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G. Grämiger: Bibliotheksarchitektur 1550–1700

discussions 5 (2010)

Gregory Grämiger

Bibliotheksarchitektur 1550–1700

Disposition, Inszenierung und Zugänglichkeit von Wissen im Raum


Zusammenfassung:

Im Laufe der Frühen Neuzeit errichteten verschiedene Träger Bibliotheken und andere Sammlungsräume. Die Architektur dieser Räume hatte verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Zum einen sollten die Bücher und Exponate nach einer bestimmten Wissensordnung eingeräumt und aufgestellt werden, was aber oftmals aufgrund der physischen Raumverhältnisse kaum zu bewerkstelligen war. Ferner wurde die Architektur eingesetzt, um das Wissen und die Trägerschaft in Szene zu setzen. Zudem hatte sie dem Anspruch zu genügen, dieses Wissen zugänglich zu halten und zugleich zu schützen.

Résumé:

Au cours de l 'époque moderne, diverses autorités érigèrent des bibliothèques et d 'autres lieux consacrés à la conservation et à l 'exposition. Dans ces lieux, l 'architecture jouait un rôle complexe et multiple. En effet, d 'un côté, l 'ordre du rangement et de l 'exposition des livres pouvait être perturbé par l 'organisation spatiale du bâtiment. De l 'autre, l 'architecture devait réussir à mettre en valeur le savoir ainsi que les fondateurs de ces lieux, le rendre accessible, mais aussi le protéger.

1. Thema

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Mein Forschungsprojekt widmet sich der Bibliotheksarchitektur in der Frühen Neuzeit. Dabei wird Architektur nicht als bloße Hülle verstanden. Vielmehr geht es darum, wie das Wissen innerhalb dieser Räume in eine systematische Ordnung gebracht wurde, ferner wie es inszeniert und wie es zugänglich gemacht wurde. Diese drei Aspekte aus dem Blickwinkel der Architekturgeschichte zu untersuchen, ist Ziel der Arbeit.

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Die Bibliothek ist nicht der einzige Wissensraum, der in der Frühen Neuzeit zu finden ist. Dank einer neuen, auf Empirie ausgelegten Auffassung von Wissenschaft wurden weitere Sammlungsräume errichtet: botanische Gärten, Naturalienkabinette, anatomische Theater und andere Laboratorien und Observatorien. Sie waren oftmals in der Nähe von Bibliotheken untergebracht und hatten vergleichbare Aufgaben zu erfüllen. Es soll daher aufgezeigt werden, wie diese Räume empirischen Wissens entstanden, wie sie sich verbreiteten und wie sie organisiert waren. Der Austausch zwischen diesen Räumen und der Bibliothek, die mediale Transformation der Erkenntnisse 1 und die räumlichen und programmatischen Beziehungen der Sammlungen sollen ebenso untersucht werden.

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Zwischen 1550 und 1700 haben verschiedene Faktoren die Architektur der Bibliothek maßgeblich geprägt 2 . Die Erfindung des Buchdrucks und die daraus resultierende Anzahl an Büchern führten zu neuen baulichen Lösungen. Die wissenschaftliche Revolution brachte ein neues Verständnis von Forschung mit sich, das Einfluss auf die Funktion und Gestaltung der Bibliothek hatte. Die empirische Auffassung des wissenschaftlichen Arbeitens führte zu den bereits erwähnten neuen Sammlungsräumen. Zudem wurde der Zugang zu Büchern einem größeren Teil der Gesellschaft möglich. Der gewählte Zeitraum ist aus all diesen Überlegungen von besonderem Interesse in der Geschichte der Wissenschaft und somit auch der Bibliotheken. Der zeitliche Rahmen mag weit gesteckt erscheinen. Da sich die Architektur der Bibliotheken aber nur langsam entwickelte und die einzelnen Bauetappen weit auseinander lagen, ist er dennoch gerechtfertigt. Der zeitliche Fokus der Arbeit soll in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts liegen und der geographische auf dem Raum nördlich der Alpen.

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Die enzyklopädische Sammlung, die das gesamte Wissen der Zeit an einem Ort bereitstellen wollte, war das zeittypische, aber unerreichbare Ideal. Was auch immer an Exponaten gesammelt wurde 3 , musste in eine räumliche Ordnung übertragen werden 4 . Nicht nur das rasche Auffinden des gewünschten Exemplars sollte dadurch möglich werden. Die Architektur der Sammlungsräume spiegelt auch die Suche der Zeit nach der Ordnung von Wissenschaft und Welt wider 5 . Es soll ermittelt werden – da sich die Art des Erinnerns ebenfalls grundlegend wandelte – ob mnemotechnische Strategien in diesen Sammlungsräumen eine konkrete Räumlichkeit erfuhren 6 . Bei der Umsetzung gedachter Idealordnungen kam es zu einem entscheidenden Konflikt: Die Bücher und die anderen Sammlungsgegenstände hatten auch eine physische Größe, die es zu berücksichtigen galt. Zudem waren die einzelnen Wissensgebiete einer ständigen Veränderung ausgesetzt; die Möbel als starre und feste Einrichtungen konnten jedoch nicht jedes Mal angepasst werden. Das Spannungsfeld zwischen dem Buch als materiellem Objekt, welches im Raum geordnet werden muss, und den darin beinhalteten Informationen soll nun genauer untersucht und mögliche architektonische Lösungen aufzeigt werden 7 .

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Frühe Enzyklopädien trugen oftmals das Wort »theatrum« im Titel. Mit dem Begriff wurde in der frühen Neuzeit nicht bloß der Ort bezeichnet, an dem Dramen aufgeführt wurden, sondern er wurde primär verwendet, um das Sammeln, Ordnen und Inszenieren jeglicher Exponate zu bezeichnen 8 . Diese enzyklopädischen Buchtheater erfuhren in Sammlungsräumen eine räumliche Umsetzung. Sie können somit als Wissenstheater bezeichnet werden, geht es doch auch hier um das Ordnen und Zeigen von wissenschaftlichen Objekten. Die Gestaltung der Sammlung wurde dabei bewusst eingesetzt, um die Systematik des Wissens räumlich in Szene zu setzen. Dabei wurde oftmals auf literarische Vorbilder verwiesen, welche ebenfalls untersucht werden sollen. Der Umfang und der Reichtum von Sammlungen wurden ebenso bewusst präsentiert wie ihre Trägerschaft und ihre Nutzer. Welche Strategien und Mittel der Umsetzung dabei zum Zuge kamen, wird in der Dissertation aufgezeigt.

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Unter dem Aspekt der Zugänglichkeit zum gesammelten Wissen sollen zweierlei Fragen beantwortet werden. Zum einen soll geklärt werden, welche Schichten der Gesellschaft Einlass zu den unterschiedlichen Sammlungen fanden 9 . Ferner möchte ich klären, wie die Bücher gelesen und wie die Exponate betrachtet werden konnten. Durch die praktische Funktion der Sammlungen stellten sich Anforderungen, die es baulich zu lösen galt. Licht, Wärme und Mobiliar 10 waren entscheidend, um die Bücher möglichst lange und effizient nutzen zu können. Doch der Benutzer einer Sammlung war gleichzeitig auch ein möglicher Zerstörer. Bücher und Objekte mussten deshalb vor Diebstahl und unsachgemäßer Handhabung gesichert werden. Den Schutz der Bücher vor Feuer und Feuchtigkeit galt es ebenso zu berücksichtigen.

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Im gewählten Zeitfenster kommt es zwar zu ersten spezifischen Bibliotheksbauten, doch waren die Sammlungen meist noch in bereits existierenden Bauten untergebracht. Zahlreiche Lösungen, wie in bestehenden Räumen eine Ordnung gesucht und gefunden wurde, können ausgemacht werden und sollen in der Dissertation aufgezeigt werden. Die Einrichtung der Bibliothek wandelte sich in entscheidendem Maße. Das in den frühen Universitäten entwickelte Pultsystem wurde aufgegeben und wich spätestens am Ende des 17. Jahrhunderts dem Typus der Saalbibliothek, dem Bibliotheksideal der Zeit. Buch an Buch gereiht, bildet sie eine räumliche Enzyklopädie 11 , wobei die einzelnen Wissensgebiete in einen größeren Zusammenhang gestellt wurden. Doch zahlreiche Zwischenschritte und andere Lösungen können ausgemacht werden. Der Ort des Verwahrens und des Lesens war in der frühen Neuzeit meist derselbe, das Wissen dadurch stets präsent. Erst im 19. Jahrhundert änderte sich dies, als die Bücher in Magazinen vom Leser getrennt aufbewahrt wurden 12 . Der gewählte Zeitraum ist reich an unterschiedlichen Bibliotheksarchitekturen, weswegen die Vielfalt der Bauten und Lösungsmöglichkeiten untersucht werden soll.

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Bibliotheken wurden in der Frühen Neuzeit von ganz verschiedenen Institutionen angelegt. Humanisten errichteten schon früh ihre privaten Studioli 13 . Eine Zwischenposition aus privater Sammellust und Staatsaufgabe stellten die Adelsbibliotheken dar. Stadtbibliotheken gab es bereits im späten Mittelalter, doch kam es nach Luthers Propagierung dieses Bibliothekstypus zu zahlreichen Neugründungen 14 . Universitäten nahmen seit dem Spätmittelalter eine zentrale Funktion in der Bildung ein und besaßen meist reich ausgestattete Bibliotheken. Auch die Kirche nahm im Bibliothekswesen eine wichtige Stellung ein. Die Klosterbibliotheken fanden aber erst am Ende des 17. Jahrhunderts zu ihrer anfänglichen Größe und Bedeutung zurück 15 . Die Fragen nach der Trägerschaft, dem Gebäude und der Auswahl von Sammlungsgegenständen, ihrer Disposition und Zurschaustellung gehen auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein. Es soll beantwortet werden, weshalb die verschiedenen Träger eine Bibliothek errichteten, wo und in welchem Gebäude sie dies taten, was sie sammelten und wie die Inhaber und Nutzer durch die Sammlungen eine räumliche Repräsentation erfuhren.

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Drei Bibliotheksbauten werden im Detail analysiert und beschrieben. Dabei werden verschiedene Träger und Nutzer behandelt und verglichen. Als erste Bibliothek soll eine private Büchersammlung eines Gelehrten einer genauen Betrachtung unterzogen werden. Da die Quellenlage sehr diffus ist, konnte noch nicht entschieden werden, welche Privatsammlung es sein wird. Inhaltlich und der momentanen Gliederung der Arbeit entsprechend sollte eine Sammlung gewählt werden, die zeitlich vor der Universität Leiden errichtet wurde und zwischen Humanismus und Empirie steht. Ein Beispiel hierzu stellen die Sammlungen Conrad Gesners dar. Dieser sammelte nicht bloß Bücher, sondern auch Naturalien und legte schon früh einen Garten an, der als privater botanischer Garten bezeichnet werden darf. Zudem begründete er die moderne Bibliothekswissenschaft mit seiner Publikation Bibliotheca universalis und verfasste weitere enzyklopädische Schriften.

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Als zweites wird eine universitäre Einrichtung betrachtet. Die Universität in Leiden wurde 1575 gegründet und erhielt noch im 16. Jahrhundert neben einer Bibliothek auch einen botanischen Garten und ein anatomisches Theater, welches im Sommer als Museum genutzt wurde.

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Als drittes Beispiel soll eine städtische Einrichtung analysiert werden: die ehemalige Bürgerbibliothek in der Wasserkirche in Zürich. Diese wurde auf Initiative von vier jungen Bürgern der Stadt 1629 gegründet und fand schon bald in der Wasserkirche ihren Platz. Neben der Büchersammlung wurde von Beginn an ein Kuriositätenkabinett eingerichtet.

2. Allgemeiner Forschungsstand und Forschungsziel

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Generell wurde die Geschichte der Bibliothek schon oft und vielfältig erforscht. Eine architekturgeschichtliche Bearbeitung des Themas blieb aber bislang weitgehend aus 16 . Die spärliche architekturgeschichtliche Forschung konzentrierte sich meist auf prachtvolle Bibliotheksbauten, die oftmals von berühmten Architekten errichtet wurden. Zu den bereits untersuchten Bauten gehören die frühen Beispiele der Renaissance in Italien 17 und einige Prunkbibliotheken des Barock 18 . Einzelne Fallstudien lassen sich ebenfalls finden 19 . In der bibliothekswissenschaftlichen Forschung, die durch eine Vielzahl von Einzelstudien und Übersichtswerken glänzt, geht es primär um die Bücher und deren Sammlungsgeschichte, weniger um die Räumlichkeiten der Bibliotheken 20 .

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Seit den 1980er Jahren kamen neue Ansätze in der Erforschung der Wissenschaftsgeschichte zum Zuge. Wissenschaft wird dabei verstärkt von einem kulturhistorischen Standpunkt aus analysiert. Ihre gesellschaftliche Einbettung, ihre Institutionen und Objekte, ihre Träger und Nutzer wurden dabei in den Betrachtungshorizont eingeschlossen. Forschungsarbeiten aus verschiedenen Disziplinen haben durch diese neue Auffassung der Wissenschaftsgeschichte vermehrt Sammlungs- und Wissensräume analysiert und führten zu einer Vielzahl an Publikationen, vor allem zu Kunst- und Wunderkammern 21 . Von großer Bedeutung für mein Forschungsprojekt sind die Forschungsarbeiten, welche von einem theaterwissenschaftlichen Standpunkt aus operieren, geht es bei diesen Arbeiten doch auch um die Inszenierung von Wissen 22 .

<14>

Die Architektur erscheint bei diesen jüngeren Forschungsarbeiten jedoch nur am Rande. Oftmals wird sie als gegeben angenommen, und es werden die wissenschaftliche Praxis und die Objekte innerhalb dieser Räume untersucht. Vom konkreten Raum ausgehend und dabei die Probleme der konstruktiven Umsetzung aufzeigend, können hier eine Betrachtungslücke geschlossen und die Resultate aus den Disziplinen der Wissenschaftsgeschichte, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte durch eine architekturgeschichtliche Perspektive ergänzt werden. Dies blieb bislang aus und stellt ein Forschungsdesiderat dar.

3. Universitätsbibliothek Leiden

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Die Universität in Leiden wurde 1575 durch Willhelm I. von Nassau-Oranien gegründet als Anerkennung für die Verteidigung der Stadt gegen die spanische Belagerung. Sie musste jedoch noch ganze zehn Jahre ohne Bibliothek auskommen. Zuerst im Akademiegebäude an der Rapenburg untergebracht, fand sie ab 1595 in der ehemaligen Kapelle der Beginen auf der gegenüberliegenden Seite der Gracht ihren Platz 23 .

<16>

Gerade für ärmere Studenten war diese Bibliothek ursprünglich gedacht und wurde von Anfang an als eine öffentliche deklariert, doch meinte publica wohl in jener Zeit noch eher öffentlichen Besitz als Zugänglichkeit. Die Öffnungszeiten beschränkten sich auf zwei mal zwei Stunden die Woche, was als durchaus lange und großzügig verstanden wurde. Doch von einer uneingeschränkten Zugänglichkeit kann indes nicht gesprochen werden, denn selbst anerkannten Gelehrten konnte der Zutritt verwehrt werden 24 . Den Studenten blieb die Bibliothek schon nach kurzer Zeit für 25 Jahre ganz verschlossen.

<17>

In Leiden wurde das in den frühen Universitäten entwickelte Pultsystem angewendet. Zum einen mussten die Bücher vor Diebstahl geschützt werden, zum anderen sollten sie auch ohne Hilfe eines Bibliothekars auffindbar sein. Die Pultbibliothek stellte die ideale Lösung dar: Die Bücher waren fest an ihrer Ablage angekettet und zudem fand man in den verschiedenen Pulten jeweils nur Bücher einer Fakultät. Dadurch schuf man eine feste und verständliche Ordnung. Diese beeinträchtigte aber den Vergleich zweier entfernter Bücher, konnten die Bücher doch nicht verschoben werden. Die besonders wertvollen Werke waren in fest verschlossenen Schränken untergebracht, welche fein säuberlich angeschrieben waren: Präsentieren wollte man die Schätze der Bibliothek, sie jedoch nicht zur freien Benutzung herausgeben. Erwünschte Nutzer erhielten sogar einen Schlüssel zur Bibliothek. Nicht die Tür zum Raum, sondern die Ketten an den Büchern waren die Sicherung gegen Diebstahl.

<18>

Obwohl die Bücher kontrolliert und an ihre Orte und Kategorien gebunden waren, die Leser waren es nicht. Durch die hohen, auf die Pulte gebauten Regale vor neugierigen Blicken geschützt, konnten sie Werke studieren, ohne dass andere merkten, um welche es sich handelte. Dieser Sachverhalt wird auch in der berühmten Zeichnung der Bibliothek gezeigt 25 : Man finde die Hüte und somit die Leser zwischen den dargestellten Regalen der Bibliothek. In einer Saalbibliothek war dies nicht möglich, wurden doch dort nicht nur die Bücher, sondern zugleich die Leser zur Schau gestellt.

<19>

Angesichts des steten Anwachsens der Büchermenge wurde in Leiden versucht, eine Saalbibliothek einzurichten. Doch der vorgegebene Raum mit seinen großen Fenstern ließ diese Aufstellungsart kaum zu. In der Saalbibliothek waren die Bücher dann nicht mehr durch eine Kette geschützt, sondern mussten anders gesichert werden. Man beschloss, ein Geländer zwischen Nutzer und Bücher einzubauen und die Bücher durch einen Bibliothekar aushändigen zu lassen. Ein erneuter Umbau wurde durch die weitere Vermehrung des Buchbestandes notwendig und brachte eine neue Lösung. Ein zweiseitiges Regal wurde in die Mitte des Raums gestellt, welches ebenfalls durch ein Geländer von den Benutzern abgetrennt war.

<20>

Die Bibliothek war indes nicht die einzige Einrichtung, dank der sich die Universität einen vorzüglichen Ruf sichern konnte 26 . Im angrenzenden Raum – in der Apsis der ehemaligen Kirche – war das Anatomische Theater untergebracht, mit welchem sich Leiden eine führende Stellung im medizinischen Unterricht sichern konnte, wozu auch der botanische Garten einen wichtigen Beitrag leistete. Das Anatomische Theater war eine neue Bauaufgabe. In Leiden diente das Theater nicht nur als Präsentationsort von Zergliederungen menschlicher Leichen, denn im Sommer, in welchem keine Sektionen stattfanden, diente es dem Ausstellen von Skeletten, Bildern und anderen Objekten. Die Idee des Theaters wurde dabei invertiert, denn die Exponate fanden auf den Zuschauerrängen ihren Platz. Diese vielschichtige Sammlung war moralisch aufgeladen. So zeigte das Anatomische Theater seinen Besuchern die Skelette nicht bloß zur Lehre der Anatomie, sondern sie sollten – ausgerüstet mit Sinnsprüchen und in entsprechenden Posen – den Besuchern auch deren Vergänglichkeit vor Augen führen und zu einem moralischen Leben anspornen 27 .

<21>

Auch der Botanische Garten musste seine Schätze in eine wissenschaftliche Ordnung überführen und hatte dabei ähnliche, wenn nicht sogar größere Probleme zwischen Ideal und Realität zu lösen als die Bibliothek: Pflanzen leben, wachsen und verderben. Die Gewächse aller Erdteile sollten in der Anlage versammelt werden. Die Grundeinteilung in vier Bereiche war typisch für die frühen Gärten dieser Art. Sie verwies auf die vier Himmelsrichtungen oder Erdteile oder auf die Viersäftelehre 28 . In den verschiedenen Beeten wurden die einzelnen Pflanzen – wie die Bücher in der Bibliothek – nach Gattungen oder morphologischen Ähnlichkeiten sortiert und eingepflanzt. Durch eine vollständige Sammlung aller Pflanzen sollte nicht nur die botanische Welt, sondern sogar der Garten Eden rekonstruiert werden, beinhaltete doch auch dieser die gesamte pflanzliche Schöpfung Gottes 29 . Adam und Eva finden wir ebenfalls in einem Raum der Universität, nämlich im Anatomischen Theater, ihre Skelette zentral aufgestellt als Erinnerung an die menschliche Vergänglichkeit durch den Genuss der Frucht der Erkenntnis. Die angrenzende Bibliothek übernahm die Aufgabe, ihre Geschichte sicher zu bewahren.

<22>

Die verschiedenen Sammlungen und Räume der Universität dienten gleichermaßen der Repräsentation und der Lehre und schufen neben realen auch allegorische Räume. Dabei hatten sie nicht nur ähnliche formale Aufgaben zu erfüllen, sondern bildeten untereinander ein enges Beziehungsgeflecht, welches untersucht werden soll.

<23>

Zur Leidener Bibliothek liegen bereits mehrere Studien vor 30 . Eine weitere Forschungsarbeit, die sich explizit und im Detail der Architektur widmet, kann jedoch existierende Forschungslücken schließen. Denn selbst in der jüngsten Publikation von 2001 zur Leidener Bibliothek werden die Hauptstationen der architektonischen Entwicklung zwar aufgezeigt, doch leider nicht in der gewünschten Tiefe. Auch darin widmete sich die Verfasserin mehrheitlich der Sammlungsgeschichte und den Biographien der einzelnen Bibliothekare. Eine Einbindung der Architektur der Bibliothek in einen größeren Kontext fehlt. Die Entwicklung der Leidener Bibliothek – von einer Pult- zu einer Wandbibliothek – ist jedoch typisch für die Entwicklung der (universitären) Bibliotheksarchitektur und kann über Leiden hinaus die Entwicklung dieser Bauaufgabe aufzeigen. Vermutlich diente die Leidener Bibliothek als Vorbild für die Bodleiana in Oxford – und umgekehrt, weswegen diese ebenfalls untersucht und Parallelen zur Leidener Bibliothek aufgezeigt werden sollen.

<24>

Zum Botanischen Garten in Leiden liegen bereits eine größere Publikation 31 und verschiedene Aufsätze vor 32 . Diese Arbeiten widmen sich verstärkt den Sammlungsgegenständen, analog zu den meisten Bibliotheksforschungen, die sich den Büchern, nicht aber den Räumlichkeiten zuwenden. Die geschichtliche Entwicklung dieser Bauaufgabe wurde bislang noch nicht umfassend bearbeitet 33 . Zum Anatomischen Theater in Leiden gibt es einen Aufsatz, der vor allem auf den moralisch-erzieherischen Aspekt der Sammlung eingeht 34 . Eine Übersicht über die Entwicklung der Bauaufgabe gibt Gottfried Richters Arbeit von 1936 35 , einen Blick auf die Bauaufgabe mit Fokus auf den Niederlanden jene von Jan C.C. Rupp 36 .

<25>

Was bislang zur Gänze fehlt, ist eine Untersuchung der Zusammenhänge dieser Sammlungsräume, obwohl sie nicht nur wissenschaftlich und räumlich, sondern ebenfalls metaphorisch und moralisch eng miteinander vernetzt waren. Es soll daher nicht bloß aufgezeigt werden, wie diese Räume praktisch genutzt wurden und wie sie in den Lehrplan der Universität eingebunden waren, sondern auch ihre konkrete Konstruktion beleuchtet werden. Zudem kann anhand des Leidener Beispiels gezeigt werden, wie diese neuen Bauprogramme definiert und propagiert wurden und wo es Vorbilder und Nachfolger solcher Bauten gab. Gemeinsamkeiten, Unterschiede und der Austausch zwischen den Schrift- und den Objektwelten sollen ermittelt werden.

4. Die Bürgerbibliothek in der Wasserkirche

<26>

Im Jahre 1629 gründeten vier junge Zürcher eine Bibliothek, die allen Bürgern der Stadt offenstehen sollte 37 . Diese als Bibliotheca publica privata bezeichnete Sammlung spiegelte die demokratisch-aristokratische Gesellschaftsstruktur der Stadt perfekt wider: Die Zugänglichkeit war nur Bürgern explizit gestattet, die ihre Privilegien zu schätzen und zu schützen wussten. Zunächst im Wohnhaus eines Gründungsinitiators untergebracht, fand sie ab 1634 in der säkularisierten Wasserkirche ihren Platz. Neben der eigentlichen Büchersammlung wurde ebenfalls von Beginn an eine Kuriositätensammlung eingerichtet; es entstand ein Tempel des Wissens, mitten auf den weltlichen und geistlichen Achsen der Stadt.

<27>

Während der kriegerischen Gründungszeit der Bibliothek standen die Stadt Zürich und ihr reformierter Glaube noch relativ ungeschützt da, denn der Bau einer neuen Schanzenanlage bereitete Schwierigkeiten. Das nötige Wissen fehlte. Im Gründungsaufruf wurde daher auch explizit nach Befestigungsliteratur, Schanzenmodellen und technischen Geräten gefragt 38 . Das Motto der Bibliothek lautete der wissenschaftlichen und kriegerischen Zeit entsprechend: arte et marte . Die Bibliothek selbst galt aufgrund ihrer schwer zugänglichen Lage auf einer Insel als Festung des Wissens, der Freiheit und des rechten Glaubens 39 . Es soll daher untersucht werden, ob die Bibliothek und ihr Wissen als Instrument für den Bau der neuen Schanzenanlage genutzt wurden.

<28>

Die Insellage und die ehemalige Funktion des Baus als Kirche nehmen Bezug auf literarische Idealtypen von Forschungseinrichtungen. Die Insel ist ein Gemeinplatz in der utopischen Literatur, gerade auch des 17. Jahrhunderts, in welchem oftmals Sammlungs- und Wissensräume beschrieben werden 40 . Zudem galt der Tempel Salomons im 17. Jahrhundert als eine Metapher für die Weisheit und gerechte Herrschaft 41 . Die Wasserkirche kann als Mischform dieser literarischen Vorbilder gelten. Es erstaunt nicht, dass auch der Zürcher Gelehrte Johann Jakob Scheuchzer eine utopische Schrift verfasste, die erstaunliche Parallelen zur Wasserkirche aufweist 42 . Diskutiert wurde in der Wasserkirche in Form eines Collegium insulanum genannten Gelehrtenkollektivs 43 . Die Mitglieder inszenierten sich mittels des gewählten Namens als Verwirklichung utopischer Forderungen. Entsprechend der zentralen Lage zwischen den beiden Münstern und zwischen dem Rat- und den Zunfthäusern wurden wissenschaftliche, religiöse und politische Themen behandelt.

<29>

Auch innerhalb der Wasserkirche spielte der neue reformierte Glaube eine große Rolle. Die Anordnung der Bücher zeigte dies in aller Konsequenz: Die Bibel fand in der Apsis und somit im Zentrum der Aufmerksamkeit ihren Platz. Alle anderen Bücher bereiteten den Leser — vom Eingang her kommend und auf dem Weg zum Buch aller Bücher die vorbereitende Literatur passierend — auf das Studium der Bibel vor; der Weg des Raums verschmolz mit dem Zugang zum Wissen. Dass der Kanon reformistisch definiert war, versteht sich von selbst.

<30>

Wurde im Bibliotheksgeschoss Gottes Wort bewahrt, konnte man im Obergeschoss seine materielle Schöpfung finden. Diese Zweiteilung in Bibliothek und angeschlossene Objektsammlung ist typisch für die Zeit. Objekte konnten mit schriftlichen Beschreibungen und gedruckten Abbildungen verglichen werden. Selbst die Naturalien der Wunderkammer wurden religiös gedeutet 44 . Johann Jakob Scheuchzer – der Kurator des Kuriositätenkabinetts – verfasste seine Physica sacra in der Wasserkirche. Ihre gestalterische und inhaltliche Ausarbeitung entsprach den Räumen, die sie hervorbrachte, stellt sie doch auch graphisch eine Mischung aus Bibel und Wunderkammer dar 45 . Die Raritätenkammer war – wie auch die Bibliothek – gleichfalls ein Ort der Repräsentation des Reichtums und der Gelehrtheit der Zürcher Bürger. So konnte man in ihr, neben wissenschaftlichen Exponaten, auch Portraits berühmter Bürger oder Stammbäume ebensolcher Familien finden.

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Zum Forschungsstand: Der Bibliothek wurde 1848 eine größere Monographie gewidmet 46 , die Wunderkammer wurde 1997 von einem museumsgeschichtlichen Standpunkt aus untersucht 47 . Die Beziehung der beiden Räume zueinander war bislang noch nicht Gegenstand der Forschung, die Arbeiten behandeln die jeweiligen Sammlungen unabhängig voneinander. Eine weitere Studie kann diese und weitere Lücken schließen.

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Gerade die Bibliothek in der Wasserkirche ist ideal, um die Aufgabe und Rolle der Bibliothek in Zeiten der Religionskriege aufzuzeigen. Es bietet sich an, neben dieser reformatorischen Bibliothek auch katholische Beispiele zu erforschen und sie mit der Zürcher Bibliothek in Bezug auf Gestaltung und Einrichtung zu vergleichen. Das Modell einer Bibliothek in einer Kirche kann an vielen Orten gefunden werden, so auch in Leiden; mögliche Vorbilder und Nachfolger können hier untersucht werden 48 .

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Ebenfalls typisch für die Frühe Neuzeit ist der Typus der Saalbibliothek. Das Zürcher Beispiel eignet sich, die Genese und Gestalt dieses Bibliotheksmodells aufzuzeigen. Ebenso verhält es sich mit der Aufteilung des Baus in eine Bücher- und eine Wunderkammer. Diese Formation findet man in vielen Bibliotheken und Sammlungen, näher darauf eingegangen wurde indes in der Forschung noch nicht. Eine generelle Erarbeitung der Bauaufgabe ›Bürgerbibliothek‹ gibt es gleichermaßen noch nicht. Deshalb soll die Bibliothek mit anderen städtischen Einrichtungen verglichen werden.

5. Quellenlage und Zeitplan

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Die anschaulichste Quelle – der eigentliche Bibliotheksbau – existiert in der Regel leider nicht mehr. Die Bibliotheken wurden im Laufe der Geschichte mehrmals umgebaut und verschieden eingerichtet, die alten Ausstattungen dabei ersetzt. Was die schriftliche Überlieferung angeht, kann die Quellenlage generell als gut bezeichnet werden. Die Quellen zu den einzelnen Bibliotheken liegen in den Nachfolgeinstitutionen bereit. Eine wichtige Quelle werden sicherlich die aus verschiedenen Zeiten stammenden Kataloge sein. Zusammen mit bestehenden Bauten, überlieferten Bauplänen und Abbildungen der Sammlungen soll versucht werden, die Architektur der Bauten und die räumliche Disposition der Objekte zu rekonstruieren und plangraphisch umzusetzen.

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Mittels zeitgenössischer Beschreibungen, Reiseberichte und Abbildungen kann versucht werden, die gesellschaftliche Bedeutung der Sammlungsräume zu rekonstruieren. Diese Darstellungen sollen für sich genommen einer kritischen Betrachtung unterzogen werden, da sie oft die eigentlichen Vorstellungen der Bibliotheken in idealisierter Weise vermitteln.

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Schriften zur allgemeinen Bibliotheks- und Sammlungstheorie, die seit dem 16. Jahrhundert einen starken Aufschwung erfuhren, sollen ebenfalls untersucht werden. Für das 17. Jahrhundert werden erste Publikationen zur architektonischen Gestaltung von Bibliotheken herangezogen. Enzyklopädien und ihre Wissensordnungen sollen ebenfalls analysiert und mit räumlichen Umsetzungen ihrer theoretischen Konzepte verglichen werden.

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Eine weitere wichtige Quellengruppe, die es zu untersuchen gilt, bilden literarische Beschreibungen von Wissensräumen, vor allem in Form utopischer Romane, die im frühen 17. Jahrhundert geschrieben und publiziert wurden 49 . Biblische Archetypen können ebenfalls gefunden werden 50 .

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Die wichtigste Sekundärliteratur wurde bereits ausgewertet. In einem nächsten Schritt soll der Quellenfundus gesichtet werden. Aus diesem Grund ist ein längerer Forschungsaufenthalt in Leiden geplant. Anschließend werden die Zürcher Quellen analysiert. Darauf folgt die erneute Kontextualisierung der Bauten. Ein Forschungsaufenthalt in Wolfenbüttel – dem Kompetenzzentrum für die Geschichte der Bibliothek – wäre für diesen Schritt wünschenswert. Anschließend folgt die Niederschrift der Arbeit mit dem Ziel, sie im Frühjahr 2012 einzureichen.

Autor:

Gregory Grämiger
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
gregory.graemiger@gta.arch.ethz.ch

1 Brian W. Ogilvie, The Science of Describing. Natural History in Renaissance Europe, Chicago, London 2006.

2 Zur allgemeinen Geschichte der Bibliotheken: Joris Vorstius, Grundzüge der Bibliotheksgeschichte, Leipzig 1954; Fritz Milkau (Hg.), Handbuch der Bibliothekswissenschaft, Stuttgart 1950–1965 (3 Bde.); Ladislaus Buzas, Deutsche Bibliotheksgeschichte der Neuzeit (1500–1800), Wiesbaden 1976.

3 Manfred Sommer, Sammeln. Ein philosophischer Versuch, Frankfurt a. M. 1999.

4 Ilse Schunke, Die systematischen Ordnungen und ihre Entwicklung, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 44 (August 1927), S. 377–400.

5 Werner Oechslin (Hg.), Wissensformen, Zürich 2008; Helmut Zedelmaier, Bibliotheca universalis und Bibliotheca selecta. Das Problem der Ordnung des gelehrten Wissens in der frühen Neuzeit, Köln 1992; Wilhelm Schmidt-Biggemann, Topica universalis. Eine Modellgeschichte humanistischer und barocker Wissenschaft, Hamburg 1983.

6 Frances A. Yates, Gedächtnis und Erinnern: Mnemonik von Aristoteles bis Shakespeare, Weinheim 1990; Jörg Jochen Berns, Wolfgang Neuber (Hg.), Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400–1750, Tübingen 1993.

7 Werner Oechslin, ›Mentalmente architettato‹: Geistiges in physischer Form, verfestigt oder dynamisch? Der Fall der Bibliothek, in: Helmar Schramm (u.a.), Kunstkammer, Laboratorium, Bühne, Schauplätze des Wissens im 17. Jahrhundert, Berlin, New York 2003, S. 123–146.

8 William N. West, Theatres and encyclopedias in early modern Europe, Cambridge 2002; Flemming Schock u.a. (Hg.), Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit. Ordnung und Repräsentation von Wissen, in: metaphorik.de 14/2008, URL: http://www.metaphorik.de/14/ <15.11.09>

9 Vgl. dazu Susanne Rau, Gerd Schwerhoff, Öffentliche Räume in der Frühen Neuzeit. Überlegungen zu Leitbegriffen und Themen eines Forschungsfeldes, in: dies. (Hg.), Zwischen Gotteshaus und Taverne. Öffentliche Räume in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, Köln 2004, S. 11–52.

10 Eva-Maria Hanebutt-Benz, Die Kunst des Lesens: Lesemöbel und Leseverhalten vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Frankfurt a. M. 1985.

11 Enzyklopädie: griech. für kreisförmig und Lehre.

12 Theoretisch begründet durch: Leopoldo della Santa, Della costruzione e del regolamento di una pubblica universale biblioteca: con la pianta dimonstrativa, Karl-Marx-Stadt 1984 (Neudruck der Ausgabe Florenz 1816).

13 Wolfgang Liebenwein, Studiolo. Die Entstehung eines Raumtyps und seine Entwicklung bis um 1600, Berlin 1977; Dora Thornton, The Scholar in his Study, New Haven, London 1997.

14 Paul Kaegbein, Deutsche Ratsbüchereien bis zur Reformation, Leipzig 1950; Martin Luther, An die Radherrn aller stedte deutschen lands: dass sie Christliche Schulen auffrichten und hallten sollen, Wittenberg 1524.

15 Diese Bib liotheken waren dank ihrer prunkvollen Ausschmückung schon Forschungsgegenstand verschiedener Studien (siehe unter Forschungsstand).

16 Mir sind nur zwei architekturgeschichtliche Übersichtswerke bekannt: John Willis Clark, The Care of Books, Cambridge (UK) 1901; André Masson, Le décor des bibliothèques du Moyen Âge à la Révolution, Genève 1972. Zudem gibt es eine Publikation, die sich der Bibliotheksarchitektur in England widmet: Burnett Hillman Streeter, The chained library: a survey of four centuries in the evolution of the English library, London 1931. Daneben gibt es einige Bildbände, die für das Verständnis wenig bieten: Margarete Baur-Heinhold, Schöne alte Bibliotheken. Ein Buch vom Zauber ihrer Räume, München 1972; Walter Schürmeyer, Bibliotheksräume aus fünf Jahrhunderten, Frankfurt a. M. 1929.

17 Andreas Tönnesmann, Renaissancebibliotheken. Zur Lesbarkeit von Architektur, in: Sylvia Claus, Michael Gnehm (Hg.), Architektur weiter denken. Werner Oechslin zum 60. Geburtstag, Zürich 2004, S. 23–39.

18 Walther Buchowiecki, Der Barockbau der ehemaligen Hofbibliothek in Wien, ein Werk J. B. Fischers von Erlach, Wien 1957; Edgar Lehmann, Die Bibliotheksräume der deutschen Klöster in der Zeit des Barock, Berlin 1996.

19 Werner Oechslin, Die Bibliothek und ihre Bücher – des Menschen Nahrung, in: Stiftung Werner Oechslin, Scholion Bulletin 0 (2001), Einsiedeln 2001, S. 7–39; Carsten-Peter Warncke (Hg.), Ikonographie der Bibliotheken, Wolfenbüttel 1992.

20 An dieser Stelle sei auf die zahlreichen Publikationen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel hingewiesen.

21 Exemplarisch: Paula Findlen, Possessing Nature: Museums, Collecting, and Scientific Culture in Early Modern Italy, Chicago 1994; Horst Bredekamp, Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte, Berlin 1993; Oliver Impey (Hg.), The origins of museums: the cabinet of curiosities in sixteenth- and seventeenth-century Europe, London 2001; Andreas Grote (Hg.), Macrocosmos in Microcosmos. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 bis 1800, Opladen 1994.

22 Besonders erwähnenswert ist die von Helmar Schramm, Ludger Schwarte und Jan Lazardzig herausgegebene Reihe Theatrum Scientiarum.

23 Vgl. Anm. 30.

24 Anthony Grafton, Libraries and Lecture Halls, in: Katharine Park, Lorraine Daston (Hg.), The Cambridge History of Science, Band III: Early Modern Science, Cambridge (UK) 2006, S. 246–247.

25 Willem Swanenburgh nach einer Zeichnung von Jan Cornelisz van 't Woudt (genannt Woudanus), Bibliothecae Lugduno-Batavae […], 1610.

26 Zur Repräsentation dieser Orte, siehe: Gerhard Wiesenfeldt, Leerer Raum in Minervas Haus. Experimentelle Naturlehre an der Universität Leiden, 1675–1715, Amsterdam 2002, S. 64–75.

27 Th. H. Lunsingh Scheurleer, Une amphitéâtre d 'anatomie moralisée, in: ders., G. H. M. Posthumus Meyjes (Hg.), Leiden University in the Seventeenth Century, Leiden 1975, S. 217–277.

28 Lucia Tongiorgi, Tomasi, Gardens of Knowledge and the République des Gens de Sciences, in: Michel Conan (Hg.), Baroque Garden Cultures: Emulation, Sublimation, Subversion, Washington 2005, S. 85–129.

29 John Prest, The Garden of Eden. The Botanic Garden and the Re-Creation of Paradise, New Haven, London, 1981; Jim Bennett, Scott Mandelbrote, The garden, the ark, the tower, the temple: biblical metaphors of knowledge in early modern Europe, Oxford 1998.

30 Christiane Berkvens-Stevelinck, Magna commoditas: Geschiedenis van de Leidse universiteitsbibliotheek 1575–2000, Leiden 2001; Philip Christian Molhuysen, Geschiedenis der Universiteits-Bibliotheek te Leiden, Leiden 1905; Elfriede Hulshoff Pol, The Library, in: Meyjes Lunsingh Scheurleer (Hg.), Leiden University (wie Anm. 27), S. 395–459.

31 H. Veendorp, L. G. M. Baas Becking, Hortus Academicus Lugduno Botavus, 1587–1937, Harlem 1938.

32 Leslie Tjon Sie Fat, Clusius' garden: a reconstruction, in: ders., Erik de Jong (Hg.), The authentic garden: a symposium on gardens, Leiden 1991, S. 3–12; Florence Hopper, Clusius' world: the meeting of science and art, in: ibid., S. 13–36; Erik de Jong, Nature and art. The Leiden Hortus as musaeum, in: ibid., S. 37–60; Lucia Tongiorgi Tomasi, Fabio Garbari, Carolus Clusius and the Botanical Garden of Pisa, in: ibid., S. 61–73.

33 Einen Ansatz gibt Tomasi, Gardens of Knowledge (wie Anm. 29), S. 85–129.

34 Lunsingh Scheurleer, Une amphithéâtre d 'anatomie moralisée (wie Anm. 28).

35 Gottfried Richter, Das anatomische Theater, Berlin 1936.

36 Jan C. C. Rupp, Matters of Life and Death: The Social and Cultural Conditions of the Rise of Anatomical Theatres, With Special Reference to Seventeenth Century Holland, in: History of Science 28 (1990), S. 263–287.

37 Zur Bürgerbibliothek vgl. Anm. 47 und 48.

38 »Bücher von den Fortificieren und Bevestnen der orthen und plätzen. Allerley Figuren der grundrissen, aufreissen, Modellen unnd Muster der Stätten, Schlösseren, Vestungen, Schantzen etc. Bücher von Kriegssachen, der Reutherey, Fussvolck, Schiffzeug, von allerley Förtlen und Kriegslisten. Bücher von der Artilerey, Büchsenmeisterey, Fewrwerck etc.«. Heinrich Ulrich, Bibliotheca nova Tigurinorum publico privata, Zürich 1979 (Neudruck der Ausgabe 1629), S. 103f.

39 Martin Germann, Arte et Marte: Durch Wissenschaft und Waffen. Die Gründungsidee der Bürgerbibliothek Zürich nach Balthasar Venators Lobgedicht von 1643/1661 und Heinrich Ulrichs Programmschrift aus dem Gründungsjahr 1629, in: Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1981, Zürich 1981, S. 25–45.

40 Wolfgang Braunert, Die Kunst der Utopie. Vom Späthumanismus zur frühen Aufklärung, Stuttgart 1989, vor allem Kapitel IV. Die Utopie als Kunstkammer, S. 106–147.

41 1 Kö 5,9–6,38 und 2 Ch 1,18–5,1. Generell zu biblischen Wissenschaftsmetaphern: Bennett, Mandelbrote, The garden, the ark, the tower, the temple (wie Anm. 29).

42 Bernhard Milt, Johann Jacob Scheuchzer und seine Reise ins Land Utopia, in: Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich (Notizen zur schweizerischen Kulturgeschichte) 91 (1946), S. 143–146.

43 Das Collegium der Insulaner tagte zwischen 1679 und 1681 in der Wasserkirche. Siehe Michael Kempe, Thomas Maissen, Die Collegia der Insulaner, Vertraulichen und Wohlgesinnten in Zürich 1679–1709, Zürich 2002.

44 Kathleen Crowther-Heyck, Wonderful Secrets of Nature: Natural Knowledge and Religious Piety in Reformation Germany, in: Isis 94 (Juni 2003), S. 253–273.

45 Robert Felfe, Naturgeschichte als kunstvolle Synthese. Physikotheologie und Bildpraxis bei Johann Jakob Scheuchzer, Berlin 2003.

46 Salomon Vögelin, Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich, Zürich 1848.

47 Claudia Rütsche, Die Kunstkammer in der Zürcher Wasserkirche, Bern 1997.

48 Das berühmteste Beispiel dazu ist die Bibliotheca Palatina, welche in der Heiliggeistkirche in Heidelberg untergebracht war und 1622 geplündert und in die Bibliotheca Vaticana verschleppt wurde.

49 Braunert, Kunst der Utopie (wie Anm. 41).

50 Bennett, Mandelbrote, The garden, the ark, the tower, the temple (wie Anm. 29).

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PSJ Metadata
Gregory Grämiger
Bibliotheksarchitektur 1550–1700
Disposition, Inszenierung und Zugänglichkeit von Wissen im Raum

Im Laufe der Frühen Neuzeit errichteten verschiedene Träger Bibliotheken und andere Sammlungsräume. Die Architektur dieser Räume hatte verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Zum einen sollten die Bücher und Exponate nach einer bestimmten Wissensordnung eingeräumt und aufgestellt werden, was aber oftmals aufgrund der physischen Raumverhältnisse kaum zu bewerkstelligen war. Ferner wurde die Architektur eingesetzt, um das Wissen und die Trägerschaft in Szene zu setzen. Zudem hatte sie dem Anspruch zu genügen, dieses Wissen zugänglich zu halten und zugleich zu schützen. Au cours de l 'époque moderne, diverses autorités érigèrent des bibliothèques et d 'autres lieux consacrés à la conservation et à l 'exposition. Dans ces lieux, l 'architecture jouait un rôle complexe et multiple. En effet, d 'un côté, l 'ordre du rangement et de l 'exposition des livres pouvait être perturbé par l 'organisation spatiale du bâtiment. De l 'autre, l 'architecture devait réussir à mettre en valeur le savoir ainsi que les fondateurs de ces lieux, le rendre accessible, mais aussi le protéger.

de
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Europa, Schweiz
Architektur
16. Jh., 17. Jh.
4001335-2 4053881-3 4002851-3 4006439-6 4128844-0
Bibliothek Architektur Sammlungsraum Botanischer Garten Museum
1550-1700
Alpenvorland (4001335-2), Schweiz (4053881-3), Architektur (4002851-3), Bibliothek (4006439-6), Sammlung (4128844-0)
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G. Grämiger: Bibliotheksarchitektur 1550–1700
In: Raumkonzepte - Raumwahrnehmungen - Raumnutzungen (6. Sommerkurs des Deutschen Historischen Instituts Paris in Zusammenarbeit mit der Universität Paris I-Panthéon-Sorbonne, 14.-17. Juni 2009) / Espaces: concepts - perceptions - usages (6e université d’été pour jeunes chercheurs de l’Institut historique allemand Paris en coopération avec l’université Paris I-Panthéon-Sorbonne, 14 - 17 juin 2009), hg. von / éd. par Susanne Rau (discussions, 5)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/discussions/5-2010/graemiger_bibliotheksarchitektur
Veröffentlicht am: 16.11.2010 16:05
Zugriff vom: 21.04.2018 09:52
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