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M. Grenon, Conflits sud-italiens et Royaume normand (1016–1198) (Alheydis Plassmann)

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Michel Grenon, Conflits sud-italiens et royaume normand (1016–1198). Préface de Pierre Bouet

Francia-Recensio 2010/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Michel Grenon, Conflits sud-italiens et royaume normand (1016–1198). Préface de Pierre Bouet, Paris (L’Harmattan) 2008, 462 p., ISBN 978-2-296-06964-0, EUR 40,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Alheydis Plassmann, Bonn

Die süditalienischen Reiche der Normannen haben schon immer derart fasziniert, dass sich Laien der dortigen Geschichte angenommen haben. Als bedeutender und zum Teil wissenschaftlich anerkannter wäre etwa John Julius Norwich zu nennen, auf den sich auch Grenon des Öfteren beruft. Der Verfasser war hauptberuflich in der Wirtschaft tätig und hat sich wohl aus Bildungsinteresse der Geschichte der Normannen in Süditalien zugewandt und sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der normannischen Herrschaftsbildung im Beziehungsgeflecht der zeitgenössischen Mächte darzustellen. Zu diesen zählen das Papsttum, das byzantinische Kaisertum, das römisch-deutsche Kaisertum und wenigstens gelegentlich das muslimische Ägypten. Zur Einordnung der normannischen Geschichte holt Grenon weit aus, indem er die Geschichte des Mezzogiorno bis in die Zeit der Karolinger zurückführt, um erklären zu können, welche Protagonisten dann ab 1016 die dortigen Geschicke bestimmten (L’Italie du Sud et la Sicile avant les Normands, S. 19–113). Anschließend stellt er die jeweiligen Protagonisten der Familie Hauteville in den Vordergrund und bezieht sich Abschnitt für Abschnitt auch auf die römisch-deutschen, byzantinischen und päpstlichen, teils Gegenspieler, teils Helfer der Normannen, deren Hintergrund er jeweils ausleuchtet. So behandelt er Robert Guiscard (Robert Guiscard, S. 115–217), Graf Roger I. und Roger II. sowie Wilhelm I. (Royauté, S. 243–382), Wilhelm II. und schließlich Tankred (La fin du royaume Normand, S. 383–441). An sich ist es durchaus begrüßenswert, dass die Geschichte der Hauteville-Herrschaftsbildung in ihrem weiten politischen Aktionsraum erklärt wird, nur leider geschieht dies von einer doch zu engen ereignisgeschichtlichen Perspektive aus, von der aus der Kontext der strukturellen Entwicklungsfaktoren vernachlässigt wird, die oftmals nur behauptend gestreift werden. So wird beispielsweise mit dem Ende des Normannenreiches der Untergang der normannischen Toleranz beweint, die die neuere Forschung zu den Hauteville durchaus in einen pragmatischen und eben nicht »ideologischen« Kontext gestellt hat. Der angestrebte große Rahmen verkleinert sich durch die Einengung auf das rein Politische über Gebühr. Dass im einführenden Teil zentrale neuere Forschungserkenntnisse schlichtweg übersehen werden – so etwa gilt dem Verfasser Karl Martell weiterhin als unehelich (S. 58) – wird man angesichts der Fülle der abzuhandelnden Jahre von der Spätantike bis 1016 noch nachsehen, aber die unbekümmerte Übernahme von längst in Frage gestellten Forschungskonstrukten wie etwa dem »Reichskirchensystem« im Hauptteil (S. 182ff.) bedeutet, dass der Nutzen für den Leser hinter einem üblichen wissenschaftlichen Handbuch zurückbleibt. Der Leser kann sich eben nicht darauf verlassen, dass die Schilderungen über das weitere Umfeld der Hauteville dem neuesten Forschungsstand entsprechen. Aber sogar beim eigentlichen Thema der Normannenkönige werden neuere Erkenntnisse nicht unbedingt berücksichtigt, zumal wenn sie aus deutscher Feder stammen. Richard Bünemann, Robert Guiscard, Köln 1997, etwa wird ignoriert, Hubert Houben, Roger II., Darmstadt 1997, nur in der englischen Übersetzung herangezogen. Robert Guiscard wird also in sehr traditioneller Weise als abenteuerlustiger und nicht immer zielgerichteter Eroberer beschrieben, während die intensiven Bemühungen um Stabilisierung der eroberten Gebiete zu kurz kommen. Gesetze der Hauteville werden nur am Rande erwähnt, Klosterpolitik, Administration und andere durchaus wichtige Aspekte der Normannenherrschaft bleiben außen vor. Die Gestaltung des Buches ist wenig angenehm. Kapitelüberschriften schließen ohne Abstand direkt an den Text an, so dass der Text kaum gegliedert erscheint. Man möchte dem Verfasser den Eifer nicht madig machen, mit dem er sich an das umfangreiche Werk gemacht hat, der Nutzen für die Wissenschaft ist indes gering.

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M. Grenon, Conflits sud-italiens et Royaume normand (1016–1198) (Alheydis Plassmann)
In: Francia-Recensio, 2010-2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2010-2/MA/grenon_plassmann
Dokument zuletzt verändert am: Jul 01, 2010 05:04 PM
Zugriff vom: May 25, 2012