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A. Trillo, Geschichte des Aufstandes und der Kriege in den Niederlanden/Historia de la rebelión y guerras de Flandes (Markus Reinbold)

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Antonio Trillo (Hg.), Geschichte des Aufstandes und der Kriege in den Niederlanden/Historia de la rebelión y guerras de Flandres, unter Mitarbeit von/en colaboración con Friedrich Edelmayer


Francia-Recensio 2009/3 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Antonio Trillo, Geschichte des Aufstandes und der Kriege in den Niederlanden/Historia de la rebelión y guerras de Flandes, hg. von/editado por Miguel Ángel Echevarria Bacigalupe, unter Mitarbeit von/en colaboración con Friedrich Edelmayer, München (Oldenbourg) 2008, 352 S. (Studien zur Geschichte und Kultur der iberischen und iberoamerikanischen Länder/Estudios sobre Historia y Cultura de los Países Ibéricos e Iberoamericanos, 11), ISBN 978-3-7028-0443-5, EUR 59,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Markus Reinbold, Mainz

Die sehr sorgfältig bestückte Reihe wird nun um einen Band ergänzt, der vordergründig ein klassisches Thema – den Aufstand und den Krieg in den Niederlanden unter der Herrschaft Philipps II. – aufgreift, zugleich aber hochinteressante sozialgeschichtliche Inhalte bietet.

Nach einem Vorwort von Friedrich Edelmayer, einem ausgewiesenen Experten für die spanische Geschichte der Frühen Neuzeit, und einer Einleitung des Herausgebers Miguel Ángel Echevarría Bacigalupe – jeweils auf Deutsch und Spanisch – beginnt die Edition der Aufzeichnungen des Soldaten Antonio Trillo, erstmals veröffentlicht im Jahre 1592 in Madrid. Seine Schilderungen umfassen die Zeitspanne zwischen 1559 (Frieden von Cateau-Cambrésis) und 1577 (Ankunft Don Juans de Austria in den Niederlanden) und wurden vermutlich inspiriert durch die Lektüre der Beschreibung der Reise Philipps II. durch Europa aus der Feder des bekannten Chronisten Juan Cristóbal Calvete des Estrella. Letzterer fungierte im Übrigen als Beauftragter der Zensurbehörde im Fall der Publikation Trillos. Dieser stammte aus Guadalajara, einer stolzen kastilischen Stadt, aus der einige berühmte Zeitgenossen kamen, und verfügte über eine akademische Ausbildung. Als Schriftsteller war er allerdings blutiger Laie: »Der literarische Stil von Trillo ist so schlecht, dass durchaus von einer Stillosigkeit gesprochen werden kann«, so Echevarría (S. 13). Grundlage des Berichts sind die persönlichen Erinnerungen des Autors, am Ort des Geschehens in den Niederlanden notiert und später ausführlich dargelegt. In dem Werk selbst formuliert er den Anspruch, die Geschehnisse einem Theaterstück gleich vor dem Auge des Lesers zu entfalten, so dass die Edition am Ende folgerichtig auch ein sehr brauchbares Verzeichnis der Dramatis personae mit kurzen Biogrammen enthält (S. 314–330). Anders als in einem Theaterstück drängen sich in der Darstellung Trillos jedoch keine Protagonisten auf, so dass der Herausgeber zu Recht auf ihren kollektiven Charakter verweist (S. 15). Der Autor plante vier Teile, von denen er allerdings nur zwei bis zu seinem Tod umsetzen konnte. Das Erscheinen des Buches erlebte er nicht mehr.

Besondere Beachtung verdient das Werk aus militärstrategischer Sicht wegen der detaillierten Beschreibung der Kampftechnik in Flüssen und Kanälen, die andere Autoren der Zeit in ihren Kriegsberichten aussparten. Auffällig ist der ständige Rückgriff auf die griechische und lateinische Antike, der dem Autor als Ausweis seiner humanistischen Bildung diente. Diese belehrenden Passagen, in denen Trillo im Rekurs auf antike Autoren mitunter über Gott und die Welt philosophiert, hat der Leser sozusagen als Zwischenspiele der eigentlichen Berichterstattung hinzunehmen. Als Kostprobe mag ein kurzer Diskurs über die Vorzüge des Siegens ohne Blutvergießen (S. 149) dienen. Er zitiert darin Sueton (»Divus Iulius«), dem zufolge die Maxime Caesars auch dem Feldherrn des 16. Jahrhunderts den Weg weisen sollte: Wie ein guter Arzt seinen Patienten besser durch einen gesunden Ernährungsplan denn mit einem operativen Eingriff kurieren solle, so habe auch ein kluger Kriegsherr einen durch die Vernunft ermöglichten Sieg einem blutigen, dem Kriegshunger geschuldeten Gemetzel vorzuziehen. Ob dies für Caesar oder den Herzog von Alba tatsächlich gilt, soll hier einmal dahinstehen.

Wie sprachlich und drucktechnisch unzulänglich das ursprüngliche Werk auch immer gewesen sein mag – bereits der zeitgenössische Leser wurde mit einem nicht gerade formvollendeten Spanisch konfrontiert, und die zahlreichen typographischen Unzulänglichkeiten lassen auf einen Mangel an Sorgfalt beim Druckprozess schließen –, es erfreute sich vom Ende des 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein einer gewissen Beliebtheit bei den Lesern, die nicht zuletzt in Offizierskreisen zu finden waren.

Über das Leben des Verfassers abseits der Wirren in den Niederlanden ist wenig bekannt. Zumindest weiß man, dass er bei Lepanto gegen die Türken gekämpft hat und über die Vorgänge im Reich der Osmanen im Bilde war. Sein Soldatenleben hat er der Nachwelt überliefert, zugleich Beobachtungen zu Wirtschaft und Religion in den Niederlanden und damit ein eindrucksvolles Zeugnis eines historiographischen Laien, das dem Historiker von heute doch den ein oder anderen Blick aus anderer Warte als der der offiziellen Hofchronisten ermöglicht.

Die zweisprachige Aufbereitung der Herausgebertexte (Vorwort, Einleitung, Anmerkungen, Biogramme) und sogar des Registers wird der Publikation Benutzer im deutsch- wie spanischsprachigen Raum bescheren und damit eine detaillierte Auswertung des Primärtextes hoffentlich befördern.

Das Verdienst der Herausgeber ist es insgesamt, diese an sich sperrige Quelle sorgfältig ediert zu haben: Eine prägnante Einleitung, die den Leser ins Bild setzt; ein behutsamer Anmerkungsapparat, der die Lektüre nicht stört; instruktive Kurzbiographien der handelnden Personen, die sogar wichtige Literaturhinweise enthalten; ein Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personen- und Ortsnamenregister, das bei der Fülle an Namen im Text unverzichtbar ist und oft sowohl den Originalwortlaut als auch den heute gebräuchlichen Namen aufweist – all das macht den Text zwar nicht zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, aber der sachkundige Rezipient wird diese Fundgrube dankbar zu plündern wissen.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

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A. Trillo, Geschichte des Aufstandes und der Kriege in den Niederlanden/Historia de la rebelión y guerras de Flandes (Markus Reinbold)
In: Francia-Recensio, 2009-3, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-3/FN/trillo_reinbold
Dokument zuletzt verändert am: Jan 24, 2012 03:59 PM
Zugriff vom: May 24, 2012