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K. Patel, Soldiers of Labor (Mark Spoerer)

— abgelegt unter:
Kiran Klaus Patel, Soldiers of Labor. Labor Service in Nazi Germany and New Deal America, 1933–1945

Francia-Recensio 2009/3 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine

Kiran Klaus Patel, Soldiers of Labor. Labor Service in Nazi Germany and New Deal America, 1933–1945. Translated by Thomas Dunlap, Washington, D. C., Cambridge (German Historical Institute and Cambridge University Press) 2005, XII–446 S., ISBN 0-521-83416-3, GBP 45,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Mark Spoerer, Paris

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) ist in der früheren Forschung als eine unbedeutende Institution im Rahmen des NS-Machtgefüges dargestellt worden. Dieses Bild kann Kiran Patel überzeugend widerlegen. Zwar blieb der Leiter des RAD, Konrad Hierl, entgegen seiner Ambitionen stets ein NS-Funktionär der zweiten Reihe, doch hatte der RAD zu seinen besten Zeiten etliche hunderttausend Mann (und einige wenige Frauen) in seinen Reihen und entfaltete vor allem Mitte der 1930er Jahre beträchtliche propagandistische Breitenwirkung.

Patels Studie ist in erster Linie auf die Analyse des RAD ausgerichtet. Der Vergleich mit dem etwa zeitgleich entstandenen US-amerikanischen Civilian Conservation Corps (CCC) dient in erster Linie der Kontextualisierung der Ergebnisse zum RAD: Was war zeittypisch, und ist daher in der einen oder anderen Form auch beim CCC, also des Arbeitsdienstes eines demokratischen Staats zu finden, was war spezifisch deutsch bzw. nationalsozialistisch? Das CCC, dessen gut erforschte Geschichte Patel überwiegend aus der Sekundärliteratur, teilweise aber auch quellengestützt, wiedergibt, dient also nur als Vergleichsfolie und nimmt daher nur etwa ein Viertel der Darstellung ein.

Neben der Vergleichsperspektive erfolgt die Gegenüberstellung von RAD und CCC jedoch auch aus transferanalytischer Sicht, schließlich nahmen beide Institutionen bzw. der öffentliche Diskurs über sie auch Bezug auf die jeweilige andere, oft um sich offensiv (RAD, im Sinne von »wir machen es besser«) oder defensiv (CCC, im Sinne von »bei uns ist es anders als bei den Nazis«) voneinander abzugrenzen.

Im Einzelnen untersucht Patel den RAD auf drei Ebenen. Erstens wird der RAD als Institution untersucht und im Machtgefüge des Nationalsozialismus verortet. Zweitens wird der Aspekt der Erziehung, der in den ersten Jahren des RAD eine große Rolle spielte, untersucht. Drittens schließlich geht es um die Arbeit, die der RAD konkret verrichtete. Nennenswerte Impulse zur Überwindung der Wirtschaftskrise gingen weder vom RAD noch vom CCC aus. Ihre Funktion lag eher in der Symbolisierung politischen Gestaltungswillens, der über die Heroisierung der jungen Arbeitsdienstler bewusst an vorhandene nationale Mythen anknüpfte. Während das CCC 1942 aufgelöst wurde, als sein Zweck erfüllt war – nach Kriegsbeginn gab es in den Vereinigten Staaten keine nennenswerte Arbeitslosigkeit mehr –, konnte der RAD seine Tätigkeit auch nach Erreichen der Vollbeschäftigung 1936 fortsetzen und sogar ausweiten. Die erzieherischen Ziele fielen dabei freilich seit 1937/38 unter den Tisch; faktisch wurde der RAD eine Art Baubataillon der Wehrmacht, für die schließlich sogar ab 1941/42 bewaffnete RAD-Einheiten kämpften.

Insgesamt handelt es sich um eine methodisch sehr reflektierte und intelligent strukturierte Arbeit, die eine wesentliche Forschungslücke schließt.

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K. Patel, Soldiers of Labor (Mark Spoerer)
In: Francia-Recensio, 2009-3, 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-3/ZG/patel_spoerer
Dokument zuletzt verändert am: 25.01.2010 13:28
Zugriff vom: 07.02.2012