Paul-Egon Hübinger (1911-1987), von Eugen Ewig
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Autor / Rezensent Ewig, Eugen
Titel Untertitel Institut BSB digitale Bibliothek http://francia.digitale-sammlungen.de/Blatt_bsb00016291,01159.html Seiten 1143-1148 BSB Band-ID bsb00016291 BSB Seiten Anfang 01159 BSB Seiten Ende 01164 Lizenz DDC-BSB Geo-SW DDC-BSB Sach-SW DDC-BSB Zeit-SW Zeit-SW Geo-SW (GKD) Sachschlagwort (SWD) Personenschlagwort (PND) Fachgebiet OCR-Text Nekrolog Paul Egon Hübinger (1911-1987) Paul Egon Hübinger, emeritierter Ordinarius für mittelalterliche und neuere Geschichte an der Universität Bonn, verstarb in Bonn am 26. Juni 1987 an einem langjährigen Herzleiden. Er wurde am 4. Februar 1911 in Düsseldorf geboren, wo sein Vater als Gymnasialprofessor tätig war. Der Vater stammte aus Montabaur, die Mutter aus dem Jülicher Land. Nach dem Abitur, daß er im Frühjahr 1929 am Düsseldorfer Reformrealgymnasium ablegte, immatriku¬ lierte er sich im Sommersemester 1929 an der Universität Bonn für die Fächer Geschichte, Romanistik und Germanistik. Nach je einem Semester in München und Paris kehrte er im Sommersemester 1933 an die Bonner Alma mater zurück, wo er 1935 summa cum laude zum Dr. phil. promoviert wurde und 1936 das Staatsexamen mit Auszeichnung bestand. Da er den Nationalsozialismus radikal ablehnte, war ihm die akademische Laufbahn verschlossen. Eine Zuflucht bot jungen Gelehrten das Archivwesen. So trat Hübinger auf Empfehlung seines Lehrers Wilhelm Levison Ostern 1937 in die Ausbildungsstätte für Archivare, das Institut für Archivwissenschaft in Berlin-Dahlem ein. Nach dem archivarischen Staatsexamen wurde er 1939 beim Staatsarchiv Koblenz eingestellt, wo er bis 1945 als Staatsarchivassessor und -rat tätig war. Mit Dankbarkeit und Stolz hat sich Hübinger stets zu seinen akademischen Lehrern Wilhelm Levison und Ernst Robert Curtius bekannt. Levison, der 1932 »die älteste Urkunde des Rheinlands«, das Testament des Verduner Diakons Adalgisel Grimo von 634, edierte, regte Hübingers Dissertation über »Die weltlichen Beziehungen der Kirche von Verdun zu den Rheinlanden« an. Dem Promovenden war die schwierige Aufgabe gestellt, die Geschichte des umfangreichen Fernbesitzes der Verduner Kirchen in der Westpfalz, im Hunsrück, an Nahe und Mosel von den Anfängen in späten 6. Jahrhundert bis zur Auflösung der auf ihm beruhenden Verduner Beziehungen zur Abtei Tholey und den Dynasten und Territorialher¬ ren an Saar und Mosel zu untersuchen - Beziehungen, die durch die Reunionen Ludwigs XIV. in der frühen Neuzeit noch einmal eine ungewöhnliche Aktualität erhielten. Die Dissertation wurde ein Standardwerk für diesen Sektor der deutsch-französischen Beziehungen und hat mich bei eigenen Forschungen zum rheinischen Frühmittelalter stets begleitet. Mit einer kurzen Unterbrechung in der Zeit seiner Archivausbildung veröffentlichte Hübinger von 1936 bis 1943 ein Dutzend Aufsätze, darunter wichtige weiterführende Abhandlungen zur lothringischen und westdeutschen Geschichte im Hochmittelalter. Als bestem Kenner der lotharingischen Geschichte übertrug ihm Theodor Mayer den Beitrag »Lothringen« in dem von ihm 1943 herausgegebenen Sammelband »Der Vertrag von Verdun«, einem repräsentativen Werk der damaligen deutschen Mediaevistik, an dem so bedeutende Gelehrte wie Mitteis, Baesecke, Tellenbach, Dölger u.a. mitwirkten. Ein zweites großes Thema, die Epochengrenze zwischen Altertum und Mittelalter, beschäf¬ tigte Hübinger in den gleichen Jahren, 1939 übersetzte er das Aufsehen erregende Meisterwerk des belgischen Historikers Henri Pirenne, »Mahomet et Charlemagne«. Die Übersetzung erschien mit einem ergänzten Anmerkungsapparat 1940 unter dem Titel »Die Geburt des 1144 Nekrolog Abendlandes« und erlebte schon 1941 eine zweite Auflage. Als die Bonner Fakultät Hübinger 1943 die Möglichkeit gab, sich zu habilitieren, kam im Colloquium das Problem der Kontinuität zur Sprache. In der öffentlichen Probevorlesung, die 1947 im Druck erschien, behandelte Hübinger den »Rang des Vertrags von Verdun in der abendländischen Geschichte«. Die Venia legendi blieb ihm versagt, weil die Partei Einspruch erhob. Erst nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes erhielt er die Ernennung zum Dozenten. Noch vor der Neukonstituierung der Bonner Universität berief der von der britischen Militärregierung wieder eingesetzte Oberpräsident Fuchs Hübinger zu seinem persönlichen Referenten. Nach der Entlassung von Fuchs durch die Briten wechselte Hübinger im Herbst 1945 zum Staatsarchiv Düsseldorf über, das ihn jedoch gleich zur Aufnahme von Vorlesungen an der Universität Bonn beurlaubte. 1946 erhielt Hübinger eine Diätendozentur, 1948 ging er als Gastdozent auf ein Jahr nach Cambridge, 1950 wurde die Dozentur in eine außerordentli¬ che Professur für mitttelalterliche und neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der historischen Hilfswissenschaften und der Archivkunde umgewandelt. 1951 nahm Hübin¬ ger den Ruf auf ein Ordinariat in Münster an. Im Antrag der Fakultät auf Umwandlung der Dozentur hob der Dekan den Lehrerfolg Hübingers besonders hervor. Ein Echo erreichte mich über meinen jüngsten Bruder und seine Freunde, die ihn damals hörten und von seinen Vorlesungen fasziniert waren. Dazu trug das große Thema - die Entstehung des Abendlandes im Frühmittelalter - bei, das in den Anfängen der europäischen Einigung besonders ansprach. Hübinger hat diese Thematik auch in Aufsät¬ zen und Vorträgen mit aktuellen Akzent - »Um ein neues deutsches Geschichtsbild«, »Abendland, Christenheit und Europa«, »Das neue Bild von Spätantike und Frühmittelalter« u.a. - in den Jahren 1950 bis 1954 behandelt. 1952 erschien seine glanzvolle Abhandlung »Spätantike und frühes Mittelalter«, die, wie ein Kritiker feststellte, sowohl durch »stupende Übersicht« über die Fülle der Literatur wie durch »eigene historische Frische« besticht. Neben den »aus der Betrachtung der Siedlungsformen und dem materiellen Leben gewonnenen Kontinuitätsbegriff« stellte Hübinger einen zweiten, »auf den Menschen« bezogenen »in der Welt der Sprache und Gedanken«. Er verband damit die Forderung, das Frühmittelalter, das er mit Constantin dem Großen beginnen und mit Gregor VII. enden ließ, nicht nur als Übergangszeit zu behandeln, sondern mit den Kategorien des Historismus - Individualität und Entwicklung - als Epoche sui generis zu erfassen. Das zweite große Thema, die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen, hat Hübinger in seiner ersten Bonner Zeit gleichfalls weiter verfolgt. 1950 hielt er in der Historischen Sektion der Görresgesellschaft ein Referat über »Die mittelalterlichen Grundla¬ gen des deutsch-fanzösischen Verhältnisses«. 1951 erschien in der Historischen Zeitschrift (171) sein weit ausgreifender Aufsatz »Die Anfänge der französischen Rheinpolitik als historisches Problem«. Er nahm »das dornige Thema« in der Absicht wieder auf, »der geschichtlichen Erkenntnis über ein im ganzen wohl abgeschlossenes Kapitel europäischer Geschichte zu dienen«. In Auseinandersetzung mit Zeller und Brandi wies er nach, daß die französische Rheinpolitik schon 1444 erstmals in Erscheinung trat, stellte diese aber zugleich in den weiteren Zusammenhang einer keineswegs durchgehend und einseitig auf die lothrin¬ gisch-rheinischen Gebiete gerichteten, dem modernen Staat inhärenten Expansionstendenz. Indem er die Verschiedenheit der Rechtsvorstellungen - bedingt durch den früh zu begriffli¬ cher Abstraktion gelangten französischen Staatsgedanken »einerseits, den auf älterer Stufe verbliebenen Reichsgedanken« andererseits, - hervorhob, brachte er einen neuen, für das Gesamtphänomen wichtigen Gesichtspunkt in die Debatte. Dem Themenkreis der deutsch-französischen Beziehungen sind auch zwei Dissertationen zuzuordnen, die unter Hübingers Leitung zu Beginn der fünfziger Jahre gefertigt wurden. Doch standen bei den von ihm angeregten Doktorarbeiten die Stifts- und Klostermonogra¬ phien im Vordergrund, die der Arbeit an der Germania Sacra dienten und zugleich die Promovenden zum Eintritt in die archivarische Laufbahn befähigten. Sein Schüler Erich Paul Egon Hübinger (19H-1987) 1145 Wisplinghoff übernahm unter der Ägide des Meisters 1952 die Edition der rheinischen Urkunden bis 1100 für die Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde. Nach dreijährigen Wirken in Münster erhielt Hübinger 1954 einen Ruf an die Universi¬ tät Mainz. Gleichzeitig ersuchte ihn der damalige Bundesinnenminister Gerhard Schröder, als Ministerialdirektor die Leitung der Abteilung für kulturelle Angelegenheiten in seinem Ministerium zu übernehmen. Die damals im BMI konzentrierten kulturpolitischen Aufga¬ ben des Bundes sind heute auf fünf Ministerien verteilt. Den weitgespannten Bereich kenn¬ zeichneten die Referate Wissenschaft und Forschung, Erziehung und Bildung, Presse/Film/ Rundfunk, Religionsgemeinschaften/Kulturschutz, Internationale Beziehungen. Die heuti¬ gen Bundesministerien für Forschung und Technologie und für Bildung und Wissenschaft sind aus dieser Abteilung hervorgegangen. Hübinger war nicht nur ein Gelehrter von Rang, sondern auch ein Gebildeter im Voll¬ sinn des Wortes, mit weit gespannten Interessen, die sich auch auf Literatur und Kunst erstreckten. Der Bedeutung äußerer Bedingungen für die Entfaltung von Kunst und Wis¬ senschaft war er sich bewußt. So bedurfte es kaum großer Überredungskunst, um ihn zur Annahme der verantwortungsvollen kulturpolitischen Aufgabe zu bewegen. Den Abschied von Forschung und Lehre betrachtete er freilich nur als einen Abschied auf Zeit. Die Verbindung mit der Universität und den Schülern blieb durch die Ernennung zum Hono¬ rarprofessor in Bonn (September 1954) gewahrt. Als Ministerialdirektor hatte Hübinger für Anregungen aus den Kreisen der Wissenschaft stets ein offenes Ohr. Er begnügte sich nicht mit der Förderung und dem Ausbau beste¬ hender Einrichtungen - von Hochschulen, Akademien, Instituten, Studentenförderung nach dem »Honnefer Modell« u.a.m. -, sondern ergriff auch die Initiative zu Neugrün¬ dungen wie der Vereinigung zur Erforschung der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen, der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte, den Arbeitskreis für moderne Sozialgeschichte. Ein einstiger Mitarbeiter verriet mir, daß er die Referenten bei Besprechungen häufig mit neuen Ideen überraschte, nicht immer zur Freude der Ver¬ waltungsjuristen. Denn er verfolgte seine Ideen mit Konsequenz. Wie er mir selbst einmal sagte, wollte er von seinem Stab nicht hören, welche Hindernisse einem Vorhaben im Wege standen, sondern wie man sie überwinden könne. Die Aufbauzeit der fünfziger Jahre ließ in der Tat der persönlichen Initiative einen weiten Spielraum. Wie unkonventionell, ja abenteuerlich es dabei zugehen konnte, habe ich selbst bei der Gründung der Pariser Stelle zur Erforschung der deutsch-französischen Beziehungen und ihrem Ausbau zum Deut¬ schen Historischen Institut in Paris erlebt. Dem Pariser Institut und dem Münchner Institut für Zeitgeschichte blieb Hübinger auch nach seinem Ausscheiden aus dem Ministerium verbunden als Mitglied des jeweiligen wis¬ senschaftlichen Beirats. Das Münchner Institut erhob ihn zum Ehrenmitglied, die Universi¬ tät Gießen verlieh ihm die Würde eines Ehrensenators. Auch an Ehrungen aus dem Aus¬ land hat es nicht gefehlt. Die italienische Regierung ernannte ihn zum Grand Ufficiale des Verdienstordens der italienischen Republik, Spanien verlieh ihm das Kommandeurkreuz mit Stern des Ordens Alfonso el Sabio (1961), Frankreich zeichnete ihn mit dem Ritter¬ kreuz des Ehrenlegion aus (1962). 1986 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesre¬ publik. Nach fünf einhalb jähriger Tätigkeit im Bundesministerium des Inneren kehrte Hübinger am 1. Oktober 1959 als Ordinarius an die Universität Bonn zurück, der er sich zeitlebens besonders verbunden fühlte. Seine ministerielle Tätigkeit befähigte ihn in hervorragender Weise zum Einsatz in der akademischen Selbstverwaltung. In Forschung und Lehre knüpfte er an seine alten Arbeitsgebiete wieder an. In Aufsätzen behandelte er 1960 und 1964 Themen der rheinischen Geschichte im 11. und 12. Jahrhundert. Auf dem deutschen Historikertag hielt er 1964 einen Vortrag über »Okzident und Islam«. Mit der Herausgabe von drei Bänden in den Wegen der Forschung zum Übergang vom Altertum zum Mittelal- 1146 Nekrolog ter - »Kulturbruch oder Kontinuität«, »Bedeutung und Rolle des Islam«, »Frage der Perio¬ dengrenze« - schloß er 1968/69 diese Thematik ab. 1961 feierte das Bonner Historische Seminar sein hundertjähriges Bestehen. Hübinger verfaßte aus diesem Anlaß eine wiederum weit ausgreifende und zugleich doch minutiöse Geschichte des Seminars, die 1963 erschien und ein gutes Stück deutscher Gelehrtengeschichte enthält. Er betrat damit erstmals das Feld der jüngeren und jüngsten Geschichte. Bald darauf sollte er durch äußere Ereignisse noch stärker auf die Bahnen der Zeitgeschichte gelenkt werden. Im Herbst 1964 geriet die Bonner Universität ins Schußfeld des Wochenblatts »Die Zeit«, die nach Exempla für mangelnde Vergangenheitsbewältigung fahndete. Die Angriffe richteten sich zunächst auf den neu gewählten Rektor Hugo Moser, konzentrierten sich aber bald auf die Universität und die Philosophische Fakultät, denen man die Aberkennung der Ehrendok¬ torwürde von Thomas Mann im Jahre 1936 vorhielt. Hübinger regte die Veröffentlichung aller einschlägigen Akten mit einem Sachkommentar an und übernahm dann selbst diese Publika¬ tion, »in ausschließlich persönlicher Verantwortung«, also nicht als Weißbuch der Fakultät. Die Arbeit, die Hübinger 1965 auf ein Jahr veranschlagte, beanspruchte ein knappes Dezennium. Der Autor griff nach seiner Art wieder weit aus, bezog auch die Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahre 1919, ihre Restitution 1946 und den wechselvollen historischen Hintergrund der Beziehungen von Thomas Mann zur Bonner Universität während eines Halb Jahrhunderts (1905-1955) in seine Betrachtung ein. Mit der Findigkeit des Archivars erschloß er eine ungewöhnliche Fülle großenteils unbekannter Quellen, die er mit der Akribie des Mediaevisten und der Erfahrung des Ministerialbeamten zu einem großen Mosaik zusammenschloß: dem Buch »Thomas Mann, die Universität Bonn und die Zeitgeschichte«, das 1974 erschien. Geistige und politische Strömungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind hier wie in einem Spiegel eingefangen. Neues Licht fällt auf die Geschichte der Zentralbehörden unter dem Hitlerregime und die »unaufhaltsame interne Machtübernahme durch die SS«. Deutlich wird im Rahmen des begrenzten Themas die »Doppelbödigkeit des Daseins« im totalitären Deutschland, die Vielschichtigkeit der handelnden Personen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß in der Darstellung der »zuweilen proteushaften ... Mannigfaltigkeit menschlichen Wesens« auch für den Autor ein besonderer Reiz lag. Für die Bonner Universität erbrachte Hübinger, wie Richard Alewyn formulierte, »den Freispruch wegen erwiesener Unschuld«. Scherzhaft bezeichnete Hübinger sein Thomas-Mann-Buch als »Fehltritt eines Mediävi¬ sten«. Aus der zeitgeschichtlichen Arbeit, bei der er unfairen, gänzlich ungerechtfertigten Angriffen ausgesetzt war, die ihn tief verletzten und sein Vertrauen in die Fakultät als Korporation erschütterten, flüchtete er ins Mittelalter. 1971 hielt er in der Rheinisch- Westfälischen Akademie der Wissenschaften den Vortrag »Die letzten Worte Gregors VII.«, der 1973 erweitert im Druck erschien. Er läßt hier die Interpretationen der berühmten Worte »Dilexi iustitiam et odi iniquitatem, propterea morior in exilio« vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart Revue passieren und kommt nach erneuter Prüfung aller einschlägigen Quellen zum Schluß, daß sie nicht, wie die Forschung durchweg annahm, Bitterkeit und Resignation, sondern »sichere Heilsgewißheit« in der Nachfolge der Passion Christi zum Ausdruck bringen. Hübinger hat diese Abhandlung mit großem inneren Engagement geschrieben, das auch in dem Motto aus Dantes Inferno anklingt: E quindi uscimmo a riveder le stelle. Nach dem Abschluß des Thomas-Mann-Buchs setzte sich Hübinger für die Beteiligung der Rheinisch-Westfälischen Akademie an der Edition der deutschen Inschriften (d.h. der Inschriften Deutschlands) ein. Vor allem aber wollte er sich nun den Problemen der deutsch¬ französischen Grenze im Mittelalter und der Edition ungedruckter Quellen zur deutschen Geschichte des 13. Jahrhunderts widmen. Als Frucht seiner Urkundenstudien erschien 1978 der Aufsatz »Libertas imperii - Libertas ecclesiae im Widerstreit«, der eine dramatische Phase Paul Egon Hübinger (I9ii-1987) 1147 der Geschichte des Maastrichter Servatiusstifts in d^r Zeit Kaiser Friedrichs II. behandelt. Doch blieb Hübinger auch weiter im Bann neuzeitlicher Themen, denen vier Beiträge aus den Jahren 1977 bis 1985, darunter zwei Gelehrtenbiographien (W. Levison 1977, H.Finke 1985) zugeordnet sind. Aus dem Arbeitsgebiet der deutsch-französischen Beziehungen wählte er das Thema des Vortrags zu seinem goldenen Doktor Jubiläum im Juni 1985: »Die Anfänge der französischen Ausdehnungspolitik im Licht von Verfassungsstruktur und Staatsidee des mittelalterlichen Deutschland und Frankreich«. In einer großartigen Überschau entwickelte er hier die neuen, nun ausgereiften Gedanken, die er schon 1951 angedeutet hatte. Damit schließt sich der Kreis. Das große Thema - Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen - zu dem die Dissertation hinführte, hat Hübinger sein ganzes Leben hindurch begleitet. Zwei Einschnitte in seinem Leben haben das Werk, das ihm vorschwebte, nicht zur Vollendung kommen lassen: der Eintritt ins Ministerium und das Thomas-Mann-Buch. Der Mediaevist mag dies bedauern. Aber er wird auch anerkennen, daß Hübinger sowohl als Ministerialdirektor wie mit dem Buch über Thomas Mann und die Bonner Universität, seinem opus magnum, Bleibendes geschaffen hat. Die doppelte venia für Mittlere und Neuere Geschichte, für die meisten von uns nicht mehr real, hat er energisch verteidigt und voll wahrgenommen. Als Hilfswissenschaftler ist er zu einem Vater der Archivare geworden. Seine mediaevistischen Arbeiten, die stets durch die Verbindung historischen Weitblicks und Exaktheit im Detail bestechen, enthalten eine Fülle von Anregungen für künftige Forscher. Das deutsche Historische Institut in Paris verdankt ihm seine Entstehung. Eugen Ewig, Bonn Abstract

