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    V. Lemmonier-Lesage, M. Roig Miranda (dir.), Réalités et représentations de la justice dans l’Europe des XVIe et XVIIe siècles (J. Hoock)

    Francia-Recensio 2014/2 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–18159

    Virginie Lemmonier-Lesage, Marie Roig Miranda (dir.), Réalités et représentations de la justice dans l’Europe des XVI e et XVII e siècles, Nancy (Université de Lorraine – Groupe Europe aux XVI e et XVII e siècles) 2012, 225 p., ISBN 978-2-917030-06-6 , EUR 16,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Jochen Hoock, Enghien-les-Bains

    Der Band entwirft mit neun Beiträgen ein Bild von den Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit, die in der Frühmoderne das Rechtsverständnis in fünf zentralen europäischen Ländern bestimmten. Zwei einleitende Studien schildern das figürliche Verständnis der Justiz in der Malerei und Bildhauerei des ausgehenden Mittelalters und den Wandel der Darstellung ihrer Unparteilichkeit in der Gestalt der iustiticia pudica , der das Rechtsverständnis des klassischen Zeitalters und der beginnenden Aufklärung prägte. Die Genese des Bildes von der blinden Justiz steht dabei im Zentrum der Darstellung. Vier weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Wandlung der Rechtspraxis und deren Wahrnehmung im frühmodernen Spanien, in Frankreich, Polen und Mailand unter Hervorhebung der sich wandelnden Topoi und der frühen Reformbewegungen zugunsten einer durchgreifenden »Reformation« des Gerichtswesens. Neben den spezifisch theologischen Implikationen des zugrundeliegenden Rechtsverständnisses werden dabei auch dessen politische und soziale Dimensionen erörtert und bieten Anlass zum Vergleich. Einen besonders interessanten Einblick in die Genese des schlesischen Konflikts liefert der Beitrag zur Darstellung der Gerechtigkeit in den Dramen des Martin Opitz und deren Rezeption bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Band schließt mit zwei Beiträgen zur Sittengeschichte des »théâtre judiciaire« wie sie sich bei Tallemant des Réaux in dessen »Historiettes« und in den Protokollen von Konkubinats-Prozessen der frühneuzeitlichen Biskaya darstellt. Durchgängiges Thema der im Einzelnen recht unterschiedlichen Studien sind die Zielkonflikte, die sich mit der Durchsetzung von Recht und Gerechtigkeit unter den sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnissen des frühmodernen Staates verbinden. Damit wirft der Band eine Reihe spannender Fragen auf, die Anlass zu weiteren Untersuchungen sein dürften.

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    PSJ Metadata
    Jochen Hoock
    V. Lemmonier-Lesage, M. Roig Miranda (dir.), Réalités et représentations de la justice dans l’Europe des XVIe et XVIIe siècles (J. Hoock)
    urn:nbn:de:bvb:12-per-0000003870
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Europa
    Sozial- und Kulturgeschichte
    16. Jh., 17. Jh.
    4015701-5 4020310-4 4043152-6
    1500-1700
    Europa (4015701-5), Gerechtigkeit (4020310-4), Öffentliche Meinung (4043152-6)
    PDF document lemmonier-lesage_hoock.doc.pdf — PDF document, 88 KB
    V. Lemmonier-Lesage, M. Roig Miranda (dir.), Réalités et représentations de la justice dans l’Europe des XVIe et XVIIe siècles (J. Hoock)
    In: Francia-Recensio 2014/2 | Frühe Neuzeit - Revolution - Empire (1500-1815) | ISSN: 2425-3510
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2014-2/FN/lemmonier-lesage_hoock
    Veröffentlicht am: 30.06.2014 11:40
    Zugriff vom: 21.11.2017 11:09
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