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    S. Tschopp: Medien und Kommunikation als Gegenstand der historischen Forschung zur Frühen Neuzeit

    discussions 12 (2015)

    Silvia Serena Tschopp

    Medien und Kommunikation als Gegenstand der historischen Forschung zur Frühen Neuzeit

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    »L’histoire des médias embrasse un champ immense«– so lautet der erste Satz in Jean-Noël Jeanneneys Histoire des médias1.Mag das Werk des ehemaligen Direktors der französischen Nationalbibliothek wissenschaftlichen Ansprüchen auch nur bedingt genügen, so ist dem Verfasser zumindest darin Recht zu geben, dass das Forschungsfeld, das es in meinen folgenden Ausführungen zu umreißen gilt, tatsächlich kaum zu überblicken ist. Dies hängt nicht zuletzt mit der tendenziellen Unschärfe des Begriffs »Medium« zusammen, der eine Vielzahl von Artefakten bezeichnet, etwa Texte und deren unterschiedliche Träger, Bilder und Gegenstände wie beispielsweise technische Geräte zur Vermittlung von Botschaften und nicht zuletzt Menschen, die mittels ihres Körpers unterschiedliche Formen der Kommunikation beherrschen. Der für die Erforschung medienbasierter Prozesse konstitutive Terminus »Kommunikation« wiederum umfasst ein breites Spektrum an Praktiken und Dynamiken zwischenmenschlicher Interaktion, die kaum einen Bereich individueller und kollektiver Erfahrung unberührt lassen. Die gegenwärtig favorisierte weite Definition von »Medium« und »Kommunikation« zwingt demnach zu einer Eingrenzung. Ich werde in meinen Überlegungen von einem engen Medienbegriff ausgehen, d.h. den Fokus auf jene medialen Manifestationen richten, die in der Regel gemeint sind, wenn von historischer Medienforschung die Rede ist, also Bücher sowie periodische und nichtperiodische Publizistik. Sie bilden die hauptsächlichen Träger einer auf Druckmedien gestützten Kommunikation in der Frühen Neuzeit und standen bislang denn auch im Zentrum der diesbezüglichen Forschungsbemühungen.

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    Die hier vorgenommene, durchaus nicht unproblematische Einschränkung des Betrachtungsfeldes löst allerdings nicht die Probleme, die sich aus dem doppelten Charakter von Medien ergeben. Letztere bilden nämlich - und damit ist eine zweite Schwierigkeit benannt – zugleich Quellen und Gegenstand kulturgeschichtlicher Analyse. In ihrer Funktion als Quellen wissenschaftlicher Untersuchungen stellen sie in zahlreichen Disziplinen eine unverzichtbare Forschungsgrundlage dar, die Informationen über so gut wie alle Wissensbereiche bereithält. Es versteht sich von selbst, dass all jene Studien, die auf Medien als Quellen zurückgreifen ohne diese zum Gegenstand ihrer Analyse zu machen, nicht in die folgenden Überlegungen einbezogen werden können. Im Zentrum stehen vielmehr jene Beiträge, in welchen eine systematische Befassung mit Medien erfolgt, mit deren Herstellungsbedingungen, mit deren Verbreitung und Rezeption, mit deren Bedeutung im Kontext frühneuzeitlicher Lebenswelten und Ereigniszusammenhänge. Dass eine distinkte Unterscheidung zwischen Studien, in denen Medien allein als Quellen dienen, und Studien, in denen sie darüber hinaus den hauptsächlichen Gegenstand der Analyse bilden, nicht immer leicht fällt, soll nicht verschwiegen werden.

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    Damit sind die Herausforderungen, mit denen sich konfrontiert sieht, wer in einer europäischen Zusammenschau den aktuellen Forschungsstand zu Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit zu rekapitulieren versucht, noch keinesfalls vollständig benannt. Eine dritte Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass Mediengeschichte als transdisziplinärer Gegenstandsbereich von Vertretern unterschiedlicher akademischer Fächer erforscht wird. An vorderster Front stehen hier Literaturwissenschaftler, die vor allem in England und Deutschland den einschlägigen Forschungsdiskurs dominieren; daneben bietet sich die Befassung mit dem frühneuzeitlichen Mediensystem für Historiker unterschiedlicher Ausrichtungen an, wie insbesondere die auf Frankreich bezogenen Forschungsbeiträge geschichtswissenschaftlicher Provenienz zeigen: Bildet die ökonomische Dimension der Medienproduktion und –konsumption die Domäne der Wirtschaftshistoriker, so widmet sich die Technikgeschichte den die den Buchdruck ermöglichenden Geräten und Verfahren, während sich etwa die Rechtsgeschichte mit Fragen der Zensur beschäftigt. In Anbetracht der Rolle, die bildlichen Darstellungen in frühneuzeitlichen Medien zukommt, eröffnen letztere außerdem ein interessantes, allerdings noch kaum bearbeitetes Forschungsfeld für Kunsthistoriker.

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    Dass frühneuzeitliche Medien sich für Forschungsvorhaben, an denen unterschiedliche Fächer beteiligt sind, in besonderem Maße anbieten, mag angesichts der Konjunktur, welche die Kategorie »Transdisziplinarität« gegenwärtig erlebt, erfreulich sein; es ist jedoch nicht zuletzt diesem Umstand zu verdanken, dass historische Medienforschung im akademischen System keinen festen Ort hat. Die an den Universitäten immer mehr expandierende Medien- und Kommunikationswissenschaft konzentriert sich in der Regel auf moderne Entwicklungen und hat sich bislang an der Erforschung des frühneuzeitlichen Kommunikationssystems kaum beteiligt; in der Literatur-, Geschichts- und Kunstwissenschaft wiederum ist die Bedeutung der historischen Medienforschung innerhalb des jeweiligen Fachs meist tendenziell marginal. Die schwache institutionelle Verankerung der historischen Medien- und Kommunikationsforschung zeigt sich nicht zuletzt darin, dass es bis vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland einen einzigen Lehrstuhl für Buchwissenschaft gab2 und Medien- bzw. Kommunikationsgeschichte weiterhin allenfalls vereinzelt in der Denomination kulturhistorisch ausgerichteter Professuren begegnet. Wer versucht, sich einen Überblick über die Erforschung des frühneuzeitlichen Kommunikationssystems zu verschaffen, ist deshalb gezwungen, sich auf eine mühsame Suche in disparaten disziplinären Feldern und unterschiedlichen Forschungsinstitutionen (Universität, Bibliothek, Archiv) zu begeben.

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    Eine vierte Schwierigkeit, die hier benannt werden soll, betrifft schließlich die meist nationale Fokussierung historischer Medienforschung. Als vorwiegend sprachlich verfasste Artefakte sind Medien an spezifische Kulturräume gebunden und so ist es kaum überraschend, dass deren Erforschung innerhalb relativ abgeschotteter nationaler Wissenschaftskulturen erfolgte. Zwar ist die permanente Überschreitung politischer, konfessioneller oder sprachlicher Grenzen ein konstitutives Merkmal des frühneuzeitlichen Kommunikationssystems; das Augenmerk der meist einer nationalphilologischen bzw. nationalhistorischen Tradition verpflichteten Forscher richtete sich jedoch in der Regel auf die Medien eines einzigen, nicht selten des eigenen Kulturraums. Eine europäische Zusammenschau, wie sie im Rahmen dieses Beitrags gefordert ist, erweist sich deshalb gerade mit Blick auf die historische Medienforschung als prekäres Unterfangen, ist es doch kaum möglich, die Fülle an kontingenten Forschungsansätzen und Befunden zu überblicken, und dies auch dann, wenn man sich, wie ich es tun werde, auf den englischen, französischen und deutschen Sprachraum beschränkt. Die folgenden Ausführungen sind demzufolge hochgradig selektiv und entsprechend mit großen Lücken behaftet3. Sie verstehen sich außerdem – auch dies gilt es zu betonen – eher als pragmatische Bestandsaufnahme denn als kritische Diskussion unterschiedlicher Positionen; sie sind demnach primär deskriptiv und weniger analytisch angelegt.

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    Nun ist es nicht meine Aufgabe, die Unmöglichkeit eines Vorhabens zu erläutern, dessen Sinnhaftigkeit ungeachtet aller Schwierigkeiten, die sich damit verbinden, unzweifelhaft sein dürfte. Und so will ich im Folgenden versuchen, zumindest einige Schneisen in das Dickicht historischer Medienforschung zu schlagen. Ich werde dies in drei Schritten tun: In einem ersten Schritt nehme ich zentrale Bereiche historischer Medienforschung – genauer: die Forschung zu einzelnen Medien sowie zu den Institutionen und zu den Praktiken medienbasierter Kommunikation – vergleichend in den Blick. In einem zweiten Schritt werde ich medienübergreifend Momente eines Wandels geisteswissenschaftlicher Forschungsparadigmen andeuten, von welchen wichtige Impulse für die historische Medienforschung ausgingen, bevor ich in einem dritten und letzten Schritt einige Forschungsdesiderate benenne, die zugleich Perspektiven einer zukünftigen wissenschaftlichen Befassung mit Medien eröffnen.

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    Zentrale Bereiche historischer Kommunikationsforschung: Medien, Institutionen, Praktiken

    Unter den Medien, die das neuzeitliche Kommunikationssystem konstituieren, kommt dem Buch zumindest forschungsgeschichtlich eine Vorrangstellung zu. Die Anfänge der Buchgeschichte reichen ins 19. Jahrhundert zurück – erinnert sei hier mit Blick auf Deutschland etwa an das Archiv für Geschichte des Deutschen Buchhandels (seit 1878) oder Friedrich Kapps und Johann Goldfriedrichs vierbändige Geschichte des Deutschen Buchhandels4 – und sie verdanken sich weniger den Bemühungen akademischer Forscher als vielmehr dem Wirken wissenschaftlicher Bibliothekare. Im Vordergrund standen zunächst die Erfassung gedruckter Werke sowie die Erforschung ihrer Herkunft, ihrer Herstellungsbedingungen, ihrer Verbreitung und ihrer Überlieferung. Diese, einem positivistischen Forschungsparadigma verpflichtete bibliographische Beschäftigung mit Büchern wurde in der Folge durch stärker auf die Inhalte erhaltener Drucke fokussierte Studien meist literaturwissenschaftlicher Provenienz ergänzt. Gemeinsam ist der bibliographischen und der frühen philologischen und historischen Auseinandersetzung mit Büchern, dass sie sich in der Regel auf jene Werke konzentrierte, die der »Elitenkultur«zuzurechnen sind, d.h. auf gelehrte und »schöne«Literatur, während etwa die quantitativ bedeutende religiöse Literatur – wenn man von Bibeldrucken absieht – auf eher geringes Interesse stieß. So hat in England die Buchwissenschaft von jenen Shakespeare-Forschern profitiert, die sich mit der Druckgeschichte des Oeuvres des englischen Dichters beschäftigten, während in Frankreich, wo sich die Geschichtswissenschaft und insbesondere die Wissenschaftsgeschichte in höherem Maße buchgeschichtlicher Themen annahmen als im englischsprachigen Raum, im weitesten Sinne gelehrte Publikationen im Vordergrund standen.

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    Auf dieser älteren Buchgeschichte aufbauend und sich zugleich von ihr abgrenzend entwickelte sich, zunächst in Frankreich, eine »neue« Buchgeschichte, die darauf zielte, die tendenziell isolierte Betrachtung von Büchern durch Studien zu ersetzen, in denen deren Verankerung und Funktion in gesellschaftlichen Zusammenhängen den Gegenstand der Analyse bildete. Lucien Febvres und Henri-Jean Martins L’apparition du livre5 gilt als Initialzündung einer mentalitäts- bzw. sozialgeschichtlich inspirierten Buchwissenschaft, wie sie sich in der Folge auch im anglo-amerikanischen Raum und schließlich in Deutschland durchzusetzen vermochte. In der Tat fällt auf, dass seit den 1960er Jahren nicht nur mehrere grundlegende Einzelpublikationen erschienen, sondern parallel dazu Zeitschriften wie etwa das Archiv für Geschichte des Buchwesens (seit 1958), die Revue Française d’Histoire du Livre (nouvelle série seit 1971) oder die Publishing history (seit 1977) gegründet, Bibliographien wie die Annual Bibliography of the History oft he Printed Book and Libraries (seit 1970)6 oder die Bibliographie der Buch- und Bibliotheksgeschichte (1982-2004) veröffentlicht, Plattformen für Buchforschung wie das Institut d’Etude du Livre in Paris, der Arbeitskreis für Geschichte des Buchwesens in Wolfenbüttel oder das Center for the Book in der Library of Congress in Washington ins Leben gerufen wurden.

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    Den genannten Institutionen, Publikationsreihen und Akteuren eine »unité de doctrine« zu unterstellen, wäre sicher verfehlt; es ist jedoch offenkundig, dass jene Tendenzen, auf die ich im Rahmen meines Rückblicks auf einige Entwicklungen, welche eine Erneuerung der historischen Medienforschung Vorschub leisteten, noch zu sprechen kommen werde, das Interesse an Buchgeschichte beflügelt und deren weiterer Institutionalisierung den Weg geebnet haben. Dies gilt gerade für Deutschland, wo mittlerweile an mehreren Universitäten, namentlich in Mainz, München, Erlangen, Leipzig und Münster, Forschungs- und Studienzentren für Buchwissenschaft entstanden sind. Es dürfte nicht zuletzt die hier angedeutete Institutionalisierung der Buchgeschichte sein, die zu einem erneuten publizistischen Schub geführt hat. Ambitionierte Projekte, allen voran die seit 1999 erscheinende Cambridge History of the Book in Britain7, belegen, wie lebendig die Buchgeschichte sich gegenwärtig präsentiert. Sie hat außerdem, wie ein Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zeigt, im Zuge ihrer wissenschaftlichen Etablierung ihren Gegenstandsbereich stetig erweitert, etwa, indem sie ihr Augenmerk nicht mehr nur auf die Elitenkultur richtete, sondern sich neu auch der populären Literatur widmete, wie Robert Mandrous Pionierarbeit zur Bibliothèque bleue8 oder Robert Darntons Studie über klandestine Literatur im Vorfeld der Französischen Revolution9 deutlich machen.

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    Die periodische und nichtperiodische Publizistik, womit hier in erster Linie Zeitungen und Zeitschriften sowie Einblattdrucke und Flugschriften gemeint sind, ist bislang weit weniger intensiv erforscht worden als die Buchproduktion. Zwar verbergen sich hinter der Bezeichnung »Buchgeschichte« bisweilen auch Forschungen zu publizistischen Medien – so enthält etwa die Cambridge History of the Book in Britain vereinzelt Beiträge zur periodischen Presse –, dennoch kann es keinen Zweifel daran geben, dass die Publizistik nicht im gleichen Maße im Fokus medienhistorischer Betrachtung stand wie das Buch. Ein relatives Desinteresse an publizistischen Medien und den damit verbundenen Fragestellungen ist den in meinem Beitrag berücksichtigen Wissenschaftsräumen gemeinsam, hinsichtlich der Schwerpunktsetzungen lassen sich allerdings bemerkenswerte Unterschiede feststellen: In Frankreich hat die nichtperiodische Publizistik der Frühen Neuzeit kaum Beachtung gefunden, während die periodische Presse durchaus auf Aufmerksamkeit stieß, wie nicht nur die auf Initiative von Mitgliedern des Institut français de Presse veröffentlichte Histoire générale de la presse française10, sondern auch einige jüngere Studien belegen. Besonders gut erforscht ist das Pressewesen im Kontext der Französischen Revolution, zu dem auch – oder besser gesagt: vor allem – englischsprachige und deutsche Autoren Beiträge geliefert haben. Im Gegensatz dazu war es in Deutschland gerade die periodische Presse, die lange ein Schattendasein führte, während die Forschung zur nichtperiodischen Publizistik und hier insbesondere zu frühneuzeitlichen Flugblättern sich in den vergangenen etwa dreißig Jahren sehr erfreulich entwickelt hat. Für die Erforschung insbesondere der Zeitung spielt das an der Universität Bremen angesiedelte Institut für Presseforschung eine zentrale Rolle. Seit seiner Gründung (im Jahr 1957) hat es sich die Archivierung, Dokumentation und Erforschung der älteren deutschsprachigen periodischen Presse zur Aufgabe gemacht. Es beherbergt das weltweit umfangreichste Mikrofilmarchiv deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften des 17. und 18. Jahrhunderts und gibt mehrere wissenschaftliche Buchreihen11sowie seit 1999 das Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte heraus. Diesen Bemühungen zum Trotz klaffen in der Erforschung früher Zeitungen weiterhin erhebliche Lücken12.

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    In noch höherem Maße gilt dies für frühmoderne Zeitschriften. Weder existiert ein aktuelles Bestandsverzeichnis – die letzte Auflage von Joachim Kirchners Überblick über die Zeitschriften des 17. und 18. Jahrhunderts ist 1958/62 erschienen13 und eine in Wikipedia befindliche »Liste frühmoderner Zeitschriften«14ist ungeachtet ihres beträchtlichen Umfangs weit davon entfernt, vollständig zu sein – noch liegen Forschungsbeiträge in größerem Umfang vor. Dadurch, dass mittlerweile einige berühmte Journale online verfügbar sind (z.B. Friedrich Nicolais Allgemeine Deutsche Bibliothek, 17659615) hat sich zwar die Zugänglichkeit der vor 1800 erschienenen Zeitschriften deutlich verbessert, deren Erforschung steht jedoch noch weitgehend aus. Dies gilt, wenn auch in geringerem Maße, ebenso für Frankreich und England. Wie in Deutschland konzentriert sich die Forschung zu französischen und englischen Zeitschriften primär auf die literarischen Journale, die Moralischen Wochenschriften sowie ausgewählte gelehrte Zeitschriften; andere Zeitschriftenkorpora wie etwa die historisch-politischen Journale oder die Frauen- und Kinderzeitschriften sind noch kaum oder gar nicht untersucht.

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    Größere Aufmerksamkeit hat hingegen – zumindest im deutschsprachigen Raum – die frühneuzeitliche nichtperiodische Publizistik gefunden: Dies gilt vor allem für die illustrierten Einblattdrucke, die in den vergangenen Jahrzehnten durch ehrgeizige Editionsvorhaben16 erschlossen wurden und mittlerweile als recht gut erforscht gelten dürfen. Ein Forschungsdesiderat stellen hingegen weiterhin die frühneuzeitlichen Flugschriften dar. Zwar wurden immerhin die Flugschriften der ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts bibliographisch erfasst17, die umfangreiche Flugschriftenpublizistik aus späterer Zeit blieb jedoch weitgehend unbeachtet. Dies gilt auch für Frankreich18 und – in etwas geringerem Maße – für England, wo zumindest die Publizistik im Umfeld des englischen Bürgerkriegs (164249) wiederholt Gegenstand historischer Analyse war19. Da die Unzugänglichkeit der meisten Flugschriftenbestände einen Grund für deren unzureichende Wahrnehmung darstellt, dürfte die Forschung zu und mit Flugschriften durch einige bereits realisierte oder in Angriff genommene Digitalisierungsprojekte zukünftig an Dynamik gewinnen20.

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    Mit Blick auf die Institutionen des frühneuzeitlichen Mediensystems ist festzuhalten, dass deren Erforschung recht weit fortgeschritten ist, zählen die Produktion und Distribution gedruckter Werke doch zu den klassischen Feldern der Buchgeschichte. Zu einzelnen Buchdruckern oder auch Druckzentren, zu ausgewählten Verlegern bzw. Verlagen, zum Buchhandel oder auch zu spezifischen Vertriebsformen wie etwa der Kolportage21 wurden Monographien veröffentlicht, außerdem sind in den vergangenen Jahrzehnten mehrere großangelegte Überblickswerke wie etwa die von Roger Chartier und Henri-Jean Martin herausgegebene Histoire de l’édition française22 oder Jürgen Wilkes Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte23 erschienen. Stärker in den Fokus buchwissenschaftlicher Forschung gerückt ist in jüngerer Zeit auch die Bibliothek als jene Institution, in der Druckwerke gesammelt und einem mehr oder weniger breiten Adressatenkreis verfügbar gemacht werden konnten. Neben vereinzelten Überblickswerken wie etwa der von Claude Jolly betreuten Histoire des bibliothèques françaises24 sind vor allem Fallstudien in den Druck gelangt, die sich aus wissens- bzw. wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive mit Adels- oder Gelehrtenbibliotheken befassen oder aber, wie dies Hans-Jörg Künast und Helmut Zäh am Beispiel der bedeutenden Büchersammlung des Augsburger Humanisten Konrad Peutinger getan haben, die ursprüngliche Zusammensetzung einer längst aufgelösten Bibliothek rekonstruieren25. In den vergangenen etwa zwei Jahrzehnten hat außerdem die ins 18. Jahrhundert zurückreichende kommerzielle Leihbibliothek erhöhte Aufmerksamkeit erfahren26. Damit liegen erste Ergebnisse vor, die allerdings das Erkenntnispotential, das sich aus der Beschäftigung mit Bibliotheken ergibt, noch kaum auszuschöpfen vermochten. Wichtige Fragen zum Stellenwert von Bibliotheken für die Vermittlung und Rezeption von gedruckten Texten oder zu den sich in Buchbeständen und in der Ausleihpraxis spiegelnden Wissenshorizonten, zu Lesebedürfnissen sowie zur Modifikation literarischer Kanones bzw. zu Prozessen des literarischen Geschmackswandels bleiben vorerst unbeantwortet.

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    Sehr dynamisch erscheint demgegenüber – zumindest im anglo-amerikanischen Raum und in Frankreich – die Forschung zu den Praktiken insbesondere der Rezeption gedruckter Schriften. Die historische Leseforschung stellt zwar auch in Deutschland ein seit längerem bearbeitetes, wenn auch eher randständiges Forschungsfeld dar, sie wurde, wenn man von geschichtswissenschaftlichen Beiträgen etwa zu den Lesegesellschaften des späten 18. Jahrhunderts absieht, jedoch lange Zeit primär von ethnologischer Seite betrieben27 und hat den Anschluss an die aktuelle Leseforschung, wie sie außerhalb Deutschlands stattfindet, bislang nur bedingt gefunden28. Dies ist umso bedauerlicher, als insbesondere die Arbeiten Roger Chartiers gezeigt haben, welchen Gewinn ein kulturhistorisch geschärfter Blick auf Lektüre als Modus der Textperzeption verspricht29.

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    Entwicklungstendenzen innerhalb der historischen Medienforschung

    Hatte sich die seit dem 19. Jahrhundert praktizierte historische Medienforschung zunächst auf die bibliographische Erfassung von Druckschriften, die Prosopographie der am öffentlichen Kommunikationssystem beteiligten Akteure und die Historiographie der Institutionen des literarisch-publizistischen Markts konzentriert, erfuhr sie, wie ich bereits erwähnt habe, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine offenkundige Neuausrichtung. Letztere ist Entwicklungen geschuldet, die hier nur angedeutet werden können: Einen ersten Innovationsschub erlebte die historische Medienforschung durch den Geltungsgewinn der Kategorie »Gesellschaft«, der sowohl für die Geschichtswissenschaft als auch für die Literaturwissenschaft Folgen zeitigte. Seit den 1960er Jahren manifestierten die Sozialgeschichte bzw. die von Philologen betriebene Literatursoziologie denn auch nicht nur ein deutliches Interesse an medienhistorischen Problemstellungen, sie plädierten zugleich für neue Akzentsetzungen. Im Zentrum stand nun weniger das Buch als isoliertes Medium, sondern vielmehr der jeweilige gesellschaftliche Kontext, dem dieses seine Genese und Distribution verdankte. Dabei gerieten zum einen die Lebens- und Produktionsbedingungen der Buchdrucker, Verleger oder Buchhändler als Kollektiv in den Blick; zum anderen richtete sich das Augenmerk auf sozial zu begründende Differenzen im Bereich des Buchbesitzes und der Medienkonsumption.

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    Derartige, die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und Mediensystem perspektivierenden Ansätze haben die historische Medienforschung vor allem in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beflügelt. So kam es in Deutschland zur Gründung des Internationalen Archivs für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL), Aspekte des literarischen Kommunikationssystems fanden Eingang in literaturgeschichtliche Kompendien, Studien zur sozialen Verortung von Autorschaft, zu den Institutionen des Buchmarkts oder zur Rolle der Presse als Medium der Vermittlung literarischer Texte erschienen in relativ dichter Folge. Auch in Frankreich, wo die historische Medienforschung in weit höherem Maße als in Deutschland dem quantitativen Ansatz einer »histoire sérielle« verpflichtet blieb, sowie im anglo-amerikanischen Raum wurde Literatur seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vermehrt als Teil eines gesellschaftlichen – des »literarischen« – Feldes untersucht. Dem Kreis der Annales-Autoren bzw. den Exponenten der »nouvelle histoire«, denen für die Etablierung einer derart »modernisierten« Buchgeschichte eine entscheidende Rolle zukommt30, ist Roger Chartier zuzurechnen, der – wie etwa auch der amerikanische Historiker Robert Darnton – maßgeblich zu einem weiteren, wesentlich durch den »cultural turn« inspirierten, Innovationsschub innerhalb der historischen Medienforschung beigetragen hat. Indem Chartier darauf insistierte, dass eine Geschichte des Lesens nicht in der Beschreibung von Lesestoffen aufgehen kann, sondern den Fokus darüber hinaus auf all jene individuellen und kollektiven Praktiken zu richten hat, die sich mit der Lektüre von Texten verbinden, schärfte er den Blick für die Bedeutung der Rekonstruktion von »Leseweisen« und deren Analyse als Formen sinnstiftenden Handelns, das in Abhängigkeit von psychischen Dispositionen, intellektuellen Erfahrungen oder sozialen Milieus erfolgt. Konzepte einer auf das Kommunikationssystem zentrierten »sociology of texts«, wie sie etwa Donald F. McKenzie vorgeschlagen hat, seien, so Chartier, durch das Modell einer die Kommunikationsweisen der dieses System konstituierenden Akteure privilegierenden »graphischen Kultur« zu ergänzen31. Der an Armando Petrucci angelehnte Begriff der »graphischen Kultur« steht dabei für eine handlungstheoretisch fundierte, um die Kategorie »Performanz« erweiterte historische Medienforschung, in deren Fokus die Rezeption von Medien und die in diesem Zusammenhang erkennbaren Modi der Aneignung stehen. Die gegenwärtig zu beobachtende Konjunktur der Lesegeschichte(n) darf man wohl ebenso als Indiz dafür werten dürfen, dass sich der Einfluss der »New Cultural History« bzw. der »histoire culturelle« mittlerweile auch in der historischen Kommunikationsforschung bemerkbar macht, wie das verstärkte Interesse an Phänomenen einer »Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen« etwa mit Blick auf die Interrelation zwischen mündlicher und schriftlicher Kommunikationskultur32.

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    Desiderata und zukünftige Perspektiven historischer Medienforschung

    In meinen bisherigen Ausführungen habe ich mich auf den Stand der Erforschung einzelner frühneuzeitlicher Medien, Institutionen und Praktiken sowie auf die Bedeutung des Wandels geisteswissenschaftlicher Forschungsparadigmen für die Kommunikationsgeschichte beschränkt und es vermieden, einen Überblick über relevante thematische Felder historischer Medienforschung zu bieten. Angesichts der Tatsache, dass, wie ich eingangs betonte, historische Medienforschung im Schnittbereich mehrerer Disziplinen angesiedelt ist und unterschiedlichste Themen aufgreift, schien mir dies legitim. Auch mit Blick auf die Formulierung von Desideraten halte ich es für nur bedingt sinnvoll, primär jene Themenfelder aufzulisten, die weiterer Erforschung bedürfen. Nicht, dass es solche Themenfelder nicht gäbe: So existieren in Deutschland weiterhin nur wenige aktuelle Studien zum Thema Zensur33, stand bisher doch die Ermöglichung öffentlicher Kommunikation und nicht deren angestrebte Verhinderung im Vordergrund; auch sind die Modi der Vermarktung von Büchern und in diesem Zusammenhang etwa die Werbung für Bücher und Periodika noch kaum erforscht. Unterbelichtet ist des Weiteren die Präsenz und Funktion von Bildern in Druckmedien, was insofern überrascht, als Bilder ein konstitutives Element auch und gerade frühneuzeitlicher Medien darstellen. Außerdem – und damit beende ich meine keinesfalls vollständige Aufzählung – ist der Zusammenhang von Buchdruck und Konfession noch immer nicht hinreichend untersucht. Dennoch werde ich in meinen abschließenden Überlegungen nicht die zweifellos vorhandenen Forschungslücken in den Blick nehmen, sondern mich auf vier Forderungen konzentrieren, denen, so zumindest meine Vermutung, die Forschung zum frühneuzeitlichen Mediensystem zukünftig in höherem Maße entsprechen dürfte, als dies bislang der Fall war.

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    Meine Forderungen lassen sich mit den Begriffen »Medienverbund«, »Medienwandel«, »Medienereignis« und »Medientransfer« umreißen: Zum einen sollten Medien, unabhängig von der jeweiligen thematischen Fokussierung, noch stärker als Phänomene verstanden werden, die nicht isoliert, sondern im Rahmen reziproker Beziehungen, im Rahmen eines komplexen Zusammenspiels – das meine ich mit »Medienverbund« – ihre Wirkung entfalten. Für die meisten medienhistorischen Fragestellungen erscheint deshalb eine Vorgehensweise adäquat, die den Fokus nicht auf ein einzelnes Medium – etwa Zeitschrift oder Flugblatt – richtet, sondern sämtliche mit Blick auf den zu behandelnden Gegenstand relevanten Medien als interagierende und zugleich gemeinsam Wirkungen zeitigende Kommunikationsträger in die Betrachtung mit einbezieht. Der Terminus »Medienwandel« wiederum steht für das Postulat, Wandlungsprozessen innerhalb des frühneuzeitlichen Mediengefüges mehr Beachtung zu schenken. Wie reagierte das frühneuzeitlichen Mediengefüge auf die Genese und den Siegeszug neuer Medien? In welchem Ausmaß und wie änderte sich die Funktion eines Mediums durch die Konkurrenz eines neuen Mediums, das spezifische Bedürfnisse des Publikums besser zu befriedigen wusste? Wie lassen sich historisch beschreibbare Konjunkturen einzelner Medien erklären, was begründete den Erfolg von Medien und welches waren die Ursachen für deren Bedeutungsverlust? – dies sind nur einige der Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen und auf die präzise Antworten noch ausstehen.

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    Dass medienbasierte Kommunikation nicht als gleichförmiger Nachrichtenstrom konzeptualisiert werden darf, sondern ereignisbedingten Schwankungen unterworfen ist, stellt keine neue Einsicht dar; die Frage nach den Ursachen und Ausprägungen von »Medienereignissen«, verstanden als Intensivierungen von Kommunikationsprozessen und zugleich Knotenpunkten kommunikativer Verdichtung, sind allerdings erst in jüngerer Zeit zum Gegenstand systematischerer Analyse avanciert34, und sie bedürfen weiterer Vertiefung. Die Befassung mit Medienereignissen ist nicht nur deshalb erhellend, weil sie zu illustrieren vermag, in welchem Maße historische Wirklichkeiten als medial konstruierte erscheinen, sondern weil sie darüber hinaus den Blick schärft für die Verflechtungen zwischen unterschiedlichen Medien, unterschiedlichen Modi der Repräsentation sowie unterschiedlichen Praktiken mediengestützter Interaktion. Gerade jene Momente der europäischen Geschichte, für die ein besonders hoher Grad an medialer Aufmerksamkeit bezeugt ist, erinnern daran, dass öffentliche Kommunikation sich in einem Kontext vollzieht, der durch Spannungsfelder wie Lokalbezug und transnationale Entgrenzung35, Oralität und Skripturalität, Bild und Text oder aber Streben nach Publizität einerseits und Zensurmaßnahmen andererseits charakterisiert ist. Frühneuzeitliche Medienereignisse – neben Ereigniskomplexen wie Reformation, Dreißigjähriger Krieg oder Französische Revolution ist hier auch an Medienereignisse von begrenzterer Relevanz wie beispielsweise der Tod Albrecht von Wallensteins oder die Vertreibung der Salzburger Protestanten, um nur zwei aus einer riesigen Fülle möglicher Fallbeispiele zu nennen, zu denken – bieten demzufolge einen geeigneten Ausgangspunkt für die Rekonstruktion der komplexen Dynamiken öffentlicher Kommunikation.

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    Die gegenwärtige Diskussion um Probleme des Kulturtransfers schließlich dürfte dazu beitragen, die internationale Dimension des frühneuzeitlichen Mediensystems und damit Prozesse des »Medientransfers« stärker ins Bewusstsein treten zu lassen. Die Produktion, Distribution und Rezeption von Medien ist gebunden an grenzüberschreitende Infrastrukturen und Austauschprozesse, die bislang noch nicht ausreichend reflektiert wurden. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang beispielsweise an die zahlreichen Übersetzungen von Texten aus anderen Sprachen, an die Rezensionsjournale, die über Literatur aus ganz Europa informierten, oder an konfessionsspezifische internationale Kontaktnetze und die weite geographische Räume und damit verbunden unterschiedliche europäische Staaten und Kulturen überspannenden Distributionswege. Die Gründung internationaler Vereinigungen für Buchgeschichte wie die Society for the History of Autorship, Reading and Publishing (SHARP)36, vor allem jedoch einige jüngst veröffentlichte bzw. im Entstehen begriffene Publikationsprojekte37 geben immerhin Anlass zur Hoffnung, dass diese Forschungslücken – so wie auch die anderen hier thematisierten Desiderate – in einigen Jahren vielleicht keine mehr sein werden.

    Autorin:

    Prof. Dr. Silvia Serena Tschopp
    Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte
    Universität Augsburg
    Postfach
    86135 Augsburg

    1 Jean-Noël Jeanneney, Une histoire des médias. Des origines à nos jours, Paris 42011, S. 7.

    2 Vgl. dazu Ursula Rautenberg, Buchwissenschaft in Deutschland. Einführung und kritische Auseinandersetzung, in: dies. (Hg.), Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch. Bd. 1, Theorie und Forschung, Berlin, New York, 2010, S. 364, hier S. 16. Der älteste deutsche Lehrstuhl für Buchwissenschaft ist derjenige an der Gutenberg-Universität Mainz.

    3 Angesichts der Fülle an einschlägiger Forschungsliteratur haftet bibliographischen Hinweisen notwendigerweise etwas Zufälliges an. Ich nenne in meinen Darlegungen deshalb nur wenige Publikationen, verweise jedoch in meinem Beitrag auf Bibliographien, in denen medienhistorische Veröffentlichungen laufend erfasst werden.

    4 Friedrich Kapp, Johann Goldfriedrich, Geschichte des Deutschen Buchhandels. 4 Bde., Leipzig 18861913. Zu den Anfängen der Buchhandelsgeschichte als eines zentralen Felds der Buchgeschichte in Deutschland vgl. Monika Estermann, Buchhandel, Buchhandelsgeschichte und Verlagsgeschichtsschreibung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ein Überblick über Quellenlage und Forschungsliteratur, in: Rautenberg, Buchwissenschaft (wie Anm. 2), S.  257320.

    5 Lucien Febvre, Henri-Jean Martin, L’apparition du livre, Paris 1958.

    6 Die ABHB wird mittlerweile als Book History Online fortgesetzt.

    7 Die Cambridge History of the Book in Britain ist in bislang sechs von jeweils unterschiedlichen Herausgebern betreuten Bänden zwischen 1999 und 2009 erschienen. An ähnlich ehrgeizigen Projekten wären mit Blick auf Deutschland zu nennen Joachim-Felix Leonhard u.a. (Hg.), Medienwissenschaft. Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. 3 Bde., Berlin, New York 19992002 oder Ursula Rautenberg (Hg.), Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch. 2 Bde., Berlin, New York 2010.

    8 Robert Mandrou, De la Culture Populaire aux 17e et 18e siècles. La Bibliothèque Bleue de Troyes, Paris 1964.

    9 Robert Darnton, The Forbidden Best-Sellers of Pre-Revolutionary France, New York, London 1996.

    10 Claude Bellanger u.a. (Hg.), Histoire générale de la presse française, 5 Bde., Paris 196976.

    11 Vgl. zum einen die Studien zur Publizistik (19581992) sowie und vor allem die Reihe Presse und Geschichte – Neue Beiträge (seit 2000).

    12 Zu erwähnen ist hier immerhin die umfangreiche Publikation von Martin Welke, Jürgen Wilke (Hg.), 400 Jahre Zeitung. Die Entwicklung der Tagespresse im internationalen Kontext, Bremen 2008.

    13 Joachim Kirchner, Das deutsche Zeitschriftenwesen. Seine Geschichten und seine Probleme, Teil 1, Von den Anfängen bis zum Zeitalter der Romantik. Wiesbaden 1958; ders., Das deutsche Zeitschriftenwesen. Seine Geschichte und seine Probleme, Teil 2, Vom Wiener Kongress bis zum Ausgange des 19. Jahrhunderts. Wiesbaden 1962.

    16 Vgl. z. B. Wolfgang Harms (Hg.), Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17.  Jahrhunderts, 6 Bde., Tübingen 19802005 oder John Roger Paas (Hg.), The German Political Broadsheet 16001700. 10 Bde., 19852010.

    17 Hans-Joachim Köhler, Bibliographie der Flugschriften des 16. Jahrhunderts. 3 Bde., Tübingen 19911996.

    18 Immerhin liegen mittlerweile einige neuere Arbeiten zur französischen Flugschriftenpublizistik vor, die meist von amerikanischen Historikern stammen, wie z.B. Jeffrey K. Sawyer, Printed Poison. Pamphlet, Propaganda, Faction Politics and the Public Sphere in Early Seventeenth Century France, Berkeley u.a. 1990.

    19 Dies dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass die in der British Library befindliche, um die 22000 nichtperiodische Drucke enthaltende Thomason Collection of Civil War Tracts mittlerweile online verfügbar ist (http://eebo.chadwyck.com/home <21.4.2012>).

    20 Hervorzuheben sind hier etwa die Sammlung Ponickau, welche die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt zwischen 200709 online verfügbar gemacht hat (http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/pon/ <21.4.2012>) oder die mittlerweile digitalisierten Flugschriften der Bibliothek Oettingen-Wallerstein (http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/dda/dr/fs/werke/ <21.4.2012>).

    21 Vgl. z.B. Lise Andries, Le grand Livre des Secrets. Le colportage en France aux 17e et 18e siècles, Paris 1994 oder Robin Myers u.a. (Hg.), Fairs, Markets and the Itinerant Book Trade, New Castle, London 2007.

    22 Roger Chartier, Henri-Jean Martin (Hg.), Histoire de l’édition française, 4 Bde., Paris 198286.

    23 Jürgen Wilke, Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, Köln 2000.

    24 Claude Jolly (Hg.), Histoire des bibliothèques françaises, Bd. 2, Les bibliothèques sous l’Ancien Régime 15301789, Paris 1988.

    25 Hans-Jörg Künast, Helmut Zäh (Hg.), Die Bibliothek Konrad Peutingers. Edition der historischen Kataloge und Rekonstruktion der Bestände, Bd 1, Die autographen Kataloge Peutingers. Der nicht-juristische Bibliotheksteil, Tübingen 2003.

    26 Vgl. z.B. Alberto Martino, Die deutsche Leihbibliothek. Geschichte einer literarischen Institution (17561914), Wiesbaden 1990; oder David Allan, A Nation of Readers. The Lending Library in Georgian England, London 2008.

    27 Dies gilt etwa für die bahnbrechende Studie von Rudolf Schenda, Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 17701910, Frankfurt a.M. 1970, oder die neuere Arbeit von Alfred Messerli, Lesen und Schreiben 1700 bis 1900. Untersuchung zur Durchsetzung der Literalität in der Schweiz, Tübingen 2002.

    28 Vgl. immerhin Silvia Serena Tschopp (Hg.), Historische Leseforschung [Themenschwerpunkt], in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) 39 (2014), S. 151-283.

    29 Vgl. Roger Chartier, Lectures et lecteurs dans la France d’Ancien Régime, Paris, 1987; ders. (Hg.), Pratiques de la lecture, Paris 1993, oder ders., Guglielmo Cavallo (Hg.), Histoire de la lecture dans le monde occidental, Paris 1997.

    30 Beispielhaft sei hier genannt: Geneviève Bollème, Jean Ehrard, François Furet (Hg.), Livre et société dans la France du XIIIe siècle. 2 Bde., Paris, Den Haag 196570.

    31 So etwa in der Einleitung zu Roger Chartier, Lesewelten. Buch und Lektüre in der Frühen Neuzeit. Aus dem Französischen von Brita Schleinitz und Ruthard Stäblein, Frankfurt a.M., New York 1990, S. 724.

    32 Beispielhaft seien hier Arthur F. Marotti, Michael D. Bristol (Hg.), Print, Manuscript, Performance. The Changing Relations of the Media in Early Modern England, Columbus 2000 sowie Alfred Messerli, Roger Chartier (Hg.), Scripta volant, verba manent. Schriftkulturen in Europa zwischen 1500 und 1900, Basel 2007, genannt.

    33 Einen guten Überblick über die jüngere Zensurforschung (nicht nur) in Deutschland bietet Beate Müller, Zensurforschung. Paradigmen, Konzepte, Theorien. In: Rautenberg: Buchwissenschaft (wie Anm. 2), S. 321360. Als Beispiel für eine aktuelle Veröffentlichung zum Thema Zensur soll hier Wilhelm Haefs, York-Gothart Mix (Hg.), Zensur im Jahrhundert der Aufklärung. Geschichte – Theorie – Praxis, Göttingen 2007, genannt werden.

    34 Sie stehen etwa im Zentrum des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs »Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart« an der Universität Gießen (http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/dfgk/tme/forschungsprogramm <21.4.2012>).

    35 Die Bedeutung des Lokalbezugs hat in jüngerer Zeit vor allem Rudolf Schlögl betont, in dem er postuliert, Kommunikation sei in der Frühen Neuzeit in weit höherem Maße, als dies für unserer Gegenwart gilt, an eine »Anwesenheitsgesellschaft« gebunden gewesen, in der die physische Präsenz der Teilnehmer und deren performatives Agieren die vermittelten Botschaften modellierte und so deren Rezeption mitbedingte, siehe Rudolf Schlögl, Kommunikation und Vergesellschaftung unter Anwesenden. Formen des Sozialen und ihre Transformation in der Frühen Neuzeit, in: Geschichte und Gesellschaft 34 (2008), S. 155224.

    36 Vgl. http://www.sharpweb.org/ <21.4.2012>.

    37 Vgl. z.B. Brendan Dooley (Hg.), The Dissemination of News and the Emergence of Contemporaneity in Early Modern Europe, Farnham 2010; Thomas Munck, Eighteen-century Review Journals and the Internationalization of the European Book Market, in: The International History Review 32 (2010), S. 415435 oder Peter France, Stuart Gillespie (Hg.), The Oxford History of Literary Translation in English, Oxford, New York 200510 [von den geplanten fünf Bänden sind bislang vier erschienen].

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    PSJ Metadata
    SIlvia Serena Tschopp
    Medien und Kommunikation als Gegenstand der historischen Forschung zur Frühen Neuzeit
    de
    Frühe Neuzeit (1500-1789), Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918)
    Europa
    Geschichte allgemein, Kommunikation und Medien
    Neuzeit bis 1900
    1500-1900
    Neuzeit (4171678-4), Medien (4169187-8), Kommunikation (4031883-7), Forschung (4017894-8)
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    S. Tschopp: Medien und Kommunikation als Gegenstand der historischen Forschung zur Frühen Neuzeit
    In: Frühneuzeitforschung in Europa – Standorte und Perspektiven. Tagung des DHIP, 20.–21. Oktober 2011, hg. v. Christophe Duhamelle, Bernd Klesmann, Matthias Schnettger (discussions, 12).
    URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/discussions/12-2015/tschopp_medien
    Veröffentlicht am: 18.12.2015 12:03
    Zugriff vom: 21.11.2017 11:14
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