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N. Petiteau, Les Français et l'Empire (1799–1815) (Bettina Severin-Barboutie)

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Natalie Petiteau, Les Français et l’Empire (1799–1815)

Francia-Recensio 2010/2 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Natalie Petiteau, Les Français et l’Empire (1799–1815), Paris (La Boutique de l’histoire) 2008, 278 S. (Pass-E-Présent ), ISBN 978-2910828-46-2, EUR 25,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Bettina Severin-Barboutie, Illkirch-Graffenstaden

Das vorliegende Werk über die Akzeptanz des Empire in der französischen Bevölkerung, das von der in Avignon lehrenden Historikerin Natalie Petiteau, einer ausgewiesenen Kennerin des napoleonischen Kaiserreichs, stammt, macht deutlich, dass wissenschaftliches Arbeiten nach wie vor innerhalb staatlicher Grenzen erfolgt – selbst dort, wo es sich um historische Zusammenhänge handelt, die, wie die Zeit des napoleonischen Empire, über den nationalstaatlichen Rahmen hinausweisen. Es zeigt ebenfalls, dass die Erkenntnisfindung in der Geschichtswissenschaft immer noch stark von nationalen Forschungskulturen und -traditionen geprägt ist. Denn während der Blickwinkel, den Petiteau in ihrer Studie einnimmt, für die französische Napoleon-Forschung einen Perspektivenwechsel bedeutet – darüber können auch die innovativen französischsprachigen Regional- und Lokalstudien nicht hinwegtäuschen –, ist er aus deutscher Sicht keineswegs neu, weil sich die Geschichtsschreibung der Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten zusehends neuen Perspektiven, Fragestellungen und Methoden bei der Erforschung der Zeit um 1800 geöffnet und dabei eine Reihe neuer Erkenntnisse auch im Hinblick auf das von Petiteau untersuchte Thema zutage gefördert hat.

Petiteau versteht ihre Arbeit als eine Sozialgeschichte der Politik, wobei es ihr im Kern darum geht, eine Geschichte der Reaktionen der französischen Bevölkerung auf das napoleonische Kaiserreich, genauer: eine Geschichte der Haltungen und Handlungen der französischen Untertanen zu schreiben, wie sie in den Akten der Staatsbehörden erkennbar sind. Denn aufgrund fehlender Quellen nichtstaatlicher Provenienz, insbesondere biographischer Selbstzeugnisse, beruht Petiteaus Darstellung vorrangig auf Überlieferungsgut amtlicher Quellen. Dass die Verfasserin ihren Fokus hierbei auf Frankreich richtet, ist von der Sache her sicherlich gerechtfertigt. Gleichwohl hätte man sich gelegentlich einen vergleichenden Blick über die nationalen Grenzen hinweg gewünscht.

Inhaltlich beleuchtet die Verfasserin in ihrer Untersuchung vor allem dreierlei. Anhand konkreter Beispiele erläutert sie zum ersten, wie sich die Akzeptanz bzw. Ablehnung des napoleonischen Kaiserreichs innerhalb der französischen Bevölkerung im zeitlichen Längsschnitt entwickelte. Bei Napoleons Herrschaftsantritt, das wird in diesem Zusammenhang deutlich, überwogen in der französischen Bevölkerung zunächst die positiven Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf Bonaparte. Die weiteren Entwicklungen im Kaiserreich führten jedoch in den Folgejahren vermehrt zu Widerstand und Protest, zunächst punktuell und geheim, gegen Ende des Kaiserreichs jedoch, zumal nachdem Frankreich selbst zum Kriegsschauplatz geworden war, immer häufiger und zusehends auch öffentlich. Hierbei wurden auch kollektive Protestformen reaktiviert, die zum Repertoire der vorrevolutionären Gesellschaft gehört hatten. Zum zweiten beleuchtet die Studie Möglichkeiten und Grenzen der staatlichen Maβnahmen zur Kontrolle und Beeinflussung der öffentlichen Meinungsbildung. Obwohl es der französischen Regierung gelang, Widerstand und Opposition in der Bevölkerung weitgehend zu unterdrücken, schaffte sie es letztlich nicht, sämtliche Einwohner für das Empire zu gewinnen – umso weniger, als die wachsenden Belastungen der Untertanen durch Steuern und Konskriptionen sowie durch schlechte Ernteerträge die Akzeptanz des Kaiserreichs in der Bevölkerung mehr und mehr schwächten. Zum dritten schlieβlich verweist die Studie auf die längerfristige Bedeutung der napoleonischen Herrschaft für die politische Kultur Frankreichs, erkennbar etwa in der Einübung von Opposition und Protest gegen die Staatsgewalt, in der Heroisierung und Mystifizierung einer Einzelperson oder in der Glorifizierung militärischer Erfolge.

Es bleibt zu hoffen, dass die Arbeit Petiteaus in der französischen Geschichtswissenschaft Schule macht und die von ihr eröffneten Perspektiven Anlass zu neuen Forschungsarbeiten geben. Dabei wäre auch ein über die nationalen Wissenschaftsgrenzen hinausreichender komparativer Blick auf die Geschichte der napoleonischen Herrschaft in Europa erkenntnisfördernd. Dass es an Vergleichsmomenten nicht fehlt, macht die aufschlussreiche und von einer profunden Kenntnis der Quellen zeugende Studie Petiteaus hinreichend deutlich.

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N. Petiteau, Les Français et l'Empire (1799–1815) (Bettina Severin-Barboutie)
In: Francia-Recensio, 2010-2, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2010-2/FN/petiteau_severin-barboutie
Dokument zuletzt verändert am: 01.07.2010 16:50
Zugriff vom: 08.02.2012