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A. Bergeret-Cassagne, Les Bases Américaines en France: Impacts Matériels et Culturels 1950-1967 (Reiner Marcowitz)

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Axelle Bergeret-Cassagne, Les bases américaines en France: impacts matériels et culturels 1950– 1967

Francia-Recensio 2009/3 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine

Axelle Bergeret-Cassagne, Les bases américaines en France: impacts matériels et culturels 1950–1967. Au seuil d’un nouveau monde, Paris (L’Harmattan) , 278 S., ISBN 978-2-296-05498-1, EUR 25,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Reiner Marcowitz, Metz

Der Begriff der »Amerikanisierung« war bereits in der Zwischenkriegszeit geläufig und bezeichnete schon damals die unübersehbaren Tendenzen zur Übernahme von Elementen amerikanischen Gesellschaftslebens, Wirtschaftsgebarens sowie amerikanischer Populärkultur in größeren Teilen West- und Mitteleuropas. Dieser Trend zur Orientierung an amerikanischen Vorbildern potenzierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der unübersehbaren machtpolitischen und wirtschaftlichen Präsenz der USA in Westeuropa sowie wegen ihres starken ideologischen Einflusses noch. Dem hat sich auch Frankreich grundsätzlich nicht entziehen können, dennoch fiel der Trend hier ambivalenter aus als in anderen Ländern: Zum einen waren die besondere mission civilisatrice und die daraus abgeleitete grandeur Frankreichs eine jahrhundertealte Leitidee und spätestens seit der Französischen Revolution auch der integrale Bestandteil eines alle inneren Brüche und Umwälzungen des 19. und 20. Jahrhunderts überdauernden Selbstbewusstseins der France éternelle geworden, das gegen äußere Einflüsse stärker immunisierte. Zum anderen sah sich aber gerade dieses Land nach 1945 besonderen Herausforderungen seiner nationalen Identität gegenüber, die auch zu spezifischen Reaktionen auf transnationale Einflüsse führten: Der internationale status minus Frankreichs bei Kriegsende verschlechterte sich in den Jahren nach 1945 nämlich zunächst durch die innenpolitische und wirtschaftliche Schwäche der IV. Republik noch weiter. Dem gesellte sich die Dekolonisation hinzu, die das Land in Indochina wie in Algerien in ideell verstörende und materiell verlustreiche Niederlagen trieb. Das erzwang geradezu die Einsicht in die Notwendigkeit internationaler Kooperation und die Anpassung an transnationale Regime – im westeuropäischen ebenso wie im transatlantischen Rahmen.

Dementsprechend signalisierten die Meinungsumfragen der 1950er Jahre im Hinblick auf die USA auch eine überwiegend positive Einstellung, und in punkto Moden, Musik- sowie Lebensstilen setzte damals sicherlich eine bis heute andauernde Amerikanisierung Frankreichs ein. Vor diesem Hintergrund geht Axelle Bergeret-Cassagne der Frage nach, inwieweit die starke Präsenz amerikanischer Truppen im Land von 1950 bis 1967 diesen Prozess beförderte. Sie behandelt eine Fülle von Aspekten des Phänomens: die Dislozierung der Truppen, deren quantitative Entwicklung, das Aufeinandertreffen von Franzosen und Amerikanern in den Garnisonsstädten, die Faszination, die allein schon die materielle Überlegenheit, aber auch das Auftreten der GI’s vor allem auf junge Leute ausübte, die wirtschaftlichen Auswirkungen der amerikanischen Präsenz, einschließlich der Beschäftigungsverhältnisse französischer Arbeitskräfte auf den Stützpunkten sowie schließlich auch die negativen Begleiterscheinungen, wie Kriminalität, Prostitution und Umweltverschmutzung. Alles in allem – so ihr Fazit – stellten die amerikanischen Truppen in Frankreich insbesondere einen starken Wirtschaftsfaktor dar. Dementsprechend wurde die Entscheidung des französischen Staatspräsidenten, Frankreich 1967 aus der militärischen Integration der NATO herauszunehmen und damit auch die amerikanischen Truppen des Landes zu verweisen, vor allem in den hiervon unmittelbar betroffenen Regionen kritisiert.

Das vorliegende Buch ist aus einer maîtrise hervorgegangen. Dafür hat es zweifellos ein bemerkenswertes Niveau. Zum einen ist der Quellenreichtum der Untersuchung zu loben, die aus den Archiven des Quai d’Orsay ebenso schöpft wie aus zahlreichen lokalen und regionalen Archiven und Zeitzeugenbefragungen. Zum anderen bringt die differenzierte Analyse dieses Material zum Sprechen. Dergestalt erfasst die Autorin zweifellos erschöpfend den Alltag der GI’s in ihrem Gastland, aber auch die Kontakte der amerikanischen Soldaten mit den Einheimischen und deren Beeinflussung durch die amerikanischen Vorbilder. Indes drängt diese »dichte Beschreibung« des Phänomens dessen wissenschaftliche Einordnung etwas an den Rand. Lediglich auf einigen wenigen Seiten (S. 195–198) erörtert die Autorin die Frage, ob die unleugbaren Einflüsse der Amerikaner auf den französischen Alltag und die Franzosen tatsächlich gleichbedeutend mit einer »Amerikanisierung« gewesen seien. Hier hätte man sich eine ausführlichere Auseinandersetzung mit diesem Begriff, seinen problematischen Konnotationen, aber auch den deshalb heute kursierenden Alternativ- oder Komplementärbegriffen, wie »Europäisierung« oder »Westernisierung«, gewünscht. Gleichwohl ist der Autorin in der Sache Recht zu geben: Die Beeinflussung ihres Gastlandes durch die Amerikaner blieb relativ oberflächlich, zumal Einheimische und Fremde eher nebeneinander als wirklich miteinander lebten. Folglich sind auch die offensichtlichen Veränderungen der materiellen Kultur in Frankreich in den 1950er und 1960er Jahren vor allem auf eine allgemeine Modernisierung im Zuge der »Trente Glorieuses« zurückzuführen. Letztlich blieb die westliche Vormacht zumindest für die Franzosen ein ungeliebtes Vorbild: Wenn pointiert worden ist, die Amerikaner seien für die meisten Westdeutschen sehr bald schon nach dem Zweiten Weltkrieg »freundliche Feinde« geworden, so gilt für Frankreich, dass der amerikanische Hegemon eher ein »feindlicher Freund« war.

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A. Bergeret-Cassagne, Les Bases Américaines en France: Impacts Matériels et Culturels 1950-1967 (Reiner Marcowitz)
In: Francia-Recensio, 2009-3, 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-3/ZG/bergeret-cassagne_marcowitz
Dokument zuletzt verändert am: 20.01.2012 15:16
Zugriff vom: 08.02.2012