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É. Bournazel, Louis VI le Gros (Joachim Ehlers)

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Éric Bournazel, Louis VI le Gros. Préface de Jean-Pierre Poly

Francia-Recensio 2009/3 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Éric Bournazel, Louis VI le Gros. Préface de Jean-Pierre Poly, Paris (Fayard) 2007, 524 S., ISBN 978-2-213-63423-4, EUR 28,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Joachim Ehlers, Berlin

Der durch sein Buch zur Regierung und Verwaltungsorganisation der frühen Capetinger1 als Kenner dieser Epoche ausgewiesene Autor legt eine umfassende Biographie Ludwigs VI. vor, die eine empfindliche Lücke jedenfalls zu großen Teilen schließt, denn eine zusammenfassende monographische Darstellung der Zeit und Wirksamkeit dieses Königs (1108–1137) fehlt seit langem.

Der Autor folgt in den Grundlinien ausdrücklich dem älteren Basiswerk von Achille Luchaire über Ludwig VI. (1890), »sauf à en nuancer certains traits ou à le formuler autrement« (S. 17). Er will zeigen, dass und wie sich unter diesem König erstmals eine gewisse Vorstellung von der Würde königlicher Majestät gebildet habe, obwohl dieser Herrscher seinem gesamten Habitus nach ein Erbe war, d. h. in einer bewussten Kontinuität zu seinen Amtsvorgängern stand. Ludwig konsolidierte aber die Monarchie, nicht nur im Kampf gegen die widerspenstigen châtelains, sondern auch und in erster Linie in der Auseinandersetzung mit seinem mächtigen Vasallen Heinrich I., König von England und Herzog der Normandie, mit dem er einen nahezu permanenten politischen und militärischen Abnutzungskrieg geführt hat, der einem großen Teil seiner Regierungszeit ihren Stempel aufdrückte. Grundlage für dieses Zeit- und Persönlichkeitsbild sind die französischen und englischen erzählenden Quellen, unter diesen vor allem Ordericus Vitalis, aber auch die Urkunden Ludwigs VI., deren Edition Jean Dufour zwischen 1992 und 1994 vorgelegt hat.

Intensiv geht É. Bournazel zunächst der Entwicklung von Ludwigs Persönlichkeit nach, misst dem Einfluss seines Vaters Philipp I. große Bedeutung für die Charakterbildung des jungen Mannes zu und widmet sich dann dem capetingischen Hof und den gesellschaftlichen Voraussetzungen einer Königsherrschaft in dieser Zeit, bevor er die Erzählung mit dem Tod Philipps I. und den komplizierten Umständen der Krönung Ludwigs VI. beginnt. In drei großen Teilen (»La geste royale«, S. 97–205; »Les institutions capétiennes«, S. 207–282; »La fonction régalienne«, S. 283–398) entfaltet sich dann ein vom Material her wünschenswert vollständig ausgestattetes Faktenpanorama, in dem man kaum ein wesentliches Detail vermisst, aber ebenso wenig analytische Anregungen oder Anstöße für eine neue Sicht bekommt.

Das liegt nicht zuletzt am Verzicht auf Diskussion mit der internationalen Forschung und dem damit einhergehenden nahezu vollständigen Ausfall fundierter Komparatistik. Die Bibliographie weist (bis auf einen eher marginalen englischen Aufsatz von elf Seiten über Bischof Gottfried II. von Chartres) nur Literatur in französischer Sprache nach. Das wäre entschuldbar, wenn das Buch im wesentlichen aus den Quellen gearbeitet worden wäre, aber das ist keineswegs der Fall, vielmehr zeigt der erfreulich ausführliche Anmerkungsteil die übliche Mischung von Quellennachweisen und Forschungsbezügen. Angesichts der engen Verflechtung der Geschichte Ludwigs VI. mit dem anglonormannischen Reich Heinrichs I. gibt es jedoch keinen vernünftigen Grund, die einschlägige englische Forschung vollständig zu ignorieren und selbst vergleichende Untersuchungen wie die von David Crouch über den Adel in England und Frankreich oder das von D. Bates und A. Curry herausgegebene Sammelwerk über England und die Normandie nicht heranzuziehen; über Abaelard kann man ohne D. E. Luscombe und J. Marenbon nicht mehr wissenschaftlich reden (É. Bournazels kurze Erläuterungen zu den Schulen von Paris und Laon auf S. 154 sind ohnehin unzureichend und werden der Sache nicht gerecht), auch quellenkundliche Arbeiten zur englischen Chronistik gibt es reichlich, desgleichen sind die Beziehungen des Königs von Frankreich zum Papsttum und zum Imperium ohne Kenntnis zumindest der neueren deutschen Arbeiten wissenschaftlich nicht abzuhandeln.

Dadurch hat das Buch einen leicht selbstgenügsam-provinziellen Anstrich bekommen, es atmet jedenfalls nicht den Geist einer transnationalen europäischen Mediävistik. Das hat leider Auswirkungen auf die Bewertung seines Protagonisten, obwohl der Verfasser gewiss nicht das Urteil des Hofes Friedrich Barbarossas über den König von Frankreich bestätigen wollte.

1 Éric Bournazel, Le gouvernement capétien au XIIe siècle, 1108–1180. Structures sociales et mutations institutionnelles, Paris 1975.

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É. Bournazel, Louis VI le Gros (Joachim Ehlers)
In: Francia-Recensio, 2009-3, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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Dokument zuletzt verändert am: Feb 28, 2012 10:52 AM
Zugriff vom: May 24, 2012