M.-C. Bailly-Maitre, J.-M. Poisson (éd.), Mines et pouvoir au Moyen Âge (Dietrich Lohrmann)
Marie-Christine
Bailly-Maitre, Jean-Michel Poisson (dir.), Mines et pouvoir au Moyen
Âge. Actes de la Table-ronde de Lyon, 15 mai 2002, Lyon (Presses
universitaires de Lyon) 2007 (Collection d’histoire et
d’archéologie médiévales, 20), ISBN 978-2-7297-0793-4, EUR
25,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Dietrich
Lohrmann, Aachen
Unter der Ägide von Philippe Braunstein, Paul Benoit und Marie-Christine Bailly-Maitre sind die Forschungen zum mittelalterlichen Metallbergbau in den Grenzen des heutigen Frankreichs ein wesentliches Stück vorangekommen. Seit 1982 gibt es eine gelehrte Gesellschaft speziell für die Bergwerksarchäologie, die Société française d’études des mines et de la métallurgie. Neue Forschungen fanden statt am Standort des frühmittelalterlichen Silberbergbaues Melle (Metalla) in Aquitanien, vor allem aber im Lyonnais (Bergwerk des Jacques Cœur in Pampailly), im Dauphiné, in Savoyen und am Rande des Zentralmassivs. Industriearchäologie zählt heute in Frankreich zu den am besten geförderten Bereichen der Geschichtsforschung. 2002 veröffentlichte Frau Bailly-Maitre, die zuvor hauptsächlich durch die sensationellen Funde im 1800 m hohen Brandes (Isère) hervorgetreten war, ihr Buch zum Thema Silberbergbau und Politik, das den Anstoß zur Tagung in Lyon lieferte. Allen ist klar, dass die sensiblen Standorte von Bergbau- und Verhüttungsanlagen eines effizienten Schutzes bedurften, aber auch effizienter Verwaltung und Kontrolle. Auf dieses Thema richtet sich nun der hier anzuzeigende Tagungsband. Unterschieden werden drei grundverschiedene Epochen, das insgesamt nur schwach bezeugte Frühmittelalter, die hochmittelalterliche Expansionszeit getragen von grundherrlichen Initiativen, schließlich seit dem 14. Jahrhundert die Rückkehr der Staatsgewalt im Berg- und Hüttenwesen. Der König von Frankreich spielte eine Vorreiterrolle, Dauphiné und Savoyen-Piemont schlossen sich an. Die Beiträge des Tagungsbandes verbreitern die Basis des Buches von Bailly-Maitre über Frankreich hinaus, lassen den weiten deutschsprachigen Raum aber leider ausgespart. Wichtig und gut herausgearbeitet ist jeweils die Verbindung von archivalischer Dokumentation und archäologischer Feldforschung, hier auch mit Methoden der historischen Kartographie. Bailly-Maitre präsentiert eine überregionale Synthese der bisherigen Burgenforschung in Bergbauregionen, wobei sie Zeugnisse von Politik und Verwaltung voranstellt, den Schutz durch Burgen nachfolgen lässt. Die übrigen Untersuchungen (siehe Überblick am Schluss) greifen weit über Frankreich hinaus nach Piemont, in die Toscana, in den Südwesten des noch muslimischen Spaniens und nach Böhmen. Vielversprechend erscheint der Beitrag der Doktorandin Nadège Garioud zur Innovationsstrategie in Savoyen unter Einsatz von Fachleuten aus Böhmen, Ungarn und Nürnberg. In der Provence bleibt die Überlieferung vor dem 15. Jahrhundert äußerst schmal, im savoyischen Piemont erscheint sie umso reicher. Zur Toscana erhalten wir einen knappen Überblick über die Forschungen aus dem Kreis um Riccardo Francovich. Eindringend und neu dagegen die Nachrichten aus arabischen Texten der Almohadenzeit (c. 1445–1250) zum Schutzsystem für die Bergwerke und die Transportwege im Hinterland von Huelva. In der zusammenfassenden Bibliographie hätte man gern auch den großen Überblicksband zur Montanarchäologie in Europa1, hg. von Heiko Steuer und Ulrich Zimmermann (1993), gefunden, zumal es in ihm etliche konkrete Berührungspunkte gibt.
Inhalt: Marie-Christine Bailly, Pouvoir et mines d’argent au Moyen Âge. Mainmise politique et évidences archéologiques (S. 21–46). Nadège Garioud, La maison de Savoie et ses mines d’argent. Essai d’analyse générale d’une politique minière (fin XIIIe–première moitié XVIe siècle), S. 47–76. – Marie-Pierre Berthet, Pouvoir et industrie minière en Provence (S. 63–76). – Giorgio di Gangi, Ressources minières et centres de pouvoir en Piémont médiéval (S. 77–102). – Alessandra Cassini, L’extraction du cuivre et de l’argent dans les Monts de Campiglia Marittima (Toscane) de l’époque étrusque au XVIe siècle (S. 103–111). – André Bazzana, Les »districts miniers« de l’arrière-pays de Huelva: châteaux, routes et mines à l’époque almohade (S. 113–148). – Pavel Rous, Ladislav Vilímek, Karel Malý, Les positions fortifiées des aires minières médiévales de Jihlava (Iglau) et de Havlíckuv Brod (République tchèque) (S. 149–179).
1 Heiko Steuer, Ulrich Zimmermann, Montanarchäologie in Europa. Berichte zum Internationalen Kolloquium »Frühe Erzgewinnung und Verhüttung in Europa« in Freiburg im Breisgau vom 4. bis 7. Oktober 1990, Sigmaringen 1993 (Archäologie und Geschichte, 4).
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