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M. Cobb, The Resistance (Stefan Martens)

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Matthew Cobb, The Resistance. The French Fight Against the Nazis

Francia-Recensio 2010/2 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine

Matthew Cobb, The Resistance. The French Fight Against the Nazis, London, New York, Sydney, Toronto (Simon & Schuster) 2009, XII–403 S., 32 Abb., ISBN 978-1-84737-123-2, GBP 17,99.

rezensiert von/compte rendu par

Stefan Martens, Paris

Die Einschätzung der Bedeutung der französischen Résistance im Zweiten Weltkrieg hat in den letzten Jahren einen dramatischen Wandel erfahren. Nachdem die Ereignisse in Frankreich in den ersten Jahrzehnten nach dem Ende des Krieges in Büchern und Memoiren sowie im Film ausgiebig gewürdigt und oft losgelöst von jeder Realität zu einem Mythos verklärt worden waren, setzte Ende der 1960er Jahre allmählich ein Wandel ein. Gestützt auf die Archive, die zunächst in Großbritannien und danach auch in Frankreich der Forschung zugänglich wurden, konnten die Ereignisse und deren Hintergründe sowie die Motive und jeweilige Rolle der einzelnen Akteure neu beleuchtet werden. Damit geriet zugleich aber auch das sorgsam gepflegte Bild von einer entschlossen und gemeinsam gegen den deutschen Besatzer kämpfenden Widerstandsbewegung ins Wanken. Schon vor dem Tod de Gaulles brachen in Frankreich die alten Gegensätze zwischen den verschiedenen politischen Richtungen und Lagern wieder auf. Gleichzeitig wurde mit Blick auf den Verlauf des Krieges durch deutsche und amerikanische, vor allem aber auch durch britische Studien immer häufiger die Frage nach der Bedeutung und dem militärischen Wert der Aktivitäten der Résistance im Zuge der Befreiung des Landes gestellt.

Das Buch von Matthew Cobb, lecturer an der University of Manchester, richtet sich vordergründig an ein breites Publikum. Doch handelt es sich nicht einfach nur um eine spannend geschriebene Geschichte der Résistance von ihren Anfängen nach dem überraschend schnellen Zusammenbruch Frankreichs im Sommer 1940 bis zur Euphorie der Befreiung im August 1944. Auf engem Raum schildert er in zehn Kapiteln den aufopferungsvollen Kampf gegen die deutschen Häscher mit all seinen Höhen und Tiefen. Er stellt deren Anführer vor und verdeutlicht an ihren Aktionen und Gesprächen deren oft sehr unterschiedliche Zielsetzungen und Strategien. Cobb spart dabei mit Blick auf die für die Betroffenen oft tödlichen Folgen nicht mit Kritik angesichts der während des gesamten Kriegsverlaufs immer wieder zu beobachtenden geradezu amateurhaft anmutenden Fehler der Akteure. Zugleich macht er aber auch deutlich, dass es sich keineswegs nur um Naivität oder Selbstüberschätzung auf französischer Seite, sondern oft auch um massive handwerklicher Fehler auf Seiten der Spezialisten der britischen Geheimdienste und ihrer Sondereinheiten handelte. Vor allem aber wird aus seiner Darstellung deutlich, dass der Alltag eines Lebens im Widerstand auch nicht annähernd jener populären Vorstellung entsprach, die später im Film zum gängigen Topos wurde: »a man in a black leather jacket laying explosives on a railway track, accompanied by a woman in a beret carrying a Sten gun, the pair of them on the run from the Gestapo« (S. 125).

Auch wenn die Erfolge der Geheimen Feldpolizei, der Abwehr und des SD bei der Bekämpfung, Verhaftung und Vernichtung der verschiedenen Widerstandsorganisationen wie ein roter Faden das Buch durchziehen, bleiben die Akteure auf deutscher Seite im Hintergrund. Dies ist nicht zuletzt auch deshalb bedauerlich, weil durch die fehlende Differenzierung zwischen den Akteuren auf deutscher Seite das Bild unvollständig bleibt. Zwar ist die Quellenlage nach wie vor schwierig, doch haben hier in den letzten Jahren Ulrich Herbert, Regina Delacor und Ahlrich Meyer sowie Bernd Kasten oder Klaus-Michael Mallmann wichtige Beiträge geleistet. Leider scheint Cobb ihre Arbeiten nicht zu kennen, wie ein Blick in die Auswahlbibliographie am Ende des Bandes zeigt, in der er vor allem französische und englische Publikationen aufgelistet hat.

Breiten Raum widmet er dagegen der Auseinandersetzung zwischen dem inneren und dem äußeren Widerstand. Die Rolle Jean Moulins wird von ihm ebenso ausgiebig gewürdigt, wie er auf der anderen Seite die Haltung de Gaulles in den verschiedenen Phasen während des Krieges und in den Tagen der Befreiung kritisch hinterfragt. Nicht nur, dass der General bei seiner berühmten Ansprache im Pariser Rathaus den Namen jenes Mannes mit keiner Silbe erwähnte, der ihm den Weg an die Spitze der französischen Widerstandsbewegung geebnet hatte. Auch während des Defilees am folgenden Tag über die Champs-Élysées achtete de Gaulle sorgfältig darauf, dass die von ihm gewünschte Rangfolge gewahrt blieb. Georges Bidault, der Nachfolger Moulins an der Spitze des Conseil national de la Résistance wurde von ihm ebenso in die zweite Reihe verwiesen, wie der eigentliche Befreier von Paris, General Philippe Leclerc, der Führer der 2e divison blindée.

Im Vergleich zu der eindrucksvollen Schilderung der Ereignisse während des Krieges bleibt das Schlusskapitel, von Cobb mit Aftermath (Nachwirkungen, Folgen) überschrieben, leider ein wenig blass. Der schwierige Dialog zwischen Zeitzeugen und Historikern seit dem Ende der 1960er Jahre wird im Zusammenhang mit der Affäre um die angebliche Zusammenarbeit zwischen den Aubracs und Klaus Barbie zwar kurz angesprochen, doch nicht im einzelnen thematisiert. Andererseits muss man Cobb zu Gute halten, dass sich als Folge des verbesserten Zugangs zu den Archiven der Forschung erst in den letzten Jahren verschiedene Aspekte in ihrer vollen Tragweite erschlossen haben. Manche Ereignisse und Schicksale erscheinen dadurch in einem anderen Licht und sind im Hinblick auf die Geschichte der französischen Résistance neu zu bewerten.

Insgesamt handelt es sich um eine beeindruckende Leistung, die Matthew Cobb mit diesem Buch vorgelegt hat – trotz kleiner Abstriche und bisweilen auch Fehler im Detail, denn Mussolini wurde natürlich nicht »eventually killed in April 1944« (S. 191)

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Zitierhinweis
Empfohlene Zitierhinweise:
M. Cobb, The Resistance (Stefan Martens)
In: Francia-Recensio, 2010-2, 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2010-2/ZG/cobb_martens
Dokument zuletzt verändert am: Jul 02, 2010 11:49 AM
Zugriff vom: May 25, 2012