You are here: Home content Publikationen Francia-Online Francia-Recensio 2010-2 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine F. Audigier, F. Schwindt, Gaullisme et gaullistes dans la France de l'Est sous la IVe République (Herbert Elzer)
Personal tools
Navigation
 

F. Audigier, F. Schwindt, Gaullisme et gaullistes dans la France de l'Est sous la IVe République (Herbert Elzer)

— filed under:
François Audigier, Frédéric Schwindt (dir.), Gaullisme et gaullistes dans la France de l'Est sous la IVe République. Préface d'Alain Larcan

Francia-Recensio 2010/2 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine

François Audigier, Frédéric Schwindt (dir.), Gaullisme et gaullistes dans la France de l'Est sous la IVe République. Préface d'Alain Larcan, Rennes (Presses universitaires de Rennes) 2009, 421 S., ISBN 978-2-7535-0847-7, EUR 20,00.

rezensiert von/compte rendur rédigé par

Herbert Elzer, Andernach

Die Verwurzelung französischer Parteien in den verschiedenen Regionen ist noch wenig untersucht. Das gilt ganz besonders für die Bewegung von General Charles de Gaulle, die eben keine Partei sein wollte, sondern die Franzosen gesinnungseinend um sich zu scharen trachtete. Der Übergang vom emotionalen Gaullismus der Résistance zum politischen Gaullismus der Nachkriegszeit stellte kein geringes Problem dar. Der vorliegende Sammelband beruht auf einer Tagung der Fondation Charles de Gaulle in Nancy im Jahre 2007. Es geht darin um die Geschichte des Gaullismus in der IV. Republik, also der Rassemblement du peuple français (RPF) und dessen Nachfolgeorganisationen, insbesondere die Républicains sociaux. Räumlich bezieht sich das Projekt auf die östlichen Departements. Im Besitz der Fondation Charles de Gaulle befindet sich ein reichhaltiger Fundus an Material über die dem General nahestehenden Gruppierungen quer durch Frankreich. Der Gaullismus schöpfte seine Kraft aus zwei Quellen: der klassischen Rechten und den résistants, die alle in de Gaulle ihren Heros sahen. Als die Parlamentswahlen vom Juni 1951 dem RPF nur einen begrenzten Erfolg brachten und er die gewieften Machtstrategen der »Regimeparteien« nicht aus dem Sattel zu heben vermochte, nahm de Gaulle dies zum Anlass seines vorläufigen Abschieds von der politischen Bühne. Viele ihm nahestehende Politiker gerieten in den Folgejahren in das Dilemma, sich nicht jeder Mitarbeit in den Gremien der ungeliebten IV. Republik verweigern zu können, wie ihr für eine stärkere Position der Exekutive plädierender Inspirator es von ihnen erwartete. Das war in Thionville oder Straßburg nicht anders als in Paris.

Das Buch ist in fünf Kapitel untergliedert: Teil I spürt der besonderen Beziehung de Gaulles zu »France de l’Est« nach; Teil II untersucht die institutionelle Verankerung des RPF in den einzelnen Gebieten; Teil III begutachtet die maßgebenden Persönlichkeiten und ihre Wahlerfolge; Teil IV nimmt andere Parteien als Partner und Rivalen des RPF in Augenschein; Teil V umfasst einige Einzelthemen unter der Überschrift »De la Guerre à la Ve République«.

Der Gaullismus war insgesamt stark im Osten Frankreichs. In mehreren Beiträgen wird dies für jede Region einzeln untersucht, denn sie können beileibe nicht über einen Kamm geschoren werden. Aurélie Rey erläutert beispielshalber, wie im konservativ gestimmten Departement Moselle die Unabhängigen (modérés) vom RPF zunächst verdrängt wurden, um nach dem Rückzug de Gaulles ins Privatleben 1953 ebenso rasch wieder dominant zu werden. Im Departement Haut-Rhin lief der RPF den katholischen Volksrepublikanern (MRP) vorübergehend den Rang ab – auch durch Übernahme konfessioneller Forderungen –, während im Departement Bas-Rhin respektable Köpfe des MRP wie Henri Meck und Pierre Pflimlin einen Durchbruch der Gaullisten verhüteten (François Igersheim). Pascal Girard schildert, warum die Gaullisten im Departement Aube am wenigsten bewirkten. Mehrfach werden einzelne Persönlichkeiten im Umkreis des Gaullismus vorgestellt, so der greise Louis Marin (Meurthe-et-Moselle) – auch ein Mann des Widerstandes, für Staatsautorität und Vaterland wie de Gaulle, aber zu eigenwillig für eine Mitgliedschaft im RPF. Mit den Kommunisten wurde mancher Strauß ausgefochten – doch in beschaulichen Landstrichen wie Marne oder Haute-Saône verlief dies glimpflicher als in den Metropolen des Hexagon (François Audigier). Frédérique Dufour widmet sich de Gaulles Heimatgemeinde Colombey-les-deux-Églises, Exil und strategischer Rückzugsort für den charismatischen Franzosen mit Sinn für Bodenständigkeit.

Deutschland grenzt an die hier behandelten Territorien, zu denen auch das einstmals umstrittene Elsass-Lothringen zählt. Man entdeckt zu den deutsch-französischen Beziehungen im weitesten Sinne drei Beiträge: Chantal Metzger zeigt die Sympathie vieler Gaullisten für die DDR, was auf das Unbehagen gegenüber einem mächtigen Deutschland zurückzuführen ist, mit dem sich die dezidierten französischen Patrioten schwer taten. Emmanuel Droit folgt den eher vagen Spuren der Aktivitäten des RPF in der Französischen Besatzungszone. Frédéric Turpin portraitiert den ehemaligen Militärgouverneur in der Zone française d’occupation, General Pierre Koenig, als gaullistischen Politiker im Departement Bas-Rhin (bis 1958). Koenig wurde 1954 und 1955 kurzzeitig Verteidigungsminister, womit er de Gaulles Enthaltsamkeitsforderung zuwiderhandelte. Das endgültige Zerwürfnis datiert aus der V. Republik: Algerien und Israel entzweite sie. Wer indessen nähere Aufschlüsse über die Haltung des RPF der französischen Ostprovinzen zu Deutschland erhofft hat, wird hier nicht fündig.

So ist der Horizont des Werkes bewusst und legitimerweise ein strikt regionaler, der auf Klassikern wie Jean Charlots »Gaullisme d’opposition« aufbaut und eine Ergänzung zu voluminösen Tagungsbänden über spezifische Teilaspekte des Gaullismus bieten will. Für deutsche Leser, die an Frankreich interessiert sind, gehört das Werk sicher nicht zur Pflichtlektüre. Wer die jüngste Geschichte der französischen Rechten in den östlichen Departements im Detail nachvollziehen möchte, wird ganz gewiss viel Neues erfahren.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Document Actions
Zitierhinweis
Empfohlene Zitierhinweise:
F. Audigier, F. Schwindt, Gaullisme et gaullistes dans la France de l'Est sous la IVe République (Herbert Elzer)
In: Francia-Recensio, 2010-2, 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2010-2/ZG/audigier-schwindt_elzer
Dokument zuletzt verändert am: Jul 08, 2010 10:03 AM
Zugriff vom: May 25, 2012