K. Manfrass, Deutschland und Frankreich März 1936 bis September 1939 Bericht über das 15. Deutsch-französische Historikerkolloquium, veranstaltet unter Mitwirkung des Comité français d'histoire de la 2e Guerre mondiale und des Militärgeschichtlichen Forschungsamts Freiburg vom 26. bis 29. September 1978 in Bonn.
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Autor / Rezensent Manfrass, K.
Titel Untertitel Institut BSB digitale Bibliothek http://francia.digitale-sammlungen.de/Blatt_bsb00016281,00959.html Seiten 943-952 BSB Band-ID bsb00016281 BSB Seiten Anfang 00959 BSB Seiten Ende 00968 Lizenz DDC-BSB Geo-SW DDC-BSB Sach-SW DDC-BSB Zeit-SW Zeit-SW Geo-SW (GKD) Sachschlagwort (SWD) Personenschlagwort (PND) Fachgebiet OCR-Text Klaus Manfrass DEUTSCHLAND UND FRANKREICH MÄRZ 1936 BIS SEPTEMBER 1939 Bericht über das 15. Deutsch-französische Historikerkolloquium, veranstaltet unter Mitwirkung des Comité français d'histoire de la 2e Guerre mondiale und des Militärgeschichtlichen Forschungsamts Freiburg vom 26. bis 29. September 1978 in Bonn. Vom 26.-29. September trafen sich in Bonn französische und deutsche Histori¬ ker, um über »Deutschland und Frankreich, März 1936 bis September 1939« zu sprechen. Daß vierzig Jahre zuvor das Münchener Abkommen unterzeich¬ net worden war, verlieh dem Treffen, wenn auch unbeabsichtigt, eine gewisse Aktualität. Das Kolloquium, das vom Deutschen Historischen Institut Paris in Zusammenarbeit mit dem französischen »Comité d'histoire de la deuxième Guerre mondiale« und dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt Freiburg/Br. durchgeführt wurde, war das zweite in einer Reihe von vier Kolloquien, in denen das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland in der Zeit von 1933-1945 behandelt wird. Die erste Tagung, die dem Zeitraum von 1933-1936 gewidmet war, wurde im vergangenen Jahr vom »Comité« in Paris ausgerichtet, die dritte will das »Comité« erneut in Paris durchführen, und den Abschluß soll ein Kolloquium im »Institut für europäische Geschichte« in Mainz bilden, in dem NS-Deutschlands Zusammenbruch und Frankreichs Libération behandelt werden. Daß dieses Thema in einer so intensiven und konsequenten Weise be¬ handelt werden kann - ein Thema zudem, das auf beiden Seiten durchaus noch Empfindlichkeiten zu wecken und Kontroversen hervorzurufen vermag - macht deutlich, ein wie hohes und stabiles Niveau die deutsch-französische Zusam¬ menarbeit im Bereich der Geschichtsforschung inzwischen erreicht hat. Bundespräsident Walter Scheel, der die Teilnehmer des Kolloquiums emp¬ fing - ebenso wie es Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing im vergangenen Jahr getan hatte - betonte in seiner Ansprache, daß eine nüchterne Analyse der Geschichte des deutsch-französischen Verhältnisses, und zwar gerade auch seiner trüben Perioden, eine Voraussetzung für die Erhaltung dauerhafter freund¬ schaftlicher Beziehungen zwischen den beiden Völkern darstellt. Auch Bun¬ desforschungsminister Volker Hauff unterstrich in seiner Begrüßung den be¬ sonderen Stellenwert, der der historischen Forschung im Rahmen der Wissen¬ schaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zukommt. Die von Karl Ferdinand Werner, dem Direktor des DHIP, geleitete Tagung begann mit der Diskussion um das französische Deutschlandbild (René Rémond, 944 Aus der Arbeit des DHIP Nanterre) und das deutsche Frankreichbild (Klaus-Jürgen Müller, Hamburg) dieser Jahre. Wenn für die französische Seite eine auffällige Kontinuität der traditionellen Deutschland-Stereotypen und allgemein geringe Deutschland¬ kenntnisse zu konstatieren waren, die - von vereinzelten Ausnahmen abgese¬ hen - kein angemessenes Verständnis des NS-Phänomens ermöglichten, so fällt auf deutscher Seite die durchaus uneinheitliche Einstellung innerhalb des NS- Apparats gegenüber Frankreich auf: Sie schwankte z. B. zwischen der Kulti¬ vierung eines haßgeprägten Erbfeind-Bildes bei der SS und einem gewissen Stre¬ ben nach Verständnis und Zusammenarbeit (und zwar nicht nur mit ideologisch verwandten Kräften) bei Teilen der Hitlerjugend, in deren Publikationen sogar differenzierende Beurteilungen der Volksfront zu finden waren. Es wäre nun interessant, etwas über das Frankreich- und Europabild anderer, vergleichbarer Gruppierungen im NS-Staat zu erfahren. Zur Ergänzung des französischen Bil¬ des vom faschistischen Deutschland kündigte Raymond Poidevin (Metz) eine unter seiner Leitung stehende Arbeit (Patrick Schaeffer) über die Haltung französischer Wirtschaftskreise gegenüber Deutschland von 1933-1939 an. Es mag überraschen, daß die deutschen Emigranten, über deren Lage Rita Thalmann (Tours) referierte, nahezu ohne jeden Einfluß auf die Beurteilung NS-Deutschlands durch die französische Öffentlichkeit blieben. Wie wenig Ge¬ hör die Emigration, die zweifellos die Widerstandsmöglichkeiten in Deutsch¬ land überschätzte, etwa in der französischen Presse fand, machte ein Diskus¬ sionsbeitrag von Hans Hörling (Asnières) deutlich, der sich auf quantitative Untersuchungen zur Behandlung des Deutschland-Themas in Pariser Zeitungen stützen konnte. Den französischen Behörden waren die Emigranten (zumindest nach der Volksfrontregierung) als Deutsche und als Antifaschisten doppelt ver¬ dächtig, was viele von ihnen bei Kriegsausbruch in Internierungslager und in eine verzweifelte Situation brachte. Bemerkenswerte Übereinstimmung erbrachten die Beiträge von Raymond Poidevin (Metz) und Hans-Jürgen Schröder (Mainz) über die deutsch-fran¬ zösischen Wirtschaftsbeziehungen, die auf die erhebliche Bedeutung des von der Forschung bisher wenig beachteten Wirtschaftsabkommens vom 10. Juli 1937 hinwiesen. Sie ließen das starke Interesse erkennen, das in den Wirtschaftskrei¬ sen beider Länder trotz konjunktureller Schwächen, Devisenschwierigkeiten und administrativer Behinderungen an einer Ausweitung des Wirtschaftsaustauschs, sogar an Kooperation in den französischen Kolonien und in Drittländern herrsch¬ te. Die nach »München« auf höchster diplomatischer Ebene unternommenen weitreichenden Bemühungen zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen konn¬ ten auf diesem Interesse aufbauen und können, was die französische Seite be¬ trifft, als deutliches Indiz für die Ernsthaftigkeit der Ausgleichsbemühungen gelten. Der Themenkomplex der Rüstung und militärisch-strategischen Kriegsvorbe¬ reitung wurde auf deutscher Seite von Mitarbeitern des Militärgeschichtlichen Forschungsamts (Wilhelm DEiST/Heer, Gerhard ScHREiBER/Marine, Klaus MAiER/Luftwaffe) und auf französischer Seite von Mitarbeitern der »Services historiques« der verschiedenen Waffengattungen in Vincennes bestritten (Henri DuTAiLLY/Armée de Terre, Philippe MASSON/Marine, Général Charles Chris- Aus der Arbeit des DHIP 945 tienne, Patrick Buffotot und Madeline AsTORKiA/Armée de PAir). Die fran¬ zösischen Forscher konnten dabei in großem Maße aus bisher nicht zugängli¬ chem Aktenmaterial schöpfen. Wenn von den französischen Referenten deutlich herausgearbeitet wurde, wie sehr das Denken in Kategorien allgemeiner De¬ fensivstrategie die Rüstungsvorbereitungen Frankreichs dominierte, die eine Kriegsbereitschaft erst für 1941 vorsahen, so ließen die deutschen Beiträge an einem seit mehreren Jahren geradezu vorprogrammierten Angriffskrieg keinen Zweifel. Die Restriktionen der Autarkiepolitik und die extreme Konzentration auf die Rüstung ließen eine Wirtschaftskrise erwarten, die abzuwenden der Krieg als das geeignete Mittel erschien. Rüstungswirtschaft und Rüstungsindustrie behandelten Jean-Louis Crémieux- Brilhac (Paris) und Jost Dülffer (Köln). Dabei ging es in erster Linie um die organisatorischen, sozialen und politischen Aspekte der Umstellung auf die Kriegsproduktion. Bürokratisches Kompetenzengewirr behinderte nicht nur die französischen, sondern auch die deutschen Rüstungsplanungen, bewirkte auf deutscher Seite aber zumindest eine Art Wettbewerb miteinander konkurrieren¬ der Administrationen. In der Diskussion wurde unterstrichen, wie sehr die abso¬ lute wirtschaftspolitische Priorität Frankreichs in der Vorkriegszeit, nämlich die Stabilisierung des Franc, eine großzügige Rüstungspolitik erschwerte. Bei der Diskussion der außenpolitischen Themen stand deutlich die Frage im Hintergrund, ob die im behandelten Zeitraum immer wieder, und verstärkt nach »München« zu beobachtenden Ansätze zu einem französisch-deutschen Aus¬ gleich eine reale Grundlage besaßen und insbesondere, ob sie von deutscher Seite jemals anders gemeint waren denn als taktische Täuschungsmanöver. Wenn 1936 (Olympische Spiele) und 1937 (Pariser Weltausstellung) durchaus noch im Zeichen geradezu freundschaftlicher Beziehungen standen, so kann 1937 doch als »Entscheidungsjahr«, als Wende zum Kriege verstanden werden. Als solches wurde es jedenfalls im Beitrag von Gottfried Niedhart (Mannheim) behandelt: Deutschland ging von einer Politik der Friedenspropaganda zu einer aktiven Revisions- und Eroberungspolitik über, erteilte seiner bisherigen Konzeption ei¬ nes Ausgleichs mit Großbritannien eine definitive Absage und vollzog militär¬ politisch die Weichenstellung zur Z?/i£zfen'eg-Konzeption. Der Rücktritt von Hjalmar Schacht als Wirtschaftsminister im November 1937, der noch im Mai desselben Jahres Gespräche mit der französischen Regierung über eine Inten¬ sivierung der Wirtschaftsbeziehungen geführt hatte, bezeichnete schließlich auch die Abkehr von einer Politik der Durchsetzung deutscher imperialistischer Interessen mit überwiegend ökonomischen Mitteln, die von national-konserva¬ tiven Eliten in Wirtschaft, Bürokratie und Militär befürwortet worden war, und die Wendung zu einer Politik militärischer Eroberungen. Gleichzeitig lehnte sich Frankreich nach dem Verzicht auf eine energische Reaktion auf die Rheinland¬ besetzung noch stärker an Großbritannien an und reduzierte damit seinen au¬ ßenpolitischen Handlungsspielraum. Die vollständige französische Passivität beim Anschluß Österreichs (Jacques Bariéty, Strasbourg) kann ebenfalls aus dieser Perspektive erklärt werden. Das Münchener Abkommen vom 30. Septem¬ ber 1938 (Wolfgang Michalka, Frankfurt, referierte über die deutsche Außen¬ politik zwischen dem Anschluß und München) bedeutete das Ende des militä- 946 Aus der Arbeit des DHIP rischen Sicherheitssystems Frankreichs in Ost-Mitteleuropa, nicht jedoch die de¬ finitive Ausschaltung des französischen Einflusses aus dieser Region. Die im Anschluß an München von Frankreich aktiv verfolgte Ausgleichspo¬ litik führte zur deutsch-französischen Erklärung vom 6. Dezember 1938 (behan¬ delt von Franz Knipping, Tübingen) und zu den bereits erwähnten Wirtschafts¬ verhandlungen. Diese Politik der Annäherung, vertreten insbesondere von Au¬ ßenminister Georges Bonnet und dem Botschafter in Berlin, André François- Poncet, sollte aus französischer Sicht das übermächtig gewordene Deutschland zunächst von weiteren aggressiven Schritten ablenken, um den eigenen Rüstungs¬ vorbereitungen Zeit zu verschaffen. Aus deutscher Sicht konnte sie als Fortset¬ zung der Frankreich gegenüber stets betriebenen Politik der Friedenspropa¬ ganda, als Spaltungsversuch zwischen Frankreich und Großbritannien und schließlich als vorübergehende Rückendeckung für neue Vorhaben im Osten gel¬ ten. Wenn auch keine Rede davon sein kann, daß Frankreich etwa Deutschland freie Hand im Osten gelassen habe, so setzte sich doch, wie René Girault (Nan- terre) in seinem Beitrag über die französische Außenpolitik zwischen München und Prag zeigte, für kurze Zeit eine bei bestimmten radikal-sozialistischen Poli¬ tikern schon seit längerem angelegte außenpolitische Konzeption durch, die eine Reduzierung französischer Interessen in Osteuropa bei gleichzeitigem Ausbau der wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland in dieser Region, einen all¬ gemeinen Ausgleich mit den Achsenmächten und die Konzentration auf den Ausbau des Kolonialimperialismus beinhaltete, bei dem ebenfalls eine deutsche Beteiligung akzeptiert werden sollte. In ihrer dezidiert antisowjetischen Aus¬ richtung entsprach diese Konzeption gleichzeitig der innenpolitischen Abwen¬ dung der Radikal-Sozialisten von der Volksfront und ihrem Versuch, einen Kristallisationspunkt für die politische Rechte zu bilden. Girault sah in dieser Konzeption die deutlichste Artikulation von Ausgleichstendenzen zwischen zwei verschiedenen Ausprägungen des Imperialismus, zwischen seiner deutschen und seiner französischen Variante. Daß diese Politik von deutscher Seite nur halb¬ herzig erwidert wurde und mit dem Einmarsch in Prag im März 1939 endgültig scheiterte, galt für ihn als Beweis dafür, daß die Durchsetzung imperialistischer Ziele mit ökonomischen Mitteln für Deutschland zu diesem Zeitpunkt keine Aktualität mehr besaß und daß in der Außenpolitik Hitlers jeder Ausgleich mit Frankreich immer nur als vorübergehend gelten konnte. Mit mehreren Beiträgen nahm die Reaktion auf den spanischen Bürgerkrieg einen besonderen Raum ein, dessen weitreichende Bedeutung als »europäischer« Bürgerkrieg damit seine angemessene Berücksichtigung fand: In zwei sich er¬ gänzenden Referaten behandelten Charles Bloch (Tel-Aviv) und Hans-Hen¬ ning Abendroth (Leicester) die Haltung der europäischen Mächte, wobei Bloch den Blick stärker auf die innenpolitischen Reaktionen in Frankreich und Abendroth auf die Haltung Hitlers richtete. Madeline Astorkia (Vincennes) schließlich untersuchte die Bedeutung des Krieges für den Aufbau der franzö¬ sischen Luftstreitkräfte, die, wie sich zeigte, im Unterschied zur deutschen Luft¬ waffe die Erkenntnisse aus diesem Krieg kaum nutzen konnten. Aus diesen Bei¬ trägen wurde nicht zuletzt auch deutlich, daß der spanische Bürgerkrieg die französische Öffentlichkeit sehr viel stärker beschäftigte als etwa die Entwick- Aus der Arbeit des DHIP 947 lung in Deutschland, so daß die deutschen Kriegsvorbereitungen nicht immer in ihrer ganzen Gefährlichkeit wahrgenommen wurden. Die abschließende Diskussion war der Situation bei Kriegsausbruch im Sep¬ tember 1939 gewidmet. Während Jean-Louis Crémieux-Brilhac den eindeuti¬ gen Umschwung der französischen Politik zu einer entschlossenen Kriegsvor¬ bereitung unter der Führung von Daladier nach den Schock von Prag behan¬ delte und ausführlich den breiten nationalen Konsens der politischen Kräfte und der öffentlichen Meinung schilderte, der durch den deutsch-sowjetischen Nicht¬ angriffspakt im Grunde noch gefördert wurde, untersuchte Andreas Hillgruber (Köln) die Bedeutung, die Frankreich im machtpolitischen Kalkül Hitlers zu diesem Zeitpunkt besaß: eine Bedeutung, die insgesamt gesehen recht gering veranschlagt wurde, da Frankreich jetzt nur noch als militärisches Instrument Großbritanniens angesehen wurde, das als der entscheidende Gegner galt. Das Fazit des Kolloquiums zog Klaus Hildebrand (Münster), der nicht nur die gemeinsame deutsch-französische Arbeit, sondern auch das reibungslose Zu¬ sammenwirken der verschiedenen historischen Disziplinen wie Mentalitätsfor¬ schung, Militärgeschichte, Wirtschaftsgeschichte und Geschichte der internatio¬ nalen Beziehungen hervorhob. Bemerkenswert war das nahezu vollständige Fehlen von Kontroversen zwi¬ schen deutschen und französischen Teilnehmern, dort wo sie vom Thema her eigentlich zu erwarten und berechtigt gewesen wären. Wenn es Kontroversen gab, so spielten sie sich überwiegend zwischen deutschen bzw. zwischen fran¬ zösischen Teilnehmern untereinander ab. So wurde in der französischen Dele¬ gation gerungen um die Verantwortlichkeit bestimmter Politiker, Militärs, Waf¬ fengattungen oder Bürokratien für die unzureichenden Rüstungsvorbereitungen im Jahre 1939. Andererseits gab es z. B. auf deutscher Seite Differenzen um langfristige Ziele der Weltmachtpolitik und um nicht allein auf die NS-Ära zu reduzierende, als »real« oder »irreal« bezeichnete Expansions- und Eroberungs¬ vorstellungen bei Heer und Marine bzw. um die heftig diskutierte Frage, ob der politische Entscheidungsprozeß im NS-Regime ausschließlich von der Per¬ sönlichkeit Hitlers geprägt gewesen sei oder ob vielmehr ein gewisser Pluralis¬ mus von Interessengruppen (bezeichnet als »Pluralität« oder »Polykratie«) ge¬ herrscht habe. Wie bei diesem Thema kaum anders zu erwarten, beschäftigte man sich vor¬ wiegend mit den Vorgängen auf der Ebene von Regierungen und Diplomatie, mit dem Verhalten und der Verantwortlichkeit einzelner Persönlichkeiten (und natürlich immer wieder mit der dominierenden Figur Hitlers), mit den Fragen nach »richtiger« oder »verfehlter« Politik. Die Bedeutung prozeßhafter Ent¬ wicklungen und sozio-ökonomischer Veränderungen, die Rolle von Sachzwän- gen und gesellschaftlichen Interessen wurden demgegenüber nicht so intensiv erörtert. Nur wenige Referenten stellten die Beziehungen zwischen sozio-öko¬ nomischer, innenpolitischer und außenpolitischer Ebene her. Die »Politik« besaß eindeutig Priorität. Dementsprechend kam es auch kaum zu einer komparati¬ ven Behandlung gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen in beiden Ländern in dieser Vorkriegsperiode, die für die Entwicklung der modernen In¬ dustriegesellschaft (man denke an die Bedeutung von Forschung und technolo- 948 Aus der Arbeit des DHIP gischer Innovation im Zuge forcierter Rüstung) doch eine nicht zu vernachläs¬ sigende wichtige Etappe darstellt. Trotz des nüchternen Arbeitsstils und trotz der entspannten und freundschaft¬ lichen Tagungsatmosphäre war doch durchaus zu spüren, daß man hier über die Probleme einer Epoche miteinander sprach, die für viele Tagungsteilnehmer mit schweren Problemen des persönlichen Schicksals verbunden bleibt und die für das Verhältnis der beiden Völker zueinander einen schmerzlichen Tiefpunkt dar¬ stellt. Den Fragen nach Schuld und Verantwortung, die sich notwendigerweise stellten, wich man auf beiden Seiten nicht aus: Ihrer wissenschaftlich präzisen Beantwortung in gemeinsamer Arbeit ein wenig näher gekommen zu sein, wird man schließlich als den Ertrag dieser Tagung verbuchen können. Die Akten des Kolloquiums werden als Veröffentlichung des DHIP erschei¬ nen. Die Teilnehmer Titel, Heimatort, Universität nach dem Stand vom September 1978 Dr. Hans-Henning Abendroth, Scraptoft-Leicester Pierre Angel, Professeur à l'Université de Tours Prof. Dr. Karl Otmar Frhr. von Aretin, Universität Darmstadt, Direktor des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz Madeline Astorkia, Service historique de l'Armée de l'Air, Vincennes Hellmuth Auerbach, Institut für Zeitgeschichte, München Gilbert Badia, Professeur à l'Université de Paris-Vincennes Charles Bloch, Professeur à l'Université de Tel-Aviv Dr. Horst Boog, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg Prof. Dr. Hans Booms, Präsident des Bundesarchivs, Koblenz Prof. Dr. Dr. h. c. Karl Dietrich Bracher, Universität Bonn Patrick Buffotot, Service historique de l'Armée de l'Air, Vincennes Général Charles Christienne, Chef du Service historique de l'Armée de l'Air, Vincennes Vera Clauss-Reimann, Universität zu Köln Jean-Louis Crémieux-Brilhac, Directeur général de la Documentation fran¬ çaise, Paris Dr. Wilhelm Deist, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg Dr. Jost Dülffer, Universität zu Köln Lt-colonel Henry Dutailly, Service historique de l'Armée de Terre, Vincennes Commandant Edouard Even, Service historique de l'Armée de Terre, Vincennes Dr. Jürgen Förster, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg Général d'Armée Fernand Gambiez, Président de la Commission française d'histoire militaire, Vincennes René Girault, Professeur à l'Université de Paris-Nanterre Ass. Prof. Dr. Wolf Grüner, Hochschule der Bundeswehr, München Aus der Arbeit des DHIP 949 Klaudia Gutsche, Deutsches Historisches Institut Paris Oberst i. G. Dr. Othmar Hackl, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg Wiss. OR Dr. Karl Hammer, stellv. Direktor des Deutschen Historischen Insti¬ tuts Paris Dr. habil. Peter Claus Hartmann, Deutsches Historisches Institut Paris Hans-Jürgen Heimsoeth, Paris Prof. Dr. Klaus Hildebrand, Universität Münster Prof. Dr. Andreas Hillgruber, Universität zu Köln Dr. Roland A. Höhne, Freie Universität Berlin Dr. Hans Hörling, Paris Ursula Hugot, Deutsches Historisches Institut Paris Prof. Dr. Adolf Kimmel, Universität des Saarlandes Archivrätin Elisabeth Kinder, Bundesarchiv, Koblenz Dr. Franz Knipping, Universität Tübingen Dr. Hannsjörg Kowark, Universitätsbibliothek Tübingen Claude Levy, Secrétaire général du Comité français d'histoire de la 2ème guerre mondiale, Paris Oberstleutnant Dr. Klaus Maier, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Frei¬ burg Dr. Klaus Manfrass, Deutsches Historisches Institut Paris Margaretha Martaguet, Deutsches Historisches Institut Paris Philippe Masson, Service historique de la Marine, Vincennes Prof. Dr. Manfred Merkes, Universität Bonn Prof. Dr. Manfred Messerschmidt, Leitender Historiker am Militärgeschicht¬ lichen Forschungsamt, Freiburg André Meyer, Professeur à l'Université d'Aix-en-Provence Dr. Wolf gang Michalka, Universität Mannheim Prof. Dr. Klaus-Jürgen Müller, Hochschule der Bundeswehr, Hamburg Priv. Doz. Dr. Gottfried Niedhart, Universität Mannheim Raymond Poidevin, Professeur à l'Université de Metz René Rémond, Professeur à l'Université de Paris-Nanterre RA Adolph Schmidt, Deutsches Historisches Institut Paris Korvettenkapitän Dr. Gerhard Schreiber, Militärgeschichtliches Forschungs¬ amt, Freiburg Dr. Hans-Jürgen Schröder, Institut für Europäische Geschichte, Mainz Prof. Dr. Stephan Skalweit, Universität Bonn Rita Thalmann, Professeur à l'Université de Tours Dr. Hans Umbreit, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg Dr. Johannes Vandenrath, Direktor des Goethe-Instituts in Lille Prof. Dr. Hans-Erich Volkmann, Militärgeschichtliches Forschungsamt, Frei¬ burg Dr. Alfred Wagner, Bundesarchiv, Koblenz Prof. Dr. Hermann Weber, Universität Mainz Dr. Klaus Weinandy, Leiter des politischen Archivs im Auswärtigen Amt, Bonn Prof. Dr. Karl Ferdinand Werner, Direktor des Deutschen Historischen Insti¬ tuts Paris 950 Aus der Arbeit des DHIP Zeitplan Dienstag, 26. 9. 16.00 Eröffnung des Kolloquiums : Begrüßungsansprache des Herrn Bundesministers für Forschung und Technologie Dr. Volker Hauff Einführung in das Kolloquium durch den Direktor des Deutschen Histo¬ rischen Instituts Paris, Prof. Dr. Karl Ferdinand Werner 1. Arbeitssitzung: Das Bild vom anderen Leitung: Karl Ferdinand Werner René Rémond, Paris: L'image de l'Allemagne dans l'opinion publique française de mars 1936 à septembre 1939 Klaus-Jürgen Müller, Hamburg: Die deutsche öffentliche Meinung und Frankreich Rita Thalmann, Tours: L'émigration allemande et l'opinion française de 1936 à 1939 Diskussion 19.30 Empfang durch den Herrn Bundesminister für Forschung und Technolo¬ gie Dr. Volker Hauff Mittwoch, 27. 9. 9.00 2. Arbeitssitzung: Rüstung und militärische Vorbereitung Leitung: Général d'Armée Fernand Gambiez Lt-colonel Henri Dutailly, Vincennes: Programmes d'armement et structures modernes dans l'Armée de terre (1935-1939) Wilhelm Deist, Freiburg: Heeresrüstung und Aggression 1936-1939 Philippe Masson, Vincennes: La Marine française et la stratégie alliée (1938-1939) Korvettenkapitän Gerhard Schreiber, Freiburg: Die Rolle Frankreichs im strategischen und operativen Denken der deutschen Marine Diskussion 15.00 3. Arbeitssitzung: Rüstung und militärische Vorbereitung (Fortsetzung) Leitung: Manfred Messerschmidt Général Charles Christienne, Vincennes: L'Armée de l'Air française de mars 1936 à septembre 1939 Patrick Buffotot, Vincennes: Le réarmement aérien allemand et l'ap¬ proche de la guerre vus par le IIe Bureau Air Français Oberstleutnant Klaus Maier, Freiburg: Der Aufbau der Luftwaffe und ihre strategisch-operative Konzeption, insbesondere gegenüber Frank¬ reich Madeline Astorkia, Vincennes: L'aviation et la Guerre d'Espagne: la cinquième arme face aux exigences de la guerre moderne Diskussion Aus der Arbeit des DHIP 951 Donnerstag, 28. 9. 9.00 4. Arbeitssitzung: Wirtschaftliche und soziale Probleme Leitung: René Rémond Raymond Poidevin, Metz: Les relations économiques franco-allemandes Jean-Louis Crémieux-Brilhac, Paris: La France de l'économie de crise à Téconomie de guerre: L'épreuve de la mobilisation industrielle Hans-Jürgen Schröder, Mainz: Deutsch-französische Wirtschaftsbezie¬ hungen 1936-1939 Jost Dülffer, Köln: Aufrüstung, Kriegswirtschaft und soziale Frage im »Dritten Reich« 1936 bis 1939 Diskussion 15.00 5. Arbeitssitzung: Ereignisse von großer Tragweite Leitung: Andreas Hillgruber Charles Bloch, Tel-Aviv: Les relations franco-allemandes et la politi¬ que des puissances pendant la Guerre d'Espagne Hans-Henning Abendroth, Scraptoft: Deutschland, Frankreich und der Spanische Bürgerkrieg 1936-1939 Gottfried Niedhart, Mannheim: Deutsche Außenpolitik im Entschei¬ dungsjahr 1937 Wolfgang Michalka, Frankfurt: Die Außenpolitik des Dritten Reiches vom österreichischen »Anschluß« bis zur Münchener Konferenz 1938 Diskussion Freitag, 29. 9. 9.00 6. Arbeitssitzung: Ereignisse von großer Tragweite (Fortsetzung) Leitung: Raymond Poidevin René Girault, Paris: La politique extérieure française de l'après-Munich (septembre 1938 - avril 1939) Franz Knipping, Tübingen: Die deutsch-französische Erklärung vom 6. Dezember 1938 11.00 Empfang durch den Herrn Bundespräsidenten Walter Scheel in der Villa Hammerschmidt 15.00 7. Arbeitssitzung: Die Situation im September 1939 Leitung: Karl Otmar von Aretin Jean-Louis Crémieux-Brilhac, Paris: La France devant l'Allemagne et la guerre au début de septembre 1939 Andreas Hillgruber, Köln: Frankreich als Faktor der deutschen Au¬ ßenpolitik im Jahre 1939 Diskussion Abschluß des Kolloquiums. Abstract

