H.-J. Bömelburg: Friedrich II. als Erinnerungsort im deutschen und polnischen Bewusstsein
Abstract
Friedrich II. ist durch seine auf eine Ausschaltung des
polnischen Machtfaktors gerichtete Außenpolitik, sein aktives
Betreiben der Teilungen Polen-Litauens und seine vielfach
bekundete abschätzige Meinung über den polnischen
Nationalcharakter ein polnischer Erinnerungsort, der die
Demütigungen der Teilungsepoche fokussiert. Die internationale
Relevanz dieses Friedrichbildes wächst seit 1945, da infolge der
Westverschiebung Polens seitdem 70% des fridericianischen
Preußens in Polen liegen.
In der preußisch-deutschen Beschäftigung mit Friedrich II. wird
dieser polnische Blick auf Friedrich II. übergangen. Die
historisch über weite Strecken nationalistisch und gegenwärtig
kulturalistisch gewendete deutsche Friedrich-Wahrnehmung und die
polnische Wahrnehmung Friedrichs II. als “Feind Polens“ stehen in
Wechselwirkung zueinander. Die deutschen Debatten um Friedrich
II. wurden in Polen rezipiert und – vor dem Hintergrund der
modernen deutsch-polnischen Konfliktgeschichte – in eigene
Positionen umgesetzt. In dem Maße, in dem sich in der deutschen
Öffentlichkeit ein kritisches Friedrich-Bild durchsetzte, wurden
polnische Darstellungen nuancierter. Umgekehrt führten einseitige
Indienstnahmen und kulturalistische Inszenierungen unter
Ausblendung der Gesellschafts- und Politikgeschichte zu Kritik.
Die Friedrich-Rezeption in Deutschland und Polen bildet den
Musterfall einer “histoire croisée“.
Es ist absehbar, dass die Erinnerungskultur zu “Friedrich300“
diesen Mechanismus aktualisiert. Wünschenswert wäre es, die
unterschiedlichen Friedrich-Bilder wechselseitig zur Kenntnis zu
nehmen und dialogisch aufzulösen.
Friedrich II. als “homme-mémoire“, als Persönlichkeit, an der sich kollektive Erinnerung und ein kollektives Bedürfnis nach Sinnstiftung in besonderem Maße orientieren, als Person, anhand derer unsere Gesellschaft ihre Vergangenheit erlebt und deutet und eine Erinnerungskultur entwickelt – ist diese Einschätzung gerechtfertigt? Die Herausgeber der “Deutschen Erinnerungsorte“ haben diese Frage bejaht, von Personen aus der politischen Sphäre wurde neben Karl dem Großen, Otto von Bismarck, Rosa Luxemburg, Königin Luise und Walther Rathenau auch “Friedrich dem Großen“ ein eigenes Stichwort zugewiesen. Dieses befindet sich zudem noch an hervorgehobener Stelle, in dem abschließenden Block, der mit dem Begriff “Identitäten“ überschrieben ist, nach der Germania, Arminius und dem Faust.1
Auch die Herausgeber der
Essaysammlung “Deutsche und Polen. 100 Schlüsselbegriffe“ waren
der Meinung, dass Friedrich II. für das deutsch-polnische
Zusammenleben ein zentraler “Ort“ sei und nahmen einen Beitrag zu
seiner Person in die “Schlüsselbegriffe“ auf.2
Ein Widerspruch sticht beim Vergleich beider Lemmata sofort ins
Auge: Friedrich als “deutscher Erinnerungsort“ kommt auch ohne
die Erwähnung Polens aus, während die Autoren des
deutsch-polnischen Kompendiums in seiner Person einen der
zentralen Referenzpunkte der deutsch-polnischen
Beziehungsgeschichte sehen.
Genau diese Konstellation soll im Folgenden vorgestellt und in
ihren diskursiven Grundlagen analysiert werden: Im deutschen
Friedrich-Bild spielt Polen keinerlei Rolle, ja die Beschreibung
der Vita des preußischen Königs bedarf scheinbar keiner Analyse
von Friedrichs Verhältnis zu Polen und selbst seine maßgebliche
Rolle bei der Ersten Teilung Polen-Litauens 1772 wird heute (das
war in der Historiographie nicht immer so) nur unter ferner
liefen erwähnt. Keine der bedeutenderen Friedrich-Biographien der
letzten 15 Jahre widmete Friedrichs Verhältnis zu Polen ein
eigenes Kapitel.3
Zugleich ist die Rolle Friedrichs bei der Konstruktion einer
deutschen nationalen Identität unbestritten,4
wird jedoch in neueren Interpretationsansätzen eines
“Kulturstaats Preußen“ nur selten aufgegriffen.
Die Asymmetrie ist in den deutsch-polnischen Beziehungen insgesamt nichts Neues und gilt auch für viele Themen der Beziehungsgeschichte zu dem gefühlten “kleinen Nachbarn“ im Osten. Andererseits liegen heute fast 70% des historischen fridericianischen Preußen auf polnischem Territorium, darunter auch fast alle Erwerbungen der Jahre 1740 bis 1786 (Schlesien, Westpreußen). Ob eine zukünftige Europäisierung unseres Bildes von Preußen gelingen kann, wird sich deshalb in einer Annäherung der deutschen und der polnischen kulturellen Erinnerung beweisen müssen. Historisch ist die polnische Reichsbildung in ihrer europaweiten Bedeutung wie in ihrer territorialen Reichweite durchaus mit deutschen Reichsgefügen vergleichbar.5 Die polnische Wahrnehmung Friedrichs steht gegenwärtig über weite Strecken in klarem Gegensatz zum deutschen Friedrich-Bild, ist jedoch außerhalb Polens weitgehend unbekannt.
Einleitend vorgestellt sei eine frappierende Auffassung zu Friedrich, die immerhin von einem der bedeutendsten polnischen Historiker des 20. Jahrhunderts formuliert worden ist: “Die Geschichte kennt kein Beispiel, daß ein Mensch soviel Hass in die Beziehungen zu dem Nachbarvolk investierte, wie dies über ein halbes Jahrhundert hinweg Friedrich, genannt der Große, betrieb. [...] Friedrich stellt als Zerstörer Polens, das ihm niemals Schlechtes antat, ein einzigartiges Phänomen in der Geschichte dar.“6 Abschließend hieß es in der monographischen Darstellung: “Die unstrittige historische Größe Friedrichs beruht nicht darauf, dass er Maria Theresia besiegte [...]; sie beruht auf der Zugrunderichtung Polens. Indem er diese historische Mission erfüllte, impfte er dem deutschen Volk eine noch größere, eine weltweite Sendung ein, nämlich die Unterdrückung und Vernichtung aller benachbarten Völker. Und schwerlich kann man einen Menschen nicht groß nennen, der einen solchen Eroberungswillen bis auf seine Enkel und Urenkel ausstrahlte, daß diese grenzenlos von Sieg zu Sieg eilten, bis sie sich bei El Alamein, Stalingrad und in der Normandie das Genick brachen, bis zur letzten Vernichtung in Berlin.“7
Diese Auszüge stammen aus der
Einleitung und zusammenfassenden Bewertung der Studie “Friedrich
der Große und Polen“, die der polnische Frühneuzeithistoriker
Władysław Konopczyński (1880-1952) während des Zweiten
Weltkrieges in Krakau schrieb und 1947 im Westinstitut (Instytut
Zachodni) in Posen herausgab. Konopczyński war nicht irgendwer:
Als einer der besten Kenner der europäischen Geschichte des 18.
Jahrhunderts, als Begründer der “Polnischen Biographie“ (Polski
Słownik Biograficzny), als bedeutender Wissenschaftsorganisator
und als durch keinerlei Anbiederung an die Nachkriegspolitik der
Volksrepublik Polen beeinträchtigter konservativer Historiker,
erfreut er sich auch heute noch erheblicher wissenschaftlicher
Reputation.8
Unzweifelhaft standen die Biographie wie die darin vorgenommenen
Wertungen unter dem direkten Eindruck des Zweiten Weltkriegs. In
der polnischen Forschung folgte diese Sichtweise jedoch einer
Kontinuitätslinie und bildete für Jahrzehnte einen Referenzpunkt,
da a) ähnliche Wertungen bereits seit dem späten 19. Jahrhundert
und der Nationalisierung der polnischen Geschichtswissenschaft
dominant wurden, b) Konopczyński bis heute als einer der
führenden polnischen Historiker insbesondere für das 18.
Jahrhundert gilt und c) die nächste Biographie Friedrichs II. in
polnischer Sprache erst 1981 erschien. Genau zeitgleich erschien
auch Konopczyńskis Arbeit in einer zweiten Auflage, wobei diese
von Emanuel Rostworowski (1923-1989), einem weiteren renommierten
Frühneuzeithistoriker, als “bisher unersetzt“ bezeichnet
wurde.9
Die zentrale These der folgenden Ausführungen sei vorweggenommen: Die allein auf den deutschen Sprachbereich fixierte, über weite Strecken nationalistisch und gegenwärtig kulturalistisch gewendete deutsche Friedrich-Wahrnehmung und die polnische Wahrnehmung Friedrichs II. als “Feind“ der Polen und der polnischen Staatlichkeit stehen seit circa 1800 in einer Wechselwirkung zueinander. Die deutschen Darstellungen und Debatten um Friedrich II. wurden in Polen stets rezipiert und – vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Konfliktgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts – in eigene Positionen umgesetzt. In dem Maße, in dem sich in der deutschen Forschung und Öffentlichkeit ein kritisches Friedrich-Bild durchsetzte (etwa zwischen 1960 und 1990), entfalteten polnische Darstellungen auch Grautöne und Nuancen. Umgekehrt führten einseitige nationale Indienstnahmen Friedrichs und kulturalistische Inszenierungen unter Ausblendung der Gesellschafts- und Politikgeschichte in Deutschland zu einer scharfen Kritik aus Polen. Die Friedrich-Rezeption in Deutschland und Polen bildet den Musterfall einer “histoire croisée“, wie auch die gesamte Wahrnehmung Preußens im deutsch-polnischen Kontext so gelesen werden kann.10
1. Der Ort Friedrichs II. im deutschen Gedächtnis und die Bedeutung Polens
Die überdurchschnittliche
Verehrung Friedrichs II. in weiten Teilen des deutschen
Sprachraums bereits zu dessen Lebzeiten ist bekannt und auch
durch Quellen abgesichert: Bilder des Königs und seiner Taten auf
Dosen, Taschen, Tellern, Wirtshausschildern und Ofenplatten sind
volkstümliche Beweisstücke seiner Popularität und gehen über die
preußische Propaganda hinaus. In eine ähnliche Richtung weist
auch Goethes Feststellung eines “fritzischen“ Empfindens auch in
bürgerlichen Eliten Süddeutschlands. Ein Indiz für die breite
Faszination durch Facetten des Friedrich-Bildes stellen die
Darstellungen über den Preußenkönig dar, die bereits 1787, also
kurz nach Friedrichs Tod, von Friedrich Nicolai und 1788 von
Anton Friedrich Büsching herausgegeben wurden und in zahlreichen
Auflagen weite Verbreitung fanden. Die typischen Züge der
Wahrnehmung eines Dynasten und Alleinherrschers wie Luxus und
Verschwendung oder Günstlingswirtschaft werden hier grundsätzlich
nicht dargestellt, demgegenüber vielmehr der Monarch als
fürsorglicher und gerechter Landesvater.11
Für spätere Theaterbearbeitungen und sogenannte
“Anekdotenstücke“12
lag also bereits reichhaltiges zeitgenössisches Material vor. Nur
am Rande sei angefügt, dass auch heute noch Verschnitte dieser
Sammlungen im Buchhandel zu finden sind, ein Beleg für die
anhaltende Nachfrage und Popularität dieser Figur.13
Entstanden war hier eine spezifische Gattung von Memoria, die
auch in Zukunft die deutsche Erinnerung an Friedrich mit
strukturieren sollte.
Die Ursachen des Kultes um Friedrich II. sind vielschichtig. Zu
nennen sind der Partizipationswunsch an dessen militärischen und
politischen Erfolgen sowie die Faszination durch das “Image“ des
Freigeistes und Schriftstellers, das Friedrich II. von sich
selbst schuf und verbreiten ließ. Die nach Friedrichs Tod
aufblühende Anekdoten-Memoria wirkte ständeüberschreitend und
generierte das Bild eines “unprätentiösen“,
menschlich-mitfühlenden, volkstümlichen Herrschers. Inwieweit
Friedrich II. in den protestantischen Regionen auch zu einer
Projektionsfigur frühnationaler deutscher Sehnsüchte und
Stimmungen wurde, kann offengelassen werden. In diesem frühen
Friedrich-Kult war Polen in keiner Weise präsent, die Teilung
Polen-Litauens spielte im Kanon der politischen Erfolge
Friedrichs II. keine Rolle.
Andererseits stieß jener Friedrich-Kult bereits bei den Zeitgenossen auf intellektuelle Gegenstimmen. So schrieb Johann Georg Forster 1779 aus Berlin: “Endlich ist mir’s ärgerlich gewesen, daß alles bis auf die gescheutesten, einsichtsvollsten Leute den König vergöttert und so närrisch anbetet, daß selbst was schlecht, falsch, unbillig oder wunderlich an ihm ist, schlechterdings als vortrefflich und übermenschlich proniert [= gepriesen, H.-J. B.] werden muß.“14 Spätestens Mirabeaus publikumswirksame Schrift15 führte dazu, dass nach Friedrichs Tod das Bild des Herrschers voller Widersprüche dastand: Preußische Erfolge, die scheinbare Gemütlichkeit des “alten Fritz“, die militaristisch-bürokratische Herrschaftspraxis und die Misserfolge im Kampf gegen die französischen Revolutionsarmeen standen unverbunden nebeneinander.
Die höfisch-dynastische Erinnerungskultur Preußens suchte diese Widersprüche zu verdecken und führte den Friedrich-Kult aus staatspatriotischem Interesse fort. Ab 1797 inszenierte Friedrich Wilhelm III. mehrere Ausstellungen mit “Galerien vaterländisch-historischer Darstellungen“, in denen Friedrichs militärische und politische Erfolge eine zentrale Rolle spielten. Hier tauchten auch preußisch-polnische Motive auf: Ein von Bernhard Rode (1725-1797) 1796 ausgeführtes Bild zeigte “Die Besitznehmung der polnischen Länder von Friedrich II.“ und war von der Kriegs- und Domänenkammerdeputation Bromberg für das dortige Konferenzzimmer in Auftrag gegeben worden. Das Bild wurde von der Bromberger Regierung angekauft, im Akademiekatalog heißt es darüber: “Der höchstseelige König Friedrich II. in Lebensgröße, [...] vor ihm steht die Göttin der Stadt [Bromberg, H.-J. B.], an der Mauerkrone auf dem Haupte erkennbar. Sie zeigt ihm die Charte vom Netzdistrikte, auf welcher er den Canalbau anzuordnen scheint; [...] ganz hinten sieht man Ackergeräthschaften; Anspielungen auf Verbesserung der Städte, des Landes und der Anlage des Netzkanals“. Auf dem Bild tauchen im Hintergrund auch durch ihre Kleidung gekennzeichnete Polen auf.16 Weitere bildliche Darstellungen fridericianischer Motive mit preußisch-polnischen Themen sind vor 1870 nicht bekannt.
An der Ausgestaltung des
Friedrich-Bildes beteiligten sich eine Reihe erstrangiger
Künstler: Zahlreiche Radierungen und Kalenderkupfer fertigte
Daniel Chodowiecki an und das repräsentative Friedrich-Denkmal in
Form eines Reiterstandbilds “Unter den Linden“ wurde nach
jahrzehntelangen Vorplanungen 1851 von Christian Daniel Rauch
ausgeführt. Die endgültige visuelle Kanonisierung Friedrichs II.
erfolgte durch die Graphiken und Gemälde von Adolph von Menzel
seit 1840. Für die bildliche Ausdruckskraft und die realistische
Ausmalung einzelner Züge Friedrichs ist das Werk Menzels kaum zu
überschätzen; noch die späteren Fridericus-Filme wiederholten
vielfach Menzels Anordnungen und Choreographien.
Hervorstechend in der fridericianischen Ikonographie ist jedoch
bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Einbeziehung von
militärischen Niederlagen in die Konstruktion der Erinnerung. So
zeigt ein Relief auf dem Granitsockel des Friedrich-Denkmals
“Unter den Linden“ eine Episode nach der Schlacht bei Kolin
(1757), der ersten Niederlage, die das preußische Heer im
Siebenjährigen Krieg erlitt: Friedrich sitzt gedankenversunken
auf einer Mauer und malt mit einem Stöckchen Figuren in den Sand.
Die Aussage ist eindeutig: Friedrich ist vom Unglück nicht
gebeugt und plant bereits die nächsten Manöver und Schlachten.
Diese historisch nicht verbürgte Episode – sie wird erstmals 1791
von Archenholtz berichtet – ist in circa einem Dutzend Stichen
und Radierungen des 19. Jahrhunderts überliefert.17
Eine ähnliche Rolle spielte die Ikonographie um die Schlacht von
Kunersdorf (1759). Gezeigt werden jeweils die Unbeugsamkeit und
die stete Geistesgegenwart Friedrichs. Polen kommt in dieser
Erinnerungskonstruktion nicht vor, da es im Siebenjährigen Krieg
an seiner Neutralitätspolitik festhielt.
Der Symbolcharakter Friedrichs
II. für die deutsche “nationale Frage“ wuchs nach 1830 beständig,
wobei die Beziehungsgeschichte zu Polen zunächst eine
untergeordnete Rolle spielte, da über den polnischen Staat aus
der Hegelianischen Perspektive ja bereits durch dessen Untergang
Gericht gehalten worden war. Auch in der im 19. Jahrhundert
einsetzenden Geschichtsschreibung wissenschaftlichen Anspruchs
ist bei der Behandlung Friedrichs II. seine Polenpolitik anfangs
nur marginal präsent.
Eine Ausnahme bilden jedoch die unmittelbaren deutsch-polnischen
Kontaktregionen in Westpreußen und Großpolen (in preußischer Zeit
Provinz Posen), deren partielle “Deutschwerdung“ von den lokalen
Beamteneliten vor allem als Ergebnis der “kulturellen Hebung“
unter Friedrich II. interpretiert wurde. Friedrich wurde so mit
dem Ausbruch des deutsch-polnischen Konflikts vor Ort (1848) zu
einem zentralen Referenzpunkt deutscher “Hebungspolitik“. Die
Errichtung von Friedrich-Denkmälern zum 150. Geburtstag des
Monarchen (Bromberg 1862) und die Begehung des 100. Todestages
wurden zu Massenveranstaltungen, an denen die deutsche Tradition
vor Ort manifestiert wurde.
Für die ältere
Geschichtsschreibung stilprägend war Ranke, der zwar einerseits
in der Eingliederung Westpreußens in den preußischen Staat eine
“zivilisatorische Mission“ sah, andererseits aber für die Erste
Teilung Polen-Litauens kritische Worte fand: “Was man aber auch
sagen mag, augenscheinlich durchbrach dieses Verfahren die
anerkannten und vertragsmäßigen Staatsrechte von Europa: Es
erschütterte die Grundlagen, auf denen die Sicherheit des
Bestehenden beruhte; und daß dies geschah, ist für die Folgezeit
von unendlicher Bedeutung gewesen.“18
Erst im Umfeld der Reichsgründung nahmen preußische Historiker
eine Umdeutung vor: In dem Maße, in dem bei Johann Gustav Droysen
(1808-1884) oder Heinrich von Sybel (1817-1895) “Preußens
deutscher Beruf“ in den Vordergrund rückte, wurde in Friedrich
nun ein Vorbereiter von nationaler Einheit und Größe gesehen. Nur
acht Tage nach der Reichsgründung 1871 äußerte auf der
traditionellen Friedrich-Feier der preußischen Akademie der
Wissenschaften der Physiologe Emil du Bois-Reymond (1818-1896):
“Die Geschichte des Hauses Hohenzollern ist nunmehr des neuen
Deutschen Reiches Vorgeschichte, und der Preußen eine europäische
Machtstellung errang, Friedrich der Große, steht nun wirklich da
als dieses Reiches Gründer.“19
Auch aus dieser Perspektive spielte jedoch die Polenpolitik und
das Polenbild Friedrichs anfänglich nur eine untergeordnete
Rolle.
Dies sollte sich in den nächsten Jahrzehnten ändern: Einen wissenschaftsinternen Anstoß gab die Edition der Werke und der politischen Korrespondenz Friedrichs II.,20 die die Fachwelt auch mit der Diplomatie Friedrichs im Umfeld der Ersten Teilung Polen-Litauens und den umfangreichen polenkritischen Äußerungen des Preußenkönigs vertraut machte. Welche Brisanz man diesen Quellen zugestand, zeigt sich zum Beispiel daran, dass der Wortlaut des politischen Testaments von 1752, das in den “reveries politiques“ deutlich Eroberungs- und Annexionsabsichten benannte, sowie des Testaments von 1768 zunächst nicht zur Veröffentlichung freigegeben wurde und erst 1919/20 erschien. Aus der Perspektive einer preußisch-deutschen Staatsraison spielte hier allerdings das zeitgenössische deutsch-österreichische Bündnis (Zweibund), das man nicht durch die Enthüllung der weiteren aggressiven Absichten Friedrichs gegenüber der Habsburgermonarchie historisch belasten wollte, die entscheidende Rolle, während die Rückwirkungen auf die polnische Öffentlichkeit nur nachrangig wahrgenommen wurden.21 Abgesehen von dieser Ausnahme hatte sich bis circa 1900 die edierte Quellenbasis jedoch soweit verbessert, dass nun ein geschlossener Textkorpus zur Verfügung stand. Wahrscheinlich lag damals weltweit von keinem anderen Autor des 18. Jahrhunderts ein so umfangreicher und genau edierter Textkorpus vor.
Zugleich geriet im Gefolge der deutschen Polenpolitik nach 1870 und der sich formierenden polnischen Nationalbewegung im preußischen Teilungsgebiet auch die preußisch-deutsche Erinnerungskultur unter wachsenden Rechtfertigungsdruck: Eine neue Form historischer Legitimation für die umfangreichen Annexionen polnisch-litauischer Territorien (Großpolen, Westpreußen) wurde gesucht. Bereits bei den ersten kartographischen Darstellungen Polens in modernen deutschen Atlaswerken besteht die Grundkarte aus einer Karte der Teilungen seit 1772, die ältere polnische Reichsgeschichte wird nur als Vorgeschichte eingefügt. Bahnbrechend wirkte hier Droysens Handatlas von 1886.22 Nach 1900 tauchten in den deutschen Schulatlanten historische Karten zu den Teilungen Polens auf, der Putzgersche Historische Schulatlas von 1908 enthielt nun – als einzige historische Karte Polens! – im Anschluss an die Schlachtenpläne des Siebenjährigen Krieges eine Karte der Teilungen Polens.23
Im Zuge einer Aufwertung des nun national interpretierten Kolonisationsgedankens gegen “Ostflucht“ und “Polengefahr“ (Gründung der Königlichen Ansiedlungskommission 1886) wurden zunehmend fridericianische Vorbilder entdeckt: Friedrich galt als Begründer einer preußischen Kolonisationspolitik und “deutschen Kulturarbeit“, die auch im Kaiserreich Richtung Osten neu belebt werden sollte.24 So wie der erste preußische “Volkskönig“ die Landeskultur begründet hatte, so sollte nun der “Volkskaiser“ Wilhelm II. die innere Kolonisation vorantreiben. Friedrich als Kolonisator – diese Akzentverschiebung erreichte um 1910 auch die populären und auflagenstarken Jugendbücher. In einer Einleitung hieß es 1912 nach der Beschreibung des Friedrich-Denkmals in Bromberg: “So dachte noch fast hundert Jahre nach Friedrichs Tod die Landbevölkerung jenes Distrikts, so dachten wohl auch die Bürger der Städte. Man verglich die Gegenwart mit der Vergangenheit. Man hatte von Eltern und Großeltern gehört, wie der große Mann so ein rechter Volkskönig gewesen war, der den Bauersmann und Gewerbetreibenden geschützt und gestützt hatte […].“25
Zugleich wurde auch in Schulgeschichtsbüchern die Annexion zivilisatorisch gerechtfertigt: “Denn was Friedrich damals gewann, war einst bis auf den Netzedistrikt Land des Deutschen Ordens gewesen, durch deutsches Schwert und deutschen Pflug gewonnen […]. Friedrich handelte auch hier nur nach der Preußen zugewiesenen Aufgabe: im Osten einzubringen, was im Westen verloren gegangen war. Das Land, das ihm zufiel, war öde und verkommen, mit einem zuchtlosen, armen und übermütigen Adel und einem fast vertierten Bauernstande. […] Noch ehe Friedrich die Augen schloß, war hier eine neue Schöpfung deutschen Geistes und Strebens erblüht, die das Unrecht der Besitzergreifung vergessen ließ.“26 Die zitierte Darstellung erschien bis 1920 in mehr als 20 Auflagen und prägte die Behandlung im Schulunterricht zumindest in Preußen.27
Elemente einer neuen historisch-politischen Konstruktion der preußisch-polnischen Beziehungen und Friedrichs Polenpolitik findet man nach 1900 vielerorts, als komprimierte Lesart scheint Otto Hintzes offiziöse Version in der Auftragsarbeit “Die Hohenzollern und ihr Werk“ (Auflagenhöhe 40.000 Exemplare) geeignet: Hintze zeichnete zunächst den russischen Einfluss im Polen des 18. Jahrhunderts nach und konstruierte daraus eine massive Bedrohung Preußens. Um dieser entgegenzutreten, sei Friedrich zu einer aktiven Politik gezwungen gewesen, die schließlich, “ein Meisterstück friderizianischer Diplomatie“, in die Erste Teilung Polens einmündete. “Es war für Polen freilich der Anfang vom Ende […]; wenn der König immer darauf drängte, die minderwertigen polnischen Bevölkerungselemente so viel wie möglich durch deutsche zu ersetzen, so leitete ihn dabei mehr ein unbewußtes Stammesgefühl, das sich namentlich auch an dem verschiedenen Grade der wirtschaftlichen Kulturentwicklung beider Völkerstämme orientierte, als ein bewußtes nationalstaatliches Prinzip.“ 28
Zwei Aspekte dieser Konstruktion
müssen hervorgehoben werden: Erstens wird von Hintze das Konzept
einer “Eindämmung Rußlands“ als Hauptleitsatz preußischer Politik
unter Friedrich II. ausgeführt. Diese gedankliche Figur tauchte
im deutschen politisch-historischen Denken verstärkt um 1900 auf
und wird seitdem bis heute als eine Rechtfertigung für die Erste
Teilung Polen-Litauens angeführt. Sie spielt eine zentrale Rolle
in den außenpolitischen Teilen der aktuellen
Friedrich-Biographien von Schieder (Russland – der gefährliche
Nachbar) und Kunisch (Die Allianz der drei Adler und die Erste
Teilung Polens).29
Zweitens stützte sich Hintze in seiner Wendung von den
“minderwertigen polnischen Bevölkerungselementen“ auf Aussagen
Friedrichs, die er direkt aus dessen politischer Korrespondenz
entnehmen konnte, welche um 1900 erschien – und die auch
polnische Historiker verstärkt rezipierten. Eine kleine
Blütenlese: 1767 äußerte Friedrich II. in der politischen
Korrespondenz “le caractère national de ce peuple est pire que
les conjonctures qui s’approchent de lui.“,30
1768 hieß es “En un mot, c’est celon moy la derniere nation de
l’Europe“,31
1771 “An die Polen ist mir eben nicht viel gelegen“32
und 1777 hieß es über den polnischen Adel als “das polnische
Zeug, welches Ich gerne ganz und gar los sein
möchte.“33
Nur zur Einordnung: In den Werken Friedrichs II. und auch in seiner ausgedehnten Korrespondenz finden sich über fast alle europäischen Nationen abfällige und ironische Bemerkungen, allerdings wohl über keine in einem solchen Umfange wie über die polnischen Nachbarn im Osten.34 Die Formulierungen des frühen 20. Jahrhunderts bilden so nur die Umsetzung der fridericianischen Diktionen des 18. Jahrhunderts in eine zeitgemäße, nun sozialdarwinistisch geprägte Sprache, so etwa, wenn Otto Hintze Polen als “dieses ganz verkommene Reich“ bezeichnet.35
Aufgenommen wurden diese Vorstellungen vor allem von der protestantischen deutschen Bevölkerung in Westpreußen und der Provinz Posen, die um 1900 auch vor Ort in Konflikt mit der polnischen Bevölkerung stand, die gerade auf dem Lande durch die katholische Sakralarchitektur im öffentlichen Raum präsent war. Dagegen entwickelte man auf protestantisch-deutscher Seite eine Zivilisierungsmission, die insbesondere Friedrich II. in Anspruch nahm. In den deutsch-polnischen Kontaktregionen (Schlesien, Provinz Posen, Westpreußen) sollte eine verpflichtende und intensive Behandlung der Epoche in der Schule die fridericinanische (= deutsche) zivilisatorische Mission auch den polnischsprachigen Schülern nahe bringen. Zu fast allen Städten insbesondere Westpreußens wurden in Schulschriften Beiträge für die Epoche Friedrichs des Großen induziert, der so zu ihrem zweiten Gründungsvater avancierte. Architektonische Reste aus der fridericianischen Zeit wie der Bromberger Kanal, das Culmer Kadettenhaus oder die Festung Graudenz wurden durch Schulausflüge besucht und somit auf das “Werk Friedrichs des Großen“ aufmerksam gemacht. Friedrichdenkmäler waren vielfach verwandte Postkartenmotive. Durch belletristische Werke und “lebende Bilder“ wurde die fridericianische Epoche erinnert.36 Gegen diesen Friedrichskult äußerten polnische Zeitungen, die angebliche “Kulturmission“ sei reine Ideologie und Friedrich II. habe “alles mögliche zusammengelaufene Gesindel ohne Ehr und Glauben“ in die Region gebracht.37
Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens einer evangelischen Kirche im Netzedistrikt formulierte der dortige Pfarrer Friedrich Just (1889-1939): “die Vergangenheit wurde vor meinem Auge lebendig. Hochgereckte trotzige blondhaarige und blauäugige Germanen jagen Auerochs und Bär […] Sie schwinden. Das Land bewächst und verwildert […] Wieder sind die hohen blondlockigen und blauäugigen Gestalten da, aber in grober Kutte, in der einen Hand das Kreuz unseres Heilands, in der anderen die Rodehacke. Und hinter ihnen kommen viele bäuerliche Planwagen an, deutsche Bauern lassen sich mit Weib und Kind in den verödeten Gebieten nieder, bauen sich Häuser, roden die Wälder und ziehen Gräben, und bald wogt um die Dörfer ein goldenes Ährenmeer. Aber nicht immer bleibt das Bild so friedlich. In langwehenden weißen Mänteln reiten die deutschen Ordensritter gegen die schwarzbärtigen zotteligen Burgbewohner, die Slawen, an der Brahe an […]. Da entsteht plötzliche eine respektvolle Stille. Ein Krückstock wird über das Land gehoben, und ein schwarzer Adler rauscht majestätisch darüber. Der Krückstock schlägt aber nicht zu, sondern treibt zur Wiederherstellung des verkommenen Landes an, und es ist der Krückstock des Alten Fritzen. Und wieder kommen Planwagen ins Land, und deutsche Laute erklingen in anheimelndem Schwäbisch. Neue Häuser entstehen, und aus den verwahrlosten Feldern wächst wieder Brot. Und endlich höre ich Musik, preußische Militärmusik.“38
Allerdings blieb das
deutschlandweite populäre Friedrich-Bild von diesen regionalen
Zuspitzungen vor 1918 wenig beeinflusst. Dies lehrt ein
Seitenblick auf Friedrich II. als Theaterhelden im Zeitraum
1850-1918: Die Stücke, die geschrieben und zur Aufführung
gebracht wurden, sind im traditionellen Sinne von
preußisch-patriotischer Tendenz.39
Friedrich II. wurde bis zum Ersten Weltkrieg entweder als
treusorgender König oder – in Anlehnung an die
Anekdotensammlungen – als menschlich-mitfühlender Landesvater
gezeigt. Polen-Bezüge kamen in den Theaterstücken des
Kaiserreichs nur randständig vor.
Nach 1914 entstanden mehrere Dramen “im vaterländischen Geist“
(Paul Ernst, Emil Ludwig), in denen der Friedrich-Stoff zur
Illustration des “kategorischen Imperativs des preußischen
Staates“,40
nämlich eines Durchhaltewillens auch in schwersten Zeiten,
benutzt wird. Die Ambivalenzen des deutschen Friedrich-Bildes
werden vielleicht am besten in den Aussagen eines Intellektuellen
deutlich, der wie kaum ein zweiter die deutsche Geistesgeschichte
zumindest der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verkörpert.
Thomas Mann schrieb 1914 am Ende seines Essays “Friedrich und die
große Koalition“: “Er [Friedrich II., H.-J. B.] war ein Opfer. Er
mußte Unrecht tun und ein Leben gegen den Gedanken führen, [...]
mußte König sein, damit eines großen Volkes Erdensendung sich
erfülle.“41
Auch die nationale Identifikationsebene fehlt nicht: “Und
Deutschland ist heute Friedrich der Große.“ Zugleich formulierte
er jedoch: “Von nun an hieß er ‚Der alte Fritz’ – ein
schauerlicher Name, wenn man Sinn fürs Schauerliche hat; denn es
ist wirklich in höchstem Grade schauerlich, wenn der Dämon
populär wird und einen gemütlichen Namen erhält.“42
Die Vorstellung vom Dämonischen in der Person Friedrichs II.
spielte in der polnischen Rezeption nach 1914 eine erhebliche
Rolle (vgl. Stefan Żeromski).
In der Weimarer Republik erfuhr
das Friedrich-Bild eine deutliche Entwicklung und Zuspitzung:
Befreit von dynastischer Besetzung und Zensur durch die
Hohenzollernmonarchie erlebte Friedrich II. als Heldenfigur
insbesondere durch das neue Medium Film eine ungeahnte
Renaissance: Allein in der Weimarer Republik entstanden 13
Filmproduktionen mit Friedrich II. in der Hauptrolle: Den Auftakt
machte 1922/23 der vierteilige Stummfilm “Fridericus Rex“, ein
großer finanzieller Erfolg, an den unter anderem eine Fridericus
Rex-Postkartenserie und eine Mappe mit Aufnahmen der
Hauptdarsteller anzuknüpfen suchten.43
An den Publikumserfolg schlossen “Der alte Fritz“ (1927), das
“Flötenkonzert von Sanssouci“ (1930) und der “Choral von Leuthen“
(1932) an, wobei weiterhin der Siebenjährige Krieg im Mittelpunkt
stand.
In diesen Filmen wuchs Friedrich II. – zumeist in der Besetzung
mit Otto Gebühr – zunehmend von einer Vaterfigur zu einer
magischen Führergestalt, dessen Maxime des “Alles oder Nichts“
erfolgreich blieb. Hier liegen die Wurzeln für Görings Diktum von
Friedrich als dem “ersten Nationalsozialisten“.44
Der Friedrich-Kult stellte eine Domäne von Konservativen und der
politischen Rechten dar, in Kriegsverherrlichung und Führerkult
war eine deutliche Affinität zum Nationalsozialismus erkennbar.
Jedoch kam in diesen Filmen trotz der antipolnischen Einstellung
der Weimarer Republik Polen kaum vor; neben der anderen Tradition
des Friedrich-Stoffes bietet sich als Erklärung an, dass die
fridericianische Polenpolitik wenig dramatische und damit
filmisch gut umsetzbare Ereignisse bereitstellte.
Zugleich wurde Friedrich II.
jedoch in den deutsch-polnischen Kontaktregionen in wachsendem
Maße als deutsche Legitimationsfigur gegen die neue
deutsch-polnische Grenze benutzt. Die deutschen Behörden nahmen
bei ihrem Abzug aus Bromberg (1920) das dortige Friedrich-Denkmal
mit. Geplant war zunächst eine Aufstellung auf einer Anhöhe bei
Schönlanke, die von polnischer Seite aus gut sichtbar war.
Schließlich fand das Denkmal aber in dem neuen Behördenzentrum
Schneidemühl einen Platz.45
Auch in einem anderen Medium veränderte sich das Friedrich-Bild
der Weimarer Republik: In den “Wandbildern“, die in deutschen
Schulen von 1860-1960 zur visuellen Darstellung geschichtlicher
Inhalte benutzt wurden, tauchten nach 1920 die Erste Teilung
Polens und insbesondere das fridericianische “Kulturwerk“ und die
“Hebung der Landeskultur“ in Westpreußen auf.46
Hier wurde versucht, durch die Berufung auf den großen
Preußenkönig den deutschen Anspruch auf das zum “polnischen
Korridor“ verkleinerte Westpreußen zu bekräftigen.47
Im Nationalsozialismus wurde die
Fridericus-Filmserie mit sechs weiteren Filmen
fortgeführt.48
Der König wurde insbesondere in dem 1942 gedrehten Film “Der
große König“ als Führerfigur präsentiert, dem das Volk folgt,
selbst wenn es ihn nicht versteht. Sein Genie führt ihn sicher
durch alle Krisen, wobei die Staatsraison “Gehorchen“ und das
fridericianische Arbeitsethos den Erfolg sichern. Der bekannte
Goebbelssche Ausspruch: “wir leben in einer Zeit, in der wir
friderizianischen Geist nötig haben“49
zeigt, in welchem Maße dieses Friedrich-Bild im Zweiten Weltkrieg
instrumentalisiert werden konnte.
Im Kontext dieser Durchhaltepropaganda verwies auch der
Generalgouverneur Hans Frank (1900-1946) am 23. September 1944 in
Krakau in einer Rede auf das Vorbild Friedrichs des Großen und
ging “auf die Grundsätze der deutschen Besatzungspolitik im
Generalgouvernement ein“.50
Auch bei Adolf Hitler, der als einzigen Schmuck für den
Führerbunker ein Portrait Friedrichs des Großen mitgenommen haben
soll, konzentrierte sich das Interesse auf den
Durchhaltepolitiker Friedrich. Das nationalsozialistische
Friedrich-Bild besaß jedoch insgesamt nur wenige Polenbezüge,
obwohl die antipolnischen Passagen aus Friedrichs politischer
Korrespondenz seit 1939 durchaus von der nationalsozialistischen
Propaganda eingesetzt wurden.51
Nach 1945 war die Figur
Friedrichs II. durch die nationalsozialistischen
Vereinnahmungsversuche diskreditiert. Versuche von konservativen
Historikern wie Gerhard Ritter52
oder Walther Hubatsch,53
ihn zu rehabilitieren, fanden nur geringe Resonanz. Eine
Beachtung in der Öffentlichkeit fand Friedrich II. erst wieder
mit dem Einsetzen der Preußenwelle in Westdeutschland zu Beginn
der 1980er Jahre, die auch in Polen sehr aufmerksam registriert
wurde.
Hierzu bedurfte es allerdings erst des Anstoßes durch die in der
DDR seit Mitte der siebziger Jahre lebendige Erbe-Diskussion, in
der insbesondere Preußen und dabei zwangsläufig auch Friedrich
II. in den Mittelpunkt des geschichtspolitischen Interesses
rückten.54
Die 1979 erschienene Biographie von Ingrid Mittenzwei, die bis
1990 immerhin fünf Auflagen erlebte, knüpfte über weite Strecken
an das traditionelle deutsche Friedrich-Bild an und zeichnete
lediglich die sozialhistorische Grundierung des fridericianischen
Staates etwas sorgfältiger.55
Polen kam – wie in allen deutschen Biographien Friedrichs - nur
am Rande vor und die Polenpolitik Friedrichs erschien der Autorin
nur im Vorfeld der Ersten Teilung Polens von Interesse. Immerhin
fand sich Raum für eine Skizze des negativen Polen-Bildes
Friedrichs II.: Er schaute “mit Überheblichkeit und Mißachtung
auf alles Polnische herab. In Briefen an seine Beamten
bezeichnete er die Polen als das ‚schlechte polnische Zeug’.
Gegenüber d’Alembert sprach er sogar vom “verächtlichen
Volk.“56
Weiterhin wurde Preußen und freilich auch Friedrich eine
“historische Schuld“ an der Ersten Teilung Polens, die als
“Aggressionsakt“ bezeichnet wurde, zugewiesen.57
Diese Detailbeobachtungen und -bewertungen spielten jedoch keine Rolle für das gesamte Friedrich-Bild Mittenzweis; bei der abschließenden Beurteilung Friedrichs kam Polen erneut nicht vor. Erkennbar wird hier der stark interpretationsleitende Charakter, welcher dem Erinnerungsort Friedrich im traditionellen deutschen Erzählrahmen vorgegeben wird; auch Mittenzwei gelang trotz etlicher Akzentveränderungen keine grundlegende Neuinterpretation. Die geschichtspolitische Neubewertung Friedrichs II. in der DDR fand 1981 in der Wiederaufstellung des Reiterdenkmals “Unter den Linden“ auch einen offiziellen Ausdruck. Charakteristisch war jedoch, dass die Wiederaufstellung nicht öffentlich vollzogen und begründet, sondern insgeheim und ohne Diskussion und Erklärung vorgenommen wurde.58
Auch filmisch wurde die Traditionserfindung der DDR im 18. Jahrhundert fündig: In der DEFA-Produktion “Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ als sechsteilige Fernsehserie (1983-1987) wurde das fridericianische Preußen mit dem augusteischen Sachsen kontrastiert. Die Fernsehserie fand in der DDR ein starkes Echo, lief 1987 auch in der Bundesrepublik Deutschland und prägt die Vorstellungen von den sächsisch-preußisch-polnischen Beziehungen bis heute.59 Dass es sich auch hierbei um eine verborgene deutsch-polnische Beziehungsgeschichte handelt, erschließt sich allerdings nur dem aufmerksamen Zuschauer: Die Filmhandlung geht auf sechs historische Romane (August der Starke, Gräfin Cosel, Graf Brühl, Aus dem Siebenjährigen Krieg, Feldmarschall Flemming, Der Gouverneur von Warschau) des polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887) zurück, die dieser im Dresdner Exil nach 1863 verfasst hatte. Die bei Kraszewski allgegenwärtigen polnischen Motive und Personen treten in der Serie allerdings völlig in den Hintergrund und wurden – als eher folkloristische Einsprengsel – mit polnischen Schauspielern besetzt.60 Auch in dieser DDR-Produktion wurde die komplexe Beziehungsgeschichte zwischen fridericianischem Preußen und Polen ausgeblendet.
In welchem Maße die Renaissance
des Preußenbildes auch in der Bundesrepublik Deutschland
untrennbar mit Friedrich II. verbunden blieb, bewies die große
Preußenausstellung 1981 in Berlin. Sie widmete – als einziger
Person in der Ausstellung – Friedrich II. eine eigene Abteilung:
Die Darstellung schwankte zwischen Bildern und Zerrbildern vom
jungen Friedrich und dem alten Fritz und bekannte sich zu einer
“schroffen Unterschiedlichkeit“ der Erinnerungen an und
Geschichtsbilder von Friedrich II.61
In diesem eher kritischen Friedrich-Bild, das insbesondere durch
dessen Militarismus und zynische Menschenverachtung geprägt war,
war jedoch die polnische Perspektive nicht präsent.
Beschränkt sich die konservative deutsche
Friedrich-Interpretation auf eine weitgehende Ausblendung Polens,
so sind liberale Interpretationen vielfach bar jeglicher
Sachkenntnis. Es formulierte etwa der Historiker und
Schriftsteller Christian von Krockow, bekannt auch durch
zahlreiche populäre Veröffentlichungen zu den deutsch-polnischen
Beziehungen: “Polnischsprachige Untertanen waren ihm so
willkommen wie deutsche […]. Und eine Diskriminierung kam ihm
schon aus Staatsklugheit so wenig in den Sinn […]. Er dachte eben
überhaupt nicht in religiösen oder nationalen Kategorien […].
Genau darin, in der völligen Abwesenheit des Nationalen
verkörperte sich Friedrichs klassisches Preußentum.“62
Dass tatsächlich im fridericianischen Preußen eine klare
Ausgrenzung gegenüber katholischen und polnischen Eliten an der
Tagesordnung war und aus diesem Kontext der älteste Nachweis der
abfälligen Rede von der “polnischen Wirtschaft“
stammt,63
wird bei Krockow völlig unterschlagen.
An diesen Ausblendungen bzw.
Verzerrungen hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Das
Preußenjahr 2001 sorgte vor allem für eine kulturelle Ausweitung:
Friedrich II. tauchte hier nun verstärkt als Begründer des
preußischen Rechtsstaats, als Architekt von Sanssouci oder als
Förderer der preußischen Seidenindustrie auf. Neu entdeckt wurde
allerdings das Identifikationspotential der preußischen
Geschichte: “Preußische Orte“ oder “preußische Marksteine“
belegen dies. Interessanterweise ist unter diesen “preußischen
Orten“ kein Ort östlich der Oder erwähnt,64
sodass man geradezu von einer “Brandenburgisierung“ der
Erinnerung an Preußen sprechen kann. Der preußisch-polnische
Kontext wird gänzlich abgeschnitten.
Mehr noch: Obwohl der Jahrestag der Königserhebung des ehemaligen
polnischen Lehens Preußen zu einer intensiven Beschäftigung mit
den preußisch-polnischen Beziehungen geradezu einlud, ist dies
nicht erfolgt. Die zentrale Ausstellung “Preußen 1701. Eine
europäische Geschichte“ im Charlottenburger Schloss ging auf den
preußisch-polnischen Komplex nur in den Randaspekten ein, die bei
der Behandlung der Krönung nicht übergangen werden
konnten.65
Wenn schon unter deutschen
Fachhistorikern ein Friedrich-Bild dominiert, das die polnischen
Aspekte weitgehend ausspart – eine Aussparung, die in Polen
durchaus vermerkt wird66
– wie sieht es dann erst in der breiteren deutschen
Geschichtskultur aus? Hier einige Beobachtungen: Das Deutsche
Historische Museum in Berlin sammelt (Sammelauftrag: Deutsche
Geschichte) Artefakte und in diesem Zusammenhang auch
aussagekräftige Dokumente von Friedrich II.; 1988 wurde
beispielsweise ein Brief an Voltaire erworben.67
Zu fragen wäre, ob die Rolle Friedrichs II. für die
deutsch-polnischen Beziehungen nicht ebenfalls Anlass für eine
intensivere Sammeltätigkeit sein sollte.
In der breiteren Geschichtskultur Deutschlands präsent ist
Friedrich II. vor allem in Zitatensammlungen, in denen durchweg
seine Rolle beim Aufbau eines modernen Staatsapparats, die
fridericianischen Toleranzpostulate und die modernen
Rechtsreformen betont werden. An Bedeutung gewinnt darüber hinaus
die lokale und regionale Erinnerung an Friedrich II., die sich
unter anderem im Wiederaufbau von Friedrich-Denkmälern, so in dem
Berliner Stadtteil Friedrichshagen (1904 errichtet, 1945
beseitigt, Grundsteinlegung am 13. Mai 2001, das Denkmal wurde
zur Feier des 250. Ortsjubiläums im Mai 2003 wieder eingeweiht)
oder auch im Oderbruch äußert.
In diesem deutschen Erinnerungskonzept spielen die fridericianische Polenpolitik und Friedrichs Polenbild – nachdem dies zwischen 1870 und 1945 teilweise anders aussah – erneut keinerlei Rolle. Die Ursachen hierfür sind benennbar: a) Die Stoffe und Motive des Friedrich-Bildes wurden bereits im 18. Jahrhundert anders besetzt; zu nennen sind hier das Aufklärungsmotiv, das sich durch die Schrift- und Wirkmächtigkeit der französischen Aufklärer eines internationalen Renommees erfreute sowie der volkstümliche Anekdotenstoff, der bis heute ein Faszinosum darstellt. b) Dies befördert eine kulturalistische Interpretation, die heute vor allem am künstlerischen und architektonischen Engagement des Herrschers in der Zentrallandschaft Brandenburg anknüpft, die politische und gesellschaftliche Stoßrichtung der fridericianischen Politik dagegen eher in den Hintergrund treten lässt. c) Die Friedrich-Biographistik hatte in ihren konservativen wie auch liberalen Ausprägungen keinerlei Interesse, den Polenkomplex zu beleuchten, sondern tendierte im Gegenteil dazu, ihn aus übergeordnetem nationalem Interesse zu rechtfertigen (“Eindämmung Russlands“) bzw. wegen angeblich mangelnder Relevanz zu übergehen. Der Polenkomplex bleibt deshalb unterbelichtet, obwohl eine Neubewertung Preußens in erster Linie in einem deutsch-polnischen Kontext möglich ist.
2. Das polnische Bild von Friedrich II.
Die zeitgenössische Wahrnehmung
Friedrichs II. in Polen-Litauen gestaltete sich differenziert:
Der Ruhm des Heerführers und aufgeklärten Philosophen Friedrich
erreichte – auch aufgrund dessen geschickter Publikationspolitik
in der Weltsprache Französisch – bereits in den 1750er Jahren
Polen und beförderte eine Rezeption der politischen Taten
Friedrichs II. sowie seiner frühen Werke. Ein Teil der Werke
wurde sogar ins Polnische übersetzt,68
polnische Aufklärer wie Piotr Świtkowski (1744-1793)
veröffentlichten Lobeshymnen auf den aufgeklärten und tüchtigen
Herrscher.69
Weiterhin verfügte die preußische Politik traditionell über
Parteigänger insbesondere unter dem großpolnischen und
litauischen Adel wie die Familien Leszczyński (darunter auch
Stanisław Leszczyński)70,
Jabłonowski (Jan Kajetan Jabłonowski71)
und Radziwiłł (Udalryk Radziwiłł72).
Bekannt ist auch die Faszination, die die militärischen Erfolge
Friedrichs im polnischen Adel auslösten, die auch junge polnische
Adlige zum Eintritt in die preußische Armee bewegten.73
Als der polnische General Jan Henryk Dąbrowski (1755-1818) im
Kościuszko-Aufstand 1794 Bromberg eroberte, beschlagnahmten seine
Truppen aus dem Saal der dortigen Regierung das von Gottlieb
Theofil Düppler ausgeführte Friedrichporträt und führten es mit
sich fort.74
Hinzu traten einige durch
persönliche Kontakte mit Friedrich gut bekannte Persönlichkeiten
aus den polnischen Eliten: Gräfin Marianna Skórzewska (1741-1773)
teilte die literarischen Interessen des preußischen Königs und
benannte ihren Sohn Fryderyk Skórzewski (1768-1832) nach dem
preußischen Monarchen. Skórzewski ließ in der klassizistischen
Rotunde seines um 1800 erbauten Landsitzes in Lubostron
(Netzedistrikt) in einem Flachrelief eine Begegnung seiner Mutter
mit Friedrich darstellen, während derer diese dem preußischen
König die Pläne zum Bau des Netzekanals übergab. Die
zivilisatorische Tat erschien so als polnisch-preußisches
Gemeinschaftswerk und verlieh der Familie Prestige.75
Genannt werden können unter den Freunden und Parteigängern
Friedrichs in Polen weiterhin Stanisław Kostka Gadomski
(1718-1797),76
der letzte Wojewode von Łęczyca, und insbesondere der
ermländische Bischof und homme de lettres Ignacy Krasicki
(1735-1801).77
Krasicki, der nach der Annexion Westpreußens und der Kassation
der geistlichen Güter von den Donationen und Krediten Friedrichs
II. teilweise abhängig war, unterhielt ein enges höfisches
Verhältnis zu Friedrich, das vor allem auf den gemeinsamen
literarischen Interessen des Herrschers und jenes bedeutendsten
polnischen Schriftstellers der Aufklärung aufbauen
konnte.78
Die positive zeitgenössische
Rezeption Friedrichs II. durch die polnischen Eliten ist
unzureichend erforscht,79
zumal seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrere der genannten
Persönlichkeiten in verschwörungstheoretische Konstrukte
einbezogen und als “Verräter“ oder “Agenten“ disqualifiziert
wurden. An der Diskussion um die Person Ignacy Krasickis werden
die Folgen einer zu engen Freundschaft mit Friedrich II. für den
eigenen Nachruhm deutlich: Krasicki galt bis in die Gegenwart als
“national unzuverlässig“, da er einen sehr engen Kontakt zu
Friedrich II. unterhielt.80
Negative Reaktionen in der polnischen Öffentlichkeit lösten die
auf eigenen Nutzen bedachte preußische Grenzpolitik (unter
anderem gewaltsame Rekrutierungen, Zölle, Kontributionen,
Münzfälschungen) sowie die Erste Teilung Polens aus,81
doch dominierte diese kritische Einstellung lediglich
vorübergehend: Bereits in den 1780er Jahren herrschten
insbesondere in der aufgeklärten Öffentlichkeit eher positive
Stimmen vor.82
Nach Friedrichs Tod finden sich auch den Kult um den verstorbenen
Herrscher pflegende polnischsprachige
Veröffentlichungen.83
Zeitgenössische, im Duktus eher positive Anekdoten über Friedrich
II. und die bereits kurz nach Friedrichs Tod erschienenen
polnischen Ausgaben der Anekdotenwerke belegen, dass der
preußische König auch in Polen Leser und Verehrer hatte. Weitere
Verbreitung fand ein positives Friedrich-Bild durch die
propreußische Partei in Polen: Im Umfeld des Vierjährigen Sejms
(1788-1792) sind eher positive Erwähnungen84
Friedrichs in politischen Satiren bekannt.85
Eine erste nachhaltige und durch die folgende Rezeption
schwerwiegende Kritik der Politik Friedrichs II. lieferte
zeitgleich der aus Schneidemühl im preußisch-polnischen
Kontaktbereich stammende Stanisław Staszic (1755-1826), ein
führender Reformpolitiker.86
Staszic wurde später zu einem der Referenzautoren für das
kritische Friedrich-Bild.
Insgesamt gab es jedoch im zeitgenössischen Polen, und auch in den ersten beiden Dritteln des 19. Jahrhunderts, keine einheitliche öffentliche Meinung über Friedrich II. und seine Politik, wobei dieser nur in seltenen Fällen als Mitverursacher der Teilungen Polens oder als antipolnischer Politiker wahrgenommen wurde. Die schärfsten antifridericianischen Reaktionen sind aus dem deutschsprachigen Danzig überliefert, dessen wirtschaftliche Prosperität durch die merkantilistische Schutzzollpolitik Preußens nach 1772 abgedrosselt wurde.87 Zitiert sei nur eine einschlägige Stelle aus den Erinnerungen Johanna Schopenhauers: “Der alte Fritz ist todt! Endlich! Ging es eines Tages wie ein Lauffeuer durch die Stadt, und die Leute freuten sich, riefen beinahe jubelnd die längst erwartete Nachricht einander entgegen, als wäre durch den Tod des großen Königs alles Leid von ihnen genommen…“88
Ein eindeutig negativ akzentuiertes Friedrichbild entstand erst nach 1848 bzw. 1870 einerseits unter dem Eindruck der antipolnischen preußischen Politik sowie als Reaktion von Fachhistorikern auf die auch in Polen rezipierten Editionen der Werke und der politischen Korrespondenz Friedrichs II. Hierbei ist der enge Zusammenhang zwischen deutscher und polnischer Geschichtswissenschaft in Rechnung zu stellen. Die moderne polnische Geschichtswissenschaft entstand vor allem durch Übernahme und Adaptation preußisch-deutscher historistischer Vorbilder: Führende polnische Historiker des späten 19. Jahrhunderts wie der Begründer der ersten fachhistorischen Zeitschrift “KwartalnikHistoryczny“ (Historische Vierteljahrsschrift, nach dem Vorbild der Historischen Zeitschrift) Ksawery Liske (1838-1891) oder auch Oswald Balzer (1858-1931), Ludwik Finkel (1858-1930) oder Szymon Askenazy (1866-1935) studierten in Berlin bzw. an preußischen Universitäten (Halle, Göttingen), übernahmen von dort methodische Anstöße, wurden aber zugleich auch mit dem preußisch-deutschen, national aufgeladenen Friedrich-Kult des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts konfrontiert.
Der durch eine eigene fachhistorische Schulbildung und über politische Verbindungen einflussreiche Historiker Szymon Askenazy, der in Göttingen bei Max Lehmann studiert und promoviert hatte, forderte deshalb um 1900 programmatisch erstmals eine neue Beschäftigung der polnischen Historiographie mit Friedrich: “Friedrich der Große, ein großer Preuße, ein großer Kämpfer, ein noch größerer Diplomat [...]. Er traf Polen-Litauen ohne den Degen zu zücken, auf dem Wege friedlicher Verhandlungen fürchterlicher als andere auf Schlachtfeldern, er traf es ins Herz, gab ihm den Todesstoß, dabei immer freundschaftlich, immer friedfertig. Eine so außergewöhnliche Beziehung des großen Monarchen zur polnischen Republik legt der polnischen Geschichtsschreibung eine außergewöhnliche Verpflichtung auf. Selbstverständlich gehört Friedrich der allgemeinen Geschichte, er zählt zur Geschichte aller Völker, auf die er traf und die er aus der Bahn warf. Aber für diese, wenn er nicht der Vater des Vaterlandes wie für die Preußen ist, oder etwas in der Art eines Großvaters des Vaterlandes wie für viele Deutsche, sondern teils ein Rivale, teils ein Bundesgenosse, bestehen komplizierte Rechnungen aus gegenseitigen Vorhaltungen und Verdiensten. Solche komplizierten Rechnungen gegenüber Friedrich kennt die polnische Geschichte nicht. Sie hat mit ihm eine einfache Rechnung offen, so einfach, dass ihr Urteil nichts trüben kann. Sie hat auf diese Person die ersten und die besten Rechte. Er gehört zu ihr, bildet ihr Eigentum und kann sich ihrer Zuständigkeit nicht entziehen.“89
Pater patria der Preußen, Ziehvater der Deutschen und Meuchelmörder der Polen, so kann man den programmatischen Ansatz Askenazys prägnant zusammenfassen. Entworfen wird diese Geschichtskonzeption mit Blick auf die umfangreichen Materialien der politischen Korrespondenz Friedrichs zu polnischen Themen, die Askenazy als erster polnischer Historiker nutzte.90 Insbesondere die Belege aus der Politischen Korrespondenz aus den 1760er Jahren, die die destruktiven preußischen Eingriffe in die polnische Innenpolitik belegten, wurden von Askenazy breit zitiert.
Einen erheblichen Anteil an dem sich um 1900 im Kontext eines Feindbildes Preußen ausbildenden negativen Gedächtnis an Friedrich besaß die polnische Publizistik und Literatur. Adolf Nowaczyński (1876-1944), Dramatiker und Pamphletist, der aufgrund seiner überzogenen Angriffe und exzentrischen Stellungnahmen in der polnischen Literatur als enfant terrible gesehen wird, steuerte 1910 die dramatische Erzählung “Der große Friedrich“ (Wielki Fryderyk) dazu bei.91 Friedrich II. wird hier auf fast 600 Seiten als zynisch-amoralischer Monarch und Machtpolitiker dargestellt, der Mittel wie Lüge, Betrug und Gewalt gutheißt. Sein Ziel ist nur die Zukunft der preußischen Macht.92 Zugleich ist das Drama ein provokatives Lehrstück für die polnischen Eliten im Zeichen von “organischer Arbeit” und nationalem Egoismus des entstehenden polnischen Nationalismus Dmowskischer Prägung: Die polnischen Darsteller sind durchweg mit wenig heldenhaften Charakterzügen ausgestattet, in der nur schwach ausgeprägten dramatischen Handlung begeht der verliebte junge polnische Offizier aus Liebeskummer Selbstmord, während sich der Preuße für den Dienst im Militär entscheidet. Der “Große Friedrich“ wurde 1910 in Warschau uraufgeführt und erlebte in der Folge bis 1939 zahlreiche Aufführungen in ganz Polen. In der Volksrepublik Polen erfolgte erst am 13.2.1977 (Regie Kazimierz Dejmek, Łódź) die erste Aufführung, wobei die Friedrichrolle, die sichtlich an Aktualität verloren hatte, deutlich abgeschwächt wurde.93 Als polnischen Beitrag zur Erbe-Diskussion in der DDR und zugleich als verdeckte Kritik an dem dort entwickelten Friedrich-Bild fand 1982 auch eine Aufführung von Nowaczyńskis “Großem Friedrich“ in der DDR statt. Der Premiere in Magdeburg wurde in der DDR-Presse wenig Beachtung geschenkt, während westdeutsche Reaktionen nachweisbar sind.94
Einen dauerhaften Beitrag zum polnischen Friedrich-Bild leistete ein weiterer, ungleich bedeutenderer Autor: In Stefan Żeromskis (1864-1925) 1922 erstmals erschienener Erzählung “Wind vom Meer“ (Wiatr od morza) wird ein episches Panorama der Geschichte Pommerellens (Pomorze) gezeichnet. Ein Kapitel ist auch Friedrich II. gewidmet, der in der Darstellung Westpreußen bereist – wie auch historisch belegt – und in einem kaschubischen Dorf übernachtet. Über Friedrich heißt es einführend: “Sein alter, von den Vorfahren geerbter Hass auf den polnischen Adelsstand, auf das Volk, das Polnisch sprach, seine Rachsucht, die in jedem Blutstropfen in ihm kreiste, verminderte sich auf diesen Reisen nicht, sondern wuchs im Gegenteil und der Abscheu auf alles, was polnischen Geist atmete, verstärkte sich infolge der Inspektionen immer mehr.“95
Während der Nacht in dem kaschubischen Dorf lässt der Erzähler Friedrich wie einen Besessenen Akten durcharbeiten und Marginalien verfassen, in denen er weitere Anweisungen zur Behandlung der Polen gibt: Er befiehlt, das “liederliche polnische Zeug“ (im Original in deutscher Sprache) fortschaffen zu lassen und die “sklawischen Leute mit Teutsche zu meliren“ (ebenfalls deutsch).96 Den Höhepunkt dieses Ausbruchs beschreibt Żeromski wie folgt: “Er wandte seine brennenden Augen auf die Karte und den Landstrich der südlich von dem grünen Band der Netze lag und blickte auf dieses Bild polnischen Landes mit dem schrecklichen Blick eines Gespensts. Er schob seine zwei schweren Fäuste vor, presste sie wie Stahlklammern zusammen und umschlang das Land. Es erschien ihm in diesem Augenblick, als höre er den Marsch der Jahrhunderte – die Schreie der aus dem Westen nach Osten vor den Legionen der Teutonen flüchtenden Slawen – als höre er das Echo des schrecklichen Blutbads von Grunwald [im Deutschen Tannenberg, H.-J.B.]. Das Blut stieg ihm zu Kopfe. Er fühlte, dass er imstande war, dieses ganze Land in die Höhe zu heben und in Scherben zu schlagen, zu zermalmen, um aus dieser Krume, aus diesem schwarzen Dünger eine neue, zivilisierte, nach seinem Gedanken geknetete und geformte, Gestalt zu schaffen.“97
Żeromski schuf dieses suggestive
Bild unter Benutzung der zweibändigen Darstellung des Danziger
Archivdirektors Max Bär, aus der er die wörtlichen Zitate
entnahm.98
Auffällig ist die geheime Faszination, die Friedrich II., das
negativ verzerrte Vorbild eines “staatsschöpferischen Genius“, in
Polen insbesondere auf die Ideologen der “organischen Arbeit“
ausübte, die den Aufbau eines zukünftigen polnischen Staates
förderten. Die Friedrichfigur verkörperte aus polnischer Sicht
die rücksichtslose Durchsetzung einer (wenn auch fremden)
Staatsraison, die ins Positive gewendet gerade für die
Wiederentstehung des polnischen Staates unter nationalen
Vorzeichen benötigt wurde.
In den nach 1918 an den polnischen Staat gefallenen preußischen
Territorien wurden bereits 1919/20 alle Straßenbenennungen nach
Friedrich getilgt und zumeist durch polnische Monarchen ersetzt:
Etwa in Inowrocław wurde die Friedrichstraße zur Königin
Hedwig-Straße (ulica Królowej Jadwigi), die angeblich in der
Stadt die Niederlage des Deutschen Ordens vorhergesagt
hatte.99
Ebenfalls wurden alle Friedrich-Denkmäler, sofern sie nicht
bereits von deutschen Behörden mitgenommen worden waren,
entfernt.
Insgesamt wurde Friedrich II.
seit Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem negativen polnischen
Erinnerungsort für die Demütigungen der Teilungszeit: für die
auswärtige Gewaltpolitik, für die “Räubereien und
wirtschaftliche[n] Machinationen“, zu denen sich der “böse
Nachbar“ Preußen bereitgefunden hatte.100
Aus dieser Perspektive erschien es nur folgerichtig, dass die
Gewaltpolitik des Nationalsozialismus als Fortsetzung preußischer
Politik gesehen wurde. Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkrieges
wurde 1939 in den Schlagzeilen der Publizistik die Verbindung von
Friedrich II. zu Hitler hergestellt.101
Dieses klischeehafte Bild wurde nach 1945 in einer
belletristisch-publizistischen Welle zu einem Gemeingut der
polnischen Publizistik.102
Der neugegründete Staatsverlag “Państwowy Instytut Wydawniczy“
eröffnete seine Tätigkeit 1946 mit einer Jubiläumsausgabe von
Żeromskis “Wind vom Meer“. Diese antifridericianische
Publizistik, zu der auch die eingangs zitierte Studie von
Konopczyński zählte, bestimmte durch hohe Auflagen und
fortgesetzte Wiederholungen das polnische Friedrich-Bild und die
generelle Wahrnehmung Preußens bis in die 1970er Jahre. Friedrich
wird hier durchweg als verschlagener und wortbrüchiger Politiker,
als berechnender Germanisierer und als Todfeind jeglicher
polnischer Staatlichkeit gezeigt.
Erst in den 1970er Jahren wurde dieses Schwarzweißbild nuancierter: Insbesondere die kritische Rezeption des fridericianischen Erbes in der Bundesrepublik wie auch in der DDR erlaubten es auch polnischen Autoren, ein differenzierteres Bild des preußischen Herrschers zu entwickeln. In erster Linie die Veröffentlichungen des Thorner Rechtshistorikers Stanisław Salmonowicz, die in die 1981 erschienene Biographie mündeten,103 schufen Platz für ein ausgewogeneres Friedrich-Bild.104 Erreicht wird dies erstens durch die Einbeziehung der gesamten fridericianischen Politik in die Darstellung – also nicht nur des Verhältnisses zu Polen-Litauen, sondern auch des preußisch-österreichischen Dualismus und der preußischen Politik gegenüber Sachsen. Zweitens gelangte Salmonowicz zu einer neuen – günstigeren – Bewertung der rechtspolitischen Maßnahmen Friedrichs: Hier seien erste Ansätze verbindlicher Rechtskodifizierungen geschaffen worden. Festgehalten wird allerdings an der Vorstellung, ein “obsessiver“105 bzw. “elementarer Haß“106 habe die fridericianische Politik gegenüber Polen angetrieben.
Erhebliche Impulse zu einer Verwissenschaftlichung dieser psychologisierenden Position gingen in den letzten Jahren von der deutsch-polnischen Diskussion um Hubert Orłowskis große Monographie zum Stereotyp der “polnischen Wirtschaft“ aus. Hier wurde die Hypothese aufgestellt, das negative Polenbild Friedrichs wurzele in einer insgesamt negativen Polenstereotypie der Aufklärung, der der Gegensatz von aufgeklärtem Europa und barock-sarmatischem Polen zugrunde liege.107 Allerdings sind diese Fachdiskussionen bisher nur minimal in das polnische Friedrichbild eingedrungen – und es bleibt auch sehr zu bezweifeln, ob sie es in Zukunft tun werden.
3. Friedrich II. zwischen deutsch-polnischem Erinnerungsort und der Kontinuität der älteren histoire croisée
Die demokratische
deutsch-polnische Nachbarschaft gibt seit 1989/90 erstmals die
Möglichkeit, sich im deutsch-polnischen Dialog über das
gemeinsame preußische und fridericianische Erbe diskursiv
auseinanderzusetzen. Dies setzt allerdings voraus, dass diese
Tradition als gemeinsames Erbe aufgefasst wird und die Argumente
auf beiden Seiten der Oder auch wechselseitig zur Kenntnis
genommen werden. In Polen erschien in den 1990er Jahren eine
ganze Reihe von Übersetzungen deutscher Veröffentlichungen zu
Preußen.108
Auch das Friedrich-Bild erhielt dadurch gänzlich andere Akzente
und die innerdeutschen Diskussionen fanden auch in Polen eine
Rezeption. Erheblich geringer entwickelt ist jedoch der Transfer
von Ost nach West, die polnischen Arbeiten zu Friedrich II. und
Preußen werden von deutschen Historikern nur marginal
rezipiert.109
In der Ausgabe der “deutschen Erinnerungsorte“ äußerten Etienne
François und Hagen Schulze einleitend die Auffassung, es gehe
auch innerdeutsch um eine “gegenseitige Anerkennung und
Zusammenführung von gegensätzlichen Gedächtniskulturen […], die
Anerkennung und Zusammenführung von […]
Gedächtniskonstellationen.“110
Wenn sich die Deutschen ihre jeweiligen Geschichten gegenseitig
erzählen soll(t)en, so wäre dies auch für Deutsche und Polen
möglich. Zu analysieren ist jedoch, warum dies bisher fast
überhaupt nicht geschah, warum die deutsche und die polnische
Friedrich-Rezeption bis heute Rücken an Rücken verlaufen, wobei
insbesondere in Deutschland der “polnische Beruf“ Friedrichs II.
kaum zur Kenntnis genommen wird. Nun ist dies für sich noch kein
Sonderfall: In das französische Napoleon-Bild fließen deutsche
Positionen auch höchstens marginal ein.
Allerdings gibt es in der Struktur des Erinnerungsortes Friedrich in Deutschland wie in Polen – vergleicht man ihn mit Napoleon in Frankreich und Deutschland – einen erheblichen Unterschied: Das deutsche und das polnische Erinnern an Friedrich II. sind zumindest seit 1870 durch die preußisch-polnische bzw. deutsch-polnische Beziehungsgeschichte und Konfliktgemeinschaft aneinander gebunden. Die Erinnerung an Friedrich II. in Deutschland zum Beispiel anhand eines Jahrestages oder eines Preußenjubiläums, löst durchweg auch Reaktionen in Polen aus. Besonders intensiv war diese Konstellation in den 1970er und 1980er Jahren in den damals noch zwei deutschen Staaten und Polen zu beobachten: Die Beschäftigung mit Preußen und Friedrich in der DDR erzwang ein paralleles und konkurrierendes Erinnern in der Bundesrepublik und in Polen. Das jeweilige Erinnern im Nachbarstaat wurde auch publizistisch begleitet (zum Beispiel die Erinnerungskultur in der DDR durch die polnische Presse) und von Gesten geprägt, die “geschichtspolitisch“ gedeutet werden können (zum Beispiel die erstmalige Aufführung des “Großen Friedrich“ im deutschen Sprachraum in Magdeburg, die den deutschen Besucher mit einem brutal-realistischen Friedrich-Bild konfrontierte). Das deutsche Erinnern im Umfeld des 200. Todestages Friedrichs II. 1986 wurde in Polen beobachtet und führte zu einer innerpolnischen Diskussion über das negative polnische Friedrich-Bild.111
Auch das Preußenjahr 2001 wurde in der polnischen Berichterstattung sogar in auflagestarken Wochenzeitungen aufgegriffen und zum Gegenstand einer vertieften deutsch-polnischen Reflexion.112 Das Erinnern an Friedrich II. in der deutsch-polnischen Gedächtnisgemeinschaft ist an den Erinnerungsort Preußen gebunden. Friedrich II. steht als Gründer- oder aber Feindfigur und bedeutendster Herrscher symbolisch für den “Staat zwischen zwei Nationen“ (Klaus Zernack), der sich weder gänzlich in die deutsche noch in die polnische Geschichte einpassen lässt. Die verschiedenen Preußen- und Friedrich-Wellen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass zumindest in Deutschland im Erinnerungsort Preußen verdrängte und folglich wieder aktivierbare bzw. wählbare Züge der eigenen Identität liegen. Das polnische Staatsdenken des 19. und 20. Jahrhunderts formulierte sich in Entgegensetzung zu “preußisch“ definierten Positionen. Friedrich II. wurde zu einem negativen Kristallisationspunkt der modernen polnischen Nationskonstruktion. “Preußen – das sind wir“ (Adam Krzemiński) blieb unter diesen Voraussetzungen eine zwar publizistisch geäußerte, aber krass minoritäre Option.
Es ist absehbar, dass die deutsche Erinnerungskultur rund um den 300. Geburtstag Friedrichs II. (“Friedrich300“) in Polen intensiv rezipiert werden wird. Wünschenswert wäre es, eine möglichst umfangreiche Reihe von Veranstaltungen in gemeinsamer deutsch-polnischer Trägerschaft auszurichten, um die unterschiedlichen Friedrich-Bilder in beiden Nationalkulturen, die durch das preußische Erbe aneinander gebunden sind, wechselseitig zur Kenntnis zu nehmen und dialogisch aufzulösen. Friedrich II. und Preußen bleiben ein zentrales Thema deutsch-polnischen Erinnerns.
AutorProf. Dr. Hans-Jürgen
Bömelburg
Justus-Liebig-Universität Giessen
Historisches Institut
Ludwigstraße 23
35390 Gießen
hans-juergen.boemelburg@geschichte.uni-giessen.de
1 Frank-Lothar Kroll: Friedrich der Große, in: Etienne François / Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte, 3 Bde, München 2001, hier: III, 620-635.
2 Ewa Kobylińska / Andreas Lawaty / Rüdiger Stephan (Hg.): Deutsche und Polen. 100 Schlüsselbegriffe, München / Zürich 1992, 48-53.
3 Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit, München 2004; Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, München 1983.
4 Peter-Michael Hahn: Friedrich der Große und die deutsche Nation. Geschichte als politisches Argument, Stuttgart 2007.
5 Hans-Jürgen Bömelburg: Die Tradition einer multinationalen Reichsgeschichte in Mitteleuropa – Historiographische Konzepte gegenüber Altem Reich und Polen-Litauen sowie komparatistische Perspektiven, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 53 (2004), H. 3, 318-350.
6 Władysław Konopczyński: Fryderyk Wielki a Polska [Friedrich der Große und Polen] (= Prace Instytutu Zachodniego 9), Poznań 1947, 7-8. „Otóż historia nie zna przykładu, aby jeden człowiek włożył tyle nienawiści w swój stosunek do sąsiedniego narodu, ile jej przez pół wieku wydzielił z siebie Fryderyk zwany Wielkim. [...] Fryderyk jako niszczyciel Polski, która mu nic nigdy złego nie zrobiła, stanowi zjawisko jedyne w dziejach.”
7 Ebd., 262. „Bezsporna historyczna wielkość Fryderyka polega nie na tym, że pokonał MarięTeresę [...]: polega ona na pognębieniu Polski. Spełniając tę dziejową misję, zaszczepił on niemieckiemu narodowi jeszcze większe, światowe posłannictwo ujarzmienia i pożerania wszystkich ludów naokoło. I trudno nie nazwać Wielkim męża, który wypromieniował z siebie energie zdobywcze na wnuki i prawnuki, aż pójdą wszyscy za dziesiątą granicę od zwycięstwa do zwycięstwa na złamanie karku pod El-Alamein, pod Stalingrad, pod Falaise na ostateczny pogrom – w Berlinie.”
8 Hier eine Übersicht über die polnische Beschäftigung mit dem Werk von Konopczyński: Piotr Biliński: Władysław Konopczyński. Historyk i polityk II Rzeczypospolitej (1882-1952) [W.K. Historiker und Politiker der Zweiten Republik], Warszawa 1999; Wojciech Tygielski: Władysław Konopczyński (1882-1952), in: Peter Brock u.a. (Hg.): Nation and History. Polish Historians from the Enlightenment to the Second World War, Toronto 2006, 320-335; Ausstellung über K.: Małgorzata Mrówka: "W służbie nauki... Temu, który odważył się być prawym. Władysław Konopczyński (1880-1952)" - wystawa w Archiwum Nauki PAN i PAU w Krakowie (21 czerwca - 25 października 2002 r.) [„Im Dienste der Wissenschaft... Demjenigen, der es wagte, rechtschaffen zu bleiben. W.K. Archiv der Polnischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Gelehrsamkeit, 21.6.-25.10.2002], in: Krakowski Rocznik Archiwalny 10 (2004), 283-284.
9 Władysław Konopczyński: Fryderyk Wielki a Polska, Poznań 1981, 255.
10 Vgl. dazu die Essaysammlungen: Prusy. Pamięć i dziedzictwo. Pod red. Basila Kerskiego, Stettin 2002; Preußen. Erbe und Erinnerung. Essays aus Deutschland und Polen. Hg. v. Basil Kerski. Potsdam 2005 (überarbeitete deutsche Fassung).
11 Hahn: Friedrich der Große (wie Anm. 4), 212-225.
12 Lothar Schirmer: Friedrich der Große als Theaterheld, in: Preußen. Versuch einer Bilanz. Katalog in fünf Bänden, Hamburg 1981, IV, 229-249, hier: 239-243.
13 Friedrich II.: Wonach er sich zu richten hat. Urteile und Verfügungen. Hrsg. v. Georg Piltz, 5. Aufl., Berlin 1995; ders.: Versetzt den Kerl zur Infantrie! Anekdoten von Friedrich II. Hrsg. v. Walter Püschel, 5. Aufl., Berlin 2005.
14 Zitiert nach: Preußen. Versuch einer Bilanz. Katalog in fünf Bänden, Hamburg 1981, I, 213.
15 Comte de Mirabeau : De la Monarchie Prussienne sous Frédéric le Grand […]., 7 Bde, London 1788.
16 Kupferstichkabinett SM Preußischer Kulturbesitz. – Vgl. auch Friedrich Benninghoven / Helmut Börsch-Supan / Iselin Gundermann (Hg.): Friedrich der Große. Ausstellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz anlässlich des 200. Todestages König Friedrichs II. von Preußen, Berlin 1986, 380/381. Entgegen der dortigen Nachricht ist das Bild nicht verschollen, sondern befindet sich im Kreismuseum Bromberg (Muzeum Okręgowe im. Wyczółkowskiego w Bydgoszczy).
17 Ebd., 355-358.
18 Leopold von Ranke: Die deutschen Mächte und der Fürstenbund. Deutsche Geschichte 1780-1790, Leipzig 1871, 15; ausführliche Interpretation: Gerald Labuda: Polen und die polnisch-preußischen Beziehungen im historiographischen Werk Leopold von Rankes, in: Udo Arnold (Hg.): Preußen und Berlin, Lüneburg 1981, 49-81.
19 Zitiert nach Kroll: Friedrich der Große (wie Anm. 1), 627.
20 Oeuvres de Frédéric le Grand. Hg. v. Johann David Erdmann Preuß. 30 Bde, Berlin 1846-1856; Politische Correspondenz Friedrichs des Großen. 46 Bde, Berlin 1879-1939 [fortgeführt bis zum Jahre 1782]. Bd. 47 (April bis Dezember 1782) erschien 2003.
21 Richard Dietrich (Hg.): Die politischen Testamente der Hohenzollern (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, 20), Köln / Wien 1986, XI, 6-10. – In der polnischen Literatur war dieser Fall von Zensur bekannt und wurde von Fachhistorikern kritisch kommentiert.
22 Gustav Droysen: Allgemeiner Historischer Handatlas in 96 Karten mit erläuterndem Text, Bielefeld 1886, 73.
23 F.W. Putzgers Historischer Schul-Atlas zur alten, mittleren und neuen Geschichte: in 240 Haupt- und Nebenkarten,. 32. Aufl., Leipzig 1907, Nr. 25.
24 Friedrich Beheim-Schwarzbach: Friedrich der Große als Gründer deutscher Kolonien in den im Jahre 1772 neu erworbenen Ländern, Berlin 1864; Heinrich Bergér: Friedrich der Große als Kolonisator, Gießen 1896. Polnische (Gegen)Darstellung: Kazimierz Zimmerman: Fryderyk Wielki a jego kolonizacja rolna na ziemiach polskich [Friedrich der Große und seine Kolonisation auf den polnischen Territorien]. 2 Bde, Posen 1915; Zum Aktualitätsbezug: Zwanzig Jahre deutsche Kulturarbeit. Tätigkeit und Aufgaben neupreußischer Kolonisation in Westpreußen und Posen (1886-1906), hg. im Auftrag des königlichen Staatsministeriums, Berlin 1907.
25 Heinrich Pansegrau: Friedrich der Große. Ein vaterländisches Geschichts- und Lebensbild (= Lebensbücher der Jugend, 16), Braunschweig 1912, 1-2. Vgl. auch ebd., 157-167 („Erwerbung Westpreußens“).
26 David Müller: Geschichte des deutschen Volkes in kurzgefasster übersichtlicher Darstellung zum Gebrauch an höheren Unterrichtsanstalten und zur Selbstbelehrung, 17. Aufl., Berlin 1900, 338-339.
27 Irmgard Hansche: Geschichte im Schulbuch – das Schulbuch in der Geschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 37 (1987), Nr. 39, 39-53, hier: 43-44.
28 Otto Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländische Geschichte, 2. Aufl., Berlin 1915, 387-389.
29 Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 3), 225-259; dazu Klaus Zernack: Schwierigkeiten mit der preußischen Ostpolitik: Bemerkungen zu zwei Büchern über Friedrich den Großen, in: Internationale Schulbuchforschung 8 (1986), Nr. 3, 295-302; Kunisch: Friedrich der Große (wie Anm. 3), 476-491. Vgl. zur Reichweite der Figur: Michael G. Müller: Die Teilungen Polens 1772 – 1793 – 1795, München 1984, 65-69.
30 Politische Correspondenz Friedrich’s des Großen (wie Anm. 20), XXVI, Nr. 16549 vom 17.3.1767.
31 Friedrich der Große: Politisches Testament von 1768, in: Politische Testamente der Hohenzollern (wie Anm. 21), 628.
32 Politische Correspondenz (wie Anm. 20), XXXI, 613, Friedrich II. v. 22.12.1771.
33 Kabinettsordre an Johann Friedrich von Domhardt vom 8.6.1777, abgedruckt bei Max Bär: Westpreußen unter Friedrich dem Großen. 2 Bde, Leipzig 1909, II, 349-350.
34 Weitere Belege: Hans-Jürgen Bömelburg: Zwischen polnischer Ständegesellschaft und preußischem Obrigkeitsstaat. Vom Königlichen Preußen zu Westpreußen (1756-1806) (= Schriften des Bundesinstituts für ostdeutsche Kultur und Geschichte, 5), München 1995, 205-212.
35 Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk (wie Anm. 28), 387.
36 Stefan Dyroff: Erinnerungskultur im deutsch-polnischen Kontaktbereich. Bromberg und der Nordosten der Provinz Posen (Wojewodschaft Poznań) 1871-1939 (= Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau, 19), Osnabrück 2007, 406-407 (mit einem Foto des lebenden Bildes: “Friedrich der Große beim Bau des Bromberger Kanals 1774“).
37 Ebd., 385 (Zitat aus dem Dziennik Bydgoski von 1912). Anhand der Städte Bromberg und Inowrazlaw finden sich in der Monographie zahlreiche Angaben zum regionalen Friedrichkult.
38 Friedrich Just: Das Kirchspiel Sienno. Zur Feier des 25-jährigen Bestehens der evangelischen Kirche in Sienno am 23. Januar 1920, Sienno 1919, 4.
39 Zitiert nach Schirmer: Friedrich der Große als Theaterheld (wie Anm. 12), 233.
40 Kölnische Zeitung, 16.2.1915.
41 Thomas Mann: Friedrich und die große Koalition. Ein Abriss für den Tag und die Stunde, in: Thomas Mann. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Werke – Briefe – Tagebücher. Bd. 15.1 Essays II 1914-1926, Frankfurt am Main 2002, 121-122. Vgl. dazu auch Johannes Kunisch: Thomas Manns Friedrich-Essay von 1915, in: Historische Zeitschrift 283 (2006), 79-101.
42 Mann: Friedrich und die große Koalition (wie Anm. 41), 118.
43 Ob die Aufforderung in der „Weltbühne“ an die Arbeiter, den Film überall dort zu boykottieren, wo sie die Mehrheit des zahlenden Publikums bildeten, Resonanz fand, ist unklar. Vgl. Preußen. Versuch einer Bilanz, V, 16.
44 „So wird ein gewaltiger Wirtschaftsaufschwung zu dem bisherigen hinzukommen. […] Aber, meine lieben Volksgenossen, das kann nur sein, wenn auch ihr, jeder einzelne von euch, mit alten Vorstellungen brecht, wenn ihr endlich diese alte, aus Jahrhunderten überkommene ewige Scheu vor dem Neuen beseitigt. Das war schon bei unseren Vorfahren so, als sie einmal keine Kartoffeln pflanzen wollten. Es hat aber damals schon einen Nationalsozialisten auf dem preußischen Thron gegeben, der dem preußischen Volk beibrachte, diese Frucht zu pflanzen. Wenn ich mich nun auch nicht mit diesem großen Mann vergleichen möchte - die Willenskraft, dem deutschen Volk beizubringen, stolz auf seine eigenen Erzeugnisse zu sein - die habe ich“. Sportpalastrede vom 28. Oktober 1936. Zit. nach: http://www.archive.org/details/RedeImSportpalastAm28.Oktober1936 < 20.08.2008>. Vgl. auch das Geleitwort Hermann Görings bei Carl Hinrichs: Der allgegenwärtige König. Friedrich der Große im Kabinett und auf Inspektionsreisen, 2. Auflage, Leipzig 1942.
45 Dyroff: Erinnerungskultur (wie Anm. 37), 159, 283.
46 Reinhard Stach: Friedrich der Große auf schulischen Wandbildern. Ein rezeptionsgeschichtliches Segment, in: Jürgen Ziechmann (Hg.): Fridericianische Miniaturen 3 (= Forschungen und Studien zur Fridericianischen Zeit, 4), Oldenburg 1993, 247-267.
47 Zur Behandlung in Schulbüchern der Zwischenkriegszeit: Hansche: Geschichte im Schulbuch (wie Anm. 27), 45-49.
48 „Der alte und der junge König“ (1935), „Fridericus“ (1936), weitere Kurzspielfilme „Anekdoten um den alten Fritz“ (1935), „Heiteres und Ernstes um den großen König (1936)“ für das Kinobeiprogramm sowie „Der große König“ (1942). Vgl. Dietrich Kuhlbrodt: Preußische Filmästhetik und ihre Strategien, in: Preußen. Versuch einer Bilanz, V, 74-97; Friedrich P. Kahlenberg: Preußen als Filmsujet in der Propagandasprache der NS-Zeit, in: Preußen. Versuch einer Bilanz, V, 135-163.
49 Zitiert nach Kahlenberg: Preußen als Filmsujet (wie Anm. 48), 156. Ausführlich dazu: Konrad Barthel: Friedrich der Große in Hitlers Geschichtsbild (= Frankfurter Historische Vorträge, 5), Wiesbaden 1977, 7-8, 13, 15-17, 41-42.
50 Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen 1939-1945. Hg. v. Werner Präg u. Wolfgang Jacobmeyer (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, 20), Stuttgart 1975, 913.
51 Vgl. Harald von Koenigswald: Preußisches Vermächtnis. Rede auf Friedrich den Großen (= Tornisterschrift des Oberkommandos der Wehrmacht, H. 13), Berlin 1940, 42: „Aus dem zerfallenden polnischen Reich gewinnt Friedrich ohne Krieg die Provinz Westpreußen […]. Neue gerechte Gesetze machen aus der Wüstenei bald ein reiches, glückliches Land.“
52 Gerhard Ritter: Friedrich der Große. Ein historisches Profil. 3. Aufl., Heidelberg 1954.
53 Walther Hubatsch: Das Problem der Staatsräson bei Friedrich dem Großen, Göttingen 1956; ders.: Friedrich der Große und die preußische Verwaltung, 2. Auflage, Köln / Berlin 1982.
54 Überblick bei Hahn: Friedrich der Große (wie Anm. 4), 188-211.
55 Ingrid Mittenzwei: Friedrich II. von Preußen. Eine Biographie. 5. Auflage, Berlin 1990.
56 Ebd.: 190. Zur polnischen Rezeption vgl. den Kommentar in der Polityka vom 4.4.1981.
57 „Er war der Urheber des Plans, sein Bruder Heinrich Hauptbetreiber dieser Politik. Die vom Monarchen verfaßten ‚Denkwürdigkeiten’ strotzen vor Selbstgefälligkeit und Stolz über die eigenen Finessen. Der Preußenkönig hatte nicht die geringsten Skrupel, seine Rolle bei der Teilung Polens genau zu schildern.“ Mittenzwei: Friedrich II. (wie Anm. 55), 190-191.
58 Peter Meyers: Friedrich II. von Preußen im Geschichtsbild der SBZ/DDR. Ein Beitrag zur Geschichte der Geschichtswissenschaft und des Geschichtsunterrichts in der SBZ/DDR. Mit einer Methodik zur Analyse von Schulgeschichtsbüchern (= Studien zur internationalen Schulbuchforschung, 35), Braunschweig 1983.
59 Albrecht Börner: Sachsens Glanz und Preußens Gloria, Jena 2007. Die Publikation zeigt, dass die Serie bis heute ein Publikum hat, vgl. auch die breite Resonanz im Internet.
60 Hans-Jürgen Bömelburg: Die sächsisch-polnische Union im Museum – Probleme einer Darstellung eines supranationalen Kulturtransfers jenseits nationaler Kanonbildungen, in: Stefan Dyroff / Markus Krzoska (Hg.): Geschichtsbilder und ihre museale Präsentation. Ausgewählte Beiträge zur Geschichte der Deutschen in Polen in Vergangenheit und Gegenwart (= Polono-Germanica, 3), München 2008, 53-78.
61 Preußen. Versuch einer Bilanz, I, 211-223.
62 Christian von Krockow: Friedrich der Große. Ein Lebensbild, 3. Auflage, München 1994, 69. – Krockow griff das Thema 1996 erneut in einer Doppelbiographie auf: Christian von Krockow: Die preußischen Brüder. Prinz Heinrich und Friedrich der Große. Ein Doppelporträt, Stuttgart 1996.
63 „Das ist alles die liederliche polnische Wirtschaft der dortigen [westpreußischen, H.-J.B.] Edelleute Schuld, die sich nicht zur Ordnung gewöhnen wollen, darum müssen sie das so machen und durchaus keine Reste gestatten, vielmehr scharf dahinter her sein und den Edelleuten Exekution geben, bis sie alles bezahlet haben, denn ansonsten schicken sie das Geld doch nur nach Polen oder fressen alles auf“, Kabinettsordre an Kammerdirektor von Korckwitz, 2. 10.1782, abgedruckt bei Bär, Westpreußen unter Friedrich dem Großen, (wie Anm. 33), II, 439-440. Zum Kontext vgl. Bömelburg, Zwischen preußischer Ständegesellschaft (wie Anm. 34), 266-269, 370-376.
64 PreußenJahrBuch. Ein Almanach, Berlin 2000 [laut Klappentext „der begleitende Almanach zu den Ausstellungen und Veranstaltungen von ‚Preußen 2001’“, mit einem Grußwort des Regierenden Bürgermeisters], Historische Orte: 152-190.
65 Franziska Windt (Hg.): Preußen 1701. Eine europäische Geschichte. 2 Bde, Berlin 2001.
66 Im Nachwort zur zweiten Ausgabe von Konopczyńskis Fryderyk Wielki a Polska bemerkt Emanuel Rostworowski, dass der Kontrast zwischen den zahlreichen Äußerungen Friedrichs II. über Polen und dem Schweigen der borussischen Biographen eindrücklich sei, ebd.: 251. Dies gilt in gleichem Maße für neuere Biographien Friedrichs II.
67 http://www.dhm.de/sammlungen/dokumente1/dhm88_18.html <20.08.2008.>
68 Unvollständige bibliographische Zusammenstellung bei Elżbieta Aleksandrowska: Zabawy przyjemne i pożyteczne 1770-1777. Monografia bibliograficzna, Wrocław 1959, 53; weiterhin Monitor Różnych Ciekawości na rok 1795, dort Friedrich II., List o złości ludzkiej (Brief über die menschliche Bosheit), 118-128, weiterhin O wolności cywilnej (Fragment des „Antimachiawell”), ebd.: 258-261.
69 In der Zeitschrift “Pamiętnik Polityczny i Historyczny przypadków, ustaw, osób, miejsc i pism wiek nasz szczególniej interesujących [Politische und Historische Erinnerungen an Ereignisse, Gesetze, Personen, Orte, und Schriften, die unsere Epoche besonders interessieren] veröffentlichte Ś. zahlreiche positive Beiträge über die Reformen Friedrichs II. und druckte dort 1786-1788 die „Dzieje Fryderyka II [Geschichte Friedrichs II.]; Irena Łossowska: Piotr Świtkowski, in: Pisarze polskiego oświecenia [Schriftsteller der polnischen Aufklärung]. Bd. 2, Warszawa 1994, 305-331.
70 Correspondance inédite de Stanislas Leszczynski, duc de Lorraine et de Bar, avec les rois de Prusse Frédéric-Guillaume Ier et Frédéric II. (1736-1766). Hg. v. Pierre Boyé, Paris / Nancy 1906; Pensées philosophiques, morales et politiques, ouvrage de tirée des Qeuvres de Stanislas Ier […] et de Frédéric II. [Amsterdam 1768]; Georg Peiser: Friedrich der Große und König Stanislaus Leszczyński, in: Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 27 (1912), 231-260.
71 Polski Słownik Biograficzny [Polnische Biographie, weiter PSB], X (1963), 223-224.
72 Ebd., XXX (1987), 373-375.
73 Jerzy Wojtowicz: Teodor Zobel-Sobolewski. Polski szlachcic i pruski oficer w świetle własnej księgi zapisów. Studium z dziejów postaw i mentalności w epoce oświecenia [Theodor Zobel-Sobolewski. Ein polnischer Adliger und preußischer Offizier im Lichte seiner eigenen Schriften. Studie zur Geschichte der Einstellungen und Mentalitäten in der Aufklärungszeit], in: Zapiski Historyczne 42 (1977), H. 3, 393-405; gekürzte deutsche Fassung: ders.: Theodor Zobel Sobolewski – ein polnischer Adliger und preußischer Offizier im Spiegel seiner eigenen Aufzeichnungen und Notizen, in: Fridericianische Miniaturen 1. Hg. v. Jürgen Ziechmann, Bremen 1988, 11-19.
74 Adolf Warschauer: Geschichte zweier Königsbilder, in: Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 13 (1898), 390-397.
75 Ryszard Nowicki: Skórzewscy, właściciele dóbr łabiszyńskich, rola w życiu społeczno-politycznym wielkopolskiego ziemiaństwa [Die Familie Skórzewski, die Besitzer der Labiszyner Güter und ihre Rolle im gesellschaftlich-politischen Leben der großpolnischen Gutsbesitzer],Toruń 2003, 34-55; Adam M. Skałkowski: Hr. Skórzewska a dwór Fryderyka II., in: Roczniki Historyczne 10 (1934), H. 1, 74-88.
76 PSB, VII (1948-1958), 200-201.
77 Andrzej Cieński: Pamiętnikarstwo polskie XVIII wieku [Polnische Erinnerungsschriften des 18. Jahrhunderts], Wrocław / Kraków 1981, 190.
78 Zbigniew Goliński: Ignacy Krasicki, Warszawa 1979, 233-252; Alfons Triller: Ignatius Krasicki, Dichter und Fürstbischof als polnischer Untertan (1722-1802[sic!]). Beiträge zu seiner Biographie (= Beilage zum Personal- und Vorlesungsverzeichnis WS 1944/45, Staatliche Akademie zu Braunsberg), Braunsberg 1944.
79 Zurzeit läuft zu dem Thema ein Forschungsprojekt von Dr. Agnieszka Pufelska (Alfred Krupp Junior Fellowship, Greifswald). – Stanisław Salmonowicz: Die polnische öffentliche Meinung im XVIII. Jahrhundert und die Gestalt Friedrichs des Großen, in: Johannes Hoffmann (Hg.): „Nachbarn sind der Rede wert“. Bilder der Deutschen von Polen und der Polen von Deutschen in der Neuzeit, Dortmund 1997, 12-31.
80 Roman Wołoszyński: Postawa ideowa Ignacego Krasickiego po roku 1780 [Die geistige Einstellung I.K.s nach 1780] (= Studia Historycznoliterackie, 19), Breslau 1953 sowie dazu die Rezension von Zbigniew Goliński in: Pamiętnik Literacki 45 (1954), Nr. 3, 324-334.
81 Barbara Wolska: Poezja polityczna czasów pierwszego rozbioru i sejmu delegacyjnego 1772-1775 [Politische Dichtung aus der Zeit der Ersten Teilung und des Delegationssejms 1772-1775], Breslau 1982, 44-45, 47-49, 119-120.
82 Michał Starzeński: Na schyłku dni Rzeczypospolitej. Karty z pamiętnika Michała Starzeńskiego (1757-1795) [Am Ende der Respublica. Aus den Erinnerungen M. S.s]. Hg. v. H. Mościcki, Warschau 1914, 18.
83 Dowód wierności y najwyższej attencyi Bogu zamarłemu Najjaśniejszemu Fryderykowi [...] od konwentu Stolcenberskiego XX. Reformatów [Beweis der Treue und der höchsten Attention dem verstorbenen Allerhöchsten Friedrich vom Stolzenberger Konvent der Franziskaner], o.O. 1786; Życie Fryderyka Króla Pruskiego [Das Leben Friedrichs, König von Preußen], Kraków 1789; Józef Kalasanty Szaniawski: Wiek XVIII [Das 18. Jahrhundert], in: Nowy Pamiętnik Warszawski 1801, H. 3, 289-318.
84 Juliusz Nowak: Satyra polityczna sejmu czteroletniego [Politische Satire aus der Zeit des Vierjährigen Sejm], Kraków 1933, 180.
85 Jacek Kaniewski: Dowcipna satyra, prawdziwa instrukcja i smutny epilog, czyli rzecz o Punctach ułożonych od Prześwietney Ziemie Sochaczewskiey Posłom na Sejm Ordynaryiny 1788 [Witzige Satire, wirkliche Instruktion und trauriger Epilog, eine Sache über die vom Land Sochaczew den Abgeordneten zum Sejm 1788 aufgegebenen Punkte], in: Z dziejów XVII i XVIII wieku: księga jubileuszowa ofiarowana profesorowi Michałowi Komaszyńskiemu. Red. Jan Kwak, Katowice 1997, 155-164.
86 Stanisław Staszyc: Uwagi nad życiem Jana Zamoyskiego [1. Auflage 1787], Warszawa 1952, 99; ders.: Przestrogi dla Polski, 1. Auflage o.O. 1790. Volltext unter www.polonica.net/Przestrogi_dla_Polski_Stanislaw_Staszic.htm <20.08.2008>. Dort wird Friedrich II. als brutaler Kriegsherr (Einfälle nach Sachsen), Despot und Verursacher der Ersten Teilung angesehen.
87 Vgl. auch Rudolf Damus: Die Stadt Danzig gegenüber der Politik Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms II., in: Zeitschrift für westpreußische Geschichte 20 (1887), 1-213.
88 Nach Edmund Kizik: Das Bild Preußens und der Preußen im Spiegel Danziger Quellen 1772-1793, in: Jürgen Ziechmann (Hg.): Fridericianische Miniaturen 2 (= Forschungen und Studien zur Fridericianischen Zeit, 3), Oldenburg 1991, 165-188, hier: 184-185; Johanna Schopenhauer: Jugendleben (in Danzig) und Wanderbilder, Braunschweig 1839, 298.
89 Szymon Askenazy: Fryderyk II i August III, in: ders.: Dwa stulecia. Bd. 1, 2. Auflage, Warszawa 1903, 149-210, hier aus der programmatischen Einleitung S. 149-151: „Fryderyk Wielki, wielki Prusak, wielki szermierz: większy negocjator [...] Rzplitą, nie obnażając szpady, ciągle po przyjacielsku, ciągle pokojowo, w drodze spokojnej negocjacji, straszliwiej ugodził niż tamtych na polach bitew, do serca jej trafił, dobił. Tak wyjątkowy stosunek wielkiego monarchy względem polskiej Rzpltej nakłada względem niego wyjątkowe obowiązki na historyę polską. Oczywiście Fryderyk należy do dziejów powszechnych, do dziejów wszystkich narodów, które poruszał lub wstrząsnał. Lecz dla nich wszystlich, jeśli nie nie jest on ojcem ojczyzny, jak dla Prusaków, albo czemś w rodzaju dziada ojczyzny, jak dla wielu Niemców, natomiast jest rywalem razem i spółnikiem, z którym skomplikowane, ze wzajemnych pretensyi i przysług, istnieją rachunki. Tak zawiłych rachunkównie zna względem Fryderyka historya polska. Ma z nim jeden prosty rachunek, tak prosty, że jej sądu nic zmącić nie jest w stanie. Ma do osoby jego najpierwsze, najlepsze prawo. Należy on do niej, stanowi jej własność, spod jej kompetencyi wyłamać się nie może.”
90 Szymon Askenazy: Die letzte polnische Königswahl, Göttingen 1894; ders.: Przymierze polsko-pruskie [Das polnisch-preußische Bündnis], 2. Auflage, Warszawa 1901.
91 Adolf Nowaczyński: Wielki Fryderyk. Powieść dramatyczna. Hg. v. Artur Hutnikiewicz. [1. Auflage 1910] (= Biblioteka Narodowa, I, 241), Wrocław 1982. In deutscher Sprache liegt zu Nowaczyński nur der Aufsatz von Karl Dedecius vor: Adolf Nowaczyński oder die Pathologie eines patriotischen Pamphletisten, in: Deutsche Studien 13 (1975), Nr. 49, 12-31. Ebd.: 25 spricht Dedecius vom Werk Nowaczyńskis als einem „Pasquill im Namen Polens gegen die Polen“.
92 Ebd.: 364: „miłuje swoje małe Prussy bez pamięci i bez wzajemności. I wierzy w nie! Wierzy w ich przemocy przyszłość, ba, co więcej! on w tej wierzy w prusackie państwo dewotem się stał, bigottem!”
93 Vgl. Nowaczynski: Wielki Fryderyk (wie Anm. 88), Einführung von Artur Hutniekiewicz, CIV-CXIII.
94 Martin Linzer: Friedrich à la polonaise: Der Große Friedrich von Adolf Nowaczyński in Magdeburg, in: Theater der Zeit 27 (1982), Nr. 3, 31.
95 Stefan Żeromski: Wiatr od morza, Warszawa 1996, 175-186, hier: 175-176. Ich zitiere aus dem Polnischen, das Werk wurde, außer einer internen deutschen Übersetzung „Nur für den Dienstgebrauch“, niemals in deutscher Sprache veröffentlicht.
96 Ebd.: 179.
97 „Zwrócił swe płomienne oczy na płat mapy, leżący na południe od zielonego pasma Noteci, i patrzał w ten obraz polskiego kraju straszliwym wzrokiem upiora. Wysunął diwe cieżkie pięście, zacisnął je, jak klamry z żelaza, i zwalił je na ten obszar. Zdawało mu się w tej chwili, że słyszy huk pochodu stuleci – wrzask ucieczki Słowian z zachodu na wschód przed legionami Teutonów – że słyszy odgłos straszliwej rzezi Grunwałdu. Krew mu mózg zalewała. Czuł, że jest w stanie podnieść do góry i roztrącić z wysoka tę całą ziemię, rozwalić ją na drzazgi, zdruzgotać na miazgę, ażeby u tej gleby wzruszonej, z nawozu czarnego, nową, cywilizowaną według jego myśli formę ugnieść, uczynić, wylepić.” Ebd.: 180-181.
98 Bär: Westpreußen unter Friedrich dem Großen (wie Anm. 33).
99 Dyroff: Erinnerungskultur (wie Anm. 37), 252-253.
100 Wacław Smoleński: „Zły sąsiad“. (Przyczynek do historii łupiestw pruskich w Polsce) [„Der böse Nachbar”. (Beitrag zur Geschichte der preußischen Räubereien in Polen], in: ders.: Studia Historyczne, Warszawa / Kraków 1925, 43-52 (Erstdruck Warschau 1904).
101 Aleksander Bregman: Od Fryderyka II do Adolfa Hitlera, in: Wiadomości Literackie 16 (1939), Nr. 31/32.
102 Dazu umfassend: Andreas Lawaty: Das Ende Preußens in polnischer Sicht. Zur Kontinuität negativer Wirkungen der preußischen Geschichte auf die deutsch-polnischen Beziehungen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 63), Berlin 1986; Marian Rybicki: Polityka germanizacyjna Fryderyka II na zachodnich ziemiach Polski [Die Germanisierungspolitik Friedrichs II. in den Westgebieten Polens], Posen 1947; Juliusz Willaume: Polityka germanizacyjna Prus od Fryderyka II do Hitlera [Die Germanisierungspolitik Preußens von Friedrich II. bis Hitler], in: Bellona (Warszawa) 28 (1946), Nr. 3-4, 167-179.
103 Stanisław Salmonowicz: Fryderyk II., 2. Auflage, Wrocław [u.a.]1985, als Fryderyk Wielki [Friedrich der Große], 3. Auflage, 1996, 4. Auflage, 2006.
104 Hanna Labrenz: Zur neueren polnischen Einschätzung Friedrichs des Großen: eine Posener und eine Thorner Schule?, in: Jürgen Ziechmann (Hg.): Fridericianische Miniaturen 1 (= Forschungen und Studien zur Fridericianischen Zeit, 2), Bremen 1988, 193-206.
105 Stanisław Salmonowicz: Friedrich der Große und Polen, in: ders.: Polen im 17. und 18. Jahrhundert. Abhandlungen und Aufsätze, 2. Auflage, Toruń 1997, 82-100 [1. Auflage, 1982].
106 Salmonowicz: Die polnische öffentliche Meinung (wie Anm. 76), 13.
107 Hubert Orłowski: „Polnische Wirtschaft“. Zum deutschen Polendiskurs der Neuzeit, Wiesbaden 1996, 64-66; die dazugehörige Diskussion bei: Hans-Jürgen Bömelburg: „Polnische Wirtschaft“. Zur internationalen Genese und zur Realitätshaltigkeit der Stereotypie der Aufklärung, in: ders. / Beate Eschment (Hg.): „Der Fremde im Dorf“. Überlegungen zum Eigenen und Fremden in der Geschichte. Rex Rexheuser zum 65. Geburtstag, Lüneburg 1998, 231-248; Hubert Orłowski: Z modernizacją w tle. Wokół rodowodu nowoczesnych niemieckich wyobrażen o Polsce i o Polakach [Mit der Modernisierung im Hintergrund. Über die Entstehung moderner deutscher Vorstellungen über Polen und die Polen], Poznań 2002. - Dagegen Salmonowicz: Friedrich der Große und Polen (wie Anm. 102), 86: „Im Grunde genommen hatte die Verachtung, die Friedrich für Rückständige und Schwache empfand, wenig Gemeinsames mit den Losungen der Aufklärungszeit“.
108 Christian von Krockow: Myśląc o Prusach [Preußen. Eine Bilanz], Warszawa 1993; Sebastian Haffner: Prusy bez legendy. Zarys dziejów [Preußen ohne Legende], Warszawa 1996; Rudolf von Thadden: Pytania o Prusy. Historia państwa zawieszonego [Fragen an Preußen. Zur Geschichte eines aufgehobenen Staates], Olsztyn 2004.
109 Der erste Band der mehrbändigen polnischen Synthese zur preußischen Geschichte wurde in Deutschland kaum wahrgenommen: Historia Prus. Narodziny – mocarstwo – obumieranie [Geschichte Preußens. Entstehung – Großmacht – Nachgeschichte]. Red. Bogdan Wachowiak. Bd. 1 Dzieje Brandenburgii-Prus [Geschichte Brandenburg-Preußens], Poznań 2001.
110 Deutsche Erinnerungsorte (wie Anm. 1), I, 11.
111 Tadeusz Cegielski: Dlaczego Polacy nie kochają Fryderyka Wielkiego, in: Polityka (1986), Nr. 33, 14.8.1986.
112 Alle Beiträge der polnischen Diskussion 2001/02 sind auch in deutscher Sprache in dem Sammelband Preußen – Erbe und Erinnerung (wie Anm. 10) greifbar.
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