Regesten herangezogenen Urkunden und Briefe beruht auf originaler Überlieferung, während ein erheblicher Teil auf verschiedenen Reversen (Pfand-, Lehen-, auch Dienstreverse) basiert – von den fast 200 (!) Deperdita konnten 110 aus den genannten Formen von Reversen erschlossen werden, die sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv als kaiserlichem Empfängerarchiv naturgemäß in großer Zahl finden. Nur 38 Regesten konnten dagegen aus Abschriften (inkl. Vidimierungen) gewonnen werden. Den Kenner der Materie wird es wenig wundern, dass nur drei der Originalurkunden in lateinischer Sprache ausgefertigt wurden; hinzu kommen mehrere Deperdita, die auf lateinischen Urkunden basieren – dabei stehen Korrespondenzen mit italienischen Empfängern (inkl. dem päpstlichen Hof) sowie allgemein geistliche Angelegenheiten im Vordergrund. Besonders hingewiesen werden kann auf zwei von Friedrich selbst (eigenhändig) unterfertigte originale Privilegien. Die Regesten des Bandes sind, inhaltlich betrachtet, einmal durch die kaiserlichen Maßnahmen zur Verteidigung bzw. Reorganisation der Erblande gekennzeichnet (v. a. 1483/1484), dann durch die Situation am Innsbrucker Hof Herzog Sigmunds (1488 Widerruf der Verschreibung seiner Länder an Herzog Albrecht von Bayern); einen wichtigen Raum nimmt schließlich noch der Beginn der Doppelregierung ein (Wahl Maximilians zum König, 1486).

    Den Arbeitsstellen der Regesten Kaiser Friedrichs III. in Wien, Mainz und Berlin ist auch in Zukunft die Publikation zahlreicher weiterer Bände zu wünschen. Der rasch nach dem Druck bewerkstelligte Online-Nachweis der Regesten innerhalb der RI-Datenbank gehört ja seit einiger Zeit zum »Programm« der Reihe. Auch dies ist sehr wissenschaftsfreundlich – von Seiten der Regesta Imperii wie des Verlags (Böhlau).

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    PSJ Metadata
    Joachim Kemper
    Deutsches Historisches Institut Paris
    Regesten Kaiser Friedrichs III.
    Die Urkunden und Briefe des österreichischen Staatsarchives in Wien (1483–1488)
    de
    CC-BY-NC-ND 4.0
    Spätes Mittelalter (1350-1500)
    Europa nördlich und westlich der Italienischen Halbinsel / Alte Welt
    Historische Hilfswissenschaften, Politikgeschichte
    15. Jh.
    1415-1493
    Friedrich III., Heiliges Römisches Reich, Kaiser (118535773), Königsurkunde (4140893-7), Regest (4049007-5)
    PDF document gretzel_kemper.doc.pdf — PDF document, 248 KB
    P. Gretzel, Regesten Kaiser Friedrichs III. (Joachim Kemper)
    In: Francia-Recensio 2015/4 | Mittelalter – Moyen Âge (500–1500) | ISSN: 2425-3510
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2015-4/ma/gretzel_kemper
    Veröffentlicht am: 21.12.2015 14:45
    Zugriff vom: 27.07.2017 06:40
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