M.-F. Wagner, L. Frappier, C. Latraverse (éd.), Les jeux de l’échange (Caroline zum Kolk)
Marie-France Wagner,
Louise Frappier, Claire Latraverse (éd.), Les jeux de l’échange:
entrées solennelles et divertissements du XVe
au XVIIe
siècle, Paris (Honoré Champion) 2007, 439 S. (Études et Essais sur
la Renaissance, 67), ISBN 978-2-7453-1370-6, EUR 81,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Caroline zum Kolk/Montreuil
Das Forschungsprojekt GRES (Groupe de recherche sur les entrées solennelles des villes françaises à la Renaissance, 1484–1615) hat seit seiner Entstehung im Jahre 2002 eine Vielzahl von Studien zum Thema der entrées royales vorgelegt. Mit dem Band »Les jeux de l’échange«, herausgegeben von Marie-France Wagner, Direktorin der GRES, im Verbund mit Louise Frappier und Claire Latraverse, liegen nun vierzehn Studien vor, die den sozialen und kulturellen Interaktionen bei den entrées und anderen Festlichkeiten gewidmet sind. Die Autoren sind Historiker, Literaturwissenschaftler und Musikwissenschaftler und untersuchen diese Fragestellung in unterschiedlichen kulturellen Bereichen (Entrées, Theater, Musik, Emblematik) des französischen Staates im Ancien Régime.
Der erste Teil des Buches ist den entrées gewidmet, der mit neun Artikeln der umfangreichste ist. Recht klassisch sind hier die Studien von Vincent Terrasson de Fougères und Fabrice Charton: Ersterer analysiert das Auftauchen der Figur der Astrée in den entrées von 1501 und 1508 sowie einen Text von Jean Lemaire de Belges (1508). Charton unterzieht die Festlichkeiten, mit denen Karl V. (1538) und Ludwig XIV. (1660) im Roussillon empfangen wurden, einer vergleichenden Untersuchung.
Andere Autoren wenden sich vernachlässigten Forschungsgegenständen zu, wie zum Beispiel der Finanzierung der entrées und den Geschenken, die die Städte ihren Gästen überreichten. Diese aufschlussreiche Thematik wird von Bruno Paradis, Lyse Roy und Jacky Provence erschlossen.
Weitere Studien zeigen auf, wie sich die entrées wechselnden historischen Gegebenheiten anpassten und außergewöhnlichen Situationen Rechnung trugen. Derval Conroy analysiert die entrées, die für die aus Frankreich verbannte Marie de Médicis in den spanischen Niederlanden, Amsterdam und England organisiert wurden und zeigt auf, dass sie eine besondere Form der Glorifizierung entwickelten, die sowohl die dynastische Position als auch das Exil der Königin thematisierte. Die entrée Heinrich’s III. 1574 in Lyon stand unter dem Zeichen seines Regierungsantritts. Die Hoffnung, dass der neue Herrscher der Krisenzeit ein Ende setzen werde, ist Thema der von J. Nassichuk untersuchten »Éloges au roi«, die Gabriel Chappuy anlässlich dieses Ereignisses redigierte. Lyon ist auch im Zentrum der Untersuchung von Yann Lignereux, der anhand der entrées von 1622, 1625 und einem satirischen Werk von 1627 die Entwicklung des Zeremoniells im Hinblick auf seinen gesellschaftlichen und historischen Kontext untersucht.
Eine andere Thematik sind die Konflikte, die bei der Zusammensetzung der Umzüge der entrées mit großer Regelmässigkeit auftraten. Sie werden von Fanny Cosandey behandelt, die Rang- und Platzstreitigkeiten untersucht.
Der zweite Teil des Buches wendet sich dem Theater zu: die Befreiung eines Sklaven im Stück »Le More cruel« (Christian Biet), die Rolle der Klage in den Tragödien von Robert Garnier (Louise Frappier) und der Platz der Prosopopoiia im 17. Jahrhundert (Jeanne Bovet) werden hier im Hinblick auf die Fragestellung der kulturellen und sozialen Interaktion untersucht.
Die Artikel des dritten Teiles behandeln zwei Aspekte der Alltagskultur im 17. Jahrhundert: Anne-Madeleine Goulet untersucht die airs sérieux, Anne-Elisabeth Spica die Emblematik, die nicht nur bei Hofe sondern auch in kultivierten Kreisen des Bürgertums geschätzt wurden.
Die Lektüre dieser thematisch und methodologisch sehr unterschiedlichen Beiträge hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Ihr Bezug zur Grundthematik der sozialen und kulturellen Interaktion ist nicht immer einsichtig. Auch ist das Nebeneinander von Studien zu so unterschiedlichen Themen wie entrées, Emblematik, Theater und Musik in dieser Form problematisch. Eine deutlicher umrissene Fragestellung und methodologische Eingrenzung wären hier sicher hilfreich gewesen.
Neben dieser strukturellen Schwäche sind die Beiträge für sich genommen aufschlussreich und bereichernd, vor allem dort, wo Neuland betreten und die Fragilität des Zeremoniells und der sich hier widerspiegelnden sozialen Ordnung aufgezeigt wird.
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