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M. Efrosini Gregory, Evolutionism in Eighteenth-Century French Thought (Christoph Mayer)

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Mary Efrosini Gregory, Evolutionism in Eighteenth-Century French Thought

Francia-Recensio 2010/2 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Mary Efrosini Gregory, Evolutionism in Eighteenth-Century French Thought, New York, Washington D. C./Baltimore, Bern et al. (Peter Lang) 2008, 356 S, (Currents in Comparative Romance Languages and Literatures, 166), ISBN 978-1-4331-0373-5, USD 80,95.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Christoph Oliver Mayer, Dresden

Die amerikanische Romanistin Mary Efrosini Gregory präsentiert mit ihrer sehr sorgfältigen Monographie zur Frage nach dem Ursprung des Menschen eine übersichtliche Darstellung der Debatte um die Idee der Evolution in der französischen Aufklärung. In ihren zehn Kapiteln zeigt sie die unterschiedlichen Standpunkte wie die der »Kreationisten« Buffon und Voltaire, der atheistischen Materialisten Maupertuis und Diderot, der »Panspermisten« Maillet und La Mettrie sowie des auch hier wieder angeblich nicht zu kategorisierenden Rousseau auf. Zudem erörtert sie an zwei Grundsatzdiskussionen – über die Möglichkeit, den Affen das Sprechen zu lehren und über die Frage der Rassendiskriminierung im Zeichen der Sklaverei – die zukunftsträchtige Diskussionslandschaft der französischen Aufklärer.

Verstörend wirkt bei einer romanistischen Publikation, dass die Werktitel allesamt auf Englisch wiedergegeben werden und Originalzitate sich zumeist nur in den Anmerkungen finden. Auch wenn zudem einige typographische Eigenheiten auffallen, so sind gerade das Literaturverzeichnis und das Register lobend hervorzuheben. Dankenswerterweise liefert die Autorin eine thematische Einleitung sowie eine zusammenfassende Schlussbetrachtung. Diese konzise Zuspitzung ihrer zuvor schon mehrfach wiederholten Thesen und Hauptbeispiele offenbart aber auch, dass inhaltlich darüber hinaus in den Einzelkapiteln vorwiegend nur noch Belegpassagen aus den Primärwerken angeboten werden und eine Anreihung von Zitaten nur wenig mehr Substanz offeriert. Die schon in der Einleitung gebotene Zusammenschau der Sekundärliteratur zeigt überdies, dass die Autorin hauptsächlich englischsprachige Veröffentlichungen rezipiert hat und nur spärlich aktuelle Diskussionsbeiträge zu ihrem Thema aus dem europäischen Raum und überhaupt keine jenseits der angloamerikanischen oder französischsprachigen Forschungslandschaft wahrgenommen hat. Eine wirkliche Bereicherung für die deutschsprachige Romanistik, deren diesbezügliche Kompetenz erheblich ausgeprägter scheint, kann hiermit nicht gelingen. Die Zielsetzung Gregorys, die Vielfalt und den Reichtum der aufklärerischen Ideen Frankreichs zu demonstrieren, scheint auch hierbei eher wie ein »Eulen nach Athen-Tragen«.

Der Platz des Menschen auf der Erde sei also auch von den philosophes verhandelt worden, die sich insbesondere an Aristoteles und Linné abgearbeitet haben und durch Fossilienfunde und Verhaltensstudien mit Affen inspiriert wurden. Gregory interpretiert wenig, sie kompiliert und konzentriert sich auf eine unerhörte Modernität der französischen Aufklärung, die gerade im Darwin-Jahr 2009 wiederum Konjunktur finden konnte. Was Darwin später Evolutionstheorie benennen wird, darum dreht sich der Ideenaustausch: Maillet (»Telliamed«) begründet den Ursprung des Lebens im Wasser; Montesquieu glaubt an eine Metamorphose der Tiere (Troglodyten-Episode in »Lettres persanes«) in den Menschen und den Einfluss der Klimatheorie (»De l’esprit des lois«). La Mettrie behauptet, atomistisch geprägt, die Menschen seien aus Eiern entstanden und die Entwicklung sei zufällig und planlos verlaufen. Buffon hingegen sieht den Menschen als perfekt vom Schöpfer kreiert und konfligiert somit mit Diderot, Maupertuis und Rousseau, während er am ehesten im Deisten Voltaire einen Verbündeten findet, der sein Glaubensgerüst in Gefahr durch die zunehmenden wissenschaftlichen Funde und Studien sieht. Maupertuis legt dar, wie vermeintliche Fehlentwicklungen zur Diversität unter den Lebewesen geführt haben und diese auch ein Bewusstsein von ihrer Differenz erworben haben, womit er also der Vererbung das Wort redet. Rousseau (»Discours sur l’origine de l’inégalité parmi les hommes«) wird uns schlichtweg von der Autorin als überzeugter Anhänger eines anthropologischen und sozialen Wandels und als Gegner jeglicher biologischer Evolution präsentiert. Neben die auf Personen bezogenen Kapitel tritt dann exemplarisch die Debatte um die von Diderot und La Mettrie bejahte Sprachfähigkeit der Affen, die das kartesianische System ins Wanken gebracht hätte, weil Sprache Seele vorausgesetzt hätte. Das Konzept der Rassenunterschiede wird durch die Sklavereifrage akut und verschärft sich zum Jahrhundertende, wo kurzzeitig mit der »Déclaration des droits de l’homme et du citoyen« 1789 in der Französischen Revolution die Sklaverei abgeschafft wird. Buffon, Diderot und Maupertuis wetteiferten mit Voltaire, der den Rassen unterschiedliche Herkunft unterstellte.

Was Gregory nicht thematisiert, sind die unterschiedlichen Textgattungen, die sie heranzieht, ist das Verhältnis von Fiktionalität und Traktatcharakter. Die schlichte Ineinssetzung der philosophischen Lehrmeinung mit dem oft fiktional Dargestellten wird genauso wenig problematisiert wie sie auf eine noch größere Anbindung an spätere Evolutionsforschung (Darwin) und Vererbungstheorien (Lamarck) leider verzichtet. Die ganze Bandbreite der gesellschaftswissenschaftlichen Evolutionstheorien1 und ihre erstaunliche Popularität heute werden zudem keineswegs für die eigene Studie gewinnbringend oder konfliktuell herangezogen.

1 Hier wären so unterschiedliche Titel zu nennen wie Thomas Junker, Uwe Hoßfeld, Die Entdeckung der Evolution, Darmstadt 2001 oder Werner J. Patzelt (Hg.), Evolutorischer Institutionalismus. Theorie und empirische Studien zu Evolution, Institutionalität und Geschichtlichkeit, Würzburg 2007.

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M. Efrosini Gregory, Evolutionism in Eighteenth-Century French Thought (Christoph Mayer)
In: Francia-Recensio, 2010-2, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2010-2/FN/efrosini-gregory_mayer
Dokument zuletzt verändert am: 08.07.2010 10:11
Zugriff vom: 08.02.2012