H. Bock, C. Defrance, G. Krebs, U. Pfeil, Les Jeunes dans les relations transnationales (Ulrich Lappenküper)
Hans Manfred Bock, Corine Defrance, Gilbert
Krebs, Ulrich Pfeil (dir.), Les Jeunes dans les relations
transnationales. L’Office franco-allemand pour la jeunesse
1963–2008, Paris (Presses Sorbonne Nouvelle) 2008, 480 S., ISBN
978-2-87854-427-5, EUR 29,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Ulrich Lappenküper, Friedrichsruh
In der Überzeugung, dass der Jugend bei der Festigung der deutsch-französischen Freundschaft nach Jahrzehnten der »Erbfeindschaft« eine entscheidende Rolle zukomme, beschlossen die Bundesrepublik und Frankreich 1963 die Errichtung eines gemeinsamen Jugendwerkes, das »die Bande« zwischen den Jugendlichen beider Länder »enger gestalten und ihr Verständnis füreinander vertiefen« sollte. Aus Anlass des 45-jährigen Bestehens dieser ebenso bekannten wie unerforschten Institution präsentieren Hans Manfred Bock, Corine Defrance, Gilbert Krebs und Ulrich Pfeil nun einen Sammelband, der die Geschichte des DFJW/OFAJ kritisch unter die Lupe nimmt. Aufbauend auf einer von Bock 2003 vorgelegten schmaleren deutschsprachigen Version, schildern die 19 Beiträge mit einer konsequent politisch-soziologischen Optik einerseits die großen Linien der Geschichte von der Gründung bis in die jüngste Gegenwart, andererseits dessen Stellung im institutionellen Geflecht der auswärtigen Kulturpolitik und sonstigen Träger des transnationalen Jugendaustauschs beider Staaten. Nach einer Reihe chronologischer Untersuchungen über die von »graves crises« (Katja Marmetschke, S. 89), stetigen Veränderungen des politisch-gesellschaftlichen Umfeldes und Reformen der Verwaltungsstruktur, der Arbeitsweise und des Selbstverständnisses geprägte Entwicklung bietet der Band diverse Längsschnitte über spezifische Förderungstätigkeiten des DFJW/OFAJ von den Sportbegegnungsprogrammen über die Künstler-, Schüler-, Studenten- und Berufstätigenförderung bis zur Fremdsprachenerziehung.
Mag der deutsch-französische Austausch auch inzwischen die Aura des Besonderen verloren haben, darf das nach wie vor um »l’apprentissage interculturel« (Eva Sabine Kuntz/Max Claudet, S. 439) bemühte Jugendwerk doch weiterhin als ein »principal pilier des échanges franco-allemands de jeunesse« (Ansbert Baumann, S. 41) gelten. Die jüngst vorgenommene Vertragsreform wird allerdings wohl nur dann zu dem erwünschten Erfolg führen, wenn die angestrebte Stärkung der administrativen Strukturen erreicht wird, »sans affaiblir la motivation des acteurs sociaux« (Hans Manfred Bock, S. 211).
Ungeachtet der von den Herausgebern eingeräumten methodologischen und materiellen Grenzen kann der mit einem umfangreichen Dokumentenhang auf einer CD-ROM angereicherte Sammelband nicht hoch genug gerühmt werden. Seine innovativen und herausfordernden Interpretationen werden die Forschung gewiss lange beschäftigen.
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