P.-Y. Beaurepaire, L'Europe des francs-maçons, XVIIIe–XXIe siècles, 2002 (H. Reinalter)
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Rezension
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Autor / Rezensent Reinalter, Helmut
Titel P.-Y. Beaurepaire, L'Europe des francs-maçons, XVIIIe–XXIe siècles, 2002 Untertitel Institut Deutsches Historisches Institut Paris BSB digitale Bibliothek http://francia.digitale-sammlungen.de/Blatt_bsb00016346,00407.html Seiten 391–392 BSB Band-ID bsb00016346 BSB Seiten Anfang 00407 BSB Seiten Ende 00408 Lizenz urheberrechtlich geschützt DDC-BSB Geo-SW DDC-BSB Sach-SW DDC-BSB Zeit-SW Zeit-SW Geo-SW (GKD) Sachschlagwort (SWD) Personenschlagwort (PND) Fachgebiet Frühe Neuzeit (1500-1789), Neuere Zeitgeschichte (1945-heute), Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918), Zeitgeschichte (1918-1945) OCR-Text Anzeigen 391 Aus dieser Tagung ging ein Band hervor, der Beiträge von 14 Autoren versammelt. Das Spek¬ trum der Themen reicht von Herkunft und Amtstätigkeit Hardenbergs in Hannover und Braunschweig (Silke Lesemann) über seine Reformpolitik in Franken (Rudolf Endres und Walter Demel), Hardenbergs Außenpolitik bis 1815 (Brendan Simms und Philip G. Dwer), Agrar- (Georg Moll) und Wirtschaftsreformen (Barbara Vogel), Hardenbergs Verhältnis zur öffentlichen Meinung (Andrea Hofmeister) und die Judenemanzipation (Hans-Wer¬ ner Hahn) bis zur Verfassungspolitik Hardenbergs von 1780 bis 1815 (Michael Hundt). Die Einschätzung von Hardenbergs Rolle als Reformpolitiker (Christof Dipper), die Histo¬ riographiegeschichte der Verfassungspolitik in der Reformzeit (Paul Nolte), die Betrach¬ tung der Gegner von Hardenbergs Reformpolitik und damit zugleich die Analyse der Ent¬ wicklung des preußischen Konservativismus im ersten Drittel des 19. Jhs. (David E. Barclay) und ein Persönlichkeitsbild, gezeichnet auf der Grundlage der Tagebücher Hardenbergs (Thomas Stamm-Kuhlmann), runden den Überblick ab. Wie bei Sammelbänden generell nicht zu vermeiden, so muß auch hier auf eine detaillierte Besprechung der Einzelbeiträge verzichtet werden. Der inhaltliche Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig auf der Analyse der Reformpolitik Hardenbergs in Franken und vor allem in Preußen. Hier fügen sich für den Leser die Beiträge zu einem facettenreichen Gesamtbild der Reformpolitik als Forschungsgegenstand. Besonders aufschlußreich ist dabei etwa die sehr unterschiedliche Wertung der Maßnahmen Hardenbergs in den preußischen Gebieten Frankens. Während Endres die Rücksichtslosigkeit hervorhebt, mit der Hardenberg in Ans¬ bach und Bayreuth vorging und dabei hergebrachtes Recht ignorierte, wertet Demel die Politik Hardenbergs, insbesondere die sogenannten Revindikationen, zwar als rigoros, aber durchaus nicht als Rechtsbruch, sondern als Aufeinandertreffen unterschiedlicher Rechts¬ auffassungen. Brücken lassen sich auch zwischen den Beiträgen von Moll und Vogel sowie denen von Hundt und Nolte schlagen, wie der Kommentar Dippers verdeutlicht. Der abschließende Beitrag von Stamm-Kuhlmann zeichnet sich u.a. dadurch aus, daß hier nicht der Reformpolitiker ins Zentrum gerückt wird, sondern Selbstbild und Politikverständ¬ nis Hardenbergs, wie sie in seinen Tagebüchern greifbar sind. Stamm-Kuhlmann kommt zu einem recht eindeutigen Befund: Nicht die inneren Reformen, sondern Außenpolitik domi¬ nieren in den Aufzeichnungen, wo nicht Karrierestreben, Machtkämpfe innerhalb der poli¬ tischen Elite und Beobachtungen aus seinem Gesellschaftskreis festgehalten werden. Das läßt sich, so Stamm-Kuhlmann, auch nicht als bloßer Topos abtun, denn: »Eine Kultur, die den Primat der Außenpolitik in der politischen Theorie nicht kennt, wird ihn kaum als litera¬ rische Konvention in Geltung haben« (S. 242). So ist es doch bedauerlich, daß nur zwei der Beiträge explizit dem Außenpolitiker Hardenberg gewidmet sind, einer davon aus der Feder von Simms, der die preußische Außenpolitik zu Beginn des 19. Jhs. eingehend untersucht hat. Daß die Rekonstruktion der Grundzüge von Hardenbergs außenpolitischen Konzep¬ tionen und die Analyse der Bedeutung, die Großbritannien darin zukam, von zwei Histori¬ kern aus dem englischsprachigen Raum beigesteuert wurden, kann auch als Indiz dafür gedeutet werden, daß die Geschichte der internationalen Beziehungen während der Napo¬ leon-Zeit in der deutschsprachigen Historiographie momentan wenig Aufmerksamkeit findet. Günther Kronenbitter, Augsburg Pierre-Yves Beaurepaire, L'Europe des francs-maçons, XVIIIe-XXIe siècles, Paris (Belin) 2002, 319 S. (Europe & Histoire). Der Autor versucht in diesem Buch, die historische Entwicklung der europäischen Freimaurerei im Überblick darzustellen. Dieser Versuch ist gelungen, wobei sich nicht nur die seit 1989/90 neu entstandene Quellcnsituation (Moskau) als hilfreich erwies, sondern auch die in letzter Zeit zahlreichen Initiativen der Freimaurerforschung und die neueren Frincia 31/2 (2004) 392 Anzeigen Publikationen. In der Einleitung weist Beaurepaire auf die vielfältigen wissenschaftlichen Initiativen und masonischen Werke hin. Man merkt allerdings deutlich, daß der Verfasser in erster Linie ein Experte für die Geschichte der französischen Freimaurerei ist. Sein Wissen über die europäischen Dimensionen und Perspektiven der Freimaurerei sind jedoch erstaun¬ lich, auch wenn in manchen Fragen mehr Präzision erforderlich gewesen wäre. Vieles an historischen Details wird in der vorliegenden Darstellung nochmals in Erinnerung gerufen, wie die Gründungsphase der Freimaurerei mit interessanten Fallbeispielen, wie der Prozeß der Diskontinuität in Portugal, oder die Situation der Diaspora der Jakobiten und Huge¬ notten sowie die nicht ungünstigen Bedingungen in Deutschland. Beaurepaire verbindet die engere Entwicklung der Freimaurerei mit der allgemeinen Geschichte und bemüht sich, auch Mythen kritisch zu hinterfragen. Nach der Gründungsetappe folgt die Darstellung der Ausdehnung, Konsolidierung und Reform der Freimaurerei. Hier folgt er einem gängigen Gliederungsschema, verdeutlicht aber seine Auffassung über diese Entwicklung an für ihn wichtigen Aspekten wie zum Beispiel anhand verschiedener Modelle und Formen (Typologien) der Freimaurerei (Franc-Maçon¬ nerie Royale, Nationale und Chrétienne), was zu ersten größeren Richtungsstreitigkeiten, Polarisierungen und Spannungen innerhalb der europäischen Freimaurerei führte und dar¬ über hinaus auch innerhalb der nationalen Obedienzen. Der Verfasser thematisiert in die¬ sem Zusammenhang u.a. auch die Strikte Observanz und die Templerproblematik. Sehr aufschlußreich ist das Kapitel über das Europa der Freimaurerei als Ort der Zirkula¬ tion von Netzwerken in Konfrontation mit territorialer und nationaler Logik (ein Termi¬ nus des Autors), weil es zeigt, wie die Freimaurerei sich in Richtungen zu differenzieren begann, die ihrerseits für innere und äußere Konflikte sorgten. Hier ist wohl auch der histo¬ rische Grund für spätere Regularitätsprobleme zu suchen. Ein weiterer Schwerpunkt des vorliegenden Buches liegt auf der europäischen Aufklärung, die die Freimaurerei in vielerlei Hinsicht beeinflußt hat, obwohl die Freimaurerei kein Kind der Aufklärung war. Als Bei¬ spiele dienen dem Autor unter anderem Ignaz von Born (hier hätte die neueste Literatur berücksichtigt werden müssen) und die Wiener Freimaurerei (eigentlich nur die Loge »Zur wahren Eintracht« und die Illuminaten). Weitere Beispiele hätten Sinn gemacht. Was hier allerdings fehlt, ist eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Aufklärungsbegriff der Freimaurerei, der nicht unbedingt mit der Diskussion in der Öffentlichkeit übereinstim¬ men mußte. Eng mit dem aufgeklärten Absolutismus hängt das Verhältnis der Freimaurerei mit dem Staat zusammen, ein komplexer und ambivalenter Konnex, der den Verfasser auf die »Alten Pflichten« zurückführt. Die staatlichen Abwehrmaßnahmen und politischen Instrumenta¬ lisierungen verknüpft Beaurepaire mit Theorien der Konspiration (Beispiel Illuminaten in Bayern) und mit den deutschen Jakobinern. Das Verhältnis von Freimaurerei und Staat wird bis in das beginnende 20. Jh. herauf verfolgt. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Pazifismus, Internationalismus und Europa. Dabei geht es vor allem um Kosmopolitismus und Patriotismus, den französisch-preußischen Krieg 1870/71, um Friedensbemühungen und den Ersten Weltkrieg mit seinen Folgen für die Freimaurerei. Eine genauere und kri¬ tische Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Freimaurerei und europäischer Faschismus fehlt leider, obwohl dazu wichtige neuere Forschungen publiziert wurden. Auch zum Zweiten Weltkrieg fehlt eine genauere Darstellung, so daß der Eindruck entsteht, daß das Buch von Beaurepaire mit dem Ersten Weltkrieg (Beginn 20. Jh.) endet. Helmut Reinalter, Innsbruck Francia 31/2 (2004) Abstract

