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    J. Hillman, Female Piety and the Catholic Reformation in France (Annalena Müller)

    Francia-Recensio 2015/1 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

    Jennifer Hillman, Female Piety and the Catholic Reformation in France, London (Pickering & Chatto Publishers) 2014, IX–222 p. (Religious Cultures in the Early Modern World, 17), ISBN 978-1-84893-490-0, GBP 60,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Annalena Müller, Basel

    Das vorliegende Buch basiert auf Jennifer Hillmans Dissertation, die sie im Jahr 2012 an der University of York eingereicht hat. Im Mittelpunkt der Studie stehen acht aristokratische Frauen, die, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, nach individuellen religiösen Erweckungserlebnissen, dem mondänen Leben am französischen Hofe entsagten, um ihr Leben der Religion zu widmen: Anne-Geneviève de Bourbon-Condé, duchesse de Longueville (1619–79), Anne-Marie Martinozzi, princesse de Conti (1637–1672), Jeanne de Schomberg, duchesse de Liancourt (1600–1674), die Marquise de Sablé (1599–1678), Anne Doni d’Attichy (1601–1663), Marie-Louise de Gonzague (1611–1667), Anne de Rohan, princesse de Guéménés (1606–1685) und Louise de Béon du Massés, comtesse de Brienne (1585–1665). Die umfassende Korrespondenz dieser Frauen, ihre religiösen Autobiografien sowie einige post-mortem Inventare bilden die Quellenbasis des Buches.

    Die Studie ist mit 120 Seiten Text relativ kurz gehalten. Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt, deren Länge zwischen 9 und 29 Seiten stark variiert, sowie einer, mit 21 Seiten etwas zu umfangreich geratenen, Einleitung. Das erste Kapitel, mit 9 Seiten auffallend kurz, stellt das Leben der acht Frauen vor ihrer »Konvertierung« und den Einfluss der dévot-Bewegung überblickshaft dar. Kapitel 2, »Out of Egypt«, thematisiert die Hinwendung der Frauen zu dem, was Hillman als »rigorism« bezeichnet – einer neo-augustinischen Spiritualität, welche Hillman aber als distinkt vom zeitgleich im Kloster Port Royal praktizierten Jansenismus verstanden versteht (S. 3). Die Transformation der Frauen von einer Sünderin zur Büßerin wurde von diesen selbst als dramatischer Einschnitt empfunden, der auch in zahlreichen Selbstzeugnissen Niederschlag fand (S. 43–46). Kapitel 3 beleuchtet die Freundschaft der Frauen untereinander, die, so argumentiert Hillman, von einer außerordentlichen Exklusivität geprägt war. Nicht nur zogen sie sich von ihren früheren Zirkeln und Freundschaften zurück (S. 70), sondern sie suchten eher untereinander Rat – auch in spirituellen Fragen – als bei ihren Beichtvätern und »spiritual directors« (S. 55–61). Das vierte und fünfte Kapitel tragen zwei wichtigen »turns« der Kulturgeschichte Rechnung: »Solitary Temples and Empty Shrines« (S. 71–99) widmet sich dem materiellen Ausdruck der »rigorist spirituality« und in »In Pursuit of Solitude« (S. 101–127) stehen Räume, genauer, die Anwesen und Wohnsitze der acht Frauen, im Zentrum der Untersuchung.

    Hillman möchte mit ihrer Studie eine Forschungslücke zur weiblichen Frömmigkeit (»female piety«) in der Zeit nach der Fronde (S. 1) schließen. Die Autorin ist bemüht, die Frömmigkeit der acht von ihr untersuchten aristokratischen Frauen als distinkt sowohl von der der eine Generation zuvor dominierenden dévots, als auch von der des ebenfalls neo-augustinischen, aber von der Kirche verurteilten, Jansenismus zu sehen. Sie sieht die von ihr untersuchte »female devotional culture as generational and something which ought to be understood as a response to changing spiritual currents, as well as social and political circumstances«(S. 1) und den »rigorist turn« (S. 3) als eine Reaktion auf die abnehmende Popularität dévot-Bewegung (S. 3). Diese und ähnliche Abgrenzungsversuche wirken umständlich und sind mitunter wenig überzeugend. Trotz des umfassend klingenden Buchtitels, handelt es sich bei der vorliegenden Monografie letztlich um eine Nischenstudie: Behandelt wird nicht weibliche Frömmigkeit im Frankreich der Gegenreformation, sondern die Religionspraxis einer kleinen Elite, nämlich von acht Frauen der Pariser Aristokratie. Auch wäre eine etwas umfangreichere Überarbeitung der Dissertation wünschenswert gewesen, denn das enggefasste Untersuchungsfeld sowie die mitunter unklare argumentative Positionierung inmitten einer recht engen Forschungsfrage macht diese Monografie eher für ein kleines Publikum interessant. Forschende mit Interesse am material und spatial turn werden jedoch insbesondere in den letzten beiden Kapiteln des Buchs einige informative Einblicke und Vergleichspunkte finden.

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    PSJ Metadata
    Annalena Müller
    J. Hillman, Female Piety and the Catholic Reformation in France (Annalena Müller)
    CC-BY 3.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Frankreich und Monaco
    Geschlechtergeschichte, Kirchen- und Religionsgeschichte
    17. Jh.
    4018145-5 4018202-2 2009545-4
    1600-1700
    Frankreich (4018145-5), Frau (4018202-2), Katholische Kirche (2009545-4)
    PDF document hillman_mueller.doc.pdf — PDF document, 323 KB
    J. Hillman, Female Piety and the Catholic Reformation in France (Annalena Müller)
    In: Francia-Recensio 2015/1 | Frühe Neuzeit - Revolution - Empire (1500-1815) | ISSN: 2425-3510
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2015-1/FN/hillman_mueller
    Veröffentlicht am: 11.03.2015 11:35
    Zugriff vom: 21.11.2017 11:08
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