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    P. Begheyn, Jesuit Books in the Dutch Republic and its Generality Lands 1567–1773 (Johannes Meier)

    Francia-Recensio 2015/3 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

    Paul Begheyn, Jesuit Books in the Dutch Republic and its Generality Lands 1567–1773. A Bibliography, Leiden (Brill Academic Publishers) 2014, XVIII–454 p., 36 ill., 7 tabl. (Library of the Written Word, 35), ISBN 978-90-04-27060-2, EUR 150,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Johannes Meier, Mainz

    Diese wertvolle Neuerscheinung beinhaltet genau das, was ihr Titel benennt; sie ist eine Bibliografie jesuitischer Buchveröffentlichungen in der Niederländischen Republik und ihren südlich angrenzenden, stärker katholisch geprägten Generalitätslanden. Der zeitliche Rahmen ist mit 1567 (Errichtung der spanischen Militärdiktatur unter dem Herzog von Alba) und 1773, dem Jahr der Aufhebung der alten Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV., abgesteckt.

    Das Werk ist die Frucht 20jähriger Forschungsarbeit. Es entstand in einer Zeit tiefgreifender Umstrukturierungen im Bibliothekswesen, die im kirchlichen Bereich Folge des II. Vatikanischen Konzils waren, politisch durch die vielfach kulturunfreundliche liberale Austeritätspolitik ausgelöst wurden und technologisch im Zeichen der digitalen Revolution standen. Trotz Schließungen, Transfers und Fusionen zahlreicher Bibliotheken in Ordensträgerschaft gelang es Paul Begheyn, insgesamt 1270 Titel zu erfassen, von denen 430 nicht in dem klassischen Werk »Bibliothèque de la Compagnie de Jésus« (9 Bände, 1890–1900; 2 Ergänzungsbände 1909–1932) enthalten sind, das auf den Elsässer Jesuiten C. Sommervogel zurückgeht. Begheyn hat – anders als Sommervogel – alle Bücher persönlich in Augenschein genommen. Andererseits ließen sich 147 von Sommervogel angeführte Ausgaben nicht verifizieren, teils weil sie zwar in älteren Bibliografien vermerkt waren, aber wohl gar nicht erschienen sind, teils weil ganze Auflagen verloren sind, wie es gerade bei Schulbüchern, Katechismen, Gesangbüchern und ähnlicher Gebrauchsliteratur oft vorkommt: »Je mehr sie waren, um so weniger sind sie.«

    Die Substanz des Buches stellt die chronologisch geordnete Bibliografie dar (S. 55–390). Alle Titel sind mit größter Sorgfalt aufgenommen. Sämtliche Fundorte werden mit den einzelnen Signaturen benannt, alle Nachweise in anderen einschlägigen Bibliografien angeführt. 36 Abbildungen von Titeleien oder Illustrationen aus einzelnen Werken lockern das fortlaufende Verzeichnis auf. Neun einzelne Indizes erschließen es: Jesuitische Verfasser, Herausgeber und Übersetzer mit Angabe der Jahre, in welchen ihre Werke veröffentlicht wurden; Jesuitische Verfasser, Herausgeber und Übersetzer nach Geburtsländern: Frankreich liegt mit 104 Personen weit vor Belgien (42), den Niederlanden selbst (24), Italien (23), Deutschland (19), Spanien (18) und Portugal (16); Nichtjesuitische Verfasser, Herausgeber und Übersetzer mit den entsprechenden Angaben; Sprachen der jesuitischen Buchveröffentlichungen: Niederländisch liegt mit 468 Titeln vor Latein (450) und Französisch (327); Verzeichnis der niederländischen Drucker; dasselbe geordnet nach Standorten ihrer verlegerischen Tätigkeit: hier führt Amsterdam vor Leiden und Den Haag; Verzeichnis ausländischer und fingierter Drucker; Gliederung der Bibliografie nach Dekaden: Mit 128 bzw. 129 Titeln liegt der Kulminationspunkt in den letzten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts; Verzeichnis der Bibliotheken mit niederländischen Jesuitenpublikationen, die in der Bibliografie berücksichtigt sind. Vor dem Quellen- und Literaturverzeichnis und dem Gesamtindex erscheint noch ein Anhang mit der Edition verschiedener Briefe, die im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Büchern Athanasius Kirchers und anderer Jesuiten 1650/73 entstanden.

    Paul Begheyn hat seinem Werk eine lehrreiche Einführung vorangestellt. In ihr erfährt man nicht nur, dass der Katechismus des 1543 in Mainz in die Gesellschaft Jesu eingetretenen Petrus Canisius aus Nijmegen das meist publizierte Buch eines niederländischen Autors aller Zeiten ist, sondern erhält viele interessante Einblicke in die konfessionell-religiös komplexe niederländische Kirchengeschichte. Bis 1592 hatten sich bereits 199 Niederländer dem Jesuitenorden angeschlossen. Um 1600 konzentrierte sich das katholische Leben auf die Gebiete um Utrecht, Delft und Haarlem. Seit 1622 hatte die Römische Propaganda-Kongregation die Aufsicht über die niederländischen Katholiken (bis 1908). Die Jesuiten, die anfangs meist als Wandermissionare wirkten, konnten im Laufe des 17. Jahrhunderts 80 Missionsstationen gründen. Sie unterstanden zunächst einem Superior, ab 1726 dem flämischen Provinzial, der seit 1746 Präfekten für Friesland, Groningen, Overijssel, Gelderland, Utrecht und Holland einsetzte.

    Die Arbeit der Jesuiten war vorrangig seelsorglich; entsprechend dominiert in der Bibliografie weniger die Kontroverstheologie als das spirituelle, pastorale und hagiografische Schrifttum. In den Generalitätslanden verbreitete sich aber unter dem Einfluss der hervorragenden Bildungsarbeit der Kollegien von ′s-Hertogenbosch (1609–1629), Breda (1625–1637), besonders aber Maastricht (1575–1773) und Roermond (1611–1773) auch andere Literatur, nicht zuletzt für das Schultheater. Durchgehend tritt aber auch die weltweite Sendung der Jesuiten in Erscheinung: Schon der erste, 1567 erschienene Titel »De Vruchten der ecclesie Christi« enthält Briefe Franz Xavers und anderer Missionare aus Indien. Bereits 1598 erschien eine niederländische Übersetzung der großen »Historia natural y moral« des spanisch-peruanischen Jesuiten José de Acosta über Amerika (»de Westersche Indien«), und 1615 folgte der China-Bericht des französischen Jesuiten Nicolas Trigault. Auch in späteren Jahren fanden jesuitische Reiseberichte aus fernen Weltgegenden kontinuierlich in den Niederlanden Interesse. Neben Theologie und Philosofie, Geografie und Geschichte, Literatur und Sprachen – darunter zahlreiche Wörterbücher – beeinflussten Jesuitenautoren auch die Entwicklung der Medizin, der Biologie und anderer Naturwissenschaften, der Architektur, Technik und Kunst. Die Bibliografie von Paul Begheyn belegt, dass die »Holländische Mission« der Jesuiten, obwohl sie niemals mehr als 95 Mitglieder zählte, einen erheblichen, gewöhnlich unterschätzten Beitrag zur Kultur der Vereinigten Niederlande geleistet hat.

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    PSJ Metadata
    Johannes Meier
    Deutsches Historisches Institut Paris
    Jesuit Books in the Dutch Republic and its Generality Land 1567–1773
    A Bibliography
    de
    CC-BY-NC-ND 4.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Niederlande
    Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Allgemeinbibliographien)
    16. Jh., 17. Jh., 18. Jh.
    1567-1773
    Niederlande (4042203-3), Druckwerk (4013134-8), Bibliografie (4006432-3)
    PDF document begheyn_meier.doc.pdf — PDF document, 264 KB
    P. Begheyn, Jesuit Books in the Dutch Republic and its Generality Lands 1567–1773 (Johannes Meier)
    In: Francia-Recensio 2015/3 | Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500-1815) | ISSN: 2425-3510
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2015-3/fn/begheyn_jmeier
    Veröffentlicht am: 11.09.2015 16:49
    Zugriff vom: 30.05.2017 05:26
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