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M. Printy, Enlightenment and the Creation of German Catholicism (Klaus Unterburger)

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Michael Printy, Enlightenment and the Creation of German Catholicism

Francia-Recensio 2011/4 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Michael Printy, Enlightenment and the Creation of German Catholicism, Cambridge (Cambridge Universitay Press) 2009, VIII–246 p., ISBN 978-0-521-47839-7, GBP 48,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Klaus Unterburger, Münster

In seiner an der Universität Berkeley/California verfassten Dissertation zeichnet Michael Printy anhand zentraler Positionen das Denken der »katholischen Aufklärung« in Bezug auf die Kirche im Hl. Römischen Reich nach; er befragt diese Konzepte dann darauf, welchen (lange verkannten) katholischen Beitrag das späte 18. Jahrhundert zur Ausbildung eines deutschen Bürger- und Nationalbewusstseins entwickelt hat. Die Studie ist so in historiographischer Hinsicht explizit antiborussisch-revisionistisch, insofern sie a) einen spezifischen Beitrag der katholischen Denker höher bewertet, als dies gemeinhin geschah und b) einen Zusammenhang zwischen der Aufklärungszeit und dem 19. Jahrhundert trotz aller Umbrüche für das katholische Deutschland weit stärker machen will, als dies üblich ist.

Der Hauptteil zeichnet zunächst zentrale Positionen und Themenfelder der »katholischen Aufklärung« nach, die als gemäßigte, christentumskonforme, ja endogen-reformkatholisch gespeiste deutsche Eigenform der aufklärerischen Bewegung charakterisiert wird. Denker wie Nikolaus Hontheim (»Febronius«, 1763) sammelten die »Freiheiten« der deutschen Kirche; Kanonisten, die wie Bernhard Zeger van Espen (Ius ecclesiasticum universum), Johann Kaspar Barthel und Hontheim mit einer historischen Methode arbeiteten, suchten die Disziplin der antiken Kirche für die Kirchenreform der Gegenwart fruchtbar zu machen und durch historische Dekonstruktion der päpstlich-kurialen Prätentionen als begründet zu erweisen. Auch das Verhältnis von Staat und Kirche wurde neu durchdacht. Während Johann Adam Ickstatt Praktiken der katholischen Religion für den ökonomischen Rückstand der katholischen Territorien im Reich verantwortlich machte, Peter von Osterwald gegen die Immunitäten und Privilegien des Klerikerstandes schrieb, wurde unter dem Pseudoynm »Johann Georg Neuberger« (hinter dem Osterwald oder Anton Eisenreich vermutet wurden) für das bayerische Amortisationsgesetz von 1764 und die Umwandlung von klösterlichen Stiftungen aus Gemeinwohlinteressen argumentiert. Der Ensdorfer Benedikterabt Anselm Desing wollte hiergegen zeigen, dass Klerus, Klöster und deren Besitz im Interesse eines Landes lägen. Für den Zusammenhalt des Alten Reichs, so Printy, sei die aristokratisch geprägte Reichskirche von überragender Bedeutung gewesen. Der belgische Ex-Jesuit François Feller kritisierte aber nicht nur die Beschlüsse von Bad Ems (1786) mit ihrem Rückgang auf das alte Kirchenrecht, sondern auch die mit ihrer Funktion als Reichsfürsten einhergehende Lebensform der Angehörigen des Reichsepiskopats. Er konnte dabei an einen breiten kontroversen Diskurs über die Sinnhaftigkeit der geistlichen Staaten und der geistlich-weltlichen Doppelfunktion der Bischöfe anknüpfen (Johann Stephan Pütter, Carl Friedrich von Moser, Joseph Sartori). Um die Stellung der Kirche im »absolutistischen Staat« neu zu definieren, entwickelten josephinische Kanonisten wie Paul Joseph Anton Riegger und Josef Johann Nepomuk Pehem in rezipierender Auseinandersetzung mit protestantischen Naturrechtstheorien die Unterscheidung von ius in sacra und ius circa sacra, um gewisse Eingriffe des Kaisers in die kirchliche Disziplin zu rechtfertigen, dazu die Neudefinition von Staat und Kirche als zweier societates mit je unterschiedlichen Zwecken, die unabhängig ihren Gesetzmäßigkeiten folgen, ohne miteinander in Konflikt zu kommen (societates perfectae). Gemeinsames Band reformkatholischer Ansätze war der Antijesuitismus, der sich gegen die rural (»abergläubisch«) geprägte Barockfrömmigkeit und das jesuitische Erziehungssystem wandte und eine neue Form eines »bürgerlichen Katholizismus«, den die Jesuiten selbst prägend mit hervorgebracht hatten, entwickelte (besonders kritisch Peter Philip Wolf, Allgemeine Geschichte der Jesuiten). Das sich formierende frühe katholische Bürgertum war so im 18. Jahrhundert zwischen die Loyalitätsforderungen von Staat und Kirche gestellt. Religion sollte vor allem Erziehung zu Moralität und innerlicher Gottesverehrung gewährleisten, was zahlreiche neue Erziehungsprogramme und gelehrte Projekte wie Zeitschriften und universitäre Einrichtungen entstehen ließ. Nicht jeder ging so weit wie der Mainzer Felix Anton Blau, doch tendierte das sich formierende Bürgertum dazu, die Kirche als Republik zu sehen und die papalistischen Ansprüche auf Primat und Unfehlbarkeit zurückzuweisen. Eine Reform und Hebung der Klerikerbildung wurde vielfach angestrebt, wobei hier Staat, Kirche und monastische Institutionen mitunter in Konkurrenz standen und die Frage des Zölibats kontrovers (pro: Fingerlos, Stattler, Schelle, contra: Wolf) diskutiert wurde, der Priester aber vor allem nach dem Bild eines aufgeklärten Philosophen selbst Vorbild sein sollte. Schließlich entwickelten die deutschsprachigen Katholiken auch mit Michael Ignaz Schmidts »Geschichte der Deutschen« ein aufgeklärtes Narrativ, in dem das Christentum durchaus zu Fortschritt, Zivilisation und Höherentwicklung geführt habe, die nationale Einheit jedoch immer wieder durch Partikularismen, besonders aber durch den Fanatismus der Reformatoren und jesuitischen Gegenreformatoren, beschädigt worden sei.

So nehmen die skizzierten Aspekte im Neudurchdenken der Idee von »Kirche« in Printys Studie den Hauptteil ein; ihm ist hier eine klar geschriebene, solide Darstellung gelungen, bei der kleinere Fehler (Entstehung der Kölner Nuntiatur S. 52, Schreibweise der deutschen Buchtitel u. a.) nicht ins Gewicht fallen. Leider sehr knapp und eher nur behauptend wird dann aber das eigentlich Innovative behandelt, nämlich die Frage, inwieweit die Ideen, Selbstverständnisse und Narrative des 18. Jahrhunderts trotz aller Ultramontanisierung doch länger fortwirkten und inwiefern das deutsche Nationalbewusstsein dann auch katholische Wurzeln gehabt hat. Das wäre trotz des Titels wohl noch einmal ein anderes Buch gewesen.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

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Zitation
 
: Rezension von: Michael Printy, Enlightenment and the Creation of German Catholicism, Cam-bridge (Cambridge Universitay Press) 2009, VIII–246 p., ISBN 978-0-521-47839-7, GBP 48,00.
In: Francia-Recensio 2011/4 | Frühe Neuzeit - Revolution - Empire (1500-1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2011-4/FN/printy_unterburger
Veröffentlicht am: May 20, 2013
Zugriff vom: May 20, 2013
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