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    W. Troost; Sir W. Temple, William III and the Balance of Power in Europe (Sven Externbrink)


    Francia-Recensio 2015/1 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

    Wouter Troost, Sir William Temple, William III and the Balance of Power in Europe, (Republic of Letters Publishing) 2011, XXV–236 p. (New Directions in Diplomatic History, 3), ISBN 978-90-8979-085-9, EUR 75,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Sven Externbrink, Heidelberg

    Wouter Troost versteht seine Studie über William Temple und seine Verhandlungen zwischen 1665 und 1681 als eine Ergänzung zu seiner 2005 erschienenen Biographie über Wilhelm von Oranien, dem König der Glorious Revolution. Der vorliegende Band ist eine Fallstudie zu den internationalen Beziehungen in der Epoche Ludwigs XIV.: Troost will zeigen, wie Temple und Wilhelm III. zu den Architekten einer antifranzösischen niederländisch-britischen Politik wurden, die zu einer Konstante der letzten 30 Jahre der Regierung Ludwigs XIV. wurde. Im Zentrum stehen ihre Bemühungen um die Durchsetzung der» balance of power«.

    Die dritte Person, die dabei eigentlich im Titel erscheinen müsste, ist Karl II. von England, denn zwischen den drei Persönlichkeiten entstand ein Geflecht von Beziehungen, in dem vornehmlich um die Haltung gegenüber den Expansions- und Hegemonialbestrebungen des Sonnenkönigs gerungen wurde. War die antifranzösische Haltung Temples und des Oraniers gut bekannt, so pendelte Karl II. während des Holländischen Krieges zwischen offener Unterstützung Ludwigs XIV., Neutralität und offener Gegnerschaft. Wilhelm wollte Karl II. als Arbiter gewinnen, dieser distanzierte sich jedoch lange, bis er schließlich die Mediation auf dem Nymwegener Friedenskongress übernahm.

    Troost’s Studie ist chronologisch aufgebaut. Als Einführung dient ein kurzer Überblick über die politische Situation der Republik der Vereinigten Niederlande vor und unmittelbar nach dem Ausbruch des Holländischen Krieges 1672. Wilhelm III. war bis zum Kriegsausbruch vom traditionell in der Hand der Oranier liegenden Amt des Stadthouder ausgeschlossen, Johann de Witt als Großer Ratspensionär ( Grand Pensionary ) Hollands bestimmte die Richtlinien der Politik. Die weiteren Kapitel rekonstruieren die Verhandlungen zwischen den Protagonisten, vor, während und nach dem Holländischen Krieg. Einen Schwerpunkt bilden – zwangsläufig – die Verhandlungen in Nimwegen über einen Friedensschluss zwischen Frankreich und seinen Gegnern, in denen Karl II. als Vermittler fungierte.

    Beständiger Gegenstand der Verhandlungen war die Haltung Karls II., Wilhelms und Temples zur Politik Ludwigs XIV. Für letztere stand unmissverständlich fest, dass der Sonnenkönig nach der Universalmonarchie strebte, während der englische König zwischen Bewunderung und Distanz zu Frankreich schwankte. Troost lässt kein gutes Haar an der doppelbödigen Politik des Stuartkönigs, die nicht nur Temple und Wilhelm mehrfach enttäuschte. Temple und Wilhelm, so Troost, verfolgten hartnäckig, gegen alle Rückschläge ihr Ziel einer »balance of power« in Europa. Der Friede von Nimwegen stellte darin nur eine Etappe dar, weil er – in den Augen Wilhelms – mit zu großen Zugeständnissen an Ludwig XIV. verbunden war. Die ihm folgende Reunionspolitik Ludwigs XIV. schien dies nur zu bestätigen (S. 175). Im Moment des Todes Karls II. 1685 war das Verhältnis zwischen ihm und dem Oranier zerrüttet. Daran konnte auch die Heirat Wilhelms mit Maria, der Tochter Karls, 1677 nichts ändern. Temple hatte die Heirat mit eingefädelt, es war eine reine politische Heirat, wie der Bräutigam in einem Brief an die Staaten von Holland betonte: »We hope that the mariage may tend to God’s name and honour, but mostly to he service of the state« (S. 132). Temple zog sich in der Mitte der achtziger Jahre des 17. Jahrhunderts aus der Politik zurück und schlug jedes Angebot, auch die Übernahme eines Staatssekretariats, seitens Karls und Wilhelms nach dessen Machtübernahme 1689 aus. In seinem Fazit betont Troost noch einmal, wie sehr Wilhelms außenpolitisches Denken durch das Feindbild Ludwigs XIV. geprägt war. Die Chance und die Bereitschaft, den englischen Thron zu übernehmen, ist daher vor allem außenpolitisch zu erklären – es sollte die Stärkung der antifranzösischen Kräfte in Europa bewirken. In dieser Perspektive wird die Glorious Revolution zu einer außenpolitischen Wende und zum Beginn eines zweiten Hundertjährigen Krieges (S. 214f.).

    Troost Studie ist eine klassisch zu nennende Fallstudie, in der chronologisch der Gang der Debatten und Entscheidungsprozesse dargestellt werden. Darin besteht zweifellos ihre Stärke, zugleich auch ihre Schwäche. Neuere Ansätze in der frühneuzeitlichen »Diplomatiegeschichte« wurden nicht rezipiert, es fehlen auch für die Thematik die wichtigen Studien von C. Kampmann über den Arbiter. Bei Troost sind es die »großen Männer«, die die Geschichte machen, nur wenig erfahren wir über die die Verhandlungen begleitenden publizistischen Debatten, in denen ebenfalls um die Ordnung Europas gerungen wurde, oder über die intellektuellen Prägungen und Überzeugungen der Akteure.

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    PSJ Metadata
    Sven Externbrink
    W. Troost; Sir W. Temple, William III and the Balance of Power in Europe (Sven Externbrink)
    CC-BY 3.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Großbritannien
    Politikgeschichte
    17. Jh.
    4014770-8 118801619 4003846-4
    1628-1699
    England (4014770-8), Temple, William (118801619), Außenpolitik (4003846-4)
    PDF document troost_externbrink.doc.pdf — PDF document, 96 KB
    W. Troost; Sir W. Temple, William III and the Balance of Power in Europe (Sven Externbrink)
    In: Francia-Recensio 2015/1 | Frühe Neuzeit - Revolution - Empire (1500-1815) | ISSN: 2425-3510
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2015-1/FN/troost-temple_externbrink
    Veröffentlicht am: 11.03.2015 15:35
    Zugriff vom: 25.06.2017 09:03
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