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M. Bartsch: Macht und Ohnmacht des Staates

discussions 10 (2015)

Maike Bartsch

Macht und Ohnmacht des Staates

Hohe Polizei und lokale Herrschaftspraxis im Königreich Westphalen (1807–1813)

Abstract

Der folgende Beitrag untersucht Anspruch und Wirken der Geheimpolizei im Königreich Westphalen in der Zeit von 1807 bis 1813. Herausgearbeitet werden Momente von Macht und Ohnmacht der westphälischen Regierung, die sich in der Arbeit der sogenannten Hohen Polizei widerspiegelten. Der Fokus liegt auf den Fragen, wie die Bevölkerung die Geheimpolizei wahrnahm, wie sich das Herrschaftsinstrument des Staates im lokalen Bereich entwickelte und inwieweit staatliche Zugriffslücken mit dem Machtanspruch der Regierung vereinbar waren. Die Untersuchungsebene von »Herrschaft vor Ort« und die hier gegebenen Aushandlungsmöglichkeiten von Herrschaft sind dabei von besonderem Interesse. Übergreifend wird die Frage diskutiert, inwiefern die bislang kaum erforschte Geheimpolizei Auskunft über allgemeinere strukturelle Charakteristika des politischen und gesellschaftlichen Systems sowie der »Staatlichkeit« des napoleonischen Bruderkönigreiches geben kann.

Résumé

Cette contribution étudie l'ambition ainsi que l'activité réelle de la police secrète du royaume de Westphalie entre 1807 et 1813. Il s'agit de mettre en avant les aspects de puissance et de faiblesse du gouvernement westphalien telles qu'elles se reflètent dans l'activité de cette »haute police«. Notre étude se concentre sur la perception que la population a de la police politique, sur la manière avec laquelle cet instrument de pouvoir étatique se développe au niveau local, et sur la compréhension des limites que les carences du contrôle imposent aux intentions du gouvernement dans ce domaine. Un intérêt particulier est porté à l'échelon d'analyse local, celui des pratiques du pouvoir in situ, et aux possibilités de négociation de ce pouvoir qui existent à ce niveau. De manière générale, nous cherchons à savoir dans quelle mesure l'étude de cette police secrète, qui a peu été faite jusqu'à présent, nous renseigne sur les caractéristiques structurelles du système politique et social ainsi que sur le caractère étatique de ce »royaume frère« de l'époque napoléonienne.

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In den von Napoleon nach dem Frieden von Tilsit geschaffenen »Bruderkönigreichen«auf deutschem Boden waren die staatlichen Strukturen für die Zeitgenossen nicht immer leicht zu durchschauen. Die Abhängigkeit vom französischen Kaiserreich, die oktroyierte fremde Regierung, besonders aber das Ineinandergreifen neuer und alter Strukturen, das sich etwa in der Besetzung der Staatsorgane und Verwaltungsapparate durch Franzosen und Deutsche, altgediente Kräfte, nüchterne Professionelle, eifrige Emporkömmlinge und überzeugte Anhänger der neuen Staatsmacht ablesen lässt, trugen dazu bei. Anhand der Institution der geheimen politischen Polizei untersucht das Dissertationsprojekt 1 , aus dem der folgende Beitrag hervorgeht, erstens die Herrschaftsausübung und -sicherung im fremdbestimmten, aber größtenteils selbstverwalteten Königreich Westphalen, zweitens die Rolle lokaler Amtsträger als Instanz zwischen Bevölkerung und Obrigkeit sowie drittens die Wirkmächtigkeit und -möglichkeiten des Staates vor Ort.

Die Geheimpolizei im Königreich Westphalen: Polizeistaat im Modellstaat?

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Bis ins 18. Jahrhundert war die Polizei für umfassende Tätigkeiten staatlicher innerer Verwaltung zuständig und stand insgesamt für die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung. Der Staat galt als Garant der Ordnung, die Polizei als sein Instrument 2 .

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Auch noch im Königreich Westphalen, einem 1807 geschaffenem Satellitenstaat Frankreichs auf dem Territorium verschiedener deutscher Kleinstaaten unter der Regentschaft Jérôme Bonapartes mussten die Beamten und Angestellten, die zu großen Anteilen aus den Vorgängerstaaten übernommen wurden, bei Amtsantritt einen Treueeid leisten, der die öffentliche Ordnung und das Wohl der Bürger in den Mittelpunkt stellte 3 . Ganz ähnlich ließ man auch die Agenten der bereits im September 1808 zusätzlich eingerichteten geheimen Staatspolizei beeidigen, »alle […] bekannt werdenden Verbrechen gegen den König, gegen die Ruhe des Staates und gegen die Sicherheit und das Eigentum jedes einzelnen Bürgers sogleich an[zu]zeigen« 4 . In dieser Eidformel waren jedoch bereits Elemente angelegt, die unserer heutigen, negativ besetzten Auffassung vonGeheimpolizei‹ entsprechen: Die Hohe Polizei diente dem uneingeschränkten Machterhalt des Herrschers und der Verfolgung aller politischer Feinde. Sie bewegte sich damit fast automatisch jenseits rechtsstaatlicher Kontrollen. Ebenso wie die ›niedere‹ Polizei war sie mit der Exekutivgewalt ausgestattet und somit befugt, vor Ort zu agieren und spontan, ohne vorherige richterliche Verfügung, einzuschreiten und gegebenenfalls zu bestrafen. Problematisch ist die Tatsache, dass sie hauptsächlich im präventiven Bereich agierte. Infolgedessen waren die auslösenden Momente ihres Handelns zumeist auf Gerüchte, Denunziationen oder zufällig Beobachtetes beschränkt – und die Richtigkeit ihres Einsatzes damit nur schwer beweis- und kontrollierbar. Nach Ende des westphälischen Staates berichtete ein Leidtragender der Systems, es seien »nicht bloß Thatsachen, sondern hauptsächlich Meynungen« gewesen, »worüber sie verdammte Urtheile fällten und schreckliche Strafen verhängten« 5 .

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Durch die Schaffung der Hohen Polizei wurde ein Machtapparat in Funktion gesetzt, der sich zu einer prägenden Instanz für alle Gesellschaftsschichten entwickelte. Die Bevölkerung nahm das »Heer von Um- und Nachschleichern, von Auskundschaftern, Wort- und Sinnverdrehern« 6 nicht als Garant der Ordnung, sondern als Bedrohung wahr. Ein Beweis dafür sind zahlreiche Entlarvungs- undBekennerschriften, die gleich nach dem Ende des napoleonischen Staates erschienen. »Man sage von den Gräueln der ehemaligen spanischen Inquisition, was man wolle« , fasst einer dieser Autoren rückblickend zusammen, »sie war […] doch nur ein ernsthaftes Kinderspiel im Vergleich mit dem ungeheuren Giftbaume der französischen geheimen Polizei« 7 . Gerade bei Fortdauer der n apoleonischen Feldzüge und mit zunehmenden Konskriptionen und Kontributionen war der fortschrittliche, liberale und durchaus traditionsstiftende Charakter des Modellstaates 8 , den Napoleon aus dem Königreich Westphalen hatte machen wollen, immer weniger zu spüren. Auf der Basis der bereits bearbeiteten Quellen ist davon auszugehen, dass für die Bevölkerung insbesondere bei fortschreitender Regierungsdauer der Polizeistaat mit seinem repressiven Überwachungsmodus größere Präsenz aufwies als der Reform- und Modellstaat 9 .Zu fragen bleibt allerdings, ob die Geheimpolizei tatsächlich über die außerordentliche Macht verfügte, die sowohl die Zeitgenossen als auch die historische Forschung 10 ihr zusprachen.

Versagen des Staatsinstruments – Ohnmacht des Staates?

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Im historischen Rückblick zeigt sich, dass keiner der großen Aufstandsversuche gegen die französische Fremdherrschaft zwischen 1807 und 1813 durch Spitzeltätigkeiten entdeckt werden konnte 11 . Die folgende Episode soll die Hilflosigkeit bzw. auch die bewusste Ignoranz auf Seiten der Geheimpolizei verdeutlichen. Als bereits im Frühjahr 1809 – das heißt in dem Jahr, in dem die meisten Unruhen und Aufstandsversuche das Königreich heimsuchten – der König selbst ebenso wie seine Berater gegenüber Napoleon große Befürchtungen äußerten und diesen unter anderem wegen der allgemeinen Unzufriedenheit der Bevölkerung baten, ein in Marburg stationiertes Regiment an den Hof in Kassel verlegen zu dürfen, lautete die Stellungnahme des um seine Meinung gefragten Generaldirektors der Hohen Polizei: »Die Polizei sei musterhaft in Westphalen organisiert, das Volk wäre gut, der Adel treu, der König allgemein beliebt. Er, der Minister, sei aufs genaueste über alle Vorkommnisse im Königreich informiert!« 12 In der Tat scheiterten sämtliche Aufstände des Jahres 1809 – dies allerdings hauptsächlich deshalb, weil es keinem der Anführer gelang, eine breite Unterstützung in den verschiedenen Teilen der Bevölkerung zu erlangen 13 , und gerade nicht , weil sie von den Überwachungsinstanzen des Königreichs rechtzeitig aufgedeckt worden wären. Nichtsdestotrotz war die Hohe Polizei in dieser Zeit höchst aktiv und bespitzelte, verhaftete und bestrafte mehr als je zuvor. Somit muss dem dieses Szenario im Rückblick bewertenden Karl Friedrich Reinhard, einem Gesandten Napoleons am westphälischen Hof, recht gegeben werden in der Beurteilung, die Leitung der Hohen Polizei habe »vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen« 14 .

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In welchem Rahmen entwickelte sich die Hohe Polizei unter diesen Umständen dennoch zu einer derart verhassten Institution?

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Die bislang ausgewerteten Quellen legen nahe, dass in diesem Zusammenhang die Verselbstständigung des Apparates eine erhebliche Rolle spielt. Zeitzeugen nahmen die Geheimpolizei als konkrete Bedrohung wahr. Gerade die schwere Beweisbarkeit eines Deliktes im Zuständigkeitsbereich der Hohen Polizei – also die Weitergabe eines Gerüchts, die Äußerung einer regierungsfeindlichen Meinung oder das Intrigieren und Aufwiegeln zu Ungehorsam – und die damit zusammenhängende Allmacht der Agenten schürte offenbar die Angst eines Jeden. Denunziationen aufgrund von persönlichen Interessen scheinen keine Seltenheit gewesen zu sein – das gilt nicht nur für die zivile Bevölkerung, sondern auch für die in den Polizeistand erhobenen Mitglieder der lokalen Gemeinschaft. So berichtet ein Pfarrer aus Niederhessen, dass »jeder Unglückliche, den Haß, Neid, Faktionengeist etc.« in das »Polizeyunwesen« des Königreichs »hineinverwickelte, in der Regel rettungslos verlohren« gewesen sei 15 .

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Im Dissertationsprojekt soll daher gefragt werden, welche gesellschaftlichen Prozesse durch die Tätigkeiten der Hohen Polizei in Bewegung gesetzt wurden, insbesondere durch den Umstand, dass sich Untertanen und Machtvollzieher in sogenannten F ace-to- F ace-Konstellationen begegneten. Gerade die Tatsache, dass im lokalen Bereich keine französischen Funktionäre, sondern örtlich verankerte Personen eingesetzt wurden, begründet die Brisanz des Aufeinandertreffens von Agenten und Beobachteten. Die Bedeutung von Vertrauen und Misstrauen zwischen Spitzeln und Bespitzelten, die sich kannten oder doch zumindest im Alltag begegnen konnten, gerät ins Blickfeld, ebenso wie die übergeordnete Frage nach der Rolle und der Wirkmächtigkeit von Emotionen in der Geschichte.

Omnipräsenz des Staates: Die Geheimpolizei als demonstrativer Machtapparat

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Die geheime Polizei war im streng hierarchisch gegliederten Regelwerk des französischen Systems zuerst unter der Leitung eines Generaldirektors dem Justiz - und Innen ministerium, ab April 1811 sodann mit eigener Generalverwaltung dem Kriegsministerium unterstellt. Es überrascht im Rückblick, dass die jeweils übergeordneten Instanzen und Behörden, insbesondere aber grundsätzlich auch die Regierung selbst, nicht – oder nur höchst vereinzelt – lenkend oder strafend einschritten, wenn die Agenten der Hohen Polizei aus Eigeninteresse handelten, sich durch Bestrafungen persönliche Vorteile verschafften oder finanziell bereicherten. Diese Situation ist umso bemerkenswerter, als nicht nur Privatpersonen, sondern auch Beamte anderer Einrichtungen immer wieder Beschwerden gegen die Agenten einreichten, die offenbar laufend ihre Kompetenz- und Zuständigkeitsbereiche überschritten und mit ihrem eigenmächtigen Auftreten anderen Behörden in die Quere kamen 16 . Schlimmer noch: Die Regierung, die die Beamten, Agenten und Spione bei ihrer Aufnahme in den Dienst der Hohen Polizei schwören ließ, »[n]iemandem weder schriftlich noch mündlich etwas von dem Dasein dieser geheimen Anstalt niemals nicht« mitzuteilen 17 , trug offenbar selbst dazu bei, dass die Präsenz ihres verlängerten Armes mancherorts sichtbar wurde. Ein kurzes Beispiel soll dies veranschaulichen: Gleich nach Einrichtung der Geheimpolizei, im September 1808, wurde ein ehemaliger Klosterkoch in Magdeburg für den geheimen Polizeidienst vereidigt. Ein paar Wochen darauf gab er bereits an, dass er sein Gehalt völlig umsonst beziehe. »Er werde bei stattgefundenen Angebereien immer mit den Angeschuldigten konfrontiert, so daß das heimliche fortfalle, sein Signalement sei in der ganzen Stadt bekannt« 18 . Die übergeordneten Instanzen scheinen also ein Interesse daran gehabt zu haben, dass die Gemeinde wusste, wer bespitzelte und denunzierte.

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Den tatkräftigen, ehrlich engagierten ehemaligen Koch störte die Offenlegung seines Tätigkeitsfeldes vor der gesamten lokalen Umgebung erheblich. Andere Agenten hingegen profitierten sichtlich davon, dass das soziale Umfeld von ihrer Funktion, ihren Möglichkeiten und von der Gefahr, die von diesen ausging, wusste.

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Inwieweit wurde tatsächlich soziale und politische Kontrolle ausgeübt, inwieweit ging es vorrangig um die Präsenz der Staatsmacht? Die offenkundige, demonstrative Präsenz eines staatlichen Gewaltpotentials, wie sie mit der Einrichtung der Hohen Polizei im Königreich Westphalen vorliegt, wird in Max Webers Herrschaftsanalyse definiert als funktionales Mittel zum Erhalt von Herrschaft 19 . Für die Regierung des Königreichs Westphalen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, ihre Untertanen mit Hilfe des Ideengutes von 1789 für sich zu vereinnahmen, dürfte dieses Instrument des Machterhalts höchst problematisch gewesen sein. Die politische Polizei nahm zwangsläufig eine zwiespältige Rolle ein. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Gewaltenteilung waren durch sie wieder in Frage gestellt. Einbrüche in den privaten Rechtsraum führten zu erbitterten Beschwerden.

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Durch die bislang ausgewerteten Quellen wird indes deutlich, dass das Bild einer dem Anschein nach wenig gelenkten, relativ selbstbestimmten und manches Mal fast außer Kontrolle geratenen Behörde dem Ansehen des napoleonischen Musterstaates keinen Abbruch tat. Im Gegenteil: Die verhassten Spitzel, die vor Ort durchaus mit Namen und Gesichtern versehen werden konnten und viel präsenter und greifbarer waren als der nur vage zu fassende Staat, zogen auf diese Weise den Zorn der Bevölkerung in kanalisierter Form auf sich und schützten den Modellstaat in gewisser Weise vor dem Image des Überwachungsstaates. Die Empörung und der Protest der Bespitzelten richteten sich so in erster Instanz gegen die scheinbar unbehelligt agierenden Staatsdiener, nicht gegen den Staat als solchen. Es muss vermutet werden, dass die Existenz der ›geheimen‹ Hohen Polizei im Königreich Westphalen mit Absicht nicht im Verborgenen blieb und dass die Präsenz von Beamten und Agenten in der Öffentlichkeit gewollt und zumindest im Laufe der Zeit nahezu wichtiger war als ihre tatsächliche Kontrollleistung. Die Staatskontrolle war als Drohmacht zu spüren – und sorgte damit höchstwahrscheinlich vorbeugend vor Ausschreitungen und Erhebungen gegen die Regierung. Im lokalen Geflecht von Polizeiangestellten und Policierten versiegten dem Staat offensichtlich die Mittel. Nichtsdestotrotz konnte er die Eigenmächtigkeit der Polizeibeamten gewissermaßen bewusst tolerieren und sogar gutheißen; seinen fehlenden Zugriff auf das Netzwerk von Agenten und Spionen musste er keineswegs als Machtverlust verbuchen.

Fazit

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Für die verschiedenen Kleinstaaten, die Napoleon nach seiner siegreichen Beendigung der Koalitionskriege zum Königreich Westphalen zusammenschloss, begann unter der Fremdherrschaft die Moderne. Als Fazit zu den oben angestellten Betrachtungen lässt sich festhalten, dass mit diesem Wendepunkt der Zugriff des Staates auf seine Untertanen ein bis dato unbekanntes Ausmaß annahm. Die napoleonischen Reformen garantierten dem Individuum zwar einerseits Gleichheit vor dem Gesetz und befreiten es von Zwischengewalten wie Zünften und Gutsherren, sie unterwarfen es aber andererseits einem starken staatlichen Gewaltmonopol. Das Beispiel der Institution der Hohen Polizei im Königreich Westphalen zeigt jedoch auch, dass die umfassenden bürokratischen Praktiken und die modernen, anstaltsstaatlichen Elemente hier keinesfalls zu einer Allmacht des Staates führten. Im kleinteiligen Gefüge der sozialen Netzwerke und der persönlichen Beziehungen und Interessenssphären vermochte sich der polizeiliche Verwaltungsapparat – und mit ihm die Verwalteten – dem absoluten Einfluss der Regierung letztlich erfolgreich zu entziehen.

Autorin

Maike Bartsch, MA
Universität Kassel, Fachbereich 05 Gesellschaftswissenschaften
maike.bartsch@uni-kassel.de



1 Das Projekt ist Teil eines bei der Fritz-Thyssen-Stiftung angesiedelten Forschungsvorhabens unter dem Titel »Macht und Ohnmacht. Hohe Polizei und lokale Herrschaftspraxis im Königreich Westphalen (1807–1813)« und wird von Winfried Speitkamp an der Universität Kassel betreut. Die zentrale Quellenbasis bildet ein bislang wenig beachteter Aktenbestand der Hohen Polizei im sogenannten Westfälischen Archiv der Handschriftenabteilung der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg. Der hier publizierte Beitrag spiegelt den Bearbeitungszeitpunkt im Sommer 2012 und stützt sich daher vorrangig auf gedruckte Quellen.

2 Wolfram Siemann, »Deutschlands Ruhe, Sicherheit und Ordnung«. Die Anfänge der politischen Polizei 1806–1866, Tübingen 1985 (Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 14); Ernst Rudolf Huber, Zur Geschichte der politischen Polizei im 19. Jahrhundert, in: ders., Nationalstaat und Verfassungsstaat. Studien zur Geschichte der modernen Staatsidee, Stuttgart 1965, S. 144–167.

3 Rudolf Goecke, Das Königreich Westphalen. Sieben Jahre französischer Fremdherrschaft im Herzen Deutschlands 1807–1813. Nach den Quellen dargestellt, vollendet und hg. von Theodor Ilgen, Düsseldorf 1888, S. 13.

4 Rudolf Goecke, Das Königreich Westphalen. Sieben Jahre französischer Fremdherrschaft im Herzen Deutschlands 1807–1813. Nach den Quellen dargestellt, vollendet und hg. von Theodor Ilgen, Düsseldorf 1888, S. 103.

5 Karl Christian von Gehren, Unter der vormaligen Königlich Westphälischen Regierung erlittene dreimalige Verhaftung und Exportation. Als Beytrag zur Charakteristik der geheimen Policey, Felsberg u.a. 1815, S. XLVII.

6 Anonym, Die entlarvte hohe und geheime Polizei des zerstörten Königreichs Westfalen, o.O. 1814, S. 7.

7 Anonym, Die entlarvte hohe und geheime Polizei des zerstörten Königreichs Westfalen, o.O. 1814, S. 7.

8 Helmut Berding, Napoleonische Herrschafts- und Gesellschaftspolitik im Königreich Westfalen 1807–1813, Göttingen 1973 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, 7).

9 Bezeichnend dafür ist z.B. die Tatsache, dass es gerade die Geheimpolizisten und Gendarmen sind, die nach Zusammenbruch des Königreichs sofort ins Schussfeuer der Kritik gerieten und der Bevölkerung als Ventil für den »langverhaltene[n] Grimm« dienten, Goecke, Das Königreich Westphalen (wie Anm. 3), S. 271. Der Erfolg der Hohen Polizei als Drohmacht lässt sich aus allen Zeitzeugenberichten herauslesen.

10 Beispielsweise Raimund-Ekkehard Walter, Die Kriminalpolitik König Jérômes im Königreich Westphalen 1807–1813, Marburg 1971, S. 28.

11 Dazu Arthur Kleinschmidt, Geschichte des Königreichs Westfalen, Gotha 1893, S. 132–141, hier S. 141: »Das Jahr 1809 bewies dem König, wie wenig seine ganze Polizei tauge«. Zur gesamten Thematik Heinz Heitzer, Insurrectionen zwischen Rhein und Weser. Volksbewegungen gegen die französische Fremdherrschaft im Königreich Westfalen (1806–1813), Berlin 1959.

12 Zitiert nach Goecke, Das Königreich Westphalen (wie Anm. 3), S. 152.

13 Beispielsweise Winfried Speitkamp, Unruhe, Protest, Aufstand. Widerstand und Widersetzlichkeit gegen die napoleonische »Fremdherrschaft « , in: Jens Flemming, Dietfrid Krause-Vilmar (Hg.), Fremdherrschaft und Freiheit. Das Königreich Westphalen als napoleonischer Modellstaat, Kassel 2009, S. 133–150.

14 Goecke, Das Königreich Westphalen (wie Anm. 3), S. 152. Dem entspricht die nachträgliche Einschätzung der Zeitgenossen: »Indes war diese Surveillance im ganzen nicht so gefährlich, wie das Publikum glaubte«. Anonym, Bemerkungen über die hohe Polizei im ehemaligen Königreich Westfalen, zitiert nach Friedrich Thimme, Neue Mittheilungen zur Geschichte der hohen oder geheimen Polizei des Königreichs Westfalen, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen 3 (1898), S. 81–147, hier Anhang S. 145.

15 Gehren, Unter der vormaligen Königlich Westphälischen Regierung (wie Anm. 5), S. 47.

16 Thimme, Neue Mittheilungen (wie Anm. 14), hier S. 88; Goecke, Das Königreich Westphalen (wie Anm. 3), S. 101f. und S. 177. Die eigenmächtige Amtsausübung liegt sicherlich schon im französischen System begründet. Die Zuständigkeiten lagen hier häufig bei einer einzelnen Person (Präfekt, maire usw.) anstatt, wie zuvor, bei Kollegien und Kammern.

17 Goecke, Das Königreich Westphalen (wie Anm. 3), S. 103.

18 Ibid .

19 Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, 5 Tübingen 1972, S. 29.

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Maike Bartsch
Macht und Ohnmacht des Staates
Hohe Polizei und lokale Herrschaftspraxis im Königreich Westphalen (1807–1813)
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Politische Polizei – Fremdherrschaft – Herrschaft vor Ort – staatliche Überwachung – Spionage – Denunziation – Emotionen
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M. Bartsch: Macht und Ohnmacht des Staates
In: Der Staat: Akteure, Praktiken, Wissen (16.–19. Jahrhundert). Sommeruniversität des DHIP, der Universität Paris 1 und der Universität zu Köln, 11.–13. Juni 2012/ L’État: acteurs, pratiques, savoirs (XVIe–XIXe siècle). Université d’été de l’Institut historique allemand en coopération avec l’université Paris 1 et l’université de Cologne, 11–13 juin 2012, hg. von/ dir. par Christine Lebeau (discussions, 10)
URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/discussions/10-2015/bartsch_macht
Veröffentlicht am: 24.04.2015 14:48
Zugriff vom: 20.11.2017 14:49
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