J. Voss, Die Historische Forschung im 18. Jahrhundert. Organisation, Zielsetzung und Ergebnisse. Bericht über das 12. deutsch-französische Historikerkolloquium des DHIP in Wolfenbüttel (27. September bis 1. Oktober 1974)
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Autor / Rezensent Voss, J.
Titel Untertitel Institut BSB digitale Bibliothek http://francia.digitale-sammlungen.de/Blatt_bsb00016278,00955.html Seiten 943-948 BSB Band-ID bsb00016278 BSB Seiten Anfang 00955 BSB Seiten Ende 00960 Lizenz DDC-BSB Geo-SW DDC-BSB Sach-SW DDC-BSB Zeit-SW Zeit-SW Geo-SW (GKD) Sachschlagwort (SWD) Personenschlagwort (PND) Fachgebiet OCR-Text Aus der Arbeit des DHIP 943 DIE HISTORISCHE FORSCHUNG IM 18. JAHRHUNDERT Organisation, Zielsetzung und Ergebnisse Bericht über das 12. deutsch-französische Historikerkolloquium des DHIP in Wolfenbüttel (27. September bis 1. Oktober 1974)* Das 12. vom DHIP veranstaltete deutsch-französische Historikerkolloquium fand vom 27. September bis 1. Oktober 1974 in Wolfenbüttel statt. Mit dem Thema »Die historische Forschung im 18. Jahrhundert. Organisation, Zielset¬ zung und Ergebnisse« wandte sich eine vom DHIP veranstaltete Tagung erstmals einem Problembereich der immer stärker ins Interesse rückenden neuzeitlichen Wissenschaftsgeschichte zu. Für eine solche Tagung bot die ehemalige braun- schweigische Residenzstadt Wolfenbüttel mit ihren zahlreichen, Atmosphäre ausstrahlenden, frühneuzeitlichen Bauten den besten denkbaren historischen Rahmen. Mit der Herzog August Bibliothek, der Wirkungsstätte eines Leibniz und Lessing, besitzt Wolfenbüttel eine Wissenschaftsinstitution mit großer Ver¬ gangenheit und zentralen wissenschaftlichen Gegenwartsaufgaben. Dank der entgegenkommenden Hilfsbereitschaft des Wolfenbütteler Bibliotheksdirektors, Herrn Professor Dr. Paul Raabe, war es möglich, die Tagung im Bibelsaal der Herzog August Bibliothek abzuhalten. Während der abendlichen Führung durch die Bibliothek konnte Herr Prof. Raabe seinen Gästen eine repräsentative Aus¬ wahl der Wolfenbütteler Bibliotheksschätze vorstellen und zugleich verdeutli¬ chen, welche Forschungsaufgaben sich die Bibliothek zur Zeit gestellt hat. Die freundliche Betreuung während der einzelnen Arbeitssitzungen durch Fräulein Dr. Maria von Katte und Herrn Dr. Wolfgang Milde trug wesentlich dazu bei, die Tagung zu einer anregenden Begegnung ständigen geistigen Austausches werden zu lassen. Herr Staatsarchivdirektor Dr. Josef König erklärte im Staats¬ archiv die herausragendsten Dokumente seines Hauses, allen voran die Heirats¬ urkunde der Kaiserin Theophanu. Die kleine, von ihm vorbereitete Sonderaus¬ stellung von Zeugnissen zur Geschichte der deutsch (braunschweigisch)-fran- zÖsischen Beziehungen fand das besondere Interesse der Gäste aus dem Nach¬ barland. Die anschließende Stadtbesichtigung unter Leitung von Herrn Dr. König führte den Reichtum Wolfenbüttels an Denkmälern der Vergangenheit in angenehmer Weise vor Augen. Bei ihrem Empfang wiesen Herr Bürgermeister Essmann und Herr Stadtdi¬ rektor Wessel auf die Gegenwartsaufgaben einer historisch so verankerten Stadt wie Wolfenbüttel hin und gaben ihren Gästen Gelegenheit, die historischen Wohnräume des Schlosses zu besichtigen. Der letzte Abend des Kolloquiums endete mit einem Zusammensein im Gasthof Reitlingstal am Fuße des Harzes. Die uns in Wolfenbüttel zuteil gewordene aufmerksame Unterstützung hat we¬ sentlich zum Erfolg der Tagung beigetragen. * Die Vorträge der Wolfenbüttler Tagung werden mit einem ausführlichen Bericht und einer Zusammenfassung der Diskussion als geschlossener Band unter dem Titel »Histo¬ rische Forschung im 18. Jahrhundert« von Karl Hammer und Jürgen Voss herausgege¬ ben. 944 Aus der Arbeit des DHIP Folgende Damen und Herren haben an dem Kolloquium teilgenommen: Prof. Dr. Emilio Bussi, Universität Modena, Rom Priv. Dozent Dr. Otto Dann, Universität Köln M. Yves Durand, Professeur à l'Université de Nantes M. Henri Duranton, Maître-assistant à l'Université de Saint-Étienne M. Claude Fohlen, Professeur à l'Université de Paris Mme Claude Fohlen, Institut de Recherche et d'Histoire des Textes, Paris M. Michel François, Membre de l'Institut, Directeur de l'École des Chartes, Paris M. Pierre Gasnault, Conservateur à la Bibliothèque nationale, Paris M. Dieter Gembicki, Assistant à l'Université de Genève Dozent Dr. Ludwig Hammermayer, Universität München Prof. Dr. Notker Hammerstein, Universität Frankfurt/Main Dr. Ernst Hinrichs, Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen Dr. Maria von Katte, Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel Prof. Dr. Reinhart Koselleck, Universität Bielefeld Dr. Josef König, Direktor des Niedersächsischen Staatsarchivs Braunschweig, Wolfenbüttel Prof. Dr. Andreas Kraus, Universität Regensburg M. Robert Mandrou, Professeur à l'Université de Paris Dr. Wolfgang Milde, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttei M. Roland Mousnier, Professeur à l'Université de Paris M. Bruno Neveu, Directeur d'Études à l'École Pratique des Hautes Études - IVe Section, Paris, Rome Ministerialrat Dr. Konrad Petersen, Bundesministerium für Forschung u. Tech¬ nologie, Bonn M. René Pillorget, Professeur à l'Université de Tours M. Maurice Piquard, Conservateur en chef de la Bibliothèque Mazarine, Paris Prof. Dr. Paul Raabe, Direktor der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel M. Daniel Roche, Professeur à l'Université de Paris Dr. Günter Scheel, Archivoberrat, Staatsarchiv Hannover Prof. Dr. Theodor Schieffer, Universität Köln Prof. Dr. Manfred Schlenke, Universität Mannheim Prof. Dr. Peter Stadler, Universität Zürich Prof. Dr. Rudolf Vierhaus, Direktor des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Göttingen M. Jean de Viguerie, Professeur à l'Université d'Angers Prof. Dr. Fritz Wagner, Universität München Prof. Dr. Hermann Weber, Universität Mainz Das DHIP war vertreten durch seinen Direktor, Prof. Dr. Karl Ferdinand Wer¬ ner, den Stellvertreter des Direktors, Wiss. Oberrrat Dr. Karl Hammer, die wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Albert Cremer, Dr. Peter Hartmann, Dr. Werner Paravicini, Dr. Jürgen Voss, Regierungs-Amtmann Adolph Schmidt und die Sekretärin Fräulein Cornelia Wacheck. Aus der Arbeit des DHIP 945 Das Kolloquium verlief nach folgendem Programm: Samstag, 28. 9. 1974 9.00 1. Arbeitssitzung in der Herzog August Bibliothek. Begrüßung der Gäste durch den Direktor des DHI Paris, Prof. Dr. Karl Ferdinand Werner. Prof. Dr. Fritz Wagner, München: Der Wissenschaftsbegriff im Zeitalter der Aufklärung. M. Bruno Neveu, Paris/Rom: Mabillon et la science historique en France vers 1700. Dr. Günter Scheel, Hannover: Leibniz und die deutsche Geschichtswis¬ senschaft um 1700. 14.30 2. Arbeitssitzung M. Pierre Gasnault, Paris: Les travaux d'érudition des Mauristes au XVIII* siècle. Dr. Ludwig Hammermayer, München: Die Forschungszentren der deut¬ schen Benediktiner und ihre Vorhaben. M. Dieter Gembicki, Genève: Le Dépôt des Chartes 1762-1791. Un centre de recherches historiques. Sonntag, 29. 9. 1974 9.00 3. Arbeitssitzung M. Henri Duranton, Saint-Êtienne: La recherche historique à l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres. Prof. Dr. Andreas Kraus, Regensburg: Die Geschichtswissenschaft an den deutschen Akademien des 18. Jahrhunderts. M. Daniel Roche, Paris: Le rôle de l'histoire dans l'activité des académies de province au XVIIIe siècle. 15.00 Besuch des Staatsarchivs mit anschließender Stadtbesichtigung unter der Führung von Staatsarchivdirektor Dr. Josef König. Montag, 30. 9.1974 9.00 4. Arbeitssitzung Prof. Dr. Peter Stadler, Zürich: Die schweizerische Geschichtsforschung im 18. Jahrhundert. Prof. Dr. Manfred Schlenke, Mannheim: Ansätze zur Begründung der Geschichtswissenschaft in Großbritannien im 18. Jahrhundert. Dr. Jürgen Voss, Paris: Das Elsaß als Mittler zwischen deutscher und französischer Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert. 12.00 Empfang durch den Herrn Bürgermeister der Stadt Wolfenbüttel in den historischen Wohnräumen des Schlosses. 15.00 5. Arbeitssitzung M. Robert Mandrou, Paris: La méthode historique de Voltaire dans »le siècle de Louis XIV«. Prof. Dr. Emilio Bussi, Modena: Die wissenschaftliche Methode in der Lehrart des Staatsrechts und des Reichsrechts im Zeitalter der Aufklärung. 946 Aus der Arbeit des DHIP Dr. Otto Dann, Köln: Geschichte und historische Forschung in den deut¬ schen Zeitschriften des 18. Jahrhunderts. 19.00 Fahrt ins Reitiingstal Dienstag, 1. 10. 1974 9.00 6. Arbeitssitzung Prof. Dr. Rudolf Vierhaus, Göttingen: Geschichtsschreibung als Literatur im 18. Jahrhundert. Prof. Dr. Notker Hammerstein, Frankfurt/Main: Der Anteil des 18. Jahr¬ hunderts an der Entwicklung der historischen Schulen des 19. Jahrhun¬ derts. Schlußdiskussion des Kolloquiums. Das Kolloquium setzte sich zum Ziel, die wissenschaftsorganisatorischen, geistigen und sozialen Bedingungen historischer Forschung im sogenannten vor¬ kritischen Zeitalter aufzuzeigen und dabei deutlich werden zu lassen, in wel¬ chem Ausmaße das 19. Jahrhundert, das »Jahrhundert der Geschichte«, von den wissenschaftlichen Ansätzen und Leistungen der Vorgänger bedingt war. Dabei war beabsichtigt, durch die Gegenüberstellung der Verhältnisse in Frankreich, das im 18. Jahrhundert in der Geschichtswissenschaft führend war, und jenen in Deutschland, das im 19. Jahrhundert führend wurde, sowie durch Vergleiche mit der Situation in benachbarten Ländern wie England und der Schweiz gemeinsame und sich voneinander abhebende Entwicklungslinien her¬ ausarbeiten zu lassen. Die einzelnen Arbeitssitzungen stellten, wie das Programm zeigt, relativ geschlossene Einheiten dar. Die erste Sitzung führte in die wissenschaftstheoretischen und forschungsge¬ schichtlichen Voraussetzungen des 18. Jahrhunderts ein. Die verschiedenartige Organisationsstruktur, Aufgabenstellung und Forschungsvorhaben französischer und deutscher Benediktiner wurden zusammen mit dem »Dépôt des chartes«, der ersten zentralen staatlichen Institution mit Forschungsaufgaben, in der zweiten Sitzung umrissen. Der dritte Abschnitt der Tagung stand ganz im Zeichen der Akademien und ihrer vielfältigen Aktivitäten für die deutsche und französische Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert. Mit den Beiträgen der vierten Ar¬ beitssitzung wurden die komparatistischen Aspekte vertieft und die im 18. Jahr¬ hundert vorherrschenden Formen wissenschaftlicher Kommunikation analysiert. Eine Reihe zentraler methodologischer Problemstellungen und die Frage nach dem Verhältnis Geschichtswissenschaft und Publizistik standen während der 5. Sitzung im Mittelpunkt. Die Schlußsitzung stellte, unter bestimmten Perspekti¬ ven, Zusammenfassung und zugleich Ausblick über die weitere Entwicklung der Historiographie und geschichtswissenschaftlicher Organisationsformen dar. Die im Anschluß an die jeweilige Arbeitssitzung stattfindenden regen Diskussionen brachten vielfache Erörterung und Vertiefung der in den Beiträgen angespro¬ chenen Probleme und wiesen auf weitere wichtige Fragen aus dem Kontext der Gesamtthematik hin. Aus der Arbeit des DHIP 947 Die Veranstalter sind sich bewußt, bei weitem nicht alle Problemkreise der historischen Forschung und der Geschichtsschreibung des Aufklärungszeitalters im Programm dieses Kolloquiums behandelt zu haben1. Jürgen Voss 1 Eine willkommene thematische Ergänzung zu unseren Bemühungen in Wolfenbüttel stellt das »10* Colloque d'Aix-en-Provence* vom Mai 1975 über »Histoire et Historiens au XVIIIe siècle« dar. Abstract

