C. Mériaux, Gallia irradiata (Thomas Gottfried Bauer)
Charles Mériaux, Gallia irradiata. Saints et
sanctuaires dans le nord de la Gaule du haut Moyen Âge, Stuttgart
(Franz Steiner Verlag) 2006, 428 S. (Beiträge zur Hagiographie, 4),
ISBN 978-3-515-08353-9, EUR 70,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Thomas Bauer, Münster
Die »ausstrahlende Gallia«, von der um 1000 der Autor der Chronik von Saint-Vaast d’Arras rückblickend für das merowingische 7. Jahrhundert schwärmte, hat Mériaux prägnant zum Titel seiner Arbeit genommen, mit der er Anfang des Jahres 2002 an der Université de Lille III promoviert wurde. Mit gutem Grund fand das Werk, dessen von der Mission historique française in Göttingen geförderte Veröffentlichung auf einer überarbeiteten Fassung beruht, Aufnahme in die renommierte Reihe »Beiträge zur Hagiographie«. Und dies nicht nur aus dem sehr naheliegenden Grund, dass die Arbeit mit Blick auf ihre Quellenbasis, die breit und hauptsächlich aus hagiographischer Produktion geschöpft ist, und auf die Thematik selbst, die christliche Kultstätten und nicht zuletzt Heilige und deren Reliquien betrifft, zweifellos mit in den Kernbereich der Reihe gehört; sondern darüber hinaus auch aufgrund der stringenten Vorgehensweise, der fundierten Kenntnis, Recherche und Interpretation von Quellen und Literatur, der Brillanz und Tiefenschärfe der Analyse, der abgewogenen Urteilsfindung und vieles mehr, das den hohen wissenschaftlichen Rang und Ertrag der Reihe weiter bekräftigt.
Ausgehend von den Erkenntnissen der neueren Forschung über die Komplexität des Phänomens Christianisierung und die Bedeutung von Heiligengräbern und Reliquien, nimmt Mériaux den nordgallischen Raum, konkret die (späteren) Diözesen Thérouanne, Tournai und Arras/Cambrai, vor allem im 6. und 7. Jahrhundert in den Blick. 1. Wie und unter welchen Bedingungen erfolgte hier Mission (ein von Mériaux für den Untersuchungsraum mit Recht problematisierter Begriff, siehe unten)? 2. Wie gestaltete und verfestigte sich kirchliche und klösterliche Organisation, wie sah die christliche Topographie – Kultstätten – überhaupt aus und wie entwickelte sie sich? Und 3. Welche Rolle spielten die Heiligenkulte im Zusammenhang solcher Verfestigung? Dies sind die drei leitenden Fragen, anhand derer Mériaux seine Arbeit in drei Teile und insgesamt neun Einzelkapitel gruppiert und gliedert. Diese Leitfragen bedingen einen über den genannten Schwerpunkt deutlich hinausgreifenden zeitlichen Ansatz, nämlich zum einen zurück in die (spät)antiken Vorbedingungen der einschlägigen civitates (vor allem zu 1) und zum anderen nach vorne bis in das 11. Jahrhundert hinein (vor allem zu 3). Dabei kommt Mériaux das – von ihm vorbildlich kurz charakterisierte (S. 20–29) – Quellenspektrum wesentlich zugute. Mehr als nur Detail, sondern für Anspruch und Methode Mériaux’ generell ein Beispiel gebend, ist die Vorgehensweise in der Analyse zur Entstehung und frühen Ausbreitung von Heiligenkulten, in der sich Mériaux nämlich nicht auf die zum Teil verzeichnenden und größtenteils aus späterer Überlieferung stammenden hagiographischen Zeugnisse verlässt, sondern hier breit liturgische Quellen (Martyrologien; auch Litaneien) heranzieht.
Der erste Teil (L’implantation du christianisme, S. 31–96) gilt dem Kontakt des Untersuchungsraums mit dem Christentum und gibt bereits ein Musterbeispiel für die von Mériaux an den Tag gelegte, dann konsequent durchgehaltene Stringenz und Tiefenschärfe in der Analyse wie in der Interpretation. Völlig zu Recht relativiert Mériaux hier das traditionelle Gegensatzpaar der Forschung: »Paganismus – Mission« und zeigt für den Untersuchungsraum viele Formen christlich-heidnischer Begegnung (Kap. 1, S. 32–52). Mit der Problematisierung des Begriffs »Mission« trifft Mériaux den Sachverhalt auf den Punkt und konstatiert, anschließend v. a. an die Forschungen von Alain Dierkens, für die in der Frage entscheidende Phase im 7. Jahrhundert eine Christianisierung im Sinne einer christlichen Durchdringung bereits vorher christianisierter oder zumindest getaufter Gebiete. An dieser war der fränkische Anteil nach Mériaux weit größer als bisher angenommen, wobei die Initiative häufig von einem wieder stärker im Untersuchungsraum engagierten merowingischen Königtum (Dagobert I.!) ausging und an deren Durchführung die Bischöfe maßgeblich beteiligt waren (Kap. 2, S. 52–75). Möglicherweise sind die aquitanischen Bezüge von Mériaux hier allerdings etwas überinterpretiert. Zur Bestimmung der Rolle von Klöstern (Kap. 3, S. 75–95, bes. S. 82–89) kommt Mériaux zu dem interessanten Schluss, dass privilegierte Klostergründungen in den Diözesen hervortreten konnten, wo sich keine starken bischöflichen Zentren auf Grundlage römischer Zentren entwickelt hatten; das markante Beispiel gibt die civitas Morinorum, in der, gefördert durch die gegenseitige ›Neutralisierung‹ der ehemaligen Vororte Thérouanne und Boulogne, sich schon seit seiner Gründung in der Mitte des 7. Jahrhunderts das Kloster Sithiu als das wahre Zentrum der Diözese herausbildete. So kann Mériaux für die drei Diözesen seines Untersuchungsraums drei unterschiedliche (Organisations)typen feststellen: Cambrai als »cité épiscopale«, Tournai mit der Schelde als »véritable axe« und Thérouanne mit einem dominierenden klösterlichen Zentrum (Zitate S. 95).
Der zweite Teil (L’élaboration du paysage religieux, S. 97–170) analysiert die Entstehung und (frühe) Entwicklung christlicher Kultstätten vornehmlich auf dem Land bis in das 10. Jahrhundert. Eine feine chronologische Schichtung ist, wie Mériaux völlig zu Recht betont, in Anbetracht der Quellenlage nicht möglich; doch sind verschiedene Grundlinien in der Entwicklung von Mériaux im Folgenden klar herausgearbeitet. So kann Mériaux, zum Teil ›traditionelle‹ Methodik und Quellenschöpfung hinterfragend, und nicht zuletzt mit gut ausgewählten Vergleichen (Fontanelle!) arbeitend, die in der Forschung angenommene bestimmende Rolle der Klöster bei der christlichen Durchdringung und Organisation des Landes (vor einer Pfarreiorganisation) für seinen Untersuchungsraum entscheidend relativieren (Kap. 4, S. 98–125); für die von ihm hervorgehobenen »lieux de mémoire« fehlen umgekehrt allerdings in den meisten Fällen aussagekräftige Belege, so dass fraglich erscheint, ob auf dem von Mériaux eingeschlagenen Weg weiterzukommen ist. Die Überlegungen und Analysen zur Rolle des Adels (Kap. 5, S. 125–148), die Mériaux im Anschluss an Karl Ferdinand Werner mit gutem Grund nicht zu scharf nach kirchlichen und weltlichen Großen differenziert, zeugen geradezu mustergültig von der Besonnenheit, ja Vorsicht (im positiven Sinn) in seiner Vorgehensweise und in seinem Urteil. Mustergültig analysiert Mériaux hier die schon für die Merowingerzeit dichten Belege für Gründungen auf Eigengut und in einem grundherrlichen Kontext, wobei er am Beispiel des Martinspatroziniums eine ›Tiefenbohrung‹ vornimmt. Hieraus gewinnt er den wichtigen Befund, dass ein (frühmittelalterliches) Patrozinium des hl. Martin nicht zwangsläufig als ein Indiz für eine königliche Gründung genommen werden kann (S. 137). Die v. a. von Cordula Nolte betonte Bedeutung von adeligen Frauenklöstern für die Christianisierung zeigt Mériaux für die Gemeinschaften auch im Untersuchungsraum deutlich auf; bestimmendes Motiv scheint allerdings, so Mériaux überzeugend, die Stärkung familiärer Präsenz im Sakralen gewesen zu sein (S. 137–142). Mit dem 6. Kapitel (S. 149–169), das das Verhältnis von Bischofssitz und Diözese in den Blick nimmt, ist dann endgültig in die Karolingerzeit übergeleitet. Die Quellenlage gestaltet sich hier wesentlich günstiger, doch fehlt im Untersuchungsraum mit den Bischofscapitula eine Quellengattung von hoher Aussagekraft gänzlich. Deutlich wird die zunehmende Verfestigung der kirchlichen Hierarchie auf diözesaner Ebene im 9. und 10. Jahrhundert, wobei einzelne Ämter sich aber erst allmählich territorial banden und verfestigten. So kam der persönlichen Autorität des Bischofs auch weiterhin eine maßgebliche Rolle in der geistlichen Durchdringung und Straffung seiner Diözese zu. Was die Bischofssitze selbst angeht, gelangt Mériaux in einem konkreten Vergleich zu der zwar nicht prinzipiell, aber in ihrer Tragweite doch überraschenden Erkenntnis, dass sich Gegebenheiten und Entwicklungslinien aus der Merowingerzeit weiter in die Karolingerzeit (bzw. frühe Ottonenzeit) tradierten und dort unter neuen Bedingungen sogar profilierten: Die Entwicklung von Thérouanne war im 10. Jahrhundert weiter rückläufig, da der Bischof nach dem Abt von Sithiu (siehe oben) auch hinter den Grafen von Flandern zurücktreten musste, während im Gegensatz dazu Cambrai weiter zu einer geradezu blühenden Stadt heranreifte, gefördert durch die Integration in die ottonische Reichskirche (S. 162–169).
Der dritte Teil schließlich (S. 171–229) nimmt die Heiligenkulte und damit einen zweifellos ebenso bedeutsamen Gradmesser in der übergeordneten Frage nach der Christianisierung im Sinne christlicher Durchdringung zum Gegenstand. Mériaux geht diesen wichtigen Aspekt unter der Frage nach dem »impact sur la formation des diocèses« (S. 170) an, reiht sich also in die den gegenwärtigen Schwerpunkt der einschlägigen Forschung bestimmende Leitfrage nach der Raumwirkung von Heiligenverehrung1 ein. Für die drei hier untersuchten Diözesen ergeben sich deutliche Unterschiede, wobei nicht zuletzt die von Mériaux genutzte Breite des Quellenspektrums (siehe oben) zu dieser Differenzierung beiträgt. Im Fall von Thérouanne (Kap. 7, S. 172–192) bildete auch unter dem Aspekt der Heiligenverehrung das Kloster Sithiu das bestimmende Zentrum, das in die gesamte Diözese ausstrahlt und gleichsam als eine »fabrique des saints« (S. 189) deren Kulte speist. Mit der Etablierung und Verbreitung eines Bischofsheiligen, Folkuin († 855), versuchte das bischöfliche Zentrum im 9. und v. a. im 10. Jahrhundert entgegenzuwirken, doch wurde auch dieser Kult schließlich von Sithiu aufgesogen. Die Diözese Cambrai (Kap. 8 S. 193–209) ist, in geradezu krassem Gegenteil, von ihren Bischofsheiligen geprägt. Die Kulte lassen sich zum Teil bis in das 6. Jahrhundert zurück nachweisen, und spätestens für den Episkopat des Fulbert (933/934–956) lässt sich eine planmäßige, systematische Durchdringung mit den Bischofsheiligen einerseits und lokalen Kulten andererseits, bei gleichzeitiger ›Abschottung‹ gegenüber in der Diözese ›fremden‹ Heiligen – und dies etwa auch gegenüber solchen aus der in der Diözese Cambrai begüterten Abtei Saint-Denis! – , bestimmen. Wieder anders gestaltet sich der Befund für die Diözese Tournai (Kap. 9, S. 209–228). Ob sich die Sedes-Translation nach Noyon (das Mériaux ja aus der Untersuchung ausklammert) im 7. Jahrhundert in dieser Hinsicht bemerkbar gemacht hat, lässt Mériaux offen; jedoch zeichnet sich deutlich ab, dass die Kulte sich hier ganz wesentlich aus Inventionen, Translationen, Erhebungen etc. von Reliquien heraus entwickelt haben, also weniger aus dem Wirken z. B. eines heiligen Bischofs vor Ort. Nachweislich beeinflusst hat das Fehlen eines Bischofs in Tournai die Entwicklung der Heiligenkulte allerdings mit Blick auf die Initiative und die Motivlage: Die weltlichen Großen konnten, klar fassbar schon ab der Mitte des 9. Jahrhunderts, ihre ›Reliquienpolitik‹ entscheidend voranbringen – auch dies erklärt den Mangel an Bischofsheiligen mit – und im 10. Jahrhundert dann jedenfalls in dieser Hinsicht sogar die Kontrolle über Klöster gewinnen, deutlich im Fall von Blandigny/Gent unter den Grafen von Flandern und insbesondere Arnulf I.
Etwas knapp ausgefallen ist die »Conclusion générale« (S. 231–233), was freilich durch die sehr gelungenen Zusammenfassungen jeweils am Ende der einzelnen Kapitel sowie der drei Teile kompensiert wird. In einem Ausblick kann Mériaux andeuten, dass sich erst im 16. Jahrhundert in den drei Bistümern einschneidende Veränderungen ergaben, die – nach dem Gesagten bezeichnender Weise – letztlich die frühmittelalterlichen Entwicklungslinien zu Ende bringen: Thérouanne verlor seinen Bischofssitz, einer der Erben ist: Sithiu; Tournai, seit dem 12. Jahrhundert wieder Bischofssitz, verlor einen Teil seiner Diözese, in dem das flandrische Gent als Bistum eingerichtet wurde; Cambrai verlor zwar ebenfalls einige Gebiete, wurde aber zum Erzbistum erhoben. – Mit Blick auf den Leserkreis ist es ein benutzerfreundlicher Service, dass dem Werk auch eine knappe deutschsprachige Zusammenfassung (K. Hartleib-Monnet, S. 235–240) beigegeben ist. Diese trifft leider die terminologischen Feinheiten der Arbeit von Mériaux nicht immer glücklich.
Die technischen Teile der Arbeit sind sehr gründlich und akribisch recherchiert bzw. erstellt. Das Quellen- und Literaturverzeichnis (Bibliographie, S. 373–410) weist eine detaillierte Binnengliederung auf und enthält auch Verweise auf Online-Ausgaben; überaus hilfreich ist, nicht zuletzt angesichts der Dichte des herangezogenen hagiographischen Materials, die Angabe der jeweiligen BHL-Nummern. Kleinere Fehler, wie etwa »Walter Kaspers« (S. 397) als Name des Kurienkardinals Kasper, verdienen kaum der Erwähnung. Die gleiche Sorgfalt kennzeichnet das Verzeichnis der zitierten Handschriften (S. 411), das kombinierte Personen- und Ortsregister (S. 412–428) und das Verzeichnis der Karten und Tafeln (S. 428).
Immerhin etwa ein Drittel des Umfangs der Arbeit machen die beiden Anhänge aus. Deren Ausführlichkeit hat einen guten Grund, dienten diese Arbeiten doch nicht nur Mériaux als wichtige Orientierung in dem weit ausgreifenden Horizont des Untersuchungszeitraums, sondern sind auch für den Leser in Form von Inventaren wichtige Hilfsmittel für weitere, eigene Recherchen.
Bei dem gut 100 Seiten starken »Annexe I: Églises et communautés religieuses« (S. 241–344) handelt es sich um ein in alphabetischer Reihung gefasstes Repertorium der Kirchen und Klostergemeinschaften im Untersuchungsraum, die in aus der Zeit vor dem Ende des 10. Jahrhunderts stammenden Quellen bezeugt sind. Die Sammlung umfasst 218 Einträge, von Aaigem bis Zwalm. Jeder Eintrag enthält zu dem Ortsnamen mit Patrozinium der Einrichtung bzw. in manchen Fällen auch mehreren Einrichtungen (z. B. Aardenburg; Gent) jeweils den Erstbeleg und gegebenenfalls später modifizierende bzw. präzisierende Belege, die Art der ›Kultstätte‹, den (lateinischen) Ortsnamen in der Quelle, die Diözesanzugehörigkeit sowie die gegenwärtige Administrativzugehörigkeit. Eine mehr oder weniger ausführliche Kommentierung schließt sich jeweils an. Eine allerdings auf die wesentlichen Einrichtungen reduzierte Karte (S. 344) rundet diesen Anhang ab.
Den »Annexe II: Les principaux dossiers hagiographiques« (S. 345–372) bildet ein Inventar hagiographischer Dossiers. Es erfasst 64 Heilige des Untersuchungsraums, ebenfalls alphabetisch gereiht von Achard bis Winnocius. Die Kurzinformationen zur äußeren Quellenkritik, zur zeitlichen und räumlichen Verortung der jeweiligen Schriften sowie zur wichtigsten Literatur und das sehr detaillierte Editionsverzeichnis geben ein hilfreiches Arbeitsinstrument, zumal für weitere Forschungen zu weniger bekannten Heiligen wie etwa der Framehild, Mutter der Austreberta.
Angesichts der herausragenden Qualität der vorliegenden Arbeit von Mériaux dürfen die – ohnehin spärlichen – Monita nicht ernsthaft ins Gewicht fallen. Sie sind schnell aufgezählt: Die Ausklammerung von Noyon, der frühen Sedes des Bistums Tournai, aus Gründen der geographischen Einheit (so in der »Introduction« S. 11) erscheint in Anbetracht des historischen Kontexts kaum berechtigt. Die Deutung Mériaux’ in der – freilich mit Recht als »un peu artificiel« (S. 140) gewerteten – Debatte um die sogenannten Doppelklöster trifft das Phänomen bzw. Problem nicht umfassend. Der von Mériaux hervorgehobene Erwerb von Reliquien aus Kultzentren außerhalb der Diözese im Fall von Tournai (S. 228f.) ließe sich mit Verweis auf die historischen und kirchlichen Zusammenhänge der Belgica II/Reims weiter begründen.
Zur Gesamtwürdigung des Werks sollen die einzelnen, herausragenden Merkmale höchster wissenschaftlicher Qualität, auf die an jeweils geeigneter Stelle hingewiesen wurde, nicht wiederholt werden. Die nach vorne gerichtete Frage und zugleich Hoffnung: Wann darf die Fachwelt das nächste Buch von Mériaux erwarten?, mag diese Merkmale in eins zusammenfassen und um so stärker zum Ausdruck bringen. Vielleicht schließt sich eine Untersuchung weiter nach Süden, entlang der westfränkisch-lotharingischen Grenze bzw. derjenigen zwischen ›Reich‹ und Frankreich an, denn die vorliegende Arbeit zeigt, dass durch politische Rahmenbedingungen des 9. und 10. Jahrhunderts evozierte unterschiedliche Entwicklungen nicht erst hier begründet sein müssen, sondern in einzelnen Feinlinien auch schon in die Merowingerzeit zurückreichen können. Bis dahin möge Mériaux’ »Gallia irradiata« eine weite Ausstrahlung in der heutigen, Grenzen übergreifenden Forschungslandschaft beschieden sein!
1 Zum aktuellen Stand siehe Klaus Herbers, Heilige an den Grenzen »Lateineuropas«, in: Bernd Hamm, Klaus, Herbers, Heidrun Stein-Kecks (Hg.), Sakralität zwischen Antike und Neuzeit, Stuttgart, 2007 (Beiträge zur Hagiographie), S. 101–111; Thomas Bauer, Y a-t-il des saints lotharingiens?, in: La Lotharingie en question – Identités, oppositions, intégration. Actes de 14e Journées lotharingiennes (im Druck).
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